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French and Indian War – Neu-Frankreich

Als Startpunkt für meine Reise durch den French-and-Indian-War habe ich für mich ein Thema gewählt, mit dem ich mich bisher recht wenig beschäftigt habe, die Franzosen und ihre Kolonie Neufrankreich im 18. Jahrhundert. Zunächst habe ich ein wenig Grundlagen-Wissen zur Kolonie Neu-Frankreich zusammengetragen. Die später folgenden Berichte beschäftigen sich dann mit den Truppen vor Ort und einigen ausgewählten Persönlichkeiten und Orten.

Neu-Frankreich

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts dringen die ersten Franzosen über den Stankt-Lorenz-Strom, einem der mächtigsten Flüsse der Welt, in das Herz des Nordamerikanischen Kontinents vor. Sie entdecken unendliche Weiten nahezu unberührter Natur und die Großen Seen. Die Franzosen nehmen schnell Beziehungen zu den dort lebenden Indianerstämmen auf. Gemeinsam betreiben sie den einträglichen Pelzhandel, der zur wichtigsten Wirtschaftsaktivität der jungen Kolonie wird. Die Mehrzahl der französischen Siedler lässt sich an den Ufern des Sankt-Lorenz-Stroms nieder, wo im Jahr 1608 die Handelssiedlung Quebec geründet wird und die neue Kolonie nun offiziell den Namen Neufrankreich erhält. Im Jahr 1642 kommt mit Montreal eine weitere wichtige Siedlung am Oberlauf des Sankt-Lorenz-Storms hinzu.

Aufgrund des harten Winters, verlassen rund zweidrittel der neuen Siedler die Kolonie nach ihrem ersten Jahr wieder. Die Franzosen, die bleiben, werden bald Kanadier genannt, vermutlich eine indianische Bezeichnung für die Gegend rund um Quebec. Frankreich erlaubt übrigens nur orthodoxen Katholiken die Ansiedelung in Nordfrankreich, was eine große Zahl von potentiellen Kandidaten, wie die französischen Hugenotten, von vornherein ausschließt. Durch ihre geringe Zahl, vor allem in den Regionen westlich von Quebec, sind die Siedler gezwungen sich mit den einheimischen Stämmen zu verbünden.

Neben Handelsbeziehungen kommt es auch zu gemeinsamen Siedlungen und Eheschließungen, wodurch natürlich eine enge Beziehung zwischen den beiden Völkern entsteht. Durch die Mischung der Rassen entwickeln sich als Nachkommen die Waldläufer, die Coureur des Bois, die perfekt an das Leben in der Wildnis angepasst sind. Die Coureur des Bois sind es auch, die den Kontinent weiter erkunden und den Pelzhandel ausbauen. Die Erforschung erfolgt über die Seen und Flüsse Nordamerikas. Dank der französischen Forscher wie Champlain, der im frühen 17. Jahrhundert die Großen Seen entdeckt, La Salle der von dort auf dem Mississippi den Golf von Mexiko erreicht sowie Verendrye, der die westlichen Prärien bis zu den Rocky Mountains durchquert, wuchs Neu-Frankreich zu einer gigantischen Größe heran. Nach 150 Jahren erreicht die Kolonie ihre größte Ausdehnung. Nun erstreckt sich die Neu-Frankreich vom Atlantik über die Großen Seen bis an den Mississippi und an lang dieses Flusses bis New Orleans, was zusammen genommen fast der Hälfte des Nordamerikanischen Kontinents entspricht.

Die Franzosen können dieses riesige Gebiet nur kontrollieren, weil sie starke Bündnisse mit vielen einheimischen Stämmen eingegangen sind. Dabei ist die vergleichsweise kleine Zahl der französischen Siedler für die Indianer entscheidend, denn die geringe Population wird von ihnen nicht als Bedrohung wahrgenommen.

Doch die wenigen Menschen, es sind insgesamt nicht mehr als 65.000 Siedler, sind auch ein Problem. Fast 90 Prozent aller Franzosen, es handelt sich meist um Farmer und Fischer, siedeln in den Regionen am Stankt Lorenz Strom. Neu-Frankreich kann sich aber aufgrund der wenigen Bewohner und der kalten Witterung nicht komplett selbst versorgen und so ist die Kolonie bis Anfang des 18. Jahrhunderts auf die Versorgungsschiffe aus dem Mutterland angewiesen. Zu dieser Zeit nimmt auch die Nachfrage nach Biberpelzen ab und der Pelzhandel wirft, auch aufgrund der starken Konkurrenz, wie der Hudson Bay Company, immer weniger Gewinne ab. Der Schiffverkehr ist zudem nur auf die Sommermonate beschränkt, da in der restlichen Zeit des Jahres der St. Lorenz vereist und somit nicht schiffbar ist. Es gibt auch kaum Funde an Rohstoffen, wie Gold und Silber und so ist Neu-Frankreich als Kolonie für Frankreich rein wirtschaftlich gesehen relativ uninteressant.

