Tank Museum Bovington

Was für eine großartiges Museum! Als ich nach nunmehr 22 Jahren wieder einmal in Englands Südwesten unterwegs war, führte mich meine Rundreise auch ins schöne Dorset. Ich schlug meine Lager an der Küste bei Osmington Mills auf, also ganz in der Nähe von Bovington und dem Tank Museum. Für den Besuch des Museums reservierte ich mir einen kompletten Tag und das war gut so 🙂

Das Tank Museum wurde nicht zufällig in Bovington angesiedelt. Schon während des Burenkrieges trainierte die Britische Armee hier ihre Soldaten. Im 1. Weltkrieg hatte man vor Ort zunächst rund 12.000 Infanteristen zu Ausbildungszwecken untergebracht. Ab Oktober 1916 wurde Bovington die Heimat des „Heavy Branch Machine Gun Corps“, der ersten britischen Einheit, welche die neu entwickelten „Tanks“ verwendete. Nach dem Krieg wurden die Panzer hier demontiert, da man glaubte, diese nicht wieder verwenden zu können. Sie waren ja speziell für den Einsatz im Grabenkrieg von Nordfrankreich entwickelt worden. Nur 26 dieser Fahrzeuge, je einer jeder gebauten Version, wurden in einem kleinen, eingezäunten Bereich verwahrt, was man heute durchaus als Geburt des Museums ansehen kann.

Heute enthält das Museum die weltgrößte Sammlung an gepanzerten Fahrzeugen. In mittlerweile 9 unterschiedlichen Ausstellungen, sind rund 300 Panzer aus 26 Ländern  zu sehen. Die Museumshallen sind mittlerweile sehr modern und geordnet gestaltet. Unzählige Fotos, Berichte und Filme erläutern die ausgestellten Panzer und lassen den Besucher je nach Interesse oberflächlich oder tief in das Thema eintauchen.

THE TANK STORY

Den eigentlichen Rundgang beginnt der Besucher in der Halle mit dem Namen THE TANK STORY. In dieser 2009 eröffneten Ausstellung wird die Entwicklung des Panzer von 1915 bis heute erzählt und bildet so eine gute Einführung in die Thematik.

Die charakteristischen Eigenschaften eines Panzers sind der Schutz der Besatzung, die Beweglichkeit im Gelände und die Feuerkraft. Schon in der Frühgeschichte findet man solche Fahrzeuge in Form des Streitwagens. Alle weitergehenden Entwürfe und Versuche, unter anderem der hier in einen Nachbau gezeigte von Leonardo da Vinci, scheiterten an dem Problem des Antriebs.

Erst im Ersten Weltkrieg wurde eine gepanzerte Maschine entwickelt, die auch wirklich im Kampf eingesetzt werden konnte. Auf Initiative des damaligen Marineministers Winston Churchill, der den ersten Panzerentwurf kurzerhand als Landschiff bezeichnete und dieser somit in sein Ressort fiel, wurde der Bau eines Prototypen vorangetrieben. Dieser Prototyp „Little Willie“, besser als „Mother“ bekannt ist der Ausgangspunkt der Ausstellung und der erste Panzer überhaupt.

Anhand dieses massigen Mark II Tanks mit Namen „The Flying Scotsmen“ wird die Rolle der britischen Panzer im 1. Weltkrieg erläutert.

Der französische Renault FT-17 stellte  eine wesentliche Weiterentwicklung am Ende des 1. Weltkrieges dar. Er war der erste Panzer, der mit einem drehbaren Turm ausgestattet war.

Die britischen „Armoured Cars“ wurden vor allem in den britischen Kolonien eingesetzt. Dieser nachfolgende „Crossley-Chevrolet“ ist ein Beispiel aus dem Ausstellungsbereich der sogenannten INTER WAR PERIOD.

Der Zweite Weltkrieg ist der Konflikt, in dem der Panzer erstmals eine entscheidende Rolle spielt. Der erfolgreiche „BLITZKRIEG“ 1940, wurde vor allem durch die deutschen Panzer bzw. dem Panzerkampfwagen I möglich.

Die Briten verfügten im Nordafrika-Feldzug von 1940 bis 1943 unter anderem über den in den USA entwickelten Panzer M3 GRANT, bewaffnet mit einem 37mm Turm-Geschütz und einer fest installierten 75mm Kanone zur Bekämpfung von feindlichen Panzerfahrzeugen.

An der Ostfront standen sich ab 1943 der deutsche „Panther“ und der russische T34/85 gegenüber. Bei der Entwicklung dieser beiden Panzertypen wurden völlig unterschiedliche Wege eingeschlagen. Während die Deutschen den „perfekten“, aber enorm teureren Panzerkampfwagen V konstruierten, bauten die Russen ein Modell, dass eher praktische Merkmale hatte und in Massenproduktion hergestellt werden konnte.

Die Landung der Allierten 1944 in der Normandie brachte einige sehr spezielle Panzertypen hervor, bei denen die Fahrzeuge für besondere Aufgaben aufgerüstet wurden. Dazu zählten der schwimmfähigen Sherman Duplex Drive oder der Flammenwerfer des CHURCHILL Mark VII Corcodile.

Im letzten Abschnitt der Ausstellung findet man die Panzer, die viele unter dem Sammelbegriff „Modern Warfare“ zusammenfassen, also die Zeit des Kalten Krieges bis zur Gegenwart. Dazu gehören der deutschen LEOPARD, der britische CHIEFTAIN der 60er Jahre bis hin zum Challenger II, dem aktuellen Modell der britischen Armee.

THE TRENCH EXPERIENCE

In dieser Ausstellung, die anlässlich des 100. Jahrestages zum Beginn des 1. Weltkrieges noch einmal neu konzipiert wurde, wandelt der Besucher in den Fußstapfen eines Britischen Soldaten. Die Reise verläuft von der Rekrutierung bis in den Schützengraben in Nordfrankreich.

TANK MEN

In dieser Halle, die dem ersten Weltkrieg gewidmet ist, werden die britischen Panzer dieser Zeit vorgestellt, aber vor allem auch die Geschichte der ersten Panzerbesatzungen erzählt. Beispielhaft sind in Bildern, Texten, Ausstellungsstücken und Filmdokumenten die Erfahrungen und Erlebnisse von 8 Männer in den Jahren zwischen 1916 bis 1918 festgehalten. Diese Ausstellung hat mich tatsächlich am meisten beeindruckt.

WARHORSE TO HORSEPOWER

Im ersten Weltkrieg spielte die Kavallerie noch eine gewisse Rolle. Die Ausstellung WARHORSE TO HORSEPOWER erklärt, wie das Pferd immer mehr an Bedeutung verlor, bis es schließlich durch Motoren ersetzt wurde.

SECOND WORLD WAR

Die Halle „Zweiter Weltkrieg“ ist die größte des Museums. Diese Ausstellung enthält Panzer und Fahrzeuge der meisten Staaten, die am Zweiten Weltkrieg teilgenommen haben. Bei diesem Bereich handelt sich um den ältesten Teil des Museums. Die Fahrzeuge stehen hier noch eng beieinander und sind noch nicht so aufwendig erläutert und beschriftet, wie in den restlichen Räumen des Museums. Trotzdem sind die Vielfalt und Qualität beeindruckend.

FURY EXHIBITION

Eine kleine aber feine Ausstellung ist der Zusammenarbeit zwischen den Machern des Kinofilms „Fury“ (Herz aus Stahl) und dem Tank Museum gewidmet. Im Film wurde nicht nur der „Hauptdarsteller“, der Sherman M4A2E8 Panzer vom Museum gestellt, sondern auch der weltweit einzige noch fahrtüchtige deutsche Tiger I eingesetzt.

THE TIGER TANK COLLECTION

Brandneu und seit Frühjahr 2017 eröffnet, ist die Ausstellung, die der legendären TIGER-Panzer „Familie“ gewidmet ist. Hier stehen Seite an Seite ein Panzerkampfwagen VI Tiger I, zwei Panzerkampfwagen VI Tiger II (auch als Königstiger bekannt), ein Jagdpanzer VI / Jagdtiger und ein Panzerjäger Tiger (P) „Elefant“.

BATTLEGROUP AFGHANISTAN

In dieser Ausstellung erhält der Besucher Einblick in die Kämpfe, das Material und Leben des Royal Armoured Corps bei seinem Einsatz in Afghanistan. Eindrucksvoll sind auch die mit privaten Handys aufgenommen Videos der Soldaten.

TANK FACTORY

Wie werden die Panzer gefertigt, wie werden sie entwickelt und wie ist ein moderner Panzer aufgebaut? All diese Fragen werden in der Ausstellung TANK FACTORY beantwortet.

VEHICLE CONSERVATION CENTER 

In einer separaten Halle stehen alle Fahrzeuge, die noch restauriert werden müssen oder keinen Platz in den Ausstellungsräumen finden konnten.

AKTIVITÄTEN

Neben all diesen Ausstellungen, gibt es außerdem eine ganze Reihe von weiteren Aktivitäten, Sondervorführungen und Veranstaltungen zu entdecken. Es sind Modellbauer vor Ort, Computer Spiele wie Tank Wars laden zum mitmachen ein, man kann mit einem Panzerfahrzeug durch das Gelände fahren oder im großen Restaurant oder im Museumsshop sein Geld ausgeben. Selbst ein kompletter Tag reicht kaum aus, um alle Ecken und Winkel des Tank Museums zu erkunden. Zudem werden die Ausstellungen ständig erweitert und verbessert. Ein zweiter oder dritter Besuch lohnen sich also.

Dieser Bericht soll nur einen kleinen Überblick geben. In weiteren Artikeln werde ich mich dann intensiv ausgewählten Themen widmen.

2 Kommentare zu „Tank Museum Bovington“

  1. Wirklich ein klasse Museum! Danke mal wieder für deine Berichte!

    Wir waren letztes Jahr zum Tiger Day dort und hatten nicht die Ruhe und Zeit uns die ganze Ausstellung richtig anzuschauen, wir müssen also definitiv noch einmal hin! Der Tiger Day war wirklich ein besonderes Erlebnis, allein schon zu sehen wie anderes die Engländer mit der Geschichte umgehen 😉
    Lieben Gruß, Evi

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