Die Schlacht von Abu Klea / Im Sudan

Im Rahmen der britischen Nil – Expedition 1884/85 unter Leitung von General Garnet Wolseley sollte eine speziell dafür ins Leben gerufene Truppe, die Desert Column, die Bayuda Steppe von Korti nach Methemmeh durchqueren. Diese 275 Kilometer lange Karawanenroute stelle eine erhebliche Abkürzung zum eigentlichen Verlauf des Nils dar, welcher an dieser Stelle einen großen Bogen nach Osten macht. In Methemmeh sollte die Desert Column die feindlichen Kräfte durch einen Überraschungsangriff ausschalten und Verbindung mit den dort wartenden Flussdampfern aus Khartoum aufnehmen. Mit Hilfe dieser Schiffe und der nachrückenden River Column gedachte man, das von den Truppen des Mahdi belagerte Khartoum zu erreichen und den dortigen Gouverneur Gordon Pasha zu retten.

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Desert Column

Die Desert Column setzte sich im Wesentlichen aus dem Camel Corps, sowie einigen kleinen, unterstützenden Einheiten zusammen.

Stab

Kommandeur der Desert Column war Sir Herbert Stewart, sein Stellvertreter der berühmtberüchtigte Colonel Burnaby. Colonel Sir Charles W. Wilson (Royal Engineers) übernahm später das Kommando, nachdem Stewart schwer bei Abu Kru verwundet worden war. Das Garde Camel Regiment wurde von Lt. Colonel E. Boscawen, das Heavy Camel Regiment von Lt. Colonel R.A. Talbot und das Mounted Infantry Camel Regiment von G. H. Gough kommandiert. Das Royal Sussex Regiment stand unter der Führung von Major Sunderland, die 19th Hussars unter der von Lieutenant-Colonel P. Barren. Das Kommando über die Naval Brigade hatte Captain Lord Charles Beresford. Die Royal Artillery stand unter dem Befehl von Captain G. Norton und die Royal Engineers kommandierte Major Darward.

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Sir Herbert Stewart

Camel Corps

22 unterschiedliche Regimenter hatte Personal gestellt, um die 4 Regimenter des Camel Corps zu bilden. Die insgesamt 1.789 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften teilten sich in das Guards Camel Regiment (GCR), das Heavy Camel Regiment (HCR), das Light Camel Regiment (LCR), sowie das Mounted Infantry Camel Regiment (MICR). Ein Offizier beschrieb das Corps als „Londoner Gesellschaft auf Kamelen“. Obwohl man beabsichtigt hatte die besten Männer auszuwählen, schickten viele Regimenter ihre „aussortierte Ware“. Der kommandierende Offizier der 2nd Life Guards wählte beispielsweise die Regiments-Trunkenbolde aus, in der Hoffnung, dass sie in der Wüste keinen Alkohol finden würden. Das Camel Coprs verursachte ein enormes öffentliches Interesse in England. Jeder Schritt dieser Truppe wurde aufmerksam verfolgt und kommentiert. Lord Wolseley sorgte für Heiterkeit, als es für seine Truppe 1.000 weiße Schirme bestellte, welche die Männer vor der Sonne schützen sollten. Der Regimentsmarsch, der für das Corps gewählt wurde, war die schottische Melodie „The Campbells are coming“, was in „The Camels are coming“ umgemünzt wurde. Das Light Camel Regiment nahm übrigens nicht an dem Marsch durch die Wüste und den anschließenden Kämpfen teil, es wurde zu Sicherung des Hauptquartiers und der Versorgung in Korti zurückgelassen.

Eine genaue Beschreibung des Camel Corps habe ich in einem separaten Bericht zusammengefasst (Link: https://tabletopdeutschland.wordpress.com/2012/02/13/camel-corps-1884-85-im-sudan/ ).

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Infanterie

Das 1. Bataillon des Royal Sussex Regiments (8 Offiziere und  250 Unteroffiziere / Mannschaften), welche zu dieser Zeit an der Grenze zum Sudan stationiert war,  wurde ebenfalls mit Kamelen versehen und verstärkte so das Camel Corps.

Kavallerie

Neben dem Camel Corps waren auch zwei Schwadron der 19th Hussars, welche von Lieutenant-Colonel Barrow kommandiert wurde, ein Bestandteil der Dessert Column. Die Einheit, bestehend aus 8 Offizieren und 127 Unteroffizieren / Mannschaften, hatte schon 1882 bei Tel El Kebir und Anfang 1884 bei El Teb und Tamai gekämpft. Es handelte sich also um eine sehr erfahrende Einheit. Die Kavalleristen ritten auf kleinen, grauen Syrischen Ponys mit enormer Ausdauer.

