Kaum zu glauben, aber vom 28.02. bis 01.03.2026 ging im Bürgerhaus Wilhelmsburg die 20. TACTICA über die Bühne. Zwanzig Jahre! In Tabletop-Zeitrechnung entspricht das ungefähr drei Editionen, fünf Regelwerkswechseln und mindestens ein gutes Dutzend Armee, die man eigentlich schon längst fertig bemalt haben wollte. Für mich war es – wie jedes Jahr – das große Hobby-Familientreffen, bei dem man endlich all die alten Weggefährten wiedertrifft und gleichzeitig neue Bekanntschaften macht, die ebenso viel Zeit damit verbringen, Figuren zu bemalen und epische Schlachten im Wohnzimmergrößen auszutragen.
Themenraum
Der Themenraum der diesjährigen TACTICA stand unter dem Motto „Nippon – das Land der aufgehenden Sonne“. Entsprechend dominierten Samurai und Ronin des feudale Japan das Bild. Natürlich blieb auch der Rest der Epochen nicht außen vor. Vom Zweiten Weltkrieg über Kampfroboter bis hin zu eher exotischen Themen wie Trench Crusade war alles vertreten.

Eine kleine, aber sehr feine Ausstellung widmete sich zudem den Samurai und einem der historischen Gegenspieler Japans – dem Königreich Joseon (heute besser als Korea bekannt). Mein alter Club-Kollege Karl Heinz Ranitzsch hatte dafür neben Figuren auch Bücher und Berichte zusammengetragen. Kurz gesagt: Wer dachte, Tabletop sei nur Würfeln und Miniaturen, bekam hier gleich noch eine Portion Geschichtsunterricht dazu. Vielen Dank dafür!


Gleich drei Präsentatoren gaben in diesem Jahr ihr TACTICA-Debüt im Themenraum – und alle drei legten einen Auftritt hin, bei dem man sich fragte, warum sie nicht schon längst dabei sind.
The Siege of Hasedō Castle
Mit „The Siege of Hasedō Castle“ betrat Stanislav Beran gemeinsam mit seiner Crew (Jan Nikrýn, Ondřej Sos und Eliška Korityáková) die Bühne. Dafür nahmen sie den langen Weg aus Tschechien auf sich und brachten eine fantastische Pike-&-Shot-Spielplatte mit. Das Szenario zeigte die Belagerung der Burg Hasedō im Jahr 1600, die zeitgleich zu den berühmten Feldzügen von Tokugawa Ieyasu und Ishida Mitsunari, die schließlich in der Schlacht von Sekigahara gipfelten. Auf der riesigen Spielplatte kämpften hervorragend bemalte Armeen zu Füßen einer imposanten Burganlage. Besonders beeindruckend war, dass die gesamte Präsentation in nur sechs Monaten entstand. Wer selbst Tabletop-Gelände baut, weiß, dass sechs Monate normalerweise gerade so reichen, um sich zu überlegen, wo man anfangen möchte. Das Sahnehäubchen: Alan und Michael Perry spielten das Szenario während der TACTICA selbst. Mehr Ritterschlag geht im historischen Tabletop kaum.






Samurai Guards of Traitor’s Toll
Philipp Kolhoff und Lukas Höppner schnappten sich das neue Regelwerk Guards of Traitor’s Toll von Graham Davey und verwandelten es kurzerhand in eine Samurai-Variante. Die Spielplatte stellte einen lebhaften Marktplatz in einer Stadt des feudalen Japans dar und das mit unzähligen kleinen Szenen, wie einer Sake-Brauerei, einen Sonnenschirmladen, einen klassischer Koi-Teich und natürlich jede Menge geschäftiges Treiben. Das Szenario spielte in der Hafenstadt Ajiro. Der örtliche Daimyō hatte beschlossen, auf alle Waren saftige Zölle zu erheben, eine Entscheidung, die bei Händlern ungefähr so beliebt ist wie eine Steuerprüfung. Entsprechend brodelte es auf dem Marktplatz. Händler schimpften, Kunden stritten, Taschendiebe nutzten die Gelegenheit, und der Sake-Konsum trug auch nicht unbedingt zur Deeskalation bei. Die Spieler übernahmen die Rolle der Samurai-Stadtwache, deren Aufgabe es war, Ordnung ins Chaos zu bringen. Oder zumindest so zu tun, als hätten sie die Situation im Griff.






Timor 1942
Der dritte TACTICA-Neuling war Eltjo Verweij vom Amsterdam6shooters Wargame Club, der sich mit dem ungewöhnlichen Thema „Timor 1942“ beschäftigte. Nachdem die Japaner 1942 innerhalb weniger Tage Westtimor und Osttimor erobert hatten, begannen überlebende alliierte Einheiten gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen erbitterten Guerillakrieg. Die Spielplatte zeigte ein dichtes Dschungelgelände, durchzogen von einem Fluss mit einer zentralen Brücke, dem strategischen Dreh- und Angelpunkt der Partie. Gespielt wurde mit der zweiten Edition der Chain-of-Command-Regeln. Atmosphäre? Jede Menge. Man konnte beim Zuschauen fast die Luftfeuchtigkeit spüren.






Sushi & Katana
Zusammen mit meinen langjährigen Hobby-Freunden Vasa, Gunnar und Björn hatte ich in diesem Jahr gleich drei Skirmish-Spielplatten vorbereitet. Gunnar präsentierte eine großartige Platte zum Thema „Die Sieben Samurai“ und betreute sie unermüdlich als Spielleiter, vermutlich mit mehr Geduld, als ein echter Samurai im Einsatz gehabt hätte. Ich selbst brachte einen Tempel und ein Burggelände mit, die von Björn und Vasa betreut wurden. Vasa – der bereits mehr als ein halbes Dutzend Samurai-Platten präsentiert hat – hatte außerdem seine beeindruckende Figurensammlung dabei. Mein Dank und ein dickes Kompliment an die drei, die mit Sicherheit zu den besten Tabletop-Allroundern Deutschlands zählen.













Weitere Highlights im Themenraum, neben den bereits genannten Präsentationen, waren Hingucker, wie eine gigantische Battletech-Spielplatte von Christian Wulle, eine Platte der TableTop Freibeuter zum Regelwerk Trench Crusade sowie „Samurais of the Air“, ein Check Your 6!-Spiel meiner alten Clubkameraden Rob Walker und Karl Heinz Ranitzsch






Optische Highlights
Ich weiß nicht, wie es euch ging, aber mein Eindruck war, dass die TACTICA 2026 eine besonders hohe Dichte an großartigen Spielplatten hatte. Anstatt einzelne Präsentationen herauszupicken, möchte ich deshalb lieber allen Präsentatoren ein riesiges Lob aussprechen. Ihr habt Zeit, Geld, Nerven und vermutlich auch den einen oder anderen Schlaf geopfert, um diese Veranstaltung zu etwas Besonderem zu machen. Kurz gesagt: Ohne euch gäbe es keine TACTICA und deshalb bleibt am Ende nur noch eines zu sagen: DANKE!!!
Die Schatten der Nautilus




Crew Expendable



Bunker Hill


Die Schlacht an der Dessauer Brücke 1626



Schlacht bei Jena 1806



Battle of Arbedo

Schwerpunkt – Bagration


…und viele weitere sensationelle Präsentationen:














