Piano Wargames – Plastikfiguren

Ich bin zwar etwas „late to the party“, aber auch ich möchte hier kurz die neuen Plastikfiguren von Piano Wargames vorstellen.

Nach einigen Jahren Planung und mehreren gescheiterten Versuchen hat es Lucas schließlich geschafft, sein eigenes Plastikfiguren-Set zu produzieren. Ab und an hat er mir von seinen Fortschritten und auch von seinen Misserfolgen berichtet. Wenn man also mehr oder weniger die ganze Geschichte kennt, kann man nur Bewunderung und ein großes Lob für diese Ausdauer und Hartnäckigkeit aussprechen. Chapeau, Lucas!

Dieses erste Set, das in Zusammenarbeit mit Wargames Atlantic entstanden ist, heißt „French Infantry in Greatcoats 1804–1814“. Es gibt zwar bereits ein Set französischer Plastikfiguren im Mantel von Warlord Games, diese sind allerdings vom Design her etwas „old school“ und nicht unbedingt „my cup of tea“, wie der Engländer sagt. Zudem enthält dieses Set nur einfache Soldaten, also keine Kommando-Gruppe. Franzosen im Mantel sind auch im älteren Perry-Gussrahmen der „French Infantry“ enthalten, allerdings nur in geringer Zahl und ebenfalls ohne Kommando-Gruppe im Mantel.

Das neue Set von Piano Wargames bietet darüber hinaus weitere Optionen, etwa verschiedene Köpfe mit Tschako oder Zweispitz. Zudem ist französische Linieninfanterie aus rein wirtschaftlichen Gründen sicherlich die erste Wahl für ein erstes Plastikfiguren-Projekt. Wie die meisten von euch wissen dürften, ist die Produktion der dafür benötigten Spritzgussformen mit einem erheblichen finanziellen Risiko verbunden.

Neben den bereits erwähnten Kopfoptionen gibt es noch einige weitere schöne Möglichkeiten, die dieses Set bietet. Viele Hobbykollegen sehen es allerdings als großen Nachteil, wenn Figuren im Gussrahmen aus mehr als zwei Teilen bestehen. Die meisten wollen offenbar innerhalb weniger Tage Armeen von mehreren hundert Figuren aufstellen und das mit möglichst wenig Aufwand. Wo andere Probleme sehen, sehe ich jedoch Möglichkeiten, die mich begeistern.

Die Figuren dieses Sets bestehen aus fünf bis sechs Einzelteilen. Dadurch lassen sich die Franzosen entweder mit geschulterter oder mit vorgehaltener Muskete darstellen. Zudem ermöglichen die beiden separaten Arme eine ganze Reihe unterschiedlicher Positionen, wodurch die Einheit am Ende dynamischer und realistischer wirkt. Auch die Köpfe lassen sich unterschiedlich ausrichten. Ein großartiges Gimmick sind die kleinen zusätzlichen Details, wie etwa ein Paar Schuhe, eine Pfanne oder Knoblauch, die man am Tornister befestigen kann.

Neben dem Gussrahmen für die Mannschaften gibt es den bereits erwähnten Kommando-Gussrahmen sowie einen weiteren mit Plänklern. Auch hier werden einige Optionen geboten. So lässt sich der Trommler durch zwei Paar separate Arme in verschiedenen Varianten darstellen. Die Fahnenstange kann mit zwei unterschiedlichen Endstücken, entweder mit Adler oder mit Speerspitze versehen werden, wodurch sowohl Regiments- als auch Bataillonsfahnen dargestellt werden können. Es gibt zusätzliche Arme für Unteroffiziere sowie gleich drei verschiedene Arme mit Degen für den Offizier.

Bei den Plänklern sind die Optionen allerdings etwas eingeschränkter. Aufgrund der dargestellten Ladevorgänge ergeben sich hier naturgemäß weniger Möglichkeiten. Ich hätte die Plänkler allerdings alle stehend gestaltet (es gibt eine kniende Figur), wodurch auch eine Feuerlinie möglich gewesen wäre, denn nicht in allen Spielsystemen werden separate Plänkler benötigt.

Die Größe der Figuren, ebenso wie die der Zinnfiguren von Piano Wargames, orientiert sich offenbar an dem neueren französischen Plastikset („French Napoleonic Infantry Battalion 1807–1814“) von Perry Miniatures. Diese sind im Vergleich zum ersten französischen Plastikset sowie zu den Zinnfiguren der Perrys etwas größer.

Neben den Gussrahmen enthält das Set auch ein Beiblatt mit Gestaltungsmöglichkeiten, Hintergrundinformationen und Uniformtafeln. Leider sind auf diesem Beiblatt keine Fahnen zum Ausschneiden enthalten, was ich persönlich für ein wichtiges Feature halte (nicht jeder hat einen Drucker zu Hause). Sinnvoll wäre zudem ein QR-Code mit einem Link zu einer Online-Anleitung für den Zusammenbau der Figuren. Gerade weil das Set viele Optionen und damit auch gewisse Verwechslungsgefahren bietet, wäre eine solche Anleitung sehr hilfreich. Eine Online-Anleitung ließe sich allerdings auch problemlos noch nachträglich einrichten.

Insgesamt kann ich aber nur noch einmal mein Lob für dieses großartige erste Set aussprechen – verbunden mit einer klaren Kaufempfehlung.

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