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Artillerie

Die Royal Artillery (1st Battery, 1st Brigade / Southern Division) bestehend aus 4 Offizieren und 34 Unteroffizieren / Mannschaften, stellte ein halbe Batterie mit drei 7-pfünder (2,5 inch) Geschützen, sogenannten „screw guns“. Jeweils 6 starke Kamele trugen die Bestandteile für eine Geschütz, sowie die beiden Munitionskisten. Für jedes der Geschütze wurden insgesamt 100 Granaten mitgeführt. Jeweils 2 der Kamele wurden von einem einheimischen Treiber geführt.

Naval Brigade

Die Naval Brigade setzte sich aus 5 Offizieren und 53 Unteroffizieren bzw. Mannschaften der HMS Alexandra zusammen. Auf 4 Kamelen wurden außerdem die Bestandteile einer Gardner Gun, eines sogenannten Repetiergeschützes, mitgeführt. Ein Kamel trug den Lauf, eines die Räder und die Höheneinstellung, ein Kamel die Lafette und eines die Munition.

Medical Staff Corps

Neben den Kamelen, auf denen die medizinische Ausrüstung mitführt wurde, sowie den Feldärzten, wurde eine große Zahl der Tiere mit Liegen und Sitzen ausgestattet, um die Verwundeten transportieren zu können. Diese Kamele wurden von einer Streacher Bearer Company geführt, einer Einheit des Medical Staff Corps, welche nur während eines Kampfeinsatzes gebildet wurde. Diese Einheit hatte eine Stärke von 4 Offizieren, sowie 60 Unteroffizieren und Mannschaften.

Royal Engineers

Die Royal Engineers waren durch die halbe 26th Field Company vertreten.  Die 26 Männer dieser Truppe standen unter dem Kommando von Major Darward und Lieutenant Lawson.

Commissariat and Transport Corps

Diese Einhiet stand unter dem Befehl von Deputy Commissary C. B. Nugent. Seine Transport-Karawane umfasste 800 Lastkamele, die von Schwarzafrikanern aus Aden geführt wurden. Diese 120 Treiber trugen einen roten Turban sowie einen blauen Pullover, der fast bis zu den Knien reichte. Die Männer führten außerdem einen weißen Brotbeutel mit sich und trugen ein Abzeichen aus Messing.

Bis auf die 19th Hussars ritten alle Teilnehmer der Desert Column auf Kamelen.

Ansari

Die schätzungsweise 9.000 bis 11.000 Anhänger des Mahdi, welche der britischen Desert Column entgegengeschickt wurden, teilten sich in Kontingente verschiedener Regionen und Stämme. Führer dieser sudanesischen Streitmacht war der Emir Musa wad Hilu, ein Bruder des Khalifen Ali wad Hilu.

Das Kontingent aus der Region Berber zählte 250 Reiter und 1.750 Krieger zu Fuß. Die Männer waren Angehörige der Stämme der Abadeh, Bisharin und einiger anderer kleiner Stammesverbände. Geführt wurde sie von Abd al-Majid KhuJali, dem Neffen des Emirs von Berber, Muharmmad al- Khair’s. Eine kleine Einheit von 60 gefangenen ägyptischen Soldaten aus der Garnison in Berber wurde zusätzlich als Gewehrschützen eingesetzt. Diese Männer unterstanden dem Befehl von Mohammad Effendi Wahabi.

Aus der näheren  Umgebung von Metemmeh nahmen 2.000 Männer, in erster Linie aus den Stämmen der Jaalin und Awadiyeh, an den Kämpfen teil. Anführer dieses Kontingents war der Emir Ali wad Saad.

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Der Mahdi selbst hatte 4.000 bis 6.000 Ansari aus Omdurman zur Verstärkung geschickt. Diese Krieger stammten aus der Provinz Kordofan und gehörten zu den Stämmen der Duguaim, Kenana und Hamr. Sie unterstanden direkt dem Emir Musa wad Hilfu und dem berüchtigtem Emir Hamdan abu Anja.

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Mit Hilfe der Feldstecher konnten man erkennen, dass alle Hügel und Felsen, die den Pass umgaben, mit weißgekleideten Arabern übersät waren, welche umher sprangen und wild gestikulierten (Count Gleichen).

