Polen war im Mittelalter eine wichtige europäische Macht, die sich vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer erstreckte. Das Land wurde in den Zeiten danach durch innere Konflikte geschwächt und in den Jahren 1772, 1793 und 1795-96 schrittweise zwischen Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt. Der polnische Nationalgeist blieb jedoch erhalten und polnische Flüchtlinge dienten unter anderem auch in den Armeen der Französischen Republik. Als Napoleon 1806 Preußen besiegte, schlugen sich die polnischen Provinzen Preußens auf die Seite von Frankreich. Napoleon formte sie zu einem neuen Vasallenstaat, dem „Großherzogtum Warschau“, welches unter der nominellen Herrschaft eines seiner Verbündeten, des Königs von Sachsen gestellt wurde. Das Herzogtum wurde 1809 durch Teile Galiziens vergrößert, die der berühmte General Poniatowski, obwohl von Napoleons russischen „Verbündeten“ stark behindert, von Österreich zurückgewinnen konnte. Die Polen hofften, dass Napoleon ihr früheres Königreich wiederherstellen würde, was aber vermutlich einen Krieg mit allen Nachbarn Polens zur Folge gehabt hätte.
Das Herzogtum blieb während der Napoleonische Kriege ein armes Land, was zur Folge hatte, dass es wenige gute Straßen im Land gab und kaum nennenswerte Industrie. Galicien bestand in großen Teilen nur aus einfachen, bäuerlichen Gemeinden. Männer waren zwar reichlich vorhanden, aber das Geld, um sie zu bewaffnen, zu kleiden, zu ernähren und auszubilden, war schwer aufzutreiben.

Russland-Feldzug 1812
Für seinen Feldzug nach Russland 1812 organisierte Napoleon seine Grande Armée neu und ließ auch ein rein polnisches Korps, der V. Korps bilden, welches unter dem Kommando von Prinz Józef Poniatowski stand. Anfang 1812 nahm Napoleon aufgrund finanzieller Schwierigkeiten im Großherzogtum Warschau mehrere der polnischen Einheiten in die französische Armee auf. Zu diesen Einheiten zählten die Artilleriekompanien in den Festungen Danzig und Küstrin, das 9. Ulanen-Regiment, sowie das 5., 10. und 11. Infanterieregiment. Napoleon billigte zudem Poniatowskis Vorschlag, jedem polnischen Infanterieregiment zwei leichte Kanonen hinzuzufügen.
Zusätzlich wurde die Stärke der Kompanien in den Infanterie- und Kavallerieregimentern erhöht. Die Einberufung der Wehrpflichtigen für das Jahr 1812 erfolgte jedoch verspätet und so waren die neuen Rekruten bei Beginn des Russland-Feldzuges weder ausgebildet noch körperlich ertüchtigt. Vor dem Feldzug gegen Russland bestand die Armee des Großherzogtums Warschau aus mehr als 75.000 Mann und 165 Geschützen. Es gab 22 Infanterie- und 20 Kavallerieregimenter sowie die Weichsel-Legion und die Garde-Lanciers. Die meisten dieser Regimenter nahmen auch an der Invasion Russlands teil:

V. Armeekorps
- Kommandant: Divisions-General Prinz Poniatowski
- Stabschef: Divisions-General Fiszer
- Artilleriechef: Brigade-General Pelletier (Franzose)
16. Infanteriedivision – Divisions-General Zajaczek
Infanteriebrigade – Brigade-General Mielzynski
- 3. Infanterieregiment (1. bis 3. Bataillon / 2.621 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
- 15. Infanterieregiment (1. bis 3. Bataillon / 2.675 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
Infanteriebrigade – Brigade-General Paszkowski
- 13. Infanterieregiment (1. bis 3. Bataillon / 2.371 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
- 16. Infanterieregiment (1. bis 3. Bataillon / 2.679 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
Artillerie
- III. Fußbatterie (144 Mann, 4 6-Pfünder-Kanonen, 2 Haubitzen)
- XII. Fußbatterie (159 Mann, 4 6-Pfünder-Kanonen, 2 Haubitzen)
- Sappeur Kompanie (72 Mann)
17. Infanteriedivision – Divisions-General Dabrowski
Infanteriebrigade – Brigade-General Zoltowski
- 1. Infanterieregiment (1. bis 3. Bataillon / 2.396 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
- 6. Infanterieregiment (1. bis 3. Bataillon / 2.543 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
Infanteriebrigade – Brigade-General Krasinski
- 14. Infanterieregiment (1. bis 3. Bataillon / 2.544 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
- 17. Infanterieregiment (1. bis 3. Bataillon / 2.666 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
Artillerie
- X. Fußbatterie (167 Mann, 4 6-Pfünder-Kanonen, 2 Haubitzen)
- XI. Fußbatterie (175 Mann, 4 6-Pfünder-Kanonen, 2 Haubitzen)
- Sappeur Kompanie (71 Mann)
18. Infanteriedivision – Divisions-General Kniaziewicz
Infanteriebrigade – Brigade-General Grabowski
- 2. Infanterieregiment (1. bis 3. Bataillon / 2.420 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
- 8. Infanterieregiment (1. bis 3. Bataillon / 2.422 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
Infanteriebrigade – Brigade-General Pakosz
- 12. Infanterieregiment (1. bis 3. Bataillon / 2.206 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
(Dieses Infanterieregiment wurde detachiert)
Artillerie
- IV. Fußbatterie (163 Mann, 4 6-Pfünder-Kanonen, 2 Haubitzen)
- V. Fußbatterie (153 Mann, 4 6-Pfünder-Kanonen, 2 Haubitzen)
- Sappeur-Kompanie (61 Mann)
Leichte Kavalleriedivision – Divisions-General Kaminski
(später Sebastiani, Lefebvre-Desnouettes)
18. Leichte Kavalleriebrigade
- 4. Chasseur à Cheval Regiment (1. – 4. Schwadron / 786 Mann)
19. Leichte Kavalleriebrigade
- 1. Chasseur à Cheval Regiment (1. – 4. Schwadron / 652 Mann)
- 12. Ulanen-Regiment (1. – 4. Schwadron / 497 Mann)
20. Leichte Kavalleriebrigade
- 5. Chasseur à Cheval Regiment (1. – 4. Schwadron / 791 Mann)
- 13. Husaren-Regiment (1. – 4. Schwadron / 755 Mann)
Korps-Reserveartillerie – Oberst Gorski
- II. Reitende Batterie (152 Mann, 4 6-Pfünder-Kanonen, 2 Haubitzen)
- XIV. Fußbatterie (158 Mann, 6 12-Pfünder-Kanonen)
- Pontoniers (121 Mann, Brückenausrüstung)
Allgemeiner Artilleriepark
- VII. Fußbatterie (169 Mann, keine Geschütze)
- VIII. Fußbatterie (81 Mann, keine Geschütze)
- IX. Fußbatterie (86 Mann, keine Geschütze)
- XIII. Fußbatterie (75 Mann, keine Geschütze)
- XV. Fußbatterie (89 Mann, keine Geschütze)
Weitere polnische Einheiten der Großen Armee waren in diesen Verbänden organisiert:
in der Kaiserlichen Garde:
- Garde-Lanciers – Brigade-General Konopka
in der Weichsel-Legion unter Divisions-General Claparede:
1. Infanteriebrigade – Brigade-General Chlopicki
- 1. Infanterieregiment der Weichsel-Legion
- 2. Infanterieregiment der Weichsel-Legion
2. Infanteriebrigade – Brigade-General Bronikowski
- 3. Infanterieregiment der Weichsel-Legion
- 4. Infanterieregiment der Weichsel-Legion
Artillerie
- Fußbatterie (4 Kanonen und 2 Haubitzen)
- Fußbatterie (4 Kanonen und 2 Haubitzen)
in der 28. Infanteriedivision unter Divisions-General Girard
Infanteriebrigade
- 2. Infanterieregiment (1.331 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
- 7. Infanterieregiment (967 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
- 9. Infanterieregiment (1.281 Mann, 2 3-Pfünder-Kanonen)
Artillerie
- I. Fußbatterie (67 Mann, 4 6-Pfünder-Kanonen, 2 Haubitzen)
- II. Fußbatterie (?? Männer, 4 6-Pfünder-Kanonen, 2 Haubitzen)
- Sappeur-Kompanie (97 Mann)
in der 4. Leichten Kavalleriedivision unter Divisions-General Rozniecki
28. Leichte Kavalleriebrigade – Brigade-General Dziewanowski
- 2. Ulanenregiment (596 Mann)
- 7. Ulanenregiment (672 Mann)
- 11. Ulanenregiment (551 Mann)
29. Leichte Kavalleriebrigade – Brigade-General Turno
- 3. Ulanenregiment (658 Mann)
- 11. Ulanenregiment (688 Mann)
- 16. Ulanenregiment (728 Mann)
in der 7. schweren Kavalleriedivision unter Divisions-General Lorge
- 14. Kürassierregiment (300 Mann)
Artillerie des IV. Kavalleriekorps
- III. Reitende Batterie (168 Mann, 4 6-Pfünder-Kanonen, 2 Haubitzen)
- IV. Reitende Batterie (167 Mann, 4 6-Pfünder-Kanonen, 2 Haubitzen)

