Waterloo – Quatre-Bras 1815 / Teil 1

Vasa und ich planen, wie mittlerweile in jedem Jahr, ein weiteres TableTop-Szenario aus den Napoleonischen Kriegen auszuarbeiten. Das neue Projekt soll sich einer weiteren Schlacht der Kampagne von 1815 widmen. Rund 12 Kilometer südlich vom Waterloo-Schlachtfeld trifft man auf den kleinen Ort und die Straßenkreuzung Quatre-Bras, wo am 16. Juni 1815 Teile der Anglo-Alliierten Armee aufmarschierten, um sich dem Vormarsch der Franzosen nach Brüssel entgegenzustellen. Auf der nach Osten führende Straße dieser Kreuzung gelang man nach Ligny, wo zeitgleich Napoleon gegen die preußische Armee kämpfte. Diese Straße stellte also eine wichtige Verbindung zwischen den beiden verbündeten Armeen dar und aus diesem Grund wurde diese Straßenkreuzung hart umkämpft.

Dieses und die folgenden Uniformbilder der Holländisch/Belgischen Armee von 1815 stammen aus dem Musée Royal de l’Armée in Brüssel.

Ich möchte in diesem ersten Bericht noch nicht die Schlacht dokumentieren, sondern zunächst einen Blick auf die beteiligen niederländisch-belgischen Truppenteile werfen, da ich diese für unser TableTop-Projekt neu bemalen werde.

Niederlande

Die Niederlande werden oft mit dem Namen Holland bezeichnet. Dies ist jedoch ungenau. So bestanden die Niederlande im Jahr 1815 aus den heutigen Niederlanden, Belgien und Luxemburg. Viele Historiker betrachten die Niederlande als das erste durch und durch kapitalistische Land der Welt. Es besaß damals mit Amsterdam die reichste Handelsstadt und die erste Vollzeitbörse. Für viele war es eine große Überraschung, dass eine Nation, die nicht auf der Kirche oder einem einzigen königlichen Führer basiert, so erfolgreich sein konnte. In der Vergangenheit herrschten die Niederlande auf See und dominierten so den globalen Handel. Sie vertrieben die Briten und Portugiesen aus Indonesien, Malaysia und Ceylon und machten sich den einträglichen Handel der Gewürzinseln zu eigen. Den enthusiastischen niederländischen Kaufleuten gelang es ihr Land im 17. Jahrhundert zur mächtigsten Handelsnation der Welt auszubauen.

Bis zum Jahr 1568 wurden die Niederlande von Spanien beherrscht. In den Jahren 1568 bis 1648 (80-jähriger Krieg) kämpften die sieben nördlichen Provinzen für ihre Freiheit und erreichten schließlich ihre Unabhängigkeit als Republik der Sieben Vereinigten Provinzen unter der Führung des Hauses von Oranien. Die südlichen Provinzen blieben unter spanischer Herrschaft und wurde im Jahr 1713, aus Gründen der Erbfolge, ein Besitz des österreichischen Kaiserreiches. Während des 17. Jahrhunderts waren die Holländer in unzählige Kriege verwickelt, viele davon auf See. Die niederländische Flotte zerstörte beispielsweise im Jahr 1607 den Großteil der spanischen Marine bei Gibraltar. Der niederländische Reichtum und die Expansion des Seeverkehrs sorgten in ganz Europa, insbesondere in Großbritannien, für große Missgunst. Als die Engländer die Navigationsakten ankündigten, die vor allem den niederländischen Händlern in London schadeten, wurde die Lage zwischen den beiden Nationen äußerst angespannt. In Folge dessen gab es mehrere Kriege zwischen den beiden Ländern. Allein im zweiten britisch-niederländischen Krieg fanden 5 große Schlachten statt, die fast alle auf englischem Territorium ausgetragen wurden. In diesen Zeitraum fiel auch die Schlacht von Chatham (1667), eine der schlimmsten Niederlagen in der englischen Geschichte. Die wirtschaftliche und militärische Rivalität Großbritanniens mit den Niederlanden und die Eifersucht Großbritanniens auf den niederländischen Reichtum führten zu mehreren englischen Redewendungen, wie „Double Dutch“ (was bedeutet: Kauderwelsch oder Unsinn) und „Dutch Mut“ (Trinken, um die Angst vor dem Kampf zu verlieren).

Nach 200 Jahre wurden die Vereinigten Provinzen und auch die südlichen Provinzen durch die Armee der Republik Frankreich erobert. Im Jahr 1795 gründeten die Franzosen die Batavische Republik, die man nach dem germanischen Stamm der Bataver benannte, der das Gebiet zwischen Rhein und Maas zuerst besiedelt hatte. Im Jahr 1806 machte der französische Kaiser Napoleon I. daraus das Königreich Holland. König wurde Louis-Napoléon Bonaparte, ein Bruder des Kaisers. Während der Zeit von 1795 bis 1813, als die Niederlande unter dem Einfluss von Frankreich stand, wurden viele der niederländischen Kolonien von Großbritannien annektiert. Doch Napoleon war nicht zufrieden damit, wie sein Bruder das neue Königreich verwaltete. Im Juli 1810 löste er deshalb das Königreich Holland auf und die Niederlande wurden dem napoleonischen Frankreich einverleibt.

