Das Schlachtfeld von Hastings

Für England war die Schlacht von Hastings am 14. Oktober 1066 eines der Schlüssel-Ereignisse seiner Geschichte.Durch den Sieg Herzog Wilhelms (dem Eroberer) über die Angelsachsen und ihren König Harald II, fiel das Land unter die Herrschaft der Normannen. Die Ereignisse und die Schlacht sind uns nicht nur durch Schriften, sondern auch in Bildern durch den berühmten Teppich von Bayeux überliefert.

Wer mehr zum Teppich von Bayeux erfahren möchte, kann dies in meinem Bericht aus dem Jahr 2016 nachholen:

https://tabletopdeutschland.com/2016/06/10/musee-de-la-tapisserie-de-bayeux/

Im Folgenden möchte ich mit Euch einen kleinen Rundgang über das historische Schlachtfeld unternehmen. Wer das Schlachtfeld besuchen möchte, findet dies nicht direkt in Hastings an der Küste Südenglands, sondern etwas landeinwärts in einem kleinen Ort mit dem treffenden Namen Battle (Senlac Hill).

Hier steht auch das Kloster von Battle, welches heute zusammen mit dem Schlachtfeld einen Museumskomplex bildet. Der Eintritt ist meiner Meinung nach etwas überteuert, aber es geht hier schließlich um das berühmteste Schlachtfeld Großbritanniens.

Im Ort Battle erinnern zahlreiche Bilder und „Kunstwerke“ an die Schlacht von 1066.

Museum

Das Museumsgebäude bietet in seiner Ausstellung und einem kleinen Kurzfilm einen guten Einblick in die Ereignisse von damals.

Schlachtfeld

Das Schlachtfeld kann man als Besucher auf einem Rundweg erkunden. An ausgewählten Stellen stehen hölzerne Krieger und Tafeln, die bestimmte Phasen der Schlacht erläutern. Eine Schlachtfeldbegehung ist vor allem interessant, da man nur so die Topografie wirklich erleben kann, die häufig entscheidet für den Verlauf einer Schlacht war.

Ereignisse

Am einem frühen Herbst-Morgen, am Samstag den 14. Oktobers 1066 bereiten sich zwei große Heere darauf vor, um eine Schlacht um den Thron von England auszufechten. Auf der Hügelkuppe des Caldbec Hill sind die angelsächsischen Streitkräfte von Harald Godwinson, der nur neun Monate zuvor zum König gekrönt worden war, aufgereiht. Bei den Kämpfern handelt es sich um Männer des Fyrd, also einfache Bauern mit wenig Kampferfahrung. Harald war mit großer Geschwindigkeit von Süd-Yorkshire anmarschiert, wo er zuvor den dänischen Thronrivalen Harald Hadraada besiegt und getötet hatte. Seine Truppe ist erschöpft und noch sind nicht alle Männer versammelt, jedoch treffen unentwegt neue Kontingente ein, die seine Armee verstärken.

Auf der anderen Seite des Tals, auf dem dem Senlac Hill, stehen den Angelsachsen die Truppen Wilhelms, dem Herzog der Normandie gegenüber. Die Armee war über zunächst über den Ärmelkanal gesegelt und dann von der Küste aus über Land marschiert. Als Eindringling in feindlichem Gelände will Wilhelm möglichst schnell einen entscheidenden Sieg in der Schlacht über Harald erringen. Die Angelsachsen bilden einen dichten Schildwall und erwarten den Angriff der normannischen Krieger.

Die Schlacht wird auf beiden Seiten mit dem Klang der Kriegshörner eröffnet. Wilhelms Männer rücken auf den Hügel vor, um den Schildwall der Angelsachsen anzugreifen. Angeführt wird der Angriff von leichten Truppen sowie Armbrust- und Bogenschützen. Ihnen folgen schwer gerüstete Infanteristen und dahinter die Kavallerie, welche den entscheidenden Angriff führen sollen. Es kommt zu einem erbitterten Nahkampf. Über dem Klang aufeinandertreffenden Waffen hört man die Schreie der Verwundeten und Sterbenden. Mit dem Vorteil des Hügels und den dicht geschlossenen Reihen gelingt es den Angelsachsen jedem Angriff standzuhalten.

Nach den ersten schweren Gefechten bricht der erste Angriff der Normannen zusammen und die Truppen Wilhelms ziehen sich zurück. Der linke Flügel der Normannen, einschließlich einer Truppe bretonischer Ritter war von den Angelsachsen zurückgeschlagen worden. Zur gleichen Zeit geht das Gerücht um, das Herzog Wilhelm im Kampf gefallen sein soll. Erschrocken über diese Neuigkeiten löst sich die normannische Armee vom Schildwall des Gegners und weicht zurück. Bei ihrem Rückzug werden die Truppen von den Angelsachsen den Hügel hinab verfolgt. Es kommt zur ersten ernsten Krise in der Schlacht.

