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U-2540 / Typ XXI

Bei meiner Fahrradtour 2021 rund um Bremen und Bremerhaven führte mich mein Weg natürlich auch zum U-Boot Wilhelm Bauer, dem einzigen noch zu besichtigende U-Boot des Typs XXI. Das U-Boot liegt direkt neben dem Deutschen Schifffahrtsmuseum, ist aber nicht Teil dieses Museums, sondern eine eigenständige Einrichtung (man muss also zweimal Eintritt zahlen). Man sollte bei seinem Besuch darauf achten, dass das U-Boot auch wirklich geöffnet hat, denn das Museumsboot ist nur von Mitte März bis Mitte November zu besichtigen.

Schon von Weitem kann man das 76,7 m lange U-Boot im Hafenbecken erblicken und durch eine höher gelegene Plattform auch von oben betrachten. Von außen ist auch gut die für die Unterwasserfahrt günstige Form des Bootes sowie die Höhe von 7,7 m plus 3,6 m Turmhöhe zu erkennen. Auf dem Turm eines Typ-XXI-Bootes waren Hohentwiel-Antenne, Sehrohren und Schnorchelmast montiert. Aufgrund von Forderungen des BdU nach Flakbewaffnung hatten U-Boote des Typs XXI zwei mit 17 mm Panzerstahl geschützte drehbare 2cm Flaktürme auf dem Hauptturm vor und hinter der Brücke. Die Brücke war ebenfalls mit 17 mm Panzerstahl geschützt. Der druckfeste Teil des Hauptturms bestand aus 40 mm Panzerstahl.

Geschichte

Im Jahr 1906 wurde mit U1 das erste deutsche U-Boot in Dienst gestellt. Mit Kriegseintritt verfügte die deutsche Kriegsmarine mit insgesamt 57 U-Booten, aufgeteilt auf sechs Flottillen, über nur relativ wenige U-Boote. Es waren die Typen I, II, VII und IX. Der Kriegsmarine war von Anfang an klar, dass diese Boote weiterentwickelt werden mussten. So entstanden schnell neue Modelle mit Verbesserungen und Modifikationen. Der Typ XXI war die letzte Stufe dieser Entwicklung während des 2. Weltkrieges, wurde aber nicht mehr rechtzeitig fertiggestellt, um auf das Kriegsgeschehen entscheidenden Einfluss zu nehmen. Die U-Boote vom Typ XXI wurde in 10 einzelnen Sektionen und einem Turmaufbau an unterschiedlichen Standorten gefertigt, welche dann zu Werften an der Küste transportiert wurden, wo schließlich die Endmontage erfolgte. Man wollte durch die kürzeren Liegezeiten verhindern, dass die Boote durch Luftangriffe zerstört werden konnten. Insgesamt wurde 1.183 deutsche U-Boote im 2. Weltkrieg gebaut, von den 739 samt ihrer 30.000 Mann an Besatzung versenkt wurden.

U-Boote des Typs XXI gelten als die ersten „echten“ Unterseeboote, weil sie in der Lage waren einen Kriegseinsatz beinahe vollständig getaucht durchzuführen. Alle vorher entwickelten U-Boote waren mehr oder weniger Überwasserfahrzeuge mit der Fähigkeit, für kurze Zeit getaucht zu fahren, hauptsächlich für den Angriff oder das Absetzen von feindlichen Kriegsschiffen. Möglich wurde dies dadurch, dass nun alle neuen Boote mit einem „Schnorchel“ ausgerüstet waren. Entscheidend für die praktische Realisierbarkeit war seine neue Idee, die Luft zum Betrieb der Dieselmotoren beim Unterschneiden des Schnorchels durch Seegang bis zu 60 Sekunden lang aus dem Bootsinneren zu saugen. Dies führte allerdings zu einer Vielzahl von Problemen, wie Luftdruckschwankungen und Vergasung des Bootes. Ein Pluspunkt der neuen Boote war zudem die Steigerung der Unterwassergeschwindigkeit von 7,6 Knoten (des Typs VII C) auf 17,2 kn. Heutige U-Boote sind wie die letzten deutsche U-Boote des zweiten Weltkrieges ebenfalls echte Unterseeboote. Diese operieren zum Teil mehrere Monate unter Wasser, ohne an die Wasseroberfläche kommen zu müssen.

Im Rahmen der „Aktion Regenbogen“ wurde das heutige Museumsboot U-2540 im Jahr 1945 von der eigenen Besatzung versenkt. Nachdem das Boot 12 Jahre auf dem Grund der Flensburger Förde lag, wurde es 1957 geborgen, um 3 Jahre später unter dem Namen „U-Wilhelm Bauer“ in den Dienst der Bundesmarine überzugehen. Der Name Wilhelm Bauer soll an den gleichnamigen Konstrukteur erinnern, der 1851 das erste deutsche Unterseeboot, den sogenannten Brandtaucher entwickelte, welcher aber bei seiner Probefahrt im Kieler Hafen sank. Im Jahr 1982 erfolgte dann die endgültige Außerdienststellung. 1983 übernahm der Verein „Technikmuseum U-Boot Wilhelm-Bauer e.V.“ das Boot und richtete es als Museumsschiff her, wodurch das U-Boot am 28. April 1984 im Museumshafen in Bremerhaven zur Besichtigung freigegeben werden konnte.

