Maiden Castle

Nachfolgend ein kleiner Ausflugs-Tipp für Reisende, die in Südengland unterwegs sind. In der schönen Grafschaft Dorset, nur einen Steinwurf von Dorchester entfernt, erhebt sich Maiden Castle. Bei dieser Burg handelt es sich jedoch nicht um eine mittelalterliche Festungsanlage, sondern um die Überreste einer keltischen Hügelfeste.

Der Namen Maiden Castle stammt übrigens vom keltischen Begriff „Mai Dun“, was großer Hügel bedeutet. Kelten siedelten hier im Zeitraum von 800 bis 60 v. Chr. Die Hügelfestung gehörte in dieser Zeit zum Gebiet des Stammes der Durotriges. Der Ort war aber schon vor über 5.500 Jahren besiedelt gewesen.

Die mächtigen Wälle vom Parkplatz aus gesehen.

Schafe sorgen dafür, dass das Gras auf den Wällen und in der Gräben kurz bleibt.

Maiden Castle war vermutlich die größte keltische Hügelfestung ihrer Art in England. Die Anlage bestand aus einem durch Wälle und Gräben gesicherten Hügel mit einem großen Plateau, auf dem einst zahlreiche Häuser eine kleine Stadt bildeten. Bei den Wohnstätten handelte es sich um die für Britannien typischen Rundhäuser. Die Vorräte wurde meist in luftdicht verschlossen Erdgruben aufbewahrt. Es gab außerdem Produktionsstätten für Textilien und Metallarbeiten.

Blick vom Plateau auf die 3-fache Wallanlage.

Die Wälle hatten eine Höhe von rund 25 Metern und die Festung besaß zwei komplizierte Toranlagen, die den Eingang sicherten. Ungewöhnlich war, dass die beiden Toranlagen jeweils zwei separate Durchlässe besaßen. Vielleicht war ein Eingang für Fremde und der andere für Einheimische gedacht. Um eine direkten Angriff auf die Tore zu verhindern, waren diesen zahlreiche Wälle und Gräben vorgelagert, welche den Verteidigern die Möglichkeit gaben, potentielle Angreifer von erhöhter Position aus zu beschießen.

An der östlichen Toranlage wurden in den 1930er Jahre Ausgrabungen durch den Archäologen Sir Mortimer Wheeler durchgeführt. An dieser Stelle wurde über 20.000 Schleudersteine entdeckt, die in großen Gruben nahe am Eingang verwahrt wurden, um so wohl auf einen Überraschungsangriff vorbereit zu sein. Man fand außerdem einen Beerdigungsplatz innerhalb der Festung.

Das östliche Tor

Die noch heute sehr imposante Anlage steht frei in Landschaft und bietet von ihren Wällen einen sensationellen Rundumblick auf die Landschaft. Ein Wanderweg schlängelt sich vom Parkplatz durch die große Toranlage und ein Rundweg auf dem Wall sowie zahlreiche Tafel mit Erläuterungen geleiten den Besucher durch die ehemalige Burg. Die komplexen Gräben und Wallanlage entstanden nach und nach über mehrere Jahrhunderte. Die erste Anlage baute man in der frühen Eisenzeit und diese umschloss lediglich das östliche Ende des Hügels mit nur einem Wall und einem V-förmigen Graben. Im Wesentlichen kann der Besucher die dreifachen Wälle und Gräben bestaunen. Natürlich waren die Wälle einst noch zusätzlich mit hölzernen Palisaden bestück.

Blick vom obersten Wall auf Dorchester.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. nahmen die Römer auf Befehl von Kaiser Claudius und unter dem Kommando des späteren Imperators Vespasian die Festung in Besitz. Der Kampf um die Burg war damals wohl eine blutige Angelegenheit. Vermutlich kämpften hier Soldaten der römischen II. Legion Augusta, von der man weiß, dass sie in dieser Region operierte. Bei Ausgrabungen wurden 38 tote keltische Krieger gefunden, die einen gewaltsamen Tod starben. Zehn von ihnen wiesen Schwertverletzungen am Kopf auf. Um die Jahrtausendwende verließen die Römer die Anlage wieder und siedelten um nach Durnovaria, dem heutigen Dorchester.

Grabhügel am Fuße der Festung.

Einige wenige Überreste der römischen Besiedelung kann man noch heute entdeckten. Hierbei handelt es sich um die Grundmauern eines kleinen Tempels, der erst im 4. Jahrhundert n. Chr. gebaut wurde, also nachdem der Hügel bereits unbewohnt war. In dieser Zeit vermischte sich die römische und einheimische Religion und so wurde der alte keltische und wohl auch mythische Hügel als Standort gewählt. Der Tempel bestand aus einem großen Gebäude, einigen ovalen Nebengebäuden und einer kleinen Hütte für den Priester.

Da die Grafschaft Dorset mit seiner wunderschönen Küste, den interessanten Orten und Museen eh einen längeren Besuch wert ist, sollte man Maiden Castle auf jeden Fall in seinen Urlaubplan einbauen.

5 Kommentare zu „Maiden Castle“

  1. Wir werden uns echt unterhalten müssen. Südengland steht fest auf dem Programm für einen Urlaub von mir und meiner Frau. Da kann ich ja Recherche sparen, und mir Tipps von Dir holen.
    Da soll mal jemand was über Scarrow sagen. Klar wiederholt sich einiges, aber die Festung hab ich nur aufgrund des Romans direkt erkannt.

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