Napoleonische Kriege in Norddeutschland – Die Britische Flotte / Teil 3

Glücksstadt

Der Ort Glückstadt liegt am Nordufer der Unterelbe, rund 50 Kilometer von der Mündung des Flusses in die Nordsee entfernt. Gegründet würde die Stadt im Jahr 1617 von Christian IV., dem damaligen König von Dänemark, Norwegen und Herzog von Schleswig und Holstein.

Glückstadt war als dänischer Konkurrenz-Hafen zur Freien und Hansestadt Hamburg gedacht. Es handelt sich um einen Ort und eine Festung vom Reisbrett, also eine komplette Neugründung in einem vormals sumpfigen Gebiet der Kremper Marsch, etwas östlich des Flusses Stör gelegen, der an dieser Stelle in die Elbe mündet. Der Name Glückstadt war folgendem Ausspruch des dänischen Königs zu verdanken: „Dat schall glücken und dat mutt glücken, und denn schall se ok Glückstadt heten!“ Auch im Wappen der Stadt ist das Glück durch die Göttin Fortuna vertreten. Durch den Ausbau der Stadt zur Festung im 30-jährigen Krieg wurde Glückstadt auch als Militär- und Regierungsstandort genutzt, aber schon im 18. Jahrhundert konnte der Hafen nicht mehr mit Hamburg und Altona konkurrieren und der wirtschaftliche Verfall der Stadt begann. Auch der militärische Nutzen wurde in Frage gestellt und so wurde die Stadt zu einer Festung zweiter Klasse herabgestuft.

Diese sensationelle Modell von Glückstadt (Detlefsen Museum) zeigt die Stadt und Festung im Jahr 1813.

Hier im Gießhaus wurden unter anderem Kanonenkugel und Geschützrohre gefertigt.

Noch heute durchziehen die Stadt zahlreiche Gräben und kleine Gewässer, wobei es sich um die Überreste der Festungsgräben handelt.

Das Königliches Brückenhaus markiert die Stelle, an der eine Brücke von der Innenstadt zum Rethövel führte.

Das Rantzau Palais am Binnenhafen wurde ab 1736 als Zuchthaus und Tollhaus genutzt.

Das Brockdorff-Palais, das heutige Detlefsen Museum, wurde 1631/32 für den Gouverneur der Festung Glückstadt erbaut. 1802 kam das Gebäude in den Besitz des Kanzlers von Brockdorff, nachdem es noch bis heute benannt ist. Ganz unten links, ist eine eingemauerte Kanonenkugel aus der Zeit der Belagerung von 1813/14 zu sehen.

Die Stadtkirche stammt aus den Jahren 1618-1623.

Bronzebüste Christian IV.

Das Fleht galt früher als Binnenhafen für die Innenstadt, auf dem Waren und Güter die zahlreichen Händler rechts und links des Wasserweges erreichen konnten.

Die Stadtbäckerei befindet sich seit 1632 in diesem Gebäude. Auch hier kann man in der Fassade des Fachwerkhauses eine eingemauerte Kanonenkugel entdecken.

Neben dem Rathaus von Glückstadt stehen einige schöne alte Häuser, die ebenfalls noch eingemauerte Kanonenkugeln in ihren Giebeln aufweisen.

Das Wappen Glückstadts in der Giebelfront des Rathauses. Es handelt sich um die Glücksgöttin Fortuna, die mit dem rechten Fuß auf einer Kugel steht und mit beiden Händen ein vom Wind geblähtes Segel hält.

Die Festung Glückstadt

Glückstadt ist auf einem geplanten, annähernd sechseckigen Grundriss errichtet. Den Mittelpunkt bildet der Marktplatz mit dem Rathaus und der Kirche, welcher vom Markt-Fleth unterbrochen wird und auf den sieben Straßen radial zulaufen. Die Stadt wird durch das Hafenbecken in die nördlichen Wohngebiete und den kleinen südlichen Bereich, den Rethövel geteilt.

Plan der Festungsanlagen von 1813.

In niederländischer Manier wurden die Glückstädter Festungswerke vollständig aus Erde erbaut, mit Grassoden bedeckt und von Wassergräben umgeben. Um 1800 bestand die eigentliche Festungsanlage aus 12 ganzen und halben Bastionen, bei denen es sich namentlich um die Bastion Holstein, Storman, Dithmarschen, König, Königin, Kronprinz, Kronprinzessin, Erbprinzessin, Sonderburg, Glücksburg und Schleswig handelte, welche durch Kurtinen, also dem eigentlichen Wall, verbunden waren. Als Bastion versteht man den Teil einer Festung, der aus der Linie eines Walls vorspringt und so ein großes Schussfeld von 180 bis 270 Grad bietet, wobei die Bastionen sich gegenseitig unterstützen und so ein möglicher Feind ins Kreuzfeuer genommen werden kann. Die Bastionen waren meist mit einer Geschützbatterie ausgestattet, konnten aber auch mit Musketenschützen bemannt werden.

Mit Nr. 1 und 2. sind die Louisen-Batterie und Prinz-Carl-Batterie gekennzeichnet.

Zusätzliche Batterien hatte man dort in den Wall integriert, wo der Elbdeich an die Festung grenzte, da man fürchtete, dass Angreifer sich im Schutz des Deiches der Festung nähern könnten. Diesen Batterien war es außerdem möglich, feindliche Schiffe auf der Elbe zu bekämpfen. Die je 2 Batterien nördlich und südlich der Stadt hießen Louisen-Batterie und Prinz-Carl-Batterie sowie die Sieh-dich-vor-Batterie und die Prinz-Friedrich-Batterie.

Die Tore der Stadt und andere Schwachpunkte der Festung wurden durch sogenannte Ravelins (Oldenburg-, Krempertor-, Delmenhorst und Neutor-Ravelin) und Lunetten (Steinburg- und Pinneberg-Lunette) gesichert. Ein Ravelin, auch Wallschild genannt und die Lunetten waren im Gegensatz zur Bastion selbständige Festungswerke ohne Verbindung zum Wall. Vor dem Wall gab es einen 60 m breiten Wassergraben, eine weitere Erdaufschüttung, in der Festungskunde Glacis genannt sowie einen 6 m breiten Vorgraben. Die Wassergräben wurden durch den Fluss Rhin gespeist und eine Schleuse zwischen Hafen und Fluss regulierte ihren Wasserstand.

Die Festungswälle wurden durch 3 Tore unterbrochen. Es handelte sich um das Deichtor, das Krempertor und das Neutor. Über die Wassergräben führten Holzbrücken zu den Toren, die durch Zugbrücken gesichert waren.

In den Jahren vor der Belagerung der Stadt im Jahr 1813, hatte man die Lagerung der Munition von den alten Pulvertürmen auf ein Depot unter dem Wall zwischen der Bastion Kronprinz und Königin verlegt. Kurz vor der Belagerung hatten die Dänen außerdem eine Batterie, bestehend aus vier 24-Pfündern, vier 12-Pfündern und zwei Haubitzen, bei Störort eingerichtet, um die Einfährt in den Fluss Stör kontrollieren zu können. Kommandeur dieser Küstenbatterie war Kapitänleutnant Emanuel Krieger.

Bei diesen Geschützrohren vor dem Schwedischen Armeemuseum in Stockholm handelt es sich um Beutestücke von 1814 aus der Festung Glückstadt.

Dänische Truppen in Glückstadt

Glückstadt war zur Zeit der Napoleonischen Kriege eine dänische Garnisonstadt und ein Flottenstützpunkt. Nach dem ersten Angriff der Engländer auf Kopenhagen im Jahr 1801, erfolgte die Verlegung einer Kanonenboot-Flottille nach Glückstadt, die besonders erfolgreich von den Leutnants Halling und Klaumann als Kommandanten und Divisionsführer geleitet wurde. Während der Belagerung von Glückstadt bestand die kleine Flotte im Hafen aus der Brigg Femern mit 16 Kanonen, 2 Kanonenjollen mit je 1 Kanone und 63 Mann Besatzung sowie 9 Kanonenschaluppen mit je 2 Kanonen und 63 Mann Besatzung, die unter dem Kommando von See-Capitain von Krieger standen.

Dänische Truppen in Glückstadt

Als ständige Garnison war das Königin-Leib-Regiment (Dronningens Livregiment) in der Stadt untergebracht. Ende November 1813 stationierte man das Jütische Scharfschützenkorps (4 Kompanien) und eine Kompanie vom Seeländischen Corps (unter dem Kommando von Captain von Falkenschild) in den Orten Borsfleth, Colmar und Bielenberg. Diese Truppen wurden dann Anfang Dezember nach Glückstadt verlegt. Nach der Schlacht von Sehestedt am 10. Dezember 1813 trafen einige versprengte Truppenteile vom dänischen Auxiliarkorps ein. Dazu gehörten auch 70 bis 80 Husaren unter dem Kommando des Premierlieutenant Johannes von Ewald. Über die Elbe kommend erreichte ab dem 18. Dezember nach und nach die dänische Garnison aus Altona die Festung Glückstadt, darunter Seeländische Jäger und ihr Kommandeur Generalmajor von Wegener. Am 22. Dezember trafen weitere 200 Mann verschiedener Einheiten aus Altona in der belagerten Stadt ein. Es handelte sich dabei um 163 Jäger vom Jütischen Jägerkorps und 12 Mann vom Holsteinischem Reiterregiment (ohne Pferde) unter dem Kommando von 5 Offizieren und dem Stadtkommandanten von Altona, Oberstleutnant Ludwig von Buchwaldt. Schließlich hatte sich die ursprüngliche Garnison von ca. 650 Mann auf 76 Offiziere und 3.193 Unteroffiziere und Mannschaften erhöht.

Dänischer Entersäbel.

Vorbereitung der Stadt auf die Belagerung

Ab 7. Dezember 1813 werden die Zufahrten in die Stadt gesperrt und die Brücken hochgezogen. Die Übergänge öffnet man nur noch für Versorgungsfahrzeuge und Militär. Alle anderen Personen, Wagen und Güter müssen eine Fähre am Kremper und am Neuen Tor nehmen. Zunächst werden von den Dänen Vorposten-Kommandos in die Umgebung geschickt, dann erfolgt auch noch die Besetzung der Wälle und Bastionen mit doppelter Mannstärke. Am 5. Dezember 1813 um 1 Uhr in der Nacht wird der Belagerungszustand erklärt. Man entfernt alle Bäume, Büsche und Zäune rund um die Festungswerke. Alle Bewohner vor den Toren der Stadt müssen ihre Häuser verlassen. Anschließend öffnete man die Rhinschleusen, wodurch große Teile der Gegend vor den Stadtwällen überflutet werden. Schließlich stehen die Gebiete der Blömschen und der Engelbrechtschen Wildnis unter Wasser und nur die Deiche und der Steinweg nach Krempe schauen noch aus den Fluten heraus. Am 19. Dezember werden die Brücken am Kremper Tor und am Neuen Tor in Brand gesetzt und so unbrauchbar gemacht.

Die Brücke am Deichtor wird dermaßen eingerissen, dass nur noch die Pfähle im Wasser stehen bleiben. Schließlich brennt man auch die Häuser vor dem Deichtor ab, um ein besseres Schussfeld zu erhalten und um zu verhindern, dass der Gegner in den Gebäuden Deckung suchen kann. Die Ewer und Boote im kleinen Fluss Rhin werden versenkt oder unbrauchbar gemacht. Alle anderen Boote bringt man in den Hafen. Zuvor wurde allerdings schon ein Großteil der Ewer von feindlichen Truppen erbeutet. Auch mit dem Abbrennen der Häuser ist man nicht konsequent genug und so werden viele der Gebäude von den Schweden besetzt. Nun gilt es Vorräte heranzuschaffen. Es werden Lebensmittel und Proviant für 5.000 Mann auf einen Zeitraum von 6 Monaten eingelagert. Auch die Bevölkerung wird angewiesen für ein halbes Jahr Vorräte anzulegen.

