Leipzig 1813 – Diorama Probstheida

Probstheida, eines der Dörfer, die sich rund um die Stadt Leipzig entwickelten, entstand Ende des 12. Jahrhunderts als Straßenangerdorf. Die damals für die Siedlung gebräuchliche Bezeichnung „Heida“ weist darauf hin, dass es sich um eine Gründung flämischer Kolonisten handelte. Probstheida wurde – wie auch benachbarte Orte – während der Völkerschlacht im Jahr 1813 nahezu vollständig zerstört. Das Dorf wurde mehrfach von preußisch-russischen Truppen unter hohen Verlusten gestürmt, ohne dass es zur Einnahme kam. Erst nach der Eroberung von Paunsdorf und Schönefeld durch die Verbündeten musste Probstheida schließlich aufgegeben werden. Beim Abzug setzten die französischen Soldaten das durch die Kämpfe bereits stark zerstörte Dorf in Brand.

Diorama

Das 15 Quadratmeter große Diorama im Erdgeschoss des Leipziger Museums FORUM 1813 zeigt den Kampf um Probstheida am 18. Oktober 1813. Dargestellt ist das bereits zu großen Teilen durch die Kämpfe zerstörte Dorf mit seiner Kirche im Zentrum. Am 18. Oktober 1813 begannen auf beiden Seiten noch vor Tagesanbruch die Angriffsvorbereitungen. Ein Waffenstillstandsangebot Napoleons wurde von den Verbündeten angesichts ihrer militärischen Überlegenheit abgelehnt.

Die Gesamtstärke der Truppen Napoleons, der sein Befehlsquartier in der Quandtschen Tabaksmühle bezogen hatte, betrug etwa 160.000 Mann mit 630 Geschützen. Dem standen rund 295.000 Soldaten der Verbündeten mit 1.466 Geschützen gegenüber. Den Angriff auf Napoleons stark ausgebaute Schlüsselstellung bei Probstheida begannen preußisch-russische Truppen, denen die Franzosen erbitterten Widerstand entgegensetzten. Das Dorf war mit etwa 8.000 französischen Soldaten besetzt.

Nach einem massiven Artilleriebeschuss wurde der Angriff durch die Infanterie befohlen und dauerte mehrere Stunden an. Schließlich befahl Zar Alexander I., die Versuche zur Eroberung des Dorfes abzubrechen. Da Napoleons Truppen an anderen Frontabschnitten jedoch weit zurückgedrängt worden waren, wurde gegen 17 Uhr auch auf französischer Seite der allgemeine Rückzug angeordnet.

Die Herstellung von Ziegeln ließ im Dorf etliche Gruben entstehen, die mit Wasser gefüllt als Fischteiche genutzt wurden. Mit den Lehmziegeln wurden damals die einzelnen Gehöfte und auf das gesamte Dorf umgeben. Die russische und preußische Artillerie versuchte vergeblich die Mauern durch Beschuss zum Einsturz zu bringen und so konnten diese währen der gesamten Kämpfe von den Franzosen als Deckung genutzt werden.

Im Schutz der Häuser und Höfen des Dorfes warten die französischen Reserven.

Zwar gelingt es den Russen und Preußen mehrfach in die Dorfmitte vorzudringen, sie werden jedoch immer wieder zurückgedrängt.

Von den insgesamt 35 Gebäuden, die Probstheida 1813 zählte, wurden 16 durch den massiven Artilleriebeschuss und die ausbrechenden Feuer zerstört.

Hier ist ein französisches Feldlazarett zu sehen.

Direkt am hier zu sehenden Gasthof verlief die gut ausgebaute Straße von Grimma nach Leipzig. Als Prager Straße existiert diese Verbindung noch heute.

Aufgrund der strategischen Bedeutung des Dorfes leitet Napoleon dessen Verteidigung persönlich. Hier steht er an seinem Kartentisch, während die Garde-Jäger zu Pferde zu seinem Schutz abgestellt sind (rechts, unten im Bild).

Fazit

Normalerweise bin ich bei Dioramen dieser Art nicht besonders kritisch – erst recht nicht, wenn sie in meinem Lieblingsmaßstab 1:72 umgesetzt sind. Bei einem so renommierten und sicherlich auch finanzstarken Museum müssen jedoch einige kritische Anmerkungen erlaubt sein. Zwar handelt es sich bei den dargestellten Kampfhandlungen um eine der Schlüsselszenen der Völkerschlacht, und mir ist bewusst, dass sich die historischen Ereignisse genau an dem Ort zutrugen, an dem heute Museum und Völkerschlachtdenkmal stehen. Dennoch existiert mit dem Diorama im Zinnfiguren-Museum Torhaus Dölitz bereits eine deutlich größere und aus meiner Sicht überzeugendere Darstellung eines vergleichbaren Sujets.

Zudem wirken die Qualität der Gebäude und Figuren sowie die Gesamtkomposition des Dioramas im FORUM 1813 nicht durchgängig gelungen. Die Gebäude sind zwar korrekt im Maßstab 1:72 ausgeführt, dann hätte jedoch auch die Anzahl der Figuren dem Maßstab 1:1 entsprechen müssen. So erscheinen die Figuren stellenweise etwas verloren zwischen den groß dimensionierten Gebäuden, und viele Formationen der einzelnen Truppenteile stehen mit ungewöhnlich großen Abständen zueinander. Die Qualität der Bemalung ist angesichts der Größe des Dioramas insgesamt in Ordnung; wünschenswert wäre jedoch eine deutlich höhere Ausarbeitungsqualität insbesondere in den Randbereichen gewesen.

Trotz dieser Kritik gebührt den Erbauern ein ausdrückliches „Chapeau“, denn sie haben mit Sicherheit viel Zeit, Mühe und handwerkliches Können in dieses Projekt investiert.

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