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Rochefort und der Feuergürtel

Nein, der Titel dieses Berichtes bezieht sich nicht auf einen neuen Harry-Potter-Roman, sondern auf eines meiner bevorzugten Urlaubsregionen in Frankreich, das Département Charente-Maritime. Es liegt an der Atlantikküste südlich der Bretagne und nördlich von Bordeaux. Die Pertius d’Antioche zwischen den beiden Inseln Île de Ré und Oléron, ist nicht nur eine sensationelle Urlaubsregion, sondern auch eine historisch ungemein interessante Meerenge. Im Norden der Region liegt die Hafenstadt La Rochelle und die Île de Ré mit ihren Befestigungen, im Süden die Stadt Rochfefort und die Île Oléron, Die südliche Region war einst auch als sogenannter Eisen- oder Feuergürtel bekannt.

Rochefort

Der Ort Rochefort, der in diesem Bericht im Mittelpunkt der Geschichte steht, liegt in einer Schleife am rechten Ufer des Flusses Charente, welcher in die Bucht von Pertius d’Antioche mündet. Im Jahr 1665 war Rochefort nur ein sehr kleines Dorf in den Sümpfen in der Nähe eines Waldes. Zu dieser Zeit war die Flotte Ludwigs XIV weit davon entfernt die Welt zur See zu beherrschen. Er brauchte einen Ort am Atlantik, an dem Kriegsschiffe gebaut und ausgerüstet werden konnten. So wurde die Schaffung eines neuen Arsenals von ihm beschlossen, wobei die Wahl des Standortes von seinem Minister Colbert empfohlen wurde. Rochefort wurde aufgrund seiner geografischen Vorteile ausgewählt. Zum einen war der Eingang zur Charente-Mündung von den Inseln Oléron, Aix und Madame geschützt, zum anderen konnten die Materialien und Rohstoffe für den Bau des Arsenals und den Bau der Schiffe sowie die für die Stadt notwendigen Lebensmittel aus dem Landesinneren auf dem Fluss transportiert werden. Der Bau des Arsenals, im Jahr 1666 begonnen, ging relativ schnell vonstatten, erforderte jedoch erhebliche personelle und technische Ressourcen. 1670 sollen bereits die ersten Schiffe in Rochefort gebaut worden sein.

Die von Colbert geschaffene neue Stadt Rochefort, der Hafen und das Arsenal waren einst wichtige Elemente der französischen Militärstrategie des 17. Jahrhunderts und wurden zum größten Marinestützpunkt des französischen Königreiches. Die Mündung der Charente musste also mit allen Mitteln gegen die Angriffe der englischen und holländischen Flotten verteidigt werden. Einige Festungen und Zitadellen beschützten bereits die Charente-Mündung, es war jedoch der berühmte Festungsbauer Vauban, der die bestehenden Befestigungsanlagen neugestaltete und vervollständigte und so eine perfekte Verteidigungsanlage, der Feuergürtel von Rochefort erschuf. Während der napoleonischen Kriege befestigten die Franzosen das Gebiet weiter, vor allem durch den Bau von Fort Boyard. Nach seiner Niederlage bei Waterloo versuchte Napoleon, von hier aus in die Vereinigten Staaten von Amerika zu fliehen, ergab sich aber schließlich der englischen Marine, die das Gebiet blockierte. Zum sogenannten Feuergürtel gehörten die Festungen Fort de la Rade, Fort Vauban, Fort Lupin, Fort de La Pointe, Fort de l’île Madame, Fort Louvois, Fort Boyard sowie die Festungsstädte Château d’Oléron und Brouage.

Arsenal

Das Arsenal von Rochefort war Militärstützpunkt und Werft zugleich. Zu den Anlagen gehörten Trockendocks und eine Seilerei, die Corderie Royale, das mit einer Länge von 374 Metern damals längste Gebäude Europas, um Tauwerke für die französische Kriegsschiffe herzustellen. Zwischen der Inbetriebnahme im Jahr 1666 und seiner Schließung 1927 wurden hier mehr als 500 Kriegsschiffe gebaut. Heute kann man sowohl die Corderie Royale, als auch die alten Trockendocks des Arsenals besichtigen.

