Bolton Castle

Ich bin gerade in den Yorkshire Dales unterwegs und habe in einem der traumhaften Täler das beeindruckende Bolton Castle entdeckt. Keine Sorge – trotz des Namens begegnet man hier weder Ramsay Bolton noch anderen Vertretern jener wenig familienfreundlichen Dynastie aus Game of Thrones.

Die größtenteils hervorragend erhaltene Burg ist teilweise historisch eingerichtet und dient regelmäßig als Kulisse für Living-History-Veranstaltungen. Bei meinem Besuch hatte sich das Jahr 1588 häuslich eingerichtet. In den Gemächern tummelten sich Männer und Frauen in Tudor-Gewändern, die ihren Alltag mit viel Leidenschaft und Geduld erklärten.

Besonders spannend war die Küche, in der die Köchin anschaulich erläuterte, was damals auf den Tisch kam und wie die Lebensmittelversorgung funktionierte. Es gab verschiedene Handwerker, darunter einen Fletcher, also einen Pfeilmacher, sowie eine Gruppe Bogenschützen, die die Geschichte und Handhabung des berühmten englischen Langbogens erklärten.

Im Burggarten zeigten Falkner die Kunst der Jagd mit Greifvögeln, während überall auf dem Gelände Menschen Geschichten erzählten oder alte Handwerke vorführten. Ein echter Geheimtipp für alle, die Nordengland bereisen.

Bolton Castle stammt aus dem späten 14. Jahrhundert und liegt im wunderschönen Wensleydale in Yorkshire. Das benachbarte Dorf Castle Bolton verdankt der Burg sogar seinen Namen. Während des Englischen Bürgerkriegs wurde die Festung teilweise beschädigt und in den folgenden Jahrhunderten weiter in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch blieb ein Großteil der Anlage erhalten. Besonders bemerkenswert ist, dass die Burg niemals verkauft wurde und sich bis heute im Besitz der Nachfahren der Familie Scrope befindet.

Errichtet wurde die Anlage zwischen 1378 und 1399 von Richard, 1. Baron Scrope von Bolton. Im Jahr 1536 unterstützte John, 8. Baron Scrope, die Pilgrimage of Grace, einen Aufstand gegen die Religionsreformen König Heinrichs VIII., und gewährte dem Abt von Jervaulx, Adam Sedbar, Zuflucht in der Burg. Als die Truppen des Königs anrückten, musste Scrope nach Skipton fliehen, während der Abt gefasst und hingerichtet wurde. Heinrich VIII. ließ zur Strafe Teile von Bolton Castle niederbrennen. Schon wenige Jahre später waren die Schäden jedoch größtenteils behoben und Sir John hatte sogar seinen Sitz im Parlament zurückerobert.

Ein besonders prominenter Gast war Maria Stuart, Königin von Schottland, die hier sechs Monate lang gefangen gehalten wurde. Einer Legende zufolge gelang ihr die Flucht in Richtung Leyburn, wobei sie ihren Schal verlor. Deshalb trägt die markante Felskante westlich der Stadt bis heute den Namen „The Shawl“. Ob die Geschichte tatsächlich stimmt, sei dahingestellt, aber gute Burgen brauchen eben gute Legenden.

Auch Filmfreunde kommen auf ihre Kosten, denn Bolton Castle diente mehrfach als Drehort. Zu den bekanntesten Produktionen gehören Ivanhoe (1952) und Elizabeth (1998). Für Game of Thrones hat die Burg zwar nicht als Kulisse gedient, doch sie vermittelt genau jene Atmosphäre.

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