Nuba

Die sudanesische Provinz Kordofan war vor der Eroberung durch die türkisch-ägyptischen Truppen im Jahr 1821 jahrhundertelang ein umstrittenes Gebiet zwischen den beiden Sultanaten Sennar im Osten und Darfur im Westen. In Südkordofan bildete sich um 1750 das Königreich Taqali, welches dem Sultan von Sennar Tribut zahlte, bis die Sultane von Darfur die Kontrolle über Zentralkordofan erlangten. Im 18. Jahrhundert konkurrierten der Stamm der Kababish mit den Beni Jarrar um Weide- und Wasserrechte in der nordkordofanischen Savanne. Im Süden und Westen Korfofans konnten sich die Baggara Weidegebiete für ihre Rinder sichern. So bleib den eigentlichen schwarzafrikanischen Ureinwohner von Kordofan nur der Rückzug in die unzugängliche Region der Nuba-Berge im Süden der Provinz.

Landschaft

Während der Norden und der Westen der sudanesischen Provinz Kordofan eine ausgedehnte, eintönige Ebene ist, bietet Nuba im Südosten ein ganz anderes Bild. Aus der Ebene erheben sich dort Bergketten, Gruppen von Bergen und einzelne Kegel von verschiedenem Umfang. Der größte Berg ist der Ad-Dair mit einer Höhe von 1.451 Metern. Die Zahl der bewohnten Berge lag zur Zeit des Mahdi-Aufstandes im Jahr 1881 bei ungefähr einhundert, mit einer Gesamtbevölkerung von nur rund 50.000 Menschen. Die Ebenen und Täler zwischen den Bergen waren dicht mit Bäumen und Büschen bedeckt, besonders die Khors (temporärer Bäche) waren mit üppiger Vegetation überwuchert.

Der Boden in dieser Region ist im Verhältnis zum Rest der Provinz sehr fruchtbar und äußerst ertragreich. Zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es noch einen großen Wildbestand in den Ebenen rund um die Berge. Es fanden sich vor allem Giraffen, Strauße, Wildschweine, Antilopen, Gazellen und Löwen. Selbst Elefanten kamen in der Regenzeit bis dicht an die Hänge der Berge.

Einwohner

Die Jibal al-Nuba, die Nuba-Berge erinnern an kleine Felsen, die in der Mitte eines wilden Flusses liegen und dort als rettende Inseln vor dem reißenden Strom dienen. Der reißende Storm, dass sind vor allem die wilden arabischen Stämme der Baggara, die auf ihrer Suche nach Sklaven und Beute die Nuba-Berge umspülen. Wie diese kleine Einleitung schon andeutet, liegt der Ursprung der Bewohner dieser Berge in Gruppen von negroiden Hirtenstämmen, die hier Schutz vor den Sklavenjägern suchten. Die Herkunft des Wortes Nuba ist nicht geklärt, es soll entweder vom altägyptischen Wort Nub, also Gold abgeleitet sein oder ein Wort der eigenen Sprache sein und Sklave bedeuten. Die Nuba sind kein Stammesverband oder Volksgruppe, sondern dies bezeichnet alle Ethnien, die im Bereich der Nuba-Berge leben und in der Vergangenheit aus verschiedenen Richtungen kommend über mehrere Jahrhunderte in diese Region emigrierten. Das ist auch der Grund für die rund 50 verschiedenen Stämme mit ebenso vielen unterschiedlichen Sprachen und vielfältigen kulturellen Merkmalen.

Zu den unterschiedlichen ethnischen bzw. Sprachgruppen der Nuba zählt man die Dilling, Heiban, Kadaru, Kanga, Karko, Katla, Keiga, Koalib, Krongo, Logol, Mesakin, Moro, Nyimang, Otoro, Tagale, Talodi und Tira. Die Sprachen dieser unterschiedlichen Gruppen findet man in folgenden Bergregionen.

