Ritterfilme – TOP 5

Die Überschrift dieser TOP 5 bedarf vermutlich einer kleinen Erläuterung. Denn der Begriff „Ritterfilm“ ist historisch alles andere als präzise und genau darin liegt meine Absicht. Gemeint sind jene farbenprächtigen Abenteuerfilme der 1940er- und vor allem der 1950er-Jahre, in denen das Mittelalter zur Bühne für tapfere Helden, finstere Schurken, große Gefühle und spektakuläre Kämpfe wurde. Eine Epoche, die auf der Kinoleinwand vor allem eines sein sollte, ein großes Abenteuer.

Historische Genauigkeit stand dabei selten an erster Stelle. Viele dieser Filme beruhten auf literarischen Vorlagen, Legenden oder frei erfundenen Geschichten, die lediglich lose mit tatsächlichen historischen Ereignissen verbunden waren. Dennoch haben sie unser Bild vom Mittelalter nachhaltig geprägt. Bis heute greifen selbst moderne Produktionen auf Motive und Klischees zurück, die in dieser Ära des Kinos populär wurden. Der Ritterfilm erzählt deshalb nicht nur vom Mittelalter, sondern auch davon, wie sich die Menschen zur Zeit der Entstehung des Films diese ferne Vergangenheit vorstellten.

Zu den unverzichtbaren Zutaten gehörten der strahlende Held und sein skrupelloser Gegenspieler, das prächtige Turnier, eine dramatische Liebesgeschichte, die große Feldschlacht und natürlich der entscheidende Zweikampf, in dem sich Gut und Böse ein letztes Mal gegenüberstanden. Die Ausstattung durfte opulent sein, die Kostüme möglichst eindrucksvoll, wobei historische Genauigkeit dabei eher eine unverbindliche Empfehlung war. So konnte ein Ritter durchaus in einer Rüstung auftreten, die eher ins späte 15. oder sogar ins 16. Jahrhundert gehörte, während seine Geschichte angeblich im Hochmittelalter spielte. Auf der Kinoleinwand musste eben nicht alles stimmen, solange es gut aussah.

Hollywood hatte das Mittelalter bereits vor dem Zweiten Weltkrieg als ideales Terrain für große Abenteuer entdeckt. Filme wie Robin Hood – König der Vagabunden von 1938 mit Errol Flynn hatten Maßstäbe gesetzt. Nach dem Krieg knüpften die Studios an diese Tradition an und nutzten die technischen Möglichkeiten der 1950er-Jahre, um ihre Helden noch größer, ihre Schlachten noch gewaltiger und ihre Geschichten noch spektakulärer in Szene zu setzen.

Dabei transportierten die Filme durchaus zeitgenössische Ideale. Kameradschaft, Treue, Opferbereitschaft, der Einsatz für Freiheit und der Widerstand gegen Unterdrückung waren Themen, die nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs eine besondere Resonanz besaßen. Die Ritter auf der Leinwand kämpften somit nicht allein für ihre Könige, ihre Damen oder die Ehre, sondern verkörperten häufig auch Werte, die dem Publikum der Nachkriegszeit wichtig waren.

Einen wesentlichen Anteil an der Faszination hatte die Bildsprache. Das leuchtende Technicolor-Verfahren ließ rote Wappenröcke, blaue Banner, goldene Kronen und blank polierte Rüstungen in kräftigen Farben erstrahlen. Dazu kamen monumentale Kulissen, große Statistenaufgebote, aufwendig choreografierte Schwertkämpfe und prächtige Turniere. Das Kino verwandelte sich in eine Bühne, auf der das Mittelalter nicht rekonstruiert, sondern regelrecht zelebriert wurde. Für ein paar Stunden durfte das Publikum dem Alltag entfliehen und in eine Welt eintauchen, in der Ehre noch mit dem Schwert verteidigt wurde und ein einzelner Held den Lauf der Geschichte verändern konnte.

Natürlich erzählen diese Filme nur bedingt davon, wie das Mittelalter tatsächlich war. Dafür verraten sie umso mehr über die Sehnsüchte und Wertvorstellungen ihrer eigenen Entstehungszeit. Sie sind weniger historische Dokumente als vielmehr filmische Wunschbilder einer vergangenen Epoche.

Denn das Mittelalter der Ritterfilme war vielleicht nicht besonders historisch, aber dafür ausgesprochen unterhaltsam. Und genau deshalb haben seine Helden, Schurken, Turniere und Schwertkämpfe bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.

TOP 5

Der Hofnarr (The Court Jester, 1955) – Regie: Melvin Frank und Norman Panama. Mit Danny Kaye. Eine parodistische Komödie über das Mittelalter und Ritterturniere.

Es gibt Ritterfilme, in denen tapfere Helden mit ernster Miene ihre Schwerter schwingen, finstere Tyrannen bekämpfen und um die Ehre schöner Damen ringen, und dann gibt es „Der Hofnarr“ aus dem Jahr 1955. Hier wird ebenfalls intrigiert, gekämpft und um eine Krone gerungen, allerdings mit deutlich mehr Slapstick und einem Helden der auch Singen und Tanzen kann. Der Film gehört zu den ungewöhnlichsten und zugleich unterhaltsamsten Vertretern des historischen Abenteuerkinos der 1950er-Jahre. Er ist eine Mischung aus Ritterromanze, Mantel-und-Degen-Abenteuer, Märchen, Komödie und Musical.

Besonders zwei Zutaten haben dafür gesorgt, dass dieser Film den Weg in meine Top 5 gefunden hat. Zum einen natürlich Danny Kay. Der amerikanische Schauspieler, Sänger und Komiker war ein Meister der schnellen Wortspiele, der überdrehten Mimik und der körperlichen Komik. Er konnte innerhalb weniger Sekunden vom Tollpatsch zum Draufgänger wechseln und dazu noch Singen und Tanzen. Seine Figur Hubert Hawkins ist kein klassischer Ritterheld. Er gewinnt nicht durch überragende Schwertkunst oder heldenhafte Entschlossenheit, sondern vor allem durch Einfallsreichtum und Glück.

Der zweite Gund ist ohne Zweifel die berühmte Szene über „den Wein mit der Pille..“. In dieser Szene erklärt man ihm mehrfach und völlig verwirrend, in welchem Gefäß das vergiftete Getränk ist und welches sicher zum Trinken ist. Diese und die nachfolgenden Szenen werden komödiantisch noch auf die Spitze getrieben, indem Hawkins’ Rüstung zuvor vom Blitz getroffen wurde und seitdem immer wieder nebenher starke magnetische Effekte zeigt, während sich Hawkins die Reime einzuprägen versucht… „Der Wein mit der Pille ist in dem Becher mit dem Fächer, der Pokal mit dem Portal hat den Wein gut und rein.“ Weil der Pokal mit dem Portal versehentlich zerbricht, wird er durch einen Kelch mit einem Elch ersetzt, weshalb sich die Merkregel für den Helden Hubert Hawkinsmehrfach ändert… „Der Wein mit der Pille ist im Kelch mit dem Elch. Der Becher mit dem Fächer hat den Wein gut und rein.“

Zumindest diese und ein paar weitere Szenen, wie auch den Ritterschlag sollte man sich anschauen. Immer wieder großartig!

TOP 4

Die Wikinger (The Vikings,1958) – Ein monumentales Meisterwerk von Richard Fleischer. Kirk Douglas und Tony Curtis spielen verfeindete Wikinger-Brüder in einem optisch beeindruckenden Epos.

Wenn Hollywood in den 1950er-Jahren die Welt der Wikinger auf die Kinoleinwand brachte, durfte es an kräftigen Kerlen, blutigen Fehden und einer Portion Abenteuer nicht fehlen. Mit „Die Wikinger“ schuf Regisseur Richard Fleischer einen aufwendig produzierten Abenteuerfilm, der bis heute zu den bekanntesten filmischen Darstellungen der legendären nordischen Seefahrer zählt.

Die Handlung spielt im frühen Mittelalter. Der Film beginnt mit einer animierten Darstellung des Teppichs von Bayeux, auf die unmittelbar eine brutale Schilderung von Vergewaltigung, Feuer und Plünderung folgt. Die historischen Figuren und Ereignisse sind stark fiktionalisiert. Als lose Vorlage dienten nordische Sagen über den möglicherweise historischen Wikingerfürsten Ragnar Lodbrok, der vermutlich im 9. Jahrhundert lebte, sowie den nordumbrischen König Ælla. Der Film nimmt sich bei Figuren, Verwandtschaftsverhältnissen und Ereignissen jedoch erhebliche Freiheiten. Eine verlässliche Darstellung der Geschichte des frühmittelalterlichen Englands sollte man daher nicht erwarten.

Im Mittelpunkt stehen zwei fiktive Söhne Ragnars. Zum einen der lange verschollene Erik, gespielt von Tony Curtis, und der lebenslustige Einar, verkörpert von Kirk Douglas. Einar eröffnet den Film mit einem ausgelassenen Streifzug durch ein Wikingerdorf, wo er mit einer skandinavischen Schönheit auf einem Fellhaufen knutscht. Währenddessen brauen Mägde in riesigen Fässern Bier, ältere Männer werfen Äxte nach ihren Frauen und kleine Kinder laufen in Rentierfellwindeln umher. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, dass Richard Fleischer weniger an einer differenzierten Darstellung der frühmittelalterlichen Gesellschaft als an einer möglichst eindrucksvollen Abenteuergeschichte gelegen war.

Immerhin verzichtet der Film auf einige der besonders hartnäckigen Klischees späterer Wikingerbilder. Die Krieger tragen nicht durchgehend die berühmten, historisch jedoch unzutreffenden Hörnerhelme, und auch das Trinken aus menschlichen Schädeln bleibt uns erspart. Dennoch präsentiert der Film die Nordmänner überwiegend als wilde Krieger, raubeinige Seefahrer und trinkfeste Gefolgsleute. Ihre Handelsbeziehungen, Siedlungen und politischen Strukturen bleiben weitgehend außen vor. Das Publikum bekommt also vor allem jene Wikinger zu sehen, die sich Hollywood für eine große Abenteuergeschichte wünschte.

Die eigentlichen Höhepunkte des Films sind für mich allerdings die großartigen Außenaufnahmen. Gedreht wurde unter anderem in Norwegen und in der Bretagne, weitere Aufnahmen entstanden in Deutschland. Für die Produktion ließ man mehrere beeindruckende Langschiffe bauen, deren Gestaltung sich an historischen Wikingerschiffen orientierte. Hinzu kam ein eigens errichtetes Wikingerdorf an einem norwegischen Fjord.

Besonders eindrucksvoll ist die Szene, in der die Wikinger beim Einlaufen in den Fjord über die Riemen ihrer Schiffe balancieren. Diese ungewöhnliche Einlage gehört zu den unvergesslichen Momenten des Films. Ebenso spektakulär ist der Sprung in die Wolfsgrube, der den Mut der Hauptfiguren unter Beweis stellen soll. Auch die Überfälle und Kämpfe wurden mit erheblichem Aufwand umgesetzt. Den dramatischen Höhepunkt bildet ein packendes Duell am Ende des Films, das auf einer spektakulären Burganlage ausgetragen wird. Der Drehort ist dabei besonders interessant. Die vermeintliche mittelalterliche Burg war tatsächlich Teil einer Vauban-Festung in der Nähe von Saint-Malo, die noch heute besichtigt werden kann. Selbstverständlich habe auch ich dieser historischen Anlage bereits einen Besuch abgestattet.

Die Dreharbeiten waren allerdings alles andere als einfach. Widrige Wetterbedingungen, wie Regen und Kälte erschwerten die Arbeit in Norwegen. Hinzu kamen Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit der norwegischen Filmcrew. Kirk Douglas, der nicht nur als Einar vor der Kamera stand, sondern auch als Produzent maßgeblich an dem Projekt beteiligt war, hielt dennoch an seinem ambitionierten Vorhaben fest.

