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Transfer Medium statt Decals

Im Rahmen des letzten Symposiums hat mir Klaus Hinderks das Wundermittel „Transfer Medium“ vorgestellt. Mit dieser magischen Paste lassen sich Bilder und Texte von gedruckten Seiten, wie Fotokopien, Ausdrucken vom Laserdrucker oder Bilder aus Zeitschriften, auf bemalte Oberflächen, aber auch Holz, Glas usw. übertragen. Man muss nur beachten, dass alle Vorlagen spiegelverkehrt übertragen werden. Man sollte also gegebenenfalls das Bild oder den Text noch bearbeiten.

Bisher hatte ich noch keine Zeit, das Ganze zu testen. Nun ergab sich jedoch eine Gelegenheit. Für meine FoG Samurai Armee wollte ich am Wochenende das Lagerelement gestalten. Das Lager sollte das Hauptquartier des Tokugawa Ieyasu beinhalten. Hierfür wollte ich zunächst den „maku“, eine Art Vorhang, der dem Hauptquartier als Sichtschutz diente, bemalen. Auf den einzelnen Elementen des Vorhangs war jeweils das „mon“ (Wappen des Hauses) aufgedruckt. Das „mon“ des Tokugawa Ieyasu ist relativ aufwendig und ich benötigte das Ganze auch gleich 22 Mal!

Ich habe mir also kurzerhand das Transfer Medium von VBS für 2,99 Euro bestellt und das Wappen als Bild aus dem Internet kopiert. Nachdem ich das „mon“ auf Größe gebracht hatte, habe ich es 22 Mal kopiert und auf einem Laserdrucker ausgedruckt. Nun begann die eigentliche Arbeit.

Das Bild, das übertragen werden soll, wird ausgeschnitten. Bild oder Text werden nun mit dem Transfer Medium bestrichen, in Position gebracht und fest angedrückt. Durch das angefeuchtete Papier passt sich das Bild auch wunderbar unebenen Oberflächen an. Nun muss das Ganze rund 24 Stunden einwirken. Nach den 24 Stunden wird das Bild mit Wasser bestrichen. Anschließend wird das nasse Papier mit dem Daumen oder einem weichen Schwamm „weggerubbelt“. Das rubbeln macht man in mehreren Arbeitsschritten. Zwischendurch sollte man das Papier immer mal wieder mit Wasser einweichen. Zum Schluss kommt nun tatsächlich das Bild zum Vorschein. Das Bild ist nicht ganz so gestochen scharf wie ein „Decal“ und die Farben sind leicht verwaschen. Wer will, kann das Bild oder den Text  noch etwas mit Farbe nachbearbeiten.

Ich finde, das Ganze ist wirklich eine tolle Geschichte und wird mir in Zukunft einige aufwendige Detailarbeiten erleichtern. Danke Klaus!

Hier noch einmal die Arbeitsschritte Bild für Bild:

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Das Bemalen von Weichplastikfiguren / Teil 3 – Die Maltechnik

So, herzlich willkommen zur dritte Ausgabe der Weichplastikfigurenbemalung. Nachdem nun alle vorbereitenden Arbeitsschritte getan sind und das Handwerkszeug bereit liegt, kommen wir zum eigentlichen bemalen der Figur. Die Technik unterscheidet sich im Grunde nicht von der Bemalung von Zinn- oder Hartplastikfiguren. Die nachfolgenden Arbeitsschritte sind daher eher an der Figurengröße und der Bemalungsqualität ausgerichtet. Je kleiner die zu bemalende Figur ist, umso deutlicher sollten die Akzente in der Bemalung ausfallen. Eine kleine Figur, und dazu zähle ich auch die 1/72 bzw. 20 mm Figuren, benötigt relativ starke Kontraste, deutliche Lichter und eine klare Struktur, die es einem ermöglicht, auch noch kleine Details und Farbunterschiede zu erkennen.

Grundfarben

Im ersten Arbeitsschritt werden die Grundfarben aufgebracht. Hierbei werden alle größeren Flächen in einem mittleren Grundfarbton angelegt. Hat man Wahlmöglichkeiten, d.h. man muss nicht eine bestimmte Kleidung oder Uniform wiedergeben, sollte man dabei möglichst helle und dunkle Töne nebeneinanderlegen. Die Farbe sollte man nicht zu dick auftragen, sie sollte also mit ein wenig Zugabe von Wasser verdünnt werden. Reines Schwarz und Weiß sollte man übrigens vermeiden. Schwarz kann man halt nicht schattieren und Weiß nicht aufhellen. Bei vielen 1/72 Figurenmalern wäre mit dem Bemalen jetzt Schluss, die Figur wäre also fertig.