Wüstenmarsch

Am 30. Dezember 1884 begann Stewart in Korti mit 1600 Mann und 2400 Kamelen seinen Marsch von 185 Meilen in Richtung Metemmeh. Am 3. Januar 1885 erreichte seine Desert Column die Brunnen von Gakdul. Hier wurden zwei kleine Forts errichtet und die Truppe wartete auf Verstärkung und Nachschub, wodurch sie schließlich auf 1800 Mann anwuchs. Am 13. Januar setzte man den Vormarsch fort. Am 16. Januar 1885 trafen die englischen Kundschafter, eine Truppe der 19th Hussars unter Major John French, drei Kilometer vor den Quellen von Abu Klea (Abu Tͅuleiħ) auf starke feindliche Kräfte. Man konnte in der Ferne eine lange Reihe von grünen und weißen Fahnen sehen, die das weite, sandige Khor (Trockental) durchliefen und wohl die Position der feindlichen Hauptstreitmacht markierten. Auch ein großes, weißes Zelt war zu erkennen. Die Vorausabteilung lieferte sich mit den Ansari einen Schusswechsel, musste sich aber dann Angesichts der Übermacht zurückziehen. Es war für General Stewart jedoch zwingend notwendig, die lebenswichtigen Quellen von Abu Klea zu erreichen. Die letzte Versorgung mit frischem Wasser lag bereits rund 70 Kilometer zurück. Es galt also, den wartenden Ansari, den Anhänger des Mahdi, in offener Schlacht gegenüber zu treten. Als General Stewart die Position erreichte und die Lage selbst in Augenschein nehmen konnte, entschied er, dass der Tag schon zu weit fortgeschritten war, um noch ein Gefecht einzuleiten. Er befahl, auf einer kleinen Ebene ein Zareba, ein befestigtes Lager, zu bauen und dort die Nacht zu verbringen. Zuvor hatte die Desert Column auf ihrem Weg zu den Quellen von Abu Klea einige schroffe Bergen überwunden und war dann in ein Tal mit schwarzen Felsen gekommen, welches von steilen Hügeln umgeben war. Vom Lager aus konnte man auch das Khor von Abu Klea erblicken, in welchem gelbes Gras und vereinzelte Mimosenbäume wuchsen. Der Boden des Lagerplatzes war dagegen fest, vegetationslos und mit einigen wenigen Steinen versehen.

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Zareba

Zunächst wurde, um die Arbeiten am Lager zu sichern, eine Plänklerkette von 2 Kompanien Stärke vor die Front der Desert Column geworfen. Anschließend trieb man alle Kamele auf einem Kiesplateau, welches sich gut 7 Meter über dem Trockental rechts daneben erhob, zusammen, ließ sie niederknien und fesselte ihnen die Hinterläufe. Das Gelände stieg zur Front hin etwas an, was die Kamele etwas vor Beschuss aus dieser Richtung schützte. Auf der linken Seite, in einer Entfernung von 400 Metern, wurde das Lager durch zwei kleine, 25 Meter hohe Hügel gesichert. Den vorderen dieser beiden Hügel besetzte die Naval Brigade mit ihrer Gardner Gun, welche mühsam den Hang hinauf geschoben werden musste. Den hinteren Hügel bemannten zwei Sektionen des Mounted Infantry Camel Regiments (Royal West Kent und 2nd Essex). Im Laufe der Abendstunde errichteten die Männer zusätzlich einige niedrige Steinmauern und eine Einfriedung für die Gardner Gun. Eine kleine Anhöhe hintern dem Lager wurde mit der C-Kompanie des Royal Sussex Regiments besetzt. Die rechte Seite des Plateaus auf dem das Zareba errichtet worden war, wurde mit einer Barrikade aus Sätteln und Proviantkisten versehen und von den restlichen Männern des MICR gesichert. An der linke Flanke und der Rückseite, die ja bereits durch die Hügel gedeckt wurden, hatte man Dornensträucher  zu einem Wall aufgeworfen und zusätzlich mit Draht gesichert. An der Frontseite, vor einer kleinen Senke, in der die Pferde der 19th Hussars standen, baute das Heavy Camel Regiment und das Guards Camel Regiment eine, aus Mangel an geeigneten Steinen, nur rund 50 cm hohe Mauer. Zusätzlich gab es vier kleine Forts aus Dornensträuchern und Kisten, die links (Royal Engineers) und rechts (Royal Artillery und Medical Staff Corps) neben, sowie hinter (Commissariat and Transport Corps) dem Lager positioniert waren.

