Völkerschlacht-Denkmal

Zu Beginn dieses Sommers war ich wieder einmal im Leipzig unterwegs. Mein letzter Besuch galt 2013 den Veranstaltungen zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht, weshalb ich kaum Zeit hatte, die Stadt, die Umgebung und das Schlachtfeld eingehend zu erkunden. Das wollte ich nun nachholen. Die erste Etappe meiner Leipzig-Tour war das Völkerschlachtdenkmal, zu dem auch eine ausgedehnte Parkanlage und ein Museum gehört.

Das Denkmal

Die Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813 war bis zum 1. Weltkrieg die vermutlich größte Schlacht der Weltgeschichte gewesen, weshalb dieses Ereignis natürlich auch nach dem weltweit größten Schlachtdenkmal verlangte.

Erste konkrete Pläne für ein Denkmal wurden im Jahr 1863, zum 50. Jahrestag der Schlacht, gefasst. Doch es sollten noch mehrere Jahrzehnte vergehen, bis das Vorhaben tatsächlich in die Tat umgesetzt wurde. Der entscheidende Impuls ging vom Leipziger Architekten und Industriellen Clemens Thieme aus, der 1894 den „Deutschen Patriotenbund“ gründete, um die Realisierung des Denkmals voranzutreiben. Thieme war es auch, der schließlich die Gesamtleitung übernahm und das Projekt gegen viele Widerstände energisch verfolgte.

Finanziert wurde das monumentale Bauwerk nicht durch staatliche Mittel, sondern fast ausschließlich durch Spenden patriotischer Bürger, Erbschaften sowie durch die Veranstaltung von Lotterien. Insgesamt beliefen sich die Baukosten auf rund sechs Millionen Goldmark – eine gewaltige Summe für die damalige Zeit. Mit dem Berliner Bruno Schmitz konnte ein renommierter Architekt für das Projekt gewonnen werden. Schmitz hatte sich bereits mit nationalen Denkmälern wie dem Kyffhäuserdenkmal einen Namen gemacht. Obwohl er bei einem öffentlichen Wettbewerb nur den vierten Platz belegte, wurde er von Thieme direkt mit dem endgültigen Entwurf beauftragt.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 18. Oktober 1898, exakt 85 Jahre nach dem Beginn der historischen Schlacht. Als Bauplatz wurde eine ehemalige Sandgrube in Probstheida im Südosten Leipzigs gewählt. Der Baugrund wurde durch den Einsatz von etwa einer Million Kubikmeter Schutt aufgeschüttet und mit 65 massiven Betonpfeilern stabilisiert. Dabei griff man auf damals moderne Techniken zurück: Das Denkmal wurde weitgehend aus Stampfbeton errichtet, was es zu einem der frühesten Großbauten dieser Bauweise in Europa macht. Über 120.000 Kubikmeter Beton kamen zum Einsatz, was dem Denkmal ein Gesamtgewicht von etwa 300.000 Tonnen verleiht.

Verkleidet wurde der Betonkern mit rund 26.500 massiven Granitblöcken aus dem nahegelegenen Beucha. Diese grob behauenen Steine verleihen dem Monument seine charakteristische, archaisch-massive Ausstrahlung, die an neoromanische und zugleich germanisch-mythische Formen erinnert. Besonders auffällig ist die monumentale Bildsprache des Denkmals: Über dem Eingang thront der Erzengel Michael als Symbol des Schutzes und der göttlichen Gerechtigkeit. Im Inneren befinden sich vier kolossale Skulpturen, die Tugenden wie Tapferkeit, Volkskraft, Opferbereitschaft und Glaubensstärke darstellen. Diese fast zehn Meter hohen Figuren wurden von dem Bildhauer Franz Metzner geschaffen und dominieren die sogenannte Ruhmeshalle.

Im unteren Teil des Bauwerks befindet sich die Krypta – ein Raum, der als symbolisches Grab für die in der Völkerschlacht Gefallenen dient. Acht Wächterfiguren stehen dort in trauernder Haltung und wachen über die Erinnerung an das Blutvergießen. Darüber erhebt sich eine kuppelartige Halle, deren Decke mit 324 Reiterreliefs geschmückt ist. Diese symbolisieren das kollektive Opfer der beteiligten Nationen.

