Besatzungszeit – Hamburg 1945

Unter dem Motto „Der erste Sommer im Frieden“ fand nun schon zum zweiten Mal eine Veranstaltung mit dem Thema „Besatzungszeit 1945“ in „meinem“ nahegelegenem „Freilichtmuseum Kiekeberg“ statt. Das Ganze passt natürlich ganz hervorragend zu meiner kleinen Serie zum Thema „Hamburg 1945“, weshalb ich mit einer kleine Hobbygruppe (viele Grüße an Jens, Dirk und Lucas!) vor Ort war. Die Veranstaltung fand an 3 Tagen, vom 30. Mai bis So 1. Juni 2025 im gesamten Museum-Komplex statt. Rund 60 Darstellerinnen und Darsteller des Vereins „Gelebte Geschichte“ stellten über das gesamte Wochenende den Alltag nach dem Kriegsende dar. Es ging darum zu vermitteln, wie die Menschen nach 1945 mit Improvisationen ihren Alltag bestritten. Neben einer kurzen Beschreibung der Veranstaltung, zeige ich euch nachfolgend eine ausführliche Fotoserie der beiden Events.

Den Ablauf der Veranstaltung muss man sich wie eine Theatervorführung vorstellen. Die Darsteller waren dabei fast ununterbrochen in unterschiedliche Spielszenen eingebunden, deren Bühne jeweils ein Platz oder ein Gebäude auf dem Musemsgelände war. Wie ich feststellte, war der Ablauf und die Dialoge nicht genau vorgegeben, wodurch immer wieder interessante und überraschende Situationen entstanden. Als Besucher konnte man aber auch jeden Darsteller ansprechen, Fragen stellen und sich alles genau erklären lassen. Zu Beginn der Veranstaltung traf ein Flüchtlingstreck im „Museums-Dorf“ ein. Zu den Flüchtlingen zählten auch ehemalige deutsche Soldaten, aber vorwiegend waren es zivile Männer, Frauen und Kinder aus den deutschen Ostgebieten. Jeder Darsteller spielte eine ganz bestimmte Rolle und konnte so detailliert von seinen Erlebnissen der Flucht oder aus dem Krieg berichten. Im Dorf angekommen, wurden die Flüchtlinge von britischen Soldaten in Empfang genommen. Die Habseligkeiten der Leute durchsuchte man nach Waffen und anderen „verdächtigen“ Gegenständen. Anschließend wurden die Menschen an die zivile Ortsverwaltung weitergeleitet, wo sie ggf. medizinisch versorgt, registriert und schließlich in einem der Häuser einquartiert wurden. Einige wurden auch in den berüchtigten Nissenhütten untergebracht. So wurde das Leben in diesen und anderen provisorischen Unterkünften beleuchtet und es wurde gezeigt, wie man sich dort versorgte. Neben den bewohnten zivilen Häusern gab es auch ein britisches Militärcamp und eine Kommandantur. Die Soldaten stellten das 2nd Devonshire Regiment dar, eine Einheit, die damals tatsächlich hier und in den Nachbardörfern stationiert war. Auch ein Jeep und Motorräder fuhren Patrouille und das ganze Museum war mit Plakaten und Ausrüstungsgegenständen des britischen Militärs „geschmückt“, was eine sehr authentische Atmosphäre vermittelte. Natürlich gab es auch noch eine Menge weiterer Programmpunkte, wie einen Schwarzmarkt, Hausdurchsuchungen, Vorführungen zum Thema Essen und Trinken, Militärgerichtsverhandlungen usw.

Die Flüchtlinge

Das britische Camp

Leben im Dorf

Leben in der Nissenhütte

Neben der „Living History“-Darstellung, wurde auch die neue Dauerausstellung „Harburg unterm Hakenkreuz. Ein Landkreis von 1933 bis 1945“ eröffnet. Zudem wurde die neue „Ley-Bude“, ebenfalls eine provisorische Unterkunft nach dem Krieg, vorgestellt und die dort untergebrachte Fotoausstellung eröffnet. Neben den schon bestehenden Nachkriegshäusern und der Nissenhütte sowie der Ausstellung zu den Flüchtlingen nach dem Krieg bekam man so einen sehr guten Überblick zu dieser komplexen Thematik. Zusätzlich zu den Ausstellungen berichteten Zeitzeugen von ihrer Flucht aus Pommern und Ostpreußen. Alles in allem eine sensationell gute Veranstaltung, die in dieser Form gerne wieder (auch in anderen Epochen) stattfinden könnte.

Hier noch der Link zum Museum, in welchem verteilt über das Jahr auch andere „Living History“ Events stattfinden: https://www.kiekeberg-museum.de/

Ein Gedanke zu „Besatzungszeit – Hamburg 1945“

  1. War eine wirklich tolle Veranstaltung mit sehr überzeugend spielenden „Schauspielern“.So etwas sollte es öfter geben,Geschichte real erleben ohne erhobenen Zeigefinger

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