Die Wikinger ist selbstverständlich keine historisch zuverlässige Darstellung des frühen Mittelalters. Dafür bietet der Film eine opulente Ausstattung, eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen, imposante Schiffe und eine Reihe unvergesslicher Abenteuerszenen. Wer sich für die Geschichte der Wikinger interessiert, sollte die historischen Freiheiten im Hinterkopf behalten. Wer dagegen einen klassischen Abenteuerfilm mit Seeschlachten, Fehden und dramatischen Schwertkämpfen sucht, kommt hier voll auf seine Kosten

TOP 3

Prinz Eisenherz (Prince Valiant, USA 1954) – Regie: Henry Hathaway. Mit Robert Wagner und Janet Leigh. Die Bunte Comic-Adaption aus der Zeit von König Artus.

In meiner Kindheit habe ich tatsächlich nur zwei oder drei Comic-Bände der berühmten Prinz Eisenherz-Reihe gelesen. So recht wusste ich damals mit den Geschichten nicht viel anzufangen, und die umfangreichen Texte waren für meinen jungen Geist auch etwas sperrig. Erst durch den Film aus dem Jahr 1954 wurde ich mit dem Prinzen von Thule warm  und entdeckte den Helden für mich auf der Kinoleinwand.

Die Comicserie Prince Valiant erschien erstmals 1937 und wurde vor allem durch ihre außergewöhnlich detailreichen Zeichnungen bekannt. Hal Foster schuf eine Bilderwelt mit aufwendig gestalteten Rüstungen, imposanten Burgen, weitläufigen Landschaften und dramatischen Schlachtszenen. Die Geschichten spielen im sagenumwobenen Frühmittelalter zur Zeit von König Artus und den Rittern der Tafelrunde. Prinz Eisenherz ist der Sohn des vertriebenen Königs von Thule. Sein großes Ziel ist es, Ritter von Camelot zu werden. Dabei steht ihm unter anderem das berühmte „Singende Schwert“ zur Seite. Hal Foster schrieb und zeichnete die Serie über Jahrzehnte hinweg und lieferte 34 Jahre lang Woche für Woche eine neue Comicseite.

Als Hollywood in den 1950er-Jahren das große Abenteuerkino zelebrierte, durften heldenhafte Kämpfer, finstere Schurken und edle Ritter natürlich nicht fehlen. Zu den farbenprächtigsten Vertretern dieses Genres gehört zweifellos Prinz Eisenherz aus dem Jahr 1954. Der Film entführt das Publikum in eine Welt voller höfischer Intrigen, stolzer Ritter, geheimer Verschwörungen und romantischer Abenteuer. Dabei nimmt er sich die eine oder andere Freiheit gegenüber der historischen Realität, was dem Unterhaltungswert allerdings keinen Abbruch tut.

Zu den markantesten Darstellern zählen James Mason als Sir Brack, der finstere Gegenspieler des Helden, und Robert Wagner in der Titelrolle des jungen Prinzen Eisenherz. Während Mason dem Film mit seiner Darstellung des verschlagenen Schurken eine gehörige Portion Boshaftigkeit verleiht, bleibt Robert Wagner vor allem wegen seiner Frisur in Erinnerung. Die berühmte Prinz-Eisenherz-Frisur entwickelte ein erstaunliches Eigenleben und wurde in meiner Kindheit geradezu sprichwörtlich. Als Bezeichnung für einen spießigen Topfschnitt war sie jedenfalls bestens geeignet und nicht unbedingt als Kompliment gemeint.

Zu den Höhepunkten des Films gehören die zahlreichen Kampfszenen. Dazu zählt auch die Eroberung einer Burg, bei der mir allerdings nie ganz klar war, wer eigentlich gerade gegen wen kämpfte. Der abschließende Zweikampf sorgt dann wieder für die nötige Übersicht und einen packenden Höhepunkt. Daneben gibt es zahlreiche ungewöhnliche Szenen, die sich dauerhaft ins Gedächtnis einprägen. Besonders amüsant ist die Episode, in der sich Prinz Eisenherz in einem Teich versteckt und dabei durch ein Schilfrohr atmet. Auf solche Einfälle muss man erst einmal kommen!

Aus heutiger Sicht wirken auch die Helme der Wikinger mit ihren markanten Hörnern reichlich abenteuerlich. Historisch korrekt ist das natürlich nicht, aber der Film setzt ohnehin auf die Bildsprache des klassischen Ritter- und Abenteuerkinos. Die unterhaltsame Geschichte und die markanten Charaktere sorgen dafür, dass man ihm manche Ungenauigkeit gerne verzeiht.

