Fleestedt im Kreuzfeuer – Hamburg 1945

In diesem Bericht zu den Ereignissen rund um Hamburg im Jahr 1945 steht das Dorf Fleestedt im Zentrum. Der Ort lag Ende April und Anfang Mai 1945 im Niemandsland zwischen der deutschen Hauptkampflinie und den britischen Belagerungstruppen südlich von Hamburg. Ich habe mit Hilfe von Berichten der Zivilbevölkerung und den Kriegstagebüchern versucht die Ereignisse vom Eintreffen der Britischen Truppen bis zur Kapitulation von Hamburg zu rekonstruieren. Der Ort Fleestedt, in dem ich selbst wohne,  soll hier beispielhaft für alle andere Orte stehen, die im April 1945 die letzten Tage des Krieges mit Kampfhandlungen erleben mussten. 

Der Owands Vollhof des Bauern Sievers in Fleestedt, der durch die Kämpfe Ende April 1945 vollständig abbrannte.

Einleitung

Schon im Herbst 1944 hatte man den Bau einer Hauptkampflinie rund um Hamburg begonnen. Ein Stück des Panzergrabens zum Schutz der Stadt gegen die vorrückenden englischen Streitkräfte wurde auch bei Fleestedt im Höpenwald, nur rund 300 Meter nördlich von der Winsener Landstraße entfernt angelegt. Der Panzergraben sowie die Laufgräben, Waffenstellungen und Schützenlöcher hinter dem Graben sind bis heute im Wald zu finden. Am 20. April 1945 erreichten die ersten britischen Einheiten den Ort und bis zur Kapitulation von Hamburg am 3. Mai 1945 kam es immer wieder zu Kampfhandlungen. Bevor Hamburg am 3. Mai 1945 kapitulierte und zur offenen Stadt erklärt wurde, wurden in Fleestedt und in den umliegenden Dörfern noch viele Menschen verletzt, getötet und etliche Häuser zerstört. Ein Kapitel der Geschichte, welches aufgrund der relativ schnellen Kapitulation von Hamburg am 3. Mai 1945 häufig vergessen wird.

Das Dorf

Das kleine Dorf Fleestedt, südlich von Harburg gelegen, hatte im Jahr 1945 rund 1.225 Einwohner und teilte sich in die drei Gebiete „Altes Dorf“, „Winsener Landstraße“ und „Auf der Lohe“. Die zwei Bäcker, den Lebensmittelhändler, zwei Gaststätten, Schuster, Schneider und die Windmühle fand man entlang der Winsener Landstraße, der damalige Reichstraße 4. Diese Alte Poststraße führte in Richtung Lüneburg und gehörte zu den drei wichtigen Hauptstraßen, die in Harburg zusammenliefen, wo die Elbbrücken, die nach Verbindung Hamburg bildeten. Die meisten Bewohner waren jedoch Bauern und wohnten auf ihren Höfen im alten Dorf, welches durch die Bahnlinie Hamburg – Bremen von der Winsener Landstraße getrennt wurde. Im Kern des Haufendorfes standen die für Norddeutschland so typischen Hallenhäusern, Fachwerkkaten und Scheunen der Bauern. Westlich vom alten Dorf lag das dritte und kleinste Siedlungsgebiet „Auf der Lohe“, wo Kleinkötner und Tagelöhner lebten und, wo auch die Dorf-Schule stand. Südlich von Fleestedt lag der Ort Hittfeld, der Hauptort der Gemeinde, wo auch die Kirche und der Bahnhof zu finden waren. Schon damals galten Fleestedt und die umgebende Region als Verkehrsknotenpunkt. Hier verlief nicht nur die erwähnte die Bahnlinie und Landstraße, sondern auch die neue Reichsautobahn A1 Hamburg-Bremen. Im April 1945 bildete der Ort zudem den südlichsten Punkt vor der Hamburger Hauptkampflinie. Aus diesen Gründen rückte der Ort in den Fokus der britischen Einheiten der 7. Panzerdivision, welche die Aufgabe hatte, die Elbbrücken bei Harburg zu erobern.

Bauern und Tagelöhner bei einer Pause auf dem Feld.

Am 20. April 1945 erreichten die ersten britischen Einheiten, die A-Squadron des 5th Royal Tank Regiments sowie eine Kompanie Infanterie des 9th Durham Light Infantry Regiments den Ort Hittfeld. Hier, im Hauptort der Gemeinde, wurde das Hauptquartier im südlichen Abschnitt des Belagerungsringes rund um Harburg eingerichtet. In den Nachbardörfern Lindhorst, Emmelndorf, Eddelsen und Karoxbostel quartierte man unterschiedliche Einheiten, wie auch die 3rd Royal Horse Artillry ein. Vorgeschobene Posten bezog man in Jehrden und nördlich von Emmelndorf. Von hier aus wurden in den nächsten Tagen Vorstöße nach Fleestedt und Glüsingen unternommen und das Feuer der Artillerie, die u.a. in Lindhorst eine Batterie positioniert hatte, geleitet.

Karte von Fleestedt

Die nachfolgende Karte zeigt ausgewählte Gebäude in Fleestedt und die Position, der in den Kampfhandlungen zerstörten Gebäude. Die rote Linie zeigt den Verlauf des Panzergrabens und der deutschen Hauptkampflinie dar.

A – Winsener Straße

  • 1. Bäckerei Karl Schröder
  • 2. Gastwirtschaft „Zur Erholung“ / W. Bostelmann
  • 3. Bäckerei Scheunemann
  • 4. Windmühle auf dem Kattenberg- zerstört (von deutschen Truppen)
  • 5. Lebensmittel / Kaffee Restaurant – Otto Findeisen

B – Dorf

  • 6. Eisenbahntunnel
  • 7. Bartels Meyer- zerstört
  • 8. Wübben Meyer, das Häuslingshaus von Wübben Meyer- zerstört
  • 9. Menken Cohrs- zerstört
  • 10. Sievers- zerstört
  • 11. Witten Meyer, das Häuslingshaus von Nr. 2 (Wrist) zerstört
  • 12. Peters (Büscher) – zerstört
  • 13. die Scheune von Milchhändler Lühr- zerstört
  • 14. die Stallungen von Henners und Schriever (Gaitens) – zerstört

C – Lohe

  • 15. Rudolf Stefanides – zerstört
  • 16. Wilhelm Benecke (Kleinkötner) – zerstört
  • 17. A. Hengstbach – zerstört
  • 18. Hermann Thiel / Heinrich Kahnenbley – zerstört
  • 19. Ernst Meyer / Gasthof „Zu den 8 Linden“ – Scheune zerstört
  • 20. Schule Fleestedt – schwer beschädigt
  • 21. Schuhmacher Schröder – zerstört

Die Winsener Landstraße in Fleestedt vor dem Krieg.

Ereignisse

Nachfolgend werden die Ereignisse anhand von Berichten der Dorfbewohner (kursiver Text) und der offiziellen Kriegstagebücher der britischen Einheiten geschildert.

Hittfeld, Hermann Wiehe: Als im Frühjahr 1945 der Feind näher rückte und unsere Gemeinde bedrohte und wir im April nachts schon den Kanonendonner der feindlichen Geschütze hörten, erhielt ich am 18. April 1945 vom Kommandeur der Flakstellung folgenden Anruf: „Herr Wiehe, notieren Sie folgendes: wir setzen uns zur Stunde ab, Sie bleiben weiter im Luftwarndienst, somit den Kriegsbestimmungen unterstellt, es ändert sich in der Richtung nichts, den Panzeralarm erhalten Sie von einer anderen Dienststelle aus Richtung Buchholz. Diesen müssen Sie ebenfalls wie bisher weitergeben, damit sämtliche Panzersperren geschlossen werden. Leben Sie wohl, Herr Wiehe!“ In diesem Befehl sah ich als alter Soldat die Befestigung und Verteidigung der Ortschaften meines Warngebietes und somit infolge unserer Ohnmacht gegenüber den feindlichen Truppen die totale Vernichtung unserer Heimat. Deshalb fasste ich den festen Entschluss: Den Panzeralarm gebe ich nicht weiter, damit die Panzersperren offenbleiben, somit alle Ortschaften offen sind und nicht den Charakter irgendwelcher Befestigungen haben. Am gleichen Tage besuchte mich der Bürgermeister der Gemeinde Groß Klecken, Georg Stöver, in der gleichen Sache. Auf seine Frage zögerte ich mit meiner Antwort. Er gab mir mit Handschlag sein Ehrenwort, nicht darüber zu sprechen. Drauf enthüllte ich ihm meinen Vorsatz. Meine Auffassung bestätigte Stöver voll und ganz und fügte hinzu. „Bloß eines musst Du wissen, sollte es geschehen, dass unsere Truppen den Tommy wieder zurückwerfen, dann wirst Du vor das Kriegsgericht gestellt.“ Das war mir auch klar, doch glaubte ich nicht mehr an eine Wunderwaffe. Stöver verabschiedete sich mit den Worten: „Ich weiß Bescheid, hoffentlich sehen wir uns nach dem Krieg wieder gesund wieder.“

