Das Bemalen von Weichplastikfiguren / Teil 3 – Die Maltechnik

So, herzlich willkommen zur dritte Ausgabe der Weichplastikfigurenbemalung. Nachdem nun alle vorbereitenden Arbeitsschritte getan sind und das Handwerkszeug bereit liegt, kommen wir zum eigentlichen bemalen der Figur. Die Technik unterscheidet sich im Grunde nicht von der Bemalung von Zinn- oder Hartplastikfiguren. Die nachfolgenden Arbeitsschritte sind daher eher an der Figurengröße und der Bemalungsqualität ausgerichtet. Je kleiner die zu bemalende Figur ist, umso deutlicher sollten die Akzente in der Bemalung ausfallen. Eine kleine Figur, und dazu zähle ich auch die 1/72 bzw. 20 mm Figuren, benötigt relativ starke Kontraste, deutliche Lichter und eine klare Struktur, die es einem ermöglicht, auch noch kleine Details und Farbunterschiede zu erkennen.

Grundfarben

Im ersten Arbeitsschritt werden die Grundfarben aufgebracht. Hierbei werden alle größeren Flächen in einem mittleren Grundfarbton angelegt. Hat man Wahlmöglichkeiten, d.h. man muss nicht eine bestimmte Kleidung oder Uniform wiedergeben, sollte man dabei möglichst helle und dunkle Töne nebeneinanderlegen. Die Farbe sollte man nicht zu dick auftragen, sie sollte also mit ein wenig Zugabe von Wasser verdünnt werden. Reines Schwarz und Weiß sollte man übrigens vermeiden. Schwarz kann man halt nicht schattieren und Weiß nicht aufhellen. Bei vielen 1/72 Figurenmalern wäre mit dem Bemalen jetzt Schluss, die Figur wäre also fertig.

Richtige Tiefe, ähnlich wie in der Malerei, erhält eine Figur jedoch erst durch die Simulation von Licht und Schatten. Die tiefliegenden Bereiche werden dabei dunkler dargestellt, die erhabenen Stelle und scharfe Kanten heller. Will man es ganz genau machen, so sollte man den Einfluss einer imaginären Lichtquelle in Betracht ziehen und deren Position bestimmen.  Ein Beispiel für eine der häufigsten möglichen Lichtquellen, ist die Sonne. Da die Sonne meist von schräg oben scheint, erhalten die meisten Figuren helle Farbbereiche auf der Oberseite und dunkle Bereiche an der Unterseite. Hier ein Beispielbild aus dem Film „Der letzte Samurai“. Die hellen Lichtreflexionen auf der Oberseite der Rüstung, sind deutlich zu erkennen.

Eine gute Quellenstudie für die Licht und Schattenmalerei sind gute Uniformtafeln, wie von Patrick Courcelle. Hier ein Beispiel:

Schatten

Um sich den ersten Arbeitsschritt der Schattierung zu sparen, gebe ich über den ersten, gut durchgetrockneten Farbauftrag nun etwas Tusche (Wash). Als Tusche oder Wash werden stark verdünnte Farben bezeichnet, denen oft Zusätze beigegeben werden, welche die Fließeigenschaften verbessern. Ich verwende fertiges braunes Wash (Strongtone /Armypainter) für Hautfarbtöne, alle Braun-, Grün, Gelb- und Rottöne, sowie Gold und Bronze. Bei Blautönen, Silber und Eisenfarbe greife ich zu schwarzem Wash (Games Workshop). Der Tusche gebe ich noch ein paar Tropfen Ochsengalle bei, um die Fließeigenschaft noch einmal zu verbessern. Die dünne Farbe läuft nun über die Figur, wobei sich die meisten Pigmente in den Vertiefungen sammeln und dort dunkle Bereiche, die Schatten der Figur, bilden. Man braucht zunächst etwas Erfahrung, um nicht zu viel oder zu wenig Tusche zu verwenden und diese auch in die richtigen Bereiche zu lenken. Mit einem trockenen Pinsel kann man überschüssiges Wash aufsaugen und so wieder problemlos entfernen. Durch den flächendeckenden Auftrag der Tusche werden auch die erhabenen Bereiche der Figur etwas abgedunkelt, ein Effekt, der durchaus gewollt ist. So entsteht ein sanfter Farbübergang zwischen den tiefen und den erhabenen Stelle der Miniatur. Wer etwas mehr Aufwand betreiben möchte, sollte nun die Schatten noch ein wenig durch verdünnte dunkelbraune bzw. schwarze Farbe verstärken.

Den Abschluss der Schattierung stellt das sogenannten „black-lining“ dar. Dabei wird eine feine schwarze Linie zwischen alle Farbbereiche und Trennungen der Figur gezogen. Dieser Arbeitsschritt ist extrem mühsam, aber gerade bei dieser Figurengröße sehr wirkungsvoll. Das Auge des Betrachters kann so besser zwischen den einzelnen Bereichen der Figur unterscheiden. Auch in der Malerei wird dieser Trick angewendet (s. Uniformtafel von Courcelle). Die ganze Figur wirkt jetzt klar strukturiert und die Details sind leicht zu erkennen.

Lichter

Nachdem der Farbauftrag der Schattierung getrocknet ist, geht es an die Bemalung der Lichter, also der Figurenbereiche, die farblich aufgehellt werden sollen. Bei diesem Arbeitsschritt nimmt man zunächst den Grundton, den man auch schon in Schritt 1 verwendet hat und malt diesen lasierend (mit Wasser verdünnt) auf die erhabenen Figurenbereiche und die Kanten der Ausrüstung und Kleidung. Man muss unbedingt darauf achten, dass diese Aufhellung den Grundton darunter nicht vollständig verdeckt, denn sonst geht der Effekt verloren. Beim Pinselstrich beginnt man an der Stelle, die am hellsten werden soll und zieht die Pinselspitze dann in Richtung Schatten. Durch die verdünnte Farbe gelangen mit Hilfe dieser Technik besonders viele Farbpigmente in den Anfang des Pinselstriches und weniger in das Ende. Man erhält dadurch sehr fließende Übergänge zwischen den einzelnen Farbschichten, da die Farbe darunter noch leicht durchscheinen kann. Durch das Washing ist der Grundfarbauftrag ja dunkler geworden, wodurch jetzt schon, mit dem erneuten Auftragen dieses Farbtons, die erste Stufe der Aufhellung erfolgt ist.

Hat man alle Bereiche bearbeitet, erfolgt eine weitere Aufhellung. Hierbei mischt man unter den Grundfarbton etwas hellere Farbe. Man sollte zum Aufhellen des Grundtons kein Weiß verwenden, sondern eher Farben wie Beige, Hellgrau, Kaki oder ein helles Gelb. Weiß bricht die Farbbrillanz zu stark. Manche verwenden sogar noch eine dritte Stufe der Aufhellung, das ist aber eher nur für Dioramen oder Vitrinen-Figuren nötig. Diese Drei-Stufentechnik, Grundton + 1. Aufhellung + 2. Aufhellung haben einige findige Farbhersteller aufgegriffen und bieten fertig gemischte und aufeinander abgestimmte Farbtöne in diese 3 Stufen an. Man kann diese fertigen Farben zwar verwenden, man schränkt sich jedoch bei der Farbauswahl ein.

Details

Im letzten Schritt werden die feinen Details herausgearbeitet. Das können aufgenähte Abzeichen auf der Kleidung, Schriftzüge, Tätowierungen, Schildembleme oder die Gesichter der Figur sein. Für diese Arbeit sollte man einen sehr feinen Pinsel und Farbe mit Trocknungsverzögerer verwenden. Um Details noch gut erkennen zu können, verwendet man meist besonders starke Kontraste oder man unterlegt die feine Struktur noch mit einem dunklen bzw. hellen Farbbereich. Die Figur ist jetzt fertig bemalt.

