Blüchers Sturz bei Ligny – 16. Juni 1815

Zwei Tage vor dem großen Finale der Napoleonischen Kriege, der Schlacht von Waterloo, fanden am 16. Juni 1815 die Schlachten von Quatre Bras und Ligny statt. Napoleon hatte die Grenze überschritten und war mit seiner Armee in Richtung Brüssel marschiert. Wie geplant, traf er bei Quatre Bras auf die Anglo-Alliierte Armee und etwas weiter östlich, bei Ligny, auf die Preußen unter dem Kommando des Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher, dem Fürsten von Wahlstatt. Während Marschall Ney den Kampf bei Quarte Bras leitete, führte Napoleon seine Korps gegen die Preußen. Nach äußert blutigen Kämpfen, die zum großen Teil in Ligny selbst und den umliegenden Dörfer ausgefochten wurden, neigte sich der Tag langsam dem Ende und es schien, als ob eine Niederlage der Preußen unabwendbar war. Blücher hatte kaum noch Reserve. Ihm blieben nur die 32 Schwadronen der Kavallerie-Reserve. Die 6. Ulanen, die aus den Reitern des Freikorps Lützow gebildet worden waren, führten die erste Attacke an. Die Reiter trafen jedoch auf die 4. Gardegrenadiere, die den Angriff der Ulanen mit einigen Salven zum Stehen brachten. Hierbei wurde auch ihr Kommandeur, Major Lützow verwundet und von den Franzosen gefangen genommen. Die weiteren preußischen Kavallerie Regimenter wurden von einem Flankenangriff französischer Kürassiere getroffen und zurückgeworfen.

Nun führte der 73-jährige Blücher selbst die zurückflutenden Reiter erneut ins Gefecht. Doch auch diesem Angriff folgte ein Gegenstoß der schweren französischen Kavallerie. Als Blücher die 9. Kürassiere auf sich zustürmen sieht, versucht er noch zu entkommen. Sein Schimmel, ein Geschenk des Prinzregenten von England, wird jedoch von einer Kugel getroffen, stürzt zu Boden und begräbt den Feldmarschall unter sich. Auch das Pferd seines Adjutanten, dem Grafen August Ludwig von Nostitz, wird getötet, er selbst bleibt jedoch unverletzt. Allein schafft es Notstitz jedoch nicht, den bewusstlosen Blücher unter dem toten Pferd herauszuziehen und so steht er zunächst mit geladener Pistole neben dem Gestürzten, bereit den Feldmarschall gegen die feindlichen Reiter zu verteidigen.

Sie haben jedoch Glück, obwohl der Kampf weiter um sie herum tobt und die französischen Kürassiere zwei Mal unmittelbar an ihnen vorbeireiten, bleiben sie unbehelligt. Endlich gelingt es Nostitz einige preußische Reiter auf sich aufmerksam zu machen. Mit Hilfe von Major von dem Bussche-Ippenbürg, dem Kommandeur einer Eskadron des Elbe-Landwehr-Kavallerie-Regiments, dem Ulanen-Unteroffizier Schneider und dem Dragonergefreiten Seidel gelingt es, den immer noch bewusstlosen Blücher zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Die Schlacht von Ligny geht jedoch verloren und Napoleon kann seinen letzten Sieg feiern. Doch schon zwei Tage später kann Blücher seine Preußen zur Schlacht von Belle Alliance – oder Waterloo, wie es von den Briten genannt wurden – führen.

Die kleine Figurengruppe im Maßstab 1/72 stammt von Art Miniaturen und ist unverkennbar der hier gezeigten Zeichnung nachempfunden.

Die Französische Feldschmiede

Einer der wichtigsten Handwerker in der Armee Napoleon war mit Sicherheit der Schmied. Je nach Aufgabenbereich hatte er verschiedene Bezeichnungen. So wurde zwischen dem gewöhnlichen Schmied (forgeron) und den Hufschmied (Marèchaux ferrant) unterschieden. Außerdem gab es noch weitere Handwerksberufe, die an den Feldschmieden arbeiteten, wie zum Beispiel den Radmacher und den Waffenschmied.