Ein Großteil der Vorräte wurde in diesem um 1700 errichten Provianthaus gelagert.

Die englische Flotte und Glückstadt

Nach der Eroberung von Cuxhaven am 30. November 1813 durch die Britische Flotte und die russische Armee, war nun die Elbe offen für Aktionen britischer Schiffe. Zunächst wurde am 5. Dezember 1813 die HMS Shamrock und die HMS Piercer mit einigen Kanonenbooten elbaufwärts geschickt.

Die Elbe von Glückstadt aus in Richtung Mündung gesehen.

Am 6. Dezember lagen die Schiffe oberhalb vor Freiburg vor Anker. Am nächsten Morgen wurden dänische Kanonenboote am Nordufer der Elbe gesichtet. Die Segel waren gerefft, die Boote waren also gefechtsbereit. Trotzdem eröffneten die Briten nicht das Feuer. Als die Engländer sich am Nachmittag den Dänen nähern, ziehen diese sich in den Hafen von Glückstadt zurück. Am gleichen Tag erhält Farquhar vom britischen Minister Plenipotentiary Edward Thornton aus Lübeck die Nachricht, dass die schwedischen Truppen Lübeck eingenommen haben und auch die Festung Danzig gefallen ist. Die Alliierten haben nun ausreichend Truppen, um auf das Gebiet von Schleswig-Holstein vorzurücken. Farquhar lässt zur Feier des Tages 21 Schuss Salut feuern.

Am 11. Dezember 1813 erhält Captain Marshall das Kommando der Brigg HMS Shamrock. Sofort nachdem er das Schiff vor Cuxhaven übernommen hat, wird er mit einer Abteilung von Kanonenbooten unter seiner Führung die Elbe hinaufgeschickt, um den Feind in Glückstadt bis zur Ankunft der Schwedischen Truppen unter dem Kommando von Gen.-Lt. Barons de Boije zu beobachten, welche bereits auf diese Festung zu marschieren. Ein Kanonenboot, das täglich zwischen Cuxhaven und dem Beobachtungsgeschwader pendelt, sorgt dafür, dass Fraquhar ständig über die gegenwärtige Situation unterrichtet ist. Unterdessen steigt der Krankstand auf den Booten des Beobachtungsgeschwaders durch das nasse Wetter ständig an und so versucht Marshall die Boote so trocken wie möglich zu halten und die Männer nicht unnötig dem Regen auszusetzen.

Am 17. Dezember erhält Fraquhar von den russischen Belagerungstruppen um Hamburg eine Nachricht, in der die Russen um einige Kanonenboote zur Unterstützung im Kampf gegen die Franzosen bitten. Er informiert die britische Admiralität, schreibt aber auch, dass, falls der Wind drehen und Frost einsetzten würde, er seine Beobachtungs-Flottille zurückziehen müsste. Ein Vordringen mit seinen Schiffen bis Hamburg wäre aufgrund der Wetterlage also ein höchst riskantes Glücksspiel. Außerdem hätte er dann Glückstadt mit seinen dänischen Kanonenbooten im Rücken. Ein Vorstoß auf Hamburg wird also nicht versucht.

Im Museum von Glückstadt sind die unterschiedlichen Kontingente der Belager durch Figuren dargestellt.

Die Alliierten Belagerungstruppen

Bernadotte befiehlt dem schwedischen Generalmajor Freiherr Gustaf Reinhold Boije af Gennäs, dessen 3.600 Mann starke 6. Brigade der 2. Division der Königlich Schwedischen Armee, die aus dem Kronoborg Infanterie Regiment (3 Bataillone / Oberst von Hederstierna), dem Engelbrecht Infanterie Regiment (1 Bataillon / Oberstleutnant Baron Unterswörd) und dem Kalamar Infanterie Regiment (3 Bataillone / Oberstleutnant Klingström) bestand und in Neumünster stationiert war, am 16. Dezember zur Belagerung nach Glückstadt abzurücken zu lassen. Die Brigade erreicht Glückstadt am 18. Dezember und Boije richtet sein Hauptquartier in der Stadt Krempe ein, dass zuvor schon durch 220 preußische Husaren (Schill) eingenommen wurde. Am 2. Januar 1814 treffen außerdem Verstärkungen in Form von Hannoverscher Infanterie (u.a. das Hannoversche Bataillon Langrehr), Infanterie des Freikorps Lützow, Truppenteile des Korps Woronzow (3.000 Mann) und Artillerie der KGL ein. Insgesamt beläuft sich die Anzahl der Belagerungstruppen auf rund 10.000 Mann, 19 Feld- und 20 Belagerungsgeschütze sowie 16 Raketengestelle. Hinzu kommen die Britischen Schiffe mit 1.200 Mann Besatzung und 118 Schiffgeschützen.

Die Batterie von Störort

Um das Nebenfahrwasser vor Glückstadt und die Mündung des Flusses Stör zur kontrollieren, hatten die Dänen bei Störort südlich von Ivenfleth eine Batterie angelegt. Das Kommando dieser Küstenbatterie, bestehend aus vier 24-Pfündern, vier 12-Pfündern und zwei Haubitzen, hatte Kapitänleutnant Emanuell Krieger. Außerdem war hier die 1. Kompanie des II. Bataillons des jütischen Scharfschützenkorps stationiert. Allerdings war den Dänen schon bald klar, dass man diese isolierte Stellung nicht lange durch einen Angriff von der Landseite aus werde halten können. So entschloss man sich am 15. Dezember die Batterie aufzugeben und die Geschütze nach Glückstadt zu bringen. Die vier 12-Pfünder hatte man bereits mit Fuhrwerken in die Stadt geschafft, so dass zunächst nur 24 Soldaten unter dem Kommando von Leutnant Jürgensen die restlichen Geschütze bemannten. Diese feuerten noch einige Salven auf die britische Beobachtung-Flottille, die im Schutz der Elbinsel Krautsand ankerte.