Hittfeld, die letzten Kriegstage: Für die Verteidigung der Ortschaften und der Panzersperren lagen zur Verfügung des Volkssturmes Panzerfäuste usw. im Kirchturm der Kirche Hittfeld. Kommandeur des Volkssturms war der damalige Ortsgruppenleiter der Partei Wilhelm Wiechel, Lindhorst, von höherer Warte bestellt. Als solcher hatte er Volkssturmmänner in Schützenuniform als Vorposten südlich von Hittfeld in der Gemarkung zwischen Helmstorf und Harmstorf Stellung beziehen lassen. Sprengmunition für die Autobahnbrücken an der Straße nach Klecken, Helmstorf, Lindhorst und Seevebrücken lag bereit. Die Brücke der Eisenbahn zwischen Eddelsen und Tötensen war ebenfalls zur Sprengung vorbereitet. Am 18.April 1945 kam zu mir per Motorrad ein Kurier mit Armbinde, SS-Mantel und -Mütze, rote Aktentasche vor dem Bauch. Bei Eintritt die derzeitige Begrüßung. Er sprach vielleicht österreichischen Dialekt, sehr undeutlich und fragte: „Herr Wie-che?“ und zog einen DIN-A4-Umschlag aus seiner Tasche. Ich glaubte, er kam von einer Flak-Dienststelle betr. Panzeralarm. Er übergab mir den Brief, ich bestätigte mit meinem Namenszug und verschwand eiligst. Dann öffnete ich den Brief und las: „Verbrannte Erde, Aburteilung Schnellgericht, Panzersperren schließen, Sprengung der Brücken der Auto- und Eisenbahn, Verteidigung usw.“ Ich habe den Briefumschlag zur Hand und las die Anschrift: Wiechel, Lindhorst. Der Kurier konnte wohl kaum oder gar nicht lesen und wusste vielleicht nicht, ob er in Lindhorst oder Hittfeld war. Ich habe den Brief geöffnet und gelesen und kannte den Befehl genau. Jetzt war mir klar. Die Ausführung dieses Befehls ist die totale Vernichtung unserer engeren Heimat und das Ende. Es lief eiskalt über den Rücken – c. 11 Uhr morgens – ein Blick zum Ofen, es brannte Feuer darin, noch ein Blick auf den Text, Ofentür auf und den Befehl hinein! Ich war allein, es hat lange gedauert, bis ich wieder zur Besinnung kam. Mittagessen brauchte ich nicht. Ich ging zu Fritz Diercks, nur einmal etwas andres zu hören. Wir saßen in der Küche auf der Bank. Da kam hinter dem Küchenfenster Wiechel, Lindhorst, im SS-Mantel mit umgeschnallter Pistole. Fritz Diercks sagte zu Wiechel: „Na, wie sieht es aus?“ Wiechel: „Ja, noch weiß ich nichts, ich warte auf Befehl“. Nur ich wusste genau, den Befehl wird er nie bekommen, denn ich hatte ihn in meinem Ofen verbrannt. Wiechel lief wieder in Richtung Lindhorst und auch ich ging wieder nach Hause. Die Züge fuhren nur noch bis Buchholz und zurück nach Hamburg. Viele Leute waren immer noch beim Eingraben. Fliegeralarm und Tiefflieger wechselten ab. „Wer will mit Gespann oder Fahrzeug nach Hollenstedt fahren? Dort liegt 90%iger Alkohol in Zinkfässern und kann unentgeltlich abgeholt werden.“ – Es war keiner bereit.

Der 19. April 1945 verlief wie tags zuvor, es bestand Daueralarm, der Geschützdonner war lauter und näher. Da der Volkssturm am 19.04. noch keinen Befehl erhalten hatte, löste sich derselbe auf.

Glüsingen, Günter Prien. Ich denke noch oft an den Monat April 1945, in dem die Engländer in unser Dorf eindrangen. Schon vorher war es hier sehr unruhig. Tiefflieger- und Artilleriebeschuss hatten wir schon jeden Tag, so dass wir die meisten Zeit im Keller sitzen mussten. Wir hatten uns in unserem Haus geeinigt, dass zwei Familien im Hauskeller, eine Familie im Scheunen- und eine im Schweinkeller schlafen sollten. Da wir beim Bauern (Maackens Meyer) wohnten, hatten wir keine Nahrungssorgen. Die Milch konnte nicht mehr in die Stadt zur Molkerei gebracht werden. Da hat unsere Bäuerin sie jeden Tag verteilt. Dann musste eine verwundete Kuh notgeschlachtet werden. Auch dieses Fleisch wurde aufgeteilt. Das Einzige, was und fehlte, war Brot. Der Bäcker wohnte nämlich im nächsten Dorf. Dahin konnten wir nicht mehr kommen.

Fleestedt, Wilhelm Preidt, Hittfelder Landstraße 3: Ich war als Schneider in der Kleiderkammer bei der Flak in Sinstorf tätig. Am späten Nachmittag des 19. April 1945 wurde ich vom Kompaniechef nach Hause entlassen, da sich die feindlichen Truppen bedenklich genähert hatten. Die schweren Fliegerabwehrgeschütze der Sinstorfer Stellung hatten ihre Rohre zum Erdkampf stark nach unten gerichtet und es sah so aus, als wollten sie mein Haus beschießen. Ich sagte zu den Kameraden: „Macht bloß keinen Quatsch und zerschießt mein Haus“, worauf sie nur lachten.

Die Gastwirtschaft „Zur Erholung“ von Wilhelm Bostelmann vor dem 1. Weltkrieg.

20.April 1945

5th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Um 03.30 Uhr brach die 1. Rilfe Brigade von Jesteburg mit Harburg als Ziel auf und zog über Harmstorf nach Norden. Um 6 Uhr hatte die führende Truppe Helmstorf erreicht und 30 Kriegsgefangene gemacht. Die A-Squadron und der Recce-Troop des 5th Royal Tank Regiments bewegten sich in enger Unterstützung zur Infanterie. Von Harmstorf aus fuhr der Recce-Troop nach Osten und Westen und machte 35 Kriegsgefangene und nahm später weitere 12 aus Ramelsloh auf. Nun übernahm die A-Squadron die Führung in Richtung Norden und überquerte die Autobahn gegen leichten Widerstand in Hittfeld. Ein Troop bog auf die Autobahn ab und wurde erst gestoppt, als die Brücke gesprengt wurde, kurz bevor der führende Panzer sie erreichte. Die C-Squadron mit einer Kompanie der 9th Durham Light Infantry bewegte sich von Harmsdorf nach Ramelsloh und von dort nach Norden in Richtung nach Maschen. In den Wäldern nördlich von Horst hielt jedoch ein von Infanterie unterstütztes Panzerabwehrgeschütz die Straße besetzt. Es wurde ein Angriff durchgeführt und es wurden 15 Kriegsgefangene gemacht, während das PAK-Geschütz zerstört wurde. Maschen wurde ohne Widerstand eingenommen und der Recon-Troop stieß weiter nach Stelle vor und eroberte auch diesen Ort. Beim Vormarsch von Hittfeld nach Norden stieß die A-Squadron bald auf die Hauptkampflinie der Deutschen, die Harburg umspannte, und ein weiteres Vordringen unmöglich machte. Der Nachmittag wurde damit verbracht, die erreichten Stellungen zu sicheren und sich der Hauptverteidigungslinie zu nähern.

Soldaten der 9th Durham Light Infantry im April 1945

Hittfeld, die letzten Kriegstage: In der Nacht zum 20. April 1945 kam ein telefonischer Anruf einer Dienststelle: „Panzeralarm, sofort weitergeben, Panzersperren schließen!“ Ich wiederholte – Ende! Das war das letzte Dienstgespräch. Ich habe den Panzeralarm nicht weitergegeben. Morgens um 7 Uhr hatten einige Häuser am Ortsausgang nach Klecken und Helmstorf Tieffliegerbeschuss. Feindliche Panzer und Fahrzeuge rückten von Helmstorf und vom Schafskovenberg heran. Um 11 Uhr fuhren die ersten Panzer durch Hittfeld sowie durch alle offenen Orte, und alle Menschenleben und Häuser blieben erhalten.

Der Schüler Heinrich Meyer aus Jehrden berichtet: Als ich am 20. April 1945 zur Schule gehen wollte, sagte mein Vater: „Bleib nur hier! Die Engländer sind schon in Hittfeld. Sie werden auch bald bei uns sein“. Am Nachmittag desselben Tages rückten sie hier ein. Zuerst kamen ein paar Panzerspähwagen. Diese hielten bei uns an und die Besatzung suchte mit dem Fernglas die ganze Gegend ab. Bei uns fragen sie nach Waffen und deutschen Soldaten. Dann stiegen sie wieder ein und stellten ihr Radio an.

5th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Am Abend rückten 2 feindliche Sturmgeschütze östlich des Waldes vor, feuerten und trafen 2 Panzer, bevor sie selbst angegriffen werden konnten. Sie zogen sich schnell zurück, als ein zweiter britischer Panzer-Troop das Feuer auf sie eröffnete. Die Verluste des Tages bestanden aus dem verwundeten Soldaten Parker.

Lindhorst, Melitta Kahnenbley (geb. Völsch): Am 19. April 1945 waren noch deutsche Soldaten in Lindhorst. Zwischen der alten Wassermühle und dem kleinen Teich war eine Panzersperre errichtet worden. Am 20. April 1945 waren früh morgens Panzer zu hören. Der französische Kriegsgefangene, der bei „Graf“ arbeitete, lief den Engländern mit einer weißen Fahne entgegen und berichtete ihnen, dass die deutschen Soldaten in der Nacht abgerückt wären. So fuhren die Panzer Richtung Hittfeld weiter. Es blieb alles ruhig und mein Großvater spannte die Pferde an, um Kartoffelland fertigzumachen. Nachmittags, ich war gerade bei meiner Freundin im Haus gegenüber, kamen plötzlich englische Soldaten auf unseren Hof. Ich lief schnell nach Hause. Bei uns wurden zwei Zimmer beschlagnahmt und auf dem Hof und in der Scheune wurden Fahrzeuge geparkt. Es war ein Kommen und Gehen. In der Küche standen große Töpfe mit Tee auf dem Herd und Mutter musste vorsichtig anfragen, wenn sie etwas kochen wollte. Im Flur, in den beiden Zimmern und später auch in der Küche und Waschküche wurden Feldbetten aufgestellt, so dass abends kein Durchkommen war. Großvater, Mutter, wir drei Kinder und das alte Ehepaar, das in Harburg ausgebombt war und bei uns wohnte, schliefen in der Stube und Kammer. Stanislava, unser zwangsverpflichtetes Mädchen aus Polen, hatte oben unter dem Dach ihre Kammer. Doch sie schlief auch bei uns, denn ein englischer Soldat hatte ihr gesagt, dass es sie abends besuchen würde. Wir hatten keine Möglichkeit, uns Brot vom Bäcker in Hittfeld zu holen, da wir nicht dahin gehen durften. Jedoch unser französischer Kriegsgefangener, der Jahre bei uns gearbeitet hatte, brachte uns Brot mit. Da wir keine Milch an die Meierei nach Harburg schicken konnten, wurden jetzt die Teile der Zentrifugen und Buttermühlen, die bei Kriegsanfang abgegeben werden mussten und bei Eddelbüttel im Saal lagerten, wieder ausgegeben und wir butterten und machten Quark und Kochkäse.

Lindhorst (Werner Maack): Ich war damals 13 Jahre alt. Am 20. April 1945 Morgens gegen 7 Uhr rückten britische Truppen aus Richtung Helmstorf kommend in Lindhorst ein. Im Ort war eine Panzersperre errichtet worden, die aber nicht geschlossen wurde. Die Briten konnten unseren Ort kampflos besetzen. Vorher war es A. Beecken in langen Gesprächen und bei guter Bewirtung gelungen, den Sprengmeister davon zu überzeugen, dass die Sprengung der Autobahn-Seevebrücke nutzlos ist.

