Festungsanlage Hanstholm

Bei meinem letzten Dänemark – Urlaub im Oktober diesen Jahres hat es mich auch in den hohen Norden von Jütland verschlagen. Hier an der Nordseeküste liegt der Hochsee-Fischereihafen Hanstholm. Oberhalb des Hafens findet man ein sehr interessantes Areal aus dem 2. Weltkrieg. Es handelt sich um eine deutsche Festungsanlage, die aus zahlreichen Bunkern und Artillerie-Stellungen besteht, die hier in der Nähe des Skagerrak die Einfahrt in die Ostsee schützen sollte.

In Norwegen steht noch heute die Schwester-Batterie. Zusammen mit der Batterie in Hanstholm sollte das Skagerrak vor feindlichen Schiffen geschützt werden.

Museum

Das Kernstück der deutschen Festungsanlage Hanstholm ist die II. Batterie. Sie bestand aus vier 38-cm-Schiffsgeschützen SKC 34 der Firma Krupp. Diese Geschütze wurden einst auch auf den Schlachtschiffen Tirpitz und Bismarck verwendet. Neben einer der gigantischen Ringstellungen dieser Batterie ist heute ein sehr schönes Museum entstanden. In Rahmen eines Rundgangs, der auch durch die verwinkelte Bunkeranlage der ehemaligen Batterie führt, wird dem Besucher die Funktionsweise und Geschichte der Festungsanlage Hanstholm erläutert.

Munitionsbahn

In den Sommermonaten verkehrt außerdem eine Museumsbahn auf dem Gelände, auf einem Abschnitt der alten Munitionsbahn, die man wiederhergestellt hat. Mit dem Museumszug kann man eine Fahrt durch ein Teil der Batterie machen, auch durch einen der großen Munitionsbunker und durch einen der Bunker für das 38 cm Geschütz. Die Fahrstrecke ist gut 1 km lang und dauert etwa 10 Minuten.

II. Batterie

Der Bau der Anlage in Hanstholm sowie deren Schwesteranlage in Kristiansand, die Batterie „Vara“ in Norwegen, wurden bereits 1940 begonnen. Die beiden schweren Batterie dieser Stellungen sollten die 120 Kilometer breite Einfahrt in den Skagerrak vor der englischen Flotte sichern. Die Reichweite der Geschütze war enorm, reichte aber nicht vollständig dieses Areal abzudecken, weshalb in der Mitte ein Minengürtel angelegt wurde.

Der Bunker in der Museumsanlage besteht aus drei Hauptteile: Munitionsräume, Kesselbettung, Mannschafts- und Technikabteilung. Die große Kanone ist leider nicht erhalten geblieben, aber eine Anzahl der Räume des Bunkers sind restauriert und deren ursprüngliches Aussehen ist mit original Gegenstände und Gerät wiederhergestellt worden. In den übrigen Räumen sind Ausstellungen zu sehen, die über verschiedene Aspekte der Geschichte der Befestigungsanlagen berichten.

Ein Portalkran hebt das Geschütz in die Kesselbettung.

Das fertig montierte Geschütz in der Kesselbettung. Die Betonarbeiten sind noch nicht vollständig abgeschlossen.

In jedem der vier Bunker der Batterie, die jeweils eine Fläche von 2.500 qm haben, lebte permanent die 90-köpfige Bestatzung eines Geschützes.

Neben den Wohn- und Schlafräumen gab es Waschräume, Toiletten, Zentrale Lüftungs- und Heizungssysteme sowie eine Notstromanlage.

Die Munition der Geschütze der II. Batterie wurde hauptsächlich, vor allem aus Sicherheitsgründen, in einem separaten Bunker gelagert. Im eigentlichen Geschützbunker verblieben lediglich 65 Schuss sowie die dazugehörigen Treibladungen. Die Munition wurde, falls benötigt, mittels einer Feldbahn vom Munitionsbunker zum Geschütz transportiert, ebenso die Treibladungen. Die größte Treibladung, die genutzt wurde, wog 172 kg. Kombiniert mit der 800 kg schweren Standardgranate konnte eine Reichweite von 43.000 m erzielt werden. Speziell für diese Geschütze wurde das sogenannte „Siegfried“-Geschoss entwickelt. Es war „nur“ 500 kg schwer, erreichte aber mit der entsprechenden Treibladung die beachtliche Reichweite von 55.000 m. Um das Geschütz zu laden, wurden die Granaten und Treibladungen aus dem Magazin mittels eines Aufzuges zum Geschützturm gebracht.

