Wartenburg 1813 – Teil 2

Vormarsch

Am Morgen, die Sonne war noch nicht aufgegangen, begannen sich die preußischen Truppen aus den Ortschaften Hemsendorf und Jessen nach Elster in 2 Kolonnen in Marsch zu setzen, wo sie gegen 7 Uhr eintrafen. Dichte Nebelschwaden lagen über dem Fluss und den Wiesen, so dass die Sicht stark eingeschränkt war. Als erstes sollte das Korps Yorck die Elbe überqueren und den Angriff beginnen, später gefolgt vom Korps Langeron und dem Korps Sacken.

Plan des Dorfes Elster und der Elbrücken.

Die Führung übernahm Oberstleutnant Sjöholm I. von der 2. Brigade mit dem 1. und 2. Bataillon des 2. ostpreußischen Regiments, der 6-pf- Batterie Nr. 1 sowie dem schlesischen Landwehr-Bataillon von Fischer, welche schon am Abend zuvor bei Elster ihr Quartier genommen hatten. Hinzu kamen einige Bauern aus Elster, die den Preußen als Führer dienen sollten.

Die Preußen marschieren durch Elster in Richtung Brücken (Diorama  „Ausstellung 1813“)

Während diese Truppen mit den französischen Vorposten in ein Feuergefecht gerieten, folgten über die Brücken einige Einheiten der 1. Brigade, zu denen das schlesische und 1. ostpreußische Grenadier-Bataillon sowie das Landwehr-Bataillon von Seidlitz gehörten. Zusammen rückten die Einheiten weiter vor und machten die ersten Gefangenen. Langsam lichtete sich auch der Nebel und man konnte über dem Deich den Kirchturm von Wartenburg erkennen. Schließlich marschierten die restlichen Bataillone der 1. Brigade und die 6-pf. Fuß-Batterie Nr. 2 über die Brücken auf das linke Ufer der Elbe. Noch ahnten die preußischen Oberbefehlshaber nichts von den Schwierigkeiten des Geländes und das sie bereits von einem kompletten feindlichen Korps erwartet wurden.

Die Kirche von Wartenburg schaut über dem Deich hervor.

Bleddin

Kaum waren die preußischen Truppen auf Sichtweite an Wartenburg herangekommen, begann der Beschuss der französischen Batterien. Schon bald wurde den Preußen klar, das Wartenburg Wasserhindernisse und der Damm dermaßen schützten, dass die Ortschaft frontal kaum einzunehmen war. General Yorck gab deshalb dem Prinzen von Mecklenburg den Befehl, mit seiner restlichen 2. Brigade auf der rechten Flanke vorzurücken, um so das schwierige Gelände zu umgehen und Wartenburg von der Seite angreifen zu können. Nach erheblichen Schwierigkeiten gelang es schließlich, einen Weg in Richtung des Dorfes Bleddin zu finden. Als dann auch ein Weg für Kavallerie und Artillerie durch die dichten Büsche gehackt worden war, folgte der Infanterie das mecklenburgische Husaren-Regiment und das Leibhusaren-Regiment sowie die Fußbatterien Nr. 1 und 3. Bei diesem Vormarsch wurden die preußischen Truppen beständig mit Kugel- und Kartäschenfeuer aus Richtung Wartenburg eingedeckt.

Truppen überqueren die preußische Brücke. (Diorama  „Ausstellung 1813“)

Die württembergische Division Franquemont, die mit ihren Einheiten in Bleddin und von hier bis zum Moyenhainicht–Graben, der sich quer vom Streng bis zum Elbdeich in der Front erstreckte, in Stellung gegangen war, hatte 2 der 4 Bataillone der württembergischen Infanterie und 4 Geschütze rund 750 Meter vor Bleddin und die restlichen 2 Bataillone und 2 Geschütze unmittelbar am Dorf positioniert. Die 2 Schwadronen Kavallerie der Württemberger beobachtete den südlichen Abschnitt hinter dem Dorf. Das Gelände vor dem Dorf bestand aus einem Eichenwäldchen und rund 450 Meter freier Fläche, dem sogenannten Schützberg. Dahinter lagen Obstbäume, Gräben und dichtes Buschwerk, so dass der Abschnitt der Württemberger Division bis zur französischen Division Morand nicht eingesehen werden konnte und diese beiden Gebiete trennte. Auf der rechten Flanke befand sich ein bewachsener Elbdeich, der von einem starken Vorposten Württemberger bewacht wurde.

Plan vom südlichen Teil des Schlachtfeldes mit den Dörfern Globig und Bleddin.

