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Omaha Beach – WN 60

Bei meinen letzten Besuchen hatte ich es nie geschafft, das etwas abseits liegende WN 60 am östlichen Ende der Plage d’Or Bucht, besser als Omaha Beach bekannt, zu besuchen. In diesem Jahr konnte ich den Ort mit dem Fahrrad und zu Fuß erkunden. Mittlerweile wird das zuvor stark durch Vegetation überwachsene Areal regelmäßig gemäht und das Buschwerk zurückgeschnitten, wodurch die immer noch sichtbaren Grabenverläufe und Bunkeranlage sichtbar werden. Bei meinem Besuch war aber nur das Areal direkt auf dem Plateau zugänglich, der Rest war komplett zugewachsen.

Blick auf den Strand, die Klippen sind verdeckt…
…und nur von unten sichtbar.

Das Widerstandnest 60 gehörte zu den drei Stellungen, die den Einschnitt und Zugang bei Colleville-sur-Mer schützen sollten. Die Anlage lag auf 2 Ebenen, zum einen direkt auf dem 61 Meter hohem Plateau über den Klippen und zum anderen auf einer Stufe, die 10 Meter unter dem Plateau lag. Beide Bereiche waren durch Holzleitern miteinander verbunden.

Man findet in der Fachliteratur unterschiedliche Karten zu WN 60. Ich habe mich an den Plan und die Beschreibung aus dem Buch „Atlantikwall Omaha Beach“ erschienen bei Editions Histoire & Fortifications gehalten. Der Plan im Buch „Omaha Beach“ von Georges Bernage scheint mir teilweise falsch zu sein. Dies trifft vor allem auf die südlichen Mörser-Position und den Panzerturm zu, die wohl mit den MG-Ringstellen verwechselt wurden.

Vom WN 60 aus konnte der gesamte Strand überblickt werden. Eine Ausnahme bildete allerdings der steile Klippenabbruch untermittelbar vor dem Widerstandnest, was zu einem toten Winkel im Abwehrbereich der deutschen Truppen führte. Am Fuß dieser Klippen konnten am D-Day viele verwundete US-Soldaten Schutz suchen. Am D-Day befand sich das Widerstandsnest immer noch im Ausbau.

Blick vom WN 60 auf den Omaha Beach

Zwei Kompanien der 16. Regiments der 1. US-Division. die um 7 Uhr morgens im Schutz der senkrechten Klippen landeten, griffen WN 60 gegen 8 Uhr morgens an. Westlich der Anlage gab es einen Geländeeinschnitt der La Revolution genannt wurde. Die US-Truppen nutzten den Pfad im Tal von La Revolution und griffen die Stellung schließlich von hinten an. Der Kampf um WN 60 war kurz und blutig. Um 9 Uhr kapitulierte der letzten 31 deutschen Soldaten.

Blick vom WN 60 nach Osten

Besatzung

Die Besatzung bestand aus 40 Männern der 3. Kompanie des Grenadier-Regiment 726 sowie 4 Artilleristen der 3. Batterie des Artillerie-Regiments 352.

Bewaffnung

WN 60 hatte eine Bewaffnung von:

  • 2 x 7,5 cm F.K. 235 (b)
  • 2 x 5 cm Fest Gr.W. 210 (f) BF61a
  • 1 x 3,7 cm KWK 144 (f) / MG.311 (f) in Panzerkuppel eines R35
  • 1 x 20 mm Flak 38
  • 3 x Abwehrflammenwerfer
  • 6 x MG 34 in offenen Stellungen

Bunkeranlagen untere Ebene

Geschützstellungen

Die zwei 7,5 cm F.K. 235 (b) standen auf der unteren Ebene der Anlage in mit Wellblech gedeckten Stellungen. Eine Kanone war in Richtung Strand, die andere auf das Tal La Revolution ausgerichtet.

Interessant sind auf die aufgemalten Panzer-Silhouetten zur Feinderkennung.

Bei den Geschützen handelte es sich um die belgische 7,5-cm- Feldkanone 235, die bis 1915 produziert wurde. Sie war 1.190 kg schwer, die v0 betrug 540 m/Sek., die Reichweite 9.900 m.