Auch bei den Feldschmieden gab es verschiedene Ausführungen, was sich jedoch hauptsächlich auf die Größe und Ausstattung bezog.

Organisation und Aufgaben

Jede Kavallerie-Einheit hatte einen oder mehrere Hufschmiede. Auch im Etat des Artillerie-Trains waren zwei Hufschmiede vorgesehen. Schmiede gab es in den Einheiten der Artillerie, des Artillerie-Trains, des Train des Equipages und dem Batalion d‘ Ouvries d‘ Administration. Die Radmacher waren ebenfalls in diesen Einheiten zu finden. Die Hufschmiede waren natürlich für das Beschlagen der Pferde zuständig. Sie ritten  stets am Ende einer Kolonne, um abgefallene Hufeisen aufzusammeln. Der Hufschmied beurteilte auch die Gesundheit der Pferde, da der Veterinär eines Regiments nicht jedes Tier selbst begutachten konnte. War ein Tier ernsthaft krank, wurde es vom Hufschmied an einen Veterinär weitergegeben.

Die Schmiede in den Einheiten der Artillerie waren für die Erneuerung und Instandhaltung der Geschütze und aller Metallbeschläge verantwortlich. Sicherlich wurden auch sämtliche Metallgegenstände der persönlichen Ausrüstung von ihnen repariert.

Uniformen

Der Hufschmied (Maréchal-ferrant ) der Kavallerie war durch ein Abzeichen in Form eines Hufeisens auf dem rechten, oberen Ärmeln kenntlich gemacht. Das Hufeisen war in der Knopffarbe der Einheit gehalten, also weiß bei silbernen Knöpfen oder gelb bei goldenen. Der Schmied hatte den Rang eines Sergeanten, aber er trug seine Rangabzeichen nur auf dem rechten Ärmel.

Feldschmieden

Wie schon erwähnt, gab es verschiedene Ausführungen der Feldschmiede. Die kleine mobile Feldschmiede besaß zwei Räder, eine Gabeldeichsel und wurde von 2 Pferden gezogen. Die große Feldschmiede war 4-rädrig (einschließlich der Gribeauval-Protze) und wurde von 4 bis 6 Pferden gezogen. Der Unterschied zur kleinen Feldschmiede bestand aus den zusätzlichen Stau- und Werkzeugkisten. Bei dieser Variante hab es auch Modelle mit zwei Blasebälgen oder mit einer Überdachung für die Esse. Durch eine Stützstange konnten die Schmieden auch ohne Pferde und Protzen waagerecht aufgestellt werden. Die Farbgebung der Holzteile war, wie auch bei der Geschützen und Protzen der Artillerie, eine Art olivgrün. Alle Eisenteile, mit Ausnahme der Radreifen und Esse, waren schwarz gestrichen. Die mobilen Feldschmieden waren jedoch nur den Einheiten des Artillerie-Train, des Train des Equipages und dem Batalion d‘ Ouvries d‘ Administration zugewiesen. Die Kavallerie und die Infanterie mussten sich mit Schmieden vor Ort behelfen. Einige Regimenter hatten aber vermutlich eine kleine tragbare Feldschmiede, welche zerlegt auf dem Regimentswagen befördert wurde. Es ist natürlich auch möglich, dass die Hufschmiede der Kavallerie die Feldschmieden der Train-Einheiten genutzt haben. Für die Bedürfnisse der Infanterie war der Train des Equipages und das Batalion d‘ Ouvries d‘ Administration zuständig. So verschieden die Feldschmieden auch waren, sie funktionierten alle nach dem gleichen Prinzip. Mit Hilfe eines Zughebels, der über eine Querstange mit dem Blasebalg verbunden war, wurde der Blasebalg betätigt. Mit der dadurch entstandenen Luft wurde die Kohle in der Esse auf die gewünschte Temperatur gebracht.