Hittfeld (Mühle), Frau Ilse Kulling, geb. Voß: Die Nacht zum 20. April 1945 hatten wir in unserem Keller verbracht. Morgens gegen 7 Uhr rief uns Herr Wiehe an und bat, dass wir die weiße Fahne an der Mühle anbringen möchten. Jedoch schon nach geraumer Zeit erhielten wir einen weiteren Anruf, der das Hissen einer weißen Fahne verbot und bei Nichtbefolgung Strafe androhte. Schon bald nach 7 Uhr tauchte englische Infanterie, die ihre Gewehre im Anschlag hielten, bei uns auf. Sie schlichen um Scheune und Mühle. Wir suchten sofort wieder die Kellerräume auf. Als sie in unser Haus kamen, forderte sie uns auf, den Keller zu verlassen. Ein Soldat fragte meinen Vater nach der Uhrzeit, als er seine Taschenuhr zog, wurde sie ihm entrissen. Ein Offizier, der es beobachtet hatte, sorgte dafür, dass die Uhr zurückgegeben wurde. Jedoch nach einigen Stunden erschien der Soldat wieder und die Uhr wechselte nun für immer den Besitzer. In der Mühle und der Scheune schlitzen die Engländer alle gefüllten Säcke mit ihren Seitengewehren auf, sie vermuteten dort versteckte deutsche Soldaten. Schon kurz nach der englischen Infanterie kamen die Panzer. Diese fuhren quer über die Autobahn, die nicht gesprengten Brücken wurden nicht benutzt. Da sah man, dass eine Brückensprengung unsinnig gewesen wäre. Gegen Mittag wurde meine Mutter in unsere Küche geholt, sie musste für die Soldaten Eier braten. Als sie mit dem Braten beschäftigt war, führten die Briten Herrn Meyer aus Lindhorst als ihren Gefangenen herein. Herr Meyer musste die belgischen und französischen Kriegsgefangenen bewachen, nun war es selbst ein Gefangener.

Die Schülerin Margret Völsch, die dicht an der Winsener Landstraße (Fleestedt) am Außenwerk der Hamburger Verteidigungslinie, dem großen Panzergraben wohnt, berichtet folgendes. Am 20. April 1945, morgens um 8 Uhr, wurde ich von meiner Mutter geweckt. Sie sagte, dass die Engländer schon in Hittfeld seien. Ich sprang aus dem Bett, zog mich an und lief zum Bäcker hinüber, um einige Brote im Voraus zu holen. Die Straßen und Häuser waren voller Volkssturm. Bei uns lag fast die ganze Scheune voll. Als ich Brot geholt hatte, musste ich Geschirr und Kleider einpacken helfen. Die Betten stopften wir in Säcke, alles wurde in den Scheunenkeller getragen. Etwas kam auf die Scheunendiele. Um 11 Uhr vormittags sah ich über die Hittfelder Straße (Hittfelder Landstraße) die ersten 3 Panzer hinter Albrechts Haus hervorfahren. Wir gingen sofort alle in den Keller. Nach einer Weile stellte mein Bruder sich vor die Scheunentür, um zu sehen, was weiter geschah. Da kam ein Panzer schräg über das Feld auf unsere Straße zu. Dort hielt es an. Die Die Engländer stiegen aus und beobachteten die Gegend. Dann fuhren sie zurück und das Schießen begann. Wir gingen schnell in den Keller. Dort schliefen wir auch in der Nacht bis auf meinen Großvater, der im Haus bleiben wollte.

Karoxbostel Nr.1 / Emily Winter: Nach den Erzählungen meiner Mutter kamen am 20 April 1945 deutsche Soldaten bewaffnet mit Panzerfäusten durch unseren Garten. Das war besonders unangenehm, da wir zu diesem Zeitpunkt schon eine weiße Fahne aufgezogen hatten und an den Toren Anschläge mit dem Hinweis, dass sich auf dem Gelände portugiesisches Eigentum befände. Der portugiesische Konsul hatte diverse Sachen bei uns eingelagert, um sie vor Bombenangriffen in Hamburg zu schützen. Die Soldaten verschwanden in unserer Scheune und zogen sich Zivilkleidung an. Wo die Panzerfäuste und die Uniformen geblieben sind, ist nicht bekannt. Als dann am Mittag die ersten britischen Panzer auf der Chaussee Richtung Karoxbostel rollten, wollte meine Mutter die Befreier begrüßen und ging über die Felder zur Straße und von da aus nach Karoxbostel.

Fleestedt, Wilhelm Preidt, Hittfelder Landstraße 3: Am 20. April schlief ich erst einmal richtig aus. An diesem Vormittag sah ich, wie die Fleestedter Windmühle auf dem Kattenberg in Flammen stand. Es war ein faszinierendes Schauspiel, da sich die Flügel durch die Hitzewelle drehten. Ich kann nicht sagen, ob die Mühle von den deutschen Truppen oder durch feindlichen Beschuss zerstört wurde.

Die Fleestedter Mühle auf dem Kattenberg, die durch deutsche Truppen zerstört wurde.

Glüsingen, Günter Prien: Vom 20. April 1945 ab mussten wir Tag und Nacht im Keller sein. Wenn wir einmal hinausschauten, sahen wir es immer irgendwo brennen.

Glüsingen, Adolf Behr, Lohe Nr. 12. Vom Wehrdienst war ich freigestellt, da ich bei einer Ölfirma (Erdölbohrungen) beschäftigt war. Wir bohrten im Raume Bremen, als die Landfront näher rückte. Als es absehbar war, dass englische Truppen unser Bohrfeld einnehmen, setzten wir uns zu unseren Familien nach Hause ab. Am 20. April 1945 trafen dann die Engländer auch bei uns in Glüsingen ein. Unser Hof lag bald zwischen den Fronten. Es war komisch, ging ich über den Hof zu den Stallungen, eröffneten die Briten sofort das Feuer, wenn meine Frau jedoch das gleiche tat, fiel kein Schuss. Die Familien, deren Häuser im englischen Einflussbereich lagen, wurden nach Hittfeld evakuiert.

Am 20. April erreichte eine britische Panzervorhut Emmelndorf, die hier auf keinen Widerstand im Ort traf. Nur vereinzelt war es zwischen Hittfeld und Emmelndorf zu Schießereien gekommen. Am „Führers Geburtstag“ hingen statt der Hakenkreuz-Fahnen vor den Häusern weiße Bettlaken als Zeichen der Aufgabe. Zerstörungen blieben dem Dorf so erspart. Doch in Fleestedt wurden einige Tage später von den Emmelndorfer „Höhen“ (Lauenstein) aus allen Bauernhöfen in Brand geschossen, nachdem Panzer am Dorfeingang auf Widerstand gestoßen waren.

5th Field Regiment / J Battery, Royal Horse Artillery / Kriegstagebuch: Keine Aktivität während der Nacht – außer, sich um 6.30 Uhr nach dem Frühstück zu bewegen. Um 8 Uhr wird die Einheit verlegt. Von Jesteburg ging es nach Norden und weiter bis nach Harmstorf. Der Aufklärungstrupp geriet in Granatenbeschuss und zog sich zurück – die Geschütze unserer Einheit traten schließlich direkt vor dem Dorf Helmstorf in Aktion. Der Feind war aktiv, unsere vorderen Elemente trafen auf Artillerie-, Panzer- und Kleinwaffenfeuer. Die Batterie war den ganzen Tag damit beschäftigt, diesen Widerstand zu neutralisieren. Inzwischen, um die Mittagszeit, erreichte uns die Meldung, dass die Autobahnbrücke über die Elbe gesprengt worden sei – später stellte sich diese Meldung als falsch heraus. Die Brücke, die gesprengt worden war, führte nicht die über die Elbe. Nach der Operation kehrte die Batterie zurück und übernachtete dort. Keine andere Aktivität und eine ruhige Nacht. Der Munitionsverbrauch betrug 602 Granaten.

3rd Field Regiment Royal Horse Artillery / Kriegstagebuch: Der Vormarsch ging bei Sonnenaufgang weiter und die führenden Panzer befanden sich südlich der Autobahn. Der Rest des Regiments, namentlich das RHQ, die D- und M-Batterie, wurde in den Bereich Harmstorf verlegt. Gesprengte Brücken verzögerten den Vormarsch unsere vorderen Panzer erheblich. Die 5. Dragoner-Guards wurden dem Kommando der 22. Panzer-Brigade unterstellt. Um 14 Uhr verlegte sich das „Regimental Tactical HQ“ in das Gebiet 4928 (Abzweigung nach Bendesdorf), wo es nur kurze Zeit blieb, und zog um 18 Uhr weiter nach Bendestorf. Das „Regimental Tactical HQ“ kehrte zum Regiment in Harmstorf zurück. Die führenden Panzer haben am Ende des Tages das Gebiet 4936 (zwischen Metztendorf und Bahnlinie) erreicht. Der Munitionsverbrauch an diesem Tag lag bei 944 Granaten.

Der Laden und das Kaffee-Restaurant von Otto Findeisen in Fleestedt.

21. April 1945

5th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Bei erstem Tageslicht wurden die in der vorangegangenen Nacht erreichten Stellungen eingenommen. Das Regiment hatte den Befehl, nur den Kontakt aufrechtzuerhalten und nicht zu versuchen, in die feindlichen Linien einzudringen. Der Aufklärungs-Troop bezog Stellung bei Jehrden und patrouillierte bis nach Glüsingen. Ein „Spandau“- (MG) und ein Panzerfaust-Posten in der Gegend wurden angegriffen und 4 Kriegsgefangene gemacht. 2 Häftlinge, die letzte Nacht durch Harburg geflohen waren, haben angegeben, dass die Autobahnbrücke von unseren Flugzeugen getroffen wurde und nicht mehr in Betrieb sei, aber die Eisenbahnbrücke und die Straßenbrücke im selben Gebiet noch intakt, aber bereit zur Sprengung seien. Die C-Schwadron in Maschen hatten einige ihrer Troops am Rande des Dorfes in Position gebracht. Im Bereich der gesprengten Brücke kam es zu feindlichen Bewegungen. Um 18 Uhr eröffnete ein 88mm Geschütz das Feuer und traf einen der Panzer. Die feindliche Position wurde mit Granaten eingedeckt und das Geschütz hörte auf zu feuern. Wieder wurden 6 Gefangene gemacht.