Museum

Den Rundgang sollte man im Musee National de la Marine Rochefort beginnen, wo Hintergrundinformationen und jede Menge Schiffsmodelle auf den Besucher warten.

Gleich am Eingang steht die lebensgroße Nachbildung des berühmtesten Floßes der Geschichte. Es ist das Floß der Fregatte La Méduse, auf der sich im Jahr 1816 150 Schiffbrüchige befanden. Im Auftrag der französischen Regierung sollte die Méduse im Juni 1816 als Flaggschiff eines Schiffsverbands von Rochefort nach Saint-Louis im Senegal segeln. Aufgrund von Navigationsfehlern verlor sie den Kontakt zu den anderen Schiffen und erlitt auf der Arguin-Sandbank an der westafrikanischen Küste Schiffbruch. Da den 400 Passagieren und Besatzungsmitgliedern nur sechs Beiboote zur Verfügung standen, die nicht jeden aufnehmen konnten, blieben 17 Personen an Bord der gestrandeten Fregatte. Für 147 weitere wurde ein notdürftiges Floß konstruiert, das von vier der sechs Beiboote nach Saint-Louis gezogen werden sollte. Doch schon kurz nach der Evakuierung kappte ein Offizier das Verbindungsseil zum Floß, das daraufhin über 10 Tage steuerungsunfähig im offenen Meer trieb. Unzureichend mit Wasser und Lebensmitteln versehen, kam es unter den Menschen auf dem Floß zu Kannibalismus. Am Ende überlebten nur 15 von ihnen. Die übrigen Beiboote erreichten die westafrikanische Küste und ihre Passagiere gelangten zu Fuß nach Saint-Louis.

Fregatte Hermione

In einem der Docks lag bei meinem letzten Besuch ein Nachbau der Fregatte Hermione. Die Hermione war eine 32-Kanonen-Fregatte der Concorde-Klasse der französischen Marine. Sie war auf Geschwindigkeit ausgelegt und eines der ersten Schiffe der französischen Marine, das eine Kupferummantelung erhielt. Zu Beginn des englisch-französischen Krieges von 1778 patrouillierte sie im Golf von Biskaya, eskortierte Konvois und jagte Freibeuter. Sie wurde berühmt, als sie General La Fayette 1780 zur Unterstützung der Rebellen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg in die Vereinigten Staaten überführte. Sie spielte eine Nebenrolle in der Schlacht von Cape Henry am 16. März 1781 und eine wichtige Rolle im Gefecht vom 21. Juli 1781. Das Schiff wurde schließlich 1793 abgewrackt. 1997 begann die Konstruktion eines Nachbauschiffs in Rochefort. Da die ursprünglichen Baupläne aus Sicherheitsgründen verbrannt worden waren, mussten neue angefertigt werden. Als Vorlage dienten Pläne eines Schwesterschiffs aus dem britischen Marinemuseum. Nach ihrer Fertigstellung wurde die Hermione 2014 zu Wasser gelassen. Sie verließ Anfang September 2014 ihr Baudock für erste Seeerprobungen vor der französischen Atlantikküste und segelte 2015 nach Nordamerika, wo sie vier Monate blieb und dann zurücksegelte.