Bugtorpedoraum

Im Eingangsbereich der Wilhelm Bauer, dem Bugtorpedoraum, gibt es Informationen zur Geschichte der U-Boote, der Typ-Reihe XXI und dem U-2540. In diesem Raum lagerten einst 20 Torpedos, 6 in den Rohren und der Rest in Lagerarmpaaren. Die Torpedos wurden durch das Torpedoluk in der Decke des Raumes an Bord gebracht. Die Torpedos waren quasi kleine unbemannte U-Boote, die aber nur über eine geringe Reichweite und Zielgenauigkeit verfügten. Die U-Boote mussten deshalb nah an das Ziel heranfahren und dabei das Boot genau ausrichten.

Im Gegensatz zum Kolbenausstoß früherer deutscher U-Boot-Typen lagen beim Typ XXI die Torpedos auf Führungsschienen in den Rohren und wurden mit Druckluft ausgestoßen. Damit die Luft nach dem Schuss nicht an die Wasseroberfläche entweichen konnte, waren die Rohre um 2 Grad nach unten geneigt. Die Betätigung der Mündungsklappen erfolgte hydraulisch, notfalls per Hand. Nach dem Schuss drückte das von außen eindringende Wasser die Luft zurück und über ein Ausgleichsventil in die Torpedountertriebszellen. Mit dem Gewichtsausgleich schlossen sich die Mündungsklappen automatisch.

Offiziersquartiere

Als nächstes führt der Rundgang zu den Wohnräumen der Offiziere, wie der Kammer des leitenden Ingenieurs. Insgesamt hatte das Boot eine Besatzung von 58 Mann. Unter den Flurplatten der Quartiere befinden sich die Batteriezellen. Mit einer Kamera, die der Museumsbesucher über einen Joystick bewegen kann, lässt sich der Batterieraum zumindest über einen Bildschirm erkunden. Mit der Batterieanlage, die aus 372 Zellen bestand, konnte das Boot bei reduzierter Leistung bis zu 50 Stunden unter Wasser fahren.

An Bord befanden sich auch 77 Tauchretter, mit denen sich die Besatzung bis zu einer Tiefe von 40 Metern (eher was für die Ostsee, wie wird aus dem Film „Das Boot“ wissen) retten konnte. In den Flaschen befand sich eine Luftgemisch mit 50 % Sauerstoff. Eine Kalkpatrone bindet aus der ausgeatmeten Luft die Kohlesäure und die Feuchtigkeit.

Mit der Horchanlage „Balkon“ konnten unter günstigen Bedingungen Einzelschiffe bis 20 km und Geleitzüge bis 100 km Entfernung entdeckt werden. Hier ist der Kompensator des Gruppenhorchgerätes zu sehen. Oben der Filterverstärker, in der Mitte die Anzeigeskala, Lautstärkeregler, Filterwahlschalter und das Handrad.

Zentrale

In der Mitte des Bootes befindet sich die Zentrale und in der Mitte der Zentrale hängt das Sehrohr bzw. Periskop aus der Decke. Das Sehrohr kann man über zwei Knöpfe hydraulisch bewegen und über einen Bildschirm erhält man als Besucher so einen Rundumblick. In der Zentrale entdeckt man selbst als Laie einige Instrumente und Einrichtungen, die man vor allem durch Filme und Serien kennt. Dazu gehören der Kartentisch, Echolot, Tiefmesser, Tiefenruderstand und natürlich den Aufgang in die Turmsektion. Unter der Zentrale liegt der Hilfsmaschinenraum.

Unteroffizierswohnräume

Neben dem Quartieren für die Unteroffiziere betritt man nun auch den Bereich der Kombüse und der Messe. Hier wird gekocht, gegessen und die Freizeit verbracht. Unter den Wohnräumen liegen ebenfalls Batteriezellen.

Dieselmotorenraum

Weiter geht es in den Dieselmotorenraum. Hier befanden sich einst zwei 6-Zylinder-MAN-Diesel. Beim Umbau des Bootes wurden die jetzt zu sehende Dieselgeneratorenanlage eingebaut. Diese diente nur noch zum Laden der Batterie. Die Bundesmarine fuhr das Boot also nur noch mit den E-Maschinen.

E-Motorenraum

In der nächsten Sektion, dem E-Motorenraum, findet man auch den Hauptfahrstand für die Steuerbord- (grün) und die Backbordseite (rot). Über die Fahrstände werden die beiden Elektro-Maschinen von je 2500 PS bedient.

Heckraum

Im Heckraum gibt es eine Kampfschwimmerschleuse und den Abschluss bildet eine Toilette.