Fotografieren von Figuren und Dioramen

Es gibt kaum ein Thema, auf das ich so oft angesprochen werde, wie das Fotografieren von Figuren. Höchste Zeit also, das Ganze mal in Worte zu fassen und näher zu erläutern. Zunächst vorab der Hinweis, dass ich zwar einen Fotoapparat bedienen kann, aber kein ausgesprochener Experte in Sachen Fotografie bin. Ich mache die Bilder eher intuitiv oder probiere so lange bis das Ergebnis zufriedenstellend ist. Vielleicht eine gute Voraussetzung um das Thema zu erklären.

Ausrüstung

Beginnen wir mit der Grundausstattung zum Fotografieren. Es gibt mittlerweile 3 verschiedene Fotoapparat-Typen die häufig zum Einsatz kommen, die Spiegelreflexkamera, die Kompaktkamera und das Handy (bei allen Modellen spreche ich natürlich von der Digitalfotografie). Demnächst wird auch noch ein weiterer Kameratyp hinzukommen, nämlich die Lichtfeld-Digitalkamera, welche die Raumtiefe und Position der einzelnen Objekte im Foto speichert und so eine nachträgliche Korrektur der Schärfe möglich ist. Wesentlicher Unterschied bei den Modellen findet sich im Objektiv und den Linsen. Bei der Auflösung und die manuellen Einstellungen gleichen sich die unterschiedlichen Typen schon langsam an, so dass hier für den Laien kaum Vor- bzw. Nachteile bemerkbar machen. Unabdingbar ist auch ein Stativ für die Kamera. Hier reicht ein einfaches Modell, die Kamera sollte jedoch sicher und schwingungsfrei stehen. Nur bei Außenaufnahmen sollte man ein etwas schweres Modell verwenden, das auch schon mal einen schwachen Wind ausgleichen kann. Ein sehr wichtiges Thema ist auch die Beleuchtung. Man kann natürlich auch im Freien, also bei Tageslicht seine Fotos machen. Hier ist man aber natürlich stark von der Witterung abhängig. Auch ein zusätzlicher Aufsteckblitz ist eine Alternative, die optimale Kontrolle hat man jedoch nur durch Lampen. Oft wird beim Fotografieren von Einzelobjekten ein Lichtzelt verwendet, das für ein gleichmäßiges Licht ohne harte Schatten sorgt. Will man das Geld für ein Lichtzelt sparen, kann man auch Butterbrotpapier auf Rahmen spannen und vor den Lampen montieren.

Hier noch einmal die Grundausstattung:

  • Fotokamera
  • Stativ
  • 2 bis 3 Lampen
  • Evtl. Aufsteck-Blitz
  • Evtl. Lichtzelt

Bildausstattung

Kulisse

Ein Fotohintergrund und die Umgebung des zu fotografierenden Objektes sollte entweder neutral, Motivunterstützend oder gestaltet sein. Beim Fotohintergrund kann es sich um einfarbiger Hintergrund, ein Farbverlauf oder ein Foto bzw. ein Bild handeln. Einen weißen Hintergrund sollte man vermeiden, da bei einfachen Kameras die Bilder zu dunkel werden. Bei Außenaufnahmen kann man auch die natürliche Umgebung einbeziehen. Neben dem Hintergrund braucht man auch einen Untergrund / Vordergrund, auf dem das Fotoobjekt steht. Bei einem Farbverlauf oder sonstigem neutralen Hintergrund geht der Untergrund nahtlos in den Hintergrund über. Dafür wird der Verlauf gewölbt aufgestellt, so dass keine Schattenkante zwischen Hintergrund und Untergrund zu sehen ist. Unbedingt beim Hintergrund darauf achten, dass keine störenden Reflexionen zu sehen sind. Gegebenenfalls den Hintergrund schräg nach hinten oder vorn neigen oder nach rechts bzw. links schwenken, bis die Reflexion nicht mehr zu sehen ist. Des Weiteren ist darauf zu achten, dass keine Schatten auf den Hintergrund fallen.

