Omaha Beach – WN 62

Sicher einer der bekannten Wiederstandnester am Omaha Beach war die Nummer 62. Diese Anlage war nicht nur der stärkste deutsche Stützpunkt in der Bucht, hier gab es unter den US-Truppen auch die größten Verluste, was vor allem an Heinrich Severloh gelegen haben soll. Die Geschichte dieses deutschen Soldaten wurde ausführlich in dem Buch „WN 62 – Erinnerungen an Omaha Beach Normandie, 6. Juni 1944“ von ihm selbst beschrieben. Es wird vermutet, dass er mit seinem Maschinengewehr hunderte von US-Soldaten getötet und verwundet haben soll. Die nachfolgenden Fotos stammen im Wesentlichen von meinen fünf Normandie-Besuchen.

Lage

WN 62 umfasste ein Gebiet von ungefähr 332 × 324 m und lag an einem Hang westlich der Straße, die vom Strand nach Colleville-sur-Mer führte. Die Stellungen der Anlage reichten bis 50 m über den Meeresspiegel und boten so einen guten Überblick in alle Richtungen auf den Strand. Vor den Kasematten des Wiederstandnestes lag zudem ein 4 m breiter und 1, 7 m tiefer Panzerabwehrgraben und natürlich war die gesamte Stellung mit Stacheldrahtbarrieren sowie durch Minenfelder geschützt. Den Vorstrand und Strand trennten eine 1,5 Meter hohe Böschung, davor zog sich ein breiter Saum aus großen Kieselsteinen entlang.

Blick vom Strand in Richtung WN 62. Links unter dem Denkmal die B-Stelle, mittig rechts ist das Dach der unteren Kasematte erkennbar.

Die Böschung und der Kies-Saum in Blickrichtung Westen.

Eine der Kasematten vom Strand aus gesehen.

Dieses Luftbild entstand kurz nach dem D-Day. Man erkennt nur wenig, sichtbar sind aber die Laufgräben und der Panzerabwehrgraben vor den Kasematten sowie der Graben vom benachbarten WN 61.

Besatzung

Die Besatzung des WN 62 setzte sich aus Angehörigen der 3. Kompanie des Grenadier-Regimentes 726 der 716. Infanterie-Division (21 Soldaten), aus Angehörigen der 1. Batterie des Artillerie-Regimentes 352 der 352. Infanterie-Division (7 Soldaten) sowie 7 Grenadieren des 916. Grenadier-Regiments zusammen. Insgesamt also 35 Soldaten, deren Kommandeur Oberfeldwebel Pieh war. Hauptaufgabe der Artilleristen, die von Oberleutnant Bernhard Frerking, dem Feuerleitoffizier kommandiert wurden, war es, das Artilleriefeuer der im Hinterland liegenden Geschützbatterien zu lenken. Die Batterien befand sich 4,5 Kilometer landeinwärts bei Houtteville. Nachfolegnd eine Liste der deutschen Soldaten sowie deren Funktion / Position am D-Day, die ich anhand unterschiedlicher Berichte und Bücher namentlich identifizieren konnte:

  • Oberfeldwebel Pieh (Kommandeur / Zentrale Stellung)
  • Oberleutnant Bernhard Frerking (Feuerleitoffizier / B-Stelle))
  • Leutnant Grass (stellvertretender Feuerleitoffizier / B-Stelle)
  • Wachtmeister Ewald Fack (Fernmelder / B-Stelle)
  • Gefreiter Heinrich Severloh (MG-Schütze / Zentrale Stellung)
  • Gefreiter Kurt Wernecke (Funker / Funkraum / Flak-MG)
  • Gefreiter Herbert Schulz (Funker / Funkraum / Flak-MG)
  • Soldat Bruno Plota (Mörser / unterer Mörser-Tobruk)
  • Unteroffizier Förster (Gewehrschütze / oberer Mörser-Tobruk)
  • Gefreiter Bersik (Gewehrschütze / oberer Mörser-Tobruk)
  • Soldat Liermann (Gewehrschütze / untere Kasematte ohne Geschütz)
  • Obergefreiter Brinkmeier (Gewehrschütze / untere Kasematte ohne Geschütz)
  • Obergefreiter Heinrich Krieftewirth (Geschützbedienung / untere Kasematte)
  • Gefreiter Hans Selbach (Geschützbedienung / untere Kasematte)
  • Obergefreiter Emil Drews (Geschützbedienung / untere Kasematte)
  • Obergefreiter Lehrmann (Geschützbedienung / untere Kasematte)
  • Gefreiter Faust (MG-Schütze / unterhalb der Kasematten)
  • Gefreiter Kwiatkowski (MG-Schütze / unterhalb der Kasematten)
  • Obergefreiter Siegfried Kuska (Geschützbedienung Kwk / untere Stellung)
  • Soldat Heckmann (Geschützbedienung Kwk / untere Stellung)
  • Gefreiter Franz Gockel (MG-Schütze / untere Stellung)
  • Soldat Kieserling (MG-Schütze / untere Stellung)
  • Alois Reckers (befand sich am D-Day im Lazarett)
  • Unteroffizier Beermann (obere Stellung)
  • Gefreiter Max Riemann (obere Stellung / zeiteweise Koch)
  • Obergefreiter Michel Schnichels (Gewehrschütze / Doppel-Tobruk)
  • Obergefreiter Valention Lehrmann (Koch / Villa am Haupteingang)
  • Unteroffizier Schulte
  • Obergefreiter Peter Lützen (?)
  • Obergefreiter Theo Brinkbäumer (?)
  • Gefreiter Flossmann (?)
  • Gefreiter Kowalski (?)
  • Gefreiter Hamming (?)

