Archiv der Kategorie: 1. Weltkrieg

TOP 5 – Filme 1. Weltkrieg

Bei meiner nunmehr zweiten TOP 5 Besprechung geht es um Filme, welche das Thema 1. Weltkrieg behandeln. Bei meiner Auswahl steht das Thema Krieg im Vordergrund, alle Filme, die nur vor der Kulisse des 1. Weltkrieges spielen, habe ich jetzt einmal ausgeklammert. Und wenn ich von Filmen spreche, dann meine ich Spielfilme, also keine Dokumentationen, was so etwas wie „They Shall Not Grow Old“ von Peter Jackson ausschließt, obwohl dieses Werk von 2018 wirklich ausgewöhnlich gut ist. Außerdem mochte ich gern die Flieger-Filme separat behandeln, weshalb diese zunächst ausgeklammert werden, obwohl dies tatsächlich keinen Einfluss auf meine TOP 5 gehabt hätte, da meiner Meinung nach keiner von ihnen meinen Favoriten das Wasser reichen kann.

Was einen guten Film für mich ausmacht, ist nicht in Gänze rational erklärbar, es hängt manchmal von meiner persönlichen Stimmung oder auch der Hintergrundgeschichte ab. Vor allem sollte ein Film Emotionen hervorrufen und eine gewisse Originalität haben. Am besten ist es natürlich, wenn der Film mich vergessen lässt, dass es sich um einen Film handelt. Andererseits begeistern mich natürlich auch die klassischen Aspekte, wie die Schauspielkunst, Musik und Ton, Kamera, Schnitt, Regie, Drehbuch, Effekte und bei historischen Filmen natürlich auch die Ausstattung. Außerdem habe ich in diese Bewertung einfließen lassen, ob ich den Film noch einmal schauen würde bzw. wie oft ich ihn in der Vergangenheit schon gesehen habe. Los geht’s…

TOP 5: Blizzard of Souls

Vor ein paar Wochen wurde ich auf den lettischen Film „Blizzard of Souls – Zwischen den Fronten“ von 2019 aufmerksam und habe mir dazu die DVD bestellt. Der Film erzählt die Geschichte des 16-jährigen Arturs Vanags, der sich nach dem Einmarsch der Deutschen in Lettland im Sommer des Jahres 1915 zusammen mit seinem Vater freiwillig zur russischen Armee meldet.

Blizzard of Souls ist der kommerziell erfolgreichste lettische Film seit der Unabhängigkeit des Landes von der UdSSR. Mit einem Budget von 2,5 Millionen Euro war er eine der teuersten Produktionen Lettlands und wer sich das Making-Off der DVD ansieht merkt, dass die Produktion des Films als eine Art nationale Aufgabe angesehen wurde. Das liegt auch daran, dass der Film auf einem berühmten lettischen Roman basiert, der eng mit dem ersten Unabhängigkeitskampf nach dem 1. Weltkrieg verknüpft ist.

Der Film ist optisch und schauspielerisch sehr gelungen, allerdings kann man der Handlung gerade im zweiten Teil des Filmes nur noch schwer folgen. Ich hatte den Eindruck, der Film wurde ausschließlich für den lettischen Zuschauer konzipiert, der vermutlich die Ereignisse von damals bereits mit der Muttermilch aufgesaugt hat. Ich musste erst einmal etwas Recherche betreiben, um zu verstehen, welche Schlachten da geschlagen wurden und wie das Ganze in einen Unabhängigkeitskrieg mündete.

Der Film ist aber empfehlenswert, weil er endlich einmal ein anders Kapitel als die Grabenkriege der Westfront thematisiert. Man sollte sich aber vorher mit dem Thema etwas beschäftigen und auch das Making-Off der DVD schauen.

TOP 4: Wege zum Ruhm – 1957

„Wege zum Ruhm“ von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1957 ist sicher einer der ganz großen Film-Klassiker. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Humphrey Cobb, welcher wiederum auf ein tatsächliches Ereignis im Jahr 1915 an der Marne-Front zurückgeht, bei dem sich französische Soldaten weigerten aus ihren Schützengräben zu klettern und zum Angriff vorzugehen. Diese Befehlsverweigerung führte zur willkürlichen Erschießung von 3 Unteroffizieren, um so ein Exempel zu statuieren.

Das Thema von Befehl und Gehorsam sowie den daraus resultierenden Konflikt wird durch diesen Film so anschaulich, wie in kaum einem anderen. Seinen Erfolgt verdankt „Wege zum Ruhm“ zum einen den geschliffenen Dialogen, aber vor allem seinen Schauspielern, allen voran Kirk Douglas, der in der Rolle des Colonel Dax eine herausragende Leistung bietet. Aber auch die Optik des Films mit seinen zwei unterschiedlichen Schauplätzen ist eindrucksvoll inszeniert. Auf der einen Seite sieht man die düstere und schmutzige Welt der einfachen Soldaten, auf der anderen Seite die strahlende und luxuriöse der Kommandeure.

