Archiv der Kategorie: 18. Jahrhundert

Nottingham Weekend / Teil 1

Am letzten Wochenende hatten wir, das waren Johannes, Oliver und ich, das große Glück, mit Alan und Michael Perry ein Wargaming-Wochenende in Nottingham zu verbringen…und besser noch, dieses „Wochenende“ begann schon am Donnerstagabend :-). Erster Treffpunkt mit den Perry’s war natürlich ihr Lieblings-Pub, dem „Trip to Jerusalem“, den ältestem Pub in England. Nottingham Weekend / Teil 1 weiterlesen

Es waren zwei Königskinder… Die Schlacht von Culloden 1746 – Vor Ort

Und wieder einmal befinden wir uns inmitten eines schottischen Freiheitskampfes. Nach langen Verhandlungen wird 1706 zwischen schottischen und englischen Gesandten ein gemeinsames Parlament (natürlich zu Gunsten der Engländer mit 470 Sitzen von 513), Fahne, Siegel und eine gemeinsame Währung beschlossen. Trotzdem werden von den Jakobiten 1708, 1715 und 1719 weiter Versuche unternommen die Krone der Stuarts erneut zu erlangen. 1745 beginnt mit der Landung von Prinz Charles Edward Stuart, genannt „Bonnie Prince Charlie“, in Schottland das letzte Kapitel des Freiheitskampfes. Sein Widersacher ist der Duke of Cumberland, der jüngere Sohn König Georgs II. Nach einigen anfänglichen Erfolgen, was in einem Einmarsch der Jakobiten in England gipfelte, wurde das schottische Heer schließlich nach Norden zurückgedrängt. Am 16. April 1746 findet schließlich die entschiedene Schlacht in der Nähe von Inverness, bei Culloden Moor, statt. Hier wird nicht nur der Jakobitenaufstand beendet, sondern hier wird auch die letzte Schlacht auf britischem Boden ausgetragen.

               

Bevor wir uns mit der Schlacht beschäftigen, sollten wir noch einen kurzen Blick auf die zwei Königskinder werfen. Bonnie Prince Charlie, Sohn von James Francis Edward Stuart, wird im Exil geboren und wächst in Italien auf. Er ist recht gutaussehend und vor allem beim weiblichen Geschlecht beliebt. In militärischen Fragen ist er allerdings eine völlige Null und hängt darüber hinaus auch noch an der Flasche (wenn ich das mal so salopp formulieren darf). Nachdem die Schlacht verloren scheint (ich hoffe ich habe jetzt nicht zuviel verraten) ergreift er die Flucht und entkommt schließlich, als Frau verkleidet, nach Frankreich. Na, das spricht doch Bände! Wie konnte dieser Bengel, er war zu dieser Zeit 25 Jahre alt, nur zum Volkshelden der Schotten avancieren? Die Sache ist und bleibt wohl ein völliges Rätsel für Nichteingeweihte. Ganz anders unser zweiter Königssohn, William August Duke of Cumberland, oder „The Butcher“ wie er liebevoll von seinen Gegnern genannt wurde. Er war etwa im selben Alter wie Bonnie, allerdings ohne sein Aussehen und Charme. Das trug sicher auch zu seiner Unbeliebtheit bei. Nur seine Soldaten standen, sozusagen wie ein Mann, hinter ihm. Seine ersten Sporen verdiente er sich 1743 in der siegreichen Schlacht von Dettingen und im Mai 1745 in der Niederlage von Fontenoy (es war schließlich keine Schande von Marschall Saxe geschlagen zu werden). Sicherlich war er kein militärisches Genie, aber er hatte Talent für administrative Aufgaben und kümmerte sich liebevoll um seine Soldaten.

