London Bridge

Nach einem Salute-Besuch vor einige Jahren, hat mich der Zufall in das Museum of London Docklands gespült. Das Museum (Eintritt frei!) liegt in der schönen, östlichen Hafencity am Rande des West India Quay. Gezeigt wird hier die Geschichte der Themse, das Wachstum des Londoner Hafens und die historische Verbindung der Docks zum atlantischen Sklavenhandel. Extrem spannend war für mich u.a. ein Modell der mittelalterlichen London Bridge im Maßstab 1:56 (also passend zu unseren 28mm Figuren). Als ich mich später ein wenig mit der Geschichte der Brücke auseinandergesetzt hatte, tanzten vor meinem geistigen Auge bereits wilde TableTop-Schlachten rund um das Bauwerk. Im Jahr 1450 tobte hier die Rebellion des berühmten Jack Cades und 1471 war die London Brigde Schauplatz schwerer Kämpfe während der Rosenkriege. Die steinerne Brücke war über Jahrhunderte ein eigener Londoner Stadtbezirk mit Geschäften, Wohnhäusern und sogar einer eigenen Kirche. Ähnliche Bauwerke kennt man auch aus Florenz und Paris sowie einige Fantasy-Adaptionen, wie die Brücke von Volantis aus „Game of Thrones“ oder die Brücke von Osgiliath aus „Der Herrn der Ringe“. Das Ganze schreit also nach einigen schönen TableTop-Szenarien.

Entstehung

Lange Zeit handelte es sich bei der London Brigde über den einzigen festen Weg über die Themse. Schon die Römer errichtete 46 n. Chr. eine Holzbrücke an dieser Stelle. Im Jahr 1014 wurde sie auf Anweisung von König Aethelred niedergebrannt, um die angreifenden Truppen des Dänen Sven Gabelbart zu schwächen. Dieses Ereignis soll auch in dem berühmten Lied „London Bridge is Falling Down“ besungen worden sein. Jahre später entschied man sich schließlich zum Bau einer steinernen Brücke, die 1176 begonnen und 1209 fertiggestellt wurde. Die neue Steinbrücke ruhte auf insgesamt 19 Spitzbögen und Pfeilern und war stattliche 6 Meter breit sowie 273 m lang.

Tore

Zur Sicherung des Übergangs gab es drei Tore, das stadtseitige Nordtor, auch New Stone Gate genannt, über dem zweiten Pfeiler, das Zugbrückentor (Drawbridge Gate) auf dem siebten Pfeiler, welches 1426 als Steindoppeltor mit vier integrierten runden Ecktürmen ausgebaut wurde sowie das Südtor (Great Stone Gateway oder Great Stone Gate), welches sich am Southwark-Ende der Brücke befand. Das Drawbridge Gate war ein rechteckiger, mit in die vier Ecken integrierten Rundtürmen versehener Doppeltorbau. Dieses Tor diente bis 1577 unter dem Spitznamen „Traitor’s Gate“ (noch vor dem im Tower so genannt) zur Ausstellung von auf Holzstangen gesteckten Köpfen verurteilter Verräter. Auf Geheiß von Elisabeth I. wurde dann aber das südliche Tor (Great Stone Gateway) mit unverbauter, freistehender Front zum „Traitor’s Gate“, damals eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Londons. Der erste ausgestellte Kopf war der des schottischen Nationalhelden William Wallace, 350 Jahre später gehörte der letzte Kopf auf dem Traitor’s Gate William Stayley, einem wegen Hochverrats verurteilten Goldschmieds. Andere berühmte Köpfe waren jene von Wat Tyler (1381), Jack Cade (1450), Thomas More und Bischof John Fisher (1535), Thomas Cromwell, 1. Earl of Essex (1540), sowie Guy Fawkes (1606) und seinen Mitverschworenen. Ein deutscher Reisender zählte 1595 über dreißig Köpfe auf der Brücke.

Häuser

König Johann hatte die Idee, auf der Brücke Häuser gegen Mietzins zu errichten. Bald darauf entstanden Geschäfte und Wohnbauten. Zeitgenössische Bilder zeigen die Brücke mit bis zu sieben Stockwerke hohen Häusern. Die Zahl der Einwohner war so hoch, dass die Brücke bis zum 18. Jahrhundert als eigener Stadtbezirk galt. Die Gebäude auf der Brücke bargen eine große Brandgefahr. Im Jahr 1212 oder 1213 brach am Nord- sowie am Südende gleichzeitig ein verheerender Brand aus, der die Menschen einschloss. Es soll damals mehr als 3.000 Tote gegeben haben. Ein anderes Feuer zerstörte 1633 das nördliche Drittel.