Festungen

Château d’Oléron

Fährt man über die Brücke auf die Insel d’Oléron und biegt gleich rechts ab, erreicht man eine kleine Siedlung mit bunten Fischerhütten und Restaurants, die unmittelbar vor einer großen Festungsanlage liegt. Bei der Festungsanlage handelt es sich um die Zitadelle des Ortes Le Château-d’Oléron. Schon die Engländer nutzen den Ort ab dem 12. Jahrhundert als Handelsplatz. Während der Hugenottenkriege war es einer der wichtigsten Rückzugorte den Protestanten. Im Jahr 1586 drangen protestantischen Truppen geführt von Agrippa d’Aubigné in die Burg ein und bemächtigten sich der Insel Oléron. Dieser Akt führte zu einer sofortigen Reaktion des Gouverneurs von Brouage, François d’Espinay de Saint-Luc, der ein Regiment (400 Arquebusiere, 200 Pikeniere und 50 Musketiere), die militärischen Garnisonen von Brouage und Saintes sowie mehrere Kompanien von Waffenmänner, insgesamt mehrere tausend Mann gegen die Festung führte. Die Burg wurde im Handumdrehen von den katholischen Truppen zurückerobert und Agrippa d’Aubigné gefangen genommen.

Der eigentliche Bau der Zitadelle begann auf Befehl von Kardinal Richelieu im Jahr 1630 und wurde erst 1704 abgeschlossen. Zunächst erfolgte die Einfriedung auf der Meerseite, während die Arbeiten an den Befestigungen auf der Landseite erst ab 1673 vom Chevalier de Clairville nach Plänen von Vauban begonnen wurden. Im Jahr 1685 untersuchte Vauban die Befestigungen höchst persönlich und stellte fest, dass die bisherigen Anlagen unzureichend waren. Am Ende seines Aufenthaltes plante er den Bau von zwei Hornstrukturen, von denen eine zur Stadt und die andere in Richtung der Sümpfe zeigen sollte. Die Arbeiten begannen im Jahr 1688, bei denen fast 7.000 Menschen beschäftigt wurden. Ein großer Teil der mittelalterlichen Stadt wurde dabei abgerissen, darunter auch die beiden Kirchen.

Die Festung blieb zudem lange Zeit einer der Ausbildungs- und Einschiffungsorte für Soldaten, die nach Neu-Frankreich abreisten. Die Zitadelle wurde während der Revolutionszeit und dann wieder im Jahr 1870, in ein Gefängnis umgewandelt. Es folgte nach einmal eine militärische Nutzung bis zum Jahr 1911 und durch die deutsche Wehrmacht im Jahr 1940. Heute kann die Anlage besichtigt werden, beherbergt aber kein Museum oder andere touristische Einrichtungen.

Brouage

Die ehemalige Hafenstadt Brouage wurde Mitte des 16. Jahrhunderts gegründet. Das Städtchen wurde allerdings erst seit 1626 offiziell Brouage genannt. Einst an einem Fluss gelegen, hatte es einen günstigen Zugang zum Meer, der aber im Laufe der Jahre mehr und mehr versandete und das heutige Sumpfland, den Marais de Brouage bildete. Während der Religionskriege, wurde Brouage abwechselnd von den Katholiken und den Hugenotten eingenommen. 1626 integrierte Ludwig XIII. die Stadt in das Königreich Frankreich. Der Gouverneur für die Stadt wurde Armand Jean du Plessis, bekannter unter dem Namen „Kardinal Richelieu“. Zu dieser Zeit zählte die Stadt rund 4.000 Einwohner und war ein beliebter Handelsplatz. In Vorbereitung auf die Eroberung von La Rochelle wurde hier aus strategischen Gründen ein Zentrum der königlichen Kriegsmaschinerie eingerichtet. Zwischen 1630 und 1640 veranlasste man, den von Richelieu befohlenen Um- und Ausbau der Stadt zur Zitadelle. Sie wurde dadurch zur stärksten Festung an der Atlantikküste. Im Jahr 1685 unterzog Vauban die Bastionen und die sie umgebenden Wege einer Teilerneuerung und Modernisierung. Auf allen vorspringenden Winkeln der Bastionen wurden Scharwachtürmchen zum Schutz des Wachpersonals errichtet. Sie prägen heute noch die Silhouette der Befestigungsanlagen der Zitadelle. Doch die Gründung und der Aufstieg des benachbarten Rochefort, von Vauban als Nachfolgefestung ausgewählt, ließ Brouage im 18. Jahrhundert in Vergessenheit geraten.