Richtige Tiefe, ähnlich wie in der Malerei, erhält eine Figur jedoch erst durch die Simulation von Licht und Schatten. Die tiefliegenden Bereiche werden dabei dunkler dargestellt, die erhabenen Stelle und scharfe Kanten heller. Will man es ganz genau machen, so sollte man den Einfluss einer imaginären Lichtquelle in Betracht ziehen und deren Position bestimmen.  Ein Beispiel für eine der häufigsten möglichen Lichtquellen, ist die Sonne. Da die Sonne meist von schräg oben scheint, erhalten die meisten Figuren helle Farbbereiche auf der Oberseite und dunkle Bereiche an der Unterseite. Hier ein Beispielbild aus dem Film „Der letzte Samurai“. Die hellen Lichtreflexionen auf der Oberseite der Rüstung, sind deutlich zu erkennen.

Eine gute Quellenstudie für die Licht und Schattenmalerei sind gute Uniformtafeln, wie von Patrick Courcelle. Hier ein Beispiel:

Schatten

Um sich den ersten Arbeitsschritt der Schattierung zu sparen, gebe ich über den ersten, gut durchgetrockneten Farbauftrag nun etwas Tusche (Wash). Als Tusche oder Wash werden stark verdünnte Farben bezeichnet, denen oft Zusätze beigegeben werden, welche die Fließeigenschaften verbessern. Ich verwende fertiges braunes Wash (Strongtone /Armypainter) für Hautfarbtöne, alle Braun-, Grün, Gelb- und Rottöne, sowie Gold und Bronze. Bei Blautönen, Silber und Eisenfarbe greife ich zu schwarzem Wash (Games Workshop). Der Tusche gebe ich noch ein paar Tropfen Ochsengalle bei, um die Fließeigenschaft noch einmal zu verbessern. Die dünne Farbe läuft nun über die Figur, wobei sich die meisten Pigmente in den Vertiefungen sammeln und dort dunkle Bereiche, die Schatten der Figur, bilden. Man braucht zunächst etwas Erfahrung, um nicht zu viel oder zu wenig Tusche zu verwenden und diese auch in die richtigen Bereiche zu lenken. Mit einem trockenen Pinsel kann man überschüssiges Wash aufsaugen und so wieder problemlos entfernen. Durch den flächendeckenden Auftrag der Tusche werden auch die erhabenen Bereiche der Figur etwas abgedunkelt, ein Effekt, der durchaus gewollt ist. So entsteht ein sanfter Farbübergang zwischen den tiefen und den erhabenen Stelle der Miniatur. Wer etwas mehr Aufwand betreiben möchte, sollte nun die Schatten noch ein wenig durch verdünnte dunkelbraune bzw. schwarze Farbe verstärken.

Den Abschluss der Schattierung stellt das sogenannten „black-lining“ dar. Dabei wird eine feine schwarze Linie zwischen alle Farbbereiche und Trennungen der Figur gezogen. Dieser Arbeitsschritt ist extrem mühsam, aber gerade bei dieser Figurengröße sehr wirkungsvoll. Das Auge des Betrachters kann so besser zwischen den einzelnen Bereichen der Figur unterscheiden. Auch in der Malerei wird dieser Trick angewendet (s. Uniformtafel von Courcelle). Die ganze Figur wirkt jetzt klar strukturiert und die Details sind leicht zu erkennen.

Lichter

Nachdem der Farbauftrag der Schattierung getrocknet ist, geht es an die Bemalung der Lichter, also der Figurenbereiche, die farblich aufgehellt werden sollen. Bei diesem Arbeitsschritt nimmt man zunächst den Grundton, den man auch schon in Schritt 1 verwendet hat und malt diesen lasierend (mit Wasser verdünnt) auf die erhabenen Figurenbereiche und die Kanten der Ausrüstung und Kleidung. Man muss unbedingt darauf achten, dass diese Aufhellung den Grundton darunter nicht vollständig verdeckt, denn sonst geht der Effekt verloren. Beim Pinselstrich beginnt man an der Stelle, die am hellsten werden soll und zieht die Pinselspitze dann in Richtung Schatten. Durch die verdünnte Farbe gelangen mit Hilfe dieser Technik besonders viele Farbpigmente in den Anfang des Pinselstriches und weniger in das Ende. Man erhält dadurch sehr fließende Übergänge zwischen den einzelnen Farbschichten, da die Farbe darunter noch leicht durchscheinen kann. Durch das Washing ist der Grundfarbauftrag ja dunkler geworden, wodurch jetzt schon, mit dem erneuten Auftragen dieses Farbtons, die erste Stufe der Aufhellung erfolgt ist.