Andere Nationen

Auch alle anderen Nationen in der Zeit der Napoleonischen Kriege verwendeten Feldschmieden. Oft wurden aber keine eigenen Konstruktionen, sondern Beutestücke verwendet. In einigen Armeen kamen auch veraltete Feldschmieden zum Einsatz Beispielsweise  wurden bei der preußischen Artillerie für die alten Batterien, welche schon vor 1812 bestanden, noch die sogenannte „Altpreußische“ Feldschmiede benutzt, eine schwer bewegliche und unglaublich unhandliche Konstruktion. Für die neuen Batterien waren zunächst keine Feldschmieden vorhanden. Erst durch französische Beutestücke konnte nach und nach für Abhilfe gesorgt werden. Im Verlaufe des Feldzuges von 1813/ 1814 entstanden dann zusätzliche Neukonstruktionen. Hier ein Auszug aus dem Buch „Geschichte der brandenburgisch-preussischen Artillerie“ von Louis von Malinowsky und Robert von Bonin:

In älteren Zeiten kamen die Feldschmieden bei einem Artillerie-Train in unbestimmter, nur geringer, Zahl in Anwendung, und seit dem Mobilmachungsplane von 1797 nur eine bei der Handwerks-Kolonne. So blieb es auch bei Eintritt der neuen Formation, und erst 1812 dachte man daran, dieses Fahrzeug auch bei Batterien einzuführen.

Seine königliche Hoheit der Prinz August beauftragte den Kapitan Heuser zu diesem Ende, eine, wo möglich zwei-, oder doch nur vierspännige Feldschmiede zu konstruieren. Da aber weder der Capit. Heuser, noch die Prüfungs-Commission die erforderlichen Materialien zu dieser Arbeit besaß, so wendete man sich an den Major Braun, der im Januar 1813 die verlangte Zeichnung einschickte. Sie war im ganzen nach dem älterem System gebaut, doch leichter proportioniert, da sie völlig ausgerüstet nur 13 ½ Ctr. wog, und die Esse auf einen besonderen Rahmen gesetzt, um die Unterbäume nicht biegen zu müssen. Letztere, so wie überhaupt das Untergestell, waren ähnlich, wie bei dem neuen Munitionswagen, doch hatten sie eine nach hinten divergierende Lage. Der Kohlenkasten befand sich unter der Esse: ein Schraubstock am hinteren Ende des Fahrzeugs. Diese Schmiede sollte vierspännig gefahren werden; allein man weiß nicht, ob sie wirklich eingeführt wurde, doch wollte der Major Braun ein Exemplar für den Proviant-Train bauen lassen.

Unter den 6. November 1813 erschien von der Dritten Division des Allgem. Kriegs-Departments ein Mobilmachungs-Etat der neu eingeführten sechsspännigen Feldschmiede, deren man vorläufig je dreien der mobilen Batterien eine geben wollte. Zu jeder Schmiede gehörte außerdem noch ein vierspänniger Eisen- und Kohlenwagen (Das erforderliche Personal zu diesen beiden Fahrzeugen bestand aus einem Zeugschmiede-Meister, vier dergleichen Gesellen (sämtlich Artilleristen) und fünf Trainsoldaten zum Fahren. Wenn diese Schmiede, wie es fast scheint, nicht die Braunsche gewesen ist, so sind darüber weiter keine Nachrichten über deren Einrichtung vorhanden.

Nach dem letzten Kriege gab man endlich jeder Batterie, jeder Park- und Handwerkskolonne eine nach der Konstruktion von 1816 erbauten Feldschmiede.

Die neue Schmiede für den Belagerungstrain, welche man größer und stärker verlangte, als die Feldschmiede, wurde 1833 eingeführt.

Figuren und Dioramen

Die im Diorama gezeigte 4-rädrige Feldschmiede stammt von einem Hersteller aus England, der mir leider nicht bekannt ist. Ich habe sie mal lose, ohne Verpackung erworben. Diese Feldschmiede habe ich allerdings durch diverse Anbauten und Umbauten ergänzt und verändert. Die Zugpferde stammen aus der „Figurenschmiede“ von Frank Germershaus und die Train-Figuren sind eigene Umbauten verschiedener Plastikfiguren. Das Ganze stellt eine mobile Feldschmiede des Train de Equipage de la Garde dar. Auch der berittene Offizier und der Trompeter gehören dieser Einheit an.