Cromwell Panzer 1945 in Deutschland.

Hittfeld (Mühle), Frau Ilse Kulling, geb. Voß: Wir hatten großes Glück, dass sich der aus dem Sunder zurückgehende Volkssturm nicht bei uns festsetzte. Die Engländer waren ihnen so dicht auf den Fersen, dass zur Verteidigung keine Zeit blieb. Erst im Ort bei „Petz Hermann“ und Sahling wurde noch kurz geschossen. Unsere Nachbarhäuser wurden von den Engländern geräumt und besetzt. Die Bewohner wurden bei uns untergebracht. Alle Fahrräder mussten abgeliefert werden. In zwei Wochen der Belagerung von Hamburg kam jeden Morgen ein Panzerspähwagen zu uns heraufgefahren und die Besatzung beobachtete von der Mühle aus den Kampfhandlungen in Fleestedt und Glüsingen. Wir Kinder bekamen bald ab und an einmal Schokolade von ihnen. Eines Tages fuhr ein britischer Kraftwagen bei uns auf den Hof, die Soldaten gingen in den Schweinestall, erschossen dort ein Schwein, legten einen Sack auf die Motorhaube, das Schwein dort drauf und so fuhren sie wieder ins Dorf. Ein Engländer, er trug eine Lederjacke, war ein ganz ekelhafter Kerl. Er pöbelte herum, holte regelmäßig Eier aus dem Stall und hat einer Tante von mir die Handtasche entrissen und gestohlen. Aber es gab auch freundliche Soldaten.

Die Schülerin Elsa Bauermann, deren Eltern an der Winsener Landstraße (Fleestedt) wohnten, schrieb: „Es war im April 1945. Die Engländer waren nur noch 2 km von uns entfernt. Sie lagen an der Reichsautobahn. Jeden Tag hörten wir die schweren Panzer rasseln und die Granaten krachen, In unserem Haus hausten wir damals mit 6 Familien. Da es gefährlich war, in der Wohnung zu schlafen, hatten wir unsere Betten in den Hauskeller gebracht. Dort waren wir am sichersten. Die Feinde waren inzwischen bis auf 150 m herangerückt. Die Männer in unserm Haus hielten Tag und Nacht Wache. Wir durften an den Fenstern nicht an die Gardinen bewegen, denn unser Haus lag unter dauernder Beobachtung. Hundert Meter weiter, nach der entgegengesetzten Seite, lagen unsere deutschen Truppen. Wir befanden uns also im Niemandsland. Zu Essen hatten wir in der Beschusszeit in reichem Maße. Beim Kaufmann gab es alles ohne Marken. Wir durften uns allerdings nicht sehen lassen, sondern mussten unsern Weg hinter Hecken und Zäunen suchen.

Elsa Bauermann: Am 21. April 1945 rasselten die ersten Panzer heran. Wir hatten sie schon beobachtet und saßen alle im Keller. Der erste Panzer rollte unter dauerndem Schießen an uns vorbei. Der zweite blieb direkt an unserm Hause stehen. Bei jedem Schuss erbebte unser Haus in seinen Grundfesten. Oft dachten wir, es stürze ein, und wir sahen vielfach den Tod vor Augen. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Stimmen in englischer Sprache wurden hörbar. Wir mussten alle aus dem Keller heraus. Die Frauen und die Kinder ließen die Engländer in Ruhe; aber bei den Männern durchsuchten sie alle Taschen. Meinem Vater wurde die goldene Uhr mit einer goldenen Kette abgenommen. Der Engländer grinste höhnisch, zeigte sie ihm noch einmal und verschwand dann lachend durch die Hintertür. Als alle Feinde fort waren, liefen wir wieder in den Keller. Unsere Nachbarhäuser standen fast alle in hellen Flammen. Wir konnten nicht helfen, denn die Engländer feuerten dazwischen. So verfing der Tag. Gegen Abend rollten die Panzer wieder ab. Wir blickten mutlos in die Glut der niedergebrannten Häuser.

Lindhorst (Werner Maack): Am 21. April 1945 wurde in unserem Ort ein britisches Kettenfahrzeug in Brand geschossen, wahrscheinlich von Fleestedt aus. In unserm Hausgarten explodierte ein deutsches Geschoss, ohne jemanden zu verletzen.

5th Field Regiment / J Battery, Royal Horse Artillery / Kriegstagebuch: Wir erhielten die Information, dass der Feind einen Bergrücken südlich von Harburg halten soll – der Vormarsch wurde vorübergehend gestoppt, da die Pläne zur Bewältigung der Situation noch unklar waren. Im Laufe des Vormittags bekämpfte die Batterie mehrere gegnerische Batterien und M-Targets (bei der britischen Artillerie war „Mike“ oder „M-Target“ der Begriff für: „Beschuss von allen Geschützen eines Regiments auf ein Ziel“). Aufklärungstrupps wurde um 13.45 Uhr ausgeschickt und die Batterie folgte um 15.45 Uhr über Klecken und Eckel in Richtung Westen, schließlich nach Nordwesten bis Nenndorf.

Eine von vierundzwanzig 25-Pfünder Haubitzen des 3rd Field Regiment, Royal Horse Artillery.

3rd Field Regiment Royal Horse Artillery / Kriegstagebuch: Langweiliger Tag. Die 131. Infanterie-Brigade, mit den Regimentern 1/5th Queens, 2nd Devons und 9th DLI errichtete südlich von Harburg, wie folgt feste Stützpunkte: 1/5th Queens das Gebiet 4537 (nördlich von Leversen), 2nd Devons das Gebiet 4330 (nördlich von Steinbeck an der B75) und 9th DLI in Hittfeld, die Batterien unterstützen ihre üblichen Bataillone. Die 11th Husars patrouillieren die Straße, die von Ost nach West verläuft und nach Harburg führt, was links von uns liegt. Unser Regiment bewegt sich nach Klecken, die M-Batterie bleibt im alten Gebiet, nimmt aber die jetzt frei geworden Stellung der D-Batterie ein, während die D-Batterie nach Ibbensen und die J-Batterie nach Nenndorf verlegt. Das Brigade HQ bewegt sich nach Nordwesten und bleibt dort im Ort Klecken. Die Batterie „M“ feuerte im Laufe des Tages eine beträchtliche Anzahl von Schüssen ab. Eine Anzahl feindlicher Geschütze wurde im Gebiet 5538 (an der Hauptkampflinie in Hörsten) gemeldet. Eine Patrouille fuhr zum Damm 546372 (Deichstraße Hörsten), sah dort aber keinen Feind im Nordwesten oder auf der Straße zwischen den Häusern in Hörsten. Der Feind dort soll aber eine Stärke von einer Kompanie haben. Es wird ein „Mike Target“ auf 241650 gefeuert, da es von SS-Truppen besetzt sein soll. Der Munitionsverbrauch des Tages lag bei 1.212 Granaten.

Das Haus des Schuhmachers Schröder, das am Bahnübergang in Fleestedt stand und welches ebenfalls im April 1945 zerstört wurde.

22. April 1945

5th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Die Stellungen blieben die gleichen, außer, dass die A-Schwadron die C-Schwadron bei Maschen ablöste und ihre Troops nach Stelle und Winsen hinausschob – hier wurden auf der rechten Flanke befreundete Truppen (Einheiten der britischen 11. Panzer-Division) kontaktiert.

Der Aufklärungs-Troop patrouillierte in Zusammenarbeit mit einer Sektion des C-Kompanie der 9th Durham Light Infantry im Raum Glüsingen. Es wurde geschätzt, dass sich etwa eine Kompanie feindlicher Infanterie in diesem Gebiet befand. Es wurden Kriegsgefangene, bestehend aus Volksturm und 3 Offizieren, die angaben, in der juristischen Abteilung der Wehrmacht zu sein, eingesammelt. Auch 5 deutsche WAAFs (In Großbritannien wurden Frauen in der Women’s Auxiliary Air Force (WAAF) eingesetzt und deshalb bezeichnete man deutsche Frauen im militärischem Dienst ebenso) wurden in Maschen gefunden und dem Bürgermeister von Hittfeld übergeben. Es wurden feindliche, feuernde Geschütze gesichtet und man nahm an, dass es sich um 105-mm-Eisenbahngeschütze handelte. Um 19 Uhr zog die C-Schwadron nach Westen in das Dorf Eddelsen.

Lindhorst (Werner Maack): Am 22. April 1945 ging im Dorf eine aus 6 Geschützen bestehende 10,5 cm Batterie (vermutlich eine Batterie der 3rd Royal Horse Artillery) in Stellung. Sie schoss in Richtung Fleestedt, Die Bauern von Emmelndorf waren mit ihren Pferden zu uns evakuiert worden. Es wurde ihnen aber gestattet, morgens und abends zu ihren Höfen zu gehen und die Kühe zu füttern und zu melken. Ca. 4 bis 5 Tage fuhren morgens die britischen Panzer von uns nach Fleestedt, wo sie in die Kämpfe eingriffen, und wenn es dunkelte, zogen sie sich in unseren Ort zurück. Durch diese Fahrten wurden unsere Kopfsteinpflasterstraßen sehr stark beschädigt, aber wer fragt im Krieg schon danach. Bei meinem Freund, der in der Nähe des Hauses Nr. 5 wohnte, hatten die Briten ihre Küche eingerichtet. Wir Jungs schauten zu, wie sie ihren Tee die Eier mit Speck und Kartoffeln zubereiteten. Ab und an fiel für uns schon einmal eine Tafel Schokolade ab. So haben wir die Besetzung überstanden.

3rd Field Regiment Royal Horse Artillery / Kriegstagebuch: Ein nasser Tag. Heute wurde sehr viel auf ausgekundschaftete Ziele geschossen. Die „M“-Batterie RHA feuerte heute Nacht, nach 18 Uhr über 1.000 Schuss ab.

Der Gasthof „Zu den 8 Linden“ von Ernst Meyer. Hier wurden im April 1945 die Scheune und einige Nebengebäude zerstört.

