Römerlager Haltern

Ich war wieder einmal auf den Spuren der Römer in Deutschland unterwegs. Bei einer Fahrradtour von Wesel an lang der Lippe, stieß ich, wie die Römer in der Antike, vom Rhein bis tief in das Gebiet der Germanen vor. Die deutschen Flüsse waren zur Zeit der Antike quasi die Autobahnen Germaniens und wurden intensiv von Einheimischen und auch den Römern genutzt. Bei Haltern besuchte ich natürlich das berühmte Römermuseum. An dieser strategisch günstigen Stelle am Nordufer der Lippe, soll einst das Römerkastell Aliso gestanden haben.

Museumsgebäude

Zunächst muss man einige Worte zur Gestaltung des Museums verlieren. Der Museumsbau mit seinen gläsernen „Zeltspitzen“ auf dem Dach, ist einem römischen Zeltlager nachempfunden. Vor der Front des Gebäudes ist außerdem ein rekonstruierter Erdwall mit dem davorliegenden Spitzgraben zu sehen, wie er vermutlich an dieser Stelle auch dem damaligen römischen Lager als Sicherung diente. Über eine Art „Zugbrücke“ gelangt man schließlich zum eigentlichen Eingang des Museums.

Geschichte des Lagers

Schon im frühen 19. Jahrhundert wurden mehrere militärische Anlagen und ein Gräberfeld bei Haltern entdeckt. Das Lager galt um Christi Geburt, also während der Regierungszeit des römischen Kaisers Augustus, als wichtiger Stützpunkt für militärische Operationen ins nördliche Germanien. Zu Beginn unserer Zeitrechnung waren hier mehr Legionäre stationiert, als irgendwo sonst im römischen Reich. Zu den hier stationierten Truppen gehörte auch die  19. Legion, die in der Varussschlacht vernichtet wurde.

Der Spitzgraben des Feldlagers zeichnet sich als dunkle Verfärbung im Erdboden ab.

Mit Hilfe der Luftbild-Archäologie können alte Gräben, Mauern und Gebäudestrukturen lokalisiert werden.

Das jüngste gefundene Lager war auch das größte.  Im letzten Ausbaustadium hatte es eine Ausdehnung von etwa 560 × 380 m und konnte zwei komplette Legionen beherbergen. Es war von einem doppelten Spitzgraben umgeben, mit einer Holz-Erde-Mauer gesichert und wies 4 Toranlagen sowie mehrere Lagertürme auf. Zudem fand man die Überreste von sieben parallel zueinander liegenden Schiffshäusern, jedes etwa 30 m lang und 6 m breit. Hier war also vermutlich auch eine kleine Flotte von römischen Flussschiffen für Patrouillenfahrten stationiert. Neben der militärischen Nutzung belegen Funde, dass in Haltern auch eine Keramikproduktion angesiedelt war, die ihre Waren Flussaufwärts und Abwärts exportierte. Der Lagerkomplex bei Haltern wurde von den Römern wohl nur bis zum Jahr 9 n. Chr. genutzt. Die Anlage wurde also nach der verlorenen Varusschlacht aufgegeben, nachdem Aliso von den nachrückenden Germanen belagert worden war.

Namentlich wird das Lager Aliso von C. Velleius Paterculus Anfang 1. Jh. n. Chr. erwähnt, der auch von den Kämpfen nach der Varusschlacht berichtet:

„Anerkennung verdient auch die Tapferkeit des Lagerpräfekten L. Caedicius und derer, die mit ihm zusammen in Aliso eingeschlossen und durch riesige Massen von Germanen belagert wurden. Unter Überwindung aller Schwierigkeiten … warteten sie den geeigneten Moment ab, dann bahnten sie sich mit dem Schwerte die Rückkehr zu den ihrigen.“

Ausstellung

Im LWL-Römermuseum in Haltern am See sind die bedeutendsten Funde aus allen Römerlagern entlang der Lippe (Lippia) ausgestellt, also auch aus den Lagern  Anreppen, Beckinghausen, Holsterhausen, Oberaden sowie aus dem Römerlager Kneblinghausen. Die eine Hälfte der Ausstellung befasst sich mit dem römischen Militär…

Vor dem festen Lager hat es an gleicher Stelle eine Reihe von einfachen Marschlagern gegeben. Funde und Rekontrutionen beschäftigen sich mit dieser „Zeltstadt“…

Diese Lederzelt aus 70 Ziegenhäuten wurde im Rahmen des legendären Marsches von Marcus Junkelmann und „seinen“ Legionären über die Alpen verwendet. Diese Aktion im Jahr 1985 war eine der ersten der sogenannten experimentelle Archäologie in Deutschland.

Die zweite Hälfte der Ausstellung zeigt Funde und Rekonstrutionen aus dem Alltagsleben und Handwerk…

Beim Bau des Museumsparkplatzes wurden 10 Töpferöfen entdeckt. Dieser Ofen wurde im Block geborgen und in die Ausstellung gebracht.

Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt mit einem Film über die Entstehung und den Untergang des Lagers. In sehr schön animierten Bildern wird das Römerkastell Aliso zum Leben erweckt. Man erfährt außerdem einiges vom Leben im Lager und der Bedeutung der Anlage für Römer und Germanen.

Wie heute in vielen Museen üblich, laden einige Bereiche zum Mitmachen ein. Mit dem schweren Marschgepäck eines Soldaten kann man beispielsweise durchs Museum wandern oder versuchen, mit dem Griffel Worte in das Wachs einer Schreibtafel zu ritzen.

Neben den Fundstücken verdeutlichen einige sehr schöne Dioramen, wie die militärischen Anlagen einst ausgesehen haben.

Hauptlager mit Innenbebauung

Schiffsanlegestelle

Keramikwerkstätten

Marinebasis mit Schiffshäusern

Neben den militärischen Anlagen wurden auch einige Grabhügel auf dem Gelände entdeckt. Das bislang entdeckte Gräberfeld mit mehr als 30 Gräbern, erstreckt sich auf einer Länge von annähernd 500 m auf einem etwa 45 m breiten Streifen von der Südostecke des Hauptlagers zum Annaberg.

Ein besonderes Gimmick für Kindern, sind die viele Playmobil-Legionäre, die durch die Ausstellung marschieren…

Außengelände

Hinter dem Museumsgebäude gelangt man nach einem kurzen Fußweg zum Außengelände des Museums. Hier wurden ein Teil des Lagerwalls und eine der Toranlagen nachgebaut. Außerdem wird das Gelände für Veranstaltungen, wie die beliebten Römertage genutzt.

Das weiße Rechteck zeigt den rekonstruierten Teil des Lagers.

In diesem Bereich finden auch aktuelle noch Ausgrabungen statt.

Hier der Link zum Museum:

https://www.lwl-roemermuseum-haltern.de/oeffnungszeiten-und-eintritt

4 Kommentare zu „Römerlager Haltern“

    1. Hallo Frank!
      Nun waren wir letzte Woche noch einmal in der Nähe und haben uns das Museum ein weiteres Mal angeschaut. Zu unserem Glück war für uns nicht nur das Außengelände neu, sondern es ist z.Zt. eine Sonderausstellung, die den gesamten Museumsraum einnimmt. Das heißt die „normale“ Ausstellung, bis auf das Diorama, waren gar nicht zu sehen. Leider damit auch nicht die Playmobiljungs. 😉
      Die Sonderausstellung „Triumph ohne Sieg. Roms Ende in Germanien“ war sehr interessant, es gab Vieles zu sehen was aus verschiedensten Museen in Europa (natürlich vieles aus Rom) zusammengetragen wurde. Zwar war die ganze Aufmachung absolut Familienungeeignet, für jedes Kind der absolute Albtraum, aber für uns komische Leute wirklich toll und informativ 😀
      Ein netter kleiner Vorgeschmack auf unsere Rom-Reise im Februar!

      Viele Grüße!
      Evi

      PS: Vielleicht sieht man sich ja auf der Spiel oder der Crisis?

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      1. Hi Evi,
        vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Die Ausstellung hört sich interessant an. Mal schauen, vielleicht komme ich auch noch mal demnächst in die Gegend. Leider schaffe ich es nicht zur Spiel oder Crisis, da ich zu dieser Zeit noch mal nach Nottingham düse. Euch aber viel Spaß und natürlich auch eine tolle Reise nach Rom. Ihr seid ja wohl überall am Start:-). Vielleicht sieht man sich auf der Szenario?
        Viele Grüße Frank

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