Napoleonische Kriege in Norddeutschland – Freikorps Lützow (Teil 1)

Nach der Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug von 1812 war es Preußen möglich, das erzwungene Bündnis mit Frankreich aufzuheben und die eigene Armee wieder langsam aufzubauen. Um die regulären Truppen zu unterstützen, wurde beschlossen, Freiwilligenverbände aufzustellen. Grundlage für die Aufstellung dieser sogenannten Freikorps war die Allerhöchste Kabinetts-Ordre (AKO) vom 3. Februar 1813 über die Aufstellung freiwilliger Jägerdetachements.

Einleitung

Der preußische Major Adolf Ludwig von Lützow begann am 18. Februar 1813 in Breslau mit der Aufstellung eines Korps freiwilliger Jäger. Lützows Truppe sollte im Rücken der napoleonischen Armeen einen Guerillakrieg führen. Ende März bestand das Korps aus knapp 1.000 Mann, unter ihnen auch viele Dichter und Denker sowie der berühmte „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, der mit seinen Schriften und Bemühungen den Grundstein der Turnbewegung in Deutschland legte. Das Freikorps erlangt im Laufe des Jahres 1813 weniger militärische als moralische Bedeutung, zählt aber bis heute zu den bekanntesten Verbänden der späten Napoleonischen Kriege. In seinen Reihen dienten neben Preußen auch Bürger anderer deutscher Staaten, die dem Rheinbund angehörten oder, wie das Herzogtum Oldenburg, von Frankreich annektiert worden waren. Insgesamt dominierten unter den Freiwilligen jedoch die Handwerker, lediglich bei den Reitenden Jägern gab es einen überdurchschnittlichen Studentenanteil. Seine einzigartige Rekrutierungsmethode, bei der Bürgerliche, Arme und Intellektuelle zusammenkamen, sein vorherrschender liberaler Geist sowie sein Ruf für außergewöhnliche Tapferkeit im Kampf machten „die Lützower“, zu einer Legende. Diese Legende wurde vor allem durch die Schriften und Lieder des Dichters Theodor Körner propagiert. Noch lange nach der Auflösung des Korps hallte sein Lied „Lützows Wilde Jagd“ durch Studentenfeste, bei denen Bier die ausgelassene Stimmung beflügelte und die Sehnsucht nach heldenhaften Schlachten weckte.

Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein?

Hör’s näher und näher brausen.

Es zieht sich herunter in düsteren Reih’n,

Und gellende Hörner erschallen darein,

Erfüllen die Seele mit Grausen.

Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt:

Das ist Lützow’s wilde verwegene Jagd.

Anwerbung von Freiwilligen im „Gasthof zum Goldenen Zepter“ in Breslau.

Organisation

Die Stärke der hauptsächlich aus Freiwilligen bestehenden Truppe schwankte erheblich, bedingt durch oft sehr hohe Verluste im Kampf und durch Dissertation, andererseits durch Zunahme aufgrund von Rekrutierung, die durch das wachsende Prestige des Korps erleichtert wurde.

Am 23.02.1813 erfolgte die Festlegung des Etats des Freikorps:

  • Eine Kompanie Infanterie sollte 15 Oberjäger, 3 Hornisten, 182 Jäger, also insgesamt 200 Mann beinhalten
  • Eine Eskadron Kavallerie sollte 15 Oberjäger, 3 Trompeter, 132 Jäger, also insgesamt 150 Mann beinhalten

Anmerkung: Alle Mannschaftsdienstgrade wurden damals als „Jäger“ bezeichnet. Dies galt sowohl für die Soldaten der Infanterie in den oft als Musketier-Bataillonen bezeichneten Einheiten als auch für die leichten Schützen der Jäger-Detachements. Zur Unterscheidung wurden die Jäger im Linienbataillon (wie erwähnt oft als Musketier-Bataillon bezeichnet) häufig „Bajonett-Jäger“ gerufen. Da sich die Jäger in den Jäger- Detachement selbst ausrüsteten und ihre eigenen Waffen, meist eine Jagd-Büchse, mitbrachten, nannte man diese auch „Büchsenjäger“. Im Unterschied dazu bekamen die Männer der Musketier-Bataillone ihre Ausrüstung und Waffen, wie die Muskete, aus dem Depot und erhielten deshalb den Spitznamen „Flintenjäger“.