23. April 1945

5th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Alle Stellungen des Vorabends wurden bei Tagesanbruch wieder eingenommen und die A-Schwadron sammelte 2 Kriegsgefangene ein. Sie gaben an, Teil einer 30 Mann starken Patrouille zu sein, die am Vorabend Harburg verlassen und sich auf der Suche nach Nahrung verirrt hatte. Ein Deserteur kam zum Aufklärungs-Troop. Er sagte aus, er gehöre einem Regiment mit Hauptquartier in Rönneburg, einem Bataillons-Hauptquartier in Meckelfeld und einem Kompanie-Hauptquartier in Glüsingen an. Es wurde eine Anzahl von bis zu 8 feindlichen Soldaten beobachtet, und es wurde vermutet, dass sich um eine Gefechtsstellung einer Sektion (Gruppe) handelt. Die feindlichen Geschütze waren die meiste Zeit des Tages aktiv und es wurden Ziel-Peilungen in ihre Richtung vorgenommen, die man an die 3rd Royal Horse Artillery weitergeleitete.

Glüsingen, Bäuerin Helmine Heitmann, Lohe Nr. 15: Es war Ende April 1945, englische Artillerie schoss von Maschen aus nach Meckelfeld über uns hinweg, als britische Infanterie zum Angriff vorging. Sie kamen von allen Seiten, bezogen hier aber keine festen Stellungen. Unser Opa ging den Engländern von Heitmann her mit einer weißen Fahne entgegen. Er wurde von den Briten festgenommen und abgeführt. Wir wurden von den Briten aufgefordert, innerhalb von 24 Stunden unseren Hof zu verlassen, ebenso die bei uns einquartierten Ostflüchtlinge. Unser Rindvieh hatten wir bereits auf der Weide. Nun wurde das Nötigste gepackt und dann ging es ab nach Hittfeld. Als wir den Hittfelder Berg hinaufkamen, standen dort britische Panzer. Die Soldaten gaben uns zu verstehen, dass wir schnell an ihnen vorbeifahren sollten. In Hittfeld erkundigte ich mich gleich bei Bäcker Martens, ob über den Verbleib unseres Opas etwas bekannt wäre. Doch keiner konnte eine Auskunft geben. Später erfuhren wir, dass die Engländer ihn nach Steinbeck gebracht hatten. Wir kamen bei Landwirt Becker unter, wo bereits Kordes waren. Als ich dort meine Sachen auspackte, musste ich feststellen, dass ich unsere Lebensmittelkarten zu Hause im Schrank vergessen hatte. Ein bei uns zwangsverpflichtetes Russenmädchen, welches mit nach Hittfeld gekommen war, erklärte sich bereit, die Karten von Glüsingen zu holen. Als sie zurückkehrte, teilte sie uns mit, dass unser Hof völlig abgebrannt und zerstört sei. Vom Schweinestall, der eine Betondecke besaß, brannte nur der Dachstuhl ab, den Schweinen unten in den Ställen war nichts passiert. Unser Pferd wurde angeschossen und musste notgeschlachtet werden. Das alles versetzte uns einen fürchterlichen Schock.

Die Bäckerei Scheunemann um 1912

24. April 1945

5th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Bei Tagesanbruch rückten die Aufklärungstruppen zu ihren Stellungen bei Jehrden aus, aber als sie sich näherten, wurde der führende Panzer von einer Panzerfaust beschossen. Es gelang ihm jedoch, den Schützen mit seinem Revolver zu erscheißen, und ein anderer „Boche“ (französische umgangssprachlich abwertende Bezeichnung für Deutscher), der ebenfalls bewaffnet war, wurde getötet. Der Zug zog sich 100 Meter zurück und rückte dann mit Infanterieunterstützung wieder vor, wobei sie 4 weitere Feinde gefangen nahmen. Sie waren Teil einer Patrouille, die ausgeschickt worden waren, um die Positionen und Anzahl der Panzer herauszufinden. Anschließend wurden 2 Männer der Patrouille getötet, 1 verwundet und 4 von 10 gefangen genommen.

(Der eine getötete könnte der Masch.-Maat Heinz Burwitz (geb.05.11.1922 – gest. 24.04.1945 / Fleestedt) gewesen sein und dies gibt einen Hinweis darauf, dass auch hier Einheiten des Marine-Panzerjagd-Regiments 1 im Einsatz waren. Dieser Getötete sowie der andere, vermutlich Anton Meier, liegen heute auf dem Friedhof in Hittfeld begraben. Dort gibt es eine Anlage mit 39 Gräbern, in denen deutsche Soldaten liegen, die bei den Kämpfen in der Region getötet wurden. Die meisten sind in den Kämpfen am 20./21. April 1945 um Daersdorf, Lürade und Hittfeld gefallen oder ihren Wunden erlegen.)

Heinrich Meyer aus Jehrden: Eines Morgens, als ich noch im Bett lag, brachten sie vor unserem Hause Geschütze und Maschinengewehre in Stellung. Die waren alle auf das Haus unseres Nachbarn gerichtet, weil die Engländer dort deutsche Soldaten vermuteten. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern ab. Zwei deutsche Soldaten kamen bei der Schießerei ums Leben. Sie wurden hinter unserem Garten und im Garten unseres Nachbarn begraben. Später kamen sie auf den Hittfelder Friedhof. Am selben Tag brachten die Engländer noch einen Mann im Spähwagen nach Hittfeld, er musste dort einige Zeit bleiben. Abends zogen die „Tommys“ immer wieder nach Hittfeld zurück. So ging es ein paar Tag lang.

5th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Die B- und A-Schwadron nahmen ihre üblichen Stellungen ein und führten in Anbetracht der Tatsache, dass die 3rd RHA nur einen beschränkten Munitionsvorrat hatte, eine Reihe von eigenen Beschuss-Salven durch. Die A-Schwadron konnte ein 88mm Geschütz ausschalten, während die B-Schwadron einige eingegrabene feindliche Infanterie entlang der Hauptkampflinie angriff. Der gezielte Beschuss veranlasste einen deutschen Soldaten, sich zu ergeben. Ihm wurde gesagt, er solle zurückgehen und den anderen mitteilen, dass sie sich ebenfalls ergeben sollten. Er wurde jedoch mit Gewehrfeuer begrüßt und meinte dann, dass er genug vom Krieg habe. Er nannte die genauen Standorte und teilte mit, dass in den Stellungen noch etwa 60 Infanteristen seien. Sie wurden im Laufe des Tages in bestimmten Zeitabständen beschossen, wobei ca. 500 Schuss HE 75 mm Granaten abgefeuert wurden. Zudem wurden auch 15 x 95 mm Geschosse auf Harburg abgegeben. Nun wurden alle Zivilisten als Sicherheitsvorkehrung aus den vorderen Bereichen evakuiert.

Margret Völsch (Fleestedt) Am 24.April 1945 flog eine Panzergranate quer durch unser Haus. Sie kam durch das Küchenfenster und schlug über die Köpfe meiner Großeltern hinweg durch die Küchentür, dann durchschlug sie die Wände der Diele und der Futterküche, nahm noch eine Ecke vom Hühnerstall mit. Meine Mutter, die mit meinem kleinen Bruder gerade im Hühnerstall war, hat einen schönen Schreck bekommen, ist aber mit heiler Haut davongekommen. Unser Gefangener, der gerade die Kühe tränken wollte, wurde durch Schutt und Mörtel geblendet. Zwei Soldaten brachten ihn ins Lazarett, das im Mädchenheim im Höpen (Erholungsheim Lydia?) eingerichtet war.

Heinrich Meyer aus Jehrden: Dann wurden wir alle und unsere Nachbarn nach Hittfeld geschickt. Wir durften nur mitnehmen, was wir tragen konnten. Am nächsten Tag durften wir einige Stunden heimgehen, um das Vieh zu füttern und zu melken. Später wurde uns erlaubt, einen Wagen voll Zeug mitzunehmen. Danach mussten wir auch das Vieh nachholen und konnten jetzt gar nicht mehr nach Haus. 10 Tage waren wir fort. Als wir zurückkamen, sah es wüst aus. Das Jungvieh lief überall frei umher. Jeder Bauer suchte seine Tiere wieder zusammen. Im Haus lag der Inhalt aller Schränke und Schubladen auf dem Boden verstreut. Vieles war gar nicht mehr da. Die Fenster waren fast alle entzwei. Quer über die Straße lagen Minen. Von diesen sind einige explodiert. In der Gastwirtschaft Derboven war eine Kommandantur. Dort wurden alle Deutschen angehalten. Später haben 12 Engländer auf unserem Boden geschlafen und im Wagenschuppen gekocht und gegessen. Nach wenigen Tagen zogen auch diese wieder ab.

Edward Jeffrey Irving Ardizzone, der mit seiner Einheit, den 8th Hussars, durch Norddeutschland bis Hamburg fuhr, fertigte eine Reihe von Zeichnungen, die gut wiedergeben, wie der Alltag und die Kämpfe damals ausgesehen haben.

25. April 1945

5th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Beim letzten Tageslicht am vorhergehenden Abend hatte man den Eindruck, der Feind habe seine Linie weiter zurückgezogen. Um 8 Uhr wurden die vorläufigen Patrouillen abgezogen und es wurde versucht Kontakt mit dem Feind aufzunehmen. Zwei Soldaten vom Aufklärungs-Troop wurden in Glüsingen gefangen genommen und die B-Schwadron griff eingegrabene Infanterie an. Ein holländischer Zivilist gab der C-Schwadron die Information, dass es in der Nähe eine feindliche Stellung gab, und so wurde eine abgesessene Patrouille von 1 Offizier und 6 Mann zur Untersuchung ausgesandt. Sie stießen auf Widerstand, wobei 2 Mann verwundet wurden und die Patrouille zog sich zurück. Ein Panzer-Troop wurde daraufhin losgeschickt und stieß auf eine feindliche Patrouille von 12 Soldaten, von denen 2 getötet und 2 verwundet wurden, während der Rest entkam. Der Troop fuhr weiter, um das Gebiet gründlich zu durchsuchen. Es handelte sich um einen alten Flak-Standort, und es stellte sich heraus, dass die Telefonverbindung von hier nach Harburg aufrechterhalten worden war. Ein deutscher Offizier in Zivil wurde verhaftet und mit ihm 3 deutsche „WRENS“ (Women’s Royal Naval Service?). Bei letztem Tageslicht zogen sich alle Troops auf ihre eigenen Positionen zurück.

Margret Völsch (Fleestedt): Am 25.April 1945 brannten Nötzel, Gellers, Aldag und einige Häuser im Dorf Fleestedt ab.

