Song of Ice and Fire Tabletop – Es geht los!

Vor knapp einem Jahr habe ich erstmals vom Song of Ice and Fire Tabletop – Kickstarter berichtet. Nun sind das Spiel und die Figuren bei mir eingetroffen. Es ist also an der Zeit, die Qualität der Figuren und die Spielbarkeit der Regeln auf Herz und Nieren zu prüfen.

Der Postbote hatte einiges zu tragen…

Zunächst ein paar generelle Worte, die meinen ersten Eindruck beschreiben sollen. Die Optik des Spiels ähnelt einem klassischen TableTop der 90er und 2000er Jahre, wie beispielsweise Warhammer Ancient Battles, bei dem Blöcke von Einheiten, bestehend aus Movement-Trays mit Einzelfiguren, unterstützt von Anführern und Helden über den Spieltisch geschoben werden. Jede Einheit hat verschiedene Eigenschaften und Spezialfähigkeiten., wozu die Grundwerte für Bewegung, Nahkampf, Fernkampf und Moral zählen. Ein relativ neues Element ist das Tactic-Board, auf dem Nicht-kämpfende-Charaktere platziert werden, die durch ihre unterschiedlichen Fähigkeiten das Geschehen auf dem Schlachtfeld zusätzlich beeinflussen können. Das führt nicht nur zu neuen taktischen Varianten, sondern bringt auch Helden und Schurken aus den Bücher ins Spiel, die man normalerweise nicht bei einem TableTop-Spiel erwarten würde.

Meine Kickstarter Ausbeute.

Ein Spiel beginnt damit, dass zunächst die beiden Armeen zusammengestellt werden. Eine Schlacht kann man in drei unterschiedlichen Größen, mit 30, 40 und 50 Punkten austragen. Eine Armee besteht aus mehreren Einheiten, die mit einem Kommandeur oder Anführer aufgewertet werden können. Schließlich werden noch die Charaktere für das Tactic-Board ausgewählt. Wie üblich, gibt es für jede Einheit und Figur Punktkosten, die in Summe die ausgewählte Größe des Spiels nicht überschreiten dürfen. Als nächstes wählt man eines von fünf möglichen Szenarien und das Gelände wird auf dem 120 x 120 cm (große Spiele auf 120 x 180 cm) Spielfeld verteilt. Schließlich erhält jeder Spieler noch 3 Karten aus seinem Stapel von Taktik-Karten, der individuell je nach Fraktion und Kommandeur zusammengestellt wurde.

Ein erstes Testspiel mit unbemalten Figuren.

Ein Spiel dauert maximal 6 Runden oder bis ein Spieler eine bestimmte Anzahl an Siegpunkten errungen hat. In einer Spielrunde werden immer abwechselnd eine Einheit oder ein Nicht-Kämpfender-Charakter eines jeden Spielers aktiviert. Die Runde endet, wenn alle Einheiten beider Seiten aktiviert wurden. Eine aktivierte Einheit kann manövrieren, angreifen oder schießen. Ein Manöver besteht aus einer möglichen Drehung der Einheit, der erlaubten Bewegungsweite und einer weiteren Drehung am Ende der Bewegung. Verzichtet man auf die erste Drehung, dann darf die Einheit sogar die doppelte Bewegungsweite zurücklegen. Eine besondere Bewegung ist das Zurückziehen aus einem Nahkampf, welche speziellen Regeln unterliegt. Beim Fernkampf schießt man auf zwei Reichweiten, kurz und lang und die Einheit darf vor dem Beschuss eine kleine Seitwärtsbewegung ausführen. Beim Nahkampf wird zwischen einem Angriff in Kontakt (also die Fortführung eines bestehenden Nahkampfes) und dem klassischen Angriff mit einer Bewegung auf eine gegnerische Einheit unterschieden. Alle Aktionen können durch spezielle Fähigkeiten der Einheit, durch den Anführer und/oder NKC, den Taktik-Karten sowie durch den Gegner beeinflusst werden. Zudem gibt es verschieden Zustände, wie Panik oder Verwundbarkeit, unter der eine Einheit leider kann.

Die ersten Figuren sind schon bemalt.

Ein kurzes Testspiel hat gezeigt, dass Nahkämpfe, wenn diese entsprechend unterstützt werden, extrem blutig ausfallen können. Eine komplette Einheit kann also durchaus mit einem einzigen Angriff vernichtet werden. Verluste bei Einheiten werden durch das Entfernen von Figuren dargestellt, wodurch die Stärke der Einheit langsam sinkt, denn die Anzahl der Angriffswürfel wird durch die Anzahl der Ränge einer Einheit bestimmt. Da einigen Sonderegeln auch die mehrfache Aktivierung einer Einheit erlauben, sind schnelle Bewegungen quer über das Schlachtfeld möglich. Das Spiel ist also recht dynamisch und eine Entscheidung kann in relativ kurzer Zeit herabeigeführt werden. Durch die sehr exakten Bewegungen und die recht einfach gehaltenen Regeln gibt es vermutlich wenig Diskussionsbedarf während des Spiels. Das Ganze ist ein schönes TableTop für Spielabende, an denen man nicht unendlich viel Zeit hat. Es wird aber in Zukunft sicher Erweiterungen für epische Schlachten und weiter Mitspieler (bisher maximal 4) geben.

Eine besondere Erwähnung verdient die Qualität der Figuren. Die Plastikminiaturen sind sehr detailliert und filigran gegossen, d.h. es gibt keine verwaschenen Details und keine runden Kanten. Der Kunststoff ist sehr hart, aber noch leicht flexibel, so dass Waffen und andere Details nicht so leicht abbrechen können. Die Figuren bestehen außerdem aus mehreren verklebten Teilen, wodurch es keine ausgefüllten Hinterschneidungen gibt, wie wir sie häufig von anderen Miniaturen kennen. Die Gestaltung der Figuren richtet sich übrigens nicht nach der Serie Game of Thrones, sondern hält sich an die Beschreibungen der Bücher und den bekannten Illustrationen von Künstlern, wie beispielsweise Marc Simonetti.

Die nächsten Figuren und Regeln sind natürlich schon in Arbeit und sollen sogar noch in diesem Jahr auf den Markt gebracht werden. Es handelt sich um Ergänzungen zu den schon vorhandenen Häusern Stark und Lannister, aber auch um zwei völlig neue Fraktionen, das Freie Volk und die Nachtwache. Die Nachtwache wird es auch schon sehr bald als Starter-Set geben, welches 4 Einheiten, Helden und Anführer sowie Geländeteile enthält und somit eine komplette Armee und Szenarien bietet.

Außerdem werden mit diesen Erweiterungen auch Kriegsgeräte, wie das Katapult und die Ballista auf dem Schlachtfeld Einzug halten. Von hier aus ist es dann wohl nur noch ein kleinerer Schritt zu größeren Geländeteilen, wie Gebäuden und Burgen. Auch ein Preview der Königsgarde war bereits zu sehen. Da alle Figuren einzeln basiert sind, können die Miniaturen natürlich auch für andere Regel-Systeme, wie SAGA oder Lion Rampant genutzt werden.