Neben den Toren und Häuser gab es eine Kapelle auf dem größer ausgelegten elften Pfeiler mit vom Fluss aus zugängiger Krypta.

Im Jahr 1390 wurde sogar ein Tjost auf der Brücke abgehalten.

Wasserräder

Durch die geringe Größe der Bögen und die Wellenbrecher an den Pfeilersockeln wurde der Fluss so stark gestaut, dass eine Pegeldifferenz von ungefähr zwei Metern zwischen beiden Seiten der Brücke entstand. Die dadurch entstandene starke Strömung wurde genutzt, um riesige Wasserräder unter den Brückenbogen anzutreiben, welche Wasserpumpen und später auch Getreidemühlen betrieben. Wegen der reißenden Strömung und engen Passage galt es als gefährlich und schwierig, ein Boot erfolgreich ohne Schrammen oder Kollision mit den Wellenbrechern unter der Brücke durchzusteuern, was „shooting the bridge“ genannt wurde.

Jack Cades Rebellion (1450)

Jack Cades genaue Herkunft ist unbekannt, man vermutet jedoch, dass er in Sussex aufwuchs. Im Frühjahr des Jahres 1450 protestierten die Bewohner von Kent gegen den ihrer Meinung nach unfähigem Herrscher, die hohen Steuern, Korruption und die katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen nach dem endgültigen Verlust von Frankreich. Cade verfasste eine Beschwerdeschrift der armen Untertanen sowie einiger Parlamentsmitgliedern und Lords. Die Beschwerde blieb unbeachtet und so versammelten sich Anfang Juni 1450 rund 20.000 Rebellen in Blackheath südöstlich von London. Die Rebellenarmee bestand überwiegend aus Bauern. Zu ihnen gesellten sich auch Ladenbesitzer, Handwerker, eine Anzahl Soldaten und auch Seeleute, die vom Krieg gegen Frankreich über Kent heimgekehrt waren. Als der König in Warwickshire Zuflucht suchte, zogen die Rebellen nach Southwark, wo sie ihr Lager aufschlugen. Am 3. Juli überquerten sie die London Bridge. Bei den folgenden Auseinandersetzungen wurden Lord High Treasurer James Fiennes, 1. Baron Saye and Sele und weitere Vertraute des Königs gefangen genommen und geköpft. Viele der Rebellen, darunter auch Cade, plünderten daraufhin die Stadt, obwohl sie vorher mehrmals versprochen hatten, dies nicht zu tun. Als die Rebellen vor Einbruch der Dunkelheit wieder über die Brücke nach Southwark zogen, trafen die Stadtbehörden Vorbereitungen, um sie am erneuten Eindringen zu hindern. Am darauffolgenden Tag, etwa zehn Uhr abends, wurden die Rebellen auf der Brücke von den städtischen Milizen aufgehalten. Die Schlacht auf der Brücke dauerte bis etwa acht Uhr morgens, und die Rebellen mussten sich unter hohen Verlusten zurückziehen. Nach der Schlacht führte Erzbischof John Kemp, der Lordkanzler, Verhandlungen mit dem Rebellenführer. Er brachte Cade dazu, seine Anhänger nach Hause zu schicken, indem er offizielle Begnadigungsschreiben ausstellte und versprach, die im Beschwerdebrief aufgestellten Forderungen zu erfüllen. Doch eine Woche später, die Rebellenarmee hatte sich in der Zwischenzeit aufgelöst, erfuhr Cade, dass die Regierung ihn als Verräter betrachtete und auf ihn ein Kopfgeld ausgesetzt hatte. Cade flüchtete, geriet jedoch wenig später in einen Hinterhalt und wurde getötet. Seine Leiche wurde nach London geschafft und dort gevierteilt, woraufhin man die einzelnen Teile in verschiedenen Städten zur Schau stellte. Sein Kopf wurde auf der London Bridge auf einem Pfahl aufgespießt.

