HMS Trincomalee (Teil 1)

Die kleine englische Hafenstadt Hartlepool an der Nordsee in der Grafschaft County Durham beherbergt eines der kleineren, aber besonders sehenswerten Museen der Royal Navy. Herzstück des Museums ist die HMS Trincomalee, die an ihrem Liegeplatz vor der historischen Kulisse einer Hafenstadt des späten 18. Jahrhunderts vor Anker liegt. Diese Kombination aus historischer Hafenanlage und imposantem Segelkriegsschiff schafft eine einzigartige Atmosphäre, die Besucher unmittelbar in die Zeit der Napoleonischen Kriege versetzt.

HMS Trincomalee

Die Fregatte HMS Trincomalee wurde 1812 von der Royal Navy in Auftrag gegeben und 1817 in Bombay fertiggestellt. Da Großbritannien während der Napoleonischen Kriege unter einem Mangel an hochwertigem Schiffsbauholz litt, erfolgte der Bau in Indien aus dem besonders widerstandsfähigen Teakholz. Heute gilt die Trincomalee als das älteste noch schwimmende Kriegsschiff Großbritanniens.

Die Trincomalee gehört zur britischen Leda-Klasse und war 150 britische Fuß lang sowie 40 Fuß breit. Ihre ursprüngliche Bewaffnung bestand aus insgesamt 48 Geschützen: 28 18-Pfünder-Kanonen auf dem Batteriedeck, 16 32-Pfünder-Carronaden auf Back und Achterdeck sowie vier 9-Pfünder-Kanonen.

Nach ihrer Fertigstellung wurde die Trincomalee 1818 nach England überführt und traf am 29. März 1819 vor Spithead ein. Dort wurde sie zunächst abgetakelt, mit einem Schutzdach versehen und in die Reserve versetzt. Erst rund 30 Jahre nach ihrem Stapellauf wurde sie als Kriegsschiff in den aktiven Dienst übernommen.

Von 1847 bis 1850 war die Trincomalee auf der Westindien- und Nordamerika-Station im Einsatz, von 1852 bis 1857 auf der Pazifikstation. Nach ihrer Rückkehr nach England diente sie von 1862 bis 1895 als Ausbildungsschiff der Royal Navy und anschließend als Trainingsschiff für Jugendliche. Zwischen 1990 und 2002 wurde das Schiff schließlich umfassend restauriert. Seitdem ist die Trincomalee als Museumsschiff im historischen Hafenbereich der Docks von Hartlepool zu besichtigen.

Fregatte

Fregatten wurden von der Royal Navy als Schiffe fünfter Klasse eingestuft. In großen Seeschlachten kamen sie meist nur in geringer Zahl oder für besondere Aufgaben zum Einsatz; häufiger operierten sie eigenständig oder lieferten sich Gefechte mit gegnerischen Fregatten. Dennoch waren sie das eigentliche „Arbeitstier“ der Royal Navy.

Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehörten die Jagd auf feindliche Kaperfahrer, der Geleitschutz für Handelskonvois, die Störung gegnerischer Handelsrouten sowie Aufklärungs- und Erkundungsmissionen für die Schlachtflotte. Aufgrund ihrer Geschwindigkeit und Vielseitigkeit spielten Fregatten eine entscheidende Rolle bei der Sicherung der britischen Seeherrschaft.

Für ihre Kommandanten boten Fregatten zudem hervorragende Möglichkeiten, sich in Einzelgefechten auszuzeichnen. Kapitäne von Linienschiffen verbrachten dagegen häufig lange Zeit mit Blockadediensten oder anderen Routineaufgaben und kamen vergleichsweise selten zu spektakulären Gefechten. Es überrascht daher nicht, dass viele der berühmtesten Seegefechte der Napoleonischen Kriege von Fregatten ausgetragen wurden.

Achterdeck und Vorschiff

Das Achterdeck am Heck bildete das Kommandozentrum des Schiffes. Hier befanden sich das Steuerrad sowie der Kompassbehälter mit zwei Magnetkompassen zur Navigation. Die Kompasse waren vor Wind und Wetter geschützt und kardanisch aufgehängt, sodass sie auch bei starkem Seegang stets waagerecht blieben. Von hier aus überwachten der Kapitän und seine Offiziere den Kurs des Schiffes, koordinierten die Manöver und führten die Besatzung.

