Greenkeeper

Für dieses Jahr habe ich mir unter anderem vorgenommen, meine Fähigkeiten in der Geländegestaltung auszubauen. Ein erster Schritt war die Anschaffung eines „Begrasunggerätes“ bzw. eines elektrostatischen Beflockungsgerätes, welches schon seit Jahren auf meiner Wunschliste steht. Einige werden sich jetzt fragen, was so ein Ding macht und ob man das wirklich braucht. Hier ein kurzer (laienhafter) Erklärungsversuch.

Funktion und Nutzen

Das Prinzip eines mit einer Netzspannung oder Batterie beriebenen Begrasunggerätes ist relativ simpel. Das Gerät besteht am unteren Ende aus einem Behälter, der durch ein Sieb verschlossen ist. Dieser Behälter wird vor dem Einsatz mit Grasfasern befüllt (die Grasfasern aus dem Modelleisenbahn-Hobby). Im nächsten Schritt wird auf einen Untergrund eine Leimschicht aufgebracht. Nun kommt das mit Grasfasern befüllte Gerät zum Einsatz, welches über die Leimschicht gehalten wird. Die Polyamid-Fasern im Gerät werden jetzt durch Einschalten des „Begrasers“ positiv aufgeladen. Jetzt schließt man eine Anode, also den Minuspol, am Untergrund an. Durch diesen Vorgang entsteht ein elektrisches Feld zwischen Gerät und Untergrund. Dieses Feld hat eine hohe Spannung, aber es fließt kaum Strom, wodurch der Vorgang auch nicht wirklich gefährlich ist. Wenn man das Gerät nun schüttelt, fallen die Fasern durch das Sieb, werden am elektrischen Feld ausgerichtet und kommen dadurch senkrecht und mit geringem Abstand zueinander im Leimbett zum Stehen.

Solche aufrechtstehende Grasfasern sehen deutlich realistischer aus als solche, die kreuz und quer liegen und miteinander verklebt sind. Zudem können durch das Gerät unterschiedliche Längen und Farben relativ gezielt in und nebeneinander gestreut werden. Das Begrasungsgerät kann außerdem beim Bau von Sträuchern, Hecken und vor allem Bäumen eingesetzt werden. Das hört sich nicht unbedingt weltbewegend an, macht aber optisch einen riesigen Unterschied.

Beispielbild aus dem Eisenbahnmodellbau.

Gerät

Nun stellte sich natürlich die Frage, welches Gerät ich kaufen sollte. Ich kannte aus Berichten von Hobby-Kollegen den Gras-Master der Firma Noch, der wohl immer noch der Bestseller in Deutschland ist. Bei einer kurzer Online-Recherche stieß ich zudem auf den War World Scenics Pro Grass, der sehr gute Bewertungen erhält. Gewarnt wurde ich vor dem Kauf von Billig-Geräten, welchen man bei Online-Anbietern immer wieder sieht, bei denen aber nicht nur die Funktion, sondern auch die Sicherheit höchst mangelhaft sein sollen. Ich habe mich Dank Thomas aka Rusus schließlich für den RTS Greenkeeper entschieden.

Der Greenkeeper der Firma RTS wird mit eine 9 V Blockbatterie betrieben und ist in vier unterschiedlichen Varianten erhältlich. Der Unterschied liegt in der Leistung der Geräte, die von 20 kV bis 55 kV reicht. Eine Höhere Leistung sorgt für eine größeres elektrisches Feld und kann so größere Flächen abdecken und längere Fasern „verarbeiten“. Ich habe mich für die 35 kV Variante entschieden, die für meine Belange völlig ausreichend ist. Der Clou des Greenkeepers ist, dass er mit Wechselbehälter arbeiten kann. So lassen sich unterschiedliche Faserlängen und Farben schnell hintereinander verarbeiten. Die Behälter sind aus Kunststoff und haben sowohl im als auch unter dem Boden eine Metallplatte, die durch eine Schraube im Boden miteinander verbunden sind und so den Storm vom Gerät in den Behälter leiten.

Eine Feder sorgt dafür, dass der Kontakt zwischen Gerät und Behälter nicht unterbrochen wird.

Die Öffnung des Gerätes lässt sind zudem durch unterschiedliche Scheiben mit einem Loch darin verkleinern, so dass man das Streu gezielter und in kleineren Mengen aufbringen kann. Das 35 kV Gerät kostet rund 150,- Euro, ist also nicht gerade günstig. Bei meinem Kauf hatte ich mich für ein „Koffer-Packet“ entschieden, beim dem sowohl alle notwendigen Geräte-Komponenten sowie zwei Wechselbehälter, ein weiteres Sieb, einige Tüten Streu, Leim und ein Transportkoffer enthalten waren. Dieses Paket kostete rund 190,- Euro.

Fasern

Die Grasfasern, auch Flock genannt, sind aus gefärbtem Polyamid. Es gibt sie in Längen von 1 mm bis 12 mm. Die 1mm Fasern kommen nur für sehr kleine Maßstäbe (6mm und kleiner) in Frage und spielen deshalb bei meinen Überlegungen keine Rolle. 2 mm sind die am meisten verwendeten Fasern und sollen meist kurzes Gras oder Rasen dar darstellen. Gerade für den Bereich TableTop-Gelände ist dies bei großen Flächen die erste Wahl, weil bei dieser Länge die Figuren auf ihren Basen noch relativ eben stehen können. Die Länge 4 bis 4,5 mm werden im Handel als Feldgras, die Längen 6 mm als Wildgras bezeichnet. Die Längen von 10 bis 12 mm, ebenfalls als Wildgras bezeichnet, sind eher für größere Maßstäbe geeignet und lassen sich nur mit sehr Leistungsstärken Beflockungsgeräten verarbeiten. Größere Längen lassen sich übrigens nicht nur durch die Wahl der Faserlängen, sondern auch durch sogenanntes „doppeln“ oder „aufschießen“ erreichen, doch dazu mehr an anderer Stelle.