  • Heiban: Heiban, Kau, Werni Koalib, Laro, Heiban, Otoro, Shwai, Logol, Moro, Tira
  • Talodi: Eliri, Talodi, Masakin, Buram, Reikha, Daloka, Acherun, Limun, Tocho
  • Rashad: Tegali, Rashad, Tagoi, Moreb, Tumale
  • Nyimang: Salara, Tendiya, Kurmeti, Nitil, Fassu, Kelara, Kakara, Mandal, Sobei, Dair
  • Temein: Temein, Keiga Jirru, Teisei um-Danab
  • Katla: südwestlich von Dilling
  • Tulishi: Tulishi, Lagawa, Kamdang, Dar El Kabira.
  • Keiga: Demik, Ambong, Lubung, Tumuro
  • Miri: Miri Bara, Miri Guwa, Luba
  • Kadugli: Miri, Kadugli, Krongo
  • Katcha: Katcha, Tuna, Kafina, Dabakaya (Donga), Belanya, Farouq, Miri (Südosten)
  • Kanga: Abu Sinun, Chiroro-Kursi, Kanga, Kufa-Lima, Krongo Abdalla
  • Korongo: Tabanya, Toroji, Dar, Angolo, Damaguto, Dimadragu, Dimodongo, Fama, Teis, Kua.
  • Tumtum: Eliri, Karondi, Talassa, Tumtum
  • Ghulfan: Ghulfan Kurgul, Ghulfan Morung
  • Kadaru: Kadaru, Kururu, Kafir, Kurtala, Dabatna, Kuldaji.
  • Dilling: Dilling und Umgebung
  • Dair: Dair (Westen und Süden)
  • Karko: Karko Dulman, Abu Jinik, Tabaq.
  • Wali: Wali
  • Daju: Marrah

Die Moro und Otoro sind die beiden größten Sprachgruppen. Zu den Gruppen, die nur wenige hundert Menschen umfassen, zählen unter anderen Tullishi und Tima.

Kultur

Die auffälligste Gemeinsamkeit in der Kultur Südkordofans sind die Bauerhöfe, die wie kleine Burgen an den Hängen der Nuba-Berge kleben. In den Dörfern lebten die Familien und die unverheirateten Männer in getrennten Häusern. Der Wohnhof einer Familie, shal genannt, liegt zwischen zwei bis fünf runden Lehmhütten mit Strohdächern. Der Hof ist mit Holzpfosten eingezäunt, die mit Stroh zu einem festen Zaun verwoben sind.

Zwei Sitzbänke laufen an lang des kleinen Innenhofes und rahmen so die Feuerstelle ein. Rund um den shal gibt es einen weiteren, größeren Hof, der tog genannt wird. Er wird aus einem Rund starker Holzstämme gebildet, die fast die Höhe der Hütten erreichen. Im tog leben die kleinen Haustiere, wie Ziegen, Hühner und Esel. Jeder Hof besitzt außerdem einen Getreidespeicher und einen kleinen Garten für den Gemüseanbau. In den Hütten gab es nur sehr wenige Möbel, meist nur das Bettgestell aus Holz und Seil oder aus Lederriemen.

Die Gesellschaft der meisten Nuba ist in Altersklassen aufgebaut. Jedes Durchschreiten eines Lebensstadions wird von beiden Geschlechtern mit bestimmten Merkmalen kenntlich gemacht. Bei den Frauen sind es die Schmucknarben, die ihnen bei ihrer Tatauierung mit einem Dorn oder Messer beigebracht werden. Bei Beginn der Pubertät erhalten die Mädchen ein nach unten gespreiztes Narbenband (turare) zwischen Brüsten und Nabel. Zur Geschlechtsreife wird die gesamte Vorderseite des Körpers unterhalb der Brüste verziert (kare). Nach der Entwöhnung des ersten Kindes erfolgt dann die Markierung der gesamten Hautoberfläche (rurda). Bei den Männern unterscheidet man die Lebensalter durch Haarstil, Schminkefarbe und Kampfsport. Im Alter von 8 bis 17 Jahre (loer) wird eine Tonsur mit Haarbüscheln (rum) nach Brauch des jeweiligen Clans getragen. Die Schminkfarbe ist rot und der Kampfsport das Ringen. Im Lebensabschnitt von 17 bis 31 Jahren (kadundor) werden ausrasierte „Geheimratsecken“ und Haarbüschel getragen. Die Schminkfarbe ist Gelb, später und auch als Auszeichnung dann die Farbe Schwarz. Der Kampfsport ist jetzt der Stockkampf und der Kampf mit Schlagringen. Das Alter von 31 bis 45 (kadonga) wird durch einen Kahlschädel gekennzeichnet. Die Schminkfarbe bleibt unverändert und der Krieger tritt dem Schiedsrichterbund bei. Kleidung ist bei den Nuba weitgehend unbekannt, sie tragen nur Gürtel aus Rinden, buntem Stoff und Leder.