Die 2-rädrige Feldschmiede und alle Figuren des Dioramas sind von Frank Germershaus. Die Pferde sind aus einem Plastikfigurenset. Diese Figurengruppe wurde als Train d’Artillerie de la Garde bemalt.

Die tragbare Feldschmiede ist ein Eigenbau, mit einigen Teilen aus dem Set der 2-rädrigen Feldschmiede. Der Hufschmied und seine Gehilfen stammen wiederrum von Frank Germershaus. In diesem Diorama ist ein Hufschmied des Train de Equipage dargestellt.

Castra – Das Römische Marschlager

Ich habe mal wieder ein neues Projekt gestartet. Thema ist die römische Armee der frühen Kaiserzeit. Zum Glück kann ich bei diesem Projekt auf einen Teil alten Figuren und Geländeteile zurückgreifen, die ich auch schon vor ein paar Jahren für ein Big Battle DBA Spiel verwendet hatte. Ziel ist es, ein FoG Szenario entwickeln, bei dem ein römisches Marschlager eine zentrale Rolle spielt. Zunächst aber eine kurze Einführung in Geschichte des römischen Marschlagers.

Entstehungsgeschichte

Eine römische Armee errichtete am Ende jeden Marschtages ein befestigtes Lager, um Truppen und Ausrüstung vor Überraschungsangriffen zu sichern. Ein einfaches Marschlager wurde nur wenige  Tage bewohnt und nach dem Verlassen oft wieder eingeebnet, um den Feind keinen vorbereiteten Stützpunkt zu liefern. Im Falle einer Schlacht diente das Lager auch als Rückzugspunkt. Das befestigte und organisierte Marschlager war keine römische Entwicklung. Bekannt war diese Art von Lager auch schon in früheren Zeiten und in anderen Kulturkreisen. Aus Abbildungen kennen wir beispielsweise das ägyptische Heerlager bei Qadesh, dass eine Befestigung in Form einer Palisade aus Schilden hatte. Man nimmt an, dass die Lagerform der späten Republik und frühen Kaiserzeit auf Pyrrhus von Epirus zurückgeht, der durch seine Feldzüge in Italien, die Römer unfreiwillig mit dieser Art von Marschlager vertraut machte. Die straffe Organisation und detaillierte Durchführung beim Bau des Lagers wurde dann lange Zeit eines der Markenzeichen  der römischen Armee. Jeder Legionär bekam immer eine ganz bestimmte Aufgabe beim Bau des Lagers zugewiesen, auch die Position der einzelnen Lager-Elemente war immer gleich, so dass stets ein reibungsloser Ablauf gewährleistet war.

Für jeden Zweck gab es eine leicht modifizierte Version des Standardlagers, abhängig von der Größe der Armee, dem Einsatzzweck oder dem Ort an dem es errichtet wurde. So wurden die Wallanlagen, je nachdem ob man sich in Feindesland oder sogar in der Nähe eines feindlichen Heeres befand, verstärkt und durch tiefere oder zusätzliche Gräben erweitert. In festen Lagern wurden die Zelte oft durch Gebäude ersetzt und auch die Wallanlagen und Gräben waren um ein vielfaches größer. In diesem Bericht will ich mich aber nur auf die Struktur des einfachen Marschlagers beschränken.

Quellen

Die Rekonstruktion des römischen Marschlagers stützt sich auf Beschreibungen in antiken Schriften und auf archäologische  Funde, die hier im Wesentlichen aus Fotos der Luftbildarchäologie bestehen. Bei den antiken Schriften sind vor allem zwei Quellen zu nennen. Die erste Quelle ist der leider unvollständigen Text mit dem Titel De muntionibus csatrorum (Von den Befestigungen der Kastelle), der aus der Feder eines Unbekannten stammt, aber von einem Vermessungstechnikers Namens Hyginus Gromaticus in einem Sammelwerk aufgeführt ist. Da er nicht der Autor dieser Beschreibung ist, wird er auch als Pseudo-Hygin bezeichnet. Die Beschreibung stammt aus dem 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr. Die zweite wichtige antike Quelle geht auf Flavius Vegetius Renatus zurück, der sein Werk Epitoma rei militaris (Abriss des Militärwesens) im 4. Jahrhundert n. Chr. schrieb. Er bedient sich allerdings sehr vieler alter Quellen und so sind seine Aufzeichnungen recht zweifelhaft. Auch bei Polybius finden wir ein paar gute Hinweise, hier jedoch nur auf die Zeit der Republikanischen Armee. Auch bildliche Darstellungen, wie die Trajan-Säule sind eine wichtige Quelle zur Rekonstruktion.