Im Gasthaus Derboven in Karoxbostel richteten die Briten eine Kommandantur ein.

26. April 1945

5th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Bei Tagesanbruch rückte die C-Schwadron in die Gegend von Sottorf aus, um das 2. Devonshire Regiment zu unterstützen, welches in der Nacht einen Gegenangriff erlitten hatte. Die Situation konnte man jedoch bald mit Hilfe der Panzer in den Griff bekommen, und um 13 Uhr hatten die Züge der Schwadron das Gebiet gesichert. Um 9 Uhr löste das 1st Royal Tank Regiment das 5th Regiment in Hittfeld ab, welches dann nach einiger Verspätung in den Raum Dibbersen verlegt wurde. Nur die C-Schwadron blieb zunächst zurück. An diesem Tag wurden 6 Gefangene gemacht und zwei eigene Männer, die Soldaten Saunders, und Palsey wurden verwundet.

Die Karte zeigt Orte, Ereignisse und die Routen der britischen Panzer nach Fleestedt.

25. April 1945

Am 25. April 1945 erreichte das britische 1st Royal Tank Regiment Hittfeld und löste dort das 5th Royal Tank Regiment ab, welches in eine Reservestellung bei Dibbersen verlegt wurde.

1th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Gegen 19.30 Uhr stößt der Reccon- Zug in Richtung Jehrden vor, um dort die Aufklärungseinheit des 5. Royal Tank Regiments abzulösen.

Das Hof Nr. 15 in der Straße „Auf der Lohe“ wurde 1945 von der Familie Hengstenbach bewohnt. Auch dieses Gebäude wurde bei den Kämpfen Ende April zerstört.

26. April 1945

1th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Das Regiment wird der 131. Infantry Brigade unterstellt. Es fährt in die Gegend rund um Hittfeld, um dort den Front-Sektor vom 5th Royal Tank Regiment zu übernehmen, welcher die Stadt Harburg umgibt. Hier soll die Front gehalten werden und offensiv, in Abstimmung mit dem 9th Bataillon Durham Light Infantry, patrouilliert werden, jedoch ohne Vorstöße zu unternehmen. Um 11.30 Uhr wird in Hittfeld das Regiments HQ eingerichtet und auch die B-Squadron wird hier einquartiert. Die A- und C-Squadron gehen in den umliegenden Dörfern in Position. Um 12 Uhr haben alle Einheiten des Regiments ihre Stellungen eingenommen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Stellungen des Gegners noch nicht bekannt. Um 19 Uhr gibt es einen Schusswechsel in der Gegend, bei dem 20 Deutsche getötet und 2 Soldaten gefangengenommen werden. Ab 20 Uhr bis Sonnenuntergang sind in der Gegend feindliche Jagdflieger im Einsatz, die jedoch keinen Schaden anrichten.

Glüsingen, Adolf Behr, Lohe Nr. 12: Am 26. April, wir wurden schon seit einer Woche belagert, wollte mein Schwiegervater aus Meckelfeld uns mit Brot versorgen. Als die Engländer sahen, dass er mit Verpflegung in unser Haus verschwand, eröffneten sie, von Derboven (Gaststätte) aus das Feuer mit Schnellfeuerkanonen. Die Leuchtspurgeschosse setzten unser Anwesen in Brand. Schnell beluden wir unseren Pferdewagen und versuchten, zu Verwandten nach Eckel zu gelangen. Jedoch schon nach kurzer Wegstrecke mussten wir vor einer Panzersperre halten. Ich ging zum deutschen Kompaniechef, der die Erlaubnis erteilte, dass wir seine Stellung durchfahren durften. Das alles geschah bei dauerndem feindlichem Beschuss. Die Kugeln pfiffen uns um die Ohren. Beim späteren Entladen unserer Koffer stellten wir fest, dass einige von Gewehrkugeln durchlöchert waren. Als dann die Kampfhandlungen beendet waren, packten wir unseren Pferdewagen und wollten nach Hause. Doch bei Ankunft in Glüsingen wurde uns gesagt, es sein alles vermint. Da das Risiko mit dem Fuhrwerk zu groß war, besorgte ich mir eine Schiebkarre und fuhr unsere Sachen vorsichtig nach Hause. Doch hier sah es fürchterlich aus. Wir fanden nur noch Ruinen vor. Im Stall waren die Schweine verbrannt und gingen schon in Verwesung über. Ich musste sie sofort vergraben. Wir standen vor dem Nichts!

27. April 1945

1th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Schon um 4.45 Uhr wird das Regiment geweckt, verbleibt aber zunächst in seinen Stellungen, nur die vorgeschobenen Beobachter rücken in ihre Positionen ein. Um 9 Uhr macht die C-Squadron einen Vorstoß nach Norden und erreicht dort die Gegend um Fleestedt. Hier werden 5 Kriegsgefangene, alles Männer vom Volkssturm, gemacht. Ein Optimist von 60 Jahren trug „Prophylaxe“ (Kondome?) in der Brieftasche. Inzwischen kann die A-Squadron 3 weitere Gefangene machen. Ein Panzer der C-Squadron wird von einer Panzerfaust beschossen und schwer beschädigt, es gibt aber keine Verletzten. Dies sollte der letzte Panzer sein, der während des Nordwesteuropa-Feldzugs im Regiment außer Gefecht gesetzt wurde. Wahrscheinlich war es sogar der letzte in der 7. Panzerdivision.

Das Haus Nr. 39 in der Straße „Auf der Lohe“, in dem Mimmi Buck gewohnt hatte.

Fleestedt, Mimmi Buck, geb. Kahnenbley, Auf der Lohe: In unserem Haus wohnten im Frühjahr 1945 folgende Personen: Heinrich Kahnenbley und Frau, Tochter Mimmi und die Pflegekinder Hildegard und Helga Lemmich. Neben unserem Haus war ein Erdbunker, in welchem sich unsere Familie beim Einzug der Engländer aufhielt. Hinter unserem Haus hatten deutsche Soldaten Waffen und Munition abgelegt. Die Bundesstraße 4 war gesperrt, da Herr Bauermann einige Chausseebäume hatte absägen lassen. Jonny Meyer, ein junger Mann aus der Nachbarschaft, ist mit einer Panzerfaust auf den Boden gestiegen und hat einen englischen Panzer beschossen. Da die Engländer nun glaubten, dass in den Häusern noch deutsche Soldaten seien, haben sie diese beschossen und in Brand gesetzt. Jonny Meyer kam zu uns in den Erdbunker und bat uns, ihn zu verstecken. Unsere Familie hat sich über ihn gelegt, so dass die anrückenden englischen Soldaten ihn nicht entdeckten. Auf unserem Hof wurde alles zerstört und das Vieh getötet. Die Munition, die hinter dem Haus lag, hat später mein Vater vergraben. Bei den Kampfhandlungen wurde unsere Hildegard am Kopf verletzt.

So ähnlich, wie dieser Erdbunker aus dem Landkreis Harburg, könnte der Unterstand von Mimmi Buck ausgesehen haben.

1th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Ein Troop der B-Squadron sowie ein 95 mm Panzer begannen gegen 14 Uhr im Verbund mit einem Zug des 9. Durham Light Infantry vorzurücken und die Gegend von Glüsingen unter Beschuss zu nehmen. Dabei werden 1 feindlicher Soldat getötet und 9 Soldaten gefangengenommen. Auch der Recon-Troop kann 5 Gefangene machen.

Glüsingen, Günter Prien: In unserem Dorfe sind vier Höfe abgebrannt (Auf der Lohe). Wir hatten immer Angst, dass auch unser Haus getroffen würde. Am 27. April war für uns der schlimmste Tag. Mittags gegen 14 Uhr ratterten die englischen Panzerwagen auf unser Haus zu. Die deutschen Soldaten, die hinter unserem Haus Deckung genommen hatten, eröffneten gleich das Feuer. Es war ein wüstes Geknatter um unser Haus. Plötzlich hörten wir Granateinschläge. Wir hatten furchtbare Angst. Gleich danach schrie ein deutscher Soldat kläglich um Hilfe. Er wurde später schwer verwundet im Garten gefunden. Dann hörten wir fremde Stimmen, die Engländer waren da. Nach einer Weile sahen wir aus unserem Kellerfenster, wie 6 Tommies, alle mit Maschinenpistolen unter dem Arm, unseren Bauern und einen deutschen Soldaten abführten. Da waren wir alle sehr traurig. Nun wurde es sehr ruhig. Wir konnten aus dem Keller herausklettern und nachsehen, was eigentlich geschehen war. Das Haus war sehr stark beschädigt. Wir dachten, die Engländer hätten das ganze Dorf besetzt. Es war aber kein Tommy zu sehen, sie waren alle wieder abgezogen. Unser Bauer kam nach einigen Stunden wieder zurück. Seine goldene Uhr hatte man ihm abgenommen.

Glüsingen, Else Gellers, Lohe Nr. 7. Mein Mann war wiederholt vom Baumeister O. Gellers aus Fleestedt vom Wehrdienst freigestellt worden. Auch E. Brehm, der beim Wehrmeldeamt in Harburg war, hat einiges bewirkt. Doch am 27. April 1945, wir waren schon Frontgebiet, musste mein Mann sich in Wesermünde stellen, Da die Feldjäger (Militärpolizei) rigoros Jagd auf desertierte Soldaten und Männer machten, die ihrer Einberufung nicht Folge leisteten, fuhr er morgens mit dem Fahrrad los. Er war knapp eine Stunde fort, als britische Artillerie von Hittfeld aus unser Nachbarhaus (A. Behr) in Brand schoss. Wir hatten im Haus alle Fenster weit geöffnet, damit die Scheiben nicht zerschossen wurden, Als dann die Kampfhandlungen begannen, flogen die Geschosse und Splitter nur so durch die Gegend und es wurde vieles mehr zerstört. Bei Heitmann lag der deutsche Volkssturm in Stellung. Die britische Infanterie kam in kleinen Gruppen ohne Panzerunterstützung. Die Briten evakuierten alle Einwohner nach Hittfeld, uns hatte man wohl vergessen. Die britische Infanterie zog sich jeden Abend in ihre Ausgangstellung zurück. Morgens gegen 8 Uhr rückte sie dann zu neunen Kampfhandlungen wieder zu uns vor. Unser Hof lag bald zwischen den Fronten mitten im Kampfgebiet. Als der Beschuss zu arg wurde, nahm ich meine drei Kinder (sieben, zwei und ein Jahr) und schlich in einem tiefen Graben aus der Kampfzone. Die anderen hatten sich schon frühzeitig zum Hause Backhaus abgesetzt. Aber auch bei Backhaus lag deutscher Volkssturm. Ich war wohl 40 Meter von unserem Haus entfernt, als eine Granate in unsere Scheune einschlug. Die Splitter folgen uns um die Ohren. Bei dem Beschuss war Großmutter durch einen Granatsplitter ein Arm völlig abgetrennt worden. Ein deutscher Feldarzt wurde alarmiert, doch konnte dieser nicht zu unserem Haus gelangen, da die Schießerei an Stärke zunahm. Großmutter ist dann, trotz ihrer schweren Verletzung hinten durch das Broock gekrochen und wurde dabei ein weiteres Mal am Kopf verletzt. Wir hörten von ihr keinen einzigen Schrei, sie hat fürchterlich leiden müssen. Wir haben sie so gut es ging mit Bettlaken verbunden. Komischerweise waren die Blutungen nicht sehr stark. Nach fünf Tagen verstarb sie.