Beide Geschütze sollten durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden werden, welcher aber bis zum D-Day noch nicht fertiggestellt worden war. Auf dem Weg von dieser Ebene zum Plateau lagen zwei kleine Munitionslager.

Unterstand / Wassertank

Östlich der 7,5 cm Geschütze gelangte man zu einem großen feldmäßigen Unterstand und einem Bunker für einen 1.700 Liter Wassertank.

Bunker für den Wassertank

Der Unterstand war vermutlich der Kommandostand für den unteren Bereich des Widerstandsnestes und per Kabel mit dem Plateau verbunden.

Risszeichnung des Unterstands für den Wassertank.

APX R Turm

Weit unterhalb der übrigen Anlagen lag eine Tobruk mit Panzerturm. Es handelte sich um die Kuppel eines französischen Renault 35 Panzers, die mit einer 3.7cm KwK 144(f) sowie einem MG.311(f) bestückt war.

Bunkeranlagen auf dem Plateau

Vf61a – Mörser Tobruk

An der westlichen Flanke des Widerstandnestes lagen zwei Baugleiche Mörser-Ringstände vom Typ Vf61a.

Dieser Ringstand war für einen 5cm Mörser, einen 5cm Festungsgranatwerfer 210(f) Mörser gebaut worden. Dieser Mörsertyp stammte aus französischen Armeebeständen, von denen es Tausende für den Einsatz in der Maginot-Linie gab. Dieser Werfer wurde von der deutschen Wehrmacht als Infanteriewaffe und auch, wie der Name sagt, als Festungswaffe übernommen. Hier im WN 60 waren sie in den zwei Vf61a Tobruk´s montiert und konnten Mörsergranaten rund um das Widerstandnest und vor allem auf Strand werfen.

Zwei Männer wurden zur Bedienung des Mörsers benötigt, einer brachte Granaten vom Magazin zur Werfer-Grube des Tobruk, der andere war des Geschützkommandant, der die Waffe dirigierte und abfeuerte.

Nische für Munition.

Am achteckigem Grubenring ist zu erkennen, dass es sich um eine Mörser-Stellung gehandelt hat. Am Ring waren die nummerierten Grundeinstellungen des Mörsers sowie die zu beschießenden Ziele aufgemalt.

Gräben

Alle Stellungen und Bunker waren durch Zick-Zack-Gräben miteinander verbunden, welche auch noch heute deutlich sichtbar sind.

An einigen Stellen zweigen Gräben ab, die zu offenen MG-Stellungen am Rand der Klippen geführt haben. Hier wurde meist das MG 34 eingesetzt.

Vf59a / Tobruk Typ 1699

Dieser Vf59a MG Ringstand sicherte den südöstlichen Sektor der Anlage. Gut erkennbar ist der MG Tobruk, im Gegensatz zum Mörserring, an seiner kreisrunden Öffnung.

Vf59a / Tobruk Typ 1699 mit feldmäßigem Unterstand.

Der zweite MG-Tobruk besitzt hinter dem Eingang einen langen Gang, der an einem Raum vorbeiführt, der als Unterstand für 10 Soldaten diente. Zwischen den beiden MG Ringständen gab es noch einen kleinen Munitionsbunker

B-Stelle feldmäßig

Am Klippenrand befand sich in einem Bunker die Beobachtungsstelle der 3. Batterie I./352, welche im Hinterland stationiert war.

Der Eingang zur B-Stelle

Flak-Stellung

In der Mitte der Anlage befindet sich eine kleine Mulde. Hier stand einst die 20 mm Flak 38 in einer offenen Stellung.

Chapelle Saint-Simeon

Auch die Gegend östlich des WN 60 ist sehenswert. Beispielsweise stößt man auf diese schöne Ruine. Es ist die Chapelle Saint-Simeon, noch im 19. Jahrhundert eine berühmte Pilgerstätte, da es hier eine heilige Quelle gab, der große Heilkräfte zugesagt wurden.