Nach den Niederlagen der Franzosen im Jahr 1813 kehrte Prinz William VI von Oranien am 30. November aus dem Exil zurück und wurde erneut als Oberhaupt der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen eingesetzt. In den Jahren 1814-1815 machte man Belgien und Holland auf dem Wiener Kongress zu Bauernopfern der Machtpolitik. Die beiden Länder wurden zum Königreich der Niederlande vereinigt. Wilhelm I. aus dem Haus Oranien-Nassau wurde zunächst souveräner Fürst, im Jahr 1815 König der Niederlande.

Armee – 1815

Die nach dem Abzug der Franzosen neu aufgestellte Armee der Niederlande war eine schwierige Mischung aus Holländern, Belgiern und Nassauern. Das Ganze war schwierig, da die Protestanten aus dem Norden (Holländer) und die Katholiken aus dem Süden (Belgien), die zudem fast nur Französisch sprachen, nun nach 200 Jahren Trennung wieder eine Einheit bilden sollten. Hinzu kam, dass noch vor kurzem ein Großteil vor allem der Belgier auf Seiten von Frankreich gekämpft hatten. Die Armee durchlief außerdem eine ganze Reihe von Reorganisationen, bis sie am 21. April 1815 schließlich aus diesen Einheiten bestand:

Kavallerie

  1. Karabiniers (Holland)
  2. Karabiniers (Belgien)
  3. Karabiniers (Holland)
  4. Leichte Dragoner (Holland)
  5. Leichte Dragoner (Belgien)
  6. Husaren (Holland)
  7. Husaren (Ost-Indien)
  8. Husaren (Belgien)

Miliz- Karabiniers (Belgien)

Die 8 Kavallerie-Regimenter wurden einfach der Reihe nach durchnummeriert, ohne Rücksicht auf den jeweiligen Typ. Eine Ausnahme bildete nur die Miliz-Einheit, welche keine Nummer erhielt.

Infanterie

  1. Linien-Bataillon (Belgien)
  2. Linien-Bataillon (Holland)
  3. Linien-Bataillon (Belgien)
  4. Linien-Bataillon (Belgien)
  5. Linien-Bataillon (Ost-Indien)
  6. Linien-Bataillon (Holland)
  7. Linien-Bataillon (Belgien)
  8. Linien-Bataillon (Holland)
  9. Linien-Bataillon (Holland)
  10. Jäger-Bataillon (West-Indien)
  11. Jäger-Bataillon (West-Indien)
  12. Linien-Bataillon (Holland)
  13. Linien-Bataillon (Holland)
  14. Linien-Bataillon (Holland)
  15. Linien-Bataillon (Holland)
  16. Jäger-Bataillon (Holland)
  17. Jäger-Bataillon (Holland)
  18. Jäger-Bataillon (Holland)
  19. Linien-Bataillon (Ost-Indien)
  20. Linien-Bataillon (Ost-Indien)
  21. Linien-Bataillon (Ost-Indien)
  22. Linien-Bataillon (Ost-Indien)
  23. Linien-Bataillon (Ost-Indien)
  24. Linien-Bataillon (Ost-Indien)
  25. Linien-Bataillon (Ost-Indien)
  26. Linien-Bataillon (Ost-Indien)
  27. Jäger-Bataillon (Holland)
  28. Regiment Orange – Nassau
  29. Schweizer Regiment
  30. Schweizer Regiment
  31. Schweizer Regiment
  32. Schweizer Regiment
  33. Kolonial-Depot Bataillon
  34. Garnison-Bataillon
  35. Jäger-Bataillon (Belgien)
  36. Jäger-Bataillon (Belgien)

Leichtes Infanterie-Regiment Nassau-Usingen

Hinzu kamen die 20 Bataillone (alle holländisch mit den Nummern 1 bis 20) der National Miliz.

Die Infanterie bestand aus 37 Einheiten, die ebenfalls ohne Rücksicht auf den Typ nummeriert worden waren. Es gab 13 reguläre Linien-Bataillone, 4 Linien-Regimenter, 8 Jäger-Bataillone sowie 2 Depot- bzw. Garnisons-Bataillone.

Ein Infanterie Bataillon bestand aus einem Stab von 14 Offizieren sowie 4 Füsilier-, einer Grenadier- und einer Leichten Kompanie. Bei voller Mannstärke besaß eine Kompanie 3 Offiziere, 1 Sergeant-Major, 4 Sergeanten, 1 Fourier, 8 Korporale, 2 Trommler, 1 Pfeiffer, 1 Sappeur sowie 108 Mannschaften. Ein Bataillon hatte also im Idealfall eine Stärke von 788 Mann.