Cromwell Panzer mit 95mm Haubitzen, wie sie in Glüsingen eingesetzt wurden.

28. April 1945

1th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Zunächst verbleiben die Einheiten des Regiments an Ort und Stelle. Um 9 Uhr morgens rücken aber zwei Troops der A-Squadron auf Beobachtungspositionen nordöstlich von Maschen vor und greifen gelegentlich Ziele an. Die B-Squadron operiert im Raum Woxdorf und schießt von dort auf Beckedorf und andere Ziele. Die C-Squadron sondiert in der Gegend von Fleestedt. Gegen 17 Uhr kehren die Einheiten zurück und haben 8 Gefangene gemacht und schätzungsweise 15 deutsche Soldaten getötet.

Elsa Bauermann, deren Eltern an der Winsener Landstraße (Fleestedt) Viele Fleestedter mussten in der nächsten Zeit ihre Häuser verlassen. Wir blieben davon verschont. Am 28. April 1945 machten die Engländer wieder einen Angriff auf Fleestedt. An unserer Hausecke knatterte ununterbrochen ein Maschinengewehr. An den Wänden des Kellers sahen wir die Schatten der Späher, die an den Kellerfenstern vorbeischlichen. Die Panzer beschossen diesmal das alte Dorf Fleestedt. Plötzlich klirrte es im Nebenkeller. Die Feinde hatten ins Fenster geschossen. Anschließend durchsuchten sie das ganze Haus nach deutschen Soldaten. Da sie nichts fanden, ließen sie uns in Ruhe. An diesem Tag hatten wieder viele Fleestedter ihre Wohnung verloren.

Lehrer E. Neumüller hat am 1.8.1947 in der Schulchronik folgendes niedergeschrieben: „Die letzten Wochen des 2. Weltkrieges, Belagerung der Stadt Hamburg und die Auswirkungen auf die Orte Fleestedt, Glüsingen und Jehrden. Ein großer Teil der Fleestedter Bauernhäuser wurde schwer beschädigt. Das neue Schulgebäude litt besonders durch den Panzerbeschuss am 28. und 29. April 1945, der Ostgiebel der Schule in Trümmer legte, das Dach zerstörte und einen Dachstuhlbrand entfachte, der aber durch den Rangiermeister W. Haensch sowie die Frau und die Kinder des Lehrers Neumüller unter Lebensgefahr gelöscht werden konnte. Im letzten halben Jahr des Krieges wurde die Schule als Notunterkunft für holländische und deutsche Ostflüchtlinge sowie als Notwohnung zweckentfremdet.

Glüsingen, Else Gellers, Lohe Nr. 7: Eines Tages – ich war mit Elfriede im Keller wurde plötzlich die Tür aufgerissen und ein englischer Soldat stand mit auf uns gerichteter Maschinenpistole vor und. Wir hatten fürchterliche Angst, aber wie man aus seinem Gesicht entnehmen konnte, er ebenso. Er verschwand dann ebenso schnell wie er gekommen war. Die britischen Panzer kamen erst Tage später, sie konnten nicht über die Seeve kommen, da die Brücke gesprengt war. Ein britischer Soldat, der unser „Plumpsklo“ benutzte, kam fluchend aus dem Klo gerannt, denn als er drauf saß, flog hinter seinem Rücken eine Kugel durch beide Holzwände, ohne ihn zu verletzen. Glück gehabt! Als Behrs Hof abbrannte, sah es seltsam aus. Da es windstill war, fraßen sich die Flammen in Zeitlupe durch das Haus. Behrs selbst waren zu diesem Zeitpunkt in Meckelfeld. Als die Kampfhandlungen ihren Höhepunkt erreicht hatten, ist Hans Meyer, der hiesige Ortsgruppenleiter, nach Glüsingen gelaufen und hat dort die deutsche Flak gebeten, mit dem Schießen aufzuhören, da doch schon alles zerstört war. Nachmittags in den Kampfpausen wurde versucht, die Kühe auf den Weiden zu melken. Hierbei wurde Tante Grete verletzt. Ein englischer Soldat hat sie mit einem Tuch verbunden.

29. April 1945

1th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Übliche offensive Patrouillentätigkeit während des Tages. Es wird psychologische Kriegsführung angeordnet (Lautsprecherdurchsagen), die von der Aufklärungstruppe südlich von Glüsingen durchgeführt wird. An diesem Tag werden 3 Gefangene, davon eine Frau, gemacht.

Glüsingen, Else Gellers, Lohe Nr. 7: Die Engländer hatten ihren Befehlsstand in der Gaststätte Derboven an der Bundesstraße 4 eingerichtet. Eines Nachts wurde dauernd geschossen. Am anderen Morgen kamen die Engländer mit dem Lautsprecherwagen, der folgende Durchsage des Öfteren wiederholte: „Ergebt euch, sonst sind die Russen vor uns bei Euch!“ Zögerlich wurden weiße Fahnen gehisst, ich konnte es bei Vicks beobachten. In der Mittagszeit dieses Tages – wir waren gerade beim Essen – gab es eine fürchterliche Explosion. Fenster und Türen wurden herausgerissen und das Haus erzitterte. Was war passiert? Eine Kuh, die auf der Straße entlanglief, war auf eine Panzermine getreten und hatte diese zur Explosion gebracht. Wir waren mit dem Schrecken davongekommen. Tage vorher war bereits bei „Plügger Schütt“ ein Flüchtlingsjunge auf eine Mine getreten, die Explosion hat ihm ein Bein abgerissen. Da die Engländer Großvater mitnahmen, war ich mit den Kindern und Großmutter allein im Haus. Ich entschloss mich nun den Hof auch zu verlassen. Ich spannte das Pferd ein, belud den Wagen und wir fuhren los in Richtung Hittfeld. Bei Derboven hielten uns die Engländer an und fragten, woher wir kämen. Dann konnten wir weiterfahren. Bei Schmanns in Hittfeld habe ich nach unserem Großvater gefragt, doch zunächst konnte ich nichts in erfahren. Später sagte man uns, dass er in Steinbeck sei.

3rd Field Regiment Royal Horse Artillery / Kriegstagebuch: Mussolini ist tot, getötet von seinen eigenen Landsleuten in Mailand. Nichts neues an unserer eigenen Front. Munitionsverbrauch 405 Schuss.

30. April 1945

1th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Die A-Squadron behauptete, ein 88-mm-Geschütz beschädigt zu haben, welches dann vom Feind zurückgezogen wurde. Es werden 7 Gefangene, darunter auch ein Offizier gemacht. Gegen Abend werden erneut Lautsprecher-Durchsagen gemacht.

Glüsingen, Günter Prien: Am 30. April 1945 mussten wir unser Dorf räumen. Wir erhielten Bescheid, dass wir nach Over flüchten sollten. Um 22 Uhr abends zogen alle Glüsinger im Treck nach Over. Dort erlebten wir das Ende des Krieges. Am 4. Mai kehrten wir nach Glüsingen zurück.

3rd Field Regiment Royal Horse Artillery / Kriegstagebuch: Ein Zivilist aus Hamburg wurde heute Morgen als Gesandter ausgeschickt. Es ist die Absicht der Brigade, Hamburg und seine wichtigeren Einrichtungen zu sichern. Munitionsverbrauch 308 Schuss.

Im Haus Nr. 16 (Auf der Lohe) wohnte Rudolf Stefanides. Bei den heftigen Gefechten in der Straße „Auf der Lohe“ am 27. April brennt das Haus nieder.

1. Mai 1945

1th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Um 9 Uhr erreichen 5 deutsche Soldaten das Hauptquartier des Reccon Zuges und ergeben sich als Ergebnis der Propagandasendung vom Vorabend. Gegen 10 Uhr wird eine Konferenz der Squadron-Führer abgehalten, die um 15 Uhr über die Einzelheiten des Einsatzes des Regiments entscheidet. Einige der Ziele werden anhand von Informationen ausgewählt, die aus Verhören von Gefangenen gewonnen wurden. Der Beschuss wird von allen verfügbaren Panzern des Regiments durchgeführt. Es werden fünf Feinde getötet und weitere verwundet. Erneut werden am Abend Lautsprecher-Durchsagen gemacht. Um 19.45 Uhr wird einem schwarzen Stabswagen mit Offiziersvertreter der Hamburger Garnison unter weißer Flagge die Fahrt durch die Regimentslinien gestattet und diese werden mit verbundenen Augen zum Divisionshauptquartier geführt.

3rd Field Regiment Royal Horse Artillery / Kriegstagebuch: Schönes Wetter. Hitler ist tot. Zwei deutsche Offiziere durchquerten die Front von der 1/5 Queens, um über die Kapitulation Hamburgs zu verhandeln, bei Tagesanbruch dachte man, sie hätten sich selbst durch eine Mine in die Luft gesprengt, aber später bestätigte sich, dass sie entkommen waren. Eine Reihe von Generalstabsoffizieren, die General Wolz vertraten, durchliefen das Gebiet der 9. Durham Light Infantry und wurden zur Division gebracht. Sie kamen eigentlich wegen des Schutzes von Krankenhäusern, aber sie dachten wohl im geheimen auch an die Kapitulation von Hamburg.

