Colonia Ulpia Traiana – Eine römische Stadt / Teil 3

Amphitheater

Neben den Wagenrennen zählten in den römischen Städten die Kämpfe im Amphitheater zur beliebtesten Art der Unterhaltung. Wie schon der Name vermuten lässt, handelte es sich bei einem Amphitheater um ein beidseitig umschlossenes Theater (beidseitig heißt im griechischem amphi). So konnte besonders viele Schauschauer auf den Rängen untergebracht werden. Im Amphitheater fanden Kämpfen zwischen Gladiatoren, Tierkämpfe und Jagden sowie öffentliche Hinrichtungen statt. Zu den Spielen, die oft mehrere Tage dauerten, strömten nicht nur die Bewohner der Stadt, sondern auch die Menschen des gesamten Umlandes.

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Das Amphitheater der Colonia Ulpia Traiana lag im äußersten Südostwinkel der Stadt, um Lärm und Schmutz möglichst von den dicht besiedelten Wohngebieten fernzuhalten. Erst im 2. Jahrhundert wurde eine Arena aus Stein errichtet, der Vorgängerbau in der Stadt und im Militärlager Vetera waren noch aus Holz konstruiert.

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Das freie Gelände vor der Arena bot den Besuchermassen einen leichten Zugang zu den Tribünen und diente gleichzeitig als Stellfläche für die zahlreichen Händler. Die Ränge konnten bis zu 10.000 Besucher aufnehmen, was der komplette Stadtbevölkerung von CUP entsprach. Insgesamt war das Amphitheater 99 Meter lang und rund zehn Meter hoch.

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Die Zuschauer konnten ihre Plätze über insgesamt zwölf Treppen erreichen. Während das einfache Volk sich auf den oberen Sitzreihen niederließ, boten die drei unteren Reihen den Würdenträgern der Stadt genug Platz, um es sich auf mitgebrachten hölzernen Sesseln bequem zu machen. Hier saßen sie direkt an der Innenmauer zur 60 mal 48 Meter messenden Arena und konnten das Geschehen aus nächster Nähe verfolgen. In dem Gewölbe unter ihnen befand sich ein Gang mit Kammern, in denen die Gladiatoren sich vor ihrem Auftritt aufhielten sowie Käfigen für wilde Tiere.

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Im Boden der Arena wurden Reste eines Aufzuges gefunden, Er transportiere Tiere und Kämpfer aus dem Keller an die Oberfläche.

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Die Überreste des Amphitheaters wurden im 20. Jahrhundert mehrfach archäologisch untersucht. Dabei fanden sich noch zwei ringförmig umlaufende Reihen von massiv gemauerten Fundamentblöcken. Auf diesen Blöcken stehen die Pfeiler, die die Last der äußeren Gewölbe und der oberen Ränge trugen. Drei der originalen Pfeiler wurden entfernt und vor dem Amphitheater aufgestellt, die anderen befinden sich weiterhin im Boden und tragen den in den 80er Jahren errichteten Rekonstruktionsbau.

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Die Rekonstruktion bildet die rings umlaufenden unteren Zuschauerränge und ungefähr ein Viertel der oberen Ränge nach.

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Eine Ausstellung im inneren Rundgang der Arena folgt dem damals üblichen Tagesablauf der Veranstaltungen. Zum Rahmenprogramm gehörten Tierkämpfe am Vormittag, Hinrichtungen und sportliche Wettbewerbe am Mittag. Am Nachmittag folgte dann der Höhepunkt mit den Gladiatorenkämpfen.

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Schon im Vorwege der Spiele wurde diese durch Plakatschriften angekündigt. Hier ist zu lesen: „Zwanzig Gladiatorenpaare des Decimus Lucretius Satrius Valens, ständiger Priester des Nero Caesar, Sohn des Augustus, und zehn Gladiatorenpaare des Decimus Lucretius Valens Junior werden in Pompeji kämpfen, jeweils am 8., 9., 10., 11., und 12. April. Es gibt eine ordentliche Tierhetze und Sonnensegel werden aufgezogen. Geschrieben hat dies Aemilius Celer, allein bei Mondschein“.