Die Stadt wird umschlossen von einem fast quadratisch Verteidigungswall mit insgesamt 400 × 400 m Ausdehnung, bestehend aus einer äußeren 13 m hohen Wehrmauer, die innen von einer Erdaufschüttung verstärkt wird. Sie besteht aus einer gemauerten Außenhaut, die eine innere Schüttung aus Bruchsteinen verdeckt. Auf ihrer Oberseite befinden sich Wege und Stellflächen zum Manövrieren und Ausrichten von Geschützen im Verteidigungsfall. Die Befestigungsanlage bestand aus sieben Bastionen mit im Grundriss angespitzten Befestigungsbauwerken an den Ecken der Umfassung und teilweise auf halber Seitenlänge, 19 Aufwärmräumen, zwei „unterirdischen“ Häfen, zwei Lagerhäusern für Schießpulver, vier öffentlichen Latrinen, einem Eiskeller und vielen weiteren Einrichtungen. Den Bastionen vorgelagert waren noch mehrere Außenwerke oder Ravelins. Die Zugänge zur Zitadelle waren die heute noch genutzten seitlichen Durchlässe in der nördlichen Bastion Royal und in der südlichen Bastion d’Hiers. Beide konnten ursprünglich mit massiven Toren verschlossen werden. In ihrer Blütezeit im 17. Jahrhundert beherbergte die Garnison von Brouage in Friedenszeiten etwa 600 Menschen, und bis zu 5.000 in Kriegszeiten.

Heute liegt Brouage etwas abseits der großen Touristenströme, ein Besuch lohnt sich aber, da die Festungsanlage und viele historische Gebäude gut erhalten sind. Eine Ausstellung erläutert die Geschichte der Festungsstadt und auf Wanderwegen kann man zudem das sumpfige Umland und die Salzwiesen erkunden.

Forts der Insel Aix

Auf der Ile d’Aix wurden im Laufe der Zeit zwei Festungen gebaut. Das Forts de la Sommité, dessen Bau auf Grundlage von Plänen Vaubans im Jahr 1699 begonnen und 1703 fertiggestellt wurde, findet man an der Südspitze der Insel. Diese Festung kontrollierte den Zugang zum Hafen von Aix. Die durch eine Zugbrücke zugängliche und von Wassergräben umgebene Festung wurde später von fünf Bastionen flankiert, deren Reste heute noch bei Ebbe zu erkennen sind. Während des Siebenjährigen Krieges, im September 1757, drang die englische Flotte unter Admiral Hawke in die Reede der Ile d’Aix ein und zerstörte dieses erste Fort vollständig. Angesichts einer neuen Bedrohung durch die Royal Navy baute der Marquis de Montalembert 1778 eine neue Festung aus Holz. Dies war ein kurzlebiges Fort, denn es wurde 1783 zerstört, ohne jemals an Kämpfen beteiligt gewesen zu sein.

Im Jahr 1801 ordnet Napoléon I. den Bau einer zweiten Linie von Befestigungsanlagen an, welche den Feuergürtel von Rochefort verstärken sollten. Die Insel Aix mit ihren Küstenbatterien, dem Fort de la Rade und dem Fort Liédot wurde zum Schlüsselelement für den Schutz des Arsenals von Rochefort. Das Fort de la Rade bestand aus einem imposanten zentralen Bau, der für die Geschütze der Artillerie gedacht war und verfügte über lange Befestigungswälle, auf denen man um die Festung umrunden konnte. Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden verschiedenen Umbaumaßnahmen durchgeführt. Seit dem Jahr 1986 ist das Fort für Besucher freigegeben und kann das ganze Jahr über besichtiget werden.