In den Propagandalautsprechern wurde als Ergebnis der heutigen Verhandlungen folgende Vereinbarung bekannt gegeben: „Kein Beschuss oder Bombardierung im Interesse der Menschlichkeit.“

Der Hof “ Lütt Warns“ an der Winsener Landstraße bei der Siedlung „Auf der Lohe“.

2. Mai 1945

1th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Aufgrund des Befehls, nicht offensiv auf den Feind zu schießen, war für den Tag keine besondere Aktion geplant. Es gab im Regiment große Vorfreude und Spekulationen über die Verhandlungen über die Kapitulation Hamburgs. Gegen 12 Uhr gibt es eine Konferenz, um einen Rahmenplan für die Besetzung Hamburgs und die Rolle des Regiments darin zu klären. Ein Stabswagen mit Unterhändlern für die Kapitulation Hamburgs kommen erneut über die Frontlinie zum Divisionshauptquartier. Später stellte sich auch heraus, dass diese mit dem Kommandeur der 21. Army Group auch über die Kapitulation der Truppen verhandelten, die den britischen Truppen gegenüberstanden.

Margret Völsch (Fleestedt): Am Tage vor dem Waffenstillstand (2. Mai 1945) wurde nachts der Tunnel der Reichsbahn, der ins Dorf führte, gesprengt.

3rd Field Regiment Royal Horse Artillery / Kriegstagebuch: Gerüchte kursieren weiterhin, und wir alle warten gespannt auf das Ende des Krieges. Heute Abend trifft die große Nachricht von der bedingungslosen Kapitulation aller Truppen in Italien und in den meisten Teilen Österreichs ein: das Ende eines großen Feldzuges, an dessen Beginn das Regiment mit Stolz bei Salerno teilgenommen hat. Am späten Abend traf auch die Nachricht von der vollständigen Kapitulation Berlins und der Verbindung mit den Amerikanern und Russen ein; Es kann nicht mehr lange dauern.

General Wolz kam in Begleitung einer Reihe von Stabsoffizieren und dem Gauleiter des zivilen Vertreters Hamburgs durch unsere Linien, um Hamburg zu übergeben und für morgen eine Zusammenkunft mit Feldmarschall Montgomery zu arrangieren. Er wollte mit dem Stabschef Marschall Busch und einem Admiral – persönlicher Vertreter von Dönitz – zurückkommen; Sie wurden zur Division geschickt und nach ihrer Rückkehr zur Brigade wurden Gespräche über die Besetzung Hamburgs durch die 131. Brigade geführt.

Die Schule in Fleestedt um 1910.

3. Mai 1945

1th Royal Tank Regiment / Kriegstagebuch: Um 9 Uhr wird eine Konferenz über die Besetzung Hamburgs abgehalten, die vereinbart, dass diese um 13 Uhr beginnen soll. Die Aufgabe des Regiments in Verbindung mit dem 9th DLI ist, die 8 Straßen- und Eisenbahnbrücken in die Stadt von Süden her zu erobern und zu halten, bis sie von anderen Einheiten abgelöst werden, sowie den Hafenbereich und den Rest der Elbinsel (Wilhelmsburg), der in diesen Quadraten enthalten ist, zu besetzen.

Um 13 Uhr wird der Vormarsch nach Hamburg verschoben, aber um 16.12 Uhr rückt das Regiment schließlich aus. Das gesamte Regiment besetzt mit dem 9th DLI das vorgesehene Gebiet. Um 18.30 Uhr erreicht die C-Squadron die südlichen Elbrücken.

Elsa Bauermann, deren Eltern an der Winsener Landstraße (Fleestedt): Am 3. Mai hörten wir im Radio, dass Hamburg sich ergeben hätte. Erleichtert atmeten wir auf. Wir hatten befürchtet, dass Hamburg sich verteidigen werde. In diesem Falle wäre von unserm Dorf nicht viel übriggeblieben. Den ganzen Tag rollten Panzer an unserem Haus vorbei nach Hamburg. Endlich hieß es „Waffenstillstand“. Wir konnten nach Jahren wieder ruhig schlafen. In den nächsten Tagen besetzten die Engländer unser Dorf. Eines Nachts wurde unsere Haustür heftig gerüttelt und geklopft. Als unsere Einwohner die Tür öffnete, standen vor ihm zwei Engländer, die als angebliche Kontrolle Einlass begehrten. Plötzlich standen sie mit ihren Taschenlampen und Maschinenpistolen vor unseren Betten. Sie durchstöberten alles und bedrohten uns mit der Pistole. Wir mussten in der Schlafstube bleiben, als sie in den anderen Zimmern mehrere Untaten vollbrachten. In anderen Häusern taten sie dasselbe.“

Margret Völsch (Fleestedt): Am 3. Mai 1945 kam ein Auto mit Lautsprecher und erklärte, dass Hamburg zur offenen Stadt erklärt worden war, Da waren wir froh und liefen hinaus, um den schönen Frühlingstag zu genießen. Es war alles still, kein Zug fuhr, weil alle Brücken und Tunnel gesprengt waren.

3rd Field Regiment Royal Horse Artillery / Kriegstagebuch: Gerüchte Am frühen Morgen traf die Nachricht ein, dass Harburg und Hamburg bedingungslos kapituliert hätten und dass wir um 13.00 Uhr die Operation „FREIHEIT“ beginnen würden (die Besetzung der oben genannten Städte durch die 131. Brigade).

Den Vormittag verbrachten wir mit dem Packen und Putzen für den großen Marsch. Um 13 Uhr standen wir alle bereit, bis es losging, aber es gab eine beträchtliche Verzögerung, um die Genehmigung des Korps zu erhalten und wahrscheinlich noch weiter oben, um die Operation zu beginnen. Man glaubte, dies sei auf die sehr viel höheren Konferenzen zurückzuführen, die über die vollständige Kapitulation Deutschlands stattfinden

Ein Trupp hochrangiger deutscher Marineoffiziere und ein SS-General zogen durch unsere Linien und forderten im Auftrag von Admiral Dönitz, dem neuen Führer, die bedingungslose Kapitulation des gesamten deutschen Staates an die Alliierten! Sie wurden ordnungsgemäß zurück zur Division und von dort zur Armee eskortiert, wo ihr Auto gestohlen worden sein soll. Um 16.15 Uhr wurde die Operation »Freiheit« wie zuletzt begonnen, und der große Vorstoß nach Hamburg begann. Als wir die Vororte von Harburg erreichten, fanden wir gut gekleidete deutsche Polizisten, die die Straßen und den Verkehr kontrollierten und jeden englischen Offizier beim Vorbeigehen salutierten; Überall waren die Straßen menschenleer und viele Gesichter waren in den Fenstern der Häuser zu sehen. Immer weiter und weiter gingen wir durch Straßen und Straßen der völligen Zerstörung! Das war alles, was von einer großen Stadt übriggeblieben war, die zu Beginn des Krieges einige Besuche von der RAF erhalten hatte. Das 9. DLI mit der Batterie „M“ und den 5. Panzerregiment führte den Vormarsch der Brigade; Der gesamte Vorgang wurde in Phasen durchgeführt (siehe Anhang).

Es dauerte nicht lange, bis ganz Harburg und Hamburg ohne einen Schuss besetzt waren. Das Brigade-Hauptquartier und das Regtl. Tac-Hauptquartier sowie zahlreiche andere Einheiten der Royal Navy, der Militärregierung, der Marines usw. wurden im Haupthotel der Stadt, nämlich dem „Hotel VIER JANRESZEITEN“ mit Blick auf die Binnenalster untergebracht.

Die „M“-Batterie blieb mit dem der 9. Durham Light Infantry im Raum Harburg. Die „D“ und „J“ Batterien in der Stadt selbst, das RHQ in komfortabler Aussicht auf der Westseite der Alster. Das Regtl. Tac. HQ schloss sich der Brigade für den Marsch an und blieb bei ihnen in Harburg. Der Fall von Rangun wurde heute Abend bekannt gegeben.

Kriegsende

Karoxbostel Nr.1 / Emily Winter: Am 8. Mai baten die Engländer – in unserem Esszimmer hatten sie eine Art Befehlstand eingerichtet – um Sektgläser, um gemeinsam mit der Familie auf das Ende des Krieges anzustoßen. Als die Engländer begannen, vor unserem Haus Unterstände auszuheben, bat mein Großvater, ob dies nicht auch hinter dem Haus geschehen könnte. Sie machten dort weiter, und als sie anfingen, Bäume aus der Lindenallee zu fällen, brachte der Ausruf „Oh, meine Schönen Bäume“ sie dazu aufzuhören, so dass nur zwei Bäume angesägt worden sind. Mein Vater wurde zusammen mit zwei anderen Hittfeldern von den Engländern auf der Straße verhaftet, da sie wohl dachten, ein junger Mann, der nicht eingezogen war, müsste ein Nazi sein. Der Grund dafür lag aber darin, dass er als Chef einer Kupferschmiede freigestellt war. Trotzdem wurde er zusammen mit den anderen in ein Lager gebracht. Die Behandlung war gut, nur gab es immer Milchsuppe. Nach drei Tagen türmte meine Vater- nicht nur wegen der Milchsuppe. Diese war aber die richtige Entscheidung gewesen, wie er später erfuhr, sind die anderen Hittfelder noch in ein anderes Lager gebracht worden und erst Monate später nach Hause zurückgekommen.

Quellen (Auswahl)

  • Fleestedt, das Dorf am Höpen / May Truels
  • Es geschah im Frühjahr 1945, Werner Steinbauer
  • Kriegstagebuch 5th Royal Tank Regiment
  • Kriegstagebuch 1st Royal Tank Regiment
  • Kriegstagebuch 3rd Field Regiment Royal Horse Artillery
  • Kriegstagebuch 5th Field Regiment Royal Horse Artillery

2 Kommentare zu „Fleestedt im Kreuzfeuer – Hamburg 1945“

  1. Hallo Frank, ein sehr interessanter Bericht, auch die der Augenzeugen. Da fanden ja doch noch einige Scharmützel statt. Du hattest davon ja berichtet, als wir bei Dir zu Besuch waren.

    Man gut, dass nicht noch im Großen weiter um Hamburg gekämpft wurde. Die Folgen wären unabsehbar gewesen, vor allem für die Bevölkerung. Man kann nur den Hut ziehen vor den Leuten, die die Sinnlosigkeit erkannt haben und die (bekloppten) Durchhaltebefehle in den Ofen geschmissen haben.

    Vielen Dank für deine Mühe.

    Beste Grüße, Frank

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