Europäisches Hansemuseum

Das Mittelalter ist keine Epoche, mit der ich mich intensiv beschäftige, aber durch die Rosenkriege, die ich schon ein wenig erforscht habe, will über den Tellerrand und in die europäische Welt sowie deren Konflikte im 15. Jahrhundert schauen. Beginnen werde ich zunächst vor der eigenen Haustür, also im Norddeutschen Raum. Den Anfang macht deshalb das Thema „Die Hanse“. Zu diesem Zweck habe ich nun endlich das Europäisches Hansemuseum in Lübeck besucht.

Die Hanse

Die Hanse war ein Zusammenschluss norddeutscher Kaufleute und Städte, der vom 12. Jahrhundert an den Handel in Nord- und Mitteleuropa entscheidend prägte. Ihr Ziel war es, Handelswege zu sichern, gemeinsame wirtschaftliche Interessen durchzusetzen und die eigenen Kaufleute vor Überfällen, Willkür und hohen Zöllen zu schützen. Ihr Handelsraum dabei auf die die Nord- und Ostsee beschränkt.

Als Kaufmannshanse bezeichnet die frühe Phase der Hanse vom 12. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, in der sich vor allem einzelne, reisende Fernhändler zu Schutz- und Fahrgemeinschaften zusammenschlossen. Das althochdeutsche Wort „Hanse“ stand ursprünglich für eine Schar, ein Gefolge oder eine Gruppe von Händlern. Die Kaufleute erkämpften sich durch geschicktes Bündnis- und Verhandlungswirken Handelsvorteile, sogenannte Privilegien.

Der Einflussbereich der Hanse farbig markiert

Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts, insbesondere nach dem ersten Bündnis zwischen Lübeck und Hamburg 1241, wandelte sich die lose Kaufmannsvereinigung schrittweise zur formalen Städtehanse. Zu den wichtigsten Hansestädten gehörten Lübeck, Hamburg, Bremen, Rostock, Wismar und Danzig. Lübeck entwickelte sich dabei zu einem Zentrum des Städtebundes. Von den Küsten der Nord- und Ostsee aus reichten die Handelsbeziehungen bis nach England, Flandern, Skandinavien und Russland. Gehandelt wurden unter anderem Getreide, Salz, Fisch, Holz, Pelze, Wachs und Tuch.

Die Hanse war mehr als eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft. Mit ihrer Flotte, ihren Handelskontoren und ihrer politischen Macht konnte die Hanse selbst gegen Königreiche und Fürstentümer antreten und ihre Interessen notfalls auch militärisch durchsetzen. Ein Beispiel dafür war der Krieg gegen Dänemark im 14. Jahrhundert, der 1370 mit dem Frieden von Stralsund endete und die Machtstellung der Hanse endscheidend festigte.

Die Europäischen Handelswege. Der Einflussbereich der Hanse ist oben in Pink dargstellt.

Ab dem 15. Jahrhundert begann ihr Einfluss allmählich zu schwinden. Der Aufstieg der Territorialstaaten, neue Handelsrouten und die zunehmende Konkurrenz durch niederländische und englische Kaufleute schwächten den Städtebund. Dennoch blieb die Hanse ein prägender Faktor der europäischen Geschichte.

Die Handelsrouten der Hanse in der Ostsee

Das Europäisches Hansemuseum

Wer verstehen möchte, wie die Hanse im Mittelalter zu einer der einflussreichsten Handelsmächte Europas aufsteigen konnte, kommt am Europäischen Hansemuseum in Lübeck kaum vorbei. In der traditionsreichen Hansestadt, die über Jahrhunderte eine führende Rolle im Städtebund spielte, wird die Geschichte der Kaufleute, ihrer Handelswege und ihrer politischen Macht anschaulich dargestellt und vermittelt.

Rekonstruktion von Hanse-Koggen, die bei Nowgorod vor Anker liegen.

Hier sieht man due Rekonstruktion einer mittelalterlichen Spundwand, die zur Baulandgewinnung errichtet wurden. In Lübeck wurden so teilweise Bereich der Trave trockengelegt

Neben Pelzen aus Nowgorod zählten Heringe aus Schweden und Salz aus Lüneburg zu den wichtigsten Handelsgütern der niederdeutschen Kaufleute. Weil das christliche Speisegebot im Mittelalter an rund 100 Tagen den Verzicht auf Fleisch vorschrieb, war der Bedarf an haltbaren, also eingesalzenen Fischen sehr groß.

