D-DAY 2024

Nun bin ich schon zum 6. Mal in die Normandie gereist und zum zweiten Mal habe ich an den großen Feierlichkeiten um den 6. Juni, dem D-Day, dem Tag der Landung der Alliierten teilgenomen. Es ist einfach faszinierend, immer wieder in diese Region zu reisen. Für mich persönlich steht natürlich das Ereignis des D-Days, die unzähligen Gedenkstätten und die vielen Museen an erster Stelle. Doch auch die Landschaft, die Menschen und die Kultur üben eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf mich aus. Die Möglichkeit, die viele Veranstaltungen, Camps und Menschen aus der ganzen Welt anlässlich eines „runden“ Gedenktags zu erleben, motiviert dazu, sogar 9 Tage am Stück vor Ort zu verbringen. In diesem Jahr, zum 80. Jahrestag des D-Days, habe ich eine solche lange Woche vor Ort verbracht und bei bestem Wetter die Atmosphäre und Ereignisse in vollen Zügen genossen. Es war einfach wieder großartig!

Zu Land, zu Wasser und in der Luft

Viele Besucher reisen zu den D-Day-Feierlichkeiten, um entweder Fahrzeuge des 2. Weltkrieges und Reenacter in ihren historischen Outfits zu sehen oder auch, um selbst ihre Uniformen und Ausrüstungen zu präsentieren. Neben der Straße, die dabei zu einer Art Laufsteg wird, versammeln sich die Anhänger dieses „Hobbys“ meist in großen Camps, die häufig in der Nähe der vielen D-Day-Museen zu finden sind. Hier werden nicht nur Fahrzeuge vom Jeep bis zum Panzer präsentiert, sondern es finden auch Vorführungen, Fahrten und Vorträge statt. Das Ganze ist durch die Vielzahl der Besucher zwar ziemlich wuselig, und man wundert sich, weshalb nicht ständig jemand sprichwörtlich unter die „Räder“ kommt, dennoch macht es viel Spaß und ist mit Sicherheit der große Faktor, welcher derart viele Besucher an die historischen Stätten lockt.

Oft findet man in unmittelbarer Nähe zu den historischen Camps meist einen Art Marktplatz mit Zelten und Ständen ganz unterschiedlicher Händler. Hier kann man sich mit historischen Uniformen und ziviler Kleidung, Büchern, Souvenirs, Essen und Trinken sowie auch einer Menge Militaria und Antiquitäten eindecken.

Neben den vielen Fahrzeug-Camps an Land, spielt sich aber auch so einiges zu Wasser und in der Luft ab. Große Transportflugzeuge der französischen Streitkräfte (teilweise mit D-Day-Streifen) fliegen während der 9-tägigen Feierlichkeiten von morgens bis abends im Tiefflug entlang der Küste und drehen ihre Runden über den Stränden, Museen und Gedenkstätten. Immer wieder kann man auch historische Flugzeuge am Himmel sehen oder Fallschirmspringer, die vom Himmel schweben. Ein Höhepunkt ist die große Flugshow, bei der nicht nur historische Flugzeuge, sondern auch die berühmte „Patrouille de France“, die offizielle Kunstflugstaffel der französischen Luftwaffe, ihr Können zeigen.

Auf dem Meer sieht man immer wieder die ikonischen DUKW Amphibienfahrzeuge durch die Wellen reiten, aber auch die kleineren Versionen, bis hin zum deutschen Volkswagen Typ 166 Schwimmwagen, kann man erstaunlich häufig entdecken. In diesem Jahr konnte man auch das eine oder andere Mal eines der legendären Higgins-Landungsboote erspähen. Und auch die französische Marine ist mit ihrer Flotte vor Ort. Ein Teil der Schiffe sichert tatsächlich die Zeremonie der Staatsoberhäupter, ein anderer Teil zeigt den Gästen Landeoperationen und lädt zum Besuch an Deck ein.

Zeremonien, Feiern und Veteranen

Schon bei meinen früheren Aufenthalten während der jährlichen D-Day Feierlichkeiten sind sie mir aufgefallen, die Schaufenster-Comic-Zeichungen des Belgiers Pascal Falisse. Er kommt nun schon seit 30 Jahren immer wieder in die Normandie und illustriert dort die Schaufenster der Geschäfte, Bars und Reastaunrants mit seinen humorvollen Figuren und Szenen. Obwohl er für den 80. Jahrestag schon 3 Monate von Ort zu Ort reiste, hatte er in diesem Jahr einen Helfer an seiner Seite, um die enorme Nachfrage überhaupt meistern zu können. Für mich gehören seine Schaufensterbilder zu den Feierlichkeiten wie das Baguette zu Frankreich und tragen ungemein dazu bei, eine ganz bestimmte Atmosphäre zu verbeiten.