Ein „Büchsenjäger“ nach Knötel

Am 17.03.1813 gab von Lützow zur Mannschaftsstärke folgende Auskunft:

Das in vier Kompanien gegliederte Infanterie-Bataillon weist folgende Stärke auf:

  • 10 Offiziere, 56 Oberjäger, 1 Chirurg, 12 Spielleute, 627 Jäger / Es fehlen: 6 Offiziere, 4 Oberjäger, 3 Chirurgen, 101 Jäger

Die in zwei Eskadrons formierte Kavallerie besteht aus:

  • 5 Offiziere, 26 Oberjäger, 6 Trompeter, 204 Jäger, 218 Pferde / Es fehlen: 5 Offiziere, 4 Oberjäger, 2 Chirurgen, 2 Fahnenschmiede, 60 Jäger, 82 Pferde

Ein Musketier-Bataillon, eine Husaren-Eskadron sowie eine Ulanen-Eskadron mit dem dazu gehörenden Jäger-Detachement hatten am 28.03.1813 eine Stärke von 900 Mann Infanterie und 260 Reiter.

Die Organisation und Stärke des Freikorps Lützow sah am 07.06.1813 wie folgt aus:

Infanterie: 2.349 Mann in 3 Bataillonen:

  • 1. Bataillon – 5 Offiziere, 60 Oberjäger, 12 Spielleute, 728 Jäger

Jäger-Detachement – 1 Offizier, 9 Oberjäger, 2 Spielleute, 107 Jäger

  • 2. Bataillon – 7 Offiziere, 30 Oberjäger, 6 Spielleute, 358 Jäger
  • 3. Bataillon – 3 Offiziere, 65 Oberjäger, 15 Spielleute, 820 Jäger

Jäger-Detachement – 1 Offiziere, 11 Oberjäger, 2 Spielleute, 107 Jäger

Kavallerie: 894 Reiter in 5 Eskadrons:

  • 1. Eskadron / Husaren – 5 Offiziere, 15 Oberjäger, 3 Trompeter, 132 Jäger, 152 Pferde
  • 2. Eskadron / Jäger – 5 Offiziere, 15 Oberjäger, 3 Trompeter, 132 Jäger, 152 Pferde
  • 3. Eskadron / Ulanen – 5 Offiziere, 15 Oberjäger, 3 Trompeter, 132 Jäger, 152 Pferde
  • 4. Eskadron / Husaren – 5 Offiziere, 15 Oberjäger, 3 Trompeter, 132 Jäger, 152 Pferde
  • 5. Eskadron / Husaren – 5 Offiziere, 10 Oberjäger, 2 Trompeter, 257 Jäger, 120 Pferde

Am 09.06.1813 wurde für die als reitende Batterie formierte Artillerie folgender Etat aufgestellt:

  • 1 Premierleutnant, 1 Feuerwerker, 3 Unterfeuerwerker, 1 Trompeter, 14 Kanoniere zum Fahren, 16 zur Bedienung, 3 zur Reserve, 1 Kurschmied (Veterinär), 54 Pferde.

Eine Haubitze und vier eiserne Kanonen bildeten den Bestand der reitenden Artillerie sowie drei eiserne Kanonen den der Fußartillerie. Nach dem Gefecht bei Lauenburg (Mitte August) wurden zwei eiserne Kanonen außer Gefecht gesetzt und durch drei englische 6-Pfünder ersetzt.

Reitender Jäger nach der Elberfelder Bilderhandschrift

Nach der Schlacht bei Kitzen am 17. Juni 1813 machten die besonders hohen Verluste eine Neuaufstellung der Truppe und die Umwandlung der 1. Eskadron in Lanzenreiter notwendig. Danach sah die Aufteilung der Kavallerie dann wie folgt aus:

Kavallerie:

  • 1. Eskadron / Ulanen: 96 Reiter und ein Chirurg, 46 Pferde (Rittmeister von Bornstaedt / Rittmeister Fischer)
  • 2. Eskadron / Jäger: 137 Reiter und ein Chirurg, 110 Pferde (Rittmeister von Petersdorff)
  • 3. Eskadron / Ulanen: 136 Reiter und ein Chirurg, 92 Pferde (Leutnant Obermann)
  • 4. Eskadron / Husaren: 102 Reiter, kein Chirurg, 69 Pferde (Leutnant von Bismark / Leutnant von Valentini)
  • 5. Eskadron / Husaren: 150 Reiter und ein Chirurg, 152 Pferde (Rittmeister Fischer / Leutnant Rusch)

Artillerie: 120 Mann (Premierleutnant Fritze)

  • Reitende Artillerie – 1 x 7-pfündige Haubitze, 4 x eiserne 3-Pfünder Kanonen
  • Fuß-Artillerie – 3 x 2-Pfünder eiserne Kanonen, 1 x ¼ – Pfünder Geschütz (später 1 x 3-Pfünder Kanone/ 3 x britische 6-Pfünder)