Nun aber zurück zum 16. April 1746. Noch in der Nacht vor diesem Schicksalstag versuchen die Aufständischen mit einem Gewaltmarsch die englischen Truppen zu überraschen. Sie hatte erfahren, dass der Duke (nicht zu verwechseln mit J. W.) in dieser Nacht seinen Geburtstag feiert. Doch sie erreichen die Engländer nicht und im Morgengrauen sind sie noch immer 2 Meilen entfernt. Die Schlacht ist nun unausweichlich und Bonnie beschließt selbst sein 5000-Mann-Heer zu führen (großer Fehler!). Das Schlachtfeld ist schlecht gewählt. Eine nahezu ebene Sumpflandschaft, die der Kampfweise der Hochländer (loslaufen, einmal feuern und dann mit dem Breitschwert um sich schlagen) in keiner Weise entgegen kommt. Die Männer sind außerdem zum umfallen müde (durch die sinnlose Nachtwanderung), frieren (es regnet in Strömen) und hungrig. Bonnie lässt die Infanterie in zwei Reihen Aufstellung nehmen. Die Kavallerie steht in Reserve und die Artillerie wird rechts, links und im Zentrum der Infanterie platziert. Ihnen gegenüber, in einem Abstand von ca. 500 Metern nimmt die 7000 Mann starke Armee von Cumberland Aufstellung. Seine 15 Infanterie Regimenter werden ebenfalls in zwei Treffen arrangiert. Die Geschütze stehen in Paaren zwischen der ersten Linie der Infanterie. Die Kavallerie steht an den Flanken und in Reserve der Formation.

Die Schlacht ist eigentlich schon entschieden, aber es sollte noch schlimmer kommen. Den Anfang machte natürlich die Artillerie und im besonderem die englische. Die Geschütze feuerten ohne Unterlass und schlugen große Breschen in die dicht stehenden Hochländer. Alles wartete auf das Kommando „Claymore“, das verabredete Zeichen für den allgemeinen Angriff. Aber die Minuten verstrichen und nichts passierte (außer natürlich, dass die Hochländer immer noch reihenweise niedergemacht wurden). Unser guter Bonnie hatte schon jetzt den Überblick verloren und wartete wohl geduldig auf einen Angriff von Cumberland. Nach gutem zureden seiner Generäle wurde nun endlich der Sturmlauf befohlen. Der Duke wusste natürlich was ihn erwartete und so disponierte er geschickt seine Infanterie, um die Hochländer zu empfangen. Jedoch nur der rechte Flügel der Jakobiterarmee erreichte überhaupt den Gegner, während die restliche Infanterie von englischem Gewehrfeuer und Kanonen abgewiesen wurde. Dort, wo die Gegner aufeinander trafen, entbrannte allerdings ein mörderischer Kampf. Doch die englische Linie gab nicht nach und so mussten sich die Jakobiter schließlich zurückziehen, wobei die englische Reiterei die Verfolgung aufnahm und zahllose Hochländer niedersäbelte. Ende der Geschichte.

Das Schlachtfeld ist noch heute zum größten Teil so erhalten, wie es sich damals zeigte. In der Heidelandschaft markieren jetzt zwei gelbe Flaggen den Verlauf der englischen und zwei rote die der schottischen Linie. Dort, wo die Kämpfe am heftigsten tobten (die rechte Flanke), stehen Gedenksteine in Erinnerung an die beteiligten Clans. Besondere Aufmerksamkeit sollte man dem Gedenkstein der „well of the death“ schenken. Hier trafen die Atholl Highlander auf Barrels Regiment und löschten sich dabei fast gegenseitig aus. Im Zentrum des Schlachtfeldes, zwischen den beiden Linien, steht das offizielle Schlachtdenkmal, dass 1881 von Duncan Forbes gestiftet wurde. Das einzige erhaltene Gebäude ist „Old Leanach Cottage“. Es steht heute gleich neben dem neuen Visitor-Center und 1746 lag es etwas hinter der äußersten rechten Flanke der englischen Armee. Im Besucherzentrum ist eine schöne Ausstellung mit alten Waffen und einigen Rekonstruktionen zu bestaunen. Es wird ein Film über die damaligen Ereignisse gezeigt und der Museumsshop bietet mal wieder alles was das Touristenherz begehrt.

Als Buchtipp möchte ich euch den Titel „Like Hungry Wolves“ von Stuart Reid ans Herz legen. Gut gegliederter und informativer Text, mit allen wichtigen Details zur Schlacht und den Gegnerischen Armeen. Das Buch ist reich bebildet und wartet mit einigen sehr schönen farbigen Uniformtafeln auf. Auch das Kartenmaterial und die Schlachtfeldaufstellung sind erstklassig. Absolut empfehlenswert! Ich habe es übrigens für 12 Pfund (herabgesetzt) in einem stinknormalen Buchladen erworben. Mein Filmtipp ist „1746 – Chasing the Deer – Die Schlacht in den Highlands“ (als DVD erhältlich). Hier wurden mal wieder sämtliche Reenacter Großbritanniens mobilisiert. Allerdings sind die englischen Geschütze doch recht klein geraten. Bonusmaterial ist die Dokumentation (48 Minuten) Leaders in the Battle „Bonnie Prince Charlie“. Die Doku fand ich fast noch interessanter als den Film.

