Die Schlachtfelder von Großbeeren heute

Im Sommer 2025 war ich wieder einmal auf einer Fahrradtour unterwegs und besuchte von Wittenberg aus einige der Schlachtfelder des Jahres 1813. Natürlich durfte auch das Schlachtfeld von Großbeeren nicht fehlen. Der Ort Großbeeren und die umgebende Landschaft haben sich seit der Schlacht zwar stark verändert, dennoch lassen sich bis heute einige Schauplätze von damals sowie eine ganze Reihe von Denkmälern und Erinnerungsstätten finden.

Die Bedeutung der siegreichen Schlacht von Großbeeren für die preußische und spätere deutsche Identität führte zu einer ausgeprägten Erinnerungskultur. Zahlreiche Denkmäler wurden errichtet, um die Ereignisse zu würdigen und an die gefallenen Soldaten zu erinnern. Doch nicht nur unmittelbar nach den Napoleonischen Kriegen, sondern vor allem hundert Jahre später, im Jahr 1913, kam es zu zahlreichen Gedenkfeiern, bei denen weitere Denkmäler eingeweiht wurden. Die damals stark national und militärisch geprägte Denkweise führte zu einer regelrechten Kultbildung um die sogenannten „Befreiungskriege“ von 1813 bis 1815. In dieser Phase der Napoleonischen Kriege sah man die Geburtsstunde der deutschen Einheit, die allerdings erst 1871 nach dem Deutsch-Französischen Krieg verwirklicht wurde. Die Glorifizierung des Sieges von Großbeeren reichte bis in die Alltagskultur des späten 19. Jahrhunderts hinein: Slogans wie „General Bülows Sieg bei Großbeeren“ fanden sich prominent auf Reklamemarken für Seifen und Heftpflaster wieder.

Die politische Relevanz historischer Figuren zeigt sich bis heute, etwa in den jüngst geführten Debatten um die Standbilder von Generälen wie Bülow und Scharnhorst in Berlin. Diskutiert wird, ob diese Denkmäler an ihren ursprünglichen Standort vor der Neuen Wache zurückkehren sollen. Denkmalpfleger und verschiedene Organisationen setzen sich für die Wiederherstellung der historischen „Via triumphalis“ ein, die erst mit der Rückkehr dieser Denkmäler wieder vollständig wäre. Andere hingegen empfinden die Präsenz preußischer Generäle vor der Neuen Wache – die heute als zentrale Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft dient – als problematisch.

Großbeeren

In Großbeeren angekommen – es war übrigens einer dieser extrem heißen Sommertage – folgte ich einer Wanderroute, die ich zuvor zufällig im Internet gefunden hatte. Anhand dieser Karte fuhr ich auf teils recht unwegsamen Pfaden zu den einzelnen Stationen.

Gedenkturm

Der Gedenkturm ist bis heute das Wahrzeichen von Großbeeren. Er wurde im Jahr 1913 zum 100. Jahrestag der Schlacht am Kreuzungspunkt der durch den Ort führenden Hauptstraßen errichtet. Der 32 Meter hohe Turm beherbergt eine Museumshalle mit einer kleinen Ausstellung von Originalfunden vom Schlachtfeld sowie ein Figuren-Diorama der Kampfhandlungen. Von der Turmspitze, die man über eine Wendeltreppe mit 137 Stufen erreicht, bietet sich eine sehr schöne Aussicht über die Landschaft; in der Ferne lässt sich Berlin erkennen – das eigentliche Ziel des französischen Heeres.

Bülow-Pyramide

In der Nähe des heutigen Wasserskilifts von Großbeeren steht in der Ruhlsdorfer Straße die Gedenkpyramide von Großbeeren. Sie ist Friedrich Wilhelm Bülow von Dennewitz, dem „Helden von Berlin“, gewidmet. Die Pyramide ist zehn Meter hoch und besteht aus bearbeiteten Feldsteinen aus der Umgebung. Das Denkmal wurde 1906 eingeweiht und erinnert an den Sieg der Koalitionstruppen über Frankreich. Es steht auf dem damals sogenannten Windmühlenhügel, der während der Schlacht hart umkämpft war. Vor dem Bau der Pyramide befand sich hier noch die Windmühle von 1813, die jedoch baufällig geworden war und einige Jahre zuvor abgerissen wurde.

An der Pyramide sind zwei Tafeln angebracht. Auf der einen ist zu lesen: „Zur Erinnerung an die siegreiche Schlacht bei Großbeeren am 23. August 1813“. Auf der von der Straße abgewandten Seite befindet sich eine Tafel mit den Worten des Generals von Bülow: „Unsere Knochen sollen vor Berlin bleichen, nicht rückwärts!“ Dieser Ausspruch soll den unerschütterlichen Willen verdeutlichen, Berlin vor Napoleons zweitem Einmarsch zu schützen.

Schinkelkirche

Die alte Kirche von Großbeeren, deren Bau im Jahr 1688 abgeschlossen wurde, brannte im Siebenjährigen Krieg in der Nacht zum 10. Oktober 1760 durch durchziehende russische und österreichische Truppen nieder. Die Ruine verfiel in der Folgezeit zunehmend, sodass die Gemeinde ihre Gottesdienste in Privathäusern abhalten musste. Während der Schlacht von Großbeeren wurde sowohl auf dem Kirchhof als auch in den Überresten der Kirche gekämpft.

Nach dem Sieg der Alliierten über Napoleons Armee sammelte man bei Siegesfeiern in Berlin Gelder für den Wiederaufbau der Kirche. Mit dem Entwurf einer Denkmalskirche wurde Karl Friedrich Schinkel beauftragt; sein Entwurf wurde nach dem Ausschluss mehrerer Alternativplanungen im Mai 1818 von König Friedrich Wilhelm III. genehmigt. Bereits im Juni 1818 begann der Abbruch der Ruine, deren Feldsteine im Sockel des Neubaus wiederverwendet wurden. Der Grundstein wurde am 5. August 1818, dem fünften Jahrestag der Schlacht, gelegt. Die Einweihung der Kirche erfolgte am 8. Oktober 1820.

Siegesdenkmal

Nach den Napoleonischen Kriegen wurden in den Jahren 1817–1818 auf allen Schlachtfeldern mit preußischer Beteiligung Denkmäler in Form gusseiserner Obelisken errichtet. Das Denkmal von Großbeeren, gefertigt in der Königlich Preußischen Eisengießerei, ist etwa sechs Meter hoch und wiegt rund 3,5 Tonnen. Bekrönt wird es von einem Eisernen Kreuz, dessen Gestaltung ebenfalls auf Karl Friedrich Schinkel zurückgeht. Die Inschrift ist bewusst schlicht gehalten: „Die gefallenen Helden ehrt dankbar König und Vaterland. Sie ruhn in Frieden. Gr. Beeren den 23ten August 1813.“

Ursprünglich besaß das Denkmal eine Gesamthöhe von 14 Metern und bestand aus einem quadratischen Sandsteinsockel sowie dem Obelisken. Noch zu DDR-Zeiten standen rechts und links des Denkmals zwei Kanonen.

Denkmal des Kolberger Regiments

Im Jahr 1906 wurde das vom Regiment gestiftete Denkmal für die gefallenen Kameraden eingeweiht. Es besteht aus schwedischem Granit und trägt die Inschrift: „Den Tapferen des Colbergschen Regiments, die am 23. August 1813 diesen Kirchhof mit stürmender Hand nahmen, gewidmet vom Offizierskorps des Colbergschen Grenadier-Regiments Graf Gneisenau (2. Pomm.) Nr. 9 – 1906.“

Sachsen-Gedenkstein

Am 23. August 2013 wurde anlässlich des 200. Jahrestages der Schlacht auf dem Kirchhof der Schinkelkirche ein Gedenkstein aufgestellt. Die Inschrift lautet: „Zum Gedenken an die in der Schlacht bei Großbeeren am 23. Aug. 1813 gefallenen Sachsen – gestiftet vom Gren. Bat. v. Spiegel.“

Ruhlsdorf

Bernadotte-Linde

Bevor die Schlacht von Großbeeren begann, bezogen die alliierten Truppen ihre Stellungen nördlich und nordöstlich von Großbeeren. Das Oberkommando lag damals in den Händen des schwedischen Kronprinzen Karl Johann, des ehemaligen französischen Marschalls Jean-Baptiste Bernadotte. Am 20. August 1813 schlug er sein Lager und Hauptquartier an der Ruhlsdorfer Mühle auf, zwischen den preußischen Truppen zur Linken und den russischen Verbänden zur Rechten.

Zur Erinnerung an die Schlacht und an den schwedischen Kronprinzen pflanzte man auf diesem Mühlenberg südöstlich von Ruhlsdorf, nahe dem ehemaligen Gutsfriedhof, eine Linde – die sogenannte Bernadotte-Linde. In alten Karten ist der Ort noch als „Alter Mühlenberg“ verzeichnet. Die Linde besitzt heute einen Stammumfang von über drei Metern.

