SUSHI & KATANA / TACTICA-Projekt 2026 / Teil 3

Nach den vielen Bildern und Texten zum Stand unserer TACTICA-Präsentationen möchte ich heute mit euch einen kurzen Ausflug nach Japan unternehmen. Während meiner Japanreise im Frühjahr dieses Jahres habe ich selbstverständlich auch zahlreiche Tempel und Schreine besucht. Auf den ersten Blick scheinen sich diese beiden religiösen Stätten kaum zu unterscheiden; erst allmählich lassen sich anhand typischer Merkmale klare Zuordnungen vornehmen.

Bereits im mittelalterlichen Japan waren die beiden großen Religionen Shintō und Bukkyō (Buddhismus) vorherrschend. Im Laufe der Zeit hatten sie sich stark miteinander vermischt, bis schließlich 1868 eine offizielle Trennung von Buddhismus und Shintōismus verfügt wurde. Beide Glaubensrichtungen errichteten heilige Bezirke und Gebäudekomplexe, ähnlich den Klöstern der christlichen Welt. Während im Shintōismus von einem Schrein (jinja) die Rede ist, bezeichnet man eine buddhistische Anlage stets als Tempel (jiin).

Tempel

Einen japanischen Tempel erkennt man unter anderem an seinem gebäudeähnlichen Tor, dem mon. Neben diesem Zugang zum Tempel stehen Statuten von Wächtergottheiten, die sogenannten nio. Der Tempel hat eine Haupthalle, die hondo, wo sich das Heiligtum honzon, eine Buddha-Statue befindet. Wichtig für jeden Tempel ist außerdem eine große Metallglocke, die shōrō, die zeremoniellen Zwecken dient. Es gab unterschiedliche Baustile dieser Tempel. Am bekanntesten ist die rechtwinklige Sieben-Hallen-Anlage, bei der eine Haupthalle, Mönchsquartier, Speisesaal und Pagode von einem mauerähnlichen Rundgang mit Toranlage umschlossen sind. Die Lehrhalle, ein Sutrenspeicher und der Glockenturm befinden sich aber meist außerhalb der Anlage.

Der Sensō-ji-Tempel in Asakusa ist einer der ältesten und bekanntesten Tempel in Tokio. In dieser Tempelanlage sowie im Chion-In (Kyoto) Kiyomizu-dera (Kyoto), Kinkaku-ji (Kyoto) und Tō-ji (Kyoto) Hōkan-ji (Kyoto) habe ich einige Fotos gemacht, die nachfolgend die einzelnen Erläuterungen zu den Tempelelemente illustrieren.

Sanmon

“ Sanmon“ ist der Begriff für das Tor, das oft als Eingang von Tempeln, aber auch Schreinen fungiert. Ein bekanntes Beispiel ist das Kaminari-mon (Donnertor) am Sensō-ji Tempel in Tokio. Neben den beiden Torflügeln wehren die Shinto-Götter des Windes (Fūjin) und des Donners (Raijin) böse Geister ab. Das Tor, mit seinem großen Lampion (ōchōchin) ist 11,7 m hoch und 11,4 m breit.

Viele andere Tempel haben ebenfalls große, eindrucksvolle Tore, wie das Sanmon am Chion-in Tempel in Kyoto, das eines der größten Holztore Japans ist.

Komainu

Japanische Tempellöwen, bekannt als Komainu (wörtlich „koreanischer Hund“), sind Wächterfiguren, die paarweise vor buddhistischen Tempeln und Shinto-Schreinen stehen, um böse Geister abzuwehren. Die Figuren sind oft eine Mischung aus Löwe und Hund, wobei ein Exemplar mit offenem Mund und das andere mit geschlossenem Mund dargestellt wird, was zusammen das Mantra „A-UN“ (Anfang und Ende) intoniert. Der rechte Löwe hält üblicherweise einen Ball unter seiner Pranke, der Macht symbolisiert, während der linke, weibliche Löwe ein Junges beschützt, das für Wachstum steht.

Obwohl Komainu die häufigsten Wächter sind, gibt es auch andere Tierwächter, die je nach Gott oder Gottheit variieren. Beispiele dafür sind Füchse für den Reisgott Inari, Tiger für Bishamonten oder Schlangen für Benzaiten.

Der Tō ist die japanische Version der Pagode innerhalb buddhistischer Tempelanlagen. Die Pagode selbst ist eine Abwandlung der indischen Stupa und diente anfangs der Aufbewahrung und Verehrung der Reliquien Buddhas. Mit wachsender Verbreitung des Buddhismus wurden die Reliquien durch symbolische Gaben ersetzt und somit stand die Pagode bei der Ankunft des Buddhismus in Japan bereits für die Anwesenheit Buddhas und bezeichnete eine Stätte seiner Verehrung. Gerade in Japan war dies im späteren Verlauf der Geschichte eine wichtige Funktion, da, bis zum sogenannten Shinbutsu-Bunri von 1868, buddhistische und shintoistische Schreine eng miteinander verwoben waren. Somit ist auch zu erklären, dass, obwohl der Tō auf einen buddhistischen Tempel verweist, er auch in einigen wenigen Tempeln des Shintō zu finden ist.

