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Omaha Beach – Landungsboot-Modelle

In diesem Bericht geht es nun um die verfügbaren 1/72 Landungsboot-Modelle der Typen LCVP, LCA und LCM, deren Geschichte ich schon in diesem Artikel abgehandelt habe:

https://tabletopdeutschland.com/2021/07/26/omaha-beach-landungsboote-1/

LCVP

Glücklicherweise gibt es im Bereich Modellbau gleich eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Modelle des LCVP im Maßstab 1/72. Man sollte noch vorwegnehmen, dass es auch bei den Original-Booten einige Unterschiede in der Ausführung und Ausstattung gab und somit Unterschiede bei den Modellen zumindest teilweise gewollt sein könnten.

Die Modelle von links nach rechts: Airfix, Heller, Pegasus

Milicast

Zunächst sei kurz das 20mm bzw. 1/76 Resin-Modell des schottischen Herstellers Milicast erwähnt. Die Firma hat eine riesige Auswahl an extrem hochwertigen Resin-Modellen zum Thema WW2 in ihrem Programm. Das LVCP Modell (erhältlich als Vollrumpf-Version und als Wasserlinien-Modell) wird mit einer Anleitung, aber leider ohne Decals geliefert. Die Decals können zwar separat gekauft werden, aber rund 10 Euro für ein Blatt mit unterschiedlichen Nummern und Zahlen ist schon etwas happig. Nachteil des Modells ist zum einen der Maßstab von 1/76, also kleiner als 1/72, was gerade bei Fahrzeugen deutlich ins Auge fällt und zum anderen der Preis von rund 30 Euro (+ plus 10 Euro für die Decals). Da es gute Alternativen in 1/72 gibt, habe ich deshalb auf den Kauf dieses Modells verzichtet.

Link zum Hersteller: http://www.milicast.com/

Mach-2 / Armageddon

Der französische Hersteller Mach-2 und seine Armageddon-Serie haben einen äußerst schlechten Ruf. Der Hersteller verwendet Kunststoff mit unterschiedlichen und minderwertigen Qualitäten. Die Abgüsse sind sehr dick und schlecht gegossen. Die Teile haben viele Grate und sind manchmal verzogen, wodurch die Passgenauigkeit meistens sehr schlecht ist. Aus diesen Gründen müssen die Teile mit viel Aufwand gereinigt und nachgearbeitet werden. Hinzu kommt, dass der Preis relativ hoch ist und die Bausätze kaum erhältlich sind. So kostet das LCVP Modell dieses Herstellers rund 20 Euro. Allerdings hat Mach-2  Bausätze im Programm, welche für Modellbauer sehr interessant sind. Doch dazu später mehr. Ich habe aufgrund der Verfügbarkeit besserer Modelle auf den Kauf des Mach-2 LCVP-Modells verzichtet.

Heller

Ich hatte tatsächlich noch einen alten Modelbausatz eines LVCP des französischen Herstellers Heller im Kellerregal liegen. Der Bausatz enthält neben dem eigentlichen Landungsboot auch noch einige Strandhindernisse, 3 Figuren und auch einen Satz Decals. Mit den Decals lassen sich die beiden Boote PA26-19 von der USS Samuel Chase und PA33-4 von der USS Bayfield darstellen. Die Schriftart scheint mir aber nicht die zu sein, die am D-Day verwendet wurde (durch Bilder im Internet habe ich gesehen, dass die Decals mittlerweile durch korrekte ersetzt wurden). Die Teile des Bausatzes weisen viele Gussgrate auf und sind insgesamt sehr schwammig im Detailgrad. Vor allem die 3 Besatzungsfiguren sind von sehr schlechter Qualität. Die Figuren und die Strandhindernisse sind außerdem eher im Maßstab 1/76 anzusiedeln (was bei älteren Modellen der Firmen Heller und Airfix relativ häufig der Fall ist). Ein Pluspunkt ist aber auf jeden Fall der Preis des Modellbaus-Sets, der so bei 10 Euro liegt.