Die meisten versiegeln die Miniatur abschließend mit einem Mattlack. Da ich bereits viele schlechte Erfahrungen mit Mattlack gemacht habe, verzichte ich auf diesen Schritt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Lackierung bei den sehr leichten Weichplastikfiguren auch nicht nötig ist. Selbst wenn die Figur zu Boden fällt, werden keine Ecken, wie bei Zinnfiguren, abgestoßen. Es ist vielmehr so, dass die vielen Farbschichten (Grundierung, Grundton, Wash und Aufhellungen), einen guten Schutz bilden und nur durch starkes biegen bzw. reiben abgelöst werden können. Das würde aber auch ein zusätzlicher Lack nicht ändern.

13 Kommentare zu “Das Bemalen von Weichplastikfiguren / Teil 3 – Die Maltechnik”

  1. Klasse, was Du hier wieder mal vom Stapel lässt-, Frank.
    Die Bemalung sucht seinesgleichen, ich wäre froh, wenn meine 28er so aussehen würden.

    Es ist toll, dass Du immer wieder eine Lanze für den in Deutschland ja eher im Dornröschenschlaf befindlichen 20mm Maßstab brichst.

    Achja, bevor ich’s vergesse:
    Ich habe Dir den „Favourite-Blog-Award“ verliehen!
    ( http://schmockblog.blogspot.de/2012/12/id-like-to-thank-academy.html )

    Gruß,
    Thomas

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  2. Hallo,

    WOW, danke sowas habe ich schon ewig gesucht.. Einfach erklärt und gut nachvollziehbar. Da ic Anfänger bin. Habe ich eine Frage zum Black-Lining. Ist das wieder ein Washing. Oder wie wird das angewandt. Man soll Details absetzen. Aber, ich kapiere nicht wie ich das am besten umsetze..

    Danke für deine Bemühungen..

    LG

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  3. Sehr guter und kompetenter Blog. Zum Thema Versiegelung habe ich in Deinem ersten Teil etwas gepostet. Stichwort AP Quickshades. Besonders für den oft rauhen Tabletop Alltag gibt es nichts besseres um Lanzenspitzen, Gewehrläufe und Antennen vor dem Abplatzen von Farbe zu schützen.

    Grüsse Stefan

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    1. Ach so.. Ich kann Dir gerne ein paar Bilder von meinen 1:72 US Boys von der 2. Armored Division senden. Diese stehen oft bei Flames of War Spielen im Einsatz. 😉
      Grüsse Stefan

      P.S. Deine Bemalung ist grossartig.. aber das weisst Du ja schon :-))

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  4. Hallo Frank,
    Fotos kommen ( hoffentlich heute ) sobald ich wieder zuhause bin.

    Einen haue ich noch raus zum Thema „Blacklining“ :
    Ist eine Technik die man eigentlich nur noch fürs Tabletop anwendet…auf lange Distanzen verschwimmen oft feine Farbnuancen so stark, das man davon nichts hätte würde man nicht den Kontrast durch Blacklining nutzen. Für Vitrinen-Minis lässt man das besser. Sieht zu fremd aus.
    Wenn man Blacklining anwenden muss/will, z.B. auch für die Beschriftung der typischen Schriftrollen der Space Marines, empfiehlt sich, einen 0,3mm Rapidographen ( Fa. Rotring ) zu benutzen. Der kann selbst feinste striche in Tusche darstellen. Es gibt mehrere Farben (rot, schwarz, blau, grün ).
    Der RG lässt sich bei so feinen Aufgaben gut führen. Man muss nur aufpassen nicht zu stark aufzudrücken. Ist kein Füller und auch kein Kugelschreiben sondern ein technisches Zeichengerät.
    Nicht ganz billig, hält aber bei guter Pflege ewig.

    Gruesse
    Stefan

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  5. Hallo

    erst mal danke das ist echt super. Ich habe mal einen Hopliten angemalt (mein Erster). Bestimmt 4 Stunden daran gesessen und ich bin noch nicht zufrieden 😉

    Aber mit der Zeit wird es besser. Mach weiter so.

    Grüße
    Jens

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