Am 20. Juli 1813 wird mit einer Kabinettsorder des Königs das Freikorps Lützow der Nordarmee und ihrem schwedischen Oberbefehlshaber Bernadotte unterstellt. Am 4. August 1813 werden die Lützower schließlich dem Korps Wallmoden zugeteilt. Im August wird das Freikorps neu organisiert. Hinzugekommen ist eine Tiroler Jägerkompanie von 140 Mann, die von den Leutnants Jakob Riedl und Joseph Ennermoser, beide waren 1809 Mitkämpfer von Andreas Hofer, gebildet wurde. Diese Tiroler bilden im 2. Bataillon die 3. Kompanie, sie ersetzen also nicht das Jäger Detachement dieses Bataillons.

Im August 1813 verfügte Major von Lützow über 2.900 Infanteristen, aufgeteilt in drei Bataillone:

Infanterie (Kommandeur – Kapitän von Helmstreit):

  • 1. Bataillon: 4 Musketierkompanien, 1 Jäger-Detachement (Premierleutnant. von der Hyde / Kapitän Staak)
  • 2. Bataillon: 3 Musketierkompanien, 1 Tiroler Jäger-Kompanie, 1 Jäger-Detachement (Premierleutnant. von Seydlitz)
  • 3. Bataillon: 4 Musketierkompanien, 1 Jäger-Detachement (Leutnant Jahn / Premierleutnant Jahn)

Medizinische Betreuung:

  • Erster Arzt und Wundarzt Dr. Krukenberg
  • Bataillonsarzt Dr. Feuerstein, Dr. Meckel, Dr. Ordelin
  • Jede Kompanie erhielt junge Studierende die 2-3 Jahre schon auf der Uni waren
  • 2 Stabsapotheker sorgten für Nachschub während in jedem Bataillon je ein Apotheker Dienst taten.

Am 19. Januar 1813 erhielt der Major von Lützow ein Schreiben des Königs, indem er ihm mitteilte, dass er die Absicht hat aus der Infanterie und dem Bataillon von Reiche ein Linien-Regiment zu bilden. Die Kavallerie sollte ein Kavallerie-Regiment bilden und die Artillerie zur 14. reitenden Batterie der Schlesischen Armee umgewandelt werden. Ende Juni erhielt von Lützow die Benachrichtigung, dass die beiden, neu gebildeten, Regimenter (Infanterie und Kavallerie) zur 4. Brigade des 3. Preußischen Armee-Korps gehörten würden. Am 1. Januar 1814 erhielt das Lützower Infanterieregiment schließlich eine eigne Fahne verliehen, die vom 3. Bataillon geführt wurde.

Mitte März 1814 hatten die beiden Regimenter folgende Stärke:

  • Infanterie: 55 Offiziere, 1.220 Oberjäger und Jäger, 82 Pferde
  • Kavallerie: 18 Offiziere, 549 Oberjäger und Jäger, 593 Pferde

Am 17. April 1815 traf die Ordre des preußischen Königs über die Neuformierung der Infanterie und Kavallerieregimenter nach Stammnummern ein.

  • Infanterie: Die „Lützower Infanterie“ erhält die Stamm-Nummer 25 und soll künftig „25. Infanterie-Regiment“ heißen.
  • Kavallerie: Das neue Husaren-Regiment, formiert aus 1 Eskadron Pommersches Husaren-Regiment, 1 Eskadron Schlesisches Husaren-Regiment, 1 Eskadron Lützower Husaren, erhält die Regimentsnummer 9. Das neue Ulanen-Regiment, formiert aus 3 Eskadronen der Lützower Kavallerie, erhält die Regimentsnummer 6.

Oberst-Leutnant von Lützow wurde Regimentskommandeur des Ulanen-Regiments Nr. 6 und Major von Petersdorff wurde Regimentskommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 25. Beide Regimenter haben die Schlachten von Ligny und Waterloo mitgemacht.

Reitender Jäger (fälschlich als Husar bezeichnet) nach der Dömitzer Bilderhandschrift

Uniform und Ausrüstung

Die Farbe der Uniformen des Freikorps Lützow war „schwarz“ und das hatte einen rein praktischen Hintergrund. Da die Lützower Rekruten größtenteils mit ihrer Zivilkleidung, wie Studentenkitteln und Bauernröcke anrückten, aber auch die in den Armeedepots und auf dem Markt vorhandenen Tuchvorräte unterschiedlich waren, war schwarz die einzige Farbe, mit der sich durch Einfärbung eine einheitliche Uniformfarbe herstellen ließ. Die schwarzen Uniformen wurden nach der Übernahme in die Linientruppen zunächst weitergetragen und erst nach Waterloo durch die vorschriftsmäßige preußischblaue Uniform ersetzt.