Die Yasaka-Pagode (Hōkan-ji-Tempel) in Kyoto.

Tōrō

Steinlaternen, japanisch tōrō genannt, was wörtlich „Lichtkorb“ oder „Lichtturm“ bedeutet, sind eine traditionelle ostasiatische Laterne aus Stein, Holz oder Metall. Ursprünglich aus China stammend, verbreiteten sie sich nach Japan, Korea und Vietnam. In Japan wurden Tōrō ursprünglich nur in buddhistischen Tempeln verwendet, wo sie die Wege säumten und beleuchteten. Beleuchtete Laternen galten damals als Opfergabe an Buddha. Ihre Verwendung in Shinto-Schreinen und auch in Privathäusern begann während der Heian-Zeit (794–1185).

Die Tōrō lassen sich in zwei Haupttypen unterteilen die Tsuri-dōrō, die üblicherweise unter dem Dachvorsprung hing, und Dai-dōrō, die in Gärten und entlang des Zugangs zu Schreinen oder Tempeln verwendet wurde. In ihrer vollständigen, ursprünglichen Form repräsentiert die Dai-dōrō, ähnlich wie die Pagode, die fünf Elemente der buddhistischen Kosmologie. Das unterste, den Boden berührende Element symbolisiert Chi, die Erde; das nächste Element steht für Sui, das Wasser; Ka, das Feuer, wird durch den Abschnitt repräsentiert, der das Licht oder die Flamme der Laterne umschließt, während Fū (Luft) und Kū (Leere oder Geist) durch die beiden obersten, zum Himmel gerichteten Elemente dargestellt werden. Die Segmente drücken die Vorstellung aus, dass der physische Körper eines Menschen nach dem Tod zu seiner ursprünglichen, elementaren Form zurückkehrt.

Hondō

Im Herzen des buddhistischen Tempelareals steht die Haupthalle (Hondō). Sie ist meist aus Holz gefertigt, besitzt ein weit ausladendes Dach und wird von kunstvollen Balken getragen. Im Inneren herrscht dämmriges Licht und der Duft von Sandelholz liegt in der Luft. Eine Buddha-Statue oder andere Verehrungsobjekte (Honzon) thront auf einem reich verzierten Altar, geschmückt mit Blumen, Räucherstäbchen und Opfergaben. Die Halle dient der Verrichtung von Gottesdiensten, Ritualen und Gebeten.

Besucher verbeugen sich respektvoll, klatschen manchmal leise in die Hände und sprechen ein stilles Gebet.

Shōrō

Meist etwas außerhalb des Tempelbezirks befindet sich ein Glockenturm (Shōrō) mit einer großen Bronzeglocke, die zu besonderen Anlässen geschlagen wird. Der Klang hallt tief und beruhigend über das gesamte Gelände.

Räucherwerk

Japanisches Räucherwerk findet man häufig direkt vor dem Gebetsraum von Tempeln und Schreinen. Hier kommen die Menschen zusammen, und reinigen sich vorab mit dem Rauch, um danach ihre Wünsche vorzutragen. Häufig steckt man die Räucherstäbchen in einen Kessel, in dem diese angezündet werden. Der Rauch, den man sich jetzt zufächelt, dient der symbolischen Reinigung, bevor man die heiligen Stätten betritt.

Besonders bekannt ist auch die Tempelanlage Kinkaku-ji in Kyoto mit seinem goldenen Pavillon.

Der Kiyomizu-dera Tempel in Kyoto ist über 1200 Jahre alt. Er befindet sich auf halber Höhe des Bergs Otowa und bietet eine fantastische Sicht auf die Umgebung.

Schrein

Schreine hingegen erkennt man an den berühmten Torii-Toren, die den Übergang in den heiligen Bereich markieren. Schreine sind dem Kami, den Shintō-Gottheiten, gewidmet und oft von Natur umgeben. Beim Beten an einem japanischen Schrein wirft man eine Münze in die Opferkiste, schüttelt dann das Seil, um die Glocke zu läuten, und klatscht anschließend zweimal in die Hände, um die Aufmerksamkeit der Götter zu erlangen. Diese Handlungen dienen dazu, die Götter um Hilfe und Segen zu bitten.