Nachdem die Kämpfe vor Wartenburg bereits eine halbe Stunde andauerten, wurden nun auch die Vorposten der Württemberger angegriffen. Das Soldaten des Regiments Nr. 6, welche sich rechts neben den Kompanien des Regiments Nr. 4 befand, stand hier gut 2 Stunden im Gefecht, ohne das es den Preußen gelang, hier entscheidend voran zu kommen. Daraufhin versuchten die Preußen mit Kavallerie und Artillerie den Wald zu durchqueren, was aber zunächst durch die Artillerie der Württemberger verhindert wurde. Schließlich verdoppelten die Preußen die Truppenstärke und gingen erneut in Richtung des 6. Regiments vor, zu dessen Unterstützung ein Bataillon aus Bleddin geschickt wurde. Kurz darauf folgte auch noch die Hälfte des letzten Bataillons in Reserve, so dass nur 2 Kompanien zur Bedeckung des Dorfes zurückblieben. Die Stärke des Preußischen Angriffs ließ Franquemont vermuten, dass hier bei Bleddin der Hauptstoß des Angriffes erfolgte, woraufhin er an General Bertrand eine Nachricht sandte und ihn darin um Unterstützung bat. Doch dieser konnte keine Truppen entbehren, versprach aber zumindest den Mittelabschnitt, der nun auch von einem Vorstoß der preußischen Brigade Horn gefährdet war, mit weiteren Einheiten zu sichern. Die Preußen rückten nun also auch auf der linken Flanke der Württemberger vor.

Der östliche Teil der Schlachtfeldes vom Deich aus gesehen.

Der Angriff der Preußen war, wie schon geschildert, durch die 2. Brigade des Prinzen Karl von Mecklenburg erfolgt. Sein Vormarsch verzögerte sich vor allem durch das schwierige Gelände mit seinem dichten Buschwerk, den vielen Wasserarmen und Gräben. Schließlich konnten aber 6 Bataillone an die Front gebracht werden. Es handelte sich um das 1., 2. und das Füsilier-Bataillon des 1. ostpreußischen Infanterie-Regiments, den 2 Bataillonen des 2. ostpreußischen Infanterie-Regiments, das Schlesische Grenadier-Bataillon, sowie ein Schlesisches Landwehr-Bataillon, zudem je 3 Schwadronen Mecklenburgische Husaren und 2. Leibhusaren sowie 5 Geschütze der Fuß-Batterie Nr. 3 und die komplette Fuß-Batterie Nr. 1. Der Angriff wurde zunächst von den Plänklern und Jägern des 1. ostpreußischen Regiments eingeleitet.

Nachdem diese beim „Hohen Holze“ auf die feindlichen Vorposten gestoßen und durch die vorrückenden Verstärkungen zurückgeworfen worden waren, erfolgte ein Angriff des 2. Bataillon des 1. Regiments unmittelbar am Elbufer, gefolgt vom 1. Bataillon des 1. Regiments und dem 2. Bataillon des 2. Regiments, welche schräg versetzt dahinter vorgingen. Hier, dicht am Elbdeich, war endlich ein gangbarer Weg für einen erfolgversprechenden Angriff gefunden worden und die Preußen sahen erstmals den Kirchturm von Bleddin vor sich.

Die Kirche von Bleddin.

Die Württemberger mussten schließlich zurückweichen und den Rückzug antreten. Gedeckt wurden sie dabei von den beiden zurückgelassen Kompanien, die sich so gut es ging im Dorf Bleddin verschanzten. Nach einem kurzen aber heftigem Kampf im Dorf wurde der Ort schließlich um 14 Uhr von den Preußen erobert. Zunächst dachten die Württemberger noch daran, sich hinter Bleddin erneut zu formieren, doch nun wich auch die italienische Division Fontanelli in der Mitte der Front zurück und es bestand die Gefahr, dass die Württemberger vom Rest des Korps getrennt werden würden. Bertand sandte Franquemont nun den Befehl, sich auf Globig zurückzuziehen, damit die französische und württembergische Division sich hier vereinigen könnten. Das Problem bestand für die Württemberger darin, den großen Sumpf zwischen Bleddin und Globig zu durchqueren, um diese Bewegung durchführen zu können. Während die Infanterie der Württemberger in Bataillonskolonne durch den Morast ging, fuhren und ritten die Artillerie und die zwei Schwadronen Kavallerie links um den Sumpf herum, mit der Absicht, sich hinter dem schwierigen Gelände wieder mit der Infanterie zu vereinen.

Das Schlacht-Denkmal in Wartenburg, welches in DDR-Zeiten das alte Schinkel-Denkmal ersetzte.