Fotomotiv

Die Figuren und Gegenstände, die das eigentliche Fotomotiv bilden, sollten so platziert sein, dass…

  • ihre „Schokoladenseite“ zu sehen ist.
  • die Fotoobjekte untereinander „logisch“ agieren.
  • die Bewegungsrichtung und Blickrichtung der Figuren berücksichtigt sind
  • eine „Geschichte“ erzählt wird.
  • sich die Fotoobjekte nicht gegenseitig verdeckten.

Gestaltungselemente

Bei aufwendigen Bildern verwende ich eine ganze Reihe von Geländeteilen und kleinem Zubehör. Zunächst nehme ich als Untergrund eine meiner Spielplatten oder verwende Geländestreu bzw. Geländematten. Anschließend werden verschiedene Gegenstände (je nach Motiv) im Vordergrund und im Hintergrund platzieren, dass vermittelt Tiefe und die Darstellung erscheint realistischer. Man muss das Ganze nicht als perfektes Diorama arrangieren. Man sollte immer daran denken, aus welcher Perspektive später fotografiert wird. Oft reicht es, einige Geländeteile geschickt hintereinander und überlappend anzuordnen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Da du nur aus einer Richtung fotografierst, muss der ganze Aufbau auch nur aus dieser Blickrichtung zu einem Bild verschmelzen, ähnlich wie bei einem Filmset oder einer Theaterkulisse.

Bildgestaltung

Nun geht es an den künstlerischen Teil des Fotografierens, die Bildgestaltung. Außer bei einem festen Diorama (hier ist das Fotografieren deutlich schwieriger) können wir die Bildelemente frei anordnen und haben so eine gute Kontrolle über die Gestaltung des Bildes.

Bilddiagonale

Ein positiver Bildeindruck entsteht oft durch eine aufsteigende (von links unten nach rechts oben) verlaufende Bilddiagonale. Da wir in der westlichen Kultur von links nach rechts lesen und ebenso von links nach rechts ein Bild erfassen, ist eine Diagonale, die von links nach rechts ansteigt, eine Diagonale, die wir als aufsteigend empfinden. Umgekehrt sehen wir eine Diagonale, die von links nach rechts abfällt, als fallende Diagonale. Allein schon dadurch können Bildaussagen erheblich verstärkt beziehungsweise bei den falschen Diagonalen auch gründlich gestört werden.

Der goldene Schnitt

Der Goldene Schnitt bezeichnet mathematisch gesehen zunächst einmal ein Teilungsverhältnis. Der Goldene Schnitt besagt, dass der Mensch die Aufteilung einer Fläche oder Strecke im Verhältnis von etwa ca. 3 : 5 als besonders harmonisch empfindet. Ein asymmetrisches Teilungsverhältnis, das den Prinzipien des Goldenen Schnittes folgt, wird vom Betrachter auch als natürlich, das heißt in Übereinstimmung mit der Natur, bewertet.

Bei der Bildgestaltung nach dem „Goldenen Schnitt“  geht man meist etwas vereinfachter vor, hier wird eine Strecke nach folgendem Verhältnis geteilt: Die Teilstrecke a verhält sich zur Teilstrecke b wie die Gesamtstrecke a+b zu a. Man spricht von der sogenannten „Drittel-Regel“. Anhand dieser Regel kann ein Raster geschaffen werden, anhand dessen die bildbestimmenden Elemente ausgerichtet werden können. Das Hauptmotiv sollte an den Schnittpunkten oder entlang der gedachten Linien platziert werden .Wird das Hauptmotiv etwas aus der Mitte versetzt, erhöht sich oft die Dynamik eines Bildes. Das gilt also sowohl waagrecht als auch senkrecht.

Zentralperspektive

Bei der Zentralperspektive liegt der Fluchtpunkt in der Mitte des Bildes. Die Diagonalen im Bild sind auf die Bildmitte gerichtet.

Vordergrund

Viele Fotos bestehen je nach Motiv aus verschiedenen Bildebenen in Bezug auf die Distanz vom Objektiv zum Bildhintergrund. Dies ist eine gute Möglichkeit, um räumliche Tiefe in Fotos zu schaffen oder vorzutäuschen. Das Hauptmotiv kann dabei im Vordergrund, im Hintergrund oder dazwischen platziert werden. Beispielsweise kann der Vordergrund als gestalterisches Mittel Verwendung finden. Dabei ist das Hauptmotiv im Hintergrund, wobei der Vordergrund im Foto wesentlich für die Bildgestaltung ist und einen wesentlichen Teil zur Bildaussage beitragen kann.

Bei der gezielten Gestaltung von Fotos mit Vorder- und Hintergrund kann das sowohl der Vordergrund als auch der Hintergrund oder beides scharf oder unscharf aufgenommen werden. Je nach Fokussierung und Schärfentiefe kann dabei ein grundsätzlich anderes Foto vom selben Motiv aus derselben Perspektive und demselben Bildausschnitt entstehen, das sich auch in der Bildaussage gänzlich unterscheidet. In vielen Aufnahmen wird eine große Schärfentiefe angestrebt, um alle Entfernungsebenen scharf abzubilden, dies kann aber auch störend und langweilig wirken.

Durch die geschickte Platzierung des Vordergrunds lassen sich weitere Effekte erzielen bzw. Aufgaben erfüllen. Mit der entsprechenden Platzierung des Vordergrundes können z. B. störende Objekte wie Figurenbasen im Bild verdeckt werden.

Eine beliebte Sonderform des Vordergrunds ist der Rahmen. Dabei wird das Hauptmotiv, teilweise oder Vollständig von Elementen, wie z.B. Ästen und Laub eingerahmt

Beleuchtung

Lampen

Die einfachste Methode ist das Fotografieren mit Lampen. Hier ist die Kontrolle einfach am besten und die Lampen sind kostengünstig. Ich verwende Schreibtischlampen mit 2 Gelenken und drehbarem Fuß (Bei Ikea für ein paar Euro zu bekommen). Ein schwerer Ständer wäre optimal, eine feste Anbringung an der Tischplatte ist aber auch in Ordnung. Bei der Glühbirne sollte man Energiespar-Tageslichtbirnen verwenden. Neben dem positiven Tageslichteffekt, entwickeln sie auch kaum Wärme und schonen damit die Figuren, die Kamera und den Fotografen. Man benötigt mindestens 2, besser 3 Lampen (oder noch mehr). Dabei müssen die Lampen nicht alle gleich stark leuchten, man kann auch unterschiedliche Wattzahlen verwenden. Eine Lampe, das Führungs- oder Hauptlicht, leuchtet die gesamte Szene von schräg oben aus (hier kann auch ein beweglicher Deckenstrahler verwendet werden), die zweite Lampe, das Kantenlicht, den Hintergrund (vor allem wichtig bei einer tiefen Aufstellung, außerdem wird dadurch die Konturen des Hauptmotiv schärfer, da dieses nun auch von hinten beleuchtet wird.) und die dritte Lampe, die Aufhellung, setzt die Effekte auf das Hauptmotiv. Je nach Höhe und Position der Lampen können sehr unterschiedliche Stimmungen erzeugt werden. Auch farbige Folien, die vor der Lampe angebracht werden, können für schöne Effekte sorgen.

Hier ein Beispiel für eine mögliche die Grundaufstellung der Lampen, die man gut für das Fotografieren von einzelnen Figuren vor einem neutralen Hintergrund verwenden kann:

Die Figur stellt man sich als Zentrum des Zifferblattes einer Uhr vor – die Kamera steht auf 6 Uhr, auf 5, 7 und 11 Uhr stellt man die Lampen auf. Die auf 5 Uhr ist die hellste Lampe (=100%), auf 7 Uhr die mittlere (~80%) und die auf 11 Uhr dient hauptsächlich zum Schattenwurf reduzieren (~20%). Man sollte drauf achten, dass der Hintergrund so aufgebaut ist, dass das Licht der beiden Hauptlampen gut auf die Figur zurückreflektiert wird.