Lage

Der erste Schritt zum Bau eines solchen Lagers bestand in der Auswahl eines geeigneten Geländes. Ein Tribun, begleitet von einer kleinen Abteilung, wurde hierfür dem marschierenden Heer vorausgeschickt. Seine Aufgabe war es, ein genügend großes freies Feld zu finden, welches möglichst am Hang eines Hügels liegen sollte. Die Hanglage hatte den Vorteil der leichteren Verteidigungsmöglichkeit. Es musste sich außerdem ausreichend Trinkwasser in der Nähe befinden und sollte dem Feind möglichst wenig Deckungsmöglichkeit bieten. Je nach Verwendungszweck konnten auch andere Faktoren, wie z.B. die Angriffsrichtung bei einer bevorstehenden Schlacht oder Geländeeigenschaften, wie Schluchten und mögliche Überflutungsflächen von Flüssen eine Rolle spielen. Manchmal musste das Lager aus verschiedenen Gründen an einer ungünstigen Stelle errichtet werden. Hier sprach man dann von einer „novercae“, also einer „Schwiegermutter“ – Lage.

Vermessen

Im Zentrum (locus gromae) des gewählten Geländes wurde die groma aufgestellt, eine Visiereinrichtung, an welcher ein Kreuz mit vier Lotbleien angebracht war. Mit Hilfe dieses Gerätes konnte nun das zu entstehende Lager aufgeteilt und die Abmessungen bestimmt werden. Als erstes wurden die beiden Hauptstraßen (via principalis und via praetoria) festgelegt, die das Lager in vier Bereiche teilte. Den Schnittpunkt dieser beiden Straßen bildete der Punkt der aufgestellten groma. Anschließend wurde der Platz für das Kommandeurszelt (praetorium) ausgewählt und mit einer weißen Fahne markiert. Es folgten nun die Lagerplätze der Tribunen und zum Schluss die Bereiche der Kohorten. Diese Punkte wurden durch rote Fahnen gekennzeichnet.

Lagerbau

Im zweiten Schritt errichtete man die Befestigungsanlage. Dabei wurde die Hälfte der Legionäre zum Bau eingesetzt, während der Rest, zusammen mit der Kavallerie, außerhalb des Lagers die Arbeiten sicherte. Die Lasttiere und Wagen der Legion wurden zunächst ins Lagerinnere geführt. Die Soldaten, die zum Bau eingesetzt wurden, arbeiteten zwar ohne Helm und Waffen, aber in voller Rüstung, um jederzeit bereit zum Kampf zu sein. Zunächst wurden Grassoden ausgestochen und ein Graben (fossa) von 1,50 m Breite und 0,90 m Tiefe ausgehoben. Beim Bau der Verteidigungsanlage kamen verschiedene Geräte und Werkzeuge zum Einsatz, beispielhaft genannt sei hier die Pionieraxt (dolabra) zum Lockern des Erdreichs und der Rasenstecher genannt. Der Aushub aus dem Graben füllte man in Weidenkörbe, deren Inhalt dann zu einem 1 bis 2 Meter hohen Wall (agger) aufgeworfen wurde. Der Graben hatte meist ein V-förmiges Profil, es konnte sich aber auch um einen sogenannten punischen (wobei Punisch hier für „listenreich“ steht) Graben handeln, beim dem die Wände unterschiedliche Steigungswinkel hatten und den Angreifer so täuschen sollten. Der Wall wurde dann zusätzlich mit einer Palisade (lorica) versehen. Auch die Palisade konnte unterschiedlich konstruiert sein. Zum einen wurden Schanzpfähle (valli) einzeln in den Boden gerammt und durch ein Seil verbunden. Es gab jedoch auch andere Arten von Schanzpfählen. Unter anderem wurden starke, vielfach gegabelte Äste verwendet, deren Enden angespitzt waren. Diese improvisierten Pfähle wurden so nebeneinander gesteckt, dass sie ein verwobenes, dichtes Hindernis auf dem Wall bildeten. Da nicht überall solche Äste verfügbar waren, ging man dazu über, vorgefertigte Schanzpfähle zu verwenden. Diese Art von Pfahl war rund 2 m lang, hatte zwei spitzzulaufende Enden und war mit einer Aussparung in der Mitte versehen. Mit Hilfe dieser Aussparung konnten je drei Pfähle zu einem Dreibein (Spanischer Reiter) zusammengebunden werden, die dann in dichter Reihe nebeneinander ein Hindernis bildeten. Heutzutage werden diese vorgefertigten Schanzpfähle, die auf dem Marsch mitgeführt wurden, oft fälschlich als pila muralis bezeichnet, bei diesen handelte es sich aber um spezielle Stoß-Speere, die bei der Verteidigung eines Lagerwalles zum Einsatz kamen.

