Bannockburn 1314

König ohne Land – Bannockburn 1314

Einem Namen begegnet man in Schottland immer wieder. Robert the Bruce (1274-1329). Um seine Geschichte zu erzählen, müssen wir etwas weiter ausholen. Im Jahre 1286 stirbt der Schottische König Alexander III und damit endet auch der 100-jährige Frieden zwischen England und Schottland. Er hinterlässt keine Nachkommen und so sieht Edward I, König von England, seine große Chance auch die schottische Krone zu erlangen. Für den leeren Thron gibt es jedoch zwei Anwärter, den Großvater von Robert Bruce und John Balliol. Der englische König wird berufen, um zu entscheiden, wer den Thron besteigen soll. Seine Wahl fällt auf John, der daraufhin 1292 gekrönt wird. Aber für Edward ist John Balliol nur eine Strohpuppe. Nach und nach beschneidet es seine Befugnisse und bald wird klar, dass John nur noch eine Toom Tabard (leere Jacke, so lautete sein Spitzname) ist. Doch John lehnt sich auf und ruft die Schotten zu den Waffen, um gegen England zu ziehen. Alle kommen, bis auf die Sippe von Bruce (erster Verrat!). Die Schotten belagern Carlisle, welches von der Brucesippe gehalten wird. Währenddessen marschiert Edward in Schottland ein und erobert eine Burg nach der anderen. 1296 wird John Balliol gefangen genommen und im Tower von London inhaftiert. Edward hat zwar sein Ziel erreicht, aber nun beginnt in Schottland ein Guerilla-Krieg gegen ihn. Anführer der Aufständischen ist William Wallace. Robert the Bruce, der seit 1295 Oberhaupt seiner Sippe ist, muss sich nun entscheiden, England oder Schottland. Er und seine Mannen schließen sich den Rebellen an und erringen 1297 einen großen Sieg bei Stirling. Wallace wird Schutzherr von Schottland und regiert im Namen von König John. Leider dauert seine Vorherrschaft nicht allzu lange, denn 1298 wird er bei Falkirk geschlagen und muss fliehen. 1305 wir Wallace verraten (nein, nicht von Robert, sondern einem anderen Halunken) und in London hingerichtet (gute Vorlage für eine Dioramenserie. Er wurde von zwei Pferden gestreckt, durch die Straßen geschleift, aufgehängt, in Wasser getaucht und schließlich gevierteilt). Nun wird Robert the Bruce und John Comyn, Bailliol’s Neffe, die Vorherrschaft übertragen. Wieder muss sich Robert entscheiden und diesmal ergibt es sich dem englischen König (zweiter Verrat! Man sieht, auch ein Bruce ist nur auf seinen Vorteil bedacht. Von wegen Freiheit! Freiheit!). 1304 stirbt der Vater von Robert und der schottische Thron rückt für ihn in greifbare Nähe. Nur John Comyn steht ihm noch im Weg. Die beiden Treffen so eine Art Gentlemen-agreement, wobei einer für den anderen einstehen soll. Doch John, die alte Petze, schwärzt Robert bei König Edward an. Daraufhin schnappt sich Robert seinen alten rostigen Dolch und sticht den Hinterlistigen nieder (Na ja, das ist nicht so ganz geklärt, aber wenn zwei Mann sich im gleichen Raum befinden und nur einer kommt lebend heraus, dann braucht man doch eigentlich keine Zeugen). So, nun endlich wird Bruce 1306 in Scone zum König gekrönt. Robert hat es nun zwar auf den Thron geschafft, aber Schottland ist noch immer in englischer Hand. Es folgen also wieder einige Jahre des Kleinkrieges. Zu dieser Zeit wird aus dem ersten Edward der zweite Edward. 1314 besiegt Robert den neuen Edward und seine Truppen bei Bannockburn. Trotz dieser gewonnenen Schlacht dauert der schottische Unabhängigkeitskrieg noch bis 1328 an. Nur ein Jahr danach stirbt Robert the Bruce.

In und rund um Stirling kann man auf Spurensuche nach diesen für Schottland wichtigsten Ereignissen gehen. Von Stirling Castle hat man einen guten Blick auf das Schlachtfeld von 1297. Direkt unter der Burg liegt die berühmte Brücke (die Originalbrücke war allerdings aus Holz und angeblich stand sie ursprünglich bei Kildean) auf der die englischen Truppen den Fluss Forth überquerten. Im Hintergrund sieht man den Hügel, wo Wallace mit seinen Truppen den Angriff erwartete. Im Wesentlichen würde die Schlacht an der Brücke selbst entschieden. Als die Hälfte der Englischen Truppe die Brücke überquert hatte, ging Wallace mit seinen Männern zum Angriff vor. Zusätzlich wurde den englischen Truppen, die den Fluss schon überquert hatten, durch schottische Reiter der Rückweg abgeschnitten. Die englischen Ritter wurden teilweise in den Fluss getrieben und als englische Verstärkungen über die Brücke geschickt wurden, gibt diese nach und stürz mit vielen Engländern in den Forth. Die berühmten schiltrons (schottische Formation aus Lanzenfußvolk) sollen übrigens erst in der Schlacht von Falkirk erfolgreich eingesetzt worden sein. Heute steht auf dem Hügel Abbey Craig , von dem die Schotten ihren Angriff führten, das Wallace-Monument. Im Turm wird das mächtige Schwert von Wallace ausgestellt und von der Turmspitze hat man einen schönen Blick auf Stirling und das Schlachtfeld. Im Bannockburn Visitor-Center ist übrigens ein kleines Diorama der Schlacht von Stirling-Bridge zu sehen.