Das neue Set mit den neuen Decals

Pegasus Hobbies

Ein LCVP hatte ich schon vor ein paar Jahre bemalt. Es ist das Modell des amerikanischen Herstellers Pegasus Hobbies. Ungewöhnlich bei diesem Bausatz sind neben den 3 Besatzungsmitgliedern, die weiteren 15 US-Infanteristen, die zwar recht gleichförmig und steif daherkommen, aber gerade als „beladene“ Boote beim Wargaming bestimmt sehr schick aussehen. Ein weiteres ungewöhnliches Teil ist ein Stück farbiges Wassermodul, in welches man das Vollrumpfboot stellen kann. Sicher auch eine Alternative für Wargamer (ich habe aber alle meine Boote mit dem Dremel in Wasserlinienmodelle verwandelt). Das Modell ist nun endlich auch mal im Maßstab 1/72 gehalten und auch der Guss weist eine gutstrukturierte Oberfläche auf. Es fehlen aber leider jede Menge Details und auch Decals sind nicht dabei. Zudem ist der Bausatz derzeit auch kaum noch erhältlich (ich habe aber gerade noch einen zweiten Bausatz für rund 17 Euro bekommen).

Airfix

Kommen wir zu guter Letzt zum Klassenbesten der LCVP-Modelle. Passend zu 70 Jahre D-Day hatte Airfix ein LCVP im Maßstab 1/72 herausgebracht (es gab vorher ein 1/76 Modell, dass mit dem von Heller identisch gewesen sein soll). Seltsam ist aber, dass das auch das neue Modell kleiner als das von Pegasus und Heller ist. Modern ist neben der Aufmachung auch die Anleitung des Sets, welche farbig gehalten und sehr anschaulich geschrieben ist. Mit den enthaltenen Decals lassen sich ein LCVP der Royal Navy und der US Navy am D-Day darstellen. Toll sind die vielen Details des Modells, wie die Hand-Bilgepumpe, der Gashebel, Rettungsringe (etwas klein geraten) und Panzerschild. Und auch die Schärfe der Details, wie bei den Browning MG‘s und die der Oberfläche muss man lobend erwähnen. Einziger Wermutstropfen sind die Festmacherpoller des Modells, die leider nicht separat angeklebt werden können und somit nicht ausgeformt sind. OK, ein weiterer Minuspunkt ist, dass keine Figuren enthalten sind. Hier könnte man zur Not auf die drei schönen Zinnfiguren von Hecker & Goros zurückgreifen (habe ich auch so gemacht). Das Figuren-Set mit dem Namen KSHG 204 Normandie 6. Juni 1944 Omaha Beach- U.S.Navy Personal kostet 8,50 Euro. Das Modell von Airfix ist übrigens schon für rund 12 Euro zu haben und meine persönliche Empfehlung, wenn es um diesen Landungsboot-Typ im Maßstab 1/72 geht.

Die Figuren von Hecker & Goros
Das alte Set von Airfix

LCA

Deutlich düsterer sieht es bei der britischen Landungsboot-Variante, dem LCA aus. Leider gibt es kaum Anbieter eines Bausatzes in 1/72.

Milicast

Zunächst sei wieder auf den Hersteller Milicast verwiesen. Das Wasserlinien-Modell dieses Herstellers ist erstklassig, enthält viele Details und ist hervorragend gearbeitet. Das Resin-Modell des LCA ist allerdings wieder im Maßstab 1/76 und wird ohne Decals und ohne Figuren geliefert. Auch der Preis von 37 Euro (ohne Decals) ist nicht gerade ein Kauf-Argument.

Mach-2 / Armageddon

Wie bereits bei den LCVP‘s angedroht, kommen wir nun zu einem Bausatz des Herstellers Mach-2 / Armageddon. Alle erwähnten Nachteile treffen auch auf diesen Bausatz zu. Ich habe mich mangels Alternativen dennoch zum Kauf eines LCA’s dieser Firma durchgerungen, vor allem, weil ich die Box für einen relativ günstigen Preis von 17 Euro erstehen konnte. Noch bin ich in der Bauphase und kann deshalb kein abschließendes Urteil bilden, aber der Bausatz ist wirklich kein großer Spaß. Ich werde außerdem einige Details, wie das LMG weglassen (oder durch eine Alternative ersetzen), da gerade die Kleinteile völlig verzogen oder brüchig sind.