Die noch heute sichtbaren Festungswälle im Norden. Darunter dieselben Wälle im Modell von 1813.

Am Sonntag, dem 18. Dezember erhält Farquhar eine Depesche durch das Kanonenboot Nr. 8 von Captain Marshall, der ihm mitteilt, dass eine Abteilung der schwedischen Armee in Richtung Glückstadt vorrückt. Zur gleichen Zeit kam Capatin Marschall gerade von einer Aufklärungsmission nach Krautsand zurück, als gegen 19.30 Uhr Schüsse schwedischer Artillerie auf die Störbatterie abgefeuert werden. Capatin Marschall lässt daraufhin sein Boot gefechtsklar machen. Die Schweden versuchen mit 150 Mann die Stör-Batterie einzunehmen, werden aber durch Kartätschen-Beschuss abgewehrt. Die Briten ziehen sich um 20 Uhr wieder in ihre gedeckte Stellung in der Freiburger Reede hinter Krautsand zurück. Unterdessen treffen nach und nach die Schwedischen Truppen vor Glückstadt ein.

Als die britischen Schiffe am nächsten Tag, den 19. Dezember 1813, bei Brokdorf am nördlichen Ufer ankern, sehen sie, dass um 13 Uhr die Dänische Fahne der Stör-Batterie eingeholt wird. Die Dänen hatten eine Truppe von 200 Jägern vom Seeländischem Korps unter dem Kommando von Captain Falckenschild und eine weitere Einheit von 70 Jägern mit Lieutenant Steitz und einigen Husaren zur Stör-Batterie bei Ivenfleth geschickt. Vor Ort werden die Protzen der Geschütze in Brand gesetzt, die Munition versenkt und die schweren 24-Pfünder mit doppelten Ladungen geladen und abgefeuert, so dass diese den Deich herunterstürzen. Die Dänen werden schon auf dem Hinweg von Schwedischen Truppen angegriffen und müssen sich auf dem Rückweg die Straße freikämpfen. Mit Kartäschenfeuer aus den 2 verbliebenen Haubitzen wird zunächst der Rückzug gedeckt. Als diese vernagelt worden sind, erfolgt ein Angriff der Schweden vom Alten Deich über den Sperforkenweg auf den Rückzugsweg am Neuen Deich. Unter dem Kommando von Premierlieutenant Charles von Beck, werfen sich 20 Soldaten des Königin-Leibregiment den Schweden entgegen und verhindern so, dass die Männer von Captain Falckenschlid abgeschnitten werden. Der weitere Rückzug wird zur wilden Flucht, welche sich bis in den Feuerbereich der Festungswälle von Glückstadt hineinzieht. Hier wird die Truppe, gedeckt durch die Besatzung der Stadtwälle, in Booten über den Festungsgraben gesetzt, denn man hatte schon im Laufe des Tages die Brücken vor den Festungstoren in Brand gesetzt, um das Eindringen schwedischer Truppen zu verhindern. Die dänischen Verluste betragen 2 Tote, 7 Verwundete und 2 Gefangene.

Granaten im Museum von Glückstadt.

Am Nachmittag um 16 Uhr kommt es zum ersten Mal zu einem Kontakt zwischen der britischen Flotte und der Schwedischen Armee. Capatin Marschall begibt sich an Land und trifft sich dort mit einem schwedischen Offizier. Am Abend kommt ein Kurier des Kommandeurs der KGL an Bord der HMS Shamrock. Durch den Verlust der Störbatterie ist es den britischen Schiffen nun möglich, in das Nebenfahrwasser bis Glückstadt vorzustoßen. Unterdessen beginnen die Schweden unter schwerem Störfeuer der Bastion Königin ihre Artilleriestellungen am Neuen Deich anzulegen. Glückstadt ist nun von allen Seiten eingeschlossen und die Belagerung der Festungsstadt beginnt.

Belagerung von Glückstadt

Am 20. Dezember nähert sich Marshall wieder mit seinen Schiffen Glückstadt und er sendet das Kanonenboot Nr. 12 nach Cuxhaven, um Farquhar über die Ereignisse an der Störbatterie zu unterrichten. Es schickt später ein zweites Boot, um neue Befehle einzuholen. Farquhar beschließt mit der HMS Desirée und der HMS Blazer den Fluss hinauf zu fahren, aber der Nebel liegt an diesem Tag so dicht über dem Fluss, dass er dieses Vorhaben aufgeben muss. Stattdessen besteigt er in derselben Nacht das Kanonenboot Nr. 12 und lässt sich zur Beobachtungs-Flottille bringen. Die Desirée und der Blazer sollen folgen, sobald das Wetter sich bessert.

Einfahrt von der Elbe ins Nebenfahrwasser vor Glückstadt.

Da der Nebel auch am 21. Dezember nicht verschwunden ist, lässt die Shamrock ihre Signalkanone schießen, um den Booten aus Cuxhaven den Weg zu weisen. Am Nachmittag treffen schließlich Farquhar und alle Boote am Ankerplatz bei Krautsand ein. Unterdessen erreicht eine Depesche von Minister Thornton über Cuxhaven die Beobachtungs-Flottille. Sie unterrichtet Farquhar über den Waffenstillstand mit Dänemark vom 16. Dezember und die Tatsache, dass Glückstadt und Friedrichsort davon ausgenommen sind. Außerdem bittet Thornton in einer zweiten Depesche im Namen der Russen, dass zumindest 2 Kanonenboote bis Blankenese vorstoßen sollen. Hier kurz vor Hamburg war die Kommunikationsverbindung zwischen den beiden russischen Belagerungs-Korps durch französische Truppen gefährdet. Doch auch diese Bitte muss Farquhar ablehnen.