Am 23. Juni 1812 überquerte die Grande Armée den Fluss Njemen und betrat russischen Boden. Monatelang zuvor war das Herzogtum Warschau ein riesiges Heerlager und Versammlungsgebiet für die Truppen Napoleons gewesen, und die Bevölkerung war zweifellos froh, diese ungebetenen Gäste endlich loszuwerden. Tatsächlich würden nur wenige der Soldaten wieder zurückkehren. Die Armee war kaum in das russische Hinterland eingedrungen, als sie in erste Schwierigkeiten geriet. Die russische Armee stellen sich keiner Schlacht, sondern wich vor den Angreifern zurück und vergiftete Brunnen und vernichtete sämtliches Getreide. Aufgrund der fehlenden Versorgung, die damals üblicherweise in großen Teilen durch Requirieren erfolgte, starben jeden Tag hunderte Männer der Grande Armée an Hitze und Erschöpfung. Die jungen polnischen Wehrpflichtigen litten besonders schwer. Das schlechte und kaum verfügbare Futter begann zudem, Tausende von Kavalleriepferden zu töten. Am 23. Juni zählte das V. Korps 30.000 Mann, aber bis zum 28. Juli waren es nur noch 22.000 einsatzfähige Soldaten, obwohl noch keine größeren Gefechte stattgefunden hatten.
Am 27. Juni zogen die Polen durch Litauen und erreichten die Stadt Wilna, die bis 1795 polnischer Besitz gewesen war, wo sie mit großem Jubel als Befreier empfangen wurden. Als Reaktion auf lokale Bitten wurde am 1. Juli eine Föderation Litauens mit dem Herzogtum ausgerufen, und die Aufstellung von fünf Infanterie- und vier Ulanen-Regimentern begann. Diese wurden als 18. bis 22. Infanterieregiment sowie als 17. bis 20. Kavallerieregiment der Armee des Herzogtums Warschau bezeichnet. Diese Einheiten erreichten jedoch nie ihre volle Stärke und die meisten von ihnen kamen im russischen Winter ums Leben. Napoleon rief außerdem eine Ehrenwache aus jungen litauischen Adligen ins Leben, aus denen die 3. Chevaulegers Lanciers de la Garde Imperiale gebildet wurden.

Am 9. Juli im Gefecht bei Mir, am 10. Juli bei Koralice und am 14. Juli bei Nieswiez wurde die polnische Kavallerie von russischen Truppen, vor allem Kosaken unter dem Kommando von Platow, angegriffen. Für die dort entstanden Verluste konnten die Polen am 25. Juli Vergeltung üben, indem das 6. und 10. Kavallerie-Regiment die russischen Ingermannland-Dragoner vernichteten. Am 13. August wurden die polnische 17. Division sowie die 2., 7. und 15. Ulanen-Regimenter detachiert, um als Verbindung zu sächsischen und österreichischen Truppen am südlichen Armeeflügel zu dienen, sodass das V. Korps nur noch eine Stärke von 15.000 Mann aufwies.
Am 16. August waren die Polen schwer in erbitterte Kämpfe bei Smolensk verwickelt, mit mehr als 2.000 Verlusten, darunter vier Generäle und sechzig Offiziere. Ende August trafen die ersten Elemente der neuen litauischen Infanterieregimenter mit der 17. Division ein und etwa zur gleichen Zeit schickte Victor das 4., 7. und das 1. polnische Infanterieregiment nach Minsk.