Tageslicht

Eine andere Möglichkeit ist das Fotografieren bei Tageslicht. Hier können sehr schöne Ergebnisse erzielt werden und der Aufwand beim Einstellen der Kamera ist dann minimal. Auch für sehr große Flächen ist Tageslicht eine gute Alternative, da man sonst eine Menge Lampen benötigt, um die Szene gleichmäßig ausleuchten zu können. Zum Fotografieren mit Tageslicht benötigt man übrigens nicht unbedingt Sonnenschein! Oft ist direkte Sonne auch eher schlecht, da hier sehr harte Schatten entstehen. Bei Tageslichtfotografie ist man allerdings stark von der Lichtintensität, Wind und Regen abhängig und das Licht lässt sich nur schlecht kontrollieren. Meist muss man auch mit zusätzlichen Lampen und Reflexionsflächen arbeiten, sonst erhält man oft harte Schatten auf den Figuren.

Blitz

Sehr spannend und vor allem für das Fotografieren größerer Flächen in Innenräumen notwendig, ist das Arbeiten mit einem externen Blitzgerät. Der eingebaute Kamera-Blitz ist dafür jedoch nicht geeignet (schlechter Winkel und meist nicht stark genug)! Wichtig ist, dass man nicht direkt, sondern über eine Reflexionsfläche, wie eine weiße Zimmerdecke blitzt. Neben viel Erfahrung, benötigt man für gute Fotos jedoch meist zusätzliche Beleuchtung oder einen sogenannte „Sklavenblitz“, der seitlich für Aufhellung sorgt.

Hier zwei Bilder im Vergleich. Das erste ist mit Sonnenlicht, das zweite unter der Verwendung von Lampen gemacht worden:

Perspektive

Ein guter Tipp für die richtige Perspektive ist dieser: stell dir vor, du bist genauso groß wie eine Figur und stehst mit deiner Kamera mitten unter den Miniaturen, was würdest du sehen? Zunächst versuche ungefähr mit dem Objektiv auf Augenhöhe mit den Figuren zu bleiben. Bei Reitern, Elefanten, Figuren die erhöht, wie z.B. auf Mauern stehen, geh in die Froschperspektive, d.h. du platzierst die Kamera unterhalb der Augenhöhe der Figuren. Es sind auch Aufnahmen aus der Vogelperspektive möglich, dann braucht das Auge allerdings einen Bezugspunkt im Bild, der die Position der Kamera plausibel erläutert. Das könnte die Andeutung einer Klippe, Treppe, Mauer, Baum usw. oder der Teil eines Flugzeuges sein. Auch hier stellt man sich wieder vor, dass man selbst irgendwo erhöht positioniert ist und auf das Geschehen herunterblickt.