Das Oberhaupt einer Gruppe ist der Kogiur. Er trifft, wenn nötig Entscheidungen und ist auch religiöses Oberhaupt. Sein Einfluss auf die Menschen richtet sich in erster Linie aber nach seinen Fähigkeiten und ist nicht das Resultat seiner Stellung.

Den größten Teil des Jahres weiden die Nuba ihr Vieh auf den Ebenen. In der sommerlichen Regenzeit treiben sie es zumeist in die Berge. Da die Hochlandregion niederschlagsreicher ist, als die sie umgebenden Ebenen, sind ihre Dörfer das ganze Jahr über bewohnbar. Ihr Viehbestand besteht aus Rindern, Ziegen und Hühnern, sowie andere kleinen Haustieren.

Die Nuba sind vor allem für ihre unterschiedlichen sportlichen Wettkämpfe bekannt. Zur Erntezeit tragen die stolzen, von Kopf bis Fuß mit heiliger Asche bedeckten jungen Männer Wettkämpfe aus.

Hierbei kämpfen die Stärksten eines Dorfes gegen die eines anderen Dorfes. Je nach Alterklasse und Region sind Ringen-, Speer- oder Messerkämpfe verbreitet. Eine der berühmtesten Traditionen der Nuba ist der aber der Stockkampf, der vor allem durch die Bilder Leni Riefenstahls (1975) bekannt geworden ist. Die Kämpfe werden heute nur noch selten durchgeführt, waren aber im 19. Jahrhundert weit verbreitet. Vor allem war der Stamm der Moro für diese Art des Wettkampfes berühmt, bei dem sich zwei Männer bewaffnet mit Schild und Stock gegenüberstanden. Es kam aber auch vor, dass das Ganze als kollektiver Kampf Dorf gegen Dorf ausgetragen wurde. Die Kämpfe fanden gewöhnlich am Ende des Herbstes, zur Zeit der Ernte statt. Vor dem Kampf und bei besonderen Anlässen, verwendeten die Nuba-Männer Stunden darauf, ihren Körper mit Mustern und Dekorationen zu versehen. Die Wettkämpfe und ihre Eitelkeit reflektieren den Glauben der Nuba, in dem Stärke und Schönheit eine große Rolle spielen.

Königreich Taqali

In den Nuba-Bergen lag auch das Königreich Taqali (auch Tegali genannt), dass trotz seiner geringen Größe und des mächtigen Nachbarn, dem Königreich Sennar, seine Unabhängigkeit bewahren konnte. Man fand das Reich im gleichnamigen Taqali-Massiv, dem höchsten Teil der Berge im Nordosten der Nuba-Region. Niemand kann heute noch mit Sicherheit sagen, wann dieses Reich gegründet wurde. Es gibt zwar eine Liste mit Herrschern, die bis in das Jahr 1560 zurückreicht, gesicherte Überlieferungen und Berichte findet man aber erst zum 15. Herrscher, den berüchtigten Nasir ibn el Mek Abukr, der für seine Grausamkeit bekannt war. Als der Eroberungs-Feldzug der Ägypter im Jahr 1821 das Königreich Sennar vernichtete, könnte sich Taqali Dank seiner Lage behaupten. Obwohl die Könige von Taqali später Tribut an Ägypten zahlten und offiziell zum Ägyptischen Sudan gehörten, konnten sie weiterhin ihre Unabhängigkeit bewahren. Herrscher des Reiches Taqali war der Mek oder Makk, einer Art König. Zur Zeit der Mahdiya war Adam Um Daballo der Makk von Taqali (1859 – 1884). Ihm Tributpflichtig sollen 99 Berge und auch einige Stämme der umliegenden Ebenen gewesen sein. Der mächtigste Vasall war der Berg Gedir im Süden der Nuba-Berge, dem wiederum Kau, Fungor, Werni, Kawahla, Tira, Talodi und Moro unterstanden. Die königliche Residenz verlegte Adam Daballo von Tasi nach Keraia, wo er sein hosh, ein Hof mit Gebäuden errichten ließ.

