Die Hicks Pascha Expedition – Teil 1

Einleitung

Nach den katastrophalen Ereignissen in Kordofan und der Eroberung der Hauptstadt El Obeid durch die Anhänger des Mahdi, wendete sich die ägyptische Regierung und der sudanesische General-Gouverneur Abd el Kader mit der dringenden Bitte an Großbritannien, militärische Hilfe zu senden. Doch die englische Regierung, der in erste Linie an der Sicherung von Ägypten und des Suezkanals gelegen war, erkannte zu diesem Zeitpunkt nicht die Gefahr, die von dem sich ausbreitendem Aufstand ausging. In Folge dessen umging der Khedive von Ägypten die offiziellen englischen Autoritäten und sicherte sich die privaten Dienste eines pensionierten englischen Militärs. Es handelte sich um den 53-jährigen Colonel William Hicks, der zusammen mit einem Generalstab von sieben europäischen Offizieren in den Sudan geschickt werden sollte.

Hicks Pascha

William Hicks, geboren im Jahr 1830, trat 1849 als Fähnrich in das Heer der Britischen Ostindien-Kompanie ein. 1857 kämpfte er im indischen Sepoy-Aufstand. Nach der Auflösung der Armee der Ostindien-Kompanie diente Hicks in der British Indian Army. Mit dieser nahm er 1867/68 an der Expedition von Robert Cornelis Napier nach Abessinien teil. Dort diente er als Hauptmann im Stab der 2. Brigade. 1875 wurde er zum Oberstleutnant und bei seiner Pensionierung im Jahr 1880 ehrenhalber zum Oberst befördert. Als William Hicks im Januar 1883 in ägyptische Dienste eintritt, erhält er den Rang eines Fariq und den Titel Pascha, was dem europäischen Dienstgrad eines General-Leutnants entspricht.

Hintere Reihe von links nach rechts: Massey, Farquhar, Warner, Brady, Evans und Forsestier Walker. Untere Reihe von links nach rechts: Colborne, Martin, Hicks, Coetlogon,

Neben Hicks werden weitere europäische Offiziere verpflichtet. Chef des Generalstabes ist Major Arthur Farquhar, ein ehemaliger Offizier der Grenadier Guards. Hinzu kommen Oberst-Leutnant John Colborne, einst Offizier der King’s Royal Rifles sowie Oberst De Coetlogon und Hauptmann Forrestier-Walker. Zu den weiteren europäischen Offizieren gehörten Major Baron Götz von Seckendorff, ein Deutscher, Hauptmann Massey vom Middlesex Regiment, der britische Hauptmann (ehrenhalber) Edward Baldwin Evans, übrigens der einzige Europäer, der Arabisch sprechen konnte, Hauptmann Warner vom britischen Suffolk Regiment und der österreichische Hauptmann Herlth sowie Hauptmann Matyuga (Kroate oder Österreicher) und Leutnant Moritz Brody, ein früherer Stabswachtmeister der berittenen britischen Artillerie. Zu nennen sind noch die beiden Doktoren, der Generalarzt Georghis Dimitrious Douloughlu (Grieche) und Stabsarzt Rosenberg (Deutscher), sowie die irische Zeitungskorrespondenten O’Donovan von der Daily News und Frank Vizetelly vom The Graphic. Da die Offiziere keine Zeit hatten sich neue Ägyptische Uniformen schneidern zu lassen, verwendete man den in Kairo eingelagerten Grey Serge bzw. Karkee Uniformjacke der britischen Armee und bestickte diese mit den goldenen Rangabzeichen der Ägyptischen Armee. Obwohl zu offizielle Anlässen der Tarboosh getragen wird, verwenden die meisten Offiziere den britischen Foreign Service Helmet mit Pugaree im Feld. Dazu werden Reithosen und Stiefel verwendet.

Hicks Pascha und sein Generalstab treffen in Suakin ein.

Am 7. Februar 1883 fährt Hicks Pascha und sein Generalstab von Kairo nach Suez und nehmen dort ein Schiff nach Suakin. Von hier aus geht es am 11. Februar mit 145 Kamelen weiter nach Berber, welches am 1. März erreicht wird. Begleitet werden die Offiziere von 100 Soldaten und 350 albanische und rumänischen Bashi Bazouk. Colborne beschreibt die bunte Truppe der Bashi Bazouk in seinen Aufzeichungen: „…davor saßen, in ihren unterschiedlichen Kostümen, die Männer, faulenzten oder standen in Gruppen zusammen, einige mit vielfarbigen Speerquasten, die von ihren Schulter hingen. Andere hatten weiße Turbane um ihren Tarboosh gebunden. Wieder andere hatten die leinenen Falten ihres Burnus über den Kopf geworfen. Einige hatte niedliche bestickte Westen, wie sie in ihrer albanischen und rumänischen Heimat getragen wurden. Andere Anatolische Dandys wetteiferten mit den letztgenannten durch ihre regenbogenfarbenen Schärpen, welche von blutroten und lederfarbenen, geprägten Gürteln um die Lenden gehalten wurden und die Patronen, Silber beschlagene Pistolen, mörderische Messer und Taschen mit ihren Habseligkeiten enthielten. Viele trugen lange Kaftane aus Seide und viele der Albaner Knickerbocker-Hosen, welche die Knie frei ließen, und rund um die Waden und Schienbeine reich bestickten Gamaschen, eng um den Knöchel gebunden, an den nackten Füßen Sandalen. Herausfordernd vor dem Zelt des Kommandeurs in den Boden gerammt, wehte ihre grüne Standarte, neben der eine Wache mit aufgepflanztem Bajonett stand“.

Hicks Pascha und sein Generalstab verlassen Suakin in Richtung Berber.

In Khartoum bemerkt Colborne, dass die Bashi Bazouk die Einwohner der Stadt terrorisieren. Sie bezahlen kaum für Waren, Essen und Nahrung, sondern nehmen sich, was sie benötigen und halten den Händlern und Kaufleuten dabei drohend ihre Pistolen an den Kopf. Er erfährt auch, dass kaum einer der 700 Bashi Bazouk nicht schon als Mörder oder Dieb angeklagt worden war. Von Berber nimmt man schließlich ein Schiff nach Khartoum, welches am 4. Marz 1883 die Stadt erreicht. Hier in Khartoum beginnen Hicks und seine Offiziere damit, ihre Armee zu versammeln und auszubilden.

Ägyptische Truppe auf dem Weg stromaufwärts nach Khartoum.

Da die ägyptische Armee nach dem Urabi-Aufstand aufgelöst worden war und die neu aufgestellten Truppen unter dem britischen Sirdar (Oberbefehlshaber) Evelyn Wood nur 6.000 Mann stark und kaum einsatzfähig waren, mussten 10.000 Mann der Armee Urabis reaktiviert werden. Also Truppen, die bis vor kurzem noch gegen die ägyptische Regierung und Großbritannien gekämpft hatten. Im Frühjahr 1883 wurden diese Männer und alle sonst verfügbaren ägyptischen Truppen unter Suliman Niazi Pascha nach Khartoum verfrachtet. Der Unwille der Mannschaften war jedoch so groß, dass sie in Ketten zum Sammelplatz bei Kairo geführt und aus Sicherheitsgründen die Gewehre und Munition separat nach Suakin verfrachtet wurden. Zusammen mit Hicks Pasha treffen schließlich 7.000 Mann regulärer Infanterie, 600 Kavalleristen und 2 Batterien Artillerie, mit insgesamt 14 Geschützen in Khartoum ein. Später erhält die Truppe durch Valentine Baker Pascha Verstärkungen aus Suakin in Form von 600 Infanteristen, 600 irregulären Reitern und 1.800 sogenannten “alten” Soldaten. Zu der Armee gehören auch 100 schwere Reiter in Kettenpanzern und Helmen, bei denen es sich vermutlich um die Zirkhagi des Khediven handelt.

Die Truppentypen der Soudan Field Force (von links nach rechts): Albanischer Bashi Bazouk (Infanterie), Kurde (Kavallerie), Einheimischer Sudanese der regulären Infanterie, Bosnischer Bashi Bazouk, Syrischer Bashi Bazouk, Schwere Ägyptische Kavallerie, Griechischer Bashi Bazouk aus den türkischen Provinzen, Fellache oder Reguläre Ägyptische Infanterie, Shaiqi des Dromedar-Kundschafter Korps, Shaiqi oder Araber aus der Gegend von Shendi und  Dongola.

In den ersten 3 Wochen nach Ankunft der Truppen in Khartoum werden die unerfahrenen Soldaten ausgebildet. Man muss den Männern vor allem den Umgang mit ihren Gewehren beibringen. Nach den 3 Wochen stößt Hauptmann Forestier-Walker zur Truppe. Er hatte zunächst in Kairo Männer an den für die sudanesische Armee bisher unbekannten Repetiergeschützen ausgebildet. Doch selbst nach der Ausbildung erweisen sich die Geschützbedienungen als völlig unfähig. Bei einer ersten Vorführung in Khartoum haben sie nicht die leiseste Ahnung, wie die Repetiergeschütze geladen werden, wie man mit ihnen zielt oder wie man die Munition wieder entfernen kann. General Hick schreit ärgerlich, „dass er so eine schändliche Sache noch nie zuvor in seinem Leben gesehen hat!“. Schon 3 Tage später fällt Forestier-Walker einem Sonnenstich zum Opfer und muss zurück nach Kairo. Später nimmt er im Ostsudan an der ersten Schlacht von El Teb teil, in dessen Verlauf er getötet wird.

Diese interessante Karte zeigt das Telegrafenleitungssystem, welches die Orte und Garnisonen im Sudan miteinander verband.

Der erste Aufstand in Sennar

Bereits am 6. April 1882 traf in Khartoum eine Nachricht von Hussein Bey Schukri, dem Mudir von Sennar ein, dass die Stadt von mehreren tausend Baggara bedroht wird. Die Baggara standen unter dem Befehl des Sheikh Ahmad al-Makashfi. Natürlich war man in der Hauptstadt im höchsten Maße alarmiert, da man bisher geglaubt hatte, dass sich der Aufstand nur in der Provinz Kordofan ausgebreitet hatte. Der Mudir von Sennar holte sich von Giegler Pascha, dem derzeitigem General-Gouverneur des Sudan telegrafisch die Erlaubnis mit seinen Garnisonstruppen den Feind angreifen zu dürfen. Doch der Ausfall gegen die Baggara war ein Desaster, die Regierungstruppen wurden geschlagen, die Aufständischen drangen in die Stadt ein und richteten dort ein Blutbad an. Neben den Einwohner der Stadt wurden auch 14 ausländische Kaufleute, 9 Offiziere und 100 Soldaten getötet. Nur die Mudirie, das Regierungsgebäude und die Kaserne konnte von den Soldaten, die von den Dächern der Gebäude auf die Baggara schossen, gehalten werden. Man rettete das Archiv, Geld und andere Wertgegenstände in die Kaserne und verschanzte sich dort. Dank des pflichtbewussten Telegrafenbeamten, der bis zur letzten Minute über die Ereignisse in der Stadt berichtete, wurde Khartoum ständig über die aktuelle Lage unterrichtet. Doch schließlich wurde auch das Telegrafenamt von den Baggara gestürmt und der Apparat zerstört.

Giegler Pascha beordert sofort 6 Kompanien regulärer Truppen aus Kallabat nach Abu Harras am Blauen Nil. Zusätzlich wird ein Korps von Bashi Bazouk unter dem Kommmado des Sandshak Yussuf el Melek, eine Truppe irregulärer Soldaten aus Kawa und 270 Shaiqia unter Sandschak Salah Aga el Mek in Richtung Sennar in Marsch gesetzt. Am 15. April fährt Giegler Pascha persönlich mit 2 Dampfschiffen und 200 Soldaten von Khartoum nach Sennar. Unterdessen muss die Stadt Karkog, 95 Kilometer oberhalb von Sennar kapitulieren und nördlich von Abu Harras ruft der Sherif Mohamed Taba zum Aufstand gegen die Regierung auf. Daraufhin lässt Giegler Pascha seine Schiffe halten, schickt 8 Soldaten aus und fordert den Sherifen auf, sich zu ergeben. Die Soldaten werden jedoch getötet. Nun marschiert Yussuf Aga el Melek mit 100 Mann und 50 Shaiqia vor das Dorf, um den Sherif Mohamed Taba mit Gewalt festzunehmen. Doch auch diese Truppe wurde durch eine wütende Menge überwältigt und Yussuf Aga mit Steinen erschlagen. Giegler Pascha ließ seine Schiffe bei Abu Harras vor Anker gehen und wartete dort auf Verstärkungen aus Kallabat, die er, wie schon erwähnt, bereits in Marsch gesetzt hatte. Als diese und 2.500 Verbündete, großenteils berittene Kämpfer der Schukuri am 4. Mai 1882 eintreffen, geht er erneut gegen den Scherif Mohamed Taba vor.

Auad el Kerim, der Groß-Sheik der Schukuri.

Die regulären Truppen aus Kalabat nahmen Aufstellung vor dem Dorf der Aufständischen, hinter ihnen postierten sich die Lanzenreiter der Schukuri. Der Sherif Mohamed Taba kam daraufhin mit hunderten seiner Anhänger aus dem Ort gestürmt. Obwohl die Aufständischen durch das Gewehrfeuer der Regierungstruppe zu Dutzenden niederstreckt wurden, blieb Mohamed Taba zunächst unverletzt. Schon glaubten die Soldaten an einen übermenschlichen Zauber, doch da stolperte das Pferd des Sherifen über eine der viele Leichen und eine Kugel durchschlug seinen Kopf. Nun gerieten die Aufständischen in Panik und wurden ohne Gnade von den Soldaten niedergemacht. Obwohl Giegler Pascha versuchte ein Massaker zu verhindern, wurden auch Frauen und Kinder nicht geschont und mehr als 800 Einwohner des Dorfes getötet. Anschließend fuhren die Schiffe mit Giegler Pascha und den Truppen weiter nach Sennar, das sie jedoch schon befreit vorfanden. Unterdessen hatte sich nämlich das Kampfesglück in Sennar zu Gunsten der Garnisonstruppen gewendet. Der Anführer der Angreifer wurde verwundet und in der folgenden Kampfpause konnten sich alle Soldaten und Zivilisten in der Kaserne verschanzen und vom Dach aus die Aufständischen durch ständiges Gewehrfeuer auf Distanz halten. Die Belagerung dauerte noch weitere 7 Tagen, während derer sich Tausende weiterer Kämpfer den Aufständischen anschlossen. Für die Eingeschlossenen bestand kaum noch Hoffnung, als plötzlich Salah Aga mit seinem Trupp Shaiqia vor den Toren der Stadt auftauchte. Dieser konnte die Ansari täuschen und so seine Truppe dicht heranführen und ein Karree bilden. Nun ließ er das Feuer eröffnen. Vom Morgen bis zum Nachmittag bestürmten die Ansari die Formation, jedoch konnten sie die Reihen nicht durchbrechen und wurden zu Hunderten niedergeschossen. Kurz bevor den Soldaten die Munition ausging, zogen sich die feindlichen Belagerer zurück und Sennar war gerettet.

Die Stadt Sennar am Blauen Nil.

Die aus Kalabat eingetroffenen Truppen unter dem Kommando von Ali Raschef verfolgten schließlich zusammen mit den Schukuri die Aufständischen über Sennar hinaus. Beim Dorf Teko wurde Ahmad al-Makashfi, der einige tausend Ansar um sich geschart hatte, von den Regierungstruppen geschlagen und die Aufständischen verstreuten sich, womit zunächst in der Provinz Sennar Ruhe einkehrte.

Der zweite Aufstand in Sennar

Ein Jahr später kommt es zu erneuten Aufständen. In der Gegend südöstlich von Khartoum, zwischen dem Weißen und Blauen Nil, Jazira (Gezira) genannt, haben sich wider 7.000 Ansari unter dem gefürchteten Ahmad al-Makashfi gesammelt, um einen zweiten Überfall auf Sennar durchzuführen. Zu dieser Zeit wird der General Gouverneur Ad el Kader durch einen neuen Mann mit Namen Ala al Din Pascha Siddiq, einem türkischen Kavallerieoffizier, ersetzt. Von Khartoum aus fährt am 31. März 1883 zunächst Oberst Colborne mit einem Dampfer, beladen mit 180 ägyptischen Soldaten, 2 Kähnen mit Pferden im Schlepptau sowie 9 merkebs, sudanesischen Segelschiffen, mit weiteren Soldaten nach Kawa. Die kleine Stadt am Nil wird zu dieser Zeit von Hussain Pascha Mazhar kommandiert. Zusammen mit Colborne’s Männern sind hier jetzt 5 Bataillone Infanterie, rund 3.000 Mann stationiert. Für den geplanten Gegenschlag sammelt die Regierung weitere Truppen. Am 6. April 1883 vereinigt der neue sudanesische General-Gouverneur seine Truppen mit den Männer von Oberst Colborne und Hicks Pascha, der nun ebenfalls Kawa erreicht hat. Die kleine Armee soll eine Stärke von rund 5.000 Mann gehabt haben. Hinzu kamen 5 Kanonen und 2 Nordenfeldt Repetiergeschütze. Eingesetzt wurden außerdem die Flussdampfer Ismailia, Shebeen, Tewfikia, Bordein, Fasha (mit einer 7-Pfünder Kanone bestückt), Tell Hewein und Safia. Den Oberbefehl hatten man Suleiman Pascha übertragen, da man in diesem religiösen Krieg keinen Christen als Kommandeur einsetzten wollte.

Die kleine Flotte der merkebs auf dem Weißen Nil in Richtung Kawa. Ganz unten und rechts oben sind die Befestigungen vorn Kawa zu sehen. Im kleinen Kreisbild ist die Garnison von Duem abgebildet.

Am 10. April fährt Hicks Pascha mit einer Vorausabteilung und dem Flussdampfer Bordein in Richtung Abu Zed. Mittlerweile haben sich die Aufständischen, deren Stärke auf 20.000 Kämpfer der Baggara gestiegen war, beim Berg Jebel Ain versammelt. Durch einen Überraschungsangriff von 200 Bashi Bazouk auf einem Dampfer, kann das durch eine Festung gut verteidigte Abu Zed erobert werden. Unter Zurücklassung von 1.000 Mann in Kawa rückt nun auch Suleiman Pascha am 24. April auf dem Landweg entlang des Flusses vor. Die Hauptarmee besteht aus 4 ½ Bataillonen Infanterie, einem Kontingent Bashi Bazouks und 4 Nordenfeld-Repetiergeschützen. Die Truppe marschiert ständig in Karree-Formation und so können pro Tag nur 10 Kilometer zurückgelegt werden.

Hicks Expedition 43

Die Armee verlässt im Morgengrauen ihr befestigtes Lager.

Hicks Pascha lässt sich am 25. April mit seinem Dampfer auf die Hauptarmee zurückfallen, da er erfährt, dass der Angriff der Aufständischen unmittelbar bevorsteht. Hauptmann Massey kommt mit der Nachricht ins Lager, das mehr als 30.000 Ansar anrücken. Am nächsten Tag tauchen 1.000 feindliche Reiter auf, die durch den Einsatz der Geschütze vertrieben werden können. Nun werden Bashi Bazouk zu Zwecken der Aufklärung an der Spitze der Armee beordert.

Die Armee im Kampf gegen feindliche Baggara.

Am 29. April 1883 kommt es schließlich bei Marabia bzw. Marabieh, an einem Nilarm östlich der Insel Aba gelegen, zum Kampf mit den Truppen des Ahmad al-Makashfi. Als 4.000 bis 5.000 Aufständischen anrücken, bilden die Regierungstruppe ein großes Karree und streuen eiserne Krähenfüße aus, um den Ansturm der Angreifer zu erschweren. Sie haben außerdem noch Zeit Schussmarkierungen im Abstand von 100 Metern anzulegen. Der Feind muss fast 800 Meter offenes Gelände überqueren und Hicks hat die Geschütze und einige Raketengestelle vor der Front der Formation in Stellung bringen lassen, welche die Schlacht mit ihrem Feuer eröffnen. Der englische Korrespondent Edmond O’Donovan der Daily News schrieb dazu folgenden Bericht: „Tausend Schritt vor unserer Front und zu unserer Rechten befand sich ein Wald, aus dem plötzlich Tausende von lanzentragenden Reitern unter Führung ihrer bunte Standarte schwingenden Hauptleute hervorbrachen. Wir hatten eben nur Zeit, stehen zu bleiben und ein Karree zu bilden. Unsere Truppen eröffneten sofort ein furchtbares Feuer, das jedoch ohne Wirkung zu bleiben schien, denn der Feind sprengte mutig gegen uns vor. Als er jedoch auf 500 Schritte herangekommen war, begannen sich seine Reihen sichtlich zu lichten. Ruhig und ohne alle Furcht umschwärmten uns die arabischen Reiter, um einen schwachen Punkt auszuspähen, wo sie in unsere geschlossenen Reihen brechen und uns vernichten könnten. Ihr Mut war vergeblich. Einer nach dem anderen wurde auf den Sand gestreckt. Nachdem das Gewehrprasseln und der Donner der Geschütze eine halbe Stunde gewährt hatten, finden die Reihen der Angreifer, die ihre Führer gefallen und ihre Banner im Staube sahen, zu wanken an, was mit einem jubelnden Aufschrei unserer Truppen begrüßt wurde, welche fest auf ihrem Platze gestanden waren und sich kaltblütig gehalten hatten. Der Feind verlor sich im hohen Grase zu unserer Rechten, und unsere Front war frei. Wir sandten ihm Kugeln nach, die in seinen Reihen platzen. Bald war der Feind außer Sicht; nur einige Versprengte irrten umher und stürzten sich einzeln gegen unsere Reihen, dem sicheren Tod in die Arme. Als sich der Rauch verzogen hatte, sahen wir den Boden mit Leichen bedeckt. Der Sieg war unser. Die ägyptischen Offiziere kamen auf uns zu und schüttelten uns die Hände.“

Die Schlacht von Marabia.

Insgesamt zwölf bedeutende Anführer aus der Region Sennar und Kordofan sowie 300 bis 500 Ansari sind gefallen. Die demoralisierten Aufständischen ziehen sich zurück, gefolgt von den Regierungstruppen. Hicks Pascha unternimmt nun einen Vorstoß zur Insel Abba, dort wo der Mahdi-Aufstand seinen Anfang genommen hatte. Hicks lässt auf der Insel das Dorf des Mahdi durch 50 Bashi Bazouks niederbrennen und zerstören. Mit dieser Aktion ist die Gegend von Sennar und Khartoum zunächst gesichert. Doch der Khedive von Ägypten forderte nun die Rückeroberung von Kordofan.

2 Kommentare zu “Die Hicks Pascha Expedition – Teil 1”

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