Das Vorschiff befindet sich am entgegengesetzten Ende des Schiffes, am Bug. Dort hängt die Schiffsglocke, die den Wachrhythmus an Bord regelte. Sie wurde alle 30 Minuten geläutet und erklang am Ende jeder vierstündigen Wache insgesamt achtmal.

Ebenfalls am Bug, beidseits des Bugspriets, befanden sich die sogenannten „Köpfe“ – die einfachen Bordtoiletten der Mannschaft. Der Kapitän verfügte dagegen über zwei deutlich komfortablere und abgeschirmte Toiletten in seiner Heckkabine.

Die meisten Geschütze an Bord der HMS Trincomalee sind heute Nachbildungen und zeigen sowohl klassische Kanonen als auch Karronaden. Letztere waren kurze, großkalibrige Geschütze mit vergleichsweise geringer Reichweite, entwickelten auf kurze Distanz jedoch eine verheerende Wirkung gegen den hölzernen Rumpf eines gegnerischen Schiffes.

Als die Trincomalee 1847 wieder in den aktiven Dienst gestellt wurde, war sie von einer 38-Kanonen-Fregatte zu einer 26-Kanonen-Korvette umklassifiziert und entsprechend umgebaut worden.

Die heute auf der Trincomalee zu sehenden Masten und die Takelage sind moderne Rekonstruktionen. Sie vermitteln jedoch ein authentisches Bild der komplexen Takelung eines Kriegsschiffes aus der Zeit vor der Einführung des Dampfantriebs und veranschaulichen eindrucksvoll den enormen Aufwand, der notwendig war, um ein solches Segelschiff sicher zu manövrieren.

Kapitänskajüte

Traditionell befand sich die Kapitänskajüte im Heck des Schiffes, direkt unter dem Achterdeck. Sie war die geräumigste Kabine an Bord und diente dem Kapitän als Wohn-, Arbeits- und Empfangsraum. Der große Tisch wurde sowohl für die Mahlzeiten als auch für die Seekarten, Logbücher und Unterlagen des Kapitäns genutzt.

Der Schlafbereich war durch Paravents vom übrigen Raum abgetrennt. Zudem verfügte der Kapitän über zwei private Toiletten, jeweils eine auf jeder Seite seiner Kajüte. Da diese über die Bordwand hinausragten, konnte er je nach Windrichtung die günstigere benutzen.

Obwohl die Kapitänskajüte vergleichsweise komfortabel eingerichtet war, blieb eine Fregatte in erster Linie ein Kriegsschiff. Daher waren in der Kajüte normalerweise vier Geschütze untergebracht, die entlang der Bordwände standen, solange sie nicht benötigt wurden. Im Gefechtsfall wurden sämtliche Möbel und Trennwände entfernt und verstaut, um Platz für die Bedienung der Kanonen zu schaffen. Selbst der mit einem Marmormuster bemalte Segeltuchboden konnte aufgerollt und weggeräumt werden.

Kanonendeck

Im Gegensatz zu den deutlich größeren Linienschiffen, die über zwei oder sogar drei Kanonendecks verfügten, besaßen Fregatten lediglich ein einziges Kanonendeck, das Hauptdeck. Hier befand sich die Batterie der 18-Pfünder-Kanonen, die Eisenkugeln mit einem Gewicht von jeweils 18 Pfund verschossen.

Die Bedienung und Wartung der Geschütze oblag dem Kanonier, einem erfahrenen Spezialisten. Damit die Kanonen im Gefecht schnell und zuverlässig eingesetzt werden konnten, mussten sämtliche Handgriffe perfekt beherrscht werden. Regelmäßiges Schießtraining gehörte deshalb zum Alltag der Besatzung. Jeder Mann hatte dabei eine feste Aufgabe, von den Geschützbedienungen bis zu den Pulverjungen, die das Schießpulver aus den darunterliegenden Magazinen heranbrachten.

Die HMS Trincomalee feuerte zwar nie einen Schuss im Kampf ab, doch ihre Geschütze wurden während ihrer gesamten Dienstzeit intensiv für Ausbildungs- und Übungsschießen genutzt. Im Museum wird das Schiff mit geöffneten Stückpforten und einsatzbereiten Kanonen präsentiert, sodass Besucher einen guten Eindruck vom Erscheinungsbild einer gefechtsbereiten Fregatte erhalten.

Der mittlere Bereich des Kanonendecks war nach oben hin offen und dadurch den Witterungseinflüssen ausgesetzt. Gleichzeitig sorgte das Tageslicht für gute Arbeitsbedingungen. Hier arbeiteten die Schiffshandwerker, darunter der Schiffszimmermann mit seiner Mannschaft, der Küfer, der Seiler und die Segelmacher.

Auf diesem Deck befand sich außerdem die Kombüse mit ihrem großen Herd, der über Kochplatten, einen Bratspieß und einen Backofen verfügte. Die Besatzungsmitglieder brachten ihre vorbereiteten Speisen dorthin, um sie garen zu lassen. Da der Herd die einzige Wärmequelle an Bord war, entwickelte sich die Kombüse auf Fahrten in kalte Gewässer zu einem beliebten Treffpunkt der Mannschaft.

Unterdeck

Das Unterdeck, auch Messedeck genannt, bildete den Wohn- und Aufenthaltsbereich für Mannschaft, Marinesoldaten und Offiziere. Hier wurde gegessen, geschlafen und die knappe Freizeit verbracht. Kaum vorstellbar, dass bis zu 240 Männer auf diesem vergleichsweise engen Raum lebten, ein Umstand, der das harte Leben an Bord eindrucksvoll verdeutlicht und erklärt, weshalb Trunkenheit und Desertion in vielen Marinen weit verbreitet waren.

Dennoch galten Fregatten als vergleichsweise begehrte Dienstschiffe. Da sie nur über ein einziges Kanonendeck verfügten, blieb das Unterdeck vollständig als Wohnraum erhalten. Dies bedeutete deutlich bessere Lebensbedingungen als auf den großen Linienschiffen, deren zusätzliche Kanonendecks zugleich als Schlaf- und Speiseräume dienten. Dort hingen die Hängematten zwischen den Geschützen, und Tische sowie Schlafplätze mussten vor jedem Gefecht in kürzester Zeit entfernt werden.

Jede Nacht wurden auf dem Unterdeck rund 200 Hängematten dicht nebeneinander aufgehängt. Tagsüber verstaute man sie in den Hängemattennetzen entlang der Reling auf dem Oberdeck, wo sie gleichzeitig einen gewissen Schutz gegen Musketenkugeln und Splitter boten.

Die Besatzung einer Fregatte war in Gruppen von sechs bis acht Mann eingeteilt. Diese sogenannten Messen bildeten feste Gemeinschaften: Sie arbeiteten, aßen und kämpften gemeinsam und wechselten sich außerdem bei der Vorbereitung der Mahlzeiten für die Kombüse ab.

Offiziersmesse

Die Offiziersmesse war ein abgetrennter Bereich im Heck des Schiffes, in dem die Offiziere getrennt von der Mannschaft aßen, schliefen und ihre Freizeit verbrachten. Im Vergleich zu den einfachen Unterkünften der Besatzung herrschte hier ein deutlich höherer Komfort. Viele Offiziere brachten eigenes Geflügel oder andere Tiere mit an Bord, um ihre Verpflegung durch frisches Fleisch zu ergänzen. Der Kapitän verfügte darüber hinaus auf dem Orlopdeck über einen eigenen Vorratsraum.

Entlang der Bordwände befanden sich die kleinen Offizierskabinen. Obwohl sie nur wenig Platz boten, gewährten sie ihren Bewohnern ein gewisses Maß an Privatsphäre, ein Luxus, den die einfachen Seeleute nicht kannten.

Orlopdeck

Das Orlopdeck bestand aus drei Plattformen unmittelbar oberhalb des Laderaums. Sowohl der vordere als auch der hintere Bereich dienten ursprünglich als Pulvermagazine, in denen Schießpulver gelagert und Patronensäcke für die Geschütze befüllt wurden. Ab 1845 wurde das kleinere achtere Magazin zusätzlich zur Lagerung von Granaten für die neuen 8-Zoll-Granatgeschütze genutzt.