Bei Borodino am 5. und 7. September 1812 waren die Polen erneut in schwere Kämpfe verwickelt. Am 5. September führte Poniatowski den Großteil der polnischen Einheiten auf der rechten Flanke der Armee zum Angriff, wo sie die Schweradino-Schanze einnahmen. Am 7. September entwickelte sich eine weitere Flankenbewegung auf der rechten Seite, wo die polnische Infanterie um das Dorf Uticza kämpfte. Die Kavallerie war ebenfalls in diesem Sektor aktiv und nahm Pasarzew ein. Der Weichsel-Legion kämpfte unterdessen auf der linken Flanke unter dem Kommando von General Claparede.
In der zweiten Hälfte des Septembers, während Napoleon die rauchenden Ruinen Moskaus besetzte und über sein Dilemma grübelte, wurde das polnische V. Korps entsandt, um starke russische Verbände zurückzudrängen, welche die Kommunikationslinien bedrohten. Sie kämpften am 24. September bei Podolsk und folgten dann dem Feind, als er sich in Richtung Kaluga zurückzog, wobei es zu weiteren kleinen Gefechten kam. Die Verluste waren äußerst hoch, und die größten polnischen Infanterieregimenter wurden nun mit jeweils zwei Bataillonen statt drei reorganisiert. Etwa zu dieser Zeit schloss sich die Weichsel-Legion den anderen polnischen Einheiten an.
Ein Stillstand der Operationen zwischen Ende September und Mitte Oktober endete am 18. Oktober, als starker russischer Druck auf Murats Außenposten entstand. Bei den heftigen Kämpfen war der König von Neapel gezwungen, sich innerhalb eines polnischen Infanterie-Karrees zurückzuziehen. Als die Polen sich schließlich zurück nach Woronowo gekämpft hatten, stellte man fest, dass weitere 500 Tote (darunter General Fiszer) und 1.000 Verwundete (darunter Prinz Anton Sulkowski) zu beklagen waren. Das V. Korps war mittlerweile auf 12.000 Mann reduziert worden.

Am 18. Und 19. Oktober begann der Rückzug aus Moskau. Durch den bald danach einsetzenden starken Wintereinbruch starben Menschen und Tiere zu hunderten. Die polnischen Truppen litten ebenso schwer wie jeder andere Truppenteil der schwindenden Grand Armée. Nach den Kämpfen bei Borowsk und Wjasma verfügte das sogenannte V. Korps nur noch über 800 kampffähige Männer. Die Weichsel-Legion, die sich der Grande Armée mit einer Stärke von 7.000 Mann angeschlossen hatte, war beim Eintreffen in Smolensk am 9. November auf 1.500 reduziert worden. Die 3. chevau-légers der Garde wurden am 3. November bei Slonim praktisch ausgelöscht.
Die detachierte 17. Division unter Dombrowski war immerhin noch 4.000 Mann stark, erlitt jedoch schwere Verluste bei Borissow an der Beresina, während sie vergeblich versuchte, die wichtige Brücke vor dem Angriff der Russen zu retten. Während sich die kläglichen Reste der Grande Armée am 27. November über die beiden improvisierten Brücken bei Studienka schleppten, hielt das nun wiedervereinte V. Korps unter Zajonczek einen russischen Vormarsch am Westufer der Beresina auf. Poniatowski, der erkrankt war und in einer Kutsche reiste, konnte nur mit Mühe über den Fluss entkommen. Das Kommando über das V. Korps wechselte rasch von Zajonczek zu Kniaziewicz und dann auf Krasinski, da die Generäle nacheinander verwundet wurden. In der Nacht des 6. November eskortierten die polnischen Ulanen der Garde und die 7. polnischen Ulanen Napoleon, als dieser den armseligen Rest seiner Armee verließ.

Am 9. November überquerten die Überreste des V. Korps die Njemen und erreichten schließlich ihre Heimat. Poniatowski hielt am Weihnachtstag in Warschau eine Inspektion seiner Truppen ab. Abgesehen von Dombrowskis 17. Division zählten sein Korps nur noch ganze 400 Mann. Sie hatten allerdings ihre Adler und vierzig Kanonen retten können.