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Gettysburg Tour – Teil 1

Nach etlichen Jahren der Pause, war ich wieder einmal in den USA zu Besuch. Die Reise führte mich erstmals auch nach Gettysburg und natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt, um das Schlachtfeld ausgiebig zu erkunden. Der Gettysburg National Military Park wurde 1885, 32 Jahre nach der Schlacht, gegründet. Gettysburg ist das meistbesuchte Schlachtfeld des Bürgerkriegs. Jedes Jahr besuchen etwa zwei Millionen Menschen aus dem ganzen Land und der Welt den Park.

Lage von Gettysburg. Man erkennt im Nordwesten das South Mountain Gebiet und dahinter die lange Kette der Appalachian Mountains. Zwischen den Bergketten verläuft das Shenandoah Valley.

Einige Bereiche des Gettysburg National Parks, so der offizielle Name, waren aus Gründen der Renaturierung während meines Besuches leider geschlossen. Das war jedoch nicht weiter tragisch, da ich in den zwei Tagen, die mir zur Verfügung standen, eh kaum alle Ecken des 16 km² großen Geländes erkunden konnte.

Karte des Gettysburg National Parks (grüne Flächen)

Die Aufgabe des National Park Service und seiner Mitarbeiter ist es, das Schlachtfeld in einen ähnlichen Zustand wie zur Zeit des Bürgerkrieges zu versetzen. Dieses Unterfangen dauert bereits seit 1933 an und hat zu umfangreichen Instandsetzungsarbeiten geführt. So wurden und werden Flächen und historische Gebäude gekauft und restauriert, Zäune und Mauern errichtet sowie Felder und Wälder gepflanzt. Zum Nationalpark gehört auch ein großes Besucherzentrum, welches im Jahr 2008 fertiggestellt wurde. Es beherbergt ein Museum, ein Kino, eine Kuppel mit einem Rundgemälde der Schlacht, eine Informationshalle, ein Café und Restaurant sowie einen Museumsshop.

Eingang zum Besucherzentrum des Gettysburg National Parks.

Gettysburg Battlefield

Auf dem Schlachtfeld selbst findet man rund 1.320 Monumente, Markierungssteine und Gedenktafeln. Hinzu kommen 410 Geschütze, welche die historischen Orte markieren, an denen sie einst standen, 148 historische Gebäude, 66 Kilometer an Straßen und Wegen sowie jede Menge Schautafeln mit Bildern, Karten und Texten.  Die Stadt Gettysburg gehört zwar nicht zum Nationalpark, war aber Teil des Schlachtfeldes und somit mit ihren zahlreichen historischen Gebäuden und privaten Museen ebenfalls sehr interessant für Besucher. Bei den Monumenten auf dem Schlachtfeld unterscheidet man zwischen den „State monuments“, den „Regimental / Battery monuments“, den „Monuments to individuals“, den „Headquarters Marker“ und den „Brigade / Division Tablets“. Die „Regimental monuments“ stehen meist dort, wo sich der prominenteste Standort der Fahnensektion des jeweiligen Regiments während der Schlacht befand. Zudem sind die rechte und die linke Flanke der Regimentslinie mit Markersteinen gekennzeichnet. So lassen die die Standorte der Einheiten auf dem Schlachtfeld bestimmen.

Beispiel für einen sogenannten „Headquarters Marker“, welche immer in Form eines aufrechtstehenden Kanonenrohres dargestellt sind (Army oft he Potomac, 1. Corps Headquarter)

Beispiel für ein „ Division Tablet“. (1. Division des 1. Korps)

Beispiel für ein „ Brigade Tablet“ (3. Brigade, der 3. Division des 1. Korps)

Beispiel für ein „Monuments to individuals“, hier für Major General Abener Doubleday.

Beispiel für ein „Regimental monument“, hier das 29th Pennsylvania Infantry Regiment.

Beispiel für „Left / Right Flank Marker“ eines Regiments (2nd Wisconsin Volunteer Infantry)

Beipsiel für ein „State monument“, hier für den Staat Vermont.

Battlefield Tour

Zunächst muss man sich als Besucher entscheiden, wie man dieses riesige Gelände erkunden möchte. Es besteht natürlich die Möglichkeit, das Ganze auf eigene Faust mit dem Auto und zu Fuß zu erkunden. Eine Variante, für die auch ich mich entschieden habe, da ich bereits einige Vorkenntnisse und einen Plan für den Rundgang vorbereitet hatte. Es gibt einen markierten Rundweg mit insgesamt 16 Haltepunkte, die man nacheinander mit seinem PKW abfahren kann. Von den Haltepunkten führen dann Wanderwege in die Umgebung. Die PKW-Tour kann man durch einen Reiseführer in Buchform, als App oder CD Audioguide sowie mit den Videos der Virtual Tour unterstützen (links dazu gibt es auf der Homepage des Gettysburg National Parks). Zudem besteht die Möglichkeit einen persönlichen, offiziellen Tour-Guide zu mieten, der den Besucher dann für 2 Stunden im PKW begleitet. Es gibt einen Fahrradverleih in der Nähe des Visitor Centers und so ist eine Tour mit dem Fahrrad ebenfalls eine Option. Teile des Rundweges können auch mit einem Pferd abgeritten werden. Bustouren sind ebenfalls im Angebot, diese geben aber nur einen kleinen Einblick und bieten kaum Stopps zu Aussteigen. Das komplette Schlachtfeld zu Fuß zu erkunden ist eher keine gute Idee, da die Entfernungen einfach zu weit sind. Neben diesen Möglichkeiten kann man zudem an ausgewählten Rundtouren des Ranger Programms teilnehmen oder diese bei Youtube anschauen. Um den kompletten Park, die Stadt und die privaten Museen zu besuchen, muss man mindestens 4 bis 5 Tage einplanen.