Am 22. Dezember können die HMS Desirée und die HMS Blazer endlich Cuxhaven verlassen. Am frühen Nachmittag erreichen die beiden Schiffe die Beobachtungs-Flottille, die vor der Störmündung in der Strömung treibt. Die Briten haben bereits am frühen Morgen Kanonendonner gehört und gegen Mittag steigen Rauchsäulen aus der Stadt auf, man hört Gewehrfeuer und auch Kämpfe auf dem Deich werden beobachtet. Daraufhin begeben sie die britischen Kanonenboote in Stellung und beschießen die dänischen Batterien. Kurz darauf verlassen 6 dänische Kanonenboote den Hafen von Glückstadt, gehen in Gefechtslinie vor Anker und eröffnen das Feuer auf die britischen Boote, die sich daraufhin zurückfallen lassen. Am gleichen Tag werden auch erstmals von den Belagerungstruppen Congreve-Raketen auf die Stadt abgefeuert.

Congreve-Raketen

William Congreve wurde als Sohn des Artilleriegenerals William Congreve geboren und machte sich durch mehrere Erfindungen im Schleusen- und Kanalbau sowie durch die vom Herzog von York geleiteten neuen Einrichtungen des britischen Heerwesens verdient. Er wurde deshalb zum Aufseher des königlichen Laboratoriums ernannt. Seine bedeutendste Erfindung war eine Art Brandrakete. Mit diesem Typ stellte er seit 1804 erste größere Versuche an. 1806 wurden sie bei Boulogne, 1807 beim Bombardement von Kopenhagen, 1809 beim Angriff auf die französische Flotte bei Île d’Aix und bei der Beschießung von Vlissingen eingesetzt. Die Briten schickten 1813 ihren Verbündeten eine Raketenabteilung (Royal Horse Artillery, Rocket Brigade – der Begriff Batterie wurde erst später verwendet) unter dem Kommando von Captain Richard Bogue, die am 8. August in Wismar an Land geht und dem Korps Wallmoden angeschlossen wird. Die Truppe wurde dem schwedischen König Bernadotte als Leibwache zugeordnet und bestand aus dem Kommandeur Captain Bogue, Lieutenant Wright als stellvertretender Kommandeur, Lieutenant Thomas Fox Strangways und 144 Männern, sowie acht Offizierspferden und 79 Pferden für die Mannschaften. Die Raketenbatterie setzt man 1813 bei den Belagerungen von Wittenberg und Danzig sowie in der Völkerschlacht bei Leipzig ein. Captain Bogue wird während der Schlacht bei Leipzig getötet und so übernahm Lieutenant Thomas Fox Strangways das Kommando über die Raketenbatterie. In Norddeutschland wurde diese Einheit, es handelte sich genaugenommen um eine Halb-Batterie mit 16 Raketengestellen, am 16. September 1813 in der Schlacht an der Göhrde und schließlich Ende Dezember 1813 / Anfang Januar 1814 unter dem Kommando von Lieutenant Amherst Wright bei der Belagerung vor Glückstadt eingesetzt. Für seine Verdienste bei dieser Belagerung wird Wright am 6. Januar zum Captain befördert und erhält für seinen vorbildlichen Einsatz verschiedene Auszeichnungen.

Congreve-Raketen im Einsatz.

Der Gefechtslärm, den die Briten hörten, war auf die Kanonade der Dänen zurückzuführen, die versuchten, einige Gebäude im Vorfeld der Festung in Brand zu schießen. Das Vorhaben misslang allerdings, da die Schweden die Lunten der Granaten mit Erde bewarfen und so die Explosion verhinderten. Aus diesem Grund machten die dänischen Truppen einen Ausfall. 330 Infanteristen, 20 Reiter und 2 Geschütze unter dem Kommando von Oberstleutnant Graf Konrad von Ahlefeld, dem Kommandeur des 3. Bataillons des Königin Leibregiments, setzen über den Festungsgraben beim Kremper Tor. Die Truppe geht vor der Festungsanlage in Formation und postiert ihre Geschütze auf dem Kremper Steindamm. Zur selben Zeit rücken 100 Dänen und einige Reiter über den Elbdeich nach Ivenfleth vor, um so die Flanke des Vorstoßes zu decken. Den Dänen gelingt es den Feind vor den Toren zu vertreiben, einige Häuser in Brand zu setzten sowie ein paar Gefangene und Vorräte in die Stadt zu bringen.

Die Gegend rund um Glückstadt und die Position der Belagerungs-Batterien.

Am 23. Dezember sind bei den Belagerungstruppen schwere Geschütze eingetroffen. Diese Geschütze stammen aus einer dänischen Schanze in Vollerwiek, südlich von Tönning an der Eider, welche mit 30 Geschützen ausgestattet gewesen war. Kosaken des russischen Corps des eneral Tettenborn unter dem Kommando von Major von Philipsborn (Adjutant Tettenborns) waren am 10. Dezember in diese Gegend vorgedrungen und hatten am Morgen des 11. Dezembers die Übergabe der Schanze gefordert. Die Dänen lehnten ab und so lagerten die Kosaken vor der Schanze. Am 14. Dezember eröffneten sie mit einer mittlerweile aus Husum herangeschafften Kanone das Feuer, woraufhin sich die Besatzung der Schanze ergab.

Russischer Kosake als Motiv auf einer Glückstädter Hutschachtel.