Napoleon beschloss 1808 anlässlich einer Inspektion der Baustelle des Forts Boyard, die Anlagen zum Schutz der Reede von Rochefort dadurch zu vervollständigen, dass ein Fort auf dem höchsten Punkt von Aix, am östlichen Ende der Insel, gebaut werden sollte. Es trug den Namen Fort Liédot.  Diese quadratische, von Bastionen umgebene Festung von über 90 Metern Länge war vollständig mit Kasematten versehen. Vier Galerien stellten von den Ecken des Innenhofs ausgehend die Verbindung zu den Kasematten her, die unter den Bastionen lagen. Jede Kurtine beherbergte vier Kasematten, in denen sich die Unterkünfte der Truppe befanden. Das Bauwerk konnte eine starke Garnison von 600 Mann beherbergen. Die von einem dichten Erdwall geschützte und von einem mit Gras bewachsenen Glacis bedeckte Festung wurde von einem Wehrgang überragt.

Vom 12. bis zum 15. Juli 1815 verbrachte Napoleon im Fort Liédot seine letzten Tage auf französischem Territorium, bevor er sich den Briten ergab und nach Sankt – Helena eingeschifft wurde. Das Fort wurde schließlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgegeben, da nach der Einführung der gezogenen Geschütze die Widerstandsfähigkeit der gemauerten Festungen stark reduziert wurde. Aus diesem Grund wurde das Fort Liédot seit 1863 als Ziel für Schießübungen verwendet. Während die Kasematten recht gut standhielten, wurden alle Mauern, die den Salven der Artillerie ausgesetzt waren, zerstört. Trotz dieser teilweisen Zerstörung benutzte man die Festung weiter als Gefängnis. Im Jahr 1989 überlies das Verteidigungsministerium das Fort Liédot der Gemeinde der Insel Aix. Im Sommer werden nun täglich Führungen für interessierte Besucher durchgeführt.

Fort Enet

Das kleine Fort Enet liegt zwischen Fouras-les-Bains, Pointe de la Fumée und der Insel Aix und ist bei Flut von Hochwasser umgeben. Das Anlage wurde im Jahr 1810 während der Herrschaft Napoleons erbaut, um die Kommunikation mit der Insel Aix zu schützen. Die Festung besteht aus einem halbkreisförmigen Hof, der von einer Mauer umgeben ist und auf seiner flachen Seite eine Schanze in Form eines dreieckigen Vorsprungs besitzt. Das Fort kann man als Besucher bei Ebbe von der Pointe de la Fumée aus erreichen.

Fort Vauban de Fouras

Das Fort de Fouras ist die mittelalterliche Burg der gleichnamigen kleinen französischen Stadt nördlich der Charente-Flussmündung. Es wird fälschlicherweise oft Fort Vauban genannt, obwohl es größtenteils lange vor Vaubans Einflussnahme gebaut wurde. Der Wohnturm stammt schon aus dem 15. Jahrhundert und wurde in den Jahren 1480 bis 1490 errichtet. Nach der Belagerung von La Rochelle (1628) hatte die französische Krone zwar viele Festungen der Hugenotten geschleift, jedoch entging Fouras der Zerstörung, da es durch seine strategisch günstige Position wertvoll für den französischen König war. Er machte daraus deshalb eine königliche Festung. Ab 1672 begann unter der Aufsicht und den Plänen von Vauban der Umbau des rechteckigen Bergfriedes, indem die Burg mit mächtigen Mauern umgeben wurde, die durch einen tiefen Graben von ihr getrennt waren. Im Jahr 1683 war die Erweiterung schließlich abgeschlossen. Der Turm der Festung diente zur Beobachtung von Schiffsbewegungen und zur Versendung von Nachrichten zum Signalturm, der im 18. Jahrhundert unweit des Wohnsitzes des Chef d’escadre in Rochefort erbaut worden war. Die Festung und die Zitadelle wurden am 13. März 1987 als historisches Denkmal klassifiziert. Das Fort, direkt neben dem schönen Badestrand von Fouras gelegen, kann täglich besichtigt werden.