Neben dem schon erwähntem Gefreiter Heinrich Severloh, berichtete in Buchform auch Gefreiter Franz Gockel nach dem Krieg von seinen Erlebnissen am D-Day.
Bewaffnung

  • 2 x 7,5 cm Feldkanonen 235 (b)
  • 1 x 7,5cm PaK 40
  • 1 x 5 cm KwK L/42
  • 2 x leichte 5 cm Festungs-Granatwerfer 210 (f)
  • 2 x wassergekühlte polnische Maschinengewehre / 7.9 mm sMG 248 (p)
  • 1 x Zwillings-MG 34
  • 1 x MG 34
  • 2 x MG 42
  • 2 x Abwehrflammenwerfer 42

Bunker und Stellungen

(1) Wachstube Haupteingang

Direkt am östlichen Haupteingang von WN 62 befand sich eine alte Strandvilla, die als Wachstube und Quartier für Unteroffiziere genutzt wurde. Im Keller war die Küche des Stützpunktes. Von diesem Eingang aus zog sich ein zick-zack-förmiger Laufgraben parallel zur Straße den Hügel hinauf, an dessen Ränder sich kleine Munitionsdepots befanden.

Einige Meter nördlich des Eingangs zum Wiederstandnester lag an der Straße eine Feldstellung, in der eine PaK 40 die Straße zum Strand kontrollierte. Die PAK gehörte zur Panzerabwehr-Sektion 14./Gren.Regt.726 und war mit drei Soldaten dieser Einheit bemannt.

Es gibt einige Fotos eines US-Soldaten, der vor der PaK-Stellung posiert.

(2) Untere Stellung

Am Fuß des Hanges, dort wo die Straßen in einer langen Kurve in Richtung Westen verlief, lag eine durch Laufgräben miteinander verbundene Anzahl von offenen Verteidigungsstellungen. Dazu gehörte vor allem eine offene Bettung für eine 5-cm-KwK sowie eine offene Erdstellung und ein Erdbunker für zwei wassergekühlte polnische Maschinengewehre auf Drehlafette. Hier befand sich außerdem der Auslöser für die zwei Abwehrflammenwerfer. Drei Munitionsbunker versorgten die Männer und Waffen mit Nachschub. Die KwK sollte in eine R667-Kasematte positioniert werden, diese war am D-Day aber noch nicht fertiggestellt.

  • (15) Feldposition der 5cm KwK L/42
  • (16) 7.9 mm sMG 248 (p)
  • (17) Feldstellung von Franz Gockel mit einem 7.9 mm sMG 248 (p)
  • (19) Schützenlöcher
  • (20) 1,7 m tiefer Laufgraben
  • (21) Munitionsdepots und Unterstand

Laufgraben der zur KwK und einem Munitionsdepot führte

Nach den Kämpfen fotografierten die US-Truppen die Feldposition der 5cm KwK L/42.

Die drei Eingänge führen zu zwei Munitionsmagazinen und einem Unterstand.

Schützenlöcher für je einen Soldate

(3) Zentrale Stellung

Mehr oder weniger im Zentrum des Wiederstandnester lag eine Anhäufung von offenen Stellungen und Bunkeranlagen, die durch Laufgräben miteinander verbunden waren. Hier befanden sich auch noch die beiden offenen Geschützplattformen aus Beton, auf denen die 7,5-cm-Feldkanonen platziert waren, bevor diese in Kasematten untergebracht werden konnten. Zwei offenen Stellungen waren für je ein MG 34 vorgesehen, wobei eines zur Nahverteidigung und eines (mit Doppellauf) zur Flugabwehr verwendet werden sollte. Neben einem Munitionsbunker und den Latrinen waren ein Beobachtungsbunker sowie ein Fernmeldebunker die einzigen festen Gebäude im Zentrum von WN 62. Der Beobachtungs- und der Fernmeldebunker fungierten als die Feuerleitstelle für den Vorgeschobenen Beobachter des Artillerie-Regiments 352. In einer offenen Stellung war zudem das MG 42 positioniert, welches von Hein Severloh bedient wurde.