In Tönning lagen seit dem Gefecht vom 3. September immer noch die sieben Kanonenboote unter dem Kommando von Premierlieutenant Klaumann vor Anker. Nach dem Verlust der Schanze von Vollerwiek musste Klaumann sich jedoch mit seinen Kanonenbooten nach Wyk auf Föhr zurückziehen. Die Schweden beginnen nun Stellungen für die Geschütze vor Glückstadt anzulegen. Um die Dänen von den Arbeiten an den Schanzen abzulenken, unternimmt die Infanterie einen Angriff auf die Verteidigungsanlagen. Gedeckt durch Häuser und Buschwerk im Vorfeld der Wallanlagen, geht die schwedische Infanterie bis an den Vorgraben heran und eröffnet von dort das Feuer auf die Verteidiger zwischen dem Deich- und dem Kremper Tor. Es entwickelt sich ein Feuergefecht, dass von 8 Uhr bis 13.45 Uhr andauert, welches aber durch den dichten Nebel kaum Verluste verursacht.

Zusätzlich zu den Geschützen der Schweden, bringen die Briten am 23. Dezember eine Batterie von zwei 32-Pfünder-Geschützen an Land und stellen sie in Reichweite der Stadt auf. Ursprünglich hatte man sechs Geschütze ausgeladen, aber durch die schlechte Qualität der Straßen, konnten nur zwei in Stellung gebracht werden. Unter Kommando von Captain Green (Commander der Shamrock), den Lieutenants Haultain und Archer sowie dem Midshipman George Richardson, wird die Batterie durch Seeleute und Marinesoldaten bedient. Im Feuerbereich der Geschütze liegt die Spitze des Hafenpiers, außerdem sollen so die feindlichen Kanonenboote in Schach gehalten werden.

Das alte Hafen-Kastell.

Um die geplante Bombardierung zu unterstützen, lässt Farquhar am 24. Dezember außerdem je zwei 18-Pfünder von der HMS Desirée auf die HMS Shamrock und HMS Blazer und eine Kanone auf die HMS Piercer umladen, da die Fregatte zu viel Tiefgang hat, um eine Gefechtsposition vor Glückstadt einnehmen zu können. Unterdessen eröffnen die Belagerungsbatterien erneut das Feuer auf die Stadt. Schwedische Infanterie rückt auf das Glacis vor und einige Jäger greifen die Besatzung des Ravelins am Kremper Tor an und können erst durch Geschützfeuer vertrieben werden.

Am 25. Dezember landen weitere Truppen von der HMS Desirée in der Störmündung, um die englische Landbatterie zu verstärken. Die HMS Piercer wird mit einer zweiten Kanone verstärkt. Am Nachmittag trifft die HMS Redbreast ein, die zuvor die französischen Gefangenen aus Cuxhaven nach England gebracht hatte. Auch dieses Schiff erhält zwei zusätzliche Geschütze in Form von 9-Pfündern von der HMS Desirée. Nun werden die Briggs mit je 10 Mann und die Kanonenboote mit je 5 Mann von der Besatzung der der HMS Desirée verstärkt und in einem Abstand von je 2 Stunden nähern sich die Blazer, Piercer und die Shamrock sowie die Kanonenboote der Hafeneinfahrt, von wo aus sie die Stadt bombardieren. Zeitgleich werden Raketengestelle und 7 Mann des britischen Rocket Troops an Bord der HMS Desirée gebracht.

Dänisches Kanonenboot im Gefecht.

Am 26. Dezember versuchen sowohl die Schweden, als auch die Engländer durch Unterhändler die belagerte Stadt zur Übergabe zu bewegen. Captain Marschall segelt um 9.30 Uhr als englischer Parlamentär in einem Boot zur Hafeneinfahrt, wird hier aber, wie zuvor auch die Schweden, abgewiesen. So beginnt um 12 Uhr erneut der Beschuss durch die alliierten Landstreitkräfte und um 15 Uhr sind auch die englischen Schiffe wieder in Position gegangen und eröffnen das Feuer. Captain Farquhar lässt zudem eines der Beiboote mit einem Raketengestellt ausrüsten, mit den Männern des Rocket Troops bemannen und so wird Glückstadt nun auch von der Seeseite her mit Raketen beschossen. Langsam macht sich das Bombardement der Alliierten bemerkbar. In der Stadt brechen mehrere Brände aus, die Bastionen Holstein und Schleswig werden stark beschädigt und eines der dänischen Kanonenboote wird versenkt. Aber die Dänen erwidern den Beschuss von ihren Bastionen und fünf Kanonenbooten und so erleiden auch die Briten Verluste. Kanonenboot Nr. 12 verliert seinen Mast und Nr. 2 erhält einen Treffer, bei dem 3 Mann schwer und 1 Mann leicht verletzt werden. In der Nacht erhält die englische Flottille Verstärkung durch den bewaffneten Kutter HMS Prinzess Augusta.

Um 8 Uhr am 27. Dezember wird die Beschießung der Stadt von der Landseite aus wiederaufgenommen und um 9.30 Uhr beginnen auch die englischen Schiffe wieder mit dem Bombardement. Die HMS Prinzess Augusta schickt man nach Helgoland, um weitere Munition heranzuschaffen. Die HMS Shamrock erhält im Feuergefecht einen Bugtreffer. Die Briggs kehren schon am Vormittag zur HMS Desirée zurück, um Munition aufzunehmen und Verwundete zu übergeben. Gegen Mittag tritt eine kurze Pause des Beschusses ein. Mittlerweile sind alle Geschütze der Bastion Holstein durch den Beschuss demontiert worden. Die dänischen Kanonenboote haben 2 Tote und 6 Verwundete zu beklagen. Am Nachmittag trifft nun auch noch die HMS Heatry aus Cuxhaven ein, womit die englische Flottille ihre größte Stärke während der Belagerung erreicht. Wieder werden die Briggs von der Fregatte mit Kanonen und Munition verstärkt. Die Redbreast und die Hearty erhalten einen 18-Pfünder, die restlichen Schiffe werden mit Pulverfässern und Papierkartuschen versorgt. Um 22 Uhr sind die Verladearbeiten abgeschlossen.