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Noch in den Abendstunden besetzte eine kleine Gruppe von feindlichen Gewehrschützen rechts vom Zareba einen kleinen Hügel. Von hier aus beschossen die Ansari das britische Lager und verletzten einen der Kavalleristen der 19. Husaren, zwei Kameltreiber und töteten einige Kamele. Die britischen Artilleristen schossen zwei Granaten in Richtung der feindlichen Stellung, woraufhin das Gewehrfeuer der Ansari verebbte. Doch schon wenig später wurde der Beschuss wieder aufgenommen und hielt auch in den Nachtstunden an, wodurch die britischen Soldaten kaum Schlaf finden konnten. Hinzu kam das ständige Dröhnen der unablässig geschlagenen Trommeln, was die Männer in zusätzliche Alarmbereitschaft versetzte. Man schlief mit aufgepflanztem Bajonett und im Mantel. Es wurde der Befehl ausgegeben, alle Lichter zu löschen und auch das Rauchen, sowie lautes Rufen wurde strengstens untersagt. Im Morgengrauen, gerade als die Venus sich am Himmel zeigte, wurden die Soldaten zu den Waffen gerufen, denn zu dieser Stunde vermutete man den Angriff der Ansari.

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Aufbruch

Als der Tag schließlich anbrach, konnte man in der Ferne, links vom Zareba, eine feindliche Streitmacht ausmachen, welche sich dort formierte. Die Ansari hatten im Schutze der Dunkelheit die Anhöhe rechts vom Lager mit weiteren Männern verstärkt und mit Felssteinen gesichert. Mittlerweile hatten sie sich auch auf die Entfernung von 1.500 Metern eingeschossen und fügten so den Briten weitere Verluste zu. In Richtung der feindlichen Schützen wurde jetzt eine V-förmige Barrikade aufgeschichtet, hinter der man eine der Screw Guns in Stellung brachte. Nachdem 3 Granaten auf die Sudanesen abgefeuert worden waren, sandte man Plänkler, die C-Kompanie des MIC, ins benachbarte Trockental, um den sich dort sammelnden Feind zu vertreiben. Durch einige Scheinangriffe versuchte man die Ansari zum Angriff zu bewegen, doch diese Versuche Abu Klea 01blieben erfolglos. Der Kommandeur, Herbert Stewart, befahl schließlich ein Karree zu formieren und in Richtung der Quellen von Abu Klea zu marschieren. Im Zareba wurde eine kleine Garnison von 150 Mann des Royal Sussex Regiments und einige Männer der Mounted Infantry unter der Führung von Major Arthur Gern zurückgelassen. Auch während das Karree sich formierte, hielt der Beschuss durch den Feind an und weitere Männer wurden getötet und verwundet. Insbesondere schien die Person des Generals die Aufmerksamkeit der feindlichen Schützen auf sich zu ziehen und so wurden einige der Männer in seiner Nähe getroffen. Als erstes durchschlug eine Kugel das Knie von Major Dickson. Das Pferd von Colonel Burnaby erhielt als nächsten einen Treffer, dicht gefolgt von einem Streifschuss an der Schläfe von Major Gough, der daraufhin bewusstlos zu Boden ging. Schließlich erhielt Lieutenant Lyall einen Treffer in den Rücken. Insgesamt waren bei Aufbruch bereits 20 Männer verwundet und 14 getötet worden.

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Das Zareba nach dem Abmarsch des Karrees (Melton Prior).

Am rechten Rand des Zarebas, an einem steilen Hang, wurde schließlich das Karree formiert. Das Mounted Infantry Camel Regiment wurde in der linken, vorderen Ecke des Karrees positioniert und bildete so die linke Hälfte der Frontseite, sowie die vordere Hälfte der linken Flanke. Dem Guards Camel Regiment wurde die rechte, vordere Ecke zugewiesen, was der rechten Hälfte der Frontseite (Coldstream Guards) und vorderen Hälfte der rechten Flanke (Scots Guards und Grenadier Guards) entsprach. Im hinteren Teil der linken Flanke war die 5. Kompanie (5. und 16. Lancers) und die 3. Kompanie (Scots Greys und 1st. Royal Dragoons) des Heavy Camel Regiments aufgestellt. Die 4. Kompanie (4. und 5. Dragoon Guards) bildete die hintere linke Ecke des Karrees. Die 2. Kompanie (Royal Horse Guards und The Bays) und die 1. Kompanie (1. und 2. Life Guards) stellten die Rückseite des Karrees. Zwischen den beiden letztgenannten Einheiten befanden sich die Männer der Naval Brigade. Die rechte, hintere Flanke des Karrees wurde durch die Einheit der Royal Marines und die rechte hintere Ecke durch das Sussex Regiments gebildet. Die drei kleinen 2,5 Inch „screw guns“ wurden zunächst auf Kamelen  mitgeführt, doch schon nach kurzer Zeit abgeladen und anschließend  im Zentrum der Frontseite gezogen. In der Mitte der Formation wurden ungefähr 100 bis 150 Kamele mitgeführt, die eine Hälfte war für den Transport von Wasser und Munition vorgesehen, die andere Hälfte hatte man mit Tragen und Sitzen für Verwundete ausgestattet. Die Gardner Gun wurde von der Bedienungsmannschaft der Naval Brigade gezogen und bekam ihre Position im hinteren Teil des Karrees, unmittelbar hinter den Transport-Kamelen zugewiesen. Alle Männer, bis auf die Kommandeure, waren zu Fuß unterwegs und alle Seiten des Karees waren 4 Glieder tief formiert. Insgesamt marschierten 350 Mann in der Front, 300 Mann an der rechten und linken Flanke, sowie weitere 300 Mann an der Rückseite. Der größte Teil der 19th Hussars, 90 Reiter, begleiteten das Karee auf der linken Seite und nur ein kleines Detachement von 30 Mann sicherte die rechte Flanke bzw. unterstützte dort die britischen Plänkler.

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Vormarsch

Um 9.00 Uhr brachen die Kavalleristen der 19th Hussars als Vorhut auf und gut eine Stunde später begann der mühsame Vormarsch des Karrees über schwieriges Gelände hinweg. Ziel war es, die Quellen von Abu Klea zu erreichen, wobei man gedachte, die Flanke des Ansari zu umgehen und diese so zu einem Angriff zu verleiten. Während sich das Karree vorwärts bewegte, schwärmten Plänkler der Mounted Infantry und der Guards, rechts und links der Formation aus, um die feindlichen Gewehrschützen unter Feuer zu nehmen. Durch das zerklüftete Gelände begann sich die Karree-Formation zu verschieben und die Männer an der Rückseite blieben bald zurück, da die Kamele in der Mitte des Karrees ihre Bewegung stark beeinträchtigte. Als die ersten Verwundeten, verursacht durch das Gewehrfeuer des Feindes, auf Kamele geladen wurden, verlangsamte dies zusätzlich die Bewegung der Tiere und die Formation wurde weiter auseinandergezogen. Die Offiziere an der Frontseite des Karrees, welche für die Bewegung der Formation verantwortlich waren, gaben recht unzureichende Anweisungen und konnten so den Schwierigkeiten im rückwärtigen Teil nicht entgegenwirken. Sie waren allerdings auch stark durch die Kamele im Zentrum beeinträchtigt, welche die Sicht behinderten. In Folge dieser Ereignisse klafften plötzlich Lücken an verschiedenen, kritischen Stellen, wie den Ecken und der Rückseite der Formation. Aus diesem Grund musste man mehrmals halten und das Karree neu ausrichten. Unterdessen waren die 19th Hussars in ein Feuergefecht mit mehreren hundert Feinden verwickelt, was dazu führte, dass die Reiter nicht in die folgenden Kämpfe eingreifen konnten.

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Schließlich näherte man sich den schon am Vortag ausgemachten grünen und weißen Fahnen auf 1.500 Meter. Ein paar Schuss aus den 2,5 Inch Geschützen wurden auf diese Position abgegeben, woraufhin einige hundert Araber aufsprangen und Deckung suchten. Auch das Gewehrfeuer, das bis dahin aus einer Senke kam, die auf der linken Seite, parallel zur Route des britischen Vormarsches verlief, verstummte plötzlich. Man rechnete also nicht mit viel Gegenwehr, als die ersten britischen Plänkler sich den feindlichen Fahnen bis auf 200 Meter genähert hatten. Das Karree selbst war noch rund 500 Meter entfernt und wurde jetzt nach rechts geschwenkt, wodurch höher gelegenes Gelände und eine bessere Schussposition erreicht werden sollte. An dieser Stelle wurde die Formation erneut angehalten, um die Reihen wieder zu schließen und weitere Verwundete zu versorgen.