Musketier, Tiroler Offizier und Jäger sowie ein Freiwilliger Jäger im Hintergrund.

Infanterie

Die Infanterie war mit schwarzen Litewkas ausgestattet, einem langen, bis zur Mitte der Oberschenkel reichenden Uniformrock. Der Rock hatte hinten zwei Falten und war zweireihig, mit 6 bis 8 halbkugelförmigen Messingknöpfen. Die Litewka besaß am Kragen, an den polnischen Ärmelaufschlägen und an den Achselklappen einen roten Vorstoß. Der Kragen und die Aufschläge der Offiziere waren aus schwarzem Samt. Aufzeichnungen berichten, dass die Männer den Stoff ihrer Litewkas nutzten, um Löcher in ihren Uniformen zu flicken. Am Ende des Feldzugs bestand die Uniform dann aus einem Flickwerk, und durch das Kürzen der Litewka zur Gewinnung der Flicken, ähnelte diese eher einer kurzen Jacke. Zur Litewka wurde schwarze Pantalons verwendet, dazu schwarze Schuhe sowie kurze schwarze Gamaschen mit Tuch überzogenen Knöpfen. Im August 1813 erhielt das Freikorps Lützow 3.200 graue britische Infanteriemäntel.

Die Lützower Infanterie trug üblicherweise einen Tschako ähnlich dem der preußischen Linieninfanterie. Idealerweise war diese Kopfbedeckung mit einer schwarzen Kordel und Quasten sowie einem großen Rosshaarbusch verziert, meist wurde der Tschako aber mit einem schwarzen Wachstuchüberzug getragen. Am Tschako war eine messingfarbene Agraffe und die schwarz-weiße preußische Kokarde befestigt. Da nicht ausreichend preußische Tschakos zur Verfügung standen, verwendete man auch die auf dem Schlachtfeld gefundenen französischen Modelle. Wenn kein Tschako verfügbar war, trug man zivile Mützen in Truppenfarbe, also schwarz mit rotem Band, verziert mit der Kokarde oder einem weißen Bommel mit schwarzem Zentrum.

Sofern keine wiederverwendeten und gefundenen Ausrüstungsgegenstände zum Einsatz kamen, wurde die Infanterieausrüstung nach dem preußischen Muster von 1808 verwendet. Ungeachtet ihrer Herkunft wurde die Ausrüstung aus hellbraunem Leder im Freikorps Lützows stets geschwärzt. Auf dem Rücken trug der Infanterist einen braunen Felltornister mit schwarzen Riemen, darauf aufgeschnallt waren der graue Mantel und das Kochgeschirr. Über der rechten Schulter wurde das schwarze Patronentaschen-Bandelier mit schwarzer Patronentasche getragen. Über der linken Schulter trug man vereinzelt ein schwarzes Bandelier für ein Bajonett oder Hirschfänger. Der kurze Infanteriesäbel war für den durchschnittlichen „Lützower“ reiner Luxus. Im Falle eines besonders wohlhabenden Mannes könnte man jedoch den Besitz eines preußischen Modells, eines französischen oder eines anderer Herkunft in Betracht ziehen.

Zu Beginn des Feldzuges besaßen viele „Bajonettjäger“ lediglich die Jagdgewehre ihrer Familien, hinzu kamen 300 Gewehre britischer Herkunft aus einer Lieferung über Schweden. Darüber hinaus dürften überwiegend preußische Musketen im Einsatz gewesen sein, vermutlich auch einige von den Franzosen erbeutete Waffen.

Bei der verwendeten preußischen Muskete handelte es sich um das Preußisches Gewehr, Modell 1780, Schaft 1796 erleichtert. Gesamtlänge 1,465 m, Lauflänge 1,053 m. Der Schaft war aus Nussbaumholz, der Lauf aus poliertem Eisen. Der Ladestock mit zylindrischem Kopf war vollständig aus Eisen gefertigt. Das mit diesem Musketen-Modell verwendete Steckbajonett, das ohne Scheide stets auf dem Lauf des Gewehrs befestigt wurde, hatte eine dreieckige Klinge von 37 cm Länge.