Türkisch-Ägyptischen Herrschaft (1821-1883)

Mit Ausnahme der dokumentieren Analen des Königreiches von Taqali gibt es nur sehr lückenhafte Schilderungen der vorkolonialen Geschichte der Nuba-Berge. Die Zeit unter der Herrschaft der Türkisch-Ägyptischen Regierung (1821–1885) gilt bei den Nuba dabei als eines der dunkelsten Kapitel. Natürlich spielte hier vor allem die Rasse der Nuba eine entscheidende Rolle. Als negroide Gruppe waren sie durch die Türkisch-Ägyptischen Mächte und die plündernden Arabischen Stämme zur Sklaverei verdammt. Einer dieser örtlichen arabischen Kriegsherren war Badawi Abu Safiyya. Dieser Abu Safiyya, der gegen Ende der Türkisch-Ägyptischen Herrschaft und zu Begin der Mahdiya in El Obeid lebte, führte einige Kriegszüge gegen die Nuba, während derer hunderte von Ihnen getötet und versklavt wurden. Oft wurden diese Sklavenjagden, die meist im September oder Oktober stattfanden, unter dem Banner eines „Heiligen Krieges“ geführt. Die gefangenen Nuba-Sklaven waren nicht nur für den Export gedacht, viele endeten als Konkubinen, Hirten oder sonstige Arbeitskräfte im Sudan. Es wird geschätzt, dass allein in den Jahren zwischen 1820 und 1835, jährlich 10.000 bis 15.000 Sklaven aus den Nuba-Bergen die Stadt El Obeid als „Handelsware“ durchliefen. Beispielhaft sei hier die Sklavenexpedition des Gouverneurs Kurstapha Bey im Jahre 1830 erwähnt, bei der 2.187 Nuba gefangen wurden. In einem Bericht dieser Expedition heißt es: „Das erste Dorf von 196 Seelen ergab sich ohne Kampf, der Scheik des Dorfes erzählte, das, als die türkischen Überfälle vor 18 Jahren begannen, die Bevölkerung noch eine Zahl von 3.000 aufgewiesen hätte. Ein anderes Dorf war von 500 auf 188 Einwohner reduziert worden. Jede Hütte war mit toten alten und sehr jungen Nuba gefüllt, mit denen also, die zu alt und schwach oder zu jung zum kämpfen waren. Sie hatte sich selbst getötet, um dem Los der Sklaverei zu entgehen“. Man schätzt, dass zum Ende der Türkisch-Ägyptischen Herrschaft die ursprüngliche Bevölkerungszahl von ungefähr 500.000 Menschen durch die Sklavenjagd auf 50.000 Menschen reduziert wurde.