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Kampf

In diesem Augenblick erschien, wie aus dem Nichts, eine Streitmacht von ungefähr 5.000 Ansari, bewaffnet mit Speeren und Schwertern. Die Sudanesen waren aus einer hinter den Fahnen gelegenen Bodensenke aufgetaucht. Bei ihrem Angriff bildeten sie Phalanx-ähnliche Formationen, mit jeweils einem berittenen Emir, seinen Adjutanten und Fahnenträger an der Spitze. Augenblick zogen sich die britischen Plänkler auf das Karree zurück, verhinderten aber so, dass dieses das Feuer auf den Feind eröffnen konnte. Erst bei gut 200 Meter Feindentfernung begann das mörderische Salvenfeuer des MICR und GCR, welches jedoch erst auf 80 Meter seine volle Wirkung zeigte. Die Ansari fielen jetzt in großen Gruppen tot zu Boden und Lücken taten sich in ihren Reihen auf. Doch auch jetzt konnte der Ansturm nicht völlig gestoppt werden. Die „screw guns“ hatte man unterdessen vor die Front geschoben und die Artilleristen konnten noch je einen Kanister verschießen, bevor die kleine Batterie von den Feinden erreicht wurde. Lieutenant D.J. Guthrie wurde von mehreren Sudanesen angegriffen und schwer am Bein verwundet. Einer seiner Kanoniere, Alfred Smith, retten ihm das Leben, indem er die Angreifer mit einer Hebestange niederschlug. Für diese Tat erhielt er das Victoria Cross, obwohl Lieutenant Guthrie später an seinen Wunden starb.

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Die Angriffsbewegung, die zunächst in Richtung der linken Frontseite ausgeführt worden war, veränderte nun ihre Richtung, was vermutlich auch auf das heftige Gewehr- und Geschützfeuer aus der Frontseite zurückzuführen war. Die Sudanesen schwenkten nach rechts und stürmten so an der linken vorderen Ecke des Karees vorbei. Ihr Angriff führte die Anhänger des Mahdi jetzt zur linken, hinteren Ecke des Karees, wo in diesem Augenblick gerade eine Öffnung für die Gardener Gun gebildet wurde, welche außerhalb des Karees in Position gebracht werden sollte. Das Repetiergeschütz feuerte eine kurze Salve von 30 Schuss, bevor eine Ladehemmung den weiteren Gebrauch verhinderte. Augenblicklich war die Bedienungsmannschaft der Naval Brigade von einem Schwarm feindlicher Krieger umzingelt. Unerbittlich wurde einer nach dem anderen niederstreckt. Auch Lord Charles Beresford, der Kommandeur der Naval Brigade, war in dieses Handgemenge verstrickt, in dessen Verlauf er zu Boden geworfen wurde, jedoch unverletzt unter dem Geschütz Deckung suchen konnte.

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Trotz der Bemühungen durch Colonel Burnaby, Captain Verner und anderen, wurden die Männer der Heavies massakriert, während Burnaby selbst mit zwei Wunden am Kopf zu Boden ging. Als er fiel, wurde sein Kopf von Private Wood von den Grenadier Guards gehalten. Dieser gute Bursche, der sah, dass die Sache hoffnungslos war, sagte: „Oh Colonel, ich befürchte, ich kann nicht mehr sagen als Gott schütze sie“. Der sterbende Mann lächelte, während sein Lebenssaft in Strömen aus der Halsvene rann, drückte seine Hand und verschied, das Schicksal einmal zu viel herausgefordert. (Daily Chronicle).