Die britische Muskete war das berühmte „Brown Bess“-Gewehr, ein überarbeitetes Modell von 1809, „India Pattern“. Die Ursprünge dieser Waffe reichen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Die Muskete wurde regelmäßig verbessert, zuletzt mit dem „India Pattern“. Die Waffe war 1,397 m lang, der polierte Eisenlauf maß 1,056 m und hatte ein Kaliber von 19,2 mm. Der Ladestock bestand aus Holz mit einem Metallkopf.

Die Unteroffiziere trugen die Uniform der Mannschaften, jedoch mit starren Schulterklappen und einem quer verlaufenden goldenen Streifen für Sergeanten und einem Längsstreifen für höhere Unteroffiziere. Die Infanterieoffiziere des Korps trugen die Uniform mit Offiziersschärpe in Silber mit schwarzen Einfassungen sowie schwarze, silberumrandete Schulterklappen oder zusätzlich goldene Offiziersepauletten bei Offizieren mit höherem Dienstgrad.

Jäger-Detachement

Das Jäger-Detachement der Infanterie-Bataillone, auch alsJagdkompanie oder leichte Kompanie bezeichnet, bestand aus Freiwilligen privilegierten Gesellschaftsschichten, was sich in der Uniform und Bewaffnung widerspiegelte, da sich die Männer selbst ausrüsteten. Da viele Studenten in ihren Reihen dienten, erhielten sie unter anderem den Namen „Studentenjäger“.

Der Tschako entsprach dem Modell, das bereits beschrieben wurde. Abbildungen zeigen, dass die Kordeln und Quasten daran im Jäger-Detachement häufiger getragen wurden. Das charakteristische Merkmal der Jäger war anscheinend der große, herabhängende schwarze Rosshaarbusch, der aber vermutlich nur bei Paraden getragen wurde.

Die schwarze Litewka war ähnlich der für die „Musketiere“ beschriebenen, jedoch mit spitz zulaufenden Ärmelaufschlägen, die durch die rote Paspelierung am Ärmel gebildet wurden.

Traditionell trug der Jäger ein schwarzes Leibkoppel, mit einer Kugeltasche vor dem Körper sowie ein „Jagdmesser“ (Hirschfänger) am schwarzen Bandelier über der linken Schulter. Außerdem war er mit einem Pulverfläschchen ausgerüstet, das an einer grünen Schnur befestigt war.

Von den Jägern wurde hauptsächlich die preußische „Alte Corps Büchse“ verwendet. Sie war an den Gravuren und dem robusten Schaft erkennbar. Der Schaft war aus Nussbaumholz gefertigt, alle Verzierungen aus Messing. Die Waffe war insgesamt 100,7 cm lang, der Lauf 62,5 cm. Die Büchse hatte ein Gewicht von 4,54 kg und das Kaliber variierte zwischen 14,64 mm und 15,42 mm. Das kurze Schwert der Jäger, war auch unter dem Namen „Fashinenmesser“ bekannt. Die Klinge hatte eine Länge von 56 cm und war 3 cm breit.

Diese und die folgenden Uniformtafel von Patrice Courcelle sind meiner Meinung nach die beste Darstellung des Freikorps Lützow.
  • 1. Jäger in regulärer Uniform nach einem Kupferstich aus der Sammlung Kleist.
  • 2. Jäger laut dem Elberfeld-Manuskript. Der Tschako ist französischen Ursprungs.
  • 3. Der reguläre Infanteriesäbel der preußischen Infanterie.
  • 4. Lützow-Infanterist in einem britischen Mantel (bewaffnet mit französischem Infanteriesäbel und Muskete).
  • 5. Ein Musketier der Lützower mit seiner Ausrüstung auf dem Rücken.
  • 6. Preußisches Gewehr Modell 1782, hier mit dem leichteren Schaft ausgestattet.
  • 7. Das „Jagdmesser“, ein Schwert-Bajonett nach einem Original. Detailansichten des Griffs verdeutlichen das Befestigungssystem am Gewehrlauf.
  • 8. Zwei Ansichten des Jagdgewehrs mit dem alten Schaft aus dem Jahr 1782.
  • 9. Ein Musketier um das Jahr 1815.
  • 10. Ein Musketier zu Beginn der Aufstellung des Korps mit eigenem Jagdgewehr. Der Tornister könnte französisch sein.
  • 11. Ein Musketier nach dem Vorbild der Meissener Bilder-Handschrift. Hier mit dem „Brown Bess“ Gewehr und einem „Hirschfänger“.
Tiroler Jäger nach Knötel

Tiroler Jäger

Die 3. Schützenkompanie des 2. Bataillons des Freikorps Lützow, wurde von „Tiroler Schützen“ gebildet. Wie im Abschnitt Organisation beschrieben, wurde die Kompanie von zwei Tiroler Offizieren aufgestellt. Die Mannschaften bestand aber mehrheitlich aus Deutschen und Sachsen, dennoch verwendeten sie den Namen „Tiroler Schützen“, was zweifellos auf die Uniform zurückzuführen war. Laut einem Augenzeugen namens Meltzer, der dem Korps angehörte, machten die Tiroler Jäger einen guten Eindruck. Sie profitierten vor allem von einer sehr gepflegten und in der gesamten Kompanie recht einheitlichen Uniform.