Quebec

Dem Mutterland geht es im 18. Jahrhundert in erster Linie darum, die Ausbreitung der britischen Kolonien zu unterbinden. So kommt es zwischen 1689 bis 1763 immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Neu-Frankreich und Neu-England. Es sind auch immer Kriege, die sowohl in Europa als auch in den Kolonien ausgefochten werden. Dazu zählen der King William’s War von 1689 bis 1697 (in Europa der Pfälzischer Erbfolgekrieg), der Queen Anne’s War von 1702 bis 1713 (in Europa der Spanische Erbfolgekrieg), der King George’s War von 1744 bis 1748 (in Europa der Österreichische Erbfolgekrieg) und schließlich der French and Indian War von 1754 bis 1763 (in Europa der Siebenjährige Krieg).

Regiert wird die französische Kolonie Neu-Frankreich rein autokratisch. Der General-Gouverneur in Quebec besitzt die gesamte Autorität und ist gleichzeitig Oberkommandeur der Truppen und der Miliz vor Ort. Vorteil dieser Organisation ist vor allem die schnelle Mobilmachung im Kriegsfall. Gesichert werden die Handelswege am Sankt-Lorenz-Strom, den Großen Seen und am Mississippi bis Louisiana durch eine Kette von Forts, Blockhäuern und Handelsposten, die eine weiten Bogen um die 13 Anglo-Amerikanischen Kolonien bilden. Die militärischen Truppen vor Ort, die den Handel schützen und die Garnisonen für die zahlreichen Forts bilden, waren die Compagnies Franches de la Marine. In Neu-Frankreich galten diese als einzig reguläre Streitmacht, die zwischen den Jahren 1685 bis 1755 von der Krone hier stationiert wurden.

Louisbourg

Akadien

Neufrankreich und Neu-England trennen vor allem die Berge der Appalachen. Nur im Norden, in Akadien, treffen die beiden Kolonien unmittelbar aufeinander. Akadien war einst das Gebiet, welches heute als Atlantik-Kanada bezeichnet wird, also die Provinzen Neuschottland, Prince Edward Island, Neubraunschweig sowie die Region der Gaspe-Halbinsel. Hier in Akadien begann im Jahr 1604 mit der Siedlung Port Royal die französische Kolonisation Nordamerikas und hier begann auch der Konflikt zwischen Frankreich und England in Nordamerika.

Port Royale

Akadien besaß durch reiche Fischfanggründe nicht nur wirtschaftliche, sondern vor allem strategische Bedeutung, denn über dieses Gebiet kontrollierte man die sogenannte Cabotstraße, den Seeweg, der zum Hauptsiedlungsgebiet der Franzosen am Sankt-Lorenz-Strom führte. Während des Spanischen Erbfolgekrieges gelang es den Briten Port Royal, den französischen Hauptstützpunkt, einzunehmen. Im Jahr 1713, am Ende dieses Konfliktes, muss Frankreich große Teile Akadiens an Großbritannien abtreten. Nur die Ile Saint-Jean, heute Prinz-Edward-Island, und die Ile Royale, heute Cap-Breton Island, bleiben den Franzosen erhalten. Hier auf der Ile Royale errichten die Franzosen nun die mächtige Seefestung Louisbourg, ihr letztes großes Bollwerk an der Atlantikküste Nordamerikas und Schutz der Handelsroute zwischen der Kolonie und Frankreich.

Deportation der Akadier

Für die Briten bleiben die rund 12.000 französischen Siedler in Akadien ein Problem, die einerseits das nun britische Gebiet nicht verlassen wollen, aber andererseits auch keinen Treueeid auf die britische Fahne leisten. Während des österreichischen Erbfolgekrieges kommt es wiederholt zu Kämpfen in Atlantik-Kanada und schon wenige Jahre nach Beendigung dieses Konfliktes spitzt sich die Lage zwischen Frankreich und Großbritannien erneut zu. Die französischen Siedler bilden eine ständige Gefahr für die Neu-England Kolonien und so werden schließlich 1755 alle französischen Akadier deportiert und auf Schiffen in die Anglo-Amerikanischen Kolonien gebracht. Rund ein Drittel sterben in Folge von Krankheiten und Hunger, ein weiters Drittel kann nach Louisiana fliehen, wo sie bis heute die Volksgruppe der Cajuns bilden.