Hat man alle Bereiche bearbeitet, erfolgt eine weitere Aufhellung. Hierbei mischt man unter den Grundfarbton etwas hellere Farbe. Man sollte zum Aufhellen des Grundtons kein Weiß verwenden, sondern eher Farben wie Beige, Hellgrau, Kaki oder ein helles Gelb. Weiß bricht die Farbbrillanz zu stark. Manche verwenden sogar noch eine dritte Stufe der Aufhellung, das ist aber eher nur für Dioramen oder Vitrinen-Figuren nötig. Diese Drei-Stufentechnik, Grundton + 1. Aufhellung + 2. Aufhellung haben einige findige Farbhersteller aufgegriffen und bieten fertig gemischte und aufeinander abgestimmte Farbtöne in diese 3 Stufen an. Man kann diese fertigen Farben zwar verwenden, man schränkt sich jedoch bei der Farbauswahl ein.

Details

Im letzten Schritt werden die feinen Details herausgearbeitet. Das können aufgenähte Abzeichen auf der Kleidung, Schriftzüge, Tätowierungen, Schildembleme oder die Gesichter der Figur sein. Für diese Arbeit sollte man einen sehr feinen Pinsel und Farbe mit Trocknungsverzögerer verwenden. Um Details noch gut erkennen zu können, verwendet man meist besonders starke Kontraste oder man unterlegt die feine Struktur noch mit einem dunklen bzw. hellen Farbbereich. Die Figur ist jetzt fertig bemalt.

Die meisten versiegeln die Miniatur abschließend mit einem Mattlack. Da ich bereits viele schlechte Erfahrungen mit Mattlack gemacht habe, verzichte ich auf diesen Schritt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Lackierung bei den sehr leichten Weichplastikfiguren auch nicht nötig ist. Selbst wenn die Figur zu Boden fällt, werden keine Ecken, wie bei Zinnfiguren, abgestoßen. Es ist vielmehr so, dass die vielen Farbschichten (Grundierung, Grundton, Wash und Aufhellungen), einen guten Schutz bilden und nur durch starkes biegen bzw. reiben abgelöst werden können. Das würde aber auch ein zusätzlicher Lack nicht ändern.

Das Bemalen von Weichplastikfiguren / Teil 2 – Das Handwerkszeug

Wer jetzt dachte „…HURRA! Los geht es“, den muss ich noch einmal kurz bremsen. Bevor ich den eigentlichen Bemal-Vorgang beschreibe, will ich noch ein paar Takte zu den Utensilien und Hilfsmittel verlieren. Ich verrate dem versierten Figurenmaler sicher nicht viel Neues, oft ist aber doch der eine oder andere nützliche Tipp dabei.

Maltisch

Viele Hobby-Kollegen verwenden die unglaublichsten Maltischkonstruktionen, mit unzähligen Fächern, Schubladen und Getränkehaltern. So ein Maltisch ist allerdings auch enorm praktisch. Farben, Pinsel und Werkzeuge sind immer griffbereit und gut sichtbar. Oft sind diese Konstruktionen auch transportabel, was besonders nützlich ist, wenn man zu Hause nicht viel Platz hat und so den Arbeitsbereich nach der Malstunde wieder räumen muss. Leider haben die meisten Maltischkonstruktionen für meine Begriffe ein Defizit. Ich spreche von der richtigen Höhe…meistens liegt das Niveau ungefähr Esstisch bzw. Schreibtischhöhe und das ist definitiv zu niedrig. Immer wieder sehe ich viele Figurenkünstler, die sich extrem tief nach vorne beugen, um die Details der Figur richtig erkennen zu können. Das ist nicht nur schlecht für den Rücken, es ermüdet außerdem den Körper und verspannt die Muskulatur. Seit Jahren verwende ich einen kleinen Holzkasten (Schuhkarton geht auch), den ich zum Malen oder Modellieren auf den Tisch stelle. Die Arme bewegen sich rechts und links von diesem Kasten und werden so nicht in der Bewegung beeinträchtigt. Einige polstern auch die Kante des Maltisches, um so die Handgelenke aufstützen zu können. Durch das Aufstützen der Handgelenke vermeidet man ungewollte Bewegungen und ein eventuelles leichtes Zittern beim Bemalen. Zusätzlich sollte man einen höhenverstellbaren Stuhl nutzen, um eine optimale Sitzhöhe zu erreichen.

Beleuchtung

Neben Farbe und Pinsel, ist die Beleuchtung das wichtigste Arbeitsgerät. Ich verwende immer zwei Leuchten rechts und links vom Malobjekt, um keine Schatten zu erzeugen. Die Lampen sollten also in alle Richtungen frei beweglich sein. Mit den Lampen verwende ich starke Energiespar-Tageslichtbirnen. Das Licht lässt die Farben relativ neutral erscheinen und es wird kaum Wärme erzeugt. Das schont nicht nur den Maler selbst, die Farben können bei niedrigen Temperaturen auch länger verarbeitet werden.

Pinsel

Ich verwende vier verschiedene Pinseltypen. Einen etwas dickeren, leicht bauchigen Pinsel (günstiger Echthaarpinsel), der viel Farbe und Wasser aufnehmen kann. Er wird für groben Arbeiten, zum Mischen von Farben und für den Auftrag von „Tusche“ eingesetzt; einen kurzen, breiten Pinsel (Synthetikhaar) für das „Trockenbürsten“; einen kleinen schlanken Pinsel (Rotmarderhaar), auch Schlepper genannt, für das eigentliche Bemalen und einen sehr feinen kurzen Pinsel (ebenfalls Rotmarderhaar) für die Detailarbeiten. Viele verwenden auch Kunsthaarpinsel, aber leider komme ich mit denen nicht klar (außer beim Trockenbürsten) und muss so mit der teurer Variante leben. Beim Bemalen sollte man den Pinsel immer nur mit der vorderen Hälfte in Farbe tauchen. Dadurch können sich keine Farbpigmente in die Verengung vor der Hülse setzten, die dazu führen, dass sich die Pinselspitze spreizt. Verwendet man etwas Spülmittel im Malwasser, so pflegt das die Pinselhaare. Nach Gebrauch tauche ich die Pinsel in ein Haarpflegemittel (ich habe einen Club-Kollegen bei Schwarzkopf ;-)), welches den Pinsel zusätzlich pflegt, reinigt und die Spitze wieder in Form bringt. Einige verwenden auch Kernseife oder spezielle Pinselseife zur Pflege.

Farben

Ich bevorzuge Acrylfarben. Der größte Teil meiner Farben ist aus dem Sortiment von Vallejo Model Color. Einige ausgewählte Farben sind von Games Workshop, Vallejo Games Color und Call-to-Arms. Neben den normalen Acrylfarben verwende ich außerdem Tinte (Black Ink von Vallejo) und Tusche bzw. Wash (braun und schwarz von Armypainter bzw. Games Workshop). Ich habe auch schon Versuche mit Künstleracryl-, Gouache- und Aquarellfarben gemacht, doch dazu werde ich bei Gelegenheit noch einmal einen gesonderten Bericht schreiben.

Malmittel

Malmittel sind unterschiedliche Flüssigkeiten oder Gels, die den Farben beigegeben werden, um deren Eigenschaften zu verändern. Auch das Wasser, welches neben dem Malisch in einem großen Glas oder Becher steht, zähle ich zu den Malmitteln. Das Wasser reinigt nicht nur den Pinsel, mit ihm werden auch die Farben verdünnt, um so lasierend arbeiten zu können. Die meisten Figurenmaler verwenden 3 Wasserbehälter, einen für die Pinselreinigung von Metallfarben (wg. der winzigen reflektierenden Aluminiumflocken in diesen Farben), einen zum Verdünnen von Farben und einen zum Reinigen des Pinsels. Etwas Spülmittel im Wasser hilft, die Oberflächenspannung zu brechen und Farbe besser in Vertiefungen laufen zu lassen. Statt dieser Methode, benutze ich aber meist Ochsengalle als Netzmittel. Dieses Malmittel aus dem Künstlerbedarf entfettet außerdem Oberflächen und wirkt leicht trocknungsverzögernd. Sind meine verwendeten Farben zu glänzend (manchmal kippen die Farben auch von matt auf glänzend), gebe ich ein wenig Acryl-Mattierungsmittel zur Farbe. Die Farbe wird zwar etwas dickflüssig, ist aber immerhin noch zu verwenden. Weitere Malmittel sind beispielweise Trocknungsverzögerer. Neben den Malmittel liegt auch immer ein Leinentuch (altes Bettzeug oder T-Shirt) zum Reinigen und Entfeuchten der Pinsel auf dem Arbeitsplatz.

Palette

Wie viele andere Figurenmaler auch, bin ich auf die sogenannte Nasspalette umgestiegen. Diese Palette, bestehend aus einer Lage Backpapier und einer Lage nassem Haushaltspapier darunter, sorgt dafür, dass die Farbe, die auf das Backpapier aufgetragen wurde, ständig befeuchtet wird und so nur sehr langsam trocknet. Einmal gemischte oder verdünnte Farben können so deutlich länger verarbeitet werden. Neben diese Nasspalette, greife ich bei größeren Farbmengen, die nicht so schnell antrocknen, auch zu weißen Papptellern, die nach Gebrauch einfach weggeworfen werden.

Im 3. Teil geht es nun aber wirklich mit der Bemalung der Figuren los…versprochen! 😉