Fort l’Ile Madame

Natürlich bot sich der Bau eines Forts auch auf der an der südlichen Mündung liegenden Insel Madame an. Eine Insel, die ideal positioniert ist, um das Arsenal von Rochefort zu verteidigen. Aus diesem Grund begann 1685 die Befestigung von l’Ile Madame mit dem Bau von zwei mit Kanonen ausgestatteten Batterien. Einige Jahre später kamen das Fort de l’île Madame und die Kasematten hinzu, die den Schutz des Hafens der Insel Aix und des maritimen Arsenals gewährleisten, die zunehmend von der Royal Navy bedroht wurden. Wie Fort Boyard wurde Fort de l’île Madame während der revolutionären Periode „La Commune de Paris“, als sich die arbeitende Bevölkerung von Paris gegen die dortige Regierung auflehnte, zu einem Gefängnis. In 11 Monaten, von 1871 bis 1872, beherbergte es fast 1.250 Gefangene.

Fort Lupine

Das Fort Lupin am Südufer der Charente zwischen Soubise und Saint-Nazaire-sur-Charente, vier Kilometer von der Mündung des Flusses entfernt, bildete die letzte Sicherung vor dem Zugang zum Arsenal von Rochefort. Das Fort wurde von Vauban in den Jahren 1683 bis 1687 gebaut und bestand aus einer halbkreisförmigen Batterie mit zweiundzwanzig Schießscharten, die ebenso viele Kanonen aufnehmen können. So war es möglich, ein uneingeschränktes Feuern auf feindliche Schiffe zu richten, die den Fluss Charente befuhren. In der Mitte der Anlage überwacht ein befestigter Turm das Ganze, der ebenfalls mit Kanonen bestückt war. Dieser Turm verfügte auch über Unterkünfte und Lagerräume. Zwei Kasernen, die jeweils Platz für 24 Soldaten boten, vervollständigten die Festungsanlage. Auf der Uferseite wurde Fort Lupin durch breite Wassergräben geschützt und war nur über eine sehr schmale Zugbrücke zugänglich.

Fort Boyard

Das Fort Boyard ist die letzte fertiggestellte Festung des Feuergürtels von Rochefort. Sie liegt im offenen Meer auf der Longe de Boyard (Sandbank) zwischen der Insel Aix und der Insel Oléron.

Da die auf den beiden benachbarten Inseln Aix und d’Oléron stationierten Batterien mit ihrer beschränkten Reichweite die Durchfahrt zwischen den Eilanden nicht schützen konnten, sollte dieseLücke durch ein Fort im Meer geschlossen werden. Die Techniken des 17. Jahrhunderts waren jedoch nicht ausreichend, um ein solches Fort zu errichten. Daher wurde erst 1801 mit dem Bau dieser strategischen Festung begonnen. Die Sandbank war jedoch nicht stabil genug, um die riesigen Steine zu tragen, die für ihren Bau benötigt wurden, zudem konnten Arbeiten nur bei Ebbe und gutem Wetter durchgeführt werden. Im Jahr 1809 wurde das Projekt angesichts der vielen technischen und finanziellen Schwierigkeiten aufgegeben. Erst 1837, unter der Herrschaft von Louis-Philippe, wurde das Projekt wieder aufgenommen, wobei gegossene Kalksenkkästen anstelle von Steinen verwendet wurden, um die Basis der Festung zu bilden. Diese Technik ermöglichte schließlich die Fertigstellung des Sockels im Jahr 1848. Es dauerte aber fast weitere 10 Jahre, bis Fort Boyard nach zwanzigjähriger Anstrengung fertiggestellt worden war. Das Fort ist ein massiver, länglicher Bau von 61 x 31 m, 20 m hoch, in dem bis zu 250 Männer Platz fanden. Das Festungsgebäude hatte vier Ebenen und einen Aussichtsturm. Doch kaum war die Anlage fertiggestellt, war die Festung durch große Fortschritte in der Artillerie-Technik schon bald militärisch ohne großen Nutzen. Das Fort wurde schließlich aufgegeben und erst seit 1989 ist es Eigentum des Départements Charente-Maritime. Heute ist Fort Boyard ein sehr beliebtes Ausflugsziel, das von vielen Häfen aus mit Ausflugsschiffe angesteuert wird.