Hier der Link zur Virtual Tour: https://www.nps.gov/gett/learn/photosmultimedia/virtualtour.htm

Ein Ranger des National Park Service.

Einer der vielen „Licensed Battlefield Guides“.

Reiter erkunden das Schlachtfeld.

So sehen die Busse des privaten Anbieters „Gettysburg Battlefield Bus Tour“ aus.

Visitor Center

Starten sollte man seine Tour aber auf jeden Fall im Visitor Center. Im Gebäude sind das Museum of American Civil War, ein Kino und das Cyclorama, ein Rundgemälde der Schlacht, untergebracht.

Lage des Visitor Centers im Park

Wer ein Ticket für alle drei Einrichtungen gekauft hat, startet seinen Rundgang im Kino, wo der 20-minütige Film „A New Birth of Freedom“ (von Morgan Freeman) gezeigt wird, welcher den Amerikanischen Bürgerkrieg und die Schlacht von Gettysburg skizziert. Im Anschluss wird man in die Kuppel des Visitor Centers geführt, wo dem Besucher das Rundgemälde des französischen Künstlers Paul Philippoteaux erwartet. Das Gemälde zeigt den Picketts Charge am 3. Juli 1863. Mit Hilfe von Licht und Toneffekten, wird dann die Geschichte dieses Ereignisses erzählt. Abschließend geht es dann ins Museum mit seinen sensationellen Artefakten, wo zudem zahlreiche Videos und Schautafel durch den Bürgerkrieg und die Schlacht von Gettysburg führen.

Movie and Cyclorama

Der Titel des Films, der den Besuch einleitet (A New Birth of Freedom) erinnert an die berühmte „Lincoln Address“. Bald nach der großen Schlacht begannen die Menschen, Gettysburg zu besuchen, um zu versuchen zu verstehen, was dort passiert war. Einer dieser Besucher war am 19. November 1863 Präsident Abraham Lincoln. Er wurde eingeladen, bei der Einweihung eines Friedhofs für in der Schlacht getötete Unionssoldaten zu helfen. Lincoln sprach nur zwei Minuten lang (die sogenannte Gettysburg Address): „Vor vierundsiebzig Jahren haben unsere Väter auf diesem Kontinent eine neue Nation hervorgebracht, die in Freiheit gezeugt und der Behauptung verschrieben wurde, dass alle Menschen gleich geschaffen sind. Es liegt vielmehr an uns Lebenden, uns hier dem unvollendeten Werk zu widmen, das sie, die hier gekämpft haben, bisher so edel vorangebracht haben Für diese geehrten Toten widmen wir uns verstärkt der Sache, für die sie das letzte volle Maß an Hingabe gegeben haben – dass wir hier fest entschlossen sind, dass diese Toten nicht umsonst gestorben sein sollen – dass diese Nation unter Gott eine neue Geburt haben wird Freiheit — „

Nach dem Besuch des Kinos und dem Film „A New Birth of Freedom“ wird der Besucher ins Cyclorama geführt. Die Cyclorama Sound and Light Show ist ein 360-Grad-Sound- und Lichterlebnis. Das Rund-Gemälde zeigt den letzten Angriff in der Schlacht von Gettysburg: Pickett’s Charge. George Pickett war ein konföderierter General, der am 3. Juli 1833, dem letzten Tag der Schlacht einen Angriff gegen stärkere Unionstruppen führte. Dieser Angriff war eine Katastrophe für die konföderierten Soldaten und endete in ihrer Niederlage. Das Gemälde ist einhundertvierzehn Meter lang. Der französische Maler Paul Philippoteaux und ein Team von zwanzig Künstlern schufen es im Jahr 1884.

Museum of American Civil War

Leider konnte ich mir nur ein knappe Stunde Zeit nehmen, um das Museum zu erkunden. Mit einer Ausstellungsfläche von 22.000 Quadratmetern zeigt das Museum Relikte der Schlacht von Gettysburg und Persönlichkeiten, die im Bürgerkrieg gedient haben, interaktive Exponate und Multimedia-Präsentationen, die den gesamten Konflikt abdecken und die Schlacht und seine Folgen beschreiben. Das Museum verfügt über elf Galerien, die rund um die Worte der Gettysburg Address gestaltet sind. Eine Galerie heißt „Jetzt treffen wir uns auf einem großen Schlachtfeld dieses Krieges“. Es untersucht, was an jedem Tag der Schlacht von Gettysburg passiert ist. Hier werden auch die einzelnen Truppengattungen, ihre Uniformen, Ausrüstung und Taktik vorgestellt. Es geht um Themen wie Führung, Kommunikation, Lagerleben und natürlich auch die Waffen dieser Zeit und ihre Wirkung.

Eine andere Galerie, „The Brave Men Living and Dead“, präsentiert Informationen darüber, was nach dem Ende der Kämpfe geschah. Es erzählt auch von den Auswirkungen der Schlacht auf die Stadt Gettysburg. Das Museum verfügt auch über Computer, auf denen Besucher Informationen über die Schlacht recherchieren können.

Diorama

Die Geschichten von den Kämpfen am Culp’s Hill werden auch im Gettysburg National Military Park Museum & Visitor Center erzählt, wo ein Diorama, das die Verteidigung von Culp’s Hill am 2. Juli darstellt, vorübergehend in der Gruppenlobby ausgestellt ist.

Neben dem Diorama gibt es auch ein großes Gelände-Relief des Schlachtfeldes.

So geht es weiter…

Im nächsten Teil dieser Gettysburg-Tour-Serie geht es dann weiter mit dem eigentlichen Rundgang über das Schlachtfeld.