Mahdiya (1881 – 1899)

Vieles, was sich nach dem Beginn der Mahdiya zugetragen hatte, wurde von Joseph Ohrwalder beschrieben, der zur dieser Zeit als Missionar in Dilling (Delen) tätig war. Der Ort wurde von den Ansari wiederholt angegriffen. Schließlich musste sich Ohrwalder mit seinen Getreuen ergeben und blieb für 10 Jahren in Gefangenschaft, bevor er fliehen konnte. Auch die Zeit der Mahdiya war für die Nuba geprägt von Zerstörung, Versklavung und Tod. Das kann vor allem durch die Verbindung der alten arabischen Kriegsherren und Sklavenjäger mit den Kräften des Mahdi erklärt werden. Der berüchtigtste dieser lokalen Sklavenjäger war zu dieser Zeit Ismain nad el-andok. Er nutze die ersten Wirren des Mahdiya im Frühjahr des Jahres 1882, um mit einer Streitmacht von 1.600 Mann, von denen allein 500 mit Feuerwaffen ausgerüstet waren, auf Sklavenjagd zu gehen. Sein erstes Ziel war die Gegend um den Berg Gulfan. Nachdem er mehre hundert Wohnhäuser niedergebrannt hatte, wurde er und seine Männer in der Nacht von einer kleinen Einheit Regierungstruppen in die Flucht geschlagen. Dies sollte allerdings der letzte große Sieg in den Nuba-Bergen bleiben. Im Laufe der nächsten Wochen kam es immer wieder zu Überfällen von mit Pferden berittenen Baggara, die sich in Gruppen von 400 bis 500 Mann zusammengeschlossen hatten.

Schließlich waren einige Nuba unter der Bedingung, dass sie in ihren Bergen bleiben konnten, damit einverstanden, sich in den Dienst der Mahdiya zu stellen. Als sie aber aus den Bergen kamen, um den Schwur dieser Allianz abzulegen, wurde ihnen befohlen dem Mahdi zum Weißen Nil zu folgen. Die Nuba hatten keine andere Wahl, als zunächst auf die Forderung einzugehen. Als es Nacht wurde, flohen sie aber zurück in ihre Berge. Die Kämpfe wurden daraufhin erneut aufgenommen, aber schließlich gaben die Ansari zunächst ihren Versuch auf, die Nuba in den schwer zugänglichen Gebieten der Berge zu vernichten.

Adam Um Daballo

Am Ende des Jahres 1883 entschied der Mahdi dann, dass Taqali, dass Königreich in den Nuba-Bergen erobert werden muss, da der Makk Adam Um Daballo, der Herrscher des Taqali Reiches eine Allianz mit ihm ablehnte. Adam’s Entscheidung, den Mahdi gegen die Türkisch-Ägyptischen Mächte nicht zu unterstützen, war ihm nicht leichtgefallen und kam nur durch den starken Zuspruch seiner Berater zustande. Vor allem, weil schon im Mai 1883 Boten aus Khartoum Kontakt mit ihm aufgenommen hatten, um sich seiner Treue und Waffenbrüderschaft mit der Regierung zu versichern. Makk Adam sagte dem General-Gouverneur des Sudan sogar zu, ihn mit seinen Kriegern zu unterstützen, sollte eine Armee der Regierung auf dem Weg nach El Obeid die südliche Route wählen. Nach dem Fall von El Obeid und der Zerschlagung der Expeditionsarmee des Hicks Pascha wurden Adam und sein Gefolge aufgefordert sich am Hof des Mahdis in El Obeid einzufinden. Kaum angekommen, wurden Adam und seine Männer unter Arrest gestellt. Sein erster Berater, Mirgahni, der es gewagt hatte, den Mahdi einen Schwindler zu nennen, richtete man auf der Stelle hin. Adam wurde zusammen mit seinen Söhnen in Ketten gelegt und gezwungen nach Karthum zu marschieren. Er starb in Gefangenschaft, auf dem Weg nach Shabasha, in der Nähe des Weißen Nils. Nach der Gefangenname des König Adams schickten fast alle Berge Nubas Gesandte nach El Obeid, um den Mahdi ihre Unterwerfung anzuzeigen. Nur der Berg Dair widersetzt sich weiterhin.

Hamdan Abu Anja

Die Aufstände in Taqali und den anderen Regionen der Nuba-Berge setzten sich jedoch schon bald fort und so schickte der Mahdi Anfang 1884 den Emir Hamdan Abu Anja, seinen fähigsten Anführer, zusammen mit den Emiren Uad-Regiumi und Abdullahi uad en-Nur, um gegen den Berg Dair vorzugehen, dessen König Tombo immer noch Widerstand leistete.

