Meine Science-Fiction Origin-Story – Teil 1

Nachdem ich vor einigen Wochen schon meine Kindheit der wilden Figuren-70er Jahre aufgearbeitet habe, will ich nun einen Blick zurück auf meine ersten Erlebnisse mit dem Genre Science-Fiction werfen. Man muss wirklich sagen, dass diese Thema in den Kinderzimmer von Deutschland Anfang der 70er noch in den Kinderschuhen steckte, dennoch gab es einige Perlen, die bis heute ihren Glanz nicht verloren haben. Einige dieser alten Geschichten sind echte Klassiker geworden, andere sind fast vergessen. Besteigen wir also die einzige reale Zeitmaschine, unser bzw. mein Gedächtnis und reisen zurück durch Zeit und Raum.

Syn-Steak Z-7

Ich kann mich noch exakt an den Moment des Jahres 1976 erinnern, als ich die magische Hörspiel-Kassette von Commander Perkins das erste Mal in meinen Recorder geschoben habe. Ich erfuhr von der Mondbasis Delta-4, dem Dimensionsbrecher und reiste zu den geheimnisvollen Welten des Planeten Wega.

Die Story des sogenannten Weganer-Sechsteilers war und ist auch heute noch spannend und überzeugend. Es geht um den ersten Kontakt zu einer völlig fremden Kultur auf einem anderen Planeten und um das Thema „Reisen durch Zeit und Raum“,  also den 3 Grundpfeilern des SF-Genres. Geschichten, die sich um das Reisen mit stationären Maschinen durch Zeit und Raum drehen, waren natürlich auch damals nichts Neues. Mit „Die Zeitmaschine“ von H.G. Wells aus dem Jahr 1895 wurde der Grundstein für dieses SF-Genre gelegt und danach dutzendfach wiederholt oder neu interpretiert. Der „erste Kontakt“ wurde ebenfalls von H.G. Wells  mit „Der Krieg der Welten“ hergestellt. An dieser Stelle sei das SF-Hörspielereignis dieses Romans von 1938 erwähnt, Das Hörspiel führte Zeitungsberichten zufolge zu heftigen Reaktionen bei Teilen der US-Bevölkerung, die das Hörspiel für eine authentische Reportage hielten und einen Angriff Außerirdischer  befürchteten.

Obwohl das Hörspiel Commander Perkins auch einiges an Action bietet, geht es doch eher um Wissenschaft und Diplomatie, was mich aber auch als Kind nicht gestört hat. Hauptcharaktere der Serie sind die beiden Offiziere Commander Randy Perkins und Major Peter Hoffmann, welche auf die Wissenschaftler Professor Dr. Arthur Common, seine Tochter Sindy und der jüngere Bruder Ralph treffen. Der Weganer-Zyklus umfasst die Folgen mit den Titeln „Das Tor zu einer anderen Welt“, „Im Strom der Unendlichkeit“, „Das Geheimnis der Ufos“, „Bordon, der Unsterbliche“, „Saturn ruft Delta-4“ und „Expedition in die Vergangenheit“. Tief in meinem SF-Gedächtnis eingebrannt haben sich vor allem die unheimlichen Stimmen der Weganer und das Syn-Steak Z-7, einem Kaugummi mit Steak-Geschmack.

1979 erschienen erstmals zwei Commander-Perkins-Romane mit den Titeln „Der rote Nebel“ und „Planet der Seelenlosen“. Im Jahr 1980 startete dann eine zweite Hörspielserie, die Arrow-Trilogie, die aber am Ende nur 3 Folgen, nämlich „Verschollen in der Unendlichkeit“, „Der galaktische Waffenmeister“ und „Das Mittlere Auge“, umfasste.  Weitere vier Romane (Der verbotene Stern, Im Land der grünen Sonne, Verloren in der Unendlichkeit, Im Bann der glühenden Augen), der sogenannte „Copaner-Zyklus“, welcher thematisch an die letzte Hörspielserie anschloss, folgte im Jahr darauf. In den Jahren 1983 und 1984 erschienen die 3 Romane des „Sieben-Säulen-Zyklus“ (Der dritte Mond, Das Rätsel der sieben Säulen, Die Zeitfalle). Die Handlung dieser Reihe wurde leider nicht abgeschlossen, denn die Commander Perkins Geschichten wurde nach dem Erscheinen von „Die Zeitfalle“ eingestellt. Die Romane sind heute jedoch auch als Hörspiel erhältlich, allerdings unter dem Namen „Das Sternentor“ da die Rechte des Namens „Commander Perkins“ bei Europa liegen.

Commander Perkins wird heute vielleicht keinen mehr so richtig begeistern, es war aber mein Einstig in die Welt des Science-Fiction und hat deshalb eine besonderen Platz in meinem SF-Gedächtnis.

Nach dem sensationellen Erfolg von Commander Perkins legte die Firma Europa mit einigen weiteren SF-Hörspielen nach. Eine dieser Geschichte hieß „Raumschiff UX-3 antwortet nicht“. Der Stil dieser kleinen Episode war völlig anders. Es ging um eine Art aggressive Raumschiffcrew a la Raumschiff Enterprise, die nicht die Erforschung, sondern die Eroberung des Universums zur Aufgabe hatte. Zudem war die irdische Raumflotte mit weit überlegender Technik ausgestattet. Die Sprecher des Hörspiels, wie Hans Clarin, Hosrt Stark und Hellmut Lange machen einen tollen Job und tragen zum locker-lässigen Ton der Raumschiffbesatzung bei. Commander Tex Terry kommandiert den schnellen Raumkreuzer UM-9. Er und seine Crew, Co-Pilot Björn, Astrogator Senic, Telepath Tuang-Yi und die Technikerin Cora erhalten den Auftrag, einem Notruf des Kreuzers UX-3 nachzugehen. Dieser scheint mit den Uläern in Konflikt geraten zu sein. Über die Texte kann man sich köstlich amüsieren…

Commander Tex: „Tuang-Yi, wir brauchen eine Verbindung zur Erde. Frag die Zentrale nach der genauen Zusammensetzung der Plastometalllegierung von Joes Kreutzer. Du Senic wirst die Daten, die wir erhalten, von den Computer umrechnen lassen. Die Zusammensetzung des Raumschiffes ist hier extragalatischer Art, wir werden die Reflexe anpeilen.“

Nachdem die Uläer ausgetrickst, die Crew von UX-3 gerettet und eine Supernova überstanden wurde, will sich Tex Terry ein Gläschen in der Raumfahrer-Bar genehmigen, aber da wird er über Lautsprecher bereits zum nächsten dringenden Auftrag gerufen…

Ich bin auf Zack!

ZACK war ein Comic-Magazin, so hart wie ein Handkantenschlag und heute mit dem Solgan „Das Magazin für europäische Comic-Kultur“ versehen. Während die meisten Freunde meiner frühen Kindheit zunächst in Fix und Foxi Heften, Micky Maus und Donald Duck blätterten, später kamen die Marvel Comics dazu, waren meine Helden Luc Orient, der Rote Pirat und Umpah Pah. Da mein Vater über seinen Arbeitsplatz die ZACK Comics für umme bekam und an meinen Bruder und mich verteilte, bin ich mit den Geschichten dieses Magazins groß geworden. Natürlich war ich damals auch im Zack-Club, mit Anstecknadel, Clubausweis und allem Drum und Dran. Das Motto des Clubs lautete “Ich bin auf Zack”! WOW!

Eine Ausgabe des Zack Magazins beinhaltete immer Geschichten unterschiedlicher Helden, die über mehrere Ausgaben hinweg zusammenhängenden Handlungen erzählten. Die Serien in den ZACK Comics unterschieden sich nicht nur im Genre, man teile diese auch in die „Realistics“ und Funnies“. Bei den Realistics wurde die Figuren und der Hintergrund realistisch gezeichnet, während bei den Funnies der überzeichnete Comic-Stil verwendetet wurde. Den größten Teil eines Heftes, ungefähr ein Drittel, machten aber tatsächlich die Realistics aus. Das Gegenstück zu den Lustigen Taschenbüchern von Disney waren bei ZACK die Taschenbücher mit dem Namen ZACK Parade. Neben dem Magazin waren aber vor allem die Zack-Alben und Zack-Boxen bei mir beliebt. Das waren die Bände, in denen nicht nur immer Teile einer Geschichte, sondern eine komplette Handlung eines Helden veröffentlicht wurde. Zu den Genres des Magazins zählten die Themen „Technik“, hier war der französische Pilot Micky Tangy meine Favorit, „Krimi und Spionage“ mit Rick Masters und der Gentlemen GmbH, „Abenteuer“, wozu natürlich der wilde „Rote Pirat“ und der Urzeitmensch „Tunga“ gehörte, „Western“ mit den sensationellen Abenteuern von Umpah Pah, Lucky Luke, Caine der Meister des Kung Fu und Leutnant Blueberry und „Sport“ mit so skurrilen Helden wie Kevin Keegan!

Mein eindeutiger Favorit waren aber die Science Fiction Reihen, wie Luc Orient und Valerian und Veronique. Neben diesen beiden SF-Serien wurde übrigens auch „Raumschiff Enterprise“ und vor allem die damals sehr angesagte TV-Serie „Mondbasis Alpha 1“ als Comic umgesetzt und erschienen unter dem Label des Zack Magazins. Es gab sogar eine Mad Max -Variante, die „David Walker“ hieß.

Nicht gerade eine große Überraschung, der Protagonist der Luc Orient – Comicreihe heißt auch Luc Orient. Er und seine Freundin Yvonne und Professor Kala sind Mitarbeiter der paneuropäischen Wissenschaftsbehörde Eurokristall. Die Erde ist im Prinzip die Welt der 70er Jahre, allerdings ist Eurokristall eine Ausnahme, denn hier hat die technologische Zukunft bereits begonnen. Viele der Abenteuer spielen auf der Erde, aber vor allem der bei ZACK als Alben erschienene Terango-Zyklus ist auf dem gleichnamigen Planeten angesiedelt. Schon in den ersten Bänden der Comicreihe kommt es zum Kontakt zwischen  Eurokristall und den Terangier, die mit ihren fliegenden Untertassen (ja, das war in den frühen 70er noch state oft he art) auf der Erde gelandet waren. Die Terangier Lec-Hoj sowie Galax-Ajh und Luc Orient schließen nach bestandenen Abenteuern Freundschaft und die Außerirdischen kehren zu ihrem Heimatplaneten zurück. So richtig los geht es dann in „Der Tyrann von Terango“. Auf Teragno hat nämlich der finstere Sectan die Macht ergriffen und herrscht über den Planeten mit seiner gefürchteten Schwarzen Garde. Galax-Ajh und viele andere Terangier haben eine Untergrundorganisation gegründet und rufen Luc Orient und seine Freunde zu Hilfe, um ihre Rebellion zu unterstützen. Die Rebellen glauben, dass die primitive Technologie der Menschen einen derart großen Überraschungseffekt für den Tyrannen von Terango darstellt, dass dieser davon völlig überrumpelt wird. Na ja, ne ziemlich müde Erklärung für den Hilferuf an Eurokristall. Egal… in den Alben „Der Planet der Angst“ und „Der Stählerne Wald“ geht es weiter auf dem faszinierenden Planeten Terango. Wir lernen die Drachenmenschen und das fliegende Volk der Berge sowie die Hauptstadt Terangopolis kennen. Luc Orient muss schließlich erneut gegen den Tyrannen Sectan und seine Erzfeind Professor Argos antreten, der ihm Kampfläufer, den stählernen Wald entgegenschickt.

In Valerian und Veronique geht es um zwei Agenten des Raum-Zeit-Service, der von Galaxity – der Hauptstadt der Zukunft – aus agiert. Einigen dürfte der vor kurzem angelaufene Kino-Film „Valerian“ von Luc Besson bekannt sein. Im französischen Comic-Original hieß seine Partnerin übrigens nicht Veronique, sondern Laureline, was mich als Kenner der deutschen Version zunächst verwunderte.

Im Film reisen die beiden Agenten allerdings nicht durch die Zeit, sondern nur durch den Raum. Das Ganze ist aber optisch genauso abgefahren wie die Comicvoralge und ungemein unterhaltsam. Es gibt übrigens sehr viele optische Parallelen zwischen Valerian und Star Wars. Die Designer von Star Wars, wie der berühmte Ralph McQuarrie, haben also bei dem 1967 erstmals erschienenen Comic mächtig abgekupfert.

Luke und Leia treffen auf Valerian und Veronique.

Peitschenschwerter und Sandalen

OK, beim Thema SF-Bücher wird es leicht skurril. Mein großer SF-Held der Kindertage war Jandar von Callisto. WER? OK, ich glaube außer einigen wenigen Eingeweihten gibt es wohl heute kaum noch Leser dieser Buchserie. Geschrieben wurde der 8-teilige Callisto-Zyklus von Lin Carter, der vielen eher als Herausgeber von Conan der Barbar, denn als Autor bekannt sein durfte. Zu diesem Werk gehören die Bücher „Jandar von Callisto“, „Die Schwarze Legion von Callisto“, „Die Himmelspiraten von Callisto“, „Zamara, die Herrscherin von Callisto“, „Die Zauberer von Callisto“, „Ylana von Callisto“, „Lankar von Callisto“ und „Der Renegat von Callisto“. Die Romane zählen zum sogenannten Sword & Planet Sub-Genre, also Geschichten mit starken Fantasy Elementen, die aber auf fremden Planeten spielen und auch Technologie enthalten können.

Beim Callisto-Zyklus geht es um den amerikanischen Soldaten Jonathan Dark, der im Dschungel von Korea durch eine Art Sternentor auf den Jupitermond Callisto gelangt, wo er sofort in allerlei Abenteuer verstrickt wird. Es muss auch noch erwähnt werden, dass der Autor Lin Carter suggeriert, dass es sich bei dieser Story um Tatsachen handelt! Die Manuskripte mit den Aufzeichnungen von Jonathan Dark hat er angelblich selbst im Dschungel gefunden und im sechsten Band der Romanreihe reist er auch noch höchst selbst zum Jupitermond Callisto und besteht dort als Lankar seine Abenteuer.

Die eigentliche Handlung beginnt damit, dass Jonathan Dark auf Callisto oder Thanator, wie der Mond von den Einwohnern genannt wird, erwacht und von intelligenten Insektenwesen, den Yathoon gefangen genommen wird. Da diese mit den berühmten Peitschenschwerter ausgestatteten Krieger seinen Namen nicht aussprechen können, wird es kurzerhand Jandar getauft. In den nächsten Kapiteln lernt er seine große Liebe Prinzessin Darloona kennen und gerät von einer Gefangenschaft in die nächste. Es tauchen die Himmelspiraten mit ihren fliegenden Schiffen auf und kaum sind diese besiegt und die Prinzessin befreit, wird sie auch schon wieder entführt. Nun geht es gegen die Schwarze Legion, gegen Zauberer und auch als Gladiator in der Arena muss sich Jandar beweisen.

Einigen wird die Geschichte recht bekannt vorkommen. Damals war mir noch nicht bewusst, dass die Handlung komplett aus Edgar Rice Burroughs Romanreihe „John Carter of Mars“ geklaut wurde. Lin Carter gibt sogar zu, dass seine Romane als Hommage an Burrough gedacht sind. Allerdings ist aus der Hommage eher eine exakte Nacherzählung geworden, die auch nicht annähernd an die Qualität des Originals heranreicht. Aus diesem Grund will ich auch keine Leseempfehlung aussprechen, sondern lieber auf den Klassiker von Edgar Rice Burrough verweisen.

4 Kommentare zu “Meine Science-Fiction Origin-Story – Teil 1”

  1. Also mal abgesehen von den Zack Geschichten kenne ich da ja mal gar nichts.😁Ganz ungewohnt im Grunde.
    Lustigerweise fand ich Orient und Valerian im Gegensatz zu Dir immer fürchterlich. Science Fiction hat mich dann tatsächlich erst in den 80ern begeistert, als ich sehr spät Star Wars entdeckte, na und das trotz der Raumschiff Enterprise Serie, wie wir damals ja noch sagten.
    Aber wie immer interessante Lektüre.

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