Der sogenannte korsische Hut, inspiriert von der Kopfbedeckung österreichischer Jäger, war rund, aus schwarzem Filz und mit einer breiten Krempe auf der rechten Seite, die hier hochgeschlagen und durch eine schwarze Schleife sowie eine grüne Kordel gehalten wurde. Der Rand der Krempe war mit schwarzer Wolle eingefasst und in Hutmitte mit einer breite schwarzen Seidenborte verziert. Am Hut war ein hoher grüne Federstutz und eine weiße Kokardenschlaufe befestigt.

Die Uniformjacke war aus mausgrauem Stoff gefertigt mit einem Kragen, breiten Rabatten, Rockschößen, Ärmelaufschlägen sowie Schulterklappen aus grünem Stoff. Die Knöpfe waren aus weißem Metall. Die Ärmelaufschläge konnte sowohl rund als auch spitz zulaufend sein. Zur Uniformjacke wurde eine Hose aus mausgrauem Stoff getragen, die mit einem grünen Stoffband an den Seitennähten verziert war. Die Jäger trugen Stiefeletten aus schwarzem Leder.

Zur Ausrüstung der Tiroler Jäger gehörten ein schwarzer Leibkoppel mit Weißmetall-Schnallen. Es gab wohl zwei Varianten dieses Koppels. Die eine Variante besaß zwei Schlaufen zur Aufnahme von Pistolen und einer dritten zur Aufnahme eines dünnen Stiftes, während die andere Variante eine Schlaufe zur Aufnahme des Schwertbajonetts, auch „Hirschfänger“ genannt, besaß.

Die Patronentasche der Tiroler Jäger aus schwarzem Leder war auffallend klein und ohne jegliche Verzierungen. Sie wurde an einem schwarzen Bandelier getragen, dass auf der Frontseite mit einer Räumnadel und Kette in Weißmetall ausgestattet war. Zusätzlich waren die Jäger mit einer Pulverflasche ausgerüstet, die auf der rechten Körperseite an einer grünen Schnur getragen wurde. Die grüne Schnur besaß an den Ende Quasten, die unter der linken Schulter hingen. Der Rucksack aus naturbelassenem Kalbsleder besaß schwarze Trageriemen und Schnallen aus Leder.

Neben der preußischen „Alte Corps Büchse“ (s.o.) wurden zwei Gürtelpistolen getragen. Leider gibt es zu den Pistolen sowie dem erwähnten Metallstift keine weiteren Angaben. Bei dem verwendeten Hirschfänger handelte es sich um das Modell 1809 oder 1810. Die Klinge soll 56 cm lang und 3 cm breit gewesen sein.

Die Uniform der Unteroffiziere entsprach weitgehend der der Mannschaften, jedoch mit starren Schulterklappen, die von einer goldenen Borte gekreuzt wurden. Horizontal für Feldwebel, vertikal für höhere Unteroffiziere. Die Offiziere der Tiroler Jäger verwendeten einen korsischen Hut in blaugrauer Farbe und mit einer breiten grünen Borte in der Mitte sowie einem hohen grünen Federbusch verziert. Die Hutkrempe war silberfarben eingefasst. Der Grundstoff der Uniformjacke und Hose war blaugrau. Die Schulterklappen waren starr und mit einem silbernen Rand versehen. Die weitere Ausrüstung und Bewaffnung entsprachen dem der Mannschaften, jedoch zweifellos von besserer Qualität.