Torii

Ein Torii ist ein traditionelles japanisches Tor, das hauptsächlich den Eingang zu Shinto-Schreinen markiert und den Übergang vom weltlichen zum heiligen Bereich symbolisiert. Diese Tore bestehen in der Regel aus zwei Pfosten und zwei horizontalen Querbalken, sind oft zinnoberrot lackiert und gelten als Symbol des Shintoismus. Der charakteristische zinnoberrote Lack dient nicht nur der Ästhetik, sondern schützt das Holz auch vor Termiten und Bakterien. Auch verschiedene Areale innerhalb des Schreins werden mit Torii voneinander abgegrenzt. Normalerweise hat jeder Hauptschrein drei Torii. Wer ein Torii passiert, sollte sich kurz verbeugen und das Tor nicht genau durch die Mitte betreten, sondern eher seitlich in Richtung der beiden Pfosten. Der mittlere Weg ist den Göttern vorbehalten.

Der Fushimi Inari Taisha, auch bekannt als Schrein der 10.000 Tori-Tore gehört sicherlich zu den schönsten historischen Stätten Japans. Er befindet sich im südlichen Kyoto und beherbergt 10.000 Torii-Tore, die man auf den Pfaden zum Gipfel des Berg Inari durchschreitet. Der Schrein stammt aus dem Jahr 711 n. Chr. Gläubige kommen seit Jahrhunderten hierher, um für Sicherheit, Wohlstand und die Erfüllung ihrer Wünsche zu beten. Die Gottheit, die in diesem Schrein wohnt, ist Inari Okami.

Es gibt auch einzigartige Torii, die im Wasser zu stehen scheinen, wie zum Beispiel das berühmte Tor am Itsukushima-Schrein auf der Insel Miyajima.

Shimenawa

Shimenawa, was wörtlich „umschließendes Seil“ bedeutet, sind Seile aus Reisstroh oder Hanf, die zur rituellen Reinigung in der Shinto-Religion verwendet werden. Shimenawa variieren im Durchmesser von wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern und sind oft mit Shide – traditionellen Papiergirlanden – geschmückt. Ein von Shimenawa umgebener Bereich kennzeichnet typischerweise einen heiligen oder rituell reinen Ort, wie beispielsweise einen Shinto-Schrein. Shimenawa werden auch auf Yorishiro platziert, Gegenständen, die Geister anziehen oder von ihnen bewohnt werden sollen. Dazu gehören insbesondere bestimmte Bäume, deren Geister als Kodama bekannt sind. Das Fällen dieser Bäume soll Unglück bringen. Steine, die als von Geistern bewohnt gelten, werden Iwakura genannt.

Sessha / Massha

Kleine Schreine werden oft als Sessha oder Massha bezeichnet. Dies sind Nebenschreine innerhalb einer größeren Schrein-Anlage. Sie können sich in der Nähe des Hauptschreins befinden oder über das Gelände verteilt sein. Ein Sessha ist ein kleiner Hilfsschrein für Gottheiten, die eine enge, oft familiäre Beziehung zur Hauptgottheit haben. Als Massha bezeichnet man einen kleineren Schrein, der anderen Gottheiten gewidmet ist, die ebenfalls eine Bedeutung für die Gegend des Haupt-Schreines haben, aber nicht unbedingt so eng mit der Hauptgottheit verbunden sind. Diese kleinen Schreine findet man auch als separate, kleine Strukturen wie die Hokora am Straßenrand.

Temizuya

Meist steht auf dem Weg zu den anderen Gebäuden seitlich ein Waschbecken, genannt Temizuya, in dem die Besucher eines Schreins Hände und Gesicht reinigen sollen. Dazu nimmt man eine der bereitgestellten Schöpfkellen aus Bambus und gießt das Wasser zuerst über die rechte, dann die linke und wieder über die rechte Hand. Dabei sollte man die Hände nicht über, sondern vor das Becken halten, damit das Wasser auf den Boden tropft und nicht in das Becken zurück. Außerdem gehört zum Ritual, dass man einen Schluck vom Wasser nimmt.

Ema

Ema sind kleine Holztafeln, die in Japan weit verbreitet sind und auf denen Gebete oder Wünsche geschrieben werden. Ema werden an einem Schrein oder Tempel aufgehängt, wo sie von den Kami, den Geistern oder Göttern empfangen werden sollen. Sobald ein Wunsch aufgeschrieben wurde, wird die Tafel so lange in einem Schrein aufgehängt, bis sie bei besonderen Anlässen rituell verbrannt wird. Dies symbolisiert die Befreiung des Wunsches vom Verfasser. Ema können entweder zum persönlichen Nutzen oder zum Nutzen anderer aufgehängt werden. Es gibt keine festgelegte Form für die Gestaltung. Üblicherweise wird auf einer Seite der Wunsch in Textform geschrieben, während die andere Seite für Bilder vorgesehen ist.

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