Hamdan Abu Anja (1835-88) war einer mächtigsten Emire und Heerführer der Mahdiya. Als Sklave der Taaischa geboren, wuchs er in der kleinen Gemeinde Mandala auf, von deren Einwohnern viele unten Zubair Pasha Rahma Mansur an Sklavenjagden teilgenommen hatten und deshalb für den Mahdi von großem militärischem Wert waren. Sein Herr, der spätere Kalif Abdullahi, behandelte in gut und betrachtete ihn als Familienmitglied, wie es von jeher bei den Baggara der Rizegat und Taaischa Sitte war. Unter den Baggara lernte Abu Anja schon in früher Jugend auf Pferden zu reiten und zu jagen und wurde dadurch im Umgang mit dem Speer und der Lanze sehr geschickt. Beim Auftreten des Mahdi schloss er sich seinem Herrn an, der schon bald zum Kalifen ernannt wurde. Wahrscheinlich sah Abu Anja mehr Schlachten als jeder andere Emir des Mahdi. Nach dem Fall von El Obeid im Jahre 1883 wurde er Kommandeur der jihadiy, den ehemaligen schwarzen Soldaten, die im Gegensatz zu den restlichen Anhängern des Mahdi im Umgang mit Gewehren geschult waren. Mit ihrer Hilfe vernichtete er 1883 die Armee des Hicks Pascha bei Shaikan, eroberte 1884 das Fort Omdurman und wurde im Frühjahr 1885 vom Mahdi in die Nuba-Berge geschickt, um auch dort den Widerstand zu brechen.

In den Bergen angekommen, ließ Abu Anja sich zunächst am Fuße des Berg Thegle nieder, der sich nach dem Tod des Makk Adam wieder geben den Mahdi erhoben hatte. Abu Anja unternahm mehrere siegreiche Aufstiege in die Berge, erbeutete viele Sklaven, erlitt aber auch Verluste. Er zog auch gegen Roaia in den Krieg, dessen Anhänger aus Furcht vor Abu Anjas Männern die Flucht ergriffen. Scheik Roaia musste sich demütig unterwerfen und wurde in Eisen gelegt. Abu Anja bekämpfte nun fast alle aufständischen Nuba-Berge, wie Tolodi und Gadir, war dabei zwar oft siegreich, musste sich aber genauso oft geschlagen geben. Einer seiner Angriffe zielte auf den Berg Riuma, aber auch dort wurde zurückgeschlagen. Bei den nachfolgenden Kämpfen wurde die Region stark ausgeplündert und zerstört. Obwohl die Anhänger des Mahdi die Nuba als minderwertig betrachten, fanden sie in ihnen extrem zähe und mutige Gegner. Bei einer Begebenheit, als einige Gellabas, geführt von Hamdan Abu Anja, versuchen den Berg zu besteigen, erlauben ihnen die Nuba zunächst vorzurücken, um dann an der schmalsten Stelle zu zuschlagen. Von den schlecht bewaffneten Gellabas wurden 400 getötet. Bei einem anderen Angriff gelang es den Angreifern jedoch das Dorf zu erreichen. Sie brannten die Hütten nieder und töteten eine große Anzahl der Nuba. Die Frauen und Kinder verschleppte man nach Rahad, wo sie als Sklaven verkauft wurden.

