Das Bemalen von Weichplastikfiguren / Teil 2 – Das Handwerkszeug

Wer jetzt dachte „…HURRA! Los geht es“, den muss ich noch einmal kurz bremsen. Bevor ich den eigentlichen Bemal-Vorgang beschreibe, will ich noch ein paar Takte zu den Utensilien und Hilfsmittel verlieren. Ich verrate dem versierten Figurenmaler sicher nicht viel Neues, oft ist aber doch der eine oder andere nützliche Tipp dabei.

Maltisch

Viele Hobby-Kollegen verwenden die unglaublichsten Maltischkonstruktionen, mit unzähligen Fächern, Schubladen und Getränkehaltern. So ein Maltisch ist allerdings auch enorm praktisch. Farben, Pinsel und Werkzeuge sind immer griffbereit und gut sichtbar. Oft sind diese Konstruktionen auch transportabel, was besonders nützlich ist, wenn man zu Hause nicht viel Platz hat und so den Arbeitsbereich nach der Malstunde wieder räumen muss. Leider haben die meisten Maltischkonstruktionen für meine Begriffe ein Defizit. Ich spreche von der richtigen Höhe…meistens liegt das Niveau ungefähr Esstisch bzw. Schreibtischhöhe und das ist definitiv zu niedrig. Immer wieder sehe ich viele Figurenkünstler, die sich extrem tief nach vorne beugen, um die Details der Figur richtig erkennen zu können. Das ist nicht nur schlecht für den Rücken, es ermüdet außerdem den Körper und verspannt die Muskulatur. Seit Jahren verwende ich einen kleinen Holzkasten (Schuhkarton geht auch), den ich zum Malen oder Modellieren auf den Tisch stelle. Die Arme bewegen sich rechts und links von diesem Kasten und werden so nicht in der Bewegung beeinträchtigt. Einige polstern auch die Kante des Maltisches, um so die Handgelenke aufstützen zu können. Durch das Aufstützen der Handgelenke vermeidet man ungewollte Bewegungen und ein eventuelles leichtes Zittern beim Bemalen. Zusätzlich sollte man einen höhenverstellbaren Stuhl nutzen, um eine optimale Sitzhöhe zu erreichen.

Beleuchtung

Neben Farbe und Pinsel, ist die Beleuchtung das wichtigste Arbeitsgerät. Ich verwende immer zwei Leuchten rechts und links vom Malobjekt, um keine Schatten zu erzeugen. Die Lampen sollten also in alle Richtungen frei beweglich sein. Mit den Lampen verwende ich starke Energiespar-Tageslichtbirnen. Das Licht lässt die Farben relativ neutral erscheinen und es wird kaum Wärme erzeugt. Das schont nicht nur den Maler selbst, die Farben können bei niedrigen Temperaturen auch länger verarbeitet werden.

Pinsel

Ich verwende vier verschiedene Pinseltypen. Einen etwas dickeren, leicht bauchigen Pinsel (günstiger Echthaarpinsel), der viel Farbe und Wasser aufnehmen kann. Er wird für groben Arbeiten, zum Mischen von Farben und für den Auftrag von „Tusche“ eingesetzt; einen kurzen, breiten Pinsel (Synthetikhaar) für das „Trockenbürsten“; einen kleinen schlanken Pinsel (Rotmarderhaar), auch Schlepper genannt, für das eigentliche Bemalen und einen sehr feinen kurzen Pinsel (ebenfalls Rotmarderhaar) für die Detailarbeiten. Viele verwenden auch Kunsthaarpinsel, aber leider komme ich mit denen nicht klar (außer beim Trockenbürsten) und muss so mit der teurer Variante leben. Beim Bemalen sollte man den Pinsel immer nur mit der vorderen Hälfte in Farbe tauchen. Dadurch können sich keine Farbpigmente in die Verengung vor der Hülse setzten, die dazu führen, dass sich die Pinselspitze spreizt. Verwendet man etwas Spülmittel im Malwasser, so pflegt das die Pinselhaare. Nach Gebrauch tauche ich die Pinsel in ein Haarpflegemittel (ich habe einen Club-Kollegen bei Schwarzkopf ;-)), welches den Pinsel zusätzlich pflegt, reinigt und die Spitze wieder in Form bringt. Einige verwenden auch Kernseife oder spezielle Pinselseife zur Pflege.

Farben

Ich bevorzuge Acrylfarben. Der größte Teil meiner Farben ist aus dem Sortiment von Vallejo Model Color. Einige ausgewählte Farben sind von Games Workshop, Vallejo Games Color und Call-to-Arms. Neben den normalen Acrylfarben verwende ich außerdem Tinte (Black Ink von Vallejo) und Tusche bzw. Wash (braun und schwarz von Armypainter bzw. Games Workshop). Ich habe auch schon Versuche mit Künstleracryl-, Gouache- und Aquarellfarben gemacht, doch dazu werde ich bei Gelegenheit noch einmal einen gesonderten Bericht schreiben.

Malmittel

Malmittel sind unterschiedliche Flüssigkeiten oder Gels, die den Farben beigegeben werden, um deren Eigenschaften zu verändern. Auch das Wasser, welches neben dem Malisch in einem großen Glas oder Becher steht, zähle ich zu den Malmitteln. Das Wasser reinigt nicht nur den Pinsel, mit ihm werden auch die Farben verdünnt, um so lasierend arbeiten zu können. Die meisten Figurenmaler verwenden 3 Wasserbehälter, einen für die Pinselreinigung von Metallfarben (wg. der winzigen reflektierenden Aluminiumflocken in diesen Farben), einen zum Verdünnen von Farben und einen zum Reinigen des Pinsels. Etwas Spülmittel im Wasser hilft, die Oberflächenspannung zu brechen und Farbe besser in Vertiefungen laufen zu lassen. Statt dieser Methode, benutze ich aber meist Ochsengalle als Netzmittel. Dieses Malmittel aus dem Künstlerbedarf entfettet außerdem Oberflächen und wirkt leicht trocknungsverzögernd. Sind meine verwendeten Farben zu glänzend (manchmal kippen die Farben auch von matt auf glänzend), gebe ich ein wenig Acryl-Mattierungsmittel zur Farbe. Die Farbe wird zwar etwas dickflüssig, ist aber immerhin noch zu verwenden. Weitere Malmittel sind beispielweise Trocknungsverzögerer. Neben den Malmittel liegt auch immer ein Leinentuch (altes Bettzeug oder T-Shirt) zum Reinigen und Entfeuchten der Pinsel auf dem Arbeitsplatz.

Palette

Wie viele andere Figurenmaler auch, bin ich auf die sogenannte Nasspalette umgestiegen. Diese Palette, bestehend aus einer Lage Backpapier und einer Lage nassem Haushaltspapier darunter, sorgt dafür, dass die Farbe, die auf das Backpapier aufgetragen wurde, ständig befeuchtet wird und so nur sehr langsam trocknet. Einmal gemischte oder verdünnte Farben können so deutlich länger verarbeitet werden. Neben diese Nasspalette, greife ich bei größeren Farbmengen, die nicht so schnell antrocknen, auch zu weißen Papptellern, die nach Gebrauch einfach weggeworfen werden.

Im 3. Teil geht es nun aber wirklich mit der Bemalung der Figuren los…versprochen! 😉

6 Kommentare zu “Das Bemalen von Weichplastikfiguren / Teil 2 – Das Handwerkszeug”

  1. Ein genialer Artikel in einer genialen Artikelreihe! Super hilfreich, bitte poste das doch in diversen Foren (hier ist es immer ein wenig versteckt)! Ich folge zwar deinem Blog, aber da ich bei Blogger bin und du bei WordPress, werden mir Neuigkeiten nicht angezeigt…

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  2. Ja, normales Spüli. Das Haarpflegemittel ist aber eine Haarkur oder Haarfestiger (blaue Flüssigkeit, wie Wasser). Die Pinselhaare werden nach dem Trocknen hart, ähnlich dem Zustand, in dem du den Pinsel kaufst. In Wasser eingeweicht, wird der Pinsel wieder weich.

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