Festung Dömitz – Vor Ort

Am südlichsten Punkt Mecklenburgs, am Nordufer der Elbe, liegt die kleine Stadt Dömitz. Der Ort entwickelte sich aus einer Zollstelle und hier verkehrte schon früh eine Fähre, die Mecklenburg mit dem Herzogtum Braunschweig Lüneburg und dem Kurfürstentum Brandenburg verband. Militärische Bedeutung erlangte die Stadt Mitte des 16. Jahrhunderts, als die kleine Burganlage zur Festung ausgebaut wurde.

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Geschichte

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Festung Dömitz hart umkämpft. So kamen 1620 englische Truppen in die Stadt und 1627 wurde sie von Wallenstein besetzt. Während des weiteren Kriegsverlaufes wurde Dömitz abwechselnd von schwedischen und auch von kaiserlichen Truppen eingenommen. Auch die Feldherren Tilly und General Schlik weilten zeitweise in der Stadt. Am Ende des Krieges gehörte die Festung zur schwedischen Garnison Wismar.

Im 18. Jahrhundert wurden aus einigen Gebäuden in der Festung ein Zuchthaus und eine „Irrenanstalt“. Die Insassen wurden dann als billige Arbeitskräfte eingesetzt, um die Bastionen und Kasematten zu modernisieren. Auch die Hauptwache und die Toranlage wurden in dieser Zeit neu errichtet.

Im Jahr 1806 wurde das Land Mecklenburg von den Franzosen zum feindlichen Gebiet erklärt und in Folge alle Truppenverbände und Garnisonen aufgelöst. 1808 musste Mecklenburg dem Rheinbund beitreten und das Land verpflichtete sich, der französischen Armee ein Kontingent von 1900 Mann zu stellen.

1809 besetzte Ferdinand von Schill mit seinem Freikorps die Festung Dömitz. In Erwartung eines Angriffs durch französische Truppen ließ er die Anlage mit Geschützen bestücken. Am 23. Mai eröffneten dann tatsächlich französische und holländische Truppen vom südlichen Elbufer das Feuer auf die Stadt und Festung. Die schwache Festungsbesatzung musste jedoch noch am gleichen Tag kapitulieren. Durch den Beschuss wurden auch 44 Häuser der Stadt zerstört. Die Stadt Dömitz spielte auch in den Befreiungskriegen  eine Rolle als Stützpunkt, Quartier und Elbübergang. Wallmoden nutzte beispielsweise den Ort für sein Korps und ließ an dieser Stelle zeitweise eine Behelfsbrücke anlegen. Die Festung war zu diesem Zeitpunkt allerdings aufgrund der Weiterentwicklung in der Waffentechnik und Strategie bedeutungslos geworden. In dieser Zeit stelle Domitz Quartier und Verpflegung für 218 Generale, 428 Oberste, 9.975 weiter Offiziere und Feldwebel, sowie 192.240 Unteroffiziere und Mannschaften.

Im weiteren 19. Jahrhundert diente die Anlage erneut als Haftanstalt. Ihr prominentester Gefangener war der Burschenschaftler Fritz Reuter. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wurde die Haftanstalt verlegt und die Festung erneut umfangreich saniert. 1873 wurde eine Eisenbahnbrücke fertiggestellt, die neben Festung und Stadt  die Elbe überspannte. Am 1. Januar 1894 wurde die Festung Dömitz schließlich als Garnisonsstandort aufgehoben.

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In den Jahren 1934 bis 1936 gesellte sich zur Eisenbahnbrücke auch eine neue Straßenbrücke, welche über die Elbe führte. In den letzten Kriegstagen 1945 wurden die beiden Brücken jedoch zerstört. Erst nach der Wende im Jahr 1992 wurde die Straßenbrücke erneuert. Heute ist die Festung Dömitz eine Museumsanlage mit einer Ausstellung zur Festungsgeschichte, einem Heimatmuseum der Region und Stadt, sowie einem Standort des „Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-MV“ und einer kleinen Ausstellung zur Person Fritz Reuter.

Festungsanlage

Die Flachlandfestung ist in sogenannter italienischer Manier angelegt und hat somit ein regelmäßiges Fünfeck als Grundform. Die fünf Ecken sind mit Bastionen besetzt, deren Namen „Cavalier“, „Held“, „Drache“, „Greif und „Burg“ lauten. Die Bastionen werden durch 9 Meter hohe Mauern, die Courtinen, verbunden. Die Bastionen mit den Kasemattenräumen, sowie die Courtinen sind komplett mit Ziegelsteinen verschalt. Vor diesem Bau liegt ein Wassergraben und ein vorgelagerter Wall, letzterer durch den Aushub des Grabens errichtet. Die Festung verfügte nur über einen einzigen Zugang an der Südseite, an der Bastion „Cavalier“. Der Graben vor dem Tor wurde von einer gewinkelten Holzbrücke mit eine anschließenden Zugbrücke überspannt.

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Wallmeisterhaus

Vor der eigentlichen Festung und der hölzernen Brücke liegt das schöne Wallmeisterhaus, dass aus dem Jahr 1780 stammt.

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Toranlage

Die heute sichtbare Toranlage geht auf das Jahr 1865 zurück. In diesem Jahr erhielt das Haupttor ein Vortor mit Schießscharten und eine Kanonenstellung. Über dem alten Sandsteintor findet sich noch heute eine lateinische Inschrift mit diesem Text: „Johann Albrecht Herzog von Mecklenburg. Für sich und die seinen erbaut 1565“, sowie das mecklenburgische Wappen Herzogs Johann Albrecht und das brandenburgische seiner Frau Anna Sophia.

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Nach dem Tor führt ein gewinkelter Gang durch die Bastion „Cavalier“ in den Hof der Festung.

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Kommandantenhaus

Der dreigeschossige Backsteinbau des Kommandantenhauses mit Ost-Turm stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Zunächst handelte es sich um zwei separate Gebäude, die später miteinander verbunden wurden. Im Untergeschoss dieses Gebäudes liegt der älteste Teil der Festung, der Pulverkeller. Teile der Grundmauer sind jedoch noch älter und stammen aus der Zeit, als an dieser Stelle vor rund 750 Jahren eine kleine Burganlage stand.

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Hauptwache

Die Hauptwache diente zunächst als Unterkunft für die Festungsbesatzung und wurde im Jahr 1771 fertiggestellt.

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Zeughaus

Gegenüber der Hauptwache findet man das Zeughaus das vor dem Jahr 1705 gebaut wurde. Das genaue Datum ist jedoch nicht bekannt.  Neben einer Funktion als Lager, diente das Gebäude auch als Unterkunft für die Unteroffiziere.

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Bastionen und Courtinen

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Kasematten

Die Kasematten im Inneren der Bastionen waren mit schweren Geschützen bestückt. Die Kanonen konnten von hier aus einen Gegner in ein Kreuzfeuer nehmen. Um für Abluft nach dem Abfeuern der Geschütze zu Sorgen, führten Schächte von den Kasematten durch das Erdreich der Bastionen an die Oberfläche.

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Neben den größeren Gebäuden, stehen noch das Arrestantenhaus von 1806, die Stallungen und ein Blockhaus (Munitionslager) in inneren der Festungsanlage.

Homepage der Festung Dömitz: http://www.festung-doemitz.de/

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