Im September 1885 kam es in El Obeid zu einer Rebellion ehemaliger Regierungssoldaten, die nach ihrer Niederlage in die Reihen der Ansar gepresst worden waren. Nach einigen Kämpfen in der Stadt konnten rund eintausend Soldaten und deren Gefolge in die Nuba-Berge entkommen, wo sie sich zunächst am Berg Riuma niederließen.  Nach Auseinadersetzungen mit den Bewohnern des Berges zogen die Soldaten nach Gulfan, wo sie sich auf einem sehr unzugänglichen Berg häuslich einrichteten. Doch schon bald wurde sie von Sherif Mahmud verfolgt, der mit einer Streitmacht von nahezu 8.000 Mann in die Nuba-Berge zog. Nach einigen vergeblichen Verhandlungsversuchen ging Mahmud schließlich zum Angriff über. Umgeben von seinen treuen Anhängern, stürmte er an der Spitze seines Heeres gegen den Berg. Die Soldaten, hinter den Felsen gut gedeckt, empfingen die Ansar mit einem Kugelhagel. Ein Geschoss drang dem kühnen Mahmud in den Unterleib. Er stürmte jedoch weiter, bis eine zweite Kugel ihn in die Stirn traf und er, die Fahne in der Hand, zu Boden stürzte. Neben ihm fielen noch gegen 100 weitere Ansar, bis die Männer vom Tod ihres Anführers erfuhren und sich fluchtartig zurückzogen.

Einer seiner tüchtigsten Offiziere war Abdullah nad Ibrahim, der den Namen Abu Anja’s durch Grausamkeiten gefürchtet machte. Eben jener Abdullah nad Ibrahim wurde von Abu Anja ausgesandt, um die aufständischen Soldaten, die immer noch in den Bergen steckten, zu vernichten. Nach schweren Kämpfen gelang es ihm tatsächlich einen Großteil der Aufständischen zu töten. Viele der Soldaten flohen und fanden Unterschlupf bei benachbarten Nuba Stämmen. Nach dem Sieg plünderte Abdullah den Berg, ließ die Köpfe der getöteten Anführer abschlagen und sandte sie in die neue Hauptstadt Omdurman, wo sie am Galgen, als Abschreckung zur Schau gestellt wurden. Durch den Feldzug gegen die Nuba erlangte Abu Anja großes Ansehen. Noch während seines Feldzuges erhielt er den Auftrag den abtrünnigen Emir Muhammad Khalid Zughal und den Kalifen Sharif zu verfolgen, was ihm auch gelang. Sein nächster Auftrag führte ihn an die Grenze Abessiniens. Dort schlug er 1887 die Schlacht bei Gallabat und erobert Gondar. Er starb schließlich dort im Jahr 1888 unter nicht ganz geklärten Umständen an einer Vergiftung oder Krankheit.

Kalif Abdullahi

Nach dem Tod des Mahdi wurde die Situation unter der Herrschaft des Kalifen Abdullahi für die Nuba noch dramatischer. Die königliche Familie der Taqali wurde massakriert, als die Söhne des Adam Um Dadallo, dem Kalifen die Sendung von Soldaten verweigern. Der Berg Dair setzte seinen Widerstand fort, aber Gulfan wurde eingenommen, nachdem eine Gruppe von Nuba-Deserteuren dort Schutz gesucht hatte. Als Abu Anja im April 1887 die Nuba-Berge verließ, nahm er eine Beute von vielen hundert Sklaven mit sich. Auch seine Nachfolger plündern und morden weiterhin. Die Raubzüge der Baggara gegen die Nuba wurden in den folgenden Jahren jedoch seltener, da diese in anderen Gebieten Kämpfe ausfechten mussten. Im Gegenzug begannen jetzt sogar einige Nuba die Siedlungen der Ansari zu überfallen. Im Gegensatz dazu handelte der Berg Dair eine Vereinbarung mit den Mahdisten aus, die es den Bewohner des Berges ermöglichte, wieder Handel mit El Obeid zu führen.

Zur selben Zeit stellte der Kalif eine riesige Armee auf, um den anrückenden Truppen der Briten begegnen zu können. Die Heerscharen, die sich in Kordafan sammelten, verwüsten das Land. Viele Hügel, wie Gulfan, Deriba und Kadaru wurden durch diese Ereignisse nahezu entvölkert. Viele Männer und Frauen der Miri Berge verschleppte man nach Omdurman. Als der Kalif dann endgültig beim Fluss Atbara von den Briten geschlagen wurde, flüchtete er mit seinen restlichen Anhängern in die Umgebung der Nuba-Berge. Hier wurde er schließlich im November 1899 getötet.

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