Da die Pulvermagazine eine erhebliche Explosionsgefahr darstellten, waren ihre Wände mit Kupfer verkleidet, das beim Kontakt mit Metall keine Funken erzeugte. Gleichzeitig schützte die Verkleidung die Vorräte vor eindringenden Ratten. Das Schießpulver wurde aus Fässern in Trichter geschüttet, in Patronensäcke abgefüllt und anschließend in Regalen gelagert.

Offenes Feuer war auf diesem Deck streng verboten. Die Magazine wurden deshalb durch Öllampen beleuchtet, die sich in separaten, verglasten Leuchtkästen außerhalb der eigentlichen Lagerräume befanden. Dieses Beleuchtungssystem kam auch im Brotraum zum Einsatz, da feiner Mehlstaub ebenfalls explosionsfähig sein konnte.

Die mittlere Plattform des Orlopdecks diente als Segelraum. Hier wurden Ersatzsegel auf Gestellen gelagert, damit sie ausreichend belüftet wurden und keine Feuchtigkeit oder Schimmel ansetzen konnten.

Ebenfalls auf diesem Deck befand sich das Lager des Schiffszimmermanns mit Werkzeugen und Materialien zur Reparatur des Rumpfes, der Masten und der Takelage. Über den sogenannten Zimmermannsgang konnte er den Bereich des Schiffsrumpfes unterhalb der Wasserlinie erreichen und dort Schäden kontrollieren oder ausbessern.

Darüber hinaus lagen auf dem Orlopdeck die Arbeitsräume des Schiffsarztes und des Bootsmanns sowie die Vorratsräume des Kapitäns, der Marinesoldaten, der Leutnants und der Kanoniere. Auch der Zahlmeister hatte hier seine Kabine. Er war für die Versorgung des Schiffes mit Lebensmitteln, Getränken, Kleidung, Bettzeug und Tabak verantwortlich und verkaufte der Besatzung zusätzlich verschiedene Waren aus seinem Vorratslager.

Von hier aus gelangte man außerdem in das Trockenfischlager, das wegen seines intensiven Geruchs getrennt von den übrigen Lebensmitteln untergebracht war, sowie in das Spirituosenlager, das aus naheliegenden Gründen ständig von einem Marinesoldaten bewacht wurde.

Laderaum

Der geräumige Laderaum konnte ausreichend Proviant für bis zu sechs Monate sowie Ladung und andere schwere Ausrüstungsgegenstände aufnehmen. Die meisten Vorräte, einschließlich des Trinkwassers, wurden in Fässern gelagert. Erst ab 1845 ersetzten eiserne Wassertanks nach und nach die traditionellen Wasserfässer.

Diese Neuerung brachte erhebliche Vorteile mit sich. Die Tanks beanspruchten deutlich weniger Platz als die Fässer, die mit Kies gegen das Rollen gesichert werden mussten. Außerdem blieb das Wasser länger frisch, und die Besatzung konnte es bequem mit Pumpen fördern, anstatt schwere Fässer bewegen zu müssen. Gleichzeitig entfiel der Kies, der häufig mit schmutzigem Wasser verunreinigt war und dadurch die gelagerten Lebensmittel beeinträchtigte. Insgesamt verbesserten die Wassertanks die hygienischen Bedingungen an Bord erheblich.

Neben den Vorräten befand sich im Laderaum auch der Ballast des Schiffes. Er glich das Gewicht der darüber liegenden Kanonen, Masten und Takelage aus und sorgte für die notwendige Stabilität. Der Ballast bestand aus schweren Eisenblöcken, den sogenannten „Schweinen“ (pigs). Ihre sorgfältige Verteilung war von entscheidender Bedeutung für die Segeleigenschaften des Schiffes und erforderte große Erfahrung beim Verstauen der Ladung.

Die eisernen Ballastblöcke trugen den „Broad Arrow“, das Eigentumszeichen der Royal Navy, mit dem staatliches Material gekennzeichnet wurde.

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