Zum Abschluss noch ein kleiner Exkurs in die Welt der Spielzeugfiguren. Zu den bekanntesten und beliebtesten Kunststofffiguren der Firma Elastolin gehörten die sogenannten Normannen. Die ersten fünf Miniaturen dieser Serie stellten Charaktere aus Hal Fosters Prinz Eisenherz dar und belegen damit, wie stark der Film und seine Figuren die damalige Spielzeugwelt beeinflussten. Zum Sortiment gehörten Prinz Eisenherz, Sir Gawain, Prinz Arne, Prinz Eisenherz im Kampf sowie ein Burgfräulein. Diese Figuren entstanden zwischen 1955 und 1957 und knüpften damit unmittelbar an den Kinoerfolg des Films an.

Für mich bleibt Prinz Eisenherz ein unterhaltsamer Vertreter des klassischen Abenteuerkinos der 1950er-Jahre. Die prächtigen Kostüme, die Ritterkämpfe und die fantasievollen Einfälle machen den Film bis heute sehenswert. Und Robert Wagners Frisur? Die hat ihren ganz eigenen Platz in der Filmgeschichte sicher – zumindest bei all jenen, die in ihrer Kindheit mit dem Begriff „Prinz-Eisenherz-Frisur“ etwas anfangen konnten.

TOP 2

Heinrich V. (Henry V, 1944) – Regie: Laurence Olivier. Mit Laurence Olivier in der Hauptrolle. Eine der wenigen Filme mit recht guter historischer Ausstattung.

Als Laurence Olivier 1943 mit den Dreharbeiten zu Heinrich V. begann, befand sich Großbritannien noch mitten im Zweiten Weltkrieg. Deutsche Luftangriffe, die Kämpfe auf dem europäischen Kontinent und die Vorbereitungen für die alliierte Invasion in Frankreich prägten den Alltag. Ausgerechnet in dieser Zeit entstand einer der aufwendigsten und künstlerisch ambitioniertesten britischen Historienfilme seiner Epoche.

Olivier verfilmte William Shakespeares gleichnamiges Drama über den englischen König Heinrich V. und dessen Feldzug nach Frankreich, der 1415 in der berühmten Schlacht von Azincourt gipfelte. Dabei war das Projekt weit mehr als eine gewöhnliche Literaturverfilmung. Der Film sollte Mut machen, den nationalen Zusammenhalt stärken und an die Widerstandskraft der Briten erinnern. Die Parallelen zwischen Heinrichs Feldzug gegen Frankreich und dem britischen Kampf gegen Nazi-Deutschland waren durchaus beabsichtigt. Aus dem mittelalterlichen König wurde so auch eine Identifikationsfigur für ein Land, das sich in einem existenziellen Krieg befand.

Für meine persönliche Top 5 sind vor allem zwei Abschnitte ausschlaggebend. Zum einen der faszinierende Auftakt mit dem Miniaturmodell von London und die gewaltige Schlacht von Azincourt am Ende des Films. Beide Szenen zeigen eindrucksvoll, wie viel Aufwand und gestalterische Fantasie Olivier in seine Inszenierung investierte.

Der Film beginnt mit einem Blick auf ein unglaublich detailliertes Modell des spätmittelalterlichen London. Boote gleiten über die Themse, während die Kamera den Fluss entlangschwenkt. Vorbei am strahlend hellen Tower und der dicht bebauten London Bridge öffnet sich der Blick auf die Stadt mit ihren zahlreichen Kirchen und Türmen. Schließlich erscheint auch die gewaltige Kuppel von St. Paul’s – in diesem Fall noch die mittelalterliche Vorgängerkirche, lange vor dem Bau der heutigen Kathedrale. Die Kamera führt uns anschließend zum südlichen Themseufer, wo das berühmte Globe Theatre steht. Hier beginnt gewissermaßen das eigentliche Schauspiel. Aus der Miniaturstadt wird eine Theaterbühne, und aus dem Theater schließlich der Film. Olivier verbindet diese unterschiedlichen Ebenen auf eine Weise, die Shakespeares Welt zum Leben erweckt und den Zuschauer unmittelbar in das Geschehen hineinzieht.