Es wäre schön, wenn sich in Zukunft ein renommierter Hersteller an die Erstellung eines vernünftigen Bausatzes eines LCA‘s machen würde.

LCM

Bei den LCM – Bausätzen im Maßstab 1/72 bewegen wir uns wieder in besten „Gefilden“. Es gibt insgesamt 4 Anbieter, wobei 2 sehr empfehlenswert sind.

Milicast

Den Anfang macht wie gewohnt das 1/76 Resin-Modell von Milicast. Das Modell gibt es sowohl als Vollrumpf- als auch Wasserlinien-Version. Auch dieses Set wird ohne Decals und Figuren geliefert und kostet rund 40 Euro.

Airfix

Ich meine mich zu erinnern, dass ich in meiner frühen Jugend ein LCM + Sherman von Airfix besessen habe. Bei dem LCM handelt es sich um die britische Variante der Royal Navy, aber leider alles im Maßstab 1/76 und somit deutlich kleiner als 1/72. Der Bausatz enthält drei sehr nette Figuren einer britischen Landungsboot-Besatzung, die man auch für die LCA’s eingesetzten könnten. Decals gibt es auch, aber für eine US-Version fehlen die .50cal MG’s. Ich überlege, ob ich die Figuren für mein LCA nutze und das Modell als halbversunkenes LCM umarbeite sowie den Sherman als „Verlust“-Marker einsetze. Den Bausatz bekommt man ab ca. 15 Euro.

Trumpeter

Ich besitze zwar kein 1/72 LCM des Herstellers Trumpeter, aber wenn man den Berichten im Internet glauben darf, dann handelt es sich um einen sehr guten Bausatz. Das Modell ist als Vollrumpf-Landungsboot gestaltet und enthält Decals für eine britische oder US-Variante. Neben den Hartplastik-Gussrahmen sind auch Ätzteile und Faden für die Darstellung des Stahlkabels der Laderampe enthalten. Nur sind leider Figuren, also Besatzungsmitglieder, kein Bestandteil des Bausatzes. Das Modell ist für 15 bis 20 Euro erhältlich.

Dragon

Zum Abschluss kommen wir nun endlich zu der Firma Dragon und dem Set, dass wirklich Spaß macht. Den 1/72 LCM Bausatz von Dragon kann bzw. konnte man in unterschiedlichen Varianten erwerben. Im Jahr 2004 gab es zunächst das LCM(3) Landing Craft als Bausatz mit zusätzlichen Ätzteilen, Decals, 3 Figuren / Besatzungsmitglieder, 12 Figuren / Infanteristen, Strandhindernissen und einer Wasserdioramen-Platte. Das Modell war außerdem als Wasserlinienmodell gearbeitet und bot sich so, samt dem Zubehör, vor allem Wargamern zum Kauf an. Kurze Zeit später konnte man das Set sogar als bemaltes Diorama erwerben. Durch einen Zufall konnte ich vor einigen Jahren zwei dieser bemalten Dioramen-Sets zu einem Spottpreis (24,99 Euro pro Set) erwerben. Leider sind die beiden genannten Varianten nicht mehr regulär erhältlich. Noch im Handel ist aber die neue Bausatz-Variante, die zusätzlich noch eine Sherman mit Deep Wading Kit enthält. Dieses Set habe ich noch vor kurzem für nur 34 Euro bei einem Händler gesehen. Da aber der Sherman mit Deep Wading Kit bereits in meinem Regal steht und das LCM wie erwähnt bereits zweimal, habe ich (bisher) nicht zugeschlagen. Ich habe übrigens meine beiden vorbemalten LCM’s noch ein wenig mit „Blacklineing“ aufgewertet und die Bestzungen neu bemalt. Die ursprüngliche Bemalung hatte aber, wie eigentlich immer bei Dragon-Fertigmodellen, einen hohen Standard.

Wer weitere Tipps zu diesem Thema hat, bitte gern in den Kommentaren posten. Danke!