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Kalkriese – Varusschlacht

Da das Varusschlacht-Museum bei Kalkriese für mich auf halben Weg ins Rheinland liegt und auch nicht weit von der Autobahnausfahrt entfernt ist, habe ich das Museum und Schlachtfeld schon mehrfach aufgesucht. Zuletzt baute ich einen Besuch in eine meiner Fahrradtouren ein, nicht zuletzt, um ein Gefühl für die Landschaft und ihre Eigenheiten zu bekommen. Bei 30 Grad im Schatten schwitzte ich Blut und Wasser, als ich über den Kalkrieser Berg zum Museum fuhr. Kein Wunder, dass dieser Hügel für die Römer ein schwieriges Hindernis war, als sie versuchten, aus der Falle zu entkommen, die Arminius hier für sie gestellt hatte.

Eins noch vorweg. Mir ist natürlich bekannt, dass es noch immer einen heftigen Streit um den Ort der Varusschlacht gibt. Man kann und wird wohl nie mit Sicherheit sagen können, wo genau diese bedeutende Schlacht stattgefunden hat und wie genau der Ablauf gewesen ist. Die Fundlage in Kalkreise belegt allerdings , dass hier eine Schlacht zwischen Römer und Germanen in dieser Zeit stattgefunden hat. Welche das auch immer gewesen sein mag. Der nachfolgende Bericht soll also „nur“ kurz das Museum und seine Außenanlage vorstellen und keine Analyse der Schlacht darstellen.

Die Geschichte des Museums beginnt im Herbst 1987, als der britische Soldat und Amateurarchäologe Major Tony Clunn bei einer Geländeerkundung römische Münzen entdeckt. Er setzt sich mit den zuständigen Behörden vor Ort in Verbindung und bei weiteren Grabungen stößt Prof. Dr. Wolfgang Schlüter auf weitere römische Silbermünzen und Schleuderbleie, die eine militärische Auseinandersetzung vermuten lassen. Dies ist der Startschuss für die bis heute andauernde Forschung am Kalkrieser Berg. Die spannende Entdeckungsgeschichte hat Tony Clunn in seinem großartigen Buch „Auf der Suche nach den verlorenen Legionen“ veröffentlicht. Wer sich mit der Varusschlacht beschäftigen möchte, dem sei dieses Buch als Ausgangspunkt ans Herz gelegt.

Museum

Das neue Museum eröffnete im Jahr 2002 und wurde zum 2000ten Jahrestag der Schlacht, also im Jahr 2009, neu gestaltet. Der neue Museumsbau, ein Kubus mit großem Turm, ist mit verrosteten Stahlplatten verkleidet, was eine Referenz an die archäologischen Funde sein soll.

In diesem Gebäude beginnt auch der Rundgang durch die Anlage. Nach einem kurzen Einführungsfilm geht es durch einen „optischen“ Wald, in dem immer wieder versteckte Germanen auftauchen (ganz nett gemacht).

Römer und Germanen

Schlachtverlauf und Schlachtfeldfunde

Die Ausstellung selbst ist sehr schlicht und sparsam gestaltet. Wenige ausgewählte Fundstücke zeugen von den Kämpfen vor 2000 Jahren. Prunkstück ist natürlich die eiserne Helmmaske, die auch zum Wahrzeichen des Museums wurde.

Ein Diorama mit 15mm Zinnfiguren verdeutlicht, wie der römische Heerwurm von 3 Legionen und Tross damals ausgesehen haben könnte.

Funde von Waffen und Rüstungen kann der Besucher durch dahinterliegende Abbildungen den einzelnen Ausrüstungsteilen der Legionäre zuordnen.

Dass die legendäre Varusschlacht Deutschland schon seit Jahrzehnten beschäftigt, zeigt eine Ausstellung im Turm des Museums. Hier geht es auch um Legenden und Mythen zu diesem Thema.

Vom Turm hat man auch einen sensationellen Blick über das Schlachtfeld.

Außengelände

An dieser Stelle muss ich mal ein wenig Kritik vom Stapel lassen. Bei meinem letzten Besuch musste ich leider feststellen, dass das relativ junge Museum bereits in einem sehr schlechten Zustand ist. Viele Teile der Außenanlage verrotten langsam oder werden von der Vegetation überwuchert. Meiner Meinung nach wird es Zeit, das Museum und Außengelände restauriert und neu gestaltet werden. Sicher ist die Ausstellung innovativ und künstlerisch wertvoll, aber für viele Besucher wenig spannend und interessant. Vor allen mit den seltsamen Pavillons des Sehens, Hörens und Fragens, weiß kaum einer etwas anzufangen.

Kalktiese 02

Kalktiese 05

Großartig finde ich jedoch den sogenannten Weg der Römer. Dieser Pfad folgt der vermutlichen Route der Römer von Osten kommend entlang des Kalkrieser Berges. Er besteht aus großen rostigen Stahlplatten, auf denen immer wieder Zitate antiker Quellen auftauchen. Die Stahlplatten liegen zunächst dicht beieinander, wie einst die kompakte römische Formation. Am Ende tauchen sie nur noch verstreut auf und stellen so das sich auflösende Heer am Ende der Schlacht dar.

Kalktiese 09

Durch den Wald und durch das Moor führen die Knüppelwege der Germanen.

Kalktiese 07

Mitten auf dem Schlachtfeld ist einer der wichtigsten Funde rekonstruiert. Es handelt sich um einen Wall, den die Germanen vermutlich am Fuß des Kalkrieser Berges angelegt hatten. Viele Hinweise sprechen dafür, dass die Germanen ihn nicht lange vor dem Eintreffen der römischen Soldaten aus Gras-Soden errichteten. Im Wall fand man Spuren von Holzpfosten. Sie stützten wohl eine Brustwehr aus Weidegeflecht. Hinter diesem Wall warteten die germanischen Krieger auf die römische Marschkolonne, die diesen Engpass zwischen Moor und dem Kalkrieser Berg passieren musste. Es gibt allerdings auch Vermutungen, die den Wall als Teil eines römischen Marschlagers sehen.

Neben der Ausstellung zur Varusschlacht, gibt es natürlich auch regelmäßig eine Sonderausstellung. Bei meinem Besuch ging es um die Seefahrt der Antike.