Während Lübeck um 1200 vor allem aus Holzhäusern bestand, waren rund 100 Jahre später bereits fast alle Hauptstraßen von Steinhäusern gesäumt. Wobei Backstein der gängige Baustoff war.

Backstein ist zwar ein teurer Baustoff, doch die durch den Fernhandel reich gewordenen Kaufleute können sich die gebrannten Ziegel leisten.

In Lübeck gibt es für Fahrzeuge bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Straßen mit unterschiedlichen Belägen, wie hier einen Weg aus Knüppel- und Bohlenholz.

Das große Rad einer Winde in einem Kaufmannshaus, über welches das Seil zum heben von Lasten lief.

Mit diesen Siegeln aus dem 13. Jahrhundert werden die wichtigen Urkunden in Lübeck beglaubigt.

Dieses und die nachfolgenden Bilder zeigen eine Handelsmarkt, wie er in Brügge, dem damaligen wichtigsten Handelszentrum von Nordeuropa, zu finden war. Zu den Waren zählen, Tuche aus England, Pelze aus Osteuropa, Damast aus Südeuropa, Metallwaren, wie Rüstungen aus Italien, Gewürze und Früchte aus dem Mittelmeerraum.

Diese Buchmalerei stammt aus einer Brügger Kontorordnung von ca. 1460.

In dieser Schrift, die im Januar 1358 in Lübeck entstanden ist, wird erstmals schriftlich der Begriff „Deutsche Hanse“ (niederdeutsch: dudesche hense) genannt. Das Schriftstück ist der Aufruf zu einem Handelsboykott der Hanse gegen Brügge.

Besonders spannend für mich war der Ausstellungsraum zum „Stalhof“ in London, dem wichtigen Kontor der Hanse in England. Hier kann man direkte Verbindungen zwischen den Rosenkriegen und der Hanse entdecken (dazu mehr in einem anderen Bericht).

London ist Ende des 15. Jahrhunderts eine Wirtschaftsmetropole und zählt mit einer Bevölkerung von rund 50.000 Menschen zu den größten Städten Europas. Hier liegt an der Themse der Stalhof, das Kontor der Hanse.

Stockfisch aus Norwegen. Neben den erwähnten Salzheringen, einer der anderen wichtigen Handelsgüter der Hanse.

Das Rheinish Winehouse, eine Taverne innerhalb des Geländes des Steelyard, in der „Rheinischer Wein“ verkauft wurde.

Modell des Stalhofs in London um 1600.

In diesem Ausstellungsraum geht es um die berühmten Hansetage.

Im letzten Abschnitt der Ausstellung des Hansemuseums geht es um die Stadt Bergen in Norwegen und das dortige wichtige Kontor der Hanse.

Das Museum befindet sich am nördlichen Rand der Lübecker Altstadt und verbindet moderne Museumsarchitektur mit historischen Gebäuden, darunter dem ehemaligen Burgkloster. Die Dauerausstellung führt durch rund 800 Jahre Hansegeschichte. Dabei geht es nicht nur um Waren und Handelsrouten, sondern auch um das Leben der Kaufleute, ihre Privilegien, ihre Konflikte und ihren Einfluss auf die Politik. Anhand aufwendig gestalteter Szenen werden die bedeutenden Handelszentren Nowgorod, Brügge, London und Bergen vorgestellt. Diese Handelszentren waren keine Hansestädte, hier hat die Hanse stattdessen eigen Niederlassungen, sogenannte Kontore.

Das Europäische Hansemuseum ist kein klassisches Museum, in dem man lediglich Vitrinen mit historischen Gegenständen betrachtet. Die aufwendigen Rauminszenierungen machen vielmehr den Versuch, die Welt der mittelalterlichen Kaufleute möglichst lebendig zu vermitteln. Originalobjekte und historische Dokumente ergänzen die zu großen Teilen multimediale und durch Rekonstruktionen bestückte Ausstellung. Das Museum geht damit einen deutlich anderen Weg als viele der üblichen Museen in Deutschland. Es geht hier in erster Linie um Vermittlung von Wissen und nicht um die zur Schaustellung von Objekten.

Ein TableTop Tagebuch