Als Tabletop-Enthusiast kommt man bei diesen Bildern natürlich ins Grübeln. Ein derartiges London-Modell wäre eine fantastische Vorlage für ein eigenes Diorama, auch wenn man dafür vermutlich eine ganze Menge Häuser, Kirchen und Boote benötigen würde. Allein die London Bridge mit ihren dicht gedrängten Gebäuden wäre ein Projekt für sich, was aber dank den 3-Modellen von Jens Najewitz bereits in Reichweite liegt.

Der zweite große Höhepunkt folgt mit dem Feldlager und der Schlacht von Azincourt. Hier wechselt der Film von der künstlichen Welt des Theaters und der Miniaturen in eine weitläufige Landschaft voller Soldaten, Pferde, Rüstungen und Waffen. Olivier gelingt es, die Atmosphäre eines mittelalterlichen Feldzugs eindrucksvoll einzufangen. Die Schlacht wirkt nicht wie eine kleine Bühnenaufführung, sondern wie ein Ereignis von historischer Tragweite.

Gedreht wurden die aufwendigen Außenszenen unter anderem in der irischen Grafschaft Wicklow. Die dortige Landschaft bot geeignete Voraussetzungen für die Dreharbeiten und lag außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone der deutschen Luftangriffe auf Großbritannien. Für die Schlachtszenen kamen rund 700 Statisten zum Einsatz. Auch Einheimische erhielten dadurch die Gelegenheit, an einer großen Filmproduktion mitzuwirken. Wer ein eigenes Pferd mitbrachte, konnte sich sogar etwas dazuverdienen.

Besonders die Ausstattung verdient Anerkennung. Kleidung, Waffen und Rüstungen vermitteln ein überzeugendes Bild hochmittelalterlicher Kriegsführung und besitzen eine Detailfülle, an der sich so manche spätere Verfilmung messen lassen muss. Natürlich ist auch hier nicht alles historisch einwandfrei. Manche Details lassen den Kenner schmunzeln, etwa die Hebevorrichtungen, mit denen die Ritter auf ihre Pferde gehievt werden. Solche Szenen erinnern daran, dass selbst ein ambitionierter Historienfilm gelegentlich ungewöhnliche Lösungen für praktische Probleme finden muss.

Doch diese kleinen Ungereimtheiten fallen angesichts des Gesamtbildes kaum ins Gewicht. Das Zusammenspiel aus Reiterei, Fußsoldaten, Bogenschützen und den dicht gedrängten Formationen vermittelt eine Vorstellung von der Dimension mittelalterlicher Schlachten. Besonders beeindruckend ist der Kontrast zwischen dem zahlenmäßig unterlegenen englischen Heer und der französischen Streitmacht. Damit greift der Film zugleich den historischen Kern der Schlacht auf, in der Heinrichs Truppen trotz widriger Bedingungen einen überraschenden Sieg errangen.

Heinrich V. ist dabei nicht nur ein Kriegsfilm, sondern auch ein bemerkenswertes Experiment mit filmischen Ausdrucksformen. Olivier beginnt in einer bewusst theatralischen Welt, erweitert sie schrittweise um realistische Schauplätze und führt das Publikum schließlich in eine große Schlachteninszenierung. Gerade dieser Übergang macht den Film so besonders. Er zeigt, wie sich Shakespeare auf der Leinwand neu interpretieren lässt, ohne die Herkunft des Stoffes aus dem Theater zu verleugnen.

Für mich ist Heinrich V. deshalb ein verdienter Kandidat für die Top 5 der Ritterfilme. Das London-Modell weckt die Begeisterung für aufwendige Miniaturen, während die Schlacht von Azincourt mit ihrer Ausstattung und ihren zahlreichen Statisten echtes Historienkino bietet. Der Film verbindet künstlerischen Anspruch mit handfestem Schlachtenspektakel und beweist, dass selbst unter den schwierigen Bedingungen des Zweiten Weltkriegs ein außergewöhnliches Filmprojekt entstehen konnte.