Colonel Burnaby ritt unterdessen aus dem Karee heraus und versuchte die 3. Kompanie des HCR zur Unterstützung heranzuführen. Doch schon bald sah er sich von Feinden umgeben. Gerade in dem Moment, in dem er einen Speer abwehrte, erhielt er einen Lanzenstich in den Rücken. Als er sich umdrehte, um instinktiv diesem Angriff zu begegnen, traf ihn von vorn ein weiterer Speerstoß in den Unterleib, welcher ihn schließlich zu Boden stürzte ließ. Ein Soldat von Burnabys Regiment, den Royal Horse Guards, Corporal McIntosh rannte kurz entschlossen vorwärts, um ihm zu helfen. Trotz der schweren Verletzungen konnte Burnaby jedoch auch allein wieder auf die Beine kommen. Nur mit dem Schwert und seiner vierläufigen Lancaster Pistole bewaffnet kämpfte er noch einige Sekunden gegen die anstürmenden Feinde, bevor er und auch McIntosh niedergehauen wurden. Zu gleicher Zeit wurde das Pferd des Kommandeurs, General Stewart, tödlich getroffen und er musste von Männern der Mounted Infantry in Sicherheit gebracht werden. Durch das ständige Feuer kam es nun immer häufiger zu Ladehemmungen der Gewehre und man ging in großen Teilen zum Kampf mit dem Bajonett über.

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In diesem Moment gelang es einigen Ansari an der Stelle in das Karee einzudringen, an der das Repetiergeschütz es gerade verlassen hatte. Der Emir Abu Saleh gelangte bis ins Zentrum und stieß dort seine Fahne in den Boden, wurde aber fast im selben Augenblick durch eine Gewehrkugel niedergestreckt. Die britischen Einheiten in der rechten Flanke wurden nun im Rücken angegriffen, während die hinteren Glieder der Karree-Frontseite sich umdrehten und, durch ihre höhere Position begünstigt, über die Kamele hinweg auf die einbrechenden Sudanesen schießen konnten. Wie schon bei Tamai, kam es nun, nach dem Einbruch in das Karree, unter den Offiziere und Unteroffiziere, die ihre übliche Position unmittelbar hinter der Linie eingenommen hatten, zu großen Verlusten. Nahezu gleichzeitig wurde die rechte hintere Ecke des Karrees von 50 Reitern attackiert. Doch ein paar Gewehrsalven strecken die Hälfte der Pferde nieder und der Angriff wurde abgeschlagen.

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„Weep not my boys, for those who fell, They did not flinch nor fear. They stood their ground like Englishmen, and died at Abu Klea“ (Aus dem Lied: Colonel Burnaby).

Aus dem Umstand heraus, dass die linke Flanke des Karrees zur Frontseite gedrückt wurde und die Rückseite ins Zentrum, formten die Kamele in der Mitte ein Hindernis für die eingedrungenen Feinde. So hatten die Britischen Kommandeure etwas Zeit, die eigenen Reihen neu zu formieren. Einige Augenblicke lang waren Freund und Feind durch den plötzlichen Ansturm miteinander vermischt. Ein jeder hieb, stach und schoss um sich und kämpfte um sein eigenes Leben, bis schließlich die hinteren Reihen der Ansari durch den Beschuss aus dem vorderen Teil des Karrees langsam zurückgedrängt wurden. Die Trommeln verstummten und die Anhänger des Mahdi zogen sich aus der Reichweite der britischen Waffen zurück. Die letzten Feinde im Karree wurden niedergehauen und nach nur 10 Minuten war der Kampf beendet.

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„Als ich schließlich durch das Gedränge zur anderen Seite gelangte, zeigte sich mir ein grauenhaftes Bild. Unmittelbar vor unserer Front waren Schwärme von Arabern, die in verzweifelten Nahkämpfen mit unseren Männern verwicklet waren. Sie schlugen, hieben und schrien wie ein Haufen schwarzen Teufel, die auf einem Boden tanzten, der mit Toten und Sterbenen gepflastert war“ (Count Gleichen).

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Abu Klea 33

Verluste

Unter den britischen Truppen brach Jubel aus. General Stewart befahl sofort den Vormarsch auf höhergelegenes Gelände und ließ dort die Verluste feststellen. 9 Offiziere und 72 Mann waren getötet worden, 8 Offiziere und 112 Mann verwundet. Am schwersten hatte das HCR gelitten. Allein hier wurden 82 Tote und Verwundete gezählt.