Ungewöhnlich ist, dass der Film in Bayern, also in Deutschland gedreht wurde und auch seine Uraufführung in München stattfand. Der nur 900.000 Dollar teure Film wurde vor allem in Frankreich und der Schweiz zunächst nicht in den Kinos gezeigt, da man ihn als Angriff auf die Ehre der Armee verstand.

TOP 3: 1917

Für mich eine der vielen Highlights des sensationellen Kinojahres 2019, der Film „1917“ von Sam Mendes. Seine Originalität liegt selbstverständlich in den nur zwei ununterbrochenen Kameraeinstellungen und der ständig unterschwelligen Spannung, die durch die Echtzeit-Verfilmung entsteht. Nicht umsonst erhielt der Streifen u.a. einen Oscar für die beste Kamera. Aber auch die Ausstattung oder das Production Design, wie es wohl korrekt heißen müsste, hätte einen Oscar verdient.

Der Film erzählt die Geschichte zweier britischer Meldeläufer an der Westfront, die damit beauftragt sind, ein Bataillon von rund 1.600 Mann daran zu hindern, in einen deutschen Hinterhalt zu geraten. Die Ereignisse von „1917“ finden vor der Schlacht von Poelcappelle statt, einem kleineren Gefecht in der größeren Schlacht von Passchendaele oder der dritten Schlacht von Ypern, und sind inspiriert von den Erzählungen Alfred Mendes, dem Großvater des Regisseurs.

Eine der Hauptfiguren des Filmes, Lance Corporal Blake, wird von Dean-Charles Chapman, bekannt als Tommen aus Game of Thrones, gespielt. Erwähnenswert ist aber vor allem die Ausstattung des Films, bei der man sogar an den fast weißen, kalkhaltigen Sand bei der Darstellung der Schützengräben gedacht hat. Das abstürzende Flugzeug im Film ist eine Albatros D.V, eben jener Typ, der im Juni 1917 an der Westfront erstmals zum Einsatz kam, um dort gegen die überlegenen feindlichen Jagdflugzeugen wie die Sopwith Camel, S.E.5 oder SPAD S.XIII anzutreten. Schön ist im Film auch der Unterschied zwischen den englischen und den deutschen Gräben erkennbar, sowie den typischen „Straßennamen“ in den britischen Grabensystemen. Und natürlich sind die Ausrüstung und die Waffen sehr authentisch.

Als ich den Film das erste Mal im Kino sah, wusste ich natürlich schon von der ausgewöhnlichen Kameraarbeit, was sich allerdings als hinderlich herausstellte, da ich die ganze Zeit darauf achtete, wie sich die Kamera bewegt und so die Stimmung des Films etwas verloren ging.

TOP 2: Im Westen nichts Neues

Der Film „Im Westen nichts Neues“, natürlich die legendäre Fassung von 1930 von Lewis Milestone, schildert eindrucksvoll die Begeisterung und die Ernüchterung für den Krieg, die Kameradschaft und das Schicksal einer verlorenen Generation. Wie schon in der Romanvorlage von Erich Maria Remarque schlüpft der Zuschauer in die Rolle eines einfachen deutschen Soldaten und durchlebt mit ihm alle Phasen der berüchtigten Grabenkämpfe des 1. Weltkriegs an der Westfront.

Obwohl der Film schon 90 Jahre auf dem Buckel hat wirkt er nicht verstaubt, sondern inhaltlich und technisch immer noch zeitgemäß. Die Kameraarbeit ist großartig und auch die Erzählweise innovativ, wie der Todesreigen der immer wieder von Soldat zu Soldat wechselnden Marschstiefel oder die berühmte Schlussszene mit dem Schmetterlings im Niemandsland. Im Film wird nicht nur die physische, sondern auch die psychische Gewalt oft drastisch dargestellt. Ungewöhnlich ist, dass der Film, bis auf ein paar Marschlieder, ganz ohne Filmmusik auskommt, wodurch er sogar noch authentischer wirkt. Einzig zu bemängeln sind einige Dialoge, die teilweise etwas zu erklärend sind, wo ein Film seine Bildsprache hätte nutzen können.