Als die Infanterie der Württemberger sich bis zu den Knien im Schlamm steckend mühsam durch den Sumpf arbeitete, erschienen die beiden preußischen Husarenregimenter hinter Bleddin und formierten sich in Linie. Ein Angriff mit der Kavallerie in den Sumpf hinein kam natürlich nicht in Frage, weshalb die preußischen Husaren rechts um den Sumpf ritten und eine Attacke auf die in der Nähe postierte Hessisch-Westfälische Kavallerie-Brigade Beaumont einleiteten. Das Feuer der preußischen Artillerie, welche die feindliche Kavallerie bereits unter Beschuss genommen hatte, wurde eingestellt und der Angriff der Husaren begann rund 100 Meter vor dem Dorf Globig. Die Kavallerie-Brigade Beaumont wurde durch die Attacke in das Dorf geworfen, wo sich ihre Formation auflöste und sich die Reiter in alle Winde zerstreuten oder gefangen genommen wurden. Ein Teil der preußischen Husaren entdeckte nun die abfahrende württembergische Artillerie, konnte diese einholen und die Männer gefangen nehmen. Schließlich gelang es nur der Infanterie und der Kavallerie, geführt von ihrem Kommandeur Franquemont, sich nach Süden zu retten und im Dorf Schnellin zu sammeln. Die württembergische Division hatte rund 500 Mann, also ein Drittel ihre Ausgangsstärke verloren und war nun vom restlichen Korps abgeschnitten.

Das neue Denkmal in Wartenburg. Von der ehemaligen Schinkel-Säule aus dem Jahr 1863, dem ersten Denkmal zur Schlacht, blieb nur das „Eiserne Kreuz“ erhalten, welches nun im neuen Denkmal von 2007 seinen Platz gefunden hat.

Wartenburg

Unterdessen war General Yorck persönlich auf das Schlachtfeld geeilt. Er schickte die Brigade Steinmetz vor, um nördlich von Wartenburg vorzugehen, wo sie in das Feuer der französischen Artillerie gerieten, die dort gegenüber auf den Sandbergen positioniert waren. Nachdem mehrere Adjutanten neben Yorck verletzt zu Boden gegangen waren und auch die preußischen Plänkler schwere Verluste hatten hinnehmen müssen, gab der General den Befehl, dass auf dem anderen Ufer, gegenüber den Sandbergen preußische Artillerie auffahren sollte.

Plan von Wartenburg und dem nördlichen Teil des Schlachtfeldes.

Durch das Feuer dieser Geschütze, 4 Kanonen der 12-pf. Batterie Nr. 1, wurden die französische Artillerie dermaßen bedrängt, dass sie nun ihre Ausrichtung änderte und die preußischen Batterie beschoss. Die Brigade Steinmetz und die Männer unter Oberst-Lieutenant Sjöholm konnten nun ihre Position behaupten und den Gegner in der Front vor Wartenburg weiterhin beschäftigen. Es handelte sich bei den preußischen Truppen im 1. Treffen um das 1. ostpreußische Grenadier-Bataillon, das 1. Bataillon des 2. ostpreußischen Infanterie-Regiments, die Landwehr-Bataillone Fischer und Seidlitz,; im 2. Treffen standen die Landwehr-Bataillone Mumm und Walter v. Kronegk; in Reserve befanden sich die Landwehr-Bataillone Larisch und Martitz. Die preußische Artillerie, die 6-pf. Fußbatterie Nr. 2, sowie 2 Haubitzen der Batterie Nr. 1, wurden gegen die verdeckte Batterie der Franzosen eingesetzt. Nur die Brigaden Horn und Hünerbein waren noch nicht in die Kämpfe verwickelt, sondern standen in Reserve rechts und links des Weges zwischen Wartenburg und den Schiffsbrücken.

Die schlesische Landwehr wartet auf ihren Einsatz (Diorama  „Ausstellung 1813“).

So vergingen 6 Stunden, in denen vor allem Oberst-Lieutenant Sjöholm und das 1. Bataillon des 2. ostpreußischen Regiments im Feuer der Franzosen standen. Als nur noch 34 Rotten unverletzt waren, versuchten die Franzosen an dieser Stelle über den Deich vorzurücken, woraufhin drei der preußischen Landwehr-Bataillone (Walther, Seidlitz und Mumm) vorgeschickt wurden. Doch auch diese begannen sich langsam im Feuer der Franzosen aufzulösen und auch die preußische Artillerie auf dem anderen Elbufer musste sich aufgrund von schweren Verlusten zurückziehen. Schließlich gab man den Befehl, die Brigade Hünerbein zur Unterstützung einzusetzen, doch durch einen Kommunikationsfehler wurden die Einheiten dieser Brigade an eine falsche Position dirigiert und so kamen diese Truppen zu spät, um noch entscheidend eingreifen zu können.

