Musée de l’Armée – Teil 1

Vor fast genau 20 Jahre hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, das Armeemuseum in Paris zu besuchen. Seit diesem Besuch hat sich einiges getan, denn der riesige Gebäudekomplex wurde aufwendig saniert, die Ausstellungen wurden überarbeitet und teilweise neu strukturiert. Seit Ende 2015 präsentiert sich das französische Musée de l’Armée nun in seiner neuen Form. Im letzten Sommer, um genau zu sein am 14. Juli (dem französischem Nationalfeiertag), hatte ich erneut Gelegenheit das Museum zu besuchen.

Schon von außen ist das Museum eindrucksvoll. Der Gebäudekomplex, das sogenannte „Hôtel des Invalides“ steht fast im Herzen von Paris und seine Gründung in heutiger Form geht auf das Jahr 1905 zurück.

Der militärhistorische Bestand umfasst über 500.000 Objekte vom Mittelalter bis zur Moderne und das auf einer Ausstellungsfläche von ca. 8000 m². Neben dem Invalidendom mit dem Grabmal Kaiser Napoleons I. und der Soldatenkirche sowie den Kanonen im Ehrenhof, umfasst die Ausstellung im Wesentlichen drei große Themengebiete. Dazu zählen die Rüstungen und Waffen vom 13. bis 17. Jahrhundert, die Militärgeschichte von Ludwig XIV. bis Napoleon III., also der Zeit von 1643 bis 1870 und schließlich die Zeit der beiden Weltkriege. Hinzu kommen temporäre Ausstellungen und die Historial Charles-de-Gaulle.

So präsentierten sich die Ausstellungsräume noch vor rund 20 Jahren.
Das Museum bereitet sich auf die Festlichkeiten des Nationalfeiertags vor.
Der Bau aus dem 17. Jahrhundert war einst Heim für kriegsversehrte und berufsunfähige Soldaten
Im Foto ist ein Modell zu sehen, dass im Invaliden-Dom ausgestellt ist.
Im Ehrenhof und vor dem Museum sind mehr als 200 Jahre französischer Artilleriegeschichte ausgestellt.

Rüstungen und Waffen

Das Erdgeschoss des Westflügels des Museums zeigt in einer Dauerausstellung auf 2.000 Quadratmetern eine der weltweit bedeutendsten Sammlung antiker Waffen und Rüstungen französischer und ausländischer Herkunft. Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt mit einer kleine Antike-Sammlung aus der Zeit der gallischen Stämme im 1. Jahrhundert v. Chr. Schwerpunkt ist aber die Zeit des Mittelalters und der Renaissance. In den Räumen des Museums sind dabei nur Teile der größten Waffen-Sammlung der Welt zu sehen.

Eine Ahnung von den unzähligen Exponaten des Museums erhält man durch Glasfenster, die den Blick in einige Räume des Arsenals freigeben, in denen sich die Waffen und Rüstungen bis unter die Decke stapeln. Die Galerie de l’Arsenal erinnert dabei an die frühen Waffenlager Frankreichs. Ein Ausstellungsraum schildert die Geschichte der defensiven und offensiven Waffen aus der Zeit vor dem 16. Jahrhundert. Dazu zählen Exponate, wie die „bacinets à bec de passereu“ aus dem 14. Jahrhundert, die ersten Schuppenrüstungen, die Rüstung von Otto Heinrich, als Beispiel für Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum und die Rüstung von Franz I. Ein Saal enthält eine außerordentliche Reihe von Rüstungen deutschen und italienischen Ursprungs, welche für Wettkämpfe und Turniere bestimmt waren. Dazu zählen Rüstungen für Turniere zu Pferd und für den Kampf zu Fuß. In einer weiteren Räumlichkeit wurden die schönsten Stücke einer 1964 erworbenen Privatsammlung versammelt, wozu u.a. die Radpistole mit Wappen von Karl V. gehören. Aber auch eine farbige Rüstung französischen Ursprungs vom Ende des 16. Jahrhunderts und ein Schwert aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gehören dazu. Der Saal „Louis XIII“ umreißt mit seinen Exponaten Frankreichs Kriege im 16. und 17. Jahrhundert, welche aus alten Sammlungen der Krone stammen. Dazu zählen auch Feuerwaffen, die sich im Besitz des Herrschers befanden. In einem separaten Kabinett, dem Cabinet Oriental, sind Exponate des ottomanischen Reichs ausgestellt. Es weitere verschiedene thematische Sammlungen, in denen der Besucher Waffen und Rüstungen Japans und Chinas sowie Großbüchsen bestaunen kann.

