Marinemuseum Den Helder

Wer schon einmal Urlaub auf der niederländischen Insel Texel gemacht hat, ist mit Sicherheit am Marinemuseum in Den Helder vorbeigekommen. So ging es auch mir, nur, dass ich natürlich nicht vorbeigefahren bin, sondern einen Abstecher in das Museum gemacht habe.

Das Marinemuseum liegt an der Oude Rijkswerf, auch bekannt als Willemsoord. Das Gelände gehört der königlich niederländischen Marine, die einige der Gebäude immer noch nutzt. Durch das Hauptgebäude, in dem sich die Kasse und der Filmsaal befinden, kommt man zum Torentje. Dieses Gebäude wurde 1827 als Lagerhaus für leicht entzündliche Stoffe in Gebrauch genommen. Die Uhr vom Torentje war von überall auf der Werft aus gut zu sehen, und auch die Angestellten orientierten sich daran. Heute wird in den sechs Sälen des Torentjes die Geschichte der niederländischen Marine erzählt. Neben dem Hauptgebäude finden man die Tonijn, das einzige für Besucher zugängliche U-Boot des Landes. Die Museumsschiffe Abraham Crijnssen und Schorpioen liegen auf der anderen Seite des Gebäudes Medemblik, das von der Marine genutzt wird. Etwas weiter, auf dem zentralen Platz, befindet sich außerdem den Brückenturm der Hr.Ms. De Ruyter.

Goldenes Zeitalter

Im Museumsgebäude selbst beginnt der Rundgang durch die Ausstellung im Jahr 1488, als Kaiser Maximilian von Österreich mit dem Erlass zum Seewesen das Gründungsdatum der niederländischen Marine bestimmte. Natürlich geht es hier vor allem um das „Goldene Zeitalter“ und den berühmten Admiral de Ruyter. Allerdings wird diese Periode nur sehr kurz angeschnitten, was mit Sicherheit daran liegt, dass das Schiffsmuseum in Amsterdam dieses Thema eingehend beleuchtet (s. mein Bericht: Das Niederländische Schifffahrtsmuseum).

Büste von Lieutenant-Admiral Michiel Adriaensz de Ruyter
Schlacht bei Kijkduin, 1673
Schlacht bei Kamperduin, 1797
De Ruyter auf dem Weg zu seinem Flaggschiff „De Zeven Provincien“
Porträt von Johan Evertsen
Diorama einer Schiffswerft im 17. Jahrhundert
Modell des Linienschiffes Chattam von 1799
Schlacht von Chatham 1667
Der Überfall im Medway, auch Schlacht von Chatham genannt.

19. Jahrhundert

In der Zeit von 1550 bis 1860 wurden Vorderlader-Geschütze auf Kriegsschiffen eingesetzt. Waffenrohre mit glattem Lauf erforderten Kugeln, da Projektile, die nicht diese Form aufwiesen, von der gewünschten Flugbahn abwichen. Das Schneiden spiralförmiger Rillen (Felder und Züge) in den Lauf ermöglichte es einem verlängerten Projektil, sich schnell um seine Achse zu drehen, wodurch Stabilität in der Flugbahn hergestellt wurde. Dies verbesserten die Feuerkraft und erhöhte die Genauigkeit sowie Wahrscheinlichkeit des Durchschlages. Vorderladegeschütze mussten an Bord geladen werden, was zeitaufwändig war. Sobald es nach 1850 möglich wurde, den Verschluss der Waffe abzudichten, wurden Hinterlader populär. Waffen konnten nun deutlich schneller