Es gibt eine große Auswahl an Herstellern von Grasfasern. Die bekanntesten sind Heki und NOCH, wobei die Hersteller Polak (große Auswahl an Farben), MiniNatur, RTS und Vampifloc (günstig, ab 8 Euro pro 100 g) die beste Qualität liefern. Beim Kauf sollte man keine fertigen Mischungen wählen, sondern möglichst „reine“ Farben, die man dann selbst zu Hause mischt.

Unterschiedliche Farben sind für die Gestaltung von realistischem Gelände absolut notwendig. Man sollte zumindest fünf bis sechs verschiedene Farbtöne verwenden. Dazu gehören sehr helle, beige Fasern (vertrocknetes Gras), die meist nicht allein, sondern nur zum Aufhellen von anderen Farbtönen verwendet werden, dann dunkel-beige Fasern (Trocken-Gras / Spätherbst), dunkelgrüne Fasern (Wald- oder Wiesengrün, auch Sommer genannt), hellgrüne Fasern (Rasengrün / Frühling) und braune Fasern (Rietgras), welches zum Abdunkeln andere Töne Verwendung findet.

Ich lagere mein Streumaterial in Gläsern mit Schraubverschluss, so sieht man den Inhalt, die Fasern fliegen nicht unkontrolliert in der Gegend herum und das Streu lässt sich gut und dosiert ausschütten.

Leim

In der Vergangenheit habe ich fast ausschließlich wasserfesten Holzleim bzw. Laminatkleber (ist völlig identisch, nur der Laminatkleber ist günstiger) für das Aufbringen von Grasstreu verwendet. Mit dem Kauf meines Greenkeepers wurde mir allerdings ein sogenannter „Gras-Flock Kleber cremig“ geliefert. Nach kurzer Recherche und einigen Versuchen haben ich nun auch die Vorteile dieses Klebers erkannt. Zum einen bleibt die Oberfläche dieses Klebers länger offen, er hat also eine längere Verarbeitungszeit, was gerade bei der Begrasung von großen Flächen sinnvoll ist. Außerdem läuft der Kleber nicht wie der übliche Holzleim an Schrägen herunter und bleibt auch bei höherem Auftrag stabil und läuft nicht auseinander. Dieser Kleber ist deutlich teurer als der Holzleim, hat aber wie gesagt die besseren Eigenschaften. Den Gras-Flock Kleber gibt es von unterschiedlichen Anbietern, wie RTS oder Vampisol. Diese Kleber trockenen zudem transparent und matt auf, was bei Holzleim nicht der Fall ist.

Andere Hobby-Kollegen verwenden Latex-Bindemittel, Acrylbinder und einige Tapetenkleister-Sorten. All dies habe ich noch nicht getestet, aber vielleicht hat ja der eine oder andere von euch Tipps und Erfahrungen dazu (bitte in die Kommentare schreiben. Danke!)

Erster Test

In einem ersten Test habe ich kleine Grasbüschel hergestellt. Diese Büschel werden im Fachhandel für viel Geld angeboten. Die Anschaffung des Begrasers hat sich für mich also schon für die Eigenproduktion dieser Grasbüschel gelohnt.

Für die Herstellung der Grasbüschel benötigt man neben dem Gerät, Fasern und Leim noch eine Träger-Oberfläche. Ich habe dafür Backpapier verwendet, welches ich mit Teasa auf die Innenseite eines eckigen Metall- Keksdosendeckel geklebt habe. Auf das Backpapier werden kleine Leimpunkte gesetzt und die Anode wird an den Keksdosendeckel geklemmt. Nun kann das Aufbringen der Fasern beginnen. Das Ganze funktionierte auf Anhieb und das Ergebnis war schon ganz nett.

Ich werde noch etwas mit der Leimpunktgröße und Dicke variieren und natürlich unterschiedliche Faserlängen und Farben austesten. Demnächst mehr dazu.

7 Kommentare zu „Greenkeeper“

  1. Thanks for a wonderful review. When I as living in Stuttgart, I opted for the Faller offering and have been very satisfied with it. Agree that quality costs. For many the Noch puffer (yellow squeeze bottle) works far better than what they costs and represents a good value for the money considering it is non-electric.  Again, thank you for your review. v/rTom DyeAberdeen, Md. USA

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  2. Liest sich sehr interessant und sieht sehr gut aus,würde ich gerne mal beim nächsten Besuch ausprobieren :-).Bring dann 1-2 Basen mit um zu sehen ob das was für mich ist.Bis jetzt mache ich das ja wie die meisten um kippe einfach das Streu auf die Basen.

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  3. Da hast du dir ja den Mercedes unter den Begrasungsgeräten geleistet!
    Der Holländer, der auf der Dioramica Bäume gebaut hat, hatte den auch, glaube ich.
    Statt des Backpapiers nehme ich Plastikfolie, zum Beispiel von Dokumentenhüllen aus dem Büro. Das geht m.E. etwas besser als das Papier.
    Viele Grüße,
    Frank

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