Ruhlsdorfer Kirche

Am östlichen Ende des Dorfangers von Ruhlsdorf steht die Ruhlsdorfer Kirche. Sie zählt zwar zu den kleinsten Kirchen der Region, ist jedoch aufgrund ihrer architektonischen Besonderheiten bemerkenswert, da sie sowohl romanische als auch frühgotische Bauelemente aufweist. Der Westturm wurde erst nachträglich im Jahr 1759 angebaut, ein weiterer Anbau folgte 1929 auf der Nordseite. Die Innenausstattung der Kirche wurde 1931 leider stark verändert. Dennoch haben sich neben der Kanzel Reste mittelalterlicher Wandmalereien sowie drei Weihekreuze erhalten.

Klein-Beeren

Kirche

Die Dorfstraße führt von Westen kommend in den historischen Ortskern von Klein-Beeren. Dort steht im westlichen Bereich nördlich der Straße die Kirche. Der Bau entstand im Wesentlichen zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Ein Kirchturm war zu dieser Zeit vermutlich noch nicht vorhanden; dieser dürfte erst um 1500 aus Mauersteinen errichtet worden sein. Um 1700 ließ die Kirchengemeinde umfangreiche Um- und Ausbauarbeiten durchführen. Im Jahr 1975 wurden die Dächer, die Gesimse sowie das Turmkreuz erneuert. 1987 folgte eine Sanierung des Innenraums und des Dachstuhls, ergänzt durch eine weitere Instandsetzung im Jahr 1996.

Im Umfeld dieser Kirche erkämpfte sich die preußische Brigade Borstell während der Schlacht ihren Weg in Richtung Großbeeren.

Jühnsdorf

Franzosenlinde

Ein besonderes Naturdenkmal stand auf der Südseite des Kirchhofs der Dorfkirche von Jühnsdorf, gegenüber dem Gutshaus: eine alte Linde mit einem Stammumfang von fast fünf Metern, die im Inneren vollständig hohl war. Im Jahr 2002 fiel dieser beeindruckende Baum einem schweren Unwetter zum Opfer. Heute erinnert eine kleine bronzene Nachbildung an die einstige Linde. In unmittelbarer Nähe befindet sich zudem ein Gedenkstein mit einem Eisernen Kreuz und der Jahreszahl 1813.

Entlang der heutigen Straße zwischen Groß Schulzendorf und Jühnsdorf verlief damals ein Weidendamm, der sich etwa einen halben Meter über die umliegenden, sumpfigen und häufig überfluteten Wiesen erhob und sich durch den Ort fortsetzte. Als am 22. August 1813 die Kämpfe um Jühnsdorf begannen, flohen die meisten Einwohner. Nur wenige Menschen blieben im Dorf zurück, darunter der Amtsdiener und Nachtwächter Karl Götze. Er hatte in der hohlen Linde an der Kirchhofsmauer gegenüber dem Schloss Zuflucht gesucht. Mit sich führte er rund 50 Taler Ersparnisse, Lebensmittel und etwas zu trinken.

Von Neugier getrieben wollte Götze das Eintreffen der Franzosen beobachten und hielt angestrengt Ausschau in Richtung Lindenberg. Bald erschien die französische Vorhut. Rasch drangen Reiter in die Häuser ein, um Lebensmittel und Geld zu plündern. Ein Trupp schlug die Türfüllung der Kirche ein, um dort Quartier zu beziehen. Kirchenbänke und Türen dienten als Brennholz, große Bündel Stroh wurden als Lagerstätten in das Gotteshaus geschleppt. Unterdessen entzündete ein anderer Trupp auf dem Dorfanger, nahe dem Schulgrundstück, ein großes Feuer und briet darüber einen ganzen Ochsen am Spieß.

Am Vormittag des 24. August 1813 erfuhr Götze, dass die französischen Biwaks verlassen worden waren; weggeworfene Gewehre deuteten auf einen hastigen Rückzug hin. General Tauentzien rückte nach, und in Jühnsdorf mussten 127 französische Soldaten kapitulieren, während die übrigen über den Damm flohen. Jühnsdorf war vom Feind befreit, und die geflüchteten Bewohner konnten aus ihrem unfreiwilligen Exil zurückkehren. Auch Nachtwächter Götze verließ unversehrt sein ungewöhnliches Versteck, in dem er zwei Tage ausgeharrt hatte.

Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war die „Franzosenlinde“ ein beliebter Treffpunkt für Kinder und Jugendliche des Ortes; mithilfe eines Seils konnte man in und auf den Baum klettern.

Wietstock

Wietstocker Schanzen

Im Wald an der Straße nach Ludwigsfelde, bei den zur Zeit der Schlacht hier gelegenen Wietstocker Schanzen, befindet sich der verfallene Ehrenhain für die Gefallenen der Befreiungskriege. Heute sind von der einstigen Anlage nur noch wenige Reste erhalten: ein schwarzer Gedenkstein, eine beschädigte Bodenplatte sowie der Sockel eines zerstörten steinernen Gedenkkreuzes mit stark verwitterter Inschrift. Mithilfe von Fotografien aus etwa dem Jahr 1985 konnten die Inschriften der Grabplatte und des Sockelsteins rekonstruiert werden.