                                              

Das Bollwerk im Norden / Fort George – Vor Ort

Nach der Niederschlagung der Aufständischen Jakobiter 1746, trauten die Engländer dem Frieden in Schottland nicht so recht. Um einer weiteren Erhebung vorzubeugen, wurde mit dem Bau der mächtigen Festungsanlage Fort George am Ufer des Moray Firth begonnen. Es liegt auf einer kleinen Landzunge in Sichtweite von Inverness. Die Arbeiten wurden 1769 beendet und hinterließen eine Festung mit Gebäudekomplexen, die noch heute, 250 Jahre später, von der Armee genutzt werden. In all den Jahren wurden kaum Veränderungen oder Anbauten vorgenommen und somit bietet sich für Besucher die Gelegenheit ein intaktes Fort aus dem 18. Jahrhundert zu besichtigen. Das Fort konnte zu Zeiten King George II Offiziere und Mannschaften zweier Bataillone, sowie sämtliche Geschützbedienungen der Festungsartillerie beherbergen. Insgesamt wurden 2.000 Männer untergebracht. Die Gebäude umfassen mehrere Lagerhäuser, Mannschaftsbaracken, Offiziersquartiere, ein Pulvermagazin, eine Bäckerei, eine eigne Brauerei und eine Kapelle. Folgende Geschütze wurde 1760 in Fort George aufgestellt: 12 42-Pfünder, 4 32-Pfünder, 21 18-Pfünder, 22 12-Pfünder, 4 6-Pfünder und 2 13-inch Mörser.

Das Fort wurde allerdings in seiner Geschichte weder belagert, noch gab es irgendwelche anderen kriegerischen Ereignisse. So diente die Kaserne hauptsächlich als Ausbildungslager einiger schottischer Regimenter. Nach den Napoleonischen Kriegen verlor es lange Zeit an Bedeutung. Man erwog sogar, es in ein Gefängnis umzuwandeln. Erst 1859, als Napoleon III begann seine Flotte auszubauen, wurde auch Fort George aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Die Geschütze, die man noch heute bewundern kann, wurden zu dieser Zeit installiert. Übrigens war Fort George nach 1815 als Gefängnis für Napoleon vorgesehen und verlor nur knapp gegen den Standort St. Helena!

Neben der Festungsanlage mit ihren Geschützen, können noch einige andere Highlights besichtigt werden. In drei historischen Räumen wird das Leben in den Jahren 1780, 1813 und 1868 nachgestellt. Bei den Aufnahmen in diesen Räumen habe ich mal wieder unter Einsatz meines Lebens gearbeitet. Nein, Fotoverbot gab es nicht, aber irgendwie habe ich unglücklicherweise die Alarmanlage ausgelöst. Zum Glück war ich allein im Gebäude und konnte mich so unauffällig verdrücken (peinlich, peinlich). Nächster Höhepunkt ist das große Magazin. Hier steht neben einer ganzen Reihe von Pulverfässern (natürlich leere) eine beeindruckende Waffenkammer mit einer riesigen Anzahl von India-pattern Musketen, canvass Tornistern, Säbeln und Bajonetten (leider alles hinter Glas). Hier ist auch noch ein schönes Diorama der Festung aufgestellt.

In einem anderen Gebäudeflügel kann man das Regimentsmuseum der Queen’s Own Highlander (72. und 78. Highlanders) besichtigen. Auch hier wieder eine Fülle von Gemälden und Ausstellungsstücken. Leider war zu meinem großen Ärger der Museumsshop geschlossen und so musste ich mich mit dem Touri-Laden am Haupteingang begnügen. Wer Lust hat kann von den Mauern aus dem bunten Treiben auf dem Überplatz zusehen, denn hier robben die in Fort George stationierten Soldaten durch die Gegend.