TOP 1

Ivanhoe – Der schwarze Ritter (Ivanhoe,1952) – Regie: Richard Thorpe. Mit Robert Taylor und Elizabeth Taylor. Der wegweisende Klassiker nach der literarischen Vorlage von Sir Walter Scott.

Wenn es um die großen Ritterfilme der 1950er-Jahre geht, führt für mich kein Weg an Ivanhoe – Der schwarze Ritter vorbei. Er gehört auf Platz eins dieser Liste. Warum? Weil hier praktisch alles zusammenkommt, was das Abenteuerkino jener Zeit so unwiderstehlich machte, also prächtige Turniere, tapfere Helden, finstere Schurken, schöne Damen, dramatische Zweikämpfe, gewaltige Schlachten und eine Prise historische Geschichte. Dazu kommen hervorragende Schauspieler und, als besonderes Extra, Robin Hood samt seiner fröhlichen Gefolgschaft. Viel mehr kann man sich von einem Ritterfilm eigentlich kaum wünschen.

Regisseur Richard Thorpe gelang mit dieser MGM-Produktion ein Klassiker, der das Bild des mittelalterlichen Abenteuerfilms nachhaltig prägte. Gemeinsam mit „Die Ritter der Tafelrunde“ und „Liebe, Tod und Teufel – Quentin Durward“ bildet Ivanhoe gewissermaßen das Herzstück seiner mittelalterlichen Filmtrilogie. Auch die beiden anderen Werke bieten beste Unterhaltung, doch an die Mischung aus Tempo, Dramatik und Schauwerten des Ivanhoe reichen sie für mich nicht heran.

Die Vorlage lieferte Sir Walter Scotts gleichnamiger Roman von 1819. Im Mittelpunkt steht der fiktive angelsächsische Ritter Wilfred von Ivanhoe, der seinem König Richard Löwenherz treu ergeben ist. Die Geschichte spielt im England des späten 12. Jahrhunderts, einer Zeit, in der der König nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land zunächst in Gefangenschaft gerät. Sein Bruder Prinz John nutzt die Abwesenheit Richards, um seine eigene Macht auszubauen und sich die Herrschaft über England zu sichern. Währenddessen schwelen die Konflikte zwischen den normannischen Eroberern und der angelsächsischen Bevölkerung weiter.

Die historischen Ereignisse bilden dabei vor allem den Hintergrund für eine Geschichte über Treue, Ehre und Versöhnung. Scott verbindet die politischen Machtkämpfe mit dem Schicksal seines Helden und stellt die Frage, ob die beiden Bevölkerungsgruppen unter einem gerechten König zu einer gemeinsamen Ordnung finden können. Darin lässt sich durchaus auch Scotts eigene Haltung zu den Spannungen zwischen England und Schottland erkennen.

Auf der Leinwand entfaltet sich ein klassisches Abenteuer mit allem, was dazugehört. Robert Taylor verkörpert den aufrechten Ivanhoe, während Elizabeth Taylor als Rebecca und Joan Fontaine als Lady Rowena für die romantischen Verwicklungen sorgen. Zwischen Liebe, Intrigen und Ritterehre bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Die aufwendige Produktion von Metro-Goldwyn-Mayer setzt dabei ganz auf die große Geste und das farbenprächtige Spektakel.

Besonders eindrucksvoll ist das Turnier von Ashby. Ivanhoe tritt zunächst unerkannt und als geheimnisvoller schwarzer Ritter auf den Plan, um sich mit den normannischen Rittern zu messen. Lanzen brechen, Pferde stürmen aufeinander zu, und die Zuschauer auf den Rängen verfolgen gespannt das Geschehen. Natürlich ist das Ganze nicht unbedingt ein Lehrstück historischer Authentizität. Die Rüstungen und Waffen präsentieren sich als buntes Sammelsurium verschiedener mittelalterlicher Epochen, während manche Turnierhelme der Normannen eher an fantasievolle Theaterrequisiten erinnern. Doch gerade diese Mischung aus historischer Anmutung und filmischer Überhöhung gehört zum unverwechselbaren Charme des Streifens.