  • Augenhöhe
  • Froschperspektive
  • Vogelperspektive

Bildausschnitt

Als nächstes bestimmst du den Bildausschnitt. Dieser Schritt kann natürlich auch am Computer nachgebessert werden, also eher etwas großer als zu knapp wählen. Mit der Wahl des richtigen Bildausschnitts lässt man nicht nur einfach überflüssige Bildteile weg und beschränkt sich auf das Wesentliche, sondern kann auch zwei andere wichtige Einflussmöglichkeiten für die Wirkung eines Bildes steuern, nämlich die Diagonalen im Bild wie auch die Dynamik, indem wir den im Bild wichtigsten Teil aus der Mitte herausrücken (Goldener Schnitt / s. oben). Der bildwichtigste Teil sollte das Foto beherrschen. Entweder, indem er in der Mitte steht oder dynamischer im goldenen Schnitt, beziehungsweise im Verhältnis 4:3. Vorder- und Hintergrund sollten insgesamt eine Einheit bilden. Ein Bild sollte, von seltenen Ausnahmefällen abgesehen, auch nicht einfach durch den Horizont oder starke Licht- und Schattenwirkungen in der Mitte geteilt sein. Das Foto einer Landschaft, bei dem der Horizont eine klare Trennlinie zwischen Landschaft mit Häusern und den Himmel ergibt, wirkt oft ausgesprochen langweilig, besonders, wenn der Horizont auch noch ziemlich genau in der Bildmitte ist. Hingegen, wenn ein Kirchturm, Bäume, ein Gebirge oder ein Gebäude in den Himmel ragen und somit Erde und Himmel über den Horizont hinaus verbinden, bekommt auch das Foto eine Wirkung. Man sollte auch nicht versuchen möglichst viele Details, Informationen und Aussagen in einem einzigen Bild unterzubringen, dann lieber mehrere Fotos mit verschiedenen Aufstellungen, Aussagen und Ausschnitten anfertigen.

Kameraeinstellungen

Die Linse sollte nicht näher als 10 cm vor dem Objekt sein. Ansonsten kann man das Objekt nicht mehr gut ausleuchten. Zudem leidet die Kamera unter der Hitze der Lampe (Natürlich nicht bei Energiesparbirnen). Die Kamera wird auf das Stativ geschraubt und das Stativ wird ausgerichtet (auf einen geraden Horizont achten!) Jetzt die Lampen einschalten und die Kamera einstellen:

  • Den eingebauten Blitz ausschalten.
  • Höchstmögliche Bildgröße und Bildqualität wählen.
  • Weißabgleich durchführen
  • Selbstauslöser einschalten.
  • Die Blende und Verschlusszeit wählen.
  • Hoch- oder Querformat wählen

Nun wird fotografiert. Den Auslöser halb herunterdrücken. Bei AF Objektiven den Punkt anvisieren, auf den die Kamera die Schärfe und die Belichtung einstellen soll, dann wieder zurückschwenken zum gewünschten Bildausschnitt und den Auslöser ganz herunterdrücken. Die Hände wegnehmen und nichts mehr berühren. Dank Selbstauslöser ist das Foto in etwa 2-12 Sekunden gemacht. Danach das Foto im Monitor kontrollieren.

Weißabgleich

Zunächst muss an der Kamera ein Weißabgleich vorgenommen werden. Diese Abgleich dient dazu der Kamera mitzuteilen mit welcher Art von Licht bzw. Farbtemperatur das Foto aufgenommen wird. Nur so können die Farben so abgebildet werden, wie sie im natürlichen Tageslicht wirken würden. Es kann unter Umständen auch eine Farbveränderung gewünscht sein, z.B. soll das Foto eine Szene bei Sonnenuntergang oder in einem Gebäude darstellen. Die Farbtemperatur wird in Kelvin (K) gemessen. Hier mal ein paar Werte:

  • Kerzenlicht:                           1500 K
  • Glühlampe 100 Watt:            2800 K
  • Halogenlampe:                      3000 K
  • Leuchtstofflampe:                 4000 K
  • Morgen- / Abendsonne          5000 K
  • Tageslichtlampe                    5600 K
  • Mittagssonne                         5800 K

Automatik

Beim automatischen Abgleich sucht die Kamera nach einer für sie weiß erscheinenden Fläche. Wenn eine nahezu weiße Fläche im Blickfeld ist, sind die erreichten Ergebnisse gut, ansonsten wird die hellste Stelle des Bildes beurteilt. Ist diese Stelle jedoch nicht „neutralgrau“, sondern farbig, kann der Abgleich zu einem Farbstich führen. Der vollautomatische Weißabgleich versagt zum Beispiel häufig bei Aufnahmen im Dämmerlicht.

