History Weekend – „Viking Days“

Am vorletzten Wochenende war es wieder so weit, die History-Weekend-Truppe machte sich erneut auf den Weg in den Norden von Deutschland, um gemeinsam ein Wochenende zwischen Geschichte, Kultur und jeder Menge guter Laune zu verbringen.

Mit von der Partie waren die bewährten Stammkräfte Jens, Dirk, Lucas und ich. Verstärkung bekamen wir dieses Mal durch Ralf, und am Sonntag stieß auch noch Björn dazu.

Für dieses Jahr hatten wir uns ein besonders spannendes Thema ausgesucht. Die Wikinger. Also hieß es, Museen und historische Schauplätze aus der Zeit des sogenannten „Dark Age“ zu erkunden. Unser ehrgeiziger Plan war es, den wichtigsten Kulturgruppen dieser Epoche einen Besuch abzustatten, also den Sachsen, den Slawen und natürlich den dänischen Wikingern.

1. Tag – Hammaburg / Sachsen

Die Sachsen waren ein germanischer Stammesverband, der vor allem in den Gebieten des heutigen Niedersachsens, Westfalens und Schleswig-Holsteins lebte. Sie galten als freiheitsliebend, durchaus streitbar und sie siedelten in kleinen Dörfern und Einzelhöfen ohne eine übergeordnete Führung. Das führte im 8. Jahrhundert zu Spannungen mit dem expandierenden Frankenreich unter Karl dem Großen. Was folgte, waren die sogenannten Sachsenkriege (772–804), eine über drei Jahrzehnte andauernde Auseinandersetzung. Am Ende behielt Karl der Große die Oberhand. Die Sachsen wurden in das Frankenreich eingegliedert und christianisiert. Damit endete zwar ihre politische Unabhängigkeit, doch ihr Name lebt bis heute in verschiedene Regionsnamen fort.

Die Hammaburg war eine befestigte Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Hamburgs. Sie entstand vermutlich Anfang des 9. Jahrhunderts und diente als Grenz- und Missionsstützpunkt des Frankenreiches im Norden. Von hier aus sollte die Christianisierung der Sachsen und der skandinavischen Völker gefördert werden. Besonders wichtig wurde die Hammaburg durch den Missionar Ansgar, der 831 zum Erzbischof von Hamburg ernannt wurde. Im Jahr 845 wurde die Hammaburg bei einem Wikingerangriff zerstört, später jedoch wieder aufgebaut. Sie gilt als Keimzelle der heutigen Stadt Hamburg. Die Verbindung zwischen den Sachsen, der fränkischen Herrschaft und der Hammaburg zeigt, wie sich Norddeutschland im Frühmittelalter politisch und religiös wandelte.

Den Ort dieser ehemaligen Ringwallanlage findet man heute inmitten der Hamburger City am sogenannten Speersort. Die dortige Freifläche auf der einst die Hammaburg stand, wird durch eine stilisierte Wallanlage eingerahmt und durch einige Schautafeln erläutert. Am Rande des Platzes findet man außerdem im Untergeschoss einer Eisdiele eine kleine Ausstellung zur Hammaburg sowie die Fundamente des ehemaligen Stadttores aus dem Hochmittelalter.

Am Abend hatte Jens bereits seine Tafel im Langhaus festlich gedeckt und erwartete uns standesgemäß mit Met und einem saftigen Rollbraten. Nach einem wahrhaft wikingermäßigen Gelage, als der Hunger gestillt und der Durst gelöscht waren, ließen wir den Abend in bester Gesellschaft ausklingen. Schließlich rollten wir uns in unsere Felle, oder zumindest in das, was moderne Wikinger heute dafür halten, und bereiteten uns auf die große Fahrt zur Ostseeküste vor.

2. Tag – Starigard / Slawen

Am nächsten Morgen mussten die Drachenboote zwar im Hafen bleiben, aber Jens hatte genüg Pferdestärkten in seinem neuen Streitwagen, um uns sicher durch die sanften Hügel von Holstein zu kutschieren.

Lange bevor Oldenburg in Holstein seinen heutigen Namen erhielt, hieß die Stadt Starigard, was aus dem Slawischen übersetzt so viel wie „alte Burg“ bedeutet. Am nördlichen Ende der heutigen Lückecker Bucht in unmittelbarer Nähe der Insel Fehmarn thronte hier bereits vor über tausend Jahren eine bedeutende Wallburg der Wagrier und wachte über das Land zwischen Ostsee und Binnenland. Man könnte sagen, Starigard war damals das, was heute eine gut vernetzte Großstadt wäre. Der Ort lag auf einem Hügel und war mit einem Ringwall, einem Graben sowie Palisaden umgeben. In Schutz dieser Verteidigungsanlage lebten seine Einwohner, Händlern und Handwerkern.

Nach unserem Besuch der ausgesprochen sehenswerten Freilichtanlage, des Museums und der beeindruckenden Wallanlage in Oldenburg führte uns der Weg weiter ins nahe gelegene Lütjenburg. Dort wartete noch ein ganz besonderes Stück Mittelalter auf uns, der Nachbau einer sogenannten Motte. Eine Motte, auch Turmhügelburg genannt, war zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert ein weit verbreiteter Burgentyp. Ein künstlich aufgeschütteter Erdhügel trug einen Wehrturm aus Holz oder Stein, umgeben von Palisaden und meist zusätzlich durch einen Wassergraben geschützt. Solche Anlagen dienten dem niederen Adel als befestigter Wohnsitz und boten zugleich einen guten Überblick über die Umgebung.