Der eigentliche Höhepunkt wartet allerdings noch: die Belagerung von Torquilstone Castle. Für die Burg wurde eigens eine gewaltige Filmkulisse errichtet, die später auch in anderen Ritterproduktionen Verwendung fand. Und was Richard Thorpe aus dieser Kulisse herausholt, ist großes Abenteuerkino.

Robin von Loxley und seine Gefolgsleute setzen zum Angriff auf die Burg an. Pfeile sausen durch die Luft, während die Angreifer mit Leitern und allerlei Belagerungsgerät versuchen, den Burggraben zu überwinden und in die Festung einzudringen. Das Geschehen ist rasant inszeniert, abwechslungsreich und mit sichtlicher Freude am Spektakel umgesetzt. Robin Hood und seine Männer sorgen dabei für jene Mischung aus Draufgängertum und augenzwinkernder Leichtigkeit, die einen solchen Film erst richtig rund macht.

Unterdessen sitzen Ivanhoe und seine Gefährten innerhalb der Burg fest. Doch statt untätig auf ihre Befreiung zu warten, nutzen sie die Ablenkung durch den Angriff, um einen eigenen Ausbruchsversuch zu wagen und ihren Entführern die Stirn zu bieten. Zwei Handlungsebenen greifen ineinander, und aus der Belagerung wird ein mitreißendes Durcheinander aus Kämpfen, Fluchtversuchen und dramatischen Wendungen.

Auch das Duell zwischen Ivanhoe und dem normannischen Ritter Bois-Guilbert, dass im Zusammenhang mit Rebeccas Hexenprozess steht, gehört zu den großen dramatischen Momenten des Films. Es verbindet persönliche Konflikte mit dem übergeordneten Kampf um Recht und Ehre. Doch wenn ich an Ivanhoe denke, sehe ich vor allem die gewaltige Burgkulisse, die stürmenden Angreifer und die Pfeile, die in dichten Salven durch die Luft fliegen.

Natürlich erzählt der Film das Mittelalter nicht so, wie es tatsächlich gewesen ist. Dafür nimmt er sich zahlreiche Freiheiten bei Kostümen, Rüstungen und historischen Zusammenhängen. Aber das ist auch nicht sein eigentlicher Anspruch. Ivanhoe will eine große Geschichte erzählen, seine Zuschauer in eine fremde Welt entführen und ihnen zwei Stunden lang das Gefühl geben, mitten in einem Ritterroman zu stecken.

Und genau das gelingt ihm bis heute. Der Film besitzt Tempo, Atmosphäre, prächtige Bilder und jene unbeschwerte Abenteuerlust, die vielen modernen Produktionen bisweilen abhandengekommen ist. Er ist romantisch, dramatisch, gelegentlich pathetisch und herrlich überlebensgroß.

So muss Ritterkino aussehen!

Lobende Erwähnungen

Am Ende dieses Berichtes seien noch einige weitere Filme auf meiner Liste erwähnt, die ebenfalls sehenswert sind.

Der eiserne Ritter von Falworth (The Black Shield of Falworth, USA 1954) – Regie: Rudolph Maté. Mit Tony Curtis und Janet Leigh. Ein junger Mann kämpft um die Ehre seines Vaters und den Ritterschlag.

Liebe, Tod und Teufel / Quentin Durward (USA 1955) – Regie: Richard Thorpe. Mit Robert Stewart. Abenteuerfilm im spätmittelalterlichen Frankreich.

Die Ritter der Tafelrunde (Knights of the Round Table, USA 1953) – Regie: Richard Thorpe. Mit Robert Taylor und Ava Gardner. Ein weiteres großes Artus-Spektakel.

Robin Hood und seine tollkühnen Gesellen (The Story of Robin Hood and His Merrie Men, 1952) Disneys Beitrag zum Mittelalter-Trend.

In den 60ern wurden die Filme dann monumentaler, aber inhaltlich auch komplexer, historisch präziser und psychologischer. Zu den Klassikern dieser Zeit gehören El Cid mit Charlton Heston und Sophia Loren, Der Löwe im Winter mit Peter O’Toole und Katharine Hepburn sowie Becket mit Peter O’Toole und Richard Burton. Doch das ist eine andere Geschichte…

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