Voreinstellung

Der Fotograf kann manuell eine Farbtemperatur einstellen, die für bestimmte Beleuchtungssituationen typisch ist. Bei der Einstellung für Beleuchtung durch Leuchtstofflampen lässt sich beispielsweise eine Farbtemperatur von 4000 Kelvin vorgeben, und die Kamera selbst führt keinen Abgleich mehr durch. Oft gibt es, je nach Kameratyp, auch schon eine Voreinstellung für verschiedene Lampenarten.

Manuell

Zum manuellen Weißabgleich wird die Kamera oder das Gerät formatfüllend auf eine möglichst weiße oder wenigstens neutralgraue Fläche in der zu fotografierenden Umgebung gehalten. Ein weißes DIN-A4-Blatt ist in den meisten Fällen ausreichend, wobei die Belichtung so weit zurückgenommen werden sollte, dass keiner der Farbkanäle übersteuert. Oft enthalten Papiere optische Aufheller, die bei UV-haltiger Beleuchtung der Kamera blau erscheinen, was nach dem Weißabgleich einen Gelbstich bedingt. Eine sogenannte Graukarte ist mithin besser geeignet. Nach Betätigung der entsprechenden Funktion kann der Kameraprozessor die richtige Farbtemperatur ermitteln.

Ein Weißabgleich funktioniert generell am besten bei konstanten und einheitlichen Lichtsituationen. Bei Mischlicht, etwa wenn Tageslicht und Kunstlicht im Motiv sind, können auch bei einem manuellen Weißabgleich Farbstiche auftreten, weil der eine Teil des Motivs notwendigerweise eine andere Farbtemperatur erfordert. Deshalb ist auch eine Beleuchtungskombination aus z.B. Glüh- und Energiesparlampen kritisch.

Schärfentiefe

Die Schärfentiefe ist ein Maß für die Ausdehnung des scharfen Bereichs im Objektraum eines abbildenden optischen Systems. Der Begriff spielt in der Fotografie eine zentrale Rolle und beschreibt die Größe des Entfernungsbereichs, innerhalb dessen ein Objekt hinlänglich scharf im Abbild der Kameraoptik erscheint. In der Regel wird eine große Schärfentiefe durch kleine Blendenöffnungen oder Objektive mit kurzen Brennweiten erreicht: Von vorn bis hinten sieht dann alles mehr oder weniger scharf aus. Das Gegenteil ist der sogenannte „Film-Look“, bei dem der Bereich der Schärfentiefe klein ist. Die Kamera zeichnet die zentrale Figur scharf, eventuell nur das Auge einer Person, während alles vor und hinter ihr unscharf erscheint. Tief bedeutet bei Schärfentiefe die Tiefe des Raums, also die Richtung weg von der Optik.

  • Je größer die verwendete Brennweite, desto kleiner ist die Schärfentiefe.
  • Je größer die Blendenzahl (bzw. je kleiner die Blendenöffnung), desto größer ist die Schärfentiefe.
  • Bei geringerer Distanz zwischen Kamera und Aufnahmeobjekt nimmt die Schärfentiefe ab.

Folgende Möglichkeiten für eine bessere Tiefenschärfe gibt es:

  • An der Kamera die Schärfe, die Belichtungszeit, die Blende sowie die ASA-ISO-Einstellung ändern.
  • Eine kürze Brennweite verwenden. Hier sollte die Brennweite zwischen 35-50mm liegen. Noch kürzere Brennweiten würden zwar noch mehr Schärfentiefe bringen, verzerren dann jedoch die Größenverhältnisse von Vorder-, Mittel- und Hintergrund.
  • Einen größeren Ausschnitt fotografieren. Dann am Computer vom Bild einen engeren Ausschnitt wählen.
  • Das Objekt so drehen, dass es möglichst flach zur Kamera liegt.
  • Bewusst nur eine Ecke des Objektes scharf fotografieren. Der Rest ist dann unscharf.