  • 1. Tiroler Jäger nach dem Vorbild der Abbildungen von Meltzer und Knőtel.
  • 2. Freiwilliger Offizier der Tiroler Jäger nach Knötel
  • 3. Freiwilliger Sergeant um 1814 (Rekonstruktion).
  • 4. Unteroffizier der Freiwilligen bei der Aufstellung des Korps. Laut Knötel.
  • 5. Tiroler Jäger nach Mila und einem Kupferstich aus der Sammlung Kleist.
  • 6. Freiwilligenoffizier. Die weiße Armbinde, wurde von den alliierten Truppen während der sogenannten „Befreiungskriege“ in den Jahren 1813-1814 getragen.
  • A & B. Tiroler Jägeruniform.
  • C. Schulterklappe eines Sergeanten der Tiroler Jäger.
  • D. Schulterstück eines Offiziers der Tiroler Jäger.
  • E. Schulterklappe eines höheren Unteroffiziers des Freikorps Lützow.
  • F. Schulterklappe eines Offiziers der Freikorps Lützow.
  • G. Offiziers-Epaulette ab 1814.

Artillerie

Über die Uniformierung der Artillerie ist wenig bekannt. Sowohl die Fuß- als auch die reitende Artillerie trug trugen die schwarze Litewka und den Tschako der Infanterie. Die Reitende Artillerie war vermutlich zumindest teilweise mit Kavallerie-Säbeln ausgestattet.

Kavallerie

Husaren

Der Tschako der Husaren war das preußische Modell von 1808, leicht kegelförmig und aus dickem Filz gefertigt. Er war mit einer schwarzen, gegerbten Lederkrone versehen, die umgeschlagen und auf die Tschakoform genäht wurde. Der Bourdalou (untere Rand) und die V-förmigen Seitenverstärkungen waren ebenfalls aus schwarzem Leder. Ein Knopf aus Weißmetall hielt die Kokarde aus geprägtem Leder, weiß mit schwarzem Mittelteil. Der halbkugelförmige Wollbommel war ebenfalls in den Nationalfarben Schwarz und Weiß gehalten. Während der preußische Tschako laut Reglement nur einen Kinnriemen aus Leder besaß, bevorzugte man in Freikorps Lützows einen Kinnriemen aus weißen Metallschuppen, die auf einen Lederkern genäht waren. Kordeln und Quasten, die gelegentlich auch weiß in Abbildungen zu sehen sind, waren in der Regel schwarz. Die Kordel war nur an der Vorderseite des Tschakos geflochten. Der Tschako hatte eine Höhe von 18,5 cm und einen Umfang von ca. 60 cm (oben). Bei schlechtem Wetter und im Feldeinsatz wurde diese Kopfbedeckung üblicherweise mit schwarzem Öltuch geschützt. Die schwarze Lagermütze hatte verschiedene Formen, wobei die Schirmmütze, die mit Abstand gebräuchlichste war. Falls der Kavallerist keinen Tschako trug, diente die Mütze als Hauptkopfbedeckung und wurde teilweise mit einer Tschakoquaste in den Nationalfarben verziert.

Husaren – Offizier nach Knötel

Anmerkung: Im Jahr 1813 waren Totenköpfe, die an der Vorderseite der Kopfbedeckung befestigt wurden, im Freikorps Lützow, insbesondere offenbar bei den Husaren, sehr in Mode. Diese Praxis wurde durch einen Regimentsbefehl vom 3. Januar 1814 strengstens verboten.

Der Dolman der Husaren war vollständig schwarz mit runden und flachen Kragen und Ärmelaufschlägen. Die Knöpfe waren aus Weißmetall. Die Offiziere trugen zusätzlich schwarze Pelze. Die Husaren-Schärpe war schwarz-weiß mit weißen Kordeln und Quasten. Zur Uniformjacke wurden Reithosen aus schwarzem Stoff mit weißen Metallknöpfen getragen. Teilweise hatte die Hose eine rote Paspelierung an der Seite und war mit schwarzem Leder verstärkt.

Zur Bewaffnung aller Husaren gehörten der preußische Husaren-Säbel Modell 1808, der an einem schwarzen „ungarischen“ Koppel mit Messingbeschlägen und schwarzer Säbeltasche getragen wurde. Der Schwertknoten war aus schwarzem, gewachstem Büffelleder, die Quaste und der Dorn aus geflochtenem Leder.

  • 1. Litewka nach einem Original (Zeughaus, Berlin) und Pietsch.
  • 2. Säbel mit Scheide.
  • 3. Britischer Karabiner Modell 1800.
  • 4. Preußische Pistole Modell 1807.
  • 5. Husarendolman nach Knötel und Pietsch.
  • 6. Patronentaschenbefestigung.
  • 7. Husarenschärpe nach Knötel und einem Original.
  • 8. Standard-Lanzenspitze.
  • 9. Ulan in Paradeuniform nach Knötel.
  • 10. Husaren-Tschakos.
  • 11. Reitender Jäger nach der Elberfelder Handschrift.
  • 12. Berittener Jäger nach der Freiberger Handschrift.
  • 13. Husar. Rekonstruktion nach Knötel und Mila.