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Eine Pompa, eine feierliche Prozession eröffnete die Veranstaltung. Würdeträger und Helfer mit den Helmen der Gladiatoren zogen in die Arena ein. Angeführt wurden sie von Musikern mit Blasinstrumenten. Der Umzug endete schließlich mit einem Tieropfer und die Spiele begannen.

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In zwei von drei Räumen, die wahrscheinlich ursprünglich als Tierkäfige oder Aufenthaltsräume für Gladiatoren gedient haben, trifft der Museumsbesucher zunächst auf mehrere lebensgroße Gladiatoren mit originalgetreu rekonstruierter Ausrüstung typischer Gladiatorengattungen.

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Im düsteren Gang selbst bieten beleuchtete Texttafeln und Fernseher mit Kampfszenen Informationen über die so genannte Gladiatur, die in den meisten Hollywood-Filmproduktionen völlig falsch dargestellt wird.

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Die frühe Ausrüstung der Gladiatoren war relativ einfach. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich jedoch eine Reihe unterschiedlicher Gladiatorengattungen, die sich in ihrer Ausrüstung zum Teil deutlich unterschieden. Die Hauptausrüstung bestand aus einem Schwert, Beinschienen, einem Helm, einem Schild und einem Metallgürtel, der den Lendenschurz halten sollte. Die meisten Gladiatoren hatten auch einen Armschutz. Selten trugen die Kämpfer einen Körperschutz.Die wichtigsten Gladiatorengattungen waren der Samnit, Thraker, Hoplomachus, Murmillo, Retiarier und der Secutor. Anfangs kämpften die nach Völkern benannten Gladiatorentypen wohl in der Ausrüstung der jeweiligen Ethnie.

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Später wurde die Ausrüstung verfeinert. Der Gegensatz von leicht und schwer, statisch und beweglich, geschützt und ungeschützt brachte Spannung in die Auseinandersetzungen.

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Der Hoplomachus, möglicherweise eine Weiterentwicklung des Samniten, war ein schwer bewaffneter Gladiator mit prächtigem Helm.

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Der Murmillo trug auf dem Helm ein Fischsymbol. Wahrscheinlich wurde er ursprünglich gegen den Retiarier eingesetzt. Der Murmillo besaß einen großen Schild und sein Standbein war durch eine Beinschiene geschützt.

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Der Retiarius (Netzkämpfer) war kaum geschützt, aber sehr beweglich. Sein Waffen, Dreizack und Netzt waren den Waffen des Gottes Neptun nachempfunden. Für den Nahkampf führte er außerdem einen Dolch mit sich.

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Gegner des Murmillo war der Thraex (Thraker), benannt nach einem Volk, dass die Römer unterworfen hatten. Zwei Beinschienen und eine kleiner Schild machten ihn beweglich, boten dem Oberkörper aber wenig Schutz.

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Später kämpfte der Secutor gegen den Retiarier. Er trug einen runderen und glatteren Helm, in dem sich das Netz des Retiariers nicht verfangen konnte. Er war mit großen Schild und einem Schwert ausgestattet, beides ermöglichte ihm den Retiarier aus einer geschlossenen Deckung angreifen zu können.

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Dieses Relief zeigt die ungewöhnlich Paarung zweier weiblicher Gladiatoren, die Amazone und die Achillia.

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Die Kämpfe liefen nach festen Regeln ab. Auch die Ausrüstung entsprach klaren Vorschriften. Welche Gegner gegeneinander antraten, war genau festgelegt. Die Kämpfer konnten gleichartig aber gegensätzlich ausgerüstet sein. Ein Schiedsrichter überwachte das Kampfgeschehen.