Keltische Waffen und Rüstung
Brigandine und Armbrust aus dem 16. Jahrhundert
Bascinet, in Deutschland Hundsgugel genannt, spätes 14. Jahrhundert
Blick in das Arsenal
Deutsche Rüstung für ein Gestech, ca.1490-1500
Deutsche Rüstung , ca. 1560
Französische Halb-Rüstung, ca. 1590
Französischer Morion, ca. 1550
12-Läufiges Orgelgeschütz, ca. 1500-1510
Kriegskleidung eines chinesischen Kaisers, 18. Jahrhundert
Japanischer Schwertgriff, 16. Jahrhundert
Japanische Rüstung, um 1580 – 1590
Zischägge, Helm der leichten Kavallerie, um 1690
Ottomanische Geschütz mit Mehrfachlauf, frühes 16. Jahrhundert.
Feldharnisch und Rossharnisch eines ägyptischen Mameluken, um 1550

Ancien Régime

Die Ausstellung im 2. Stock des Ostflügels umfasst unter anderem auch die Zeit Ludwig des XIV., des 18. Jahrhunderts bis zum Beginn der französischen Revolution. In diese Epoche fallen die Entwicklung der Uniform nach dem 30-jährigem Krieg, der Krieg mit Holland (1672-1678), der Reunionskrieg (1683-1684,) den Krieg der Augsburger Liga (1689-1697), der Spanische Erbfolgekrieg (1702-1712), der 7-jährige Krieg (1756-1763) sowie die Einmischung in den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783).

Louis XV. im Feldzug, 1745

In dieser Zeit entwickelte sich die französische Armee rasant und setzte Maßstäbe in der Verwendung der Muskete und Artillerie. Es entstand die größte und die am besten organisierte Armee in Europa. Zeitgleich modernisierte und erweiterte Jean-Baptiste Colbert die französische Flotte und Vauban sorgte mit seinen legendären Festungen für eine starke Verteidigungslinie an den Grenzen Frankreichs. Vor allem unter der Regentschaft Ludwig XIV bestand rund ein Viertel der französischen Armee aus Ausländern. Dazu zählten Deutsche, Italiener, Ungarn und Wallonen. Den größten Teil der ausländischen Truppen stellen jedoch die Schweizer und das schon seit dem 15. Jahrhundert.

Die Schlacht von Seneffe 1674, gemalt von Adam Frans der Meulen
Louis XV. und sein Stab in der Schlacht von Fontenoy 1745
Uniform eines Grenadier-Capitains des Neustria Regiments (1786)
Diorama der Schlacht von Dettingen, 1743
Kavallerie-Stiefel des 18. Jahrhunderts
Verschiedene Offiziers-Ringkragen (unten) von 1670 (ganz links) bis 1780 (rechts unten)
Sattel eines Colonel-General der Kavallerie (1775-1790)
Der Österreichische Erbfolgekrieg 1740 – 1748
Trommel der Miliz der bretonischen Küstenwache
Diese Mitre gehörte einem Dragoner der Royal North British Dragoons (ca. 1760)
Der 7-jährige Krieg 1756-1763
Kavallerie-Sättel aus dem 18. Jahrhundert
Die Winter-Kampagne Oktober 1674 bis April 1675 des Französisch-niederländischer Krieges
Regiments der Dragoner nach den Vorschriften von 1779
Französischer Offizier bei einer Belagerung (1795)
Jean-Francois de Berenger Donicourt (1725 – 1802), Generalkommissar für das Gießen von Artilleriegeschützen.
Revolutionskriege (1796-1801)

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