Am 18. Oktober 1913 – exakt 100 Jahre nach der Völkerschlacht – wurde das Denkmal im Rahmen eines feierlichen Staatsaktes eingeweiht. An der Zeremonie nahmen Kaiser Wilhelm II., König Friedrich August III. von Sachsen sowie Vertreter aus Österreich, Russland und Schweden teil. Frankreich, das ebenfalls an der historischen Schlacht beteiligt war, war hingegen nicht eingeladen – ein politisch motiviertes Zeichen der Zeit.

In den Jahren nach seiner Einweihung diente das Völkerschlachtdenkmal immer wieder als Ort politischer Instrumentalisierung. Während der Kaiserzeit war es Symbol nationaler Einheit und patriotischer Heldenverehrung. Auch das nationalsozialistische Regime nutzte das Monument für propagandistische Zwecke, ehe es in der DDR ideologisch uminterpretiert wurde: Nun galt es als Symbol für die deutsch-russische Waffenbrüderschaft im Kampf gegen Napoleon.

Trotz seines wechselhaften politischen Gebrauchs blieb das Denkmal ein fester Bestandteil der Leipziger Stadtsilhouette. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands begann 1998 eine umfangreiche Sanierung, die bis 2013 – zum 200. Jahrestag der Schlacht – abgeschlossen wurde. Dabei wurden sowohl die Bausubstanz als auch die technischen Anlagen modernisiert und das gesamte Areal einschließlich des Wasserbeckens – dem sogenannten „See der Tränen“ – instandgesetzt.

Heute ist das Völkerschlachtdenkmal ein beliebtes Touristenziel und Wahrzeichen Leipzigs. Mit einer Höhe von 91 Metern zählt es zu den größten Denkmälern Europas. Besucher können über rund 500 Stufen oder mit einem Fahrstuhl bis zur Aussichtsplattform in 57 Metern Höhe aufsteigen und einen beeindruckenden Blick über die Stadt genießen. Neben seiner historischen und architektonischen Bedeutung bietet das Denkmal heute Raum für Ausstellungen, Konzerte und Gedenkveranstaltungen.

Mein Besuch

Nachdem ich mein Fahrrad am Eingangsbereich vor dem großen Wasserbecken abgestellt hatte, umrundete ich das große Wasserbecken vor dem Völkerschlacht-Denkmal. Für den Besuch des Bauwerks und des Museums (ein Bericht dazu folgt später) löst man zunächst ein Ticket im Museums-Shop. Zunächst ist positiv zu erwähnen, dass die gesamte Anlage von Frühjahr bis Herbst täglich, also auch an dem sonst üblichen „Montags-geschlossen“-Tag, von 10 bis 18 Uhr geöffnet hat. Für 10 Euro bekommt man ein Kombi-Ticket für Denkmal und Museum, für weitere 2 Euro kann man an einer öffentlichen Führung teilnehmen. Neben der Eintrittskarte und den üblichen, sinnlosen Tinnef, bekommt man im Shop auch eine Auswahl an kleinformatigen Büchern, die für einen Rundgang durch das Denkmal, das Museum und das Schlachtfeld von Leipzig eine gute Ergänzung darstellen. Einige der Bücher waren schon in meinem Besitz, ein paar habe ich zusätzlich erworben:

  • Das Völkerschlachtdenkmal
  • Völkerschlacht: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig FORUM 1813
  • Die Völkerschlacht bei Leipzig: „In Schutt und Graus begraben“
  • Marksteine und Denkmale der Völkerschlacht in und um Leipzig

Natürlich gibt es darüber hinaus eine große Anzahl an ausführlicher und tiefgehender Literatur zur Völkerschlacht von Leipzig, aber für unterwegs und als kleines Gepäck sind die genannten Bücher bestens geeignet.