Am 23. Juni 1314 stand das 7.000 Mann starker Herr der Schotten einer Armee von 20.000 Engländern bei Bannockburn gegenüber. Die Schotten hatten sich in großen shilterns aufgestellt und erwarteten den Angriff der englischen Ritter. Noch vor der Schlacht jedoch  hatte Robert seinen großen Auftritt. Als er an der Spitze seiner Armee den Männer Mut zusprach, preschte plötzlich ein vorwitziger Ritter aus den englischen Reihen vor. Es war Sir Henry de Bohun, der den schottischen König erkannt hatte und ihn jetzt mit seiner Lanze attackierte. Doch Robert wich geschickt aus und spaltete mit seiner Axt Helm und Kopf des Angreifers. Auf die Vorwürfe seine Ritter, die ihn ermahnten nicht schon vor der Schlacht sein Leben zu lassen, antwortet er nur: „Schweiße, ich habe meine gute Streitaxt zerbrochen (oder so ähnlich). Der erste Schlachttag ging zu Ende, ohne das eine Seite einen entscheidenden Vorteil erringen konnte. In der folgenden Nacht veränderten die Engländer Ihre Position und am nächsten Morgen erkannte Bruce, dass seine Stunde gekommen war. Zwischen den beiden Heeren lag jetzt ein kleiner Bach, der zwar nicht sehr tief war, aber eine steile Uferböschung hatte. Bruce hoffte, dass er den ersten Teil der angreifenden englischen Armee zurückschlagen und in die nachfolgenden Truppen, die noch mit der Überquerung des Baches beschäftig waren, drängen konnte. Die englischen Reiter griffen wie gewünscht an und wurden von den Schotten abgewiesen. Englische Bogenschützen, die den Bach ebenfalls überquert hatten, schossen in einer ausbrechenden Panik ihre Pfeile frühzeitig ab. Dadurch wurde nicht nur die Schotten, sondern auch ihre eigene Kavallerie, die sich gerade auf dem Rückzug befand, mit Geschossen eingedeckt. Nun setzte Bruce auch noch eine 500 Mann starke Reitertruppe gegen die Bogenschützen ein und die restliche Armee ging mit ihren Lanze zum Angriff über. Die zurückdrängenden Engländer behinderten jetzt die englischen Reserven, die versuchten über den Bach zu gelangen. Das Chaos war perfekt und das Schicksal der englischen Armee besiegelt.

Die genaue Lage des Schlachtfeldes von Bannockburn ist bis heute nicht bekannt. Eine monumentale Gedenkstätte mit Reiterstandbild und Besucherzentrum befindet sich rund 2 Kilometer südlich von Stirling. Hier werden in einer schönen Ausstellung die Ereignisse von 1314 dargestellt. Besonderer Clou der Ausstellung sind einige Helme, Kettenhemden und Kleidungsstücke aus dieser Zeit, die man selbst anprobieren kann.

 

Sicher kennt jeder den Film „Braveheart“ von und mit Mel Gibson. Der Film ist ungemein spannend hat schöne Bilder und recht authentische Schlachtszenen. Aber wie in so vielen anderen historischen Filmen wird auch hier auf die richtige Schilderung der Ereignisse fast ganz verzichtet. Wo ist denn bei Mel Gibson zum Beispiel die berühmte Brücke bei Stirling? Weit und breit ist nichts davon zu sehen. Im Film wird fälschlicherweise Wallace unterstellt, dass er Robert the Bruce im Kampf um den Thron unterstützte. Tatsächlich galt seine Unterstützung aber John Baliol als Thronanwärter.

Der weniger bekannte Film „The Bruce“ erzählt die Ereignisse nach William Wallace und endet mit der Schlacht von Bannockburn. So weit ich es beurteilen kann, sind die Ereignisse hier recht gut geschildert.

Leider kann ich sehr wenig zu den vielen Büchern dieses Themas sagen. Ich selbst besitze nur das Buch „Bannockburn 1314“ von Aryeh Nusbacher. Das Buch beschreibt zunächst die beiden Armeen und ihre Bewaffnung, sowie die Schwierigkeiten die sie zu bewältigen hatten. Gut werden Kampfweise und die Schlacht selbst geschildert. Das Buch ist allerdings recht armselig bebildert. Einige alte Stiche, Reenacment-Fotos und mehrere Karten aus der Dokumentation „in the Line of fire“ können nicht so recht überzeugen.

Ein Kommentar zu “Bannockburn 1314”

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