Die Inschriften lauten:

  • Schwarzer Stein:

„1813 – Gewidmet dem Andenken der am Vorabend der Schlacht von Großbeeren im Kampf gegen die französische Armee des Marschalls Oudinot gefallenen Soldaten und Offiziere.“

  • Grabplatte:

„Hier ruhen die gefallenen Offiziere des 2. Westpreußischen Dragonerregiments: Carl Graf zu Dohna, Otto von Dargirz.“

  • Sockelstein:

„Hier ruht die Asche W. Busch, Adjutant der Uckermärkischen Landwehr-Kavallerie. Starb den Tod fürs Vaterland am 22. August 1813.“

Gedenkstein 1813

Zweihundert Jahre nach dem Gefecht bei Wietstock wurde an der Wiesenstraße, in der Nähe der Kirche, ein weiterer Gedenkstein errichtet. Neben dem Stein steht eine hölzerne Reiterfigur, die ebenfalls an den Krieg von 1813 erinnern soll.

Gedenkanlage

Im Ortskern, westlich hinter der Dorfkirche an der Wietstocker Dorfstraße, befindet sich eine Gedenkanlage für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Seitlich ist in die Anlage ein weiterer Gedenkstein integriert, der den Gefallenen der Befreiungskriege gewidmet ist. Vermutlich wurde dieser Stein anlässlich der Hundertjahrfeier am 10. März 1913 eingeweiht.

Der Nuthe-Graben bei Trebbin.

Blankenfelde

Blankenfelde – Denkmal von 1813

Das Blankenfelder Kriegerdenkmal erinnert an die Soldaten aus Blankenfelde, die in den Befreiungskriegen des Jahres 1813 gefallen sind. Es handelt sich um ein klassisches Kriegerdenkmal, das zentral im Ortskern von Blankenfelde errichtet wurde und von allen Seiten frei zugänglich ist.

Die Tafeln des Denkmals erinnern sowohl an die Befreiungskriege von 1813 als auch an den Ersten Weltkrieg. Die Gestaltung ist bewusst schlicht gehalten: Auf der Spitze befindet sich eine Kugel, die symbolisch sowohl für die Ewigkeit als auch für die Unsicherheit des Lebens stehen kann. Verwendet wurden behauene Feldsteine, Beton und Eisen. Das Denkmal ist deutlich übermannshoch und besteht aus mehreren, übereinander geschichteten Lagen von Feldsteinen.

Die Inschrift lautet:

„Zum Gedächtnis an das siegreiche Gefecht von Blankenfelde den 23. August 1813. Den Kämpfern zur Ehre. Den Lebenden zur Mahnung. Den Kommenden zur Nacheiferung.“

Ludwigsfelde

Ausstellung Ludwigsfelde

Eine Sonderausstellung im Jahr 2024 im Ludwigsfelder Stadt- und Technikmuseum beschäftigte sich mit dem Gefecht zwischen preußischen und napoleonischen Truppen bei Wietstock im Jahr 1813. Unter dem Titel „Erinnerung is’n Dorf – Wietstock 1813“ untersuchte die Ausstellung sowohl historische als auch gegenwärtige Formen städtischer Erinnerungskultur.

Dabei spannte sie einen Bogen von der preußischen Zeit über die DDR bis hin zur bundesdeutschen Denkmalpflege. Schwerpunktmäßig wurde die wechselvolle Geschichte der Gedenkanlage bei Wietstock dargestellt, die bereits weiter oben unter der Überschrift „Wietstocker Schanzen“ vorgestellt wurde.

Mellen

Gedenksteine

Im heutigen Ort Am Mellensee (früher Mellen) steht seit 1938 ein Gedenkstein auf dem sogenannten Heldenfriedhof. Dieser befindet sich im westlichen Teil des Dorfes und erinnert an zwei Soldaten, die hier am 21. August 1813 gefallen sind. Die Inschrift lautet:

„Hier ruhen in Gott die im Freiheitskriege am 21. August 1813 bei Mellensee gefallenen Krieger.“

Ein weiteres Denkmal im hinteren Teil des Friedhofs trägt die Inschrift:

„Dem Andenken der hier am 21. August 1813 gefallenen Krieger.“

Gedenktafel

Etwa 100 Meter westlich der Nottebrücke, am Ortseingang von Am Mellensee, befindet sich eine Gedenktafel mit historischen Angaben zum Gefecht von 1813 in Mellen und Umgebung.

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