Was mich bis heute überrascht, ist, dass sich damals eine US-Produktionsfirma an diesen Stoff gewagt hat. Immerhin spielt das Ganze aus der Sicht deutscher Soldaten und diese werden zum größten Teil sehr sympathisch dargestellt. Trotz dieser Tatsache wurde der Film schon nach seiner Veröffentlichung ein großer Erfolg und erhielt 1930 den Oscar für den besten Film und die beste Regie. Sicher immer noch einer der kraftvollsten Anti-Kriegsfilme aller Zeiten. Netflix plant gerade eine Neuverfilmung, Drehbeginn soll im März 2021 sein.

TOP 1: Lawrence von Arabien

Für mich gehört „Lawrence von Arabien“ ganz klar auf Platz 1 und ist für mich sogar einer der besten Filme überhaupt. Mit sieben Oscars und weiteren 3 Nominierungen sicher kein Geheimtipp, aber das ist bei einem Favoriten auch nicht verwunderlich.

Das Thema des Films ist die Geschichte des Arabischen Aufstand und das Leben des britischen Offiziers T. E. Lawrence, beides durch diesen Film und das berühmte Buch „Die sieben Säulen der Weisheit“ untrennbar miteinander verbunden. Der Arabische Aufstand ist zwar nur ein Randthema des 1. Weltkrieges, war und ist jedoch entscheidend für die Entwicklung im Nahen Osten.

Herausragend bei diesem Film sind für mich zum einen die unterschiedlichen Charaktere, die von so namhaften Schauspielern wie Peter O’Toole, Omar Sharif, Anthony Quinn und Alec Guinness alle meisterlich gespielt werden sowie die Kameraarbeit und die Musik. Tatsächlich besaß ich den Soundtrack zum Film bereist als Jugendlicher auf Schallplatte. Die Musik ist mitreisend und trägt wesentlich zur Stimmung des Films bei. Auch die Kameraarbeit kann man nicht genug loben, durch sie bekommen die Szenen erst ihre epische Weite. Zu meinen Lieblings-Szenen gehören die „Brunnen-Szene“ und die Rückkehr von Lawrence mit dem tot geglaubten Gassim, die nur am unteren Bildrand spielt, während darüber die grenzenlose Wüste zu sehen ist.

Die Ausstattung des Films ist ebenfalls gut, aber es gibt auch Schwächen, wie die Flugzeuge beim Angriff auf das arabische Lager, die leider nicht authentisch sind. Auch die Stadt Akaba und ihre Umgebung hat nichts mit dem Originalschauplatz zu tun. Sensationell sind andererseits die Aufnahmen im Wadi Rum, welches ich auch selbst schon besuchen konnten und dass im Film eine imposante Kulisse für den Aufmarsch der Arabischen Truppen liefert. König Hussein von Jordanien lieh eine ganze Brigade seiner Arabischen Legion als Statisten für den Film, so dass die meisten „Soldaten“ des Films von echten Soldaten gespielt werden.

Der Film und auch das Buch machen die Begeisterung für die Wüste dermaßen greifbar, dass mich beide zu mehrere Kamel-Touren und Reisen in die Wüsten Arabiens und Afrikas verführt haben. Natürlich wird im Film auch vieles romantisiert, was wohl eines der Hauptkritikpunkte ist, aber gerade das macht für mich auch den Charme dieses Klassikers aus. Manche Gestalten der Geschichte sind tatsächlich „larger than life“.

Honorable Mentions

Die berühmte Episode vom „Weihnachtsfrieden“ im ersten Jahr des 1. Weltkrieges dürfte sicher einigen bekannt sein. Im Winter 1914 kam es rund um die Weihnachtstage zu spontanen Verbrüderungen zwischen den Kriegsgegnern. Dieses Ereignis fand tatsächlich an mehreren Frontabschnitten, aber vor allem bei Ypern statt. Man geht heute davon aus, dass mindestens 100.000 Soldaten der an der Westfront kämpfenden Parteien an dem Waffenstillstand teilgenommen haben, hauptsächlich Briten und Deutsche.

Vorlage für den Film „Merry Christmas“ war vor allem das Buch „Batailles de Flandres et d’Artois 1914–1918“ von Yves Buffetaut, welches den Regisseur Christian Carion scheinbar sehr fasziniert hat. Ein solider Film mit einer interessanten Geschichte.

Ein sehr schöner Unterhaltungsfilm ist für mich immer noch der „Der brave Soldat Schwejk“ mit Heinz Rühmann. Der sehr naive Schwejk wird 1914 als Soldat in die K.-u.-k.-Armee eingezogen und schlawinert sich durch den 1. Weltkrieg. Die Komödie hat auch ernste Töne, soll aber nicht an die Romanvorlage von Jaroslav Hasek herankommen (habe ich selbst leider noch nicht gelesen). Immer wieder schön der Satz, „Also nachm Krieg, um sechs Uhr abends!“.