Zum Schluss wurde die Außenseite des Walles mit den ausgestochenen Grassoden (Caespites) belegt. Das erschwerte dem Feind den Wall zu ersteigen, denn die Grassoden lagen nur locker auf dem Wall und jeder, der sie betrat, sollte mit ihnen in den Graben zurückrutschen.

Zelte

Den Abschluss des Lagerbaues bildeten das Errichten der Zelte und das Anlegen der Pferche für die Transporttiere. Als erstes wurden das Zelt des Kommandanten und die seiner Tribunen aufgestellt. Es folgten die Unterkünfte der Centuriones und am Ende die Zelte der Legionäre selbst. Für die Diener, wie die Treiber des Viehs, und das Gepäck wurden vermutlich kleine, überdachte Unterstände gebaut.

Doch damit waren für den Legionär die Anstrengungen des Tages noch nicht beendet, denn nun mussten die Tiere versorgt und das Essen zubereitet werden. Zusätzlich stand Wasser holen, Korn mahlen, kochen und die Pflege der Ausrüstung auf dem Programm.  

Das Mannschaftszelt (papilio) wurde von je 8 Legionären bewohnt. Bei den Ausmaßen der Zelte (ca. 3 x 3 m) ist es eigentlich nicht vorstellbar, wie 8 ausgewachsene Männer dort genächtigt haben sollen, allerdings war rund ein Viertel der Mannschaften ständig zu verschiedenen Diensten abwesend. Es mussten also höchstens 6 Personen gleichzeitig im Zelt schlafen und das war durchaus möglich. Diese Zeltgemeinschaft (contubernium) bildete die kleinste Einheit in einer Legion und war so etwas wie eine Familie für den Legionär. Sie lebten, aßen und kämpften zusammen. Das Zelt selbst bestand aus zusammengenähten Lederquadraten und wurde durch ständiges einfetten vor Feuchtigkeit geschützt. Jedes Contubernium verfügte über eine gemeinschaftliche Ausrüstung, die während des Marsches auf einem Maultier befördert wurden. Neben dem Zelt gehörten zu dieser Ausrüstung die Kochutensilien, ein Mühlstein, sowie ein Vorrat an Getreide, aus dem das Grundnahrungsmittel der Legionäre, der puls (ein gekochter Getreidebrei) bereitet wurde. Hinzu kamen evtl. Schanzwerkzeuge und die schon erwähnten valli, die Schanzpfähle.