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Die Tiere wurden in Käfigen vorher bis aufs Blut gereizt, bevor sie im Vormittagsprogramm der Veranstaltung ihrem Schicksal in der Arena entgegentreten mussten. Ausgebildete Tierkämpfer (bestiarii) traten gegen Bären, Hirsche oder Eber an, die in den hiesigen Wäldern heimisch waren. Exotische Tiere wie Löwen oder Leoparden werden zu teuer gewesen sein, ihr Transport an den Niederrhein zu aufwendig.

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Ein bei den Ausgrabungen entdeckter Unterkiefer eines Bären und ein unweit des Amphitheaters gefundener Weihestein eines Bärenfängers, dem es gelang in 6 Monaten 50 Bären zu erbeuten, belegen, dass wohl regelmäßig Bärenkämpfe in der Arena stattgefunden haben.

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Viele Gladiatoren hatten eine große Fan-Gemeinde. Hier sind Ritzzeichnungen der Idole im Putz einer Hauswand zu sehen.

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Der Kaiser als Veranstalter und Zuschauer in seiner Loge.

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Heute finden im Amphitheater verschiedene Veranstaltungen, wie Opern, Operetten und Musicals statt, aber auch Rock und Pop sind in der Arena beheimatet. Ein besonderer Höhepunkt sind jedoch die Gladiatorenspiele beim großen Römerfest Schwerter, Brot und Spiele, das alle zwei Jahre im APX stattfindet. Hier zeigen der berühmte Experimentalarchäologe Marcus Junkelmann und seine Truppe wie die unterschiedlichen Gladiatoren mit welcher Ausrüstung nach welchen Regeln kämpften.

Thermen

Die öffentlichen Thermen von Colonia Ulpia Traiana waren ungewöhnlich groß und nahmen ein ganzes Stadtviertel ein.

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Wie schon im Bericht zum Badehaus der Herberge beschrieben, waren römische Thermen in 4 Raumelemente unterteilt: den Eingangs- und Umkleideraum, den Kaltbaderaum, den Übergangsraum, und den Heißbaderaum.

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Die Eingangshalle der Thermen von CUT war mit 19 m Breite und 67 m Länge sehr groß. Es handelte sich aus diesem Grund wohl nicht nur um einen schlichten Umkleideraum, sondern beherbergte vermutlich Gastronomie, Verkaufsstände und einen Bereich für gymnastische Übungen. An den Baderäumen war im Westen ein großer Hof angegliedert, der von Säulen umgeben war. Hier fanden Ballspiele und sportliche Übungen statt. Im Norden der Anlage lagen weitere Räume für Serviceleistungen, wie Massagen und medizinische Maßnahmen. Im Südwesten entdeckten die Archäologen eine große quadratische Latrine.

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Die wichtigste technische Einrichtung der Thermen war das Heizsystem, das nicht nur das Badewasser erhitzte, sondern auch die Räume erwärmte. Die Thermen von CUT wurden durch neun Öfen mit Wärme versorgt.

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Neben der Heizung waren natürlich auch die Wasserversorgung und das Ableiten von Wasser von hoher Bedeutung. Über eine Wasserleitung wurden drei große Kammern gespeist. Von hier aus erfolgte die Verteilung über Bleirohre zu den Kesseln, Becken und Brunnen der Thermen.

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Ein großer Abwasserkanal leitete das Abwasser in südlicher Richtung aus der Stadt und durchspülte auf seinem Weg auch die große Latrine.

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Heute sind die Überreste der Anlage unter einem Schutzbau aus Glas und Stahl, der die ursprüngliche Form wiedergibt, zu besichtigen. So erhält man einen guten Eindruck von der Größe der Anlage.

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Einer der großen Abwasserkanäle verließ die Stadt unter dem Nordtor. Er stieß hier auf einen Kanal, der durch eine Schleuse gesichert in den Rhein mündete.

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Im Museum ist derzeit auch eine Sonderausstellung zu sehen, die sich mit der Wasserversorgung der Römer beschäftigt.