Spezialeffekte

Glasscheibentrick

Dieser Glasscheibentrick eignet sich für viele Einsatzmöglichkeiten und deshalb habe ich ihn mal an den Anfang der Spezialeffekte gesetzt. Man stellt dafür eine ausreichend große Scheibe vor die Szenerie. Dabei muss die Glasscheibe schräg nach vorn / hinten  geneigt oder gedreht sein um Reflexionen zu vermeiden. Nun kann nun man auf der Glasscheide malen oder Gegenstände (Vögel, Flugzeuge oder Supermann, halt alles was fliegt) anbringen. Das Anbringen der Gegenstände erfolgt beispielsweise durch beidseitiges Klebeband oder Knetmasse. Es entsteht der Eindruck, dass der Gegenstand schwebt bzw. fliegt. Beim Bemalen der Glasfläche muss das Gemalte mit dem Hintergrund so übereinstimmen, dass, wenn man durch das Objektiv der Kamera schaut, sich beide Teile nahtlos ergänzen. Man kann beispielsweise Flammen, Rauch oder Gischt malen, also alles Dinge, die sich sonst schwer darstellen lassen. Es lässt sich mit dieser Methode auch Schnee oder Regen darstellen (habe ich allerdings noch nicht selbst versucht!).

Wasserdarstellung

Wasser stellt man einfachsten durch einen farbigen Untergrund und eine zerknittere Folie, wie Frischhaltefolie oder eine Mülltüte dar. Je nach Farbe des Untergrunds kann man nun leuchtendblaues Meerwasser oder grünbraunes Flusswasser darstellen. Gischt erhält man entweder durch nachträgliche Bearbeitung am Computer oder durch geschickt drapierte Filterwatte (am besten eine Kombination aus beidem). Verwendet man Filterwatte, dann kann man den Effekt noch erhöhen, wenn man mit langer Belichtungszeit fotografiert und sich die Filterwatte während der Belichtungszeit leicht bewegt (pusten oder Fön verwenden). Eine weitere Möglichkeit um Gischt darzustellen ist der Glasscheibentrick (s. oben).

Nacht

Fotos, die Szenen in der Nacht darstellen sollen sind extrem schwierig und oft nicht sehr überzeugend. Hier hängt natürlich alles von der Beleuchtung und der Farbe des Lichts ab. Man verwendet nur eine sehr sparsame Ausleuchtung der gesamten Szene, lediglich das Hauptmotiv / Figur wird mit einem Spot etwas stärker angestrahlt. Um das großflächige ausleuchten zu vermeiden verwende ich eine große Pappe, die eine Schatten auf die Teile des Bildes wirft, die nicht oder kaum beleuchtet werden sollen. Bei Mondschein kann man leicht bläuliches Licht verwenden oder nachträglich am Computer dahingehend ändern.

Fliegende Objekte

Fliegende und schwebende Objekte erhält man durch Nachbearbeitung am Computer oder durch den Glasscheibentrick.

Feuer und Rauch

Ähnlich wie bei der Gischt, verwende ich eine Kombination aus gefärbter Filterwatte und eine nachträgliche Bildbearbeitung, um Rauch darzustellen. Flammen sind weitaus schwieriger. Hier sollte man Fotos von Flammen verwenden, diese ausschneiden und geschickt in die Szenerie einarbeiten. Zusätzlich das Ganze mit gefärbter Filterwatte kaschieren und mit farbigem Licht unterstützen.

Bildbearbeitung

Die Bildbearbeitung soll hier kein großes Thema sein. Im Wesentlichen sind auch schon die Arbeitsschritte in den einzelnen Kapiteln erläutert. Meist führe ich noch eine leichte Farbkorrektur und eine Anpassung der Helligkeit/ Kontrast durch. Wie oben beschrieben wird am Computer auf der endgültige Bildausschnitt und die Bildgröße (für die Veröffentlichung im Internet) festgelegt. Oft verwende ich auch die Funktion „Stempel“ um ungewünschte Bildteile verschwinden zu lassen.

10 Kommentare zu “Fotografieren von Figuren und Dioramen”

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