Etwas sehr Besonderes waren bei diesen 80sten D-Day Feierlichkeiten die letzten Veteranen, die trotz ihres hohen Alters die Mühen auf sich genommen hatten, noch einmal selbst vor Ort zu sein. So war der 100-jährige US-Veteran William „Bill“ Soule, der im 734th Field Artillery Battalion diente und im Jahr 1944 am Strand von Utah landete, seit seinem Einsatz damals zum ersten Mal wieder an die Landungsstrände zurückgekehrt. Seine und die Geschichte vieler anderer Veteranen hat Andy Biggio mit seinen beiden Büchern „The Rifle“ festgehalten. Anlässlich der Feierlichkeiten und um sein neues Buch vorzustellen, war Andy zusammen mit einigen Veteranen aus den USA angereist. Das Ganze wurde von dem legendären Eric Dorr vom Gettysburg Museum of History organisiert und von einem meiner Lieblings-Youtuber, J.D. Huitt von History Underground bzw. History Traveller dokumentiert. Die Geschichte der Bücher beginnt, als Biggio ein M1-Garand-Gewehr von 1945 kaufte. Als Biggio die Waffe seinem Nachbarn, dem Veteranen Corporal Joseph Drago, zeigte, wurden Erinnerungen wach, die Drago 50 Jahre lang unausgesprochen hatte. Spontan bat Biggio Drago, das Gewehr zu signieren. So begann die Mission, so viele Veteranen des Zweiten Weltkriegs wie möglich zu finden, ihre Unterschriften auf dem Gewehr zu verewigen und ihre Geschichten zu dokumentieren.

Neben den ganz großen Zeremonien, bei denen die Staatsoberhäupter sowie die Royals, wie Prinz William, den wir in Arromanches bei der offiziellen britischen Feier trafen, teilnehmen, gibt es natürlich zahllose weitere Zeremonien und Gedenkfeiern, die in kleinen und großen Orten, auf Friedhöfen und an Denkmälern stattfinden. So waren wir unter anderem bei der Gedenkfeier der berühmten Easy Company (Stichwort „Band of Brothers“) in der Nähe von Brecour Manor und auch bei ganz kleinen Veranstaltungen, wie bei jener auf dem Friedhof der Kirche Sainte-Honorine-des-Pertes im kleinen Dorf Cabourg.

Die Feierlichkeiten, die sich bei den „runden“ Jahrestagen immer über eine lange Woche (9 Tage) erstrecken, beginnen traditionell mit einem gigantischem Feuerwerk, dass anlang den Landungsstränden, also auf rund 80 Kilometern simultan abgefeuert wird. Wer nach einem anstrengendem Tag noch die Engerie für eine Abendveranstaltung hat, dem wird auch dies geboten. Neben den goßartigen Swing-Konzerten und Lindy-Hop Tanzveranstaltungen, findet man auch Kinovorstellungen, Musikkonzerte und Modenschauen. Alles endet dann schließlich mit den großen Paraden in allen Orten der Region, bei der tausende von Menschen die Straßen säumen, während Fahrzeuge, Offizielle, Einheimischen und Gäste in historischen Outfits sich ihren Weg durch die Menge bahnen. Und natürlich gehören zu den Partys auch gutes Essen sowie reichlich Bier und Cidre!

Unterkunft und Transport

Eine gute Grundlage für einen entspannte Zeit vo Ort, ist natürlich die Unterkunft. Wie üblich waren wir nun schon zum vierten Mal auf „unserem“ Campingplatz Portland bei Port-en-Bessin. Der Campingplatz ist nicht nur erstklassig ausgestattet, er liegt zudem zentral an den Landungsstränden und fussläufig zum wunderschönen Hafen von Port-en-Bessin. Hier trifft man an den Jahrestagen auch hunderte von Reenactern mit ihren Fahrzeugen und kleinen Camps, wodurch eine ganz besondere Atmosphäre entsteht. Der Campingplatz bietet neben ein paar klassischen Zeltplätze auch jede Menge Mobil-Homes in jeder Preislage. Wir haben uns in diesem Jahr für eine Art Glamping-Zeltplatz entschieden. Zum diesem Zelt-Platz gehören neben einem überdachtem Sitzplatz auch ein eigenes, beheizbares Badezimmer mit seperater Toilette, Dusche, Kühlschrank, Spültisch und Kugelgrill. Kann ich wirklich sehr empfehlen. Der Campingplatz bietet neben Restaurant und kleinem Laden auch eine In- und Outdoor Badelandschaft, sowie Parkanlage und Rooftop-Bar.

Neben der Ausstattung ist aber vor allem die tolle Atmosphäre zu erwähnen. Fast jeder hier auf dem Platz trägt historische Kleidung oder Uniform und ist mit seinem historischen Fahrzeug angereist. Unsere unmittelbaren Nachbarn waren Holländer, Tschechen, Engländer und auch Deutsche. Alle unheimlich nett und wir haben uns täglich beim Frühstück und Abendumtrunk immer bestens Unterhalten. Hat man selbst kein historisches Fahrzeug, dann empfehle ich zumindest für ein bis zwei Tage ein Elektrofahrrad zu mieten. Der neue, sehr gut ausgebaute Küstenradweg ist einfach sensationell und man bekommt tolle Ausblicke auf die Landschaft und das Meer und vor allem etwas Ruhe, Abseits des Trubels auf den Straßen.

Etwas wehmütig wird man dann am letzten Tag, an dem alle ihre Fahrzeuge verladen und nach und nach gen Heimat reisen, während am Omaha Beach noch einmal die Sonne spektakulär im Meer versinkt. Schön war es und ich war mit Sicherheit nicht zum letzten Mal vor Ort.

2 Kommentare zu „D-DAY 2024“

  1. Hallo Frank!

    Recht schönen Dank, für den tollen Bericht und Bilder, habe es leider doch nicht geschafft vor Ort zu sein!

    Gruss

    Heinz

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