Sturm über den Deich auf Wartenburg.

Unterdessen hatten Horn und Yorck den Sturmangriff auf den Deich beschlossen, denn ein weiteres Warten im Feuer der Franzosen würde vermutlich nur zu einer gleichen Anzahl von Verlusten führen. Hinter dem Deichabschnitt, den die Preußen attackieren wollten, war zeitgleich die Italienische Division Fontanelli in Stellung gegangen. Direkt südlich von Wartenburg gingen jetzt die schlesischen Landwehr-Bataillone Sommerfeld und Pettenkofer vor, dahinter das Landwehr-Bataillon Kotulinski in Reserve und in Richtung Deich marschierte der Rest der Brigade Horn. Doch die Gegenwehr war stark und der Angriff drohte zu scheitern.

Kampf auf der Deichkrone.

Horn bildete mit den letzten Einheiten eine Sturmkolonne. An der Spitze das 2. Bataillon des Leibregiments, dahinter das Landwehr-Bataillon Reichenbach und schließlich das 1. Bataillon des Leibregiments. Bei diesem Sturmlauf wurde das Pferd des Generals Horn unter ihm erschossen, doch er rappelte sich wieder auf und führte seine Männer unbeirrt weiter voran. Der Angriff gelang und die Italiener wurden zurückgeworfen. Zwei preußische Geschütze der Batterie Nr. 3 konnten auf dem Deich in Stellung gebracht werden und durch ihren Beschuss die Italienischen Bataillone auseinandertreiben. Nun gingen auch die anderen Landwehr-Bataillone über den Graben, den Deich und drangen in den Ort ein. Zunächst warfen die Franzosen in Wartenburg die Preußen wieder zurück, doch als zwei weitere preußische Bataillone eintrafen, musste die Division Morand ebenfalls zurückgehen. Um 15.15. Uhr war Wartenburg in der Hand der Preußen.

Yorck auf seinem Schimmel in der Schlacht.

Die Franzosen konnten sich hinter Wartenburg auf den Sandbergen sammeln und geordnet zurückweichen. Die fliehenden Italiener wurden jedoch von 2 Bataillonen und 4 Geschütze der Brigade des Prinzen von Mecklenburg beschossen, die den Ort bereits umgangen hatten und bei 2 Windmühlen in Stellung gegangen waren. Schließlich zerstreuten die Husaren, die aus Globig heranritten die restlichen Einheiten der Italiener. Zu dieser Zeit überquerte auch die Reserve-Kavallerie vom I. Korps die Elbe und ritt an der neben der Brücke zurückgelassenen Kavallerie der Brigade Horn vorbei in Richtung Wartenburg.

General Horn führt seine Truppen zu Fuß zum Angriff.

Auch der Brigade Steinmetz gelang es jetzt über den Deich zu gehen und in Wartenburg einzudringen. Die erschöpften Einheiten kamen zu spät, um noch in den Kampf um den Ort eingreifen zu können, doch konnten sie sich hier zumindest sammeln und neu ordnen. Dies geschah gerade zur rechten Zeit, den nun war es den Preußen möglich, von allen Seiten auf die sich neu formierten Franzosen hinter Wartenburg vorzugehen, die zwischenzeitlich auch die fliehenden Italiener aufgenommen hatten. Sogar die preußischen Husaren ritten, an der Spitze der Prinz von Mecklenburg, mit ihren erschöpften Pferden eine weitere Attacke. Die Reiter preschten an zwei französischen Karrees, die den Rückzug decken sollten, vorbei und drangen mitten in eine italienische Kolonne ein, welche sich ohne Widerstand gefangen nehmen ließ. Eine weitere Verfolgung war aufgrund der fehlenden frischen Kavallerie nicht möglich.

Das Yorck-Denkmal in Wartenburg.

Nachtrag

Die Verluste der Preußen beliefen sich auf 302 Tote und 1.595 Verwundete. Das französische Korps verlor 1.100 Mann an getöteten und verwundeten Soldaten, außerdem wurde 1.000 Gefangene gemacht. Yorck wurde 1814 als Anerkennung für diese siegreiche Schlacht mit dem Namenszusatz „von Wartenburg“ in den Grafenstand erhoben.

Vorbeimarsch des 2. Bataillons des Leibregiments an General Yorck.

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