  • (9) Plattformen der Feldkanonen
  • (10) Offene Feldstellung mit Telefon und Doppellauf MG 34 zur Flugabwehr
  • (11) Offene Feldstellung für MG 34
  • (12) Beobachtungsbunker und Feuerleitstelle
  • (13) Fernmeldebunker der Feuerleitstelle
  • (14) Offene Feldstellung von Hein Severloh mit MG 42
  • (20) Laufgraben
  • (21) Munitionsdepot
  • (22) Baugrube für die neue Wachstube
  • (24) Stacheldraht
  • (25) Latrine

Eine der offenen Bettungen der 7,5 cm Geschütze

Eingang zur B-Stelle

Gleich hinter dem Eingang zur B-Stelle befand sich die offene Stellung des MG-Schützen Severloh

Die Beobachtungsscharte, in dem Oberleutnant Bernhard Frerking von Zerstörern auf hoher See beschossen und getötet wurde

Blick von der B-Stelle in Richtung Westen

Eingang zum Fernmeldebunker

Laufgraben

(4) Kasematten

Herzstück von WN 62 waren die beiden Regelbauten vom Typ 669, in denen belgische 7,5-cm-Feldkanonen untergebracht und in Richtung Nordwesten ausgerichtet waren. Es wird jedoch vermutet, dass am D-Day nur eine der beiden Kasematte mit einer Feldkanone bestückt waren. In der anderen Kasematte war vermutlich von Obergefreiter Brinkmeier und Soldat Liermann ein MG in Stellung gebracht worden. Vielleicht schossen sie von hier aus aber auch nur mit ihren Gewehren. Unterhalb der unteren Kasematten befand sich eine weitere offene Stellung für ein MG-42.

Die Kasematten waren zur Tarnung mit Punkten bemalt.

Die Eingänge auf der Rückseite waren durch eine Betonmauer mit Durchgang gesichert.

Die acht quadratischen Löcher um die Schießscharte herum sind für einen Türrahmen und Tore zum Verschließen des Waffenraums vorgesehen. Diese Bunker waren noch nicht fertig, also wurde sie nie installiert.

Zahlreiche Treffer gingen auf die Scharte der oberen und unteren Kasematte.

Auch im Innenraum sind die Einschlaglöcher der Granaten immer noch deutlich sichtbar, sowie die schweren Schäden durch die Splitterwirkung.

Blick aus der Kasematte in Richtung Westen.

Die verschnörkelten Linien an den Wänden sind Tarnung. Beim Bau der Kasematte wurden Seilstücke oder alte Zementsäcke in den Beton gelegt und beim Abnehmen der Schalung entfernt.

Auf einer der Kasematten ist ein Monument für die 5th Engineer Brigade errichtet worden.

Hangaufwärts über den beiden Kasematten lagen hintereinander zwei Tobruk-Stände vom Typ Vf 61a für zwei 5-cm Granatwerfer sowie ein Munitionsbunker (es soll nur ein Granatwerfer am D-Day vorhanden gewesen sein). Vom unteren Tobruk führte ein langer Laufgraben den kompletten Hang hinauf.

  • (6) Tobruk Vf 61a
  • (20) Laufgraben
  • (21) Munitionsdepo

Im Vordergrund die untere Tobruk-Öffnung, die heute durch ein Gitter verschlossen wurde

Immer noch gut erkennbar ist der lange Zick-Zack-Laufgraben

(5) Obere Stellungen

Fast unmittelbar auf dem Hügel lag eine Gruppe von 3 Bunkern. Es handelte sich um einen Mannschaftsbunker (Vf2d) für 16 Soldaten, einen Bunker für ein Funk- und Lichtsprechgerät 80 (Die Signalübertragung erfolgt über eine 5 Watt Lampe mit jeweils 80 mm Linse für Sender und Empfänger) mit Doppel-Tobruk-Stand Bauform 207 (vorher Vf 69), welcher einen 8 cm Granatwerfer 34 und einen Beobachter in der Ringstellung mit MG 34 aufnehmen sollte, welche am D-Day aber noch nicht installiert worden waren. Dahinter befand sich eine weitere Latrine.

  • (3) Mannschaftsunterkunft(
  • 4) Bunker für Lichtsprechgerät
  • (5) Doppel-Tobruk-Stand
  • (25) Latrine

Betonierter Kommunikationsweg und der Betonschutz für die Signallampe des Lichtsprechgerät sowie der Zugang zum Doppel-Tobruk-Stand. Im Hintergrund ist undeutlich der Kirchturm von Colleville erkennbar, in dem der Empfänger des Lichtsprechgerät stand.

Hier der Blick von der Südseite des Wiederstandnester in Richtung Colleville

Neben dem Kommunikationsweg sieht man die nun vergitterten Öffnungen des Doppel-Tobruk-Standes

Mannschaftsunterkunft basierend auf einem Vf2d-Design mit zwei Bunkerräumen im Wellblech-Stil, einer mit höheren Wänden und einem halbrunden Dach. Es gab zwei Fenster. Beide Räume hatten Betten für je 8 Mann.

Hier ist einer der beiden Eingänge zu den Mannschaftsunterkünfte und im Hintergrund der nun vergitterte Notausgang zu sehen.

Auf dem Hügel im ehemaligen WN 62 steht heute das Denkmal für die 1. US-Division.

3 Kommentare zu „Omaha Beach – WN 62“

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