Einheit Offiziere  Unteroffiziere und Mannschaften
getötet verwundet getötet verwundet
HCCR

6

48

28

LCCR

1

3

8

9

MICR

1

3

35

19th Husars

2

4

35th (Royal Sussex)

5

25

Royal Artillery

2

2

Naval Brigade

2

2

6

9

In der Heimat wurde viel und heiß darüber diskutiert, wie es den Ansari gelingen konnte, in das Karee einzudringen. Einige Faktoren wurden bereits im Text genannt. Das schwierige Gelände, die Kamele im Zentrum und die Versorgung der Verwundeten waren einige dieser Gründe. Auch die taktischen Fehler, wie das positionieren der Gardener Gun und die Plänkler, die zunächst das Salvenfeuer behinderten taten das ihre. Viel und oft wurde auch die Ausrüstung der Truppe bemängelt. So handelte es sich bei der Gardner Gun mit der Ladehemmung um dieselbe, die auch schon bei Tamai eine Fehlfunktion hatte. Die Gewehrmunition war ebenfalls von schlechter Qualität. Das weiche Metall der Hülse führte oft zu Ladehemmungen. Auch die Klingen der Bajonette waren unter dem üblichen Standard und verbogen während des Kampfes oder waren nicht scharf genug. Viele führten auch an, das die Truppen zu großen Teilen aus Kavalleristen bestand, die ohne große Ausbildung als Infanterie-Einheit eingesetzt wurde. Zu Recht wurde vermutet, dass auch eine gewisse Anzahl von Männern durch Kugeln aus den eigenen Reihen verwundet und getötet worden war.

Die Verluste unter den Anhängern des Mahdi war natürlich um ein vielfaches höher. Schätzungen gingen von rund 1.100 bis 1.500 getöteten Ansari aus, die jetzt den Boden rund um das Karee bedeckten. Die Anhänger des Mahdi verloren außerdem eine Reihe von wichtigen Führern, wie Sheikh Suleiman, Sheikh Abu Seyd, den Emir von Shendy und Sheikh Nouringeh, den Emir von Berber.

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Das Schlachtfeld mit den toten Ansari und dem Grab des Fred Burnaby.

Nach der Schlacht

Nun wurden die 19th Husar vorausgeschickt, um die Quellen von Abu Klea zu besetzten. Um 1 Uhr mittags hatte man das Karee neu formiert und die Verwundeten versorgt. Man rückte erneut auf Abu Klea vor. Die Männer litten schrecklich unter Durst und Erschöpfung. Die Suche nach den Quellen gestaltete sich äußerst schwierig, da man im Grunde nicht so recht wusste, wonach man eigentlich Ausschau halten sollte. Endlich, um kurz nach 5 Uhr Nachmittags, fanden die Kundschafter der 19th Hussars die Quellen, bei denen es sich um 30 bis 40 einfache, tiefe Löcher im Sand handelte, welche mit 30 bis 60 Zentimeter Wasser gefüllt waren.

Auszeichnungen

Obwohl so viele unterschiedliche Britische Regimenter bei Abu Klea gekämpft hatten, erhielten nur die 19th Hussars und das Royal Sussex Regiment die Schlachtfeld-Auszeichnung „Abu Klea“. In Erinnerung an die Teilnahme der kleinen „screw gun“ Batterie, erhielt die 176. Battery am 22. Juni 1955 den Ehrentitel “Abu Klea”.

Frank Rhodes zeichnete sich zeichnete sich aus, als mehrere Pferde unter im erschossen wurden und er so eine Distinguished Service Order verdiente. Wie schon geschildert, erhielt Alfred Smith für seine Tapferkeit das Victoria Cross.

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Auf dem Schlachtfeld wurde ein Denkmal für die britischen Gefallenen errichtet.
 

Vitai Lampada

von Sir Henry Newbolt

There’s a breathless hush in the Close to-night —
Ten to make and the match to win —
A bumping pitch and a blinding light,
An hour to play and the last man in.
And it’s not for the sake of a ribboned coat,
Or the selfish hope of a season’s fame,
But his Captain’s hand on his shoulder smote
„Play up! play up! and play the game!“

Royal Navy Gatling Gun team.

The sand of the desert is sodden red, —
Red with the wreck of a square that broke; —
The Gatling’s jammed and the colonel dead,
And the regiment blind with dust and smoke.
The river of death has brimmed his banks,
And England’s far, and Honour a name,
But the voice of schoolboy rallies the ranks,
„Play up! play up! and play the game!“

This is the word that year by year
While in her place the School is set
Every one of her sons must hear,
And none that hears it dare forget.
This they all with a joyful mind
Bear through life like a torch in flame,
And falling fling to the host behind —
„Play up! play up! and play the game!“

Abu Klea 32

3 Kommentare zu „Die Schlacht von Abu Klea / Im Sudan“

    1. wie der zufall so will, wird das bald so sein..habe mir für 2013 vorgenommen meinen blog zu reaktivieren und regelmäßig was zu schreiben…. wird die tage also soweit sein!

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