Mit Ticket und Reiseführer ausgestattet, ging es nun an die „Besteigung“ des wuchtigen Bauwerks, über dessen Ästhetik man sich sicher streiten kann. An der Außenwand des Kuppelbaus befinden sich zwölf kolossale Statuen, die Freiheitswächter. Sie stellen Ritterfiguren dar, die ihre Köpfe gesenkt haben und sich auf ihre Schwerter stützen. Am oberen Rand des Turmbaus steht die Inschrift „18. OKTOBER 1813“ und am oberen Rand der Freitreppe die Inschrift „GOTT MIT UNS“, welche sich auf den Schlachtruf der Preußen in den Befreiungskriegen bezieht. Die Wand am unteren Eingang, über den man das Fundament und die oberen Aussichtsbereiche (nicht jedoch die Ruhmeshalle, die nur über die beiden großen Außentreppen zugänglich ist) erreichen kann, wir von einem 19 Meter breiten Relief mit einer Schlachtenszene ausgefüllt. Im Zentrum thront die über 11 Meter hohe Statue des Erzengels Michael mit Schild, Flammenschwert und „Adlerblick“. Der Erzengel Michael gilt seit der siegreichen Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 als Schutzpatron Deutschlands.

Tritt man durch den Eingang, gelangt man in das Fundament des Bauwerks, mit seinen riesigen Betonstützpfeilern. Man kann die eigentliche Fundament-Halle nur im Rahmen einer Führung besichtigen, aber durch große Glasfenster auch von außen bestaunen. Mit dem Fahrstuhl (oder über eine Treppe) erreicht man als nächstes einen kleinen Raum (1. Stock), in dem ein Film zur Einführung in das Thema gezeigt wird. Die nächste Etage führt den Besucher in die Krypta. Sie stellt das symbolische Grab der mehr als 120.000 Gefallenen der Völkerschlacht dar. Die acht Pfeiler der Krypta sind als riesige Totenmasken ausgebildet, vor denen jeweils zwei monumentale Totenwächter stehen. Darüber blickt man in den zentraler Gedenkraum, die Ruhmeshalle.

Nun geht es mit dem Fahrstuhl in die Etage mit dem äußeren und inneren Aussichtrundweg. Man befindet sich hier in 58 Metern Höhe und hat schon einen sehr schönen Blick über Leipzig und die Landschaft rundherum. Weiter geht es dann über eine sehr enge und lange Wendeltreppe auf die 91 Meter hohe Aussichtsplattform, dem höchsten Punkt des Denkmals. Von hier hat man einen fantastischen Rundblick, der bei gutem Wetter und klarer Sicht bis zum Fichtelberg in 105 Kilometer Entfernung reichen soll, über die Stadt und das ehemalige Schlachtfeld. Nun geht es mit dem Fahrstuhl oder über 500 Treppenstufen zurück zur Krypta.

Mit nunmehr leicht wackeligen Beinen (ich habe natürlich tapfer die Wendeltreppe genommen) erreiche ich die Ruhmeshalle, in die man nicht über den Fahrstuhl, sondern die Außentreppen (noch mehr Stufen!) gelangt. Sie enthält vier kolossalen Statuen, die Tugenden der Deutschen in den Befreiungskriegen. Nein es sind nicht Pünktlichkeit, Sauberkeit, Ordnung und Disziplin, sondern Volkskraft, Opferbereitschaft, Tapferkeit und Glaubensstärke. Als Vorbilder der 9,5 Meter hohen Statuen dienten dem Bildhauer Franz Metzner die altägyptischen Memnonsäulen bei Theben. Die massiven Rundbögen zwischen den Tugendfiguren sind mit bunten Glasfenstern und schweren Eisentüren versehen, die der Ruhmeshalle den Anschein einer Kathedrale verleihen. Die Rundbögen teilen jeweils zwei Halbsäulen mit Hochreliefs, die trauernde Frauen und Männer darstellen. Den Abschluss des bilden 324 Reiterfiguren an der Innenwand des Kuppelbaus.

Das Bauwerk bildet mit seinen Darstellungen, Ausblicken und den vielen Treppen, eine wirklich interessante sowie auch sportliche Herausforderung. Allerdings sind die steilen und teilweise sehr engen Gänge mit Sicherheit nicht nach Jedermanns Geschmack. Mit hat es aber gut gefallen. Und weiter ging es nach nebenan, zum Museum FORUM 1813…

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