Richelieu Fluss – Korridor

Die wichtigste Inland-Verbindung zwischen Neu-Frankreich und den Anglo-Amerikanischen Kolonien ist bis ins 19. Jahrhundert der sogenannte Richelieu Fluss- Korridor. Zwischen den Städten Quebec und Montreal ergießt sich der Richelieu Fluss, zuvor als Irokesenfluss bekannt, in den Sankt-Lorenz-Storm. Über diesen Fluss gelangt man stromaufwärts zum Lake Champlain und dem Lake George. Von hier aus führt eine Portage zum Hudson River und schließlich erreicht man über diesen die Kolonie New York sowie die Siedlung Albany. Im 17. Jahrhundert ist diese Gegend Schauplatz des Konflikts zwischen den Franzosen und den hier siedelnden Irokesen-Stämmen, der erst mit dem Friedensvertrag von Montreal im Jahre 1701 beigelegt wird.

Aufgrund der enorm wichtigen strategischen Position zwischen Neu-Frankreich und Neu-England werden an den Ufern der Route zahlreiche militärische Stützpunkte errichtet. Am Richelieu Fluss bauten die Franzosen das Fort Richelieu (später Fort Sorel) an der Mündung, Fort St. Louis (oder Fort Chambly) in Chambly, Fort Sainte Thérèse und Fort Saint-Jean am Oberlauf sowie Fort Isle-aux-Noix

auf einer Insel im Norden des Lake Champlain. An einer Engstelle des Lake Champlain stand das französische Fort Saint-Frédéric (später Crown Point) und am Nordende von Lake George das Fort Carillon, besser unter dem Namen Ticonderoga bekannt. Am Südende des Lake George begann das Gebiet von Neu-England und wurde hier ab 1755 durch das Fort William Henry gesichert.

Fort Oswego

Im Jahr 1722 errichteten die Briten am Ontariosee an der Mündung des Oswego einen befestigten Handelsposten. Eine Kette weiteren Niederlassungen, Fort Bull, Fort Schuyler und Fort Hunter verband Fort Oswega über die Flüsse Oswego, Mohawk und dem Hudson mit der Stadt Albany. Das Fort Oswego, welches im Laufe der Jahre durch weitere Befestigungen ergänzt wurde, war natürlich ein Eindringen in das von den Franzosen beanspruchte Gebiet rund um die Großen Seen. So verwundert es nicht, dass auch dieses Fort Ziel militärischer Operationen im French and Indian War wurde.

Ohiotal

Das Tal des Ohio-Flusses war ein weiteres Gebiet mit reichlich Konfliktpotential. Der Ohio, mit fast 1.580 Kilometern der größte Nebenfluss des Mississippi, fließt westlich der Appalachen und entsteht durch die Vereinigung der beiden Flüsse Allegheny und Monongahela. Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts war das Gebiet von europäischen Siedlern weitgehend unberührt geblieben und bildete eine Pufferzone zwischen den beiden europäischen Kolonien. Hier siedelten die indianischen Stämme der Shawnees und Delawaren, die unter der Herrschaft der mächtigen Sechs Nationen der Irokesen standen. Dies änderte sich um das Jahr 1750, als Händler aus den britischen Kolonien Pennsylvania und Virginia in diese Region vorstießen und Beziehungen zu den Indianern suchten sowie Handelsposten errichteten. Für die Franzosen besaß das Ohio-Tal eine besondere strategische Bedeutung, da es eine fast durchgängig schiffbare Verbindung zwischen den Siedlungen am Sankt-Lorenz-Strom, den Großen Seen, denen am Mississippi sowie Louisiana darstellte. Der Gouverneur Neufrankreichs, Duquesne de Menneville, ließ deshalb ab 1752 eine Reihe von Forts zwischen dem Eriesee und dem Ohio errichten, um die unerwünschten britischen Siedler und Händler zurückzudrängen. Das südlichste Fort wurde nach ihm benannt, hieß also Fort Duquesne und stand am Zusammenfluss des Monongahela und des Allegheny. Es befand sich an der Stelle, an der heute Pittsburgh liegt und der French-and-Indian-War seinen Anfang nahm.