Nun zeigt Wilhelm mitten in der Schlacht offen sein Gesicht, um zu verhindern das seine Armee vom Schlachtfeld flieht. Als die Normannen sich verwirrt vor den Angelsachsen zurückziehen, reitet Wilhelm aus der Schlachtreihe und tritt ihnen gegenüber. Er hebt seinen Helm, um sein Gesicht zu zeigen, ruft ihnen zu, dass er am Leben ist und beschimpft sie für ihre Feigheit. Diese Tat verhindert die Flucht der Normannen und die Schlacht geht in die nächste Runde.

Nachdem Wilhelm seinen Mannen wieder gesammelt hat geht er zum Gegenangriff gegen die Engländer vor. Ermutigt durch den Herzog stürmen die Normannen erneut den Hügel hinauf und greifen die Krieger an, welche sie eben noch verfolgt hatten. Diejenigen, die bei der Verfolgung die Sicherheit des Schildwalles verlassen hatten, werden nun umstellt und aufgerieben. Nach einem Bericht eines Getreuen des Herzogs, führte Wilhelm selbst den Gegenangriff an.

Dieser erfolgreiche Gegenangriff beendet die erste Phase der Schlacht. Es ist vermutlich früher Nachmittag, als dieser Abschnitt des Kampfes abgeschlossen ist. Bisher hat keine Seite einen klaren Vorteil erringen können. Beide Armeen sind vermutlich stark erschöpft, allerdings erhalten die Angelsachsen weiterhin Verstärkungen, durch spät eintreffende Truppenteile. Wilhelm steht unter starkem Druck, er ist gezwungen zu handeln, um eine Entscheidung herbeizuführen. Und so führt er seine Männer erneut zum Angriff.

Am Nachmittag schwächen die Normannen die gegnerische Linie, indem sie eine neue Taktik anwenden. Es war klar geworden, dass die Angelsachsen nicht so einfach besiegt werden können. Um Lücken im Schildwall zu reißen, geben Gruppen von Normannen mitten in der Schlacht vor zu fliehen. Sie machen dann plötzlich wieder kehrt, um die englischen Verfolger zu stellen und zu töten. Diese Taktik ist auch für andere Schlachten der Normannen belegt. Eine ganze Reihe dieser vorgetäuschten Fluchten ist von Erfolg gekrönt, aber die englische Linie bleibt weiterhin standhaft. Es ist anscheinend mehr nötig, um einen Sieg zu erlangen.

Es folgten stundenlange Nahkämpfe, bei denen sich die Normannen durch die Lücken im gegnerischen Schildwall langsam durchsetzen konnten. Gegen Abend leistete nur noch Harald II. mit seinen besten Huscarlen ernsthaften Widerstand, bis er bei einem weiteren Angriff normannischer Reiter den Tod fand. Schließlich können die Normannen den englischen Schildwall durchbrechen und die Engländer aufreiben. Diejenigen, die sich retten können, fliehen vom Schlachtfeld dicht gefolgt von den normannischen Reitern.

Kloster

Der Baubeginn für das Kloster von Battle war im Jahr 1070. Es wurde von Wilhelm dem Eroberer in Gedenken an die Schlacht und ihre Gefallenen errichtet. Der Hochaltar der Kirche markierte den Ort, an dem König Harald getötet wurde. Nach seiner Fertigstellung im Jahr 1094 wurde das Kloster von 140 Benediktiner-Mönchen bewohnt. Im 13. Jahrhundert wurde der größte Teil durch neue Bauten ersetzt. Unter der Regentschaft von Heinrich dem VIII. kam es zu einer Auflösung der englischen Klöster, wobei große Teile des Klosters von Battle zerstört wurden. Von der Abteikirche sind heute nur noch Grundmauerreste im Boden geblieben. Die Stelle, an der ehemals der Altar stand und damit den Ort kennzeichnete, an dem König Harald fiel, ist durch eine Gedenkplatte auf dem Boden markiert.

Reenactment

Berühmt ist auch das alljährliche Reenactment in Gedenken an die Schlacht von damals, an der häufig mehr als 2.000 „Krieger“ teilnehmen.

5 Kommentare zu „Das Schlachtfeld von Hastings“

  1. Sehr schöner Bericht, der Erinnerungen an meinen Besuch vor zehn Jahren geweckt hat. Zum Eintrittspreis: absolut zu empfehlen ist der Overseas Visitors Pass von English Heritage. Damit kann man in neun bzw. 16 Tagen alle Stätten, die von EH betreut werden, ohne weitere Kosten besuchen (u.a. auch Dover Castle und Stonehenge).

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