Der verwendete Ladestock maß 15 m und wurde von zwölf Mann bedient. Zuerst wurde die Granate eingeführt, schließlich die Treibladung. Das Bild zeigt die Mnaschaft bei der Reinigung des Rohres.

Die Treibladung bestand aus der Hülsenkartusche mit Aufschlagzünder und evtl. einer Vorkartusche für größere Reichweiten sowie einer Zusatzkartusche für die schwere Siegfried-Granate. Das waren dann insgesamt 300 kg Pulver.

Aus Sicherheitsgründen wurden die Treibladungen einzeln in Metallcontainern aufbewahrt.

Die Treibladung wurde aus den Containern auf einen Ladetisch gezogen.

Von hier aus nahm ein Greifer die Ladung und mit Hilfe einer Hängebahnschiene ging es zur Munitionsschleuse.

Ähnlich war der Ablauf im dem Raum, in dem die Granaten zum Geschütz befördert wurden.

Mit dem Aufzug wurden die Treibladungen und die Granaten zum Munitionsgang befördert und dort mit Wagen zum Geschützturm gebracht.

Am Geschützturm befand sich ein weiterer Aufzug, der mit Hilfe eines Elektromotors die Granaten und Ladungen in den Kampfraum beförderte (rote Pfeile).

Der 38 cm Geschützturm hat in der Kesselbettung gestanden, die die Mitte des Bunkerkomplexes bildet. Das Geschützrohr und der Turm der Kanone sind nach dem Krieg entfernt worden. Die Abmessungen der Kesselbettung lassen aber das imposante Geschütz erahnen. Der Ring der Kesselbettung hat einen Durchmesser von 30 m und ist 5 m tief. In der Bettungsmitte steht noch der 2 m hohe Sockel, auf dem der Geschützturm mit 24 Bolzen befestigt war.

Über eine Leiter gelangte man zur Tür, die in das Innere des Geschützturms führte.

Hier eine Modell des Geschützes samt Bettung.

Ein restauriertes Geschützrohr kann der Besucher vor dem Eingang zum Museum bestaunen.

Hier, im Vergleich mit der „kleinen“ 15cm S.K.C/28 Schiffskanone und dem Feldgeschütz dahinter, kann man gut die Dimensionen des 38-cm-Schiffsgeschützes erkennen.

Selbst ein Soldat passt in die Mündung des Geschützrohrs.

Festungsanlage

Die gesamte Anlage hatte eine Fläche von 9 Quadratkilometer, 450 Bunkeranlagen und eine Besatzung von 4.000 Mann. Das Areal war von einem Minengürtel von 60.000 Landminen umgeben.

Neben den schweren Geschützen der Batterie II. gab es zahlreiche weitere Batterien und Flugabwehranlagen:
I. Batterie: 4 x 17-cm-SK L/40
II. Batterie: 4 x 38-cm-SK C/34
III. Batterie: 4 x 10,5-cm-SK
IV. Batterie: 4 x 10,5-cm-SK
V. Batterie: 4 x 10,5-cm-SK
VI. Batterie: 4 x 10,5-cm-SK

Flugabwehr

Zusätzlich umgaben mehr als zehn Batterien leichter, mittlerer und schwerer Flak, dazu mindestens eine Batterie Flakscheinwerfer sowie zwei Radarstellungen zur Feuerleitung der Artillerie und als Leitstand für Nachtjäger die Anlage.

Eine 2 cm Flak 29 Oberlikon FF

2 cm Vierlinksflak c/38

Bei Kriegsende hatten man die Flugabwehr von Hanstholm auf 16 Stück 10,5-cm, 12 Stück 3,7-cm und 33 Stück 2-cm Flugabwehrkanonen aufgerüstet.

Nahverteidigung

Zur Nahverteidigung war jede Batterie mit einer Vielzahl von Bunkern, Stellungen und Stützpunkten umgeben, die jeden direkten Angriff auf die Festung durch landende Truppen unmöglich machen sollten.

Diese Bunker existieren auch heute noch und können durch verschiedene Rundwege, außerhalb des Museums erkundet werden.

Ein Modell verdeutlicht den Bau eines dieser Bunker.

Der Regelbau 501 war ein Mannschaftsbunker.

Eine Diensttafel für einen Bunker. An den Nägeln wurden Papierzettel mit Namen geheftet und so markiert, wer für welche Aufgabe zuständig war.

Zu den Verteidigungsgeschützen gehörten auch diese Pak 40.

Und hier noch der Link zum Museum: https://bunkermuseumhanstholm.dk/de/

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