Nach unserer Rückkehr ins Hauptquartier in Krempe begann der zweite Teil unseres Gelages. Während die Eindrücke des Tages noch lebhaft diskutiert wurden, sorgte Jens für das leibliche Wohl der Reisegesellschaft. Er hatte verschiedene Bratwürste selbst hergestellt, die nicht nur handwerklich beeindruckten, sondern auch geschmacklich für allgemeine Begeisterung sorgten. Kurz gesagt, sie waren hervorragend und fanden reißenden Absatz. Zur Abrundung des Mahls wurde ein Rotkohl-Met gereicht, den Ralf eigens aus Dithmarschen herbeigeschafft hatte. Dieses außergewöhnliche Getränk entpuppte sich als ebenso interessante wie gewöhnungsbedürftige Mischung. Die Meinungen darüber bewegten sich irgendwo zwischen neugieriger Faszination und höflicher Zurückhaltung. Bedauerlicherweise fehlte Dirk an diesem Abend in unserer Runde. Offenbar hatte ihn unterwegs ein vergifteter Pfeil, ein heimtückischer Fluch oder ein anderes dunkles Übel ereilt und vorübergehend außer Gefecht gesetzt. Glücklicherweise erwiesen sich rund fünfzehn Stunden Schlaf als wirksames Heilmittel. Bereits am nächsten Morgen war er wieder kampfbereit und konnte gemeinsam mit der Mannschaft zum nächsten Raubzug gen Norden aufbrechen.

3. Tag – Haithabu / Wikinger

Unser Ausflug am letzten Tag führte uns an die Schlei bei Schleswig, wo auch endlich Björn zur Mannschaft stieß. Hier ging es dann gemeinsam ins berühmter Wikingermuseum Haithabu.

Haithabu war zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert eine der bedeutendsten Handelsmetropolen Nordeuropas. Die Siedlung entstand vermutlich um das Jahr 770 am Ende der Schlei, einer Meeresbucht der Ostsee, und entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Knotenpunkt zwischen Skandinavien, Mitteleuropa und dem Ostseeraum. Man könnte sagen, wer im frühen Mittelalter etwas auf sich hielt, kam an Haithabu kaum vorbei. Hier trafen Wikinger, Sachsen, Friesen und Slawen aufeinander, handelten mit Pelzen, Bernstein, Honig, Glas, Schmuck und sogar exotischen Waren aus dem Byzantinischen Reich und dem arabischen Raum. Ein bedeutender Besucher war der arabische Kaufmann und Reisende Ibrahim ibn Yaqub, der den Ort Haithabu um 965 beschrieb. Auch der schon erwähnte Missionar und spätere Erzbischof Ansgar besuchte die Region im 9. Jahrhundert und versuchte, das Christentum unter den Nordleuten zu verbreiten, mit allerdings nur wechselndem Erfolg. Die Blütezeit Haithabus lag im 9. und 10. Jahrhundert. Die Stadt war durch einen halbkreisförmigen Wall von mehr als einem Kilometer Länge geschützt und zählte zeitweise mehrere tausend Einwohner, für damalige Verhältnisse eine Großstadt. Unter den dänischen Königen, darunter Harald Blauzahn, gewann Haithabu zusätzlich an politischer Bedeutung. Das Ende kam im Jahr 1066. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem dänischen König Sven Estridsson und dem norwegischen König Harald Hardrada wurde die Stadt zerstört und anschließend aufgegeben. Die Bewohner siedelten sich größtenteils im nahegelegenen Schleswig an, das sich zum neuen Handelszentrum entwickelte.

Heute gehört Haithabu gemeinsam mit dem Danewerk zum UNESCO-Welterbe. Die archäologischen Funde zeigen eindrucksvoll, wie international und weltoffen die Wikingerwelt tatsächlich war. Wer durch die rekonstruierten Häuser spaziert, erkennt, dass die Wikinger nicht nur mutige Seefahrer und gelegentliche Plünderer waren, sondern auch geschickte Kaufleute, Handwerker und Netzwerker.

Nach einer wahrlich epischen und später bestimmt in vielen Sagen besungenen Kaffee- und Kuchentafel machten wir uns schließlich wieder auf den Heimweg. Björn, der fortan als gefeierter Bogenschütze gelten wird, reiste in seinen Kieler Fjord, Lucas in die weiten Steppen seiner Hunnischen Heimat, Ralf an die sturmgepeitschte friesische Nordsee, Dirk in die Slawische Sandwüste bei Brandenburg, Jens ins westliche Elbingen und ich in die Sächsische Lande, Schön wars und Odin sowie alle nordischen Wettergötter waren uns zum Glück gewogen.

Und schon am Ende der Reise wurden Pläne für ein Histoty Weekend 2027 geschmiedet.

Ein TableTop Tagebuch