Fort Louvois

Eines der ersten Forts, welche ich im Rahmen einer Frankreichreise im Jahr 2016 besucht hatte, ist das ungewöhnliche Fort Louvois. Der Weg zum Fort führt auf eine Halbinsel, welche sich südlich der schönen Insel Île d’Oléron befindet. An der Spitze dieser Halbinsel liegt das kleine Fischerörtchen Port Ostréicole de Bourcefranc-le-Chapus, in welchem nicht nur alle Arten von Meerestieren angelandet, sondern auch ganz hervorragend in kleinen Bars zum Essen angeboten werden. Nördlich der Hafenanlagen sieht man bei Ebbe neben den hier so typischen Austernbänken, auch einen steinernen Dammweg, der zu einer kleinen Inselfestung führt. Es ist das schon erwähnte Fort Louvois. Bei meinem Besuch hatte ich damals nicht auf Ebbe und Flut geachtet und musste bei meiner Rückkehr aus dem Museum feststellen, dass der Dammweg komplett verschwunden war. Zum Glück fahren hier ständig die flachen Austernfischerboote hin und her, so dass ich mir eine Rückfahrt heranwinken konnte.

Der Marquis de Louvois, Kriegsminister Ludwigs des XIV, befahl 1690 dem Schlossverwalter Bégon den Bau einer Festung auf der Anhöhe des Felsvorsprungs „Le Chapus“. Die Festungsanlage sollte sich in einer Entfernung von 3,5 Kilometer gegenüber der Zitadelle von Chateau d’Oléron befinden und so ermöglichten, die Fahrrinne von beiden Seiten unter Beschuss zu nehmen und gleichzeitig den Zugang zum Hafen von Rochfort sowie die nahgelegene Waffenfabrik (Grand Arsenal du Ponant) auf dem Festland vor feindlichen Angriffen zu schützen. Mit der Umsetzung der Pläne betraute man zunächst Francois Ferry. Der Ingenieur entwarf eine Festung in ovaler Form, die zwei Stockwerke für die Kanonen aufwies und durch einem 400 m langen Dammweg, der beim Wechsel der Gezeiten überflutet wird, mit dem Festland verbunden war. Als Louvois 1691 starb, wurde dieses ambitionierte Projekt in Frage gestellt. Der Generalkommissar aller französischen Festungen, Vauban, fühlte sich übergangen, weil man ihn in dieses Projekt nicht mit einbezogen hatte. Infolgedessen schränkte er die Pläne ein. Es soll nur noch die Hälfte des Ovals gebaut werden, was zu einer Hufeisenform der Anlage führte, in deren Untergeschoss die Geschütze positioniert werden konnten. Außerdem befand sich in der Mitte ein 24 m hoher Bergfried, der von einem Wassergraben umgeben war. Der eigentliche Bau begann 1691 und wurde 1694 abgeschlossen. Das Fort Louvois ist die letzte militärische Wehranlage, die Ludwig XIV in Auftrag gegeben hatte.

Bis zum ersten Weltkrieg wurde das Fort vom Staat unterhalten, verwahrloste jedoch später. Am 14. Juni 1929 stellte man es unter Denkmalschutz. Am 10. September 1944, als die Stadt Marennes bereits befreit worden war, wurde das Fort von deutschen Soldaten beschossen, die sich immer noch auf der Insel Oléron aufhielten. Die schwer beschädigte Festungsanlage wurde 1960 vom Staat an die Gemeinde Bourcefranc verkauft und später restauriert. 1972 öffnete sie ihre Pforten für die Besucher. Heute sind die Kaserne, der Bergfried und das Pulverlager Museumsräume.