Großgörschen 1813 – Teil 1 / Die Ereignisse

Während einer meiner Fahrradtouren im letzten Jahr, führte mich mein Weg auch zum Schlachtfeld von Großgörschen, besser gesagt in die Dörfer Kleingörschen, Großgörschen, Kaja und Rahna in Sachsen. Bevor ich von meinem Rundgang über das Schlachtfeld berichte, hier ein kurzer Bericht zu den Truppen und Ereignissen.

Die Schlacht bei Großgörschen, die im französisch- und englischsprachigen Raum als Schlacht bei Lützen bekannt ist, war nach der Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812 die erste große Schlacht der Befreiungskriege und fand am 2. Mai 1813 in der Nähe der Kleinstadt Lützen, vor den Toren von Leipzig, statt.

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Der Tod des Prinzen Leopold von Hessen-Homburg, an der Seite des Generals von Zieten inmitten des hitzigen Dorfgefechtes.

Schon am Vortag zur Schlacht von Großgörschen gab es erste Gefechte, als das französische Heer von Weißenfels aus in Richtung Leipzig marschierte. Am 1. Mai 1813 trafen die Truppen Napoleons bei dem Dorf Rippach, auf halben Weg zwischen Weißenfeld und Lützen, auf das russische Korps Winzingerode. Das Gelände bei Rippach am gleichnamigen Flüsschen war aufgrund der sumpfigen Wiesen sehr unwegsam. Zudem lag das Dorf am Fuße der ansteigenden Leipziger Ebene. Eine schmale, hohlwegartige Straße führte hinauf. Bereits an dieser Stelle wurde 181 Jahre zuvor das schwedische Heer Gustav II. Adolfs von wenigen hundert Soldaten auf der Höhe aufgehalten. Das russische Korps Winzingerode eröffnete das Feuer auf die herannahenden Franzosen. Während des Angriffs wurde der Befehlshaber der französischen Gardekavallerie Marschall Bessiers (1768-1813) bei einem Erkundungsritt tödlich verwundet. Zunächst riss eine Kugel einem seiner Unteroffiziere den Kopf ab. Als der Marschall sich um die Bergung der Leiche kümmerte, traf ihn ein Artilleriegeschoss, das von einer Feldmauer abgeprallte in den Unterleib. Ein schwerer Verlust für Napoleon. Dennoch konnte die französische Armee sich im Laufe des Tages den Übergang über die Rippach und den Weiterzug auf der Straße nach Leipzig erzwingen.

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Der verwundete Scharnhorst wird am Abend des 2.Mai 1813 vom Gefechtsfeld getragen

Die Truppen

Am Ende dieses Tages, also am Abend vor der Schlacht von Großgörschen, war die Armee Napoleons an lang der Leipziger Straße auf folgende Gebiete verteilt:
• Der Kaiser hatten zusammen mit der Gardekavallerie und den Grenadieren der alten Garde sein Hauptquartier in Lützen, die Bataillone der jungen Garde lagerten vor den Toren der kleinen Stadt.
• Das III Korps des Marschall Ney hatte sein Hauptquartier in Kaja. Die Division Souham hatte ihr Biwak im Raum zwischen den Dörfern Großgörschen, Kaja und Rahna. Die Divisionen Ricard und Brenier waren im Gebiet zwischen Starsiedel, Lützen und Kaja verteilt. Die Division Girad lagerte bei Starsiedel. Die Division Marchand hatte ihr Quartier am Kreuzungspunkt der Leipziger Straße und dem Flossgraben.
• Das IV Korps des Generals Bertrand marschierte bis Poserna am Rippach-Bach.
• Das VI Korps des Marschalls Marmont stand in Weisenfels.
• Das XII Korps des Marschalls Qudinot war auf dem Marsch nach Naumburg.
• Das V Korps des generals Lauriston hatte sein Hauptquartier in Günthersdorf an der Straße von Merseburg nach Leipzig.
• Das XI Korps des Marschalls Macdonald nächtigte in Markranstädt.

In der folgenden Schlacht waren es vor allem die Truppen des französischen III Korps, welche in die Kämpfe verwickelt wurden. Dieses außergewöhnlich mannschaftsstarke Korps bestand aus 5 Infanterie-Divisionen und einer kleine Kavallerie-Brigade, unter anderem der Division Marchand, die sich aus einer badischen und hessischen Brigade zusammensetzte. Nachfolgend eine Aufstellung der Einheiten des III. Korps, die direkt an den Kämpfen beteilig waren.

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Die Position der Franzosen im Zentrum: L – Division Souham, M – 10. Französische Husaren und Badener Dragoner-Regiment, N – Division Brennier, P – Division Ricard, R – Französische Batterien erwidern das Feuer, c – Division Marchand vom III. Korps rückt gegen Kleingörschen vor, X – Französische Alte und Junge Garde.

III Korps – Marschall Ney (47.112 Mann)

8. Division – Divisions-General Souham (11.760 Mann)

1. Brigade – Brigade-General Chasseraux
• 6. Provisorisches Leichtes-Reg. – 2/6. Leichtes-Reg. (17/652) + 3/25. Leichtes-Reg. (19/667)
• 10. Provisorisches Leichtes-Reg. – 3/16. Leichtes-Reg. (16/691) + 1/28. Leichtes-Reg. (20/750)
• 14. Provisorisches Linien-Reg. – 4/34. Linien-Reg. (19/700) + 3/40. Linien-Reg. (20/710)
• 19. Provisorisches Linien-Reg. – 6/32. Linien-Reg. (16/520) + 3/58. Linien-Reg. (20/515)
2. Brigade – Brigade-General Chemineau
• 21. Provisorisches Linien-Reg. – 3/59. Linien-Reg. (9/689) + 4/69. Linien-Reg. (22/702)
• 24. Provisorisches Linien-Reg. – 3/88. Linien-Reg. (18/689) + 3/103. Linien-Reg. (15/705)
• 22. Linien-Regiment – 1. Bat. (24/701), 3. Bat. (20/700), 4. Bat. (19/670), 6. Bat. (16/687)
Artillerie
• 9/2. Fuß-Artillerie (2/67) – (6 x 6 pfd. / 2 x 5.7″ Haubitzen)
• 10/2. Fuß-Artillerie (2/59) – (6 x 6 pfd. / 2 x 5.7″ Haubitzen)

9. Division – Divisions-General Brenier (11.785 Mann)

1. Brigade – Brigade-General Anthing
• 2. Provisorisches Leichtes-Reg. – 3/2. Leichtes-Reg. (17/482) + 3/4. Leichtes-Reg. (17/495)
• 29. Leichtes-Regiment – 1. Bat. (19/539), 2. Bat. (15/829)
• 136. Linien-Regiment – 1. Bat. (27/680), 2. Bat. (15/620), 3. Bat. (10/680), 4. Bat. (12/592)
2. Brigade – Brigade-General Grillot
• 138. Linien-Regiment – 1. Bat. (20/450), 2. Bat. (18/529), 3. Bat. (18/507), 4. Bat. (20/480)
• 145. Linien-Regiment – 1. Bat. (24/460), 2. Bat. (20/489), 3. Bat. (18/405), 4. Bat. (15/429)
Artillerie – Kommandeur Charvet
• 2/9. Fuß-Artillerie (2/70) – (6 x 6 pfd. / 2 x 5.7″ Haubitzen)
• 11/9. Fuß-Artillerie (2/60) – (6 x 6 pfd. / 2 x 5.7″ Haubitzen)

10. Division – Divisions-General Girard (7.650 Mann)

1. Brigade – Brigade-General Goris
• 4. Provisorisches Leichtes-Reg. – 4/5. Leichtes-Reg. (17/604) + 4/12. Leichtes-Reg. (21/408)
• 139. Linien-Regiment – 1. Bat. (24/617), 2. Bat. (20/607), 3. Bat. (21/529), 4. Bat. (21/507)
2. Brigade – Brigade-General van Dedem
• 140. Linien-Regiment – 1. Bat. (30/529), 2. Bat. (16/507), 3. Bat. (15/606), 4. Bat. (15/589)
• 141. Linien-Regiment – 1. Bat. (24/410), 2. Bat. (20/467), 3. Bat. (16/420), 4. Bat. (18/417)
Artillerie – Kommandeur Tripp
• 3/7. Fuß-Artillerie (2/76) – (6 x 6 pfd. / 2 x 5.7″ Haubitzen)
• 4/7. Fuß-Artillerie (2/75) – (6 x 6 pfd. / 2 x 5.7″ Haubitzen)

11. Division – Divisions-General Ricard (7.783 Mann)

1. Brigade – Brigade-General Tarayre
• 9. Leichtes-Regiment, 3. Bat. (14/627), 4. Bat. (13/547)
• 17. Provisorisches Linien-Reg. – 4/43. Linien-Reg. (16/629) + 3/75. Linien-Reg. (17/571)
• 18. Provisorisches Linien-Reg. – 3/50. Linien-Reg. (15/571) + 4/65. Linien-Reg. (14/489)
2. Brigade – Brigade-General Dumoulin
• 142. Linien-Regiment – 1. Bat. (29/520), 2. Bat. (20/467), 3. Bat. (20/481), 4. Bat. (18/499)
• 144. Linien-Regiment – 1. Bat. (24/487), 2. Bat. (20/529), 3. Bat. (17/517), 4. Bat. (20/417)
Artillerie:
• 18/1. Fuß-Artillerie (1/86) – (6 x 6 pfd. / 2 x 5.7″ Haubitzen)
• 19/7. Fuß-Artillerie (1/87) – (6 x 6 pfd. / 2 x 5.7″ Haubitzen)

39. Division – Divisions-General Marchand (8.134 Mann)

1. Brigade – Generalmajor Stockhorn
• Badisches Infanterie-Regiment Nr. 1 „von Stockhorn“ – 2. Bat. (14/664)
• Badisches Infanterie-Regiment Nr. 3 „Großherzog“ – 1. Bat. (15/729), 2. Bat. (14/709)
2. Brigade – Generalmajor Prinz Emil von Hessen
• Hessische Garde-Füsiliere – 1. Bat. (9/567), 2. Bat. (10/589)
• Hessische Leibfüsiliere – 1. Bat. (22/620), 2. Bat. (15/617)
• Hessische Leibgarde – 1. Bat. (16/620), 2. Bat. (14/607)
Brigade
• Infanterieregiment Großherzog von Frankfurt „Zweyer“ – 2. Bat. (16/660)
Artillerie
• Badische Fuß-Batterie (2/60 – 4 Kanonen)
• 1/2 Hessische Fuß-Batterie (1/115 – 3 Kanonen)
Kavallerie Brigade – Brigade-General Laboissière
• 10. (französische) Husaren Regiment – 4 Esk. (39/890)
• Badener Dragoner Regiment „von Frystedt“ – 3 Esk. (26/474)

Marschall Ney hatte mit seinem Korps die Aufgabe, die rechte Flanke des französischen Vormarsches zu decken. Während Napoleon mit seiner Armee von West nach Ost in Richtung Leipzig marschierte, wo er die Hauptstreitmacht der preußisch-russischen alliierten Truppen vermutete, wurden Ney’s Truppen überraschend von Süden angegriffen.

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Die Alliierten, die mit ihrer Armee die Elster an verschiedenen Punkten überschritten hatten, näherten sich dem Schlachtfeld in folgender Aufstellung. Das 1. Treffen bestand aus dem preußischen I Korps Blücher mit der Brigade Klüx und Zieten in der ersten Linie und die Brigade Röder in der zweite. Die Reservekavallerie Dolffs ging auf der linken Flanke in Position. Im 2. Treffen standen das russische I Korps Berg auf dem rechten und das preußische II Korps York auf dem linken Flügel. Im 3. Treffen, beim Dorf Domsen, schließlich das russische II Korps Wintzingerode. Die russische Hauptarmee bildete die Reserve. Oberbefehlshaber war der General der Kavallerie Graf Wittgenstein. Die Truppenstärke der Armee lag bei ungefähr 73.000 Mann, davon 50.000 Mann Infanterie, 17.000 Reiter (inkl. Kosaken) sowie 6.000 Mann Artillerie mit 400 Geschützen. Außerdem standen im Südwesten vom Schlachtfeld, bei Zeitz, das russische Korps Miloradowitsch, welches in Richtung Stössen vorgehen sollte (11.500 Mann). Im Nordosten hatte das preußisch-russische Korps Kleist in Leipzig Stellung bezogen (6.000 Mann).

Beispielhaft für die Armee der Alliierten ist nachfolgend die Struktur des preußischen I Korps aufgelistet, welches den Angriff einleitete und im Wesentlichen an den Kämpfen im Dörferviereck beteilig war. Das Korps bestand aus 22 Bataillonen, 43 Eskadronen und 13 1/2 Batterien. Leider konnte ich die Zahlen der einzelnen Truppenteile nicht im Detail finden:

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Aufstellung der Preußen südlich von Großgörschen: A – Brigade Klüx, B – Brigade Zieten, C – Brigade Röder / D – Brigade Horn, E – Brigade Hünerbein, F – Brigade Steinmetz / Q – Zwei preußische Batterien eröffnen das Gefecht bei Großgörschen / x – Monarchenhügel / G – Russische Division Berg, t – Russische Garde-Division und Garde-Husaren

Preußisches I Korps – General der Kavallerie Blücher (27.620 Mann)

Chef des Generalstabes: Gen.-Lt. von Scharnhorst
Gen. Quartiermeister: Gen.-Major von Gneisenau
Offiziere des Generalstabes: Oberst-Lt. Müffling, Major Grollmann, Major von Oppen, Major von Rüble, Adjutant Blüchers: Major Graf von Golz

Oberschlesische Brigade – Generalmajor von Zieten (7.293 Mann)

Infanterie Oberst von Pirch I. (6.096 Mann)
• Schlesisches Grenadier Bataillon (1) – Major von Glahn
• 1. Schlesische Infanterieregiment (3) – Major von Carnall
• 2. Schlesische Infanterieregiment (2) – Oberst von Losthin
• Schlesisches Schützen Bataillon (2 Kompanien) – Major von Streit
Kavallerie: Major Laroche von Starkenfels (724 Reiter)
• 1. Schlesisches Husaren Regiment (2 Esk.) – Major von Blücher
• 2. Schlesisches Husaren Regiment (2 Esk.) – Major von Blücher
• Schlesisches Ulanen Regiment (2 Esk.) – Major von Schmiedburg
Artillerie (474 Mann / ohne Russische Batterien)
• 6-pdr Fuß-Batterie Nr. 13 (8 Kanonen) – von Held
• 6-pfd. Fuß-Batterie Nr. 11 (8 Kanonen) – von Mandelsohe
• 1/2 12-pfd. Fuß-Batterie Nr. 3 (4 Kanonen)
• Reitende Batterie Nr. 9 (8 Kanonen) – von Tuschen
• Russische schwere Batterie Nr. 1 (12 Kanonen) – Oberst von Gluchow
• Russische schwere Batterie Nr. 33 (12 Kanonen) – Oberst von Milliaminow

Niederschlesische Brigade – Oberst and Flügeladjutant von Klüx (6.577 Mann)

Infanterie – Major von Jagow (5.446 Mann)
• Westpreußisches Grenadier Bataillon (1) – Major von Bornstedt
• 1. Westpreußisches Infanterieregiment (3)
• 2. Westpreußisches Infanterieregiment (2) – Major von Anhalt
• Schlesisches Schützen Bataillon (2 Kompanien) – Major von Streit
Kavallerie – Oberst von Mutius (664 Mann)
• Neumärkisches Dragoner Regiment (4) – Major von Bork
• 1. Westpreußisches Dragoner Regiment (2) – Oberst von Wuthenow
Artillerie (467 Mann / ohne Russische Batterien)
• 6-pfd. Fuß-Batterie Nr. 7 (8 Kanonen)
• 6-pfd. Fuß-Batterie Nr. 8 (8 Kanonen)
• Reitende Batterie Nr. 7 (8 Kanonen) – Richter
• Russische schwere Batterie Nr. 14 (12 Kanonen) – Oberst Staden

Brandenburgische Brigade – Generalmajor und Adjutant von Röder (9.134 Mann)

Infanterie – Oberstleutnant von Tippelskirch (7.906 Mann)
• Regiment Garde zu Fuß (3) – Major von Albensleben
• Normal Infanterie-Bataillon (1) – Major von Müffling
• Leibgrenadier-Bataillon (1) – Major von Bülow
• 1. Ostpreußisches Grenadier Bataillon (1) – Major von Natzmer
• 3. Bat. Leib Infanterie Regiment (1) – Major von Ledebur
• Garde Jäger-Battalion (1) – Major von Seidlitz
• Bataillon freiwilliger Jäger (1) – Major von Wedell
Kavallerie – Oberstleutnant Katzler (954 Reiter)
• Westpreußisches Ulanen Regiment (4) – Major von Schmeling
• Brandenburger Husaren Regiment (2) – Major von Hobe
• Brandenburger Ulanen Regiment (2) – Major von Stutterheim
Artillerie (482 Mann)
• 6-pfd. Garde Fuß-Batterie Nr. 4 (8 Kanonen) – Capit. von Lehmann
• 6-pfd. Fuß-Batterie Nr. 9 (8 Kanonen)
• Reitende Batterie Nr. 8 (8 Kanonen) – Cap. von Grevenitz

Reserve-Kavallerie – Oberst von Dolffs (3.681 Reiter)

Oberstleutnant von Werder
• Garde du Corps Regiment (4+1 Freiwillige Jäger Schwadron) – Major von Knobelsdorf
• Leichtes Garde Kavallerie Regiment (4 + 2 Freiwillige Jäger Schwadronen) – Major von Stössel
• Reitende Garde Batterie Nr. 4 (8 Kanonen) – Cap. von Willmann
Oberst von Jürgass
• Ostpreußisches Kürassier Regiment (4) – Oberst von Twardowsky
• Schlesisches Kürassier Regiment (4) – Obest von Leffel
• Brandenburger Kürassier Regiment (4) – Major Graf von Haak
• Reitende Batterie Nr. 10 (8 Kanonen) – Lt. von Schäffer
• Reitende Batterie Nr. 3 (8 Kanonen) – vom Korps York

Reserve Artillerie – Oberstleutnant Braun (714 Mann)
• 1/2 12-pfd. Fuß-Batterie Nr. 3 (4 Kanonen) – (s. Korps Zieten)
• Wagen-Park
• 1 Pionier Kompanie

Das Schlachtfeld

Die auffälligsten Geländemerkmale des Schlachtfeldes waren der Floßgraben, der von Norden kommend eine Bogen um die Dörfer Kaja und Kleingößen machte und das Schlachtfeld im Osten begrenzte, sowie im Westen der Grunabach, der dort eine Reihe von kleinen Dörfern miteinander verband. Im Zentrum des Schlachtfeldes lag das Dörferviereck Kleingörschen, Großgörschen, Kaja und Rahan. Innerhalb dieser vier Dörfer gab es einige Teiche, Abwassergräben sowie einen großen Baumbestand von Weiden und Erlen. Die Gegend war also für größerer Truppenverbände, Kavallerie und Artillerie recht schwer passierbar. Außerhalb der Dörfer war das Terrain offenes Ackerland. Im Westen lag das Dorf Starsiedel, im Osten, hinter dem Floßgraben die Ortschaft Eisdorf.

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Die Ereignisse

Um 11.30 Uhr begann der Vormarsch der Russisch-Preußischen Armee von Süden kommend. Erstes Ziel des Angriffes war Großgörschen, vor dem die Franzosen nach Sichtung des Feindes zwei Artillerie-Batterien aufgefahren hatten. 650 Meter südlich davon, auf einem Hügel stehend hatte die schwere russische Batterie Nr. 33 zusammen mit einer preußischen Batterie, also insgesamt 12 russische und 8 preußische Geschütze der Brigade Zieten, ihre Position eingenommen. Es folgte eine Kanonade, bei der 3 Geschütze der Franzosen unbrauchbar gemacht wurden und der Rest sich unter dem heftigen Feuer zurückziehen musste.

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Angriff der Gardefüsiliere.

Der neue Oberbefehlshaber der Verbündeten, der General Graf Wittgenstein erteilte Punkt 12 Uhr dem General Blücher den Angriffsbefehl mit den Worten: „Mit Gottes Hilfe vorwärts!“ Nun rückte die preußische Brigade Klüx auf Großgörschen vor und vertrieb die französische Division Souham, welche auf das Dorf Kaja zurückfiel. Die preußische Reservekavallerie des Oberst Dolffs griff die Flüchtenden an, wurde aber von Kartäschenfeuer aus Richtung Kaja empfangen und musste zurückweichen. Die Division Souham, durch die Divisionen Brenier und Ricard verstärkt, ging zum Gegenangriff vor. Während die Brigade Klüx von Großgörschen das Dorf Rahna eroberte, schickte Blücher die Brigade Zieten ins Gefecht. Dieser Truppenverband umging Großgörschen und erstürmte das Dorf Kleingörschen. Ein heftiger Kampf tobte nun in und zwischen den Ortschaften, wobei die Gebäude nach und nach Feuer fingen und schon bald alle Dörfer in Flammen standen.

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Das 2. Westpreußische Infanterie Regiment beim Sturm auf Großgörschen.

Unterdessen näherte sich die preußische Reserve-Kavallerie Starsiedel, wo die Division Girad positioniert war. Zunächst kam es hier nur zu einem Artillerie-Duell, dann rückten einige französische Bataillone und etwas Kavallerie vor. Prinz Wilhelm von Preußen setzte sich daraufhin an die Spitze der Brandenburger Kürassiere und warf einige der französischen Bataillone zurück nach Starsiedel. Doch ohne weitere Unterstützung kam der Angriff bald zum Erliegen und die Preußen mussten zurück.

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Prinz Wilhelm bei Großgörschen am 2.Mai 1813 / Während der Oberjäger Wimmel tödlich verwundet von seinem Pferd sink, erhebt sich Prinz Wilhelm von Preußen (Bildmitte), Bruder des preußischen Königs und Führer der Reservekavallerie, von seinem gestürzten Pferd.

Durch weitere Verstärkungen gelang es den Franzosen Kleingörschen und Rahna zurückzuerobern. Doch kaum war dieser Erfolg erreicht, wurde der preußischen Garde-Brigade Röder der Angriff auf Kleingörschen und Eisdorf befohlen, wodurch die Franzosen erneut auf Kaja zurückgedrängt wurden. Blücher ließ das Garde-Füsilierbataillon das Dorf Rahna umgehen und das Kaja direkt angreifen. Als der König das todesverachtende Vorgehen seiner Garden sah, rief er aus: „Nun mag es in Gottes Namen werden wie es will, ein Auerstädt wird es nicht.“

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Das I. Garderegiment zu Fuß im Sturm auf Großgörschen am 2.Mai 1813.

Um 14 Uhr erreichten fast zeitgleich das französische VI Korps Marmont Starsiedel und Napoleon das Dorf Kaja, in welches schon die ersten preußischen Truppen eindrangen. Doch angefeuert durch das persönliche Erscheinen Napoleons, gelang es der Division Ricard die Preußen aus Kaja zu vertreiben und den Kampf erneut in die Dörfer Rahna und Kleingörschen zu tragen. Nun wogte die Schlacht hin und her und die Dörfer fielen von einer Hand in die andere.

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Angelehnt an den Grunabach betraten die ersten russischen Truppen das Schlachtfeld. Es war die Kavallerie des II. russischen Korps Wintzingerode, gefolgt von der Infanterie desselben Korps. Die Kavallerie setzte sich links neben die preußische Reserve-Kavallerie und bildete so eine Linie. Vor der Kavallerie gingen mehr als 40 Kanonen in Stellung und eröffneten das Feuer. Es folgte der Angriff zweier russischer Kavallerie-Regimenter. Doch als der Feind schließlich zurückging und einige Geschütze erbeutet waren, wurde die kurze Offensive auf der linke Flanke wieder eingestellt und man begnügte sich mit einer defensiven Rolle.

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Truppen auf der westlichen Seite des Schlachtfeldes: Franzosen = O – Division Girard, b – Division Morand vom IV. Korps, U – drei französische Bataillone, von Husaren begleitet, rücken aus Starsiedel vor Alliierte = V – Prinz Wilhelm von Preußen wirft den französischen Angriff, an der Spitze der brandenburgischen Kürassiere, zurück, H – Preußische Reserve Kavallerie Dolffs, h – Russische Kavallerie des General Winzingerode, z – russische leichte Garde-Kavallerie und Russische Kürrasiere

Um 16 Uhr am Nachmittag wurden das preußische Korps York und das russische Korps Berg aktiviert. Sie sollten in das Dörferviereck im Zentrum geschickt werden. Im Kampf um diese Ortschaften wollten die Alliierten offensichtlich eine Entscheidung erzwingen. Das Korps Berg leitete man jedoch in Richtung Starsiedel um, weil dort immer noch die Truppen des Korps Marmont aufmarschierten. Zu diesem Zeitpunkt befand sich nur noch Großgörschen in den Händen der Verbündeten, weshalb York nun die Brigade Hühnerbein gegen Kleingörschen vorgehen ließ, welches zurückerobert werden konnte. Zur gleichen Zeit gelang es der Brigade Horn das Dorf Rahna zu nehmen und wieder waren 3 der 4 Dörfer im Besitz der Preußen.

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Das 1. Garde-Regiment zu Fuß bei Größgörschen.

Um 17 Uhr erreichten die ersten Einheiten des französischen Korps Bertrand das Schlachtfeld. Sie hatten den Grunabach überschritten und drohten nun die Kavallerie Wintzingerodes auszuflankieren. Auf der östlichen Seite des Schlachtfeldes traf die Spitze des französischen Korps Macdonald in Eisdorf ein. Um der Umklammerung des Korps Bertrand auf der linken Flanke entgegenzuwirken, rückten die zwei Divisionen leichte russische Garde-Kavallerie und zwei Divisionen Russische Kürrasiere vor. Auf der rechten Flanke geht die russische Infanterie des Prinzen Eugen von Württemberg in Richtung Eisdorf vor. Dieses Korps soll dort den Floßgraben überqueren, so das Dörferviereck umgehen und Kaja von Norden her angreifen. Dieses Manöver scheitert allerdings an den französischen Truppen des XI. Korps MacDonald, die wie erwähnt aus Markranstädt heranmarschierten.

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Die Junge Garde rückt vor.

Um 18 Uhr beginnt der Kampf um Eisdorf. Wie schon zuvor in den anderen Ortschaften entwickelt sich hier ein heftiges Dorfgefecht, hier nun zwischen Russen und Franzosen. Auf französischer Seite treffen weiter Verstärkungen ein. So kann die Division Marchand, die bisher von Ney zur Absicherung in Richtung Meuchen abkommandiert worden war, Kleingörschen zurückerobern. Zu dieser Zeit wird Blücher verwundet und York muss den Oberbefehl über die preußischen Truppen übernehmen. Das schwache Zentrum der Franzosen wird schließlich auf Befehl von Napoleon durch die 16 Bataillone der Jungen Garde verstärkt. Nun hatte sich das Blatt deutlich gewendet. Der bisherigen Übermacht der Alliierten stehen nun stärkere französische Kräfte gegenüber. Der Vorstoß der Junge Garde wurde zusätzlich mit 80 – Geschützen der Garde unterstützt, die von 6 Bataillonen der alten Garde und der Garde Kavaliere gedeckt wurden. Bis zum Einbruch der Nacht können die Franzosen bis auf Großgörschen, das von den preußischen Gardejägern gehalten wird, alle Dörfer zurückerobern.

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Napoleon bei Großgörschen.

Trotz des Sieges der Franzosen hatten diese rund 20.000 Tote und Verwundete zu beklagen, während die Verluste der Alliierten sich „nur“ auf rund die Hälfte, also 12.00 Mann beliefen. Zu den prominentesten Verlusten zählten der Prinz Leopold von Hessen-Homburg der in Schlacht getötet wurde und Gerhard von Scharnhorst, der am Knie eine Schussverletzung erlitt, welcher er acht Wochen später wegen unzureichender Behandlung erlag.

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Die Verwundeten von Großgörschen ziehen in Leipzig ein.

8 Kommentare zu “Großgörschen 1813 – Teil 1 / Die Ereignisse”

  1. Guter Beitrag, obwohl nicht alle aufgeführten Details stimmen. Insbesondere die Verluste auf beiden Seiten sind nach Abgleich aller preußischen, russischen, französischen, italienischen, badischen und hessischen Quellen sowie die Berichte der Stadtschreiber und Pfarrer über die extrem großen Verwundetentransporte der Russen und Preußen bei ihrem Rückzug durch Sachsen, nicht realistisch.

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    1. Danke für den Kommentar. Die Zahlen und selbst die Schilderung der Ereignisse werde ich wohl noch hier und da korrigieren. Leider sind die Angaben in den schriftlichen Quellen (die ich gefunden habe) dermaßen unklar und widersprüchlich, dass ich mich oft für eine Variante entscheiden musste. Falls jemand noch einen heißen Tipp zu einer guten (verlässlichen) schriftlichen Quelle / Beschreibung / Ausarbeitung zur Schlacht hat, dann wäre ich sehr dankbar.

      Das Ganze dient der übrigens zur Vorbereitung auf ein TableTop-Spiel und wird vermutlich im Herbst weitergeführt.

      PS: Woher die Kartenausschnitte stammen, konnte ich immer noch nicht ermitteln, da der Bekannte die Bilder auch nur von einem anderen Kollegen bezogen hat 

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  2. Die Karten sind als Originale und teilweise als digitale Kopien in meinem Archiv. Es fehlen noch die russischen Karten vom 1. Mai, 2. Mai und 3. Mai 1813 sowie die Karte aus der königlich sächsischen Sammlung der Meilenblätter über die 4 Dörfer incl. Starsiedel und Eisdorf.
    Hinzu kommt noch die französische Karte nach A. Thiers
    Bei den gezeigten Kartenausschnitten (Preußen – Friedrich, Sachsen-Weimar – Wagner) handelt es sich um allseits bekannte Kartenquellen.
    Napoleon benutzte über seinen sächsischen Adjudanten v. Odeleben einen Kartensatz der Sächsischen Meilenblätter sowie Spezialkarten von Sachsen seines Chefgeographen Louis-A.G. Bacler d`Albe.

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  3. Übrigens liegen die Dörfer Kaja, Rahna, Kleingörschen, Großgörschen, Starsiedel, Rippach und die Stadt Lützen sowie Weißenfels in Sachsen-Anhalt.
    Die Dörfer Eisdorf und Kitzen und die Stadt Pegau befinden sich hingegen in Sachsen. Bis 1815 war das alles Teil des Königreiches Sachsen.

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  4. Die Verwundeten der Armee Napoleons (ca. 13000) wurden zu rund 2/3 von Lützen nach Weißenfels, Naumburg, Weimar sowie nach Erfurt gebracht. In der Folgezeit kamen viele Transportfähige von Erfurt nach Mainz und nach Frankreich. Nach Leipzig kamen 1/3 Franzosen ab dem 4. Mai in die dortigen 5 großen Hospitäler.
    Von den Russen und Preußen kamen keine Verwundeten nach Leipzig. Diese transportierte man mittels armeeeigenen und von sächsischen Bauern, Gütern und Vorwerken vor der Schlacht konfiszierten Pferdewagen und Ochsenkarren (geschätze 700 bis 800 Wagen) über drei Rückzugswege nach Dresden und dann weiter nach Schlesien und teilweise nach Böhmen. Das letzte Bild zeigt preußische Verwundete in einer schlesischen Stadt (katholische Säule). Insgesamt werden die preußischen Schlachtfeldtoten und Schwerverwundeten auf ca. 4.700 und die russischen auf ca. 1.800 Mann geschätzt. Weitere ca. 9000 Mann wurden mittels Transportwagen nach Dresden verbracht. Also Gesamtverluste der Russen und Preußen liegen seriös bei etwa 15 bis 16000 Mann. Hinzu kommen in den Etappenorten zurückgelassene oder abgelegte Verwundete von etwa 600 Mann. Außerdem gab es durch die Rückzugsgefechte bei den Russen (Korps Miloradowitsch) in den Orten Ostrau, Frohburg, Rochlitz, Gersdorf, Waldheim, Etzdorf, Nossen, Tannenberg und Dresden ca. 2000 Mann an Verlusten und bei den Preußen (Brigade Steinmetz) in den Orten Pegau, Groitzsch, Lobstädt, Borna, Lausick, Colditz und Gersdorf ca. 500 Mann an Verlusten.

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