Artillerie

  1. Artillerie-Bataillon (Holland)
  2. Artillerie-Bataillon (Holland)
  3. Artillerie-Bataillon (Holland)
  4. Artillerie-Bataillon (Belgien)
  5. Artillerie-Bataillon (Ost-Indien)
  6. Artillerie-Bataillon (West-Indien)

Die Fuß-Artillerie bestand aus 6 Bataillonen mit je 6 Kompanien. Die Reitende-Artillerie bestand aus nur 8 Kompanien (6 holländische und 2 belgische). Hinzu kamen zwei Train-Bataillone sowie 6 Miliz-Artillerie-Bataillone.

Aus politischen Gründen wurde der Sohn des Königs, der nur 23 Jahre alte Prinz von Oranien zum Kommandeur des 1. Korps der Anglo-Alliierten Armee ernannt. Dieses von Wellington kommandierte Armee umfasste zudem 2 Infanteriedivisionen und 3 Kavallerie-Brigaden der neu vereinten niederländischen (oder „niederländisch-belgischen“) Armee. Bei Quatre Bras kämpften die folgenden niederländisch-belgische Truppen dieser Armee:

2. Niederländisch-Nassauische Infanterie-Division – Lt-Gen. Baron Henri de Perponcher Sedlintsky

  1. Brigade – Generalmajor Willem Frederik van Bylandt
  • (Holland) Jäger – Lt-Col. Johann Willem Grunebosch (23/739)
  • (Belgien) Linie – Lt-Col. Frederik Charles van den Sande (23/666)
  • (Holland) Miliz – Lt-Col. Jan Johannes Westenberg (22/454)
  • (Holland) Miliz – Lt-Col. Hendrick Singendonck (22/622)
  • (Holland) Miliz – Lt-Col. Wijlbrandis Augustus de Jongh (22/502)
  • Fuß-Artillerie (Belgien)- Kapitain Emmanuel Joseph Stevenart (3/107) – 6 x 6pf / 2 x 5,5 Haubitzen
  1. Brigade – Colonel Bernhardt von Sachsen-Weimar
  • I/2. (Nassau) Regiment – Kapitain Moritz Büsgen (27/835)
  • II/2. (Nassau) Regiment – Major Philipp von Normann (25/819)
  • III/2. (Nassau) Regiment – Major Gottfried Hechmann (27/819)
  • I/28. (Orange-Nassau) – Lt.-Kolonel Wilhelm Ferdinand von Dressel (28/835)
  • II/28. (Orange-Nassau) – Major Christian Philipp Schleyer (22/637)
  • Freiwillige Jäger (Orange-Nassau) – Kapitain Emilius Bergmann (5/153)
  • Reitende-Artillerie (Holland) – Kapitain Adriaan van Bijleveld (5/100) – 6 x 6pf / 2 x 5,5 Haubitzen

Niederländische Kavallerie-Division – Lt-Gen. Baron de Collaert

  1. leichte Kavallerie-Brigade – Generalmajor Jean Baptiste Baron van Merlen
  • (Belgien) Leichte Dragoner – Lt-Col. Edouard de Mercx de Corbais (26/395)
  • (Holland) Husaren – Lt-Col. Willem François Boreel (36/603)

Nassau

Wie aber ist jetzt die Verbindung zwischen den Niederlanden und Nassau? Das habe ich mich zumindest gefragt.

Das Haus Nassau war im Verlauf seiner fast tausendjährigen Geschichte mehrfach in eine große Zahl von Seitenlinien zerfallen. Bis in das 18. Jahrhundert hatten sich jedoch die drei Hauptlinien der kleinen Fürstentümer Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg sowie Nassau-Diez (später Nassau-Oranien) mit dem ungleich größeren Territorium in den Niederlanden und Belgien herausgebildet. Das Gebiet des Herzogtums war im Wesentlichen deckungsgleich mit den Mittelgebirgen Taunus und Westerwald. Seine Hauptstadt war Wiesbaden. Wilhelm der Schweiger von Nassau-Dillenburg, Prinz von Oranien, aus der nördlichen Hauptlinie trat 1568 an die Spitze der niederländischen Unabhängigkeitsbewegung. Seither stellten die Nassau-Oranier, während des Achtzigjährigen Krieges mit Spanien und danach, mit einigen Unterbrechungen die Statthalter der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. Einer von ihnen, Wilhelm III. von Oranien, bestieg von 1689 bis 1702 zugleich den Thron von England, Schottland und Irland. Nachdem mit ihm die Ältere Nassau-Oranier-Linie 1702 ausstarb, stellte die Linie Nassau-Dietz als Jüngeres Haus Oranien ab 1747 die Erbstatthalter der Niederlande sowie ab 1814/15 die Könige der Niederlande.

3 Kommentare zu „Waterloo – Quatre-Bras 1815 / Teil 1“

  1. Hi,

    It’s Quatre Bras not Quarte .

    Good research on the Dutch Belgian forces with some lovely pictures.

    You are welcome to use my research available on Bennoes.

    Best wishes,

    Chris

    Liken

  2. Hello Chris,
    Thank you for your comment. Your photos and texts in Benno’s forum are really sensational. I am happy to use your information and will refer to your work in my next report. Next week I will also publish the first miniatures pictures.
    Best wishes
    Frank

    Liken

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