Ulanen

Die Ulanen verwendeten das gleiche Tschako-Modell, wie den der Husaren, allerdings mit einem herabhängenden Federbusch am Tschako sowie Messingkopf an der Kokarde und auch der Kinnriemen mit Messingschuppen.

Wie die Infanterie, trugen auch die Ulanen die schwarze Litewka mit zwei Reihen von je sechs bis acht Messingknöpfen auf der Brust. Der eingenähte Rock war auf der Rückseite stark gefaltet und besaß zwei geknöpfte Taschen. Die Litewka hatte eine schmale roten Paspelierung am Kragenansatz und an den spitzen Ärmelaufschlägen. Einige Handschriften zeigen die Paspelierung auch auf der vorderen Kante der Uniform. Zur Uniform sollten schwarze Stulpenhandschuhe verwendet werden, die jedoch nicht immer vorhanden waren.

Neben dem Kavalleriesäbel waren die Ulanen mit einer Lanze bewaffnend. Die Lanze hatte eine Standardlänge von 2,53 m. Der Lanzenwimpel war in der oberen Hälfte schwarz und in der unteren Hälfte rot.

Reitende Jäger

Die Uniform der Reitenden Jäger sollte, abgesehen vom Tschako-Federbusch, der Ausstattung der Ulanen entsprechen. Da sie jedoch „freiwillig“ dienten, mussten sie für die Kosten ihrer Uniform selbst aufkommen, was teilweise zu einer improvisierten Ausrüstung führte. Vielfach wurden von den Franzosen erbeutete Gegenstände verwendet, insbesondere Tschakos, Reithosen und auch Stiefel.

Die Jäger, wie auch die Husaren und Ulanen, verwendeten die schwarze Patronentasche Modell 1808 aus Leder nach preußischem Vorbild. Die Patronentasche wurde an einem schwarzen Lederbandelier getragen, dass mit Messingbeschlägen (Räumnadel und Kette) verziert war.

Reitender Jäger

Neben dem Säbel, der bei den Ulanen und Jägern nur an einem einfachen schwarzen Koppel ohne Säbeltasche getragen wurde, waren jeweils 10 Reiter pro Schwadron (also auch bei den Husaren und Ulanen) mit einem Karabiner ausgerüstet, der an einem schwarzen Bandolier hing. Bei dem Karabiner handelte es sich um den britischen leichten Kavalleriekarabiner Modell 1800, auch bekannt als „Paget“. Die Gesamtlänge betrug 78 cm, der Lauf hatte eine Länge von 40 cm und ein Kaliber von 17 mm. Eine klappbare Kolbenplatte enthielt den Ladestock aus Stahl und ermöglichte die Benutzung vom Pferd aus.

Dank einer britischen Lieferung waren die meisten Lützower Kavalleristen mit der Pistole Modell 1800 ausgerüstet. Meist hatten die Pistolen ein Kaliber von 17 mm, eine Gesamtlänge von 40 cm sowie eine Lauflänge von 23 cm. Alle Beschläge waren aus Messing. Neben dem britischen Modell wurde auch die preußische leichte Kavalleriepistole Modell 1787 verwendet. Diese Waffe hatte eine Gesamtlänge von 41 cm und eine Lauflänge von 23,5 cm. Alle Beschläge waren aus Messing, der Schaft war schwarz lackiert.

Neben dem preußischen Säbel wurden auch britische Modelle, wie der Säbel der leichten Kavallerie Modell 1796 verwendet. Der einarmige Handschutz war vollständig aus Stahl gefertigt und der Holzgriff ist mit schwarzem Schaffell bezogen. Die gebogene Klinge mit Hohlkehle und einseitig konkav geschliffener Schneide war 875 mm lang und an der 7/8-Länge 40 mm und an der Spitze 50 mm breit. Die Scheide war ebenfalls vollständig aus Stahl gefertigt.

Lützower Kavallerie nach Knötel

Der Sattel aller Kavalleristen lag auf einer dicken, grauen Segeltuchdecke und war mit einer schwarzen Schaffellsatteldecke mit breitem, rotem Stoffbesatz bezogen. Die Manteltasche war zylindrisch geformt, der Deckel wurde mit vier Knöpfen verschlossen und bestand aus grauem oder schwarzem Stoff. Die Unterseite war mit kreuzförmig vernähten Stoff- oder Lederstreifen verstärkt.

Ein TableTop Tagebuch