Shogun – Die TV Serie

In den 70er und 80er Jahren waren TV-Miniserien die Straßenfeger schlechthin. Für gewöhnlich liefen diese Serien in Spielfilmqualität um die Weihnachtszeit und wurden aus diesem Grund auch als Advents-Vierteiler bezeichnet. Oft waren sie noch wochenlang das Gesprächsthema Nr. 1.

Nach der Ausstrahlung von „Der Seewolf“ versuchten tausende von Kindern vergeblich eine rohe Kartoffel zu zerdrücken, wir litten mit Elam Harnish in der „Lockruf des Goldes“ und fragten uns, wie geröstetes Eichhörnchen schmeckt. Im Jahr 1982 flimmerte die 5-teilige Miniserie „Shogun“ über die Bildschirme und kaum eine Woche später wurde die Sake-Flasche entkorkt und fachgerecht im Topf erwärmt. Sex war out, es wurde nur noch „das Kopfkissen geteilt“ und man hörte jetzt ab und an Leute, die ein „hai“, „domo“ und „dozo“ wie einen Peitschenknall brüllten. Die neue Japan-Begeisterung wurde nicht nur durch die tolle Story von Shogun ausgelöst, es war vielmehr der Blickwinkel, aus der das Ganze geschildert wurde. Wir schlüpften sozusagen in die Haut von Richard Chamberlain und lernten mit ihm die Gebräuche und Sprache Japans. Ein toller Winkelzug der Filmemacher war auch, dass die japanische Sprache zum größten Teil nicht durch Untertitel erläutert wurde. So blieb auch der Zuschauer, genau wie der Hauptfigur Blackthrone, oft im Unklaren und war auf die Übersetzung der Dolmetscherin Mariko angewiesen.

Die Geschichte der Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers James Clavell aus dem Jahr 1975. Um das Jahr 1600 gerät der englische Navigator John Blackthorne mit seinem Schiff in einen Sturm, kentert und wird mit seiner Mannschaft an die japanische Küste gespült. Hier gerät er in Gefangenschaft und wird im Laufe der Geschichte immer tiefer in einen Machtkampf hineingezogen, der zu dieser Zeit unter den Fürsten Japans herrscht. Vorbild für den Roman sind die Erlebnisse des Navigators William Adams, der Anfang des 17. Jahrhunderts Japan erreichte und dort 20 Jahre später als Samurai starb. Bei den Machtkämpfen handelt es sich um die Auseinandersetzungen zwischen Tokugawa Ieyasu und Toyotomi Hideyoris. Im Jahr 1600 gewann Tokugawa Ieyasu die Schlacht von Sekigahara und damit endete die sogenannte Senguko-Zeit und es begann der lange Friede der Edo-Zeit.

Die Dreharbeiten zur Serie waren sehr ungewöhnlich. Die komplette Staffel wurde vor Ort in Japan gedreht, also nicht nur die Außenaufnahmen, sondern auch sämtliche Studioarbeiten. Zur damaligen Zeit war das für die amerikanische Filmcrew noch ein echtes Abenteuer. Ein großes Problem war die Sprache. Kaum ein japanischer Schauspieler und Arbeiter konnte Englisch sprechen oder verstehen. So mussten ständig 14 Dolmetscher die Anweisungen übersetzten. Auch die Arbeitsweise der japanischen Bühnenbildner unterschied sich völlig von der in der amerikanischen Filmindustrie üblichen. Sie arbeiteten sehr traditionell. Es wurde beispielsweise kein einziger Nagel verwendet, alle Bauten wurden durch Seile zusammengehalten! Die japanischen Handwerker bauten nicht nur einfach Kulissen, sondern praktisch bezugsfertige Räume und Häuser, die für die Ewigkeit konstruiert waren. Auch die Kostüme waren enorm Aufwendig gefertigt. Alle Kimonos der Hauptdarsteller waren aus echter Seide geschneidert worden. In der kleinen idyllischen Bucht von Nagashima wurde ein komplettes Dorf errichtet, das am Ende der Drehzeit leider durch einen Taifun komplett vernichtet wurde. Aus Amerika segelte man für die Außenaufnahmen einen Nachbau der Golden Hint nach Japan, wo es umgebaut und als Schiff von John Blackthorne eingesetzt wurde. Doch dieser enorme Aufwand zahlte sich aus. In Amerika und danach in vielen anderen Ländern wurde die TV-Serie zu einem riesigen Erfolg. Bei Erstausstrahlung meldete das ZDF eine Einschaltquote von 45 %!!!

 Hier der Trailer zur Serie:

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