Belagerung von London (1471)

Die Belagerung Londons war eine der vielen Auseinandersetzungen während der Rosenkriege, welche den Kampf der Häuser York und Lancaster um den englischen Thron beinhalteten und die von 1455 bis 1485 tobten. Zwischen dem 12. und 15. Mai 1471 versuchten Truppenteile des Hauses Lancaster unter dem Kommando von Thomas Neville London zu stürmen und dort den im Tower inhaftieren König Heinrich VI. zu befreien.

Als Thomas Neville am 12. Mai 1471 an der Spitze seiner Flotte in der Nähe des Tower of London eintraf, organisierte er einen Angriff auf die London Bridge und befahl seiner Armee, Southwark zu stürmen. Dieser erste Angriff war jedoch nicht erfolgreich und führte nur zur Zerstörung einer Brücke in Southwark und zur Beschädigung einiger Geschäfte in der Nähe der St. Katharine Docks.

Am 13. Mai änderte Neville seine Taktik und bewegte sich weiter nach Westen, von wo aus er die Kingston Bridge angreifen wollte, um Westminster einzunehmen. Trotzdem hatte der Gegner dieses Manöver vorausgesehen und seine Truppen auf der Themse patrouillieren lassen, um so die Brücke zu schützen. Als Neville über die Ankunft von Truppen des Hauses York in Coventry informiert wurde, zog er sich nach Southwark zurück, um nicht in eine Zangenbewegung zu geraten. Er stellte nun seine Kanonen auf, um den Tower von London zu bombardieren. Als Reaktion darauf folgte eine intensive Bombardierung von Nevilles Stellungen.

Der schwerste Angriff ereignete sich am 14. Mai. An diesem Tag befahl Neville einer Truppe von 3.000 Mann, durch die Docks von St. Katharine vorzurücken. Die Truppe marschierte durch die Straßen, plünderte Geschäfte und steckte das Bishopsgate in Brand. Es kamen jedoch Verstärkungen, angeführt vom Earl of Essex, um die Londoner Miliz zu unterstützen. Es handelte sich um geschätzt 4.500 Mann, die Neville und seinen Männern große Verluste zufügten und diese schließlich von den Ufern der Themse zurückdrängen konnten. Anderen Einheiten von Neville gelang es, den Wall zu erobern, den die Verteidiger gerade gebaut hatten, um Aldgate zu schützen. Dieser wurde erst nach einem Angriff der Londoner Miliz zurückerobert. Einige von Nevilles Soldaten wurden hinter den Fallgittern eingeschlossen und sofort von der Bevölkerung massakriert, während die übrigen zu ihren Schiffen zurückeilten.

In der Zwischenzeit hatte Neville Kanonen von seinen Schiffen holen lassen und stellte diese am rechten Ufer der Themse auf, um so seine Männer zu bedecken, die erneut die London Bridge attackierten und Gebäude dort in Brand steckten, um einen Weg neben dem Tor freizumachen. Ihr Angriff setzte sich bis zum Turm fort, der die Zugbrücke bewachte, wurde dort aber von der Artillerie der Garnison gestoppt.

Am 15. Mai kehrte Neville nach Southwark zurück, während sich einige seiner Truppen, verfolgt von Miliz, nach Mile End zurückzogen, von wo aus sie ihre Schiffe bestiegen, um nach Kent zurückzukehren. Andere Kontingente, hauptsächlich diejenigen, die am Angriff auf die London Bridge beteiligt waren, gruppierten sich in Blackheath erneut und warteten auf Anweisungen ihres Kommandanten.

Am 18. Mai nahm Neville mit 600 Mann die Straße in Richtung Sandwich, um sich dort seiner Flotte anzuschließen. Am nächsten Tag zogen sich auch die in Blackheath stationierten Truppen zurück. Nachdem Neville Verhandlungen mit Edward IV aufgenommen hatte, zog er weiter nach Southampton. Er ergab sich dort schließlich am 27. Mai dem Herzog von Gloucester.

Ein weiteres Diorama der Brücke
Zwischen Brücke und Tower lag der Hafen

10 Kommentare zu „London Bridge“

  1. Werde beim Kickstarter von Jens mitmachen und hoffe, daß die Brücke dabei rausspringt! Wäre mein Lifetimeproject in 1/72!
    Plant ihr da was in 28mm, Frank? …oder hilfst du mir bei 1/72?

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    1. Hi Michel, danke für dein Angebot, aber ich habe schon ein Team beisammen und der Projektplan ist schon besprochen. Aber noch muss ja der Kickstarter durch sein und alle Bauteile freigeschaltet werden. Mal schauen…

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