Struktur

Die Struktur des Lagers veränderte sich natürlich im Laufe der Jahre und passte sich den jeweiligen Änderungen der römischen Armee an. In Republikanischer Zeit war das Standartlager auf die übliche Doppellegion, Reiterei, Verbündete, Hilfstruppen und Leibgarde ausgerichtet, insgesamt 18.600 Mann. Die Fläche des Lagers war quadratisch und die Außenseiten hatte ungefähr eine Abmessung von 600 x 600 m. Zunächst gab es, wie erwähnt, die zwei Hauptstraßen, wobei die via principalis eine Breite von ca. 30 m und die via praetoria von nur 15 m hatte, die in 4 Tore (porta praetoria, porta decumana, porta principalis sinistra und porta principalis dextra) ausliefen. Die Lagertore konnten nicht verschlossen werden, sondern wurden nur durch einen vorgelagerten kurzen Wall (titulum) oder eine bogenförmige Verlängerung (clavicula) des Hauptwalles gesichert, was das direkte eindringen von Angreifern verhindern sollte. Zwischen Wall und dem eigentlichen Lager befand sich ein ca. 60 m breiter „Sicherheitsstreifen“ (intervallum), welcher die Unterkünfte vor Beschuss mit Speeren und Pfeilen schützte und als Aufmarschgebiet der Legionäre diente. Im Zentrum des Lagers (forum), also dem Schnittpunkt der Hauptstraßen, befanden sich das Kommandeurszelt und Heiligtum, in dem auch die Feldzeichen aufbewahrt wurden. Der Platz vor dem Zelt wurde principia genannt. Die Zelte der Tribunen waren oberhalb der via principalis aufgereiht. Über ihnen lagen die Zelte der Hilfstruppen. Unterhalb der via principalis  waren die Zelte der Legion selbst aufgestellt, wobei die Kavallerie die Bereiche links und rechts entlang der via praetoria besetzte. Die Lage der einzelnen Abteilungen war so angeordnet, dass ein schnelles aufmarschieren der Armee durch die 4 Tore erfolgen konnte. Natürlich half die strikte Anordnung auch dabei, sich im Lager schnell zurechtzufinden.

Jedes Manipel hatte 20 Zelte und je eins für die beiden Zenturionen. Die Zelte waren in Doppelreihe angeordnet, eine Reihe für jede Zenturie, wobei in der Mitte ein breiter Laufweg verlief, der außerdem als Fläche zum Kochen und zur Unterbringung von Tieren und Gepäck diente. Das Zelt des Zenturios stand stets als Erstes in der Reihe, gegenüber dem Lagerwall. Das diente vermutlich zur Kontrolle der Legionäre, die dadurch immer das Zelt eines Zenturios passieren musste, wenn sie denn Bereich Ihres Manipels verlassen wollte. In kaiserlicher Zeit änderte sich die Aufteilung des Lagers. Ein Marschlager mit Abmessungen von 687 x 480 Metern konnte nun drei Legionen, Hilfstruppen und Garde, insgesamt rund 40.000 Mann aufnehmen. Dieses Marschlager war also wesentlich dichter belegt als seine republikanische Variante. Auch die Aufteilung war nun eine völlig andere und die Straßen hatten eine deutlich geringere Breite.

Figuren und Zubehör

Die von mir verwendeten Figuren stammen von ganz unterschiedlichen Herstelllern und einige sind auch Umbauten vorhandener Plastikfiguren. Die Zelte stammen von Fuhrmann Figuren, die verwendeten Zinnfiguren von Fine-Scale-Factory und Art Miniaturen. Viele Umbauten basieren auf den Figuren der alten Esci-Plastiklegionäre.

Weiterführende Literatur

Der Pionier in Sachen Römischer Lagerbau ist sicher Marcus Junkelmann, der 1985 mit seinem Alpen-Marsch in rekonstruierter Legionärsausrüstung viele wertvolle Erkenntnisse zu dieser Thematik gewinnen konnte. Sein Buch „Die Legionen des Augustus“ ist also der Klassiker zu diesem Thema. Eine gute, etwas aktuellere Beschreibung des Marschlagers, seiner Funktion und Entstehung findet man in dem Werk „Auf dem Weg zum Imperium. Eine Geschichte der römischen Armee“ von Kate Gilliver. Im Internet sollte man mal einen Blick auf die Ausarbeitungen von Gary Brueggeman werfen. Er versucht die Größe und Aufteilung eines Marschlagers plausibel zu erklären, wobei er in seinen modellhaften Darstellungen jedes noch so kleine Detail, also auch Dinge, wie die Unterbringung von Tieren und Diener, sowie die genauen Abstände zwischen den Zelten berücksichtigt. Hier der Link (Achtung, das wegklicken der Pop-Ups ist etwas mühsam): http://www.garyb.0catch.com/site_map.html