Am Dienstag den 28. Dezember segeln die englischen Briggs und sieben Kanonenboote schon um kurz nach 7 Uhr elbaufwärts nach Glückstadt. Um 9.20 Uhr wir das Feuer von den Schiffen eröffnet. Die Dänen antworten mit Granatbeschuss, deren Geschossen über den Schiffen explodieren und so die Segel und die Takelage zerreißen. Das Kanonenboot Nr. 1 verliert schon nach 10 Minuten seinen Mast. Die Schiffe müssen sich schließlich zurückziehen, da sämtliche Munition verbraucht ist. Für die Landbatterie der Engländer treffen zwei 10-inch Mörser, vier 24-Pfünder Karronaden und Munition ein. Unterdessen werden die Briggs und die Kanonenboote repariert und neu ausgestattet.

Am 29. Dezember wird ein weiterer 18-Pfunder von der HMS Desirée für die Landbatterie ausgeladen. In Helgoland wird unterdessen die HMS Prinzess Augusta mit 1.000 Kanonenkugeln und 100 Fässern Pulver beladen.

Auch der 30. Dezember nutzt man, um die Landbatterien zu verstärken, die Schiffe zu warten und Munition heranzuschaffen. Um 17.45 Uhr trifft die HMS Prinzess Augusta mit der neuen Munition aus Helgoland in der Störmündung ein. Als die HMS Redbreast einen weiteren 18-Pfünder von der HMS Desirée übernehmen will, fällt die Kanonen beim Umladen in die Elbe und ist verloren.

Am 31. Dezember beschießen die Dänen ab 13 Uhr die Stellungen der Belagerer für 3 Stunden. Bei den Briten gehen die Vorbereitungen der Schiffe und der Landbatterien weiter. Das Kanonenboot Nr. 12 erhält statt des 6-Pfünders einen 18-Pfünder. Die Landbatterien bestehen jetzt aus zwei 18-Pfündern, eine aus vier 32-Pfündern und eine aus den beiden in Cuxhaven erbeuteten 13-Zoll-Mörsern. Am Abend schicken die Belagerer erneut Unterhändler in die Stadt, aber auch diese Verhandlungen scheitern und die Parlamentäre ziehen unverrichteter Dinge ab. In der Silvesternacht feuern die Dänen einige „Neujahrssalven“ auf die Batterien der Belagerer und töten und verwundeten dabei zwei Dutzend Schweden.

Im Hafen von Glückstadt (Heute und im Modell von 1813).

Im Morgengrauen des 1. Januar 1814 segeln die 5 englischen Briggs und die Kanonenboote wieder in das Nebenfahrwasser vor Glückstadt und bilden dort eine „Line-of-battle“. Bis zum Mittag hält das schwere Bombardement an, danach müssen die Schiffe erneut Munition von der Fregatte aufnehmen und begingen anschließend wieder mit dem Beschuss der Stadt. Die englische Landbatterie mit den 18-Pfündern verschießt teilweise rotglühend gemachte Geschosse. In der Stadt brechen aus diesem Grund an vielen Stellen Brände aus und viele Gebäude werden stark beschädigt. Auch der Hafen von Glückstadt wird in Mitleidenschaft gezogen. Dort erhalten die dänische Brigg Femern und das dänische Kanonenboot Nr. 10 in schwere Treffer.

Am 2. Januar liegt die Stadt schon von der Landseite her unter starkem Beschuss, als die englischen Schiffe um 11 Uhr ihre Positionen einnehmen. Aber auch die Schiffe der Briten werden mit Geschossen eingedeckt und auf der HMS Blazer kommt es zu einer Explosion, bei der 2 Mann getötet und einer verletzt werden. Im Laufe des Tages gibt es viele weitere leicht und schwer Verletzte, die vom Arzt Mr. Symltain versorgt werden müssen. Abgeschossene Arme und Beine sind keine Seltenheit und auch ein Toter ist zu beklagen. Nach einer 2-stündigen Mittagspause wird der Beschuss wieder aufgenommen, bis schließlich um 16 Uhr die Munition knapp wird. Erneut muss die HMS Prince Augusta nach Helgoland geschickt werden, um Kugeln und Pulver heranzuschaffen. Auf der HMS Piercer bemerkt man, das 2 Geschosse in der Wasserlinie eingeschlagen sind und auch die Takelage hat stark gelitten. Doch das sind nur Kleinigkeiten im Vergleich zu den Schäden in der Stadt. Dort brennt das Proviantmagazin, eine Teerniederlage, eine Zuckerraffinerie und viele der Stadthäuser.

Tagebuch über die Belagerung Glückstadts: Von Mitte Dezember 1813 sowie über die Folgezeit bis zum Ende des Jahres 1815 (Johannes N. Rohde). Durch diesen Sensationsfund kennen wir auch die Belagerungsverhältnisse in der Stadt.

Am 3. Januar wird die Flottille mit neuer Munition versorgt, die britischen Toten erhalten eine Seebestattung und die Verwundeten werden auf die HMS Desirée verlegt. Es werden aber auch Strafen für militärische Vergehen der Schiffsbesatzungen vollzogen. 4 Marines erhalten wegen Trunkenheit, Schlägereien und Geringachtung eines Offiziers Schläge mit der Neunschwänzigen. Erst um 23 Uhr wir der Beschuss auf die Stadt wiederaufgenommen.

Am 4. Januar um 3.30 Uhr wird das Feuer eingestellt. Wieder sind viele Brände in der Stadt ausgebrochen. Um 7.30 Uhr lässt sich Captain Farquhar für Verhandlungen in die Stadt rudern und kehrt am Vormittag mit Dänischen Offizieren auf die Fregatte zurück, welche diese gegen Mittag wieder verlassen. Noch einmal geht die Britische Belagerungsflottille in Stellung, der Befehl zur Bombardierung der Stadt wird jedoch nicht gegeben. Die Verhandlungen waren schließlich doch erfolgreich und Glückstadt kapituliert.

Am 5. Januar 1814 regelt man die Einzelheiten der Übergabe und Fraquhar trägt in sein Logbuch ein, dass die Stadt formell übergeben wurde.

Am 6. Januar wird die Flottille wieder in Stand gesetzt und die geliehenen Geschütze von den Briggs an die Fregatte zurückgegeben. Schließlich wird für die Mannschaften Rum ausgeteilt und auf den Sieg angestoßen.

Einige Tafel, Gedenksteine und das Kugfeldenkmal erinnern noch heute an die Belagerung von 1813.

Die Flottille segelt unter einigen Schwierigkeiten, Treibeis auf der Elbe macht den Schiffen zu schaffen, nach Cuxhaven und schließlich in Richtung Helgoland zurück. Nur die HMS Shamrock wird im Hafen von Glückstadt zurückgelassen und verbleibt dort bis Ende März. Die Britische Verluste sind insgesamt nur leicht, es handelt sich um 3 getötete und 16 verwundete Männer, darunter Captain Rose, Midshipman Richard Hunt und Captain John Riches. Beide Briggs und die Kanonenboote haben eine Anzahl von Rumpftreffer erhalten und ein Teil der Takelage wurde durchtrennt. Den Kanonenbooten Nr. 1 und 12 wurde der Mast weggeschossen.

Am 19. Januar 1814 ereignet sich in Krempe, dem ehemaligen Hauptquartier der Belagerer ein Unglück. Man hatte in der Kirche von Krempe ein Heu- und Strohmagazin sowie auch ein Depot für Pulver eingerichtet. Als durch ungeklärte Umstände ein Brand in der Kirche ausbricht, entzündet sich das Pulver und durch die folgende Explosion wird das Kirchengebäude zerstört. Glücklicherweise bleibt der Turm zunächst stehen und auch die umliegenden Gebäude werden nur leicht in Mitleidenschaft gezogen. Das lag auch daran, dass kurz zuvor noch ein Großteil des Pulvers weggeschafft worden war. Doch schon bald breitet sich der Brand weiter aus und springt auch auf den Turm über, der schließlich um 1 Uhr in der Nacht zusammenstürzt und ein anders Gebäude unter sich begräbt. Erst 20 Jahre später wird eine neue Kirche in Krempe geweiht.

Die alte Kirche von Krempe als Modell.

Hamburg

Im März 1814, nachdem der russische General Graf Bennigsen Hamburg, welches immer noch von einer französischen Armee unter Marschall Davout gehalten wird, vergeblich zur Aufgabe gedrängt hat, bittet dieser den britischen Kommandanten Marshall von der Brigg Shamrock um Unterstützung der britischen Flottille. Die Kanonenboote in Cuxhaven werden sogleich ausgerüstet und segeln mit der HMS Shamrock, die im Hafen von Glückstadt überwintert hat, und der HMS Blazer die Elbe hinauf. Ihre Mannschaften bestehen aus britischen und dänischen Matrosen, einigen hannoverschen Bauern und 300 russischen Soldaten. Die einzigen Offiziere, die diese buntgemischte Truppe befehligen, waren die Kommandanten Marshall und Banks, die Lieutenants Woollough und Edgecombe, zwei „second masters“ und zwei „midshipmen“. Eben jene Männer, die schon bei den Belagerungen von Cuxhaven und Glückstadt mitgewirkt hatten. Kurz nach ihrer Ankunft vor Hamburg werden eine Abteilung dieser Kanonenboote unter Kommando von Marshall und Edgecombe in ein heftiges Feuergefecht verwickelt. Am 25. April 1814 erfolgt ein Angriff auf den südlichen Brückenkopf des Kommunikationsweges. Während die zwei englischen Briggs und die Kanonenboote die Schanze bei Schrevenhof angreifen, wird das Blockhaus am Brückenausgang vor Harburg von den anderen Kanonenbooten und der Schanzenbatterie in Moorburg beschossen. Obwohl sich die französischen Sicherungsboote zurückziehen müssen, verlieren nur die Engländer eines ihrer Boote, aber glücklicherweise ist kein Verlust an Mannschaften zu verzeichnen. Auch das Blockhaus trägt durch den Beschuss keinen Schaden davon. Mit diesem Angriff enden die Kämpfe rund um Hamburg endgültig.

Obwohl die Alliierten am 30. März 1814 in Paris einmarschierten, ist die Wiedereinsetzung von Louis XVIII. bis Ende April in Hamburg noch nicht vollständig bekannt und das, obwohl Bennigsen wiederholt Nachrichten an Davout geschickt hatte. Daraufhin wird der britische Lieutenant Woollough mit einer weißen Fahne und einem Brief von Commander Marshall in die Stadt geschickt, um eine Übereinkunft in Namen Englands zu erwirken. Woollough wird extra angewiesen, die Franzosen darauf hinzuweisen, dass die kleine britische Flottille als eine unabhängige kooperierende Macht betrachtet werde soll und nicht dem Grafen Bennigsen unterstellt sei. Die Verhandlungen gelingen schließlich und die Französischen Truppen in Hamburg kapitulieren.

Quellen (Auswahl)

  • Helgoland: Helgoland – Deutschland, England und ein Felsen in der Nordsee (Jan Rüger)
  • Festung Glückstadt – Vorträge anlässlich des 200. Jahrestages der Belagerung Glückstadts 1813/14 (Christian Boldt)
  • Tagebuch über die Belagerung Glückstadts: Von Mitte Dezember 1813 sowie über die Folgezeit bis zum Ende des Jahres 1815 (Johannes N. Rohde)
  • Spione in Hamburg und Helgoland (Frank Lynder)
  • Der Kosakenwinter: in Schleswig-Holstein 1813/14 (Dieter Kienitz)
  • Geschichte des Kriegs an der Nieder-Elbe im Jahre 1813 (Christian Ludwig Enoch Zander)
  • The Illustrated Companion to Nelson’s Navy (Nicholas Blake, Richard Lawrence)
  • The Trafalgar Companion (Mark Adkin)
  • The Naval Chronicle
  • The London Gazette

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