Die Schlacht von Giniss

Die Schlacht von Giniss war in dreierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen war es die letzte Kampfhandlung, welche von britischen Soldaten in ihren typischen roten Uniformröcken ausgefochten wurde, es war außerdem die Feuerprobe für die neu aufgestellte Ägyptische Armee und es war die letzte Schlacht der sogenannten Gordon Relief – oder Nile Expedition der Jahre 1884/85.

Vorgeschichte

Nach dem Fall von Khartoum, der Hauptstadt des Sudan, am 26. Januar 1885, wurden sowohl die Einheiten die britischen River- als auch der Desert-Column nach Ägypten zurückgezogen. Die Grenzen zwischen Ägypten und dem Sudan sicherte man vor einem möglichen Angriff der Aufständischen durch die neu gebildeten Frontier Field Force, welche sowohl aus britischen, als auch ägyptischen Truppen bestand. Kommandeur dieser Streitkräfte war Major-General Grenfell, der spätere Sirdar der Ägyptischen Armee. Das Hauptquartier der Grenztruppe lag in Assuan und Wadi Halfa. Die Soldaten der Frontier Field Force lagerten in Garnisonen, die man an lang des Nils und der Eisenbahnlinie von Assuan bis Akasha angelegt hatte.

Die Royal Engineers beim Bau eines Forts.

Der südlichste Außenposten war das Fort Kosha (Kosheh), rund 10 Kilometer südlich des zweiten Nilkataraktes. Das Fort bestand aus Lehmziegeln, umgeben von einem Graben und Wall sowie einem Stacheldrahtverhau. Es zählte zu einer Reihe von Befestigungen von hier bis Wadi Halfa, die unter dem Kommando von Brigade-General William Butler standen.

Das Fort Kosheh am Nil.

Die Streitkräfte der Mahdisten im Norden des Sudan standen unter dem Befehl von Muhamnad al-Khair. Es handelte sich aber nur um lokale Hilfstruppen, die nach dem Rückzug der britischen Truppen die Oberhand in dieser Region gewinnen konnten. Während der Belagerung von Khartum hatten die Mahdisten ihr Hauptquartier in Omdurman eingerichtet, gegenüber von Khartoum am westlichen Nilufer gelegen. Nach dem Abschluss der Belagerung machten sie Omdurman zur neuen Hauptstadt des Sudan. Der Mahdi Muhammad Ahmad starb hier am 22. Juni 1885 plötzlich und unter ungeklärten Umständen, wodurch die geplante Invasion von Ägypten zunächst nicht durchgeführt werden konnte. Die Nachfolge des Mahdi trat der Khalif Abdallahi ibn Muhammad an, der nun sämtliche Amire nach Omdurman rief, welche ihm dort ihre Treue schwören sollten.

Beide Seiten fürchteten eine Invasion des Gegners, aber niemand hatte Ende 1885 die Ressourcen eine solche auch durchzuführen. Im September berichtete Muhammad al-Khair aus der Grenzregion an den Khalifen, dass sich die Engländer durch den Tod des Mahdi scheinbar ermutigt fühlten einen Vorstoß nach Dongola zu wagen. Dies war zwar nicht der Fall, aber der Khalif sandte sogleich neu ausgehoben Männer nach Norden. Dieser Aufmarsch neuer Truppen im Grenzgebiet wurde im November schließlich von der Frontier Field Force bemerkt und man schloss daraus, dass wohl ein Angriff auf Wadi Halfa kurz bevorstehen müsse. Die Mahdisten waren entschlossen diesen Angriff abzuwehren, während die Briten diesem zuvorkommen wollten, woraus sich eine Schlacht entwickelte, die eigentlich niemand beabsichtigt hatte.

Frontier Field Force

Die Streitkräfte der Anglo-Ägyptischen Frontier Field Force verteilten sich im November 1885 wie folgt:

  • Wadi Halfa – 500 Briten, 350 Ägypter
  • Akasha (Eisenbahnkopf) – 600 Briten, 350 Ägypter
  • Sarkametto und Dal – 200 Ägypter
  • Kosha – 600 Briten (Cameron Highlanders), 300 Ägypter (9. Sudanesisches Bataillon)
  • Mograka – 266 Ägypter

Es gab außerdem eine ganze Reihe weiterer kleiner Abteilungen von 30 bis 50 Männern in Forts, welche die Eisenbahnlinie bei den Ambigol Quellen, der Straße von Tanjur, den Murrat Quellen und Saras überwachten.

Mahdisten

Die Quellenlage zu den Streitkräften der Mahdisten ist weniger eindeutig und es ist offensichtlich, dass das Oberkommando der Frontier Field Force nur über wage Schätzungen zur Stärke des Feindes verfügte. Ende November sollen rund 4.000 Ansar bei Kosha gesichtet worden sein und ca. 40 Fahnen mit 5.000 Männer Ende Dezember. Später spricht Wingate von 6.000 Männer, die in der Schlacht von Giniss beteilig gewesen sein sollen. Muhamnad al-Khair Abd Allah Khugali, ein ehemaliger Lehrer des Mahdi und der Kommandeur von Berber wurde zum Anführer der nördlichen Grenztruppen ernannt. Zum Stellvertreter berief man Abd al-flajid Nasr al-Din abd al Khalik, Kommandant der Ansar in der Schlacht bei Kirbekan. Weitere Amire der Streikräfte waren:

  • Abd al-Majid KhuJali, der Neffe des Muharmmad al- Khair’s und Anführer der Berber-Truppen, die auch bei Abu Klea im Gefecht standen.
  • Uthman Azraq, der später Charles Neufeld gefangen nahm, war einer von al-Nujumi’s Divisions-Kommandeuren bei Toski, später Governeur von Berber und Gegner der Anglo-Ägyptischen Offensive von 1896, bis er schließlich bei Omdurman getötet wurde.
  • Hassan Abu Qarja befehligte die Truppen aus Khartoum
  • Mahmud al-Ajami Hamza war einer der Amire aus Berber, die auf bei Abu Klea gefochten hatten.
  • Sheikh wad ar-Rahama war Anführer der Truppen aus Berber.
  • Wad ar-Rais kommandierte die Gewehrschützen und die Artillerie.
  • Bashir führte die Truppe aus Rubtab.
  • Umar wad al-fakir fungierte als Berater des Muhamnad al-Khair Abd Allah Khugali
  • Hamuda Idris, der später die Ansar bei Firka kommandierte.

Es ist nicht genau bekannt, wie viele Geschütze und Kanonen die Mahdisten in der Schlacht von Giniss einsetzten. Vier Kanonen (kleine bronzene Gebirgskanonen) wurden später in der Ortschaften Kosha und Giniss erbeutet und eine weiter war in einem Fort auf dem westlichen Ufer aufgestellt gewesen. Es müssen also zumindest 5 Geschütze vor Ort gewesen sein.

Vor der Schlacht

Zwischen dem 27. November, als die Mahdisten zum ersten Mal in der Nähe von Kosha gesichtet wurden, und dem 22. Dezember, gab es viele kleine Scharmützel. Die Amire Uthman Azraq, Hamid az-Zain und Siwari ad-Dahab waren die Anführer dieser Grenzüberfälle. An einem frühen Scharmützel am 30. November war das Flussboot Lotus (eines der von Yarrow gebauten Dampfer, die vom Nilfeldzug übriggeblieben waren), die ägyptische Kavallerie und die britische berittene Infanterie beteiligt. Zwischen dem 2. und 4. Dezember führte Hamid Az-Zain eine Streitmacht bestehend aus Kavallerie, Kamelen, Infanterie und einer Kanone gegen die Festung bei den Quellen von Ambigol und die Eisenbahnlinie in diesem Gebiet. Am 3. Dezember wurde der Posten von Ambigol angegriffen, während der Dampfer Lotus von zwei Krupp Kanonen und einigen Gewehrschützen unter Beschuss genommen wurde. Doch Dank des Gardner Geschützes der Lotus konnte das feindliche Feuer zum Schweigen gebracht werden. Am 4. Dezember wurde die Turmfestung von Ambigol, die nur mit 50 Mann des Berkshire Regiments und einigen Männern der Royal Engineers besetzt war, mit Unterstützung einer Kanone angegriffen. Nach einem 3-stündigen Kampf wurden die Araber zurückgeschlagen. Als Gegenmaßnahme unternahm Butler am 5. Dezember von Akasheh einen Angriff, während Colonel Huyshe mit 4 Kompanien des Berkshire Regiments aus dem Norden vorrückte. Am 12. Dezember überfielen die Ansari Firka und machte sich mit etwas Vieh und Geld davon. Der kordofanische Amir Siwari ad-Dahab griff in derselben Nacht das Fort bei Mograka an.

Detaillierter Lageplan der Befestigungen des Fort Kosheh.

Während dieser Zeit errichteten die Mahdisten ihr Lager im Dorf Giniss und zogen in die Siedlung Kosha, wo sie das Fort von der Südseite her belagerten. Ein nahezu ununterbrochener Beschuss wurde von einem hohen schwarzen Felsen, der das Fort überblickte, in die Festung geschickt. Einige Verschanzungen und ein Waffenlager wurden ebenfalls gegenüber der Festung am Westufer errichtet. Das Artilleriefeuer der Mahdisten wurde während der einmonatigen Belagerung immer zielgenauer, und am 20. Dezember zerstörte eine Granate das Gardner-Repetiergeschütz der Festung.

Die anglo-ägyptischen Truppen unter dem Kommando von Generalleutnant Stephenson, der für diese Aufgabe am 10. Dezember extra aus Kairo angereist war, konzentrierten sich auf Firka, um der vermeintlichen Invasion zu begegnen. Am 15. Dezember machten die Cameron Highlander einen Ausfall von Kosha gegen den erwähnten schwarzen Felsen. Brigadier Butler unternahm am 22. Dezember in Richtung Giniss einen Aufklärungsritt mit berittener Infanterie, dem ägyptischen Kamelkorps und den 20. Husaren. Bei diesem Ausfall wurden die berittenen Truppen plötzlich angegriffen und mussten zurückfallen. Die Verluste der Mahdisten waren gering, aber der kordofanische Amir Badawi al-Azraq wurde bei diesem Gefecht getötet.

Sir Frederick Stephenson.

Am 29. Dezember befahl General Stephenson dem General Grenfell, von Firka nach Kosha vorzurücken und zwischen den Forts von Mograka und Kosha zu biwakieren. Butler hatte durch seine Kampfhandlungen herausgefunden, dass sich die Truppen der Mahdisten bei einem Angriff auf Giniss, immer auf einem kleinen Höhenrücken in eine Verteidigungsstellung begaben. Er kannte sogar die Zeit, die der Feind benötigte, um diese Stellung bei einem Alarm zu erreichen. Der Plan sah deshalb vor, dass die 1. Brigade im Morgengrauen einen Flankenmarsch unternehme sollte, um diese Stellung vor dem Feind zu erreichen und diesem dann aus der höheren Position zu bekämpfen. Unterdessen sollte die 2. Brigade an lang des Nils gegen das Dorf Giniss vorgehen.

Die anglo-ägyptische Streitmacht wurde also in zwei Brigaden mit einem halb-unabhängigen Kavallerie-Kommando aufgeteilt. Zu den berittenen Truppen gehörte auch das britische Kamel Corps, das letzte Mal, dass diese Einheit im Sudan operierte:

Oberkommando: Lt. Gen. Sir Frederick Stephenson                                                            Divisions-Kommandeur: Maj. Gen. Grenfell

1. Brigade – Gen. W.F. Butler:

  • 1. Bataillon Princess Charlotte of Wales / Berkshire Regiment – Maj C.P. Temple
  • 1. Bataillon The Queen’s Own / Royal West Kent Regiment – Lt. Col. J.L. Tweedie
  • 2. Bataillon The Durham Light Infantry – Lt. Col. E.R. Coker
  • Ägyptische Artillerie Batterie (6 Krupp Gebirgskanonen / auf Kamelen) – Lt. Col. J.H. Woodhouse
  • 1/2 Kompanie (60 Mann) des 3. Ägyptischen Bataillons (Begleitschutz der Artillerie) – Maj. W.H. Besant
  • 1. und 3. Kompanie des Ägyptischen Camel Corps – Maj. R.E. Marriott

2. Brigade – Col. A.G. Huyshe:

  • Bataillon The Princess of Wales / Yorkshire Regiment – Lt. Col. W. Bennett
  • Ägyptisches Bataillon (Teil/278 Mann) – Maj. A.C.P. Haggard
  • Batterie Nr. 2, 1. Brigade, South Irish Division RA (6 7pf screw-guns / auf Maultieren) – Maj. W. Whateley
  • Sektion Repetiergeschütze (2 Gardner Repetiergeschütze) – Lt. W.L. Mercer (vom Yorkshire Regiment)

Ausfalltruppen Fort Kosheh / Teil der 2. Brigade:

  • 1. Bataillon The Queen’s Own Cameron Highlanders (6 Kompanien) – Lt. Col. E. Everett
  • IX. Sudanesisches Bataillon (2 Kompanien – 152 Mann) – Capt. F.R. Borrow / Capt D.G. Gregorie

Besatzungstruppen Fort Kosheh / Teil der 2. Brigade:

  • Bataillon The Queen’s Own Cameron Highlanders (2 Kompanien) – Col. H.H. St. Leger
  • 1 Abteilung des 3. Ägyptischen Bataillons (zur Bedienung des Geschützes)
  • 1 Krupp 80mm Geschütz (in der Schanze außerhalb des Forts)

Besatzungstruppen Borrow’s Zareba (am anderen Nilufer) / Teil der 2. Brigade:

  • IX. Sudanesisches Bataillon (2 Kompanien) – Capt. J.H.S. Gibb

Berittene Truppen – Lt. Col, B.J. Blake

  • 20. Husaren (3 Schwadronen) – Lt. Col. B.J. Blake
  • 1 Kompanie Britische berittene Infanterie – Lt. Col. C.T. Barrow
  • 1 Kompanie Britisches Camel Corps – Capt. G.W. Maunsell
  • Kompanie des Ägyptischen Camel Corps – Lt. Marriott
  • 1 Schwadron Ägyptische Kavallerie (57 Reiter) – Maj. Bakir Kamil

Schaufelraddampfer „Lotus“ – Maj. G.E. Lloyd:

  • 1 Sektion – Royal West Kent Regiment
  • 1 Gardner Repetiergeschütz / Bedieungsmannschaft – 9. Sudanesisches Bataillon

Weitere Truppen:

  • 11. Kompanie Royal Engineers – Capt. J.E. Blackburn
  • Britische Krankenträger-Kompanie – Surg.-Maj. T.S.L. Barrow
  • Ägyptische Krankenträger-Kompanie – Surg. Keating

Das Ägyptische Camel Corps in der Uniform von 1885.

Die Schlacht

Am 30. Dezember um 5 Uhr morgens marschierte die anglo-ägyptische Streitmacht aus ihrem Lager heraus. Es war noch bitterkalt, als alle Männer ihre 80 Schuss Munition erhielten. Die britische Infanterie trug ihre roten Röcke und ließ Mäntel und Decken im Lager zurück. Nur die Männer des 2nd Durham Light Infantry trugen Khaki, da das Bataillon seine roten Röcke nicht mit ins Feld genommen hatte.

Die 1. Brigade und das Camel-Corps, welches die linke Flanke sicherte, marschierten zunächst den berittenen Truppen hinterher und blieben in losen Kontakt mit diesen. Das Berkshire Regiment (in „quarter column“) marschierte in der Mitte der Formation, rechts daneben das Royal West Kent Regiment und links die Durham Light Infantry (beide in column of companies). Jedes der drei Einheiten hatte außerdem zwei Kompanie abgestellt, die zusammen ein viertes Bataillon bildeten, welches in Reserve hinten den anderen Truppen marschierte. Die Artillerie und Versorgung hatte man im Zentrum dieser Formation postiert. Durch diese Disposition konnte nun jederzeit ein Karree gebildet werden, für den Fall, dass ein unerwarteter Angriff erfolgen sollte.

Die 2. Brigade bewegte sich rechts hinter der 1. Brigade. Diese Formation hatte die Artillerie in der Mitte genommen und rechts und links davon jeweils ein halbes Bataillon Yorkshire Regiment postiert. Das 1. Ägyptisches Bataillon marschierte in Reserve dahinter.

Die Lotus stand unter Dampf und wurde mit einer Schützen-Abteilung des West Kent Regiments und einem Gardner Repetiergeschütz bemannt, welches von den Soldaten des IX. Sudanesischen Regiments bedient wurde.

Leider habe ich kein Bild des Dampfers Lotus gefunden. Hier eine Abbildung eines anderen bewaffneten Yarrow Steamers aus dem Jahr 1886.

Die 1. Brigade marschierte nun, verborgen von den Hügeln, drei Meilen südöstlich in die Wüste, bis sie sich auf den Höhen gegenüber Giniss positionieren konnten. Die Kavallerie war zu ihrer Linken in Vedetten ausgefächert. Die 2. Brigade nahm eine Position ein, die das Dorf Kosha überblickte, während die ägyptische Kavallerie in Reserve verblieb. Die Cameron Highlander und das IX. Sudanesische Regiment formierten sich vor der Festung von Kosha.

Das Fort Kosheh und seine Verteidigungsanlangen von Norden aus gesehen.

Die Schlacht begann um 6:10 Uhr, nachdem die 2. Brigade rund 1.200 Meter vor dem Dorf Kosha einen Hügelkamm bestiegen hatte. Die Batterie eröffnete das Feuer auf Kosha und überraschte damit die Mahdisten. Diese antworteten mit einem heftigen aber schlecht gezielten Feuer, das wiederum vom Yorkshire-Regiment beantwortet wurde. Nach fünfzehn Minuten Bombardierung begannen die Cameron Highlander und das IX. Sudanesische Regiment ihren Vormarsch entlang des Flusses, während der Dampfer Lotus sich langsam in Bewegung setzte.

Plan der Schlacht.

Die Cameron Highlander reagierten mit großer Freude auf den Befehl vorzurücken, hatten sie doch einen Monat zusammengepfercht im Fort verbringen müssen. Sie marschierten direkt in Richtung Dorf, während der IX. Regiment den schwarzen Felsen stürmte. Die Lotus eröffnete das Feuer mit ihrem Gardner-Geschütz und den Gewehren der Soldaten auf einige Gruppen von Mahdisten, die so von Hütte zu Hütte getrieben wurden.

Der erste Angriff der Cameron Highlanders und der Sudanesen auf das Dorf Giniss.

Der IX. Regiment konnte den schwarzen Felsen nach heftigen Nahkämpfen von Feinden säubern und erbeutete dabei eine Messingkanone. Als die Camerons auf der anderen Seite des Felsens mit dem IX. Regiment zusammentrafen, wurden die Sudanesen von ihnen mit lautem Jubel begrüßt.

Das IX. Sudanesische  Regiment in Feuerlinie.

Um 6.50 Uhr war das Dorf Kosha geräumt. Die Lotus meldete eine Truppe von Mahdisten, die von Giniss aus vorrückte. Es wurde befohlen, mit dem Dampfer weiterhin unmittelbar vor den Camerons zu fahren, während dieser beide Ufer mit den Geschützen unter Feuer nahm. Die Camerons und die Sudanesen setzten ihren Vormarsch durch die Palmenhaine fort und steuerten auf Giniss zu, während der Rest der Brigade sich ihnen anschloss.

Das Schlachtfeld von den Sandsackstellungen des Fort Kosheh aus gesehen. Rechts auf dem Nil der Dampfer Lotus, in der Bildmitte die befestigten Häuser und Stellungen des Feindes und links die vorrückenden Einheiten der Cameron Highlanders und der Sudanesen.

Als die Mahdisten im Lager hinter Giniss feststellten, dass die 1. Brigade eine Position in den südöstlichen Höhen eingenommen hatte, begannen sie ihren Angriff, der von einigen ihrer Schützen gedeckt wurde. Die Schützen säumten dabei die Höhenrücken und eröffneten ein etwa vierzig Minuten anhaltendes Feuer. Einige Speerkämpfer konnten ungesehen entlang eines Khors vorstoßen und das Ägyptische Camel Corps angreifen, während dieses abgesessen operierte, und es zurückdrängen. Aber der Angriff wurde durch den Beschuss der DLI und der rechten Flankentruppen des Kamelkorps zurückgeschlagen.

Der letzte Angriff des Ansari.

Die 1. Brigade schwang jetzt nach links und kämpfte um jeden Hügel, während es weiter auf das Lager in Giniss zuhielt. Die Brigade besetzte das Lager in dem Augenblick, als die Cameron Highlander und IX. Sudanesen die Häuser des Dorfes Giniss geräumt hatten. Die britische Kavallerie und berittene Infanterie hatte sich Links von der 1. Brigade formiert und verfolgte die Mahdisten durch die Atab-Schlucht. Diese wurde nur durch schwache Kräfte gehalten, und so konnten die Mahdisten durch eine Bajonett-Attacke der berittenen Infanterie zerstreut werden. Die Kavallerie beobachtete dann, wie sich die Mahdisten langsam zurückzogen. Als der Kommandant der Kavallerie später angeklagt wurde, weil er die Mahdisten nicht energischer verfolgt hatte, erwiderte er ziemlich beklommen, dass er kein selbständiges Kommando führte und nicht das Gefühl hatte, eine solche Initiative ergreifen zu können.

Als das Lager und die beiden Dörfer sich in anglo-ägyptischen Händen befanden, stellte man fest, dass eine kleine Gruppe von Mahdisten immer noch ein Haus im Dorf Kosha besetzt hielten. Sie wurden schließlich von einer „screw gun“ und dem 1. Ägyptischen Regiment vertrieben. Die Schlacht endete um 10:00 Uhr.

Das Schlachtfeld aus Sicht der Artillerie-Position der 2. Brigade.

Nach der Schlacht

Die anglo-ägyptischen Verluste während der Schlacht waren gering. Es wurden 2 britische Tote und 25 Verwundete, 8 getötete Ägypter und 13 Verwundete gemeldet. Spätere Quellen legten die Zahl der Toten auf 20 Ägypter und 12 Briten bzw. insgesamt 150 Todesopfer fest.

Denkmal für William Gordon Cameron (Sohn von Major General Cameron), der bei dem Angriff der Cameron Highlanders auf die befestigen Häuser getötet wurde.

Es ist schwer zu sagen, wie hoch die Verluste der Mahdisten waren, da die offiziellen Depeschen keine Angaben über die Streitmacht oder ihre Verluste enthalten. Es gibt Opferzahlen, die von 500 getöteten und 300 verwundeten Ansari sprechen. Der Verlust von Amiren scheint hoch gewesen zu sein, dazu gehörten abd al-Kbjid, abd al-Khalik und Umar wad al-fakir aus dem Oberkommando. Die Kommandeure der Kontingente Rubatab, Berber und Khartoum sowie der Amir Hamid at-Zain. Abd al-Majid al-Khujali wurde verwundet.

Die geschlagenen Truppen der Mahdisten wurden von Uthman Azraq in der alten Stadt Dongola gesammelt, die während des größten Teils des Jahres 1886 als nördlichster Außenposten diente. Muhamnad al-Khair berichtete dem Kalifen, dass seine Streitkräfte völlig überrascht wurden. Er wurde später für die Niederlage verantwortlich gemacht und schließlich 1886 von seinem Posten als Kommandeur von Berber und Dongala entfernt.

Die Mahdisten fürchteten weiterhin eine Invasion aus dem Norden, bis die anglo-ägyptischen Streitkräfte, nun zufrieden damit, dass keine unmittelbare Bedrohung aus dem Süden zu erwarten war, Kosha verließen und sich nach Wadi Halfa zurückzogen, wo sie bis zum Beginn der Rückeroberung verblieben.

Schlussbetrachtung

Die meisten Kämpfe an der Front wurden von der britischen Armee geführt, aber es kann nicht geleugnet werden, dass alle Teile der ägyptischen Armee sich ebenfalls gut geschlagen hatten. Sowohl das Camel Corps als auch das 1. Ägyptische Regiment waren in heftige Nahkämpfe verwickelt, und alle vier Geschütze die während der Schlacht erbeutet wurden, fielen in die Hände der ägyptischen Truppen. Eine Schlacht-Auszeichnung ging an das kürzlich gegründete IX. Sudanesische Bataillon, das erste und zu dieser Zeit einzige sudanesische Bataillon in der ägyptischen Armee. Sergeant Major Ali Abdullah vom IX. Bataillon, früher ein Kanonier auf einem von Gordons Dampfern, wurde in den Depeschen lobend erwähnt und aufgrund seiner Fähigkeiten im Umgang mit dem Gardner-Geschütz auf der Lotus befördert. In der Schlacht erbeute das Bataillon außerdem zwei Kanonen. Durch den Monat der Belagerung, den die Sudanesen und die Cameron Highlanders gemeinsam im Fort verbracht hatten, fühlten sich die beiden Einheiten eng verbunden, und so überreichten die Cameron Highlander dem IXth einen Satz Fahnen, welche mit mit „Kosheh“ und „Ginnis“, den ersten Auszeichnungen, welche die Sudanesen errungen hatte, bestickt waren. Der Erfolg der IX. Bataillons an der Grenze führte zur Bildung eines zweiten sudanesischen Bataillons, dem XIII. unter dem Kommando von Smith-Dorrien.

Die neue Fahne des IX. Sudanesischen Bataillons, überreicht von den Cameron Highlanders.

Giniss markierte das Ende der aktiven Beteiligung der britischen Armee an der Grenze zum Sudan. Das provisorische britische Camel Corps und die berittene Infanterie wurden aufgelöst und die Soldaten kehrten in die Garnisonen flussabwärts am Nil zurück. Es war auch das letzte Mal, dass große Verbände britischer und ägyptischer Truppen zusammengeschlossen wurden. Die Verteidigung der Grenze lag nun in den Händen der ägyptischen Armee und in den nächsten Jahren errangen Einheiten wie die sudanesischen Bataillone und das ägyptische Camel Corps einen legendären Ruf, der bis in die Zeit der Rückeroberung des Sudan reichen sollte. Es war die ägyptische Armee, die später Wad al-Nujumis Heer bei Toski besiegte (nur eine britische Einheit, die 20. Husaren waren anwesend), und es war die ägyptische Armee, welche die frühen Aktionen der Rückeroberung durchführte. Nur bei den Feldzügen von Atbara und Omdurman wurden wieder eine große Zahl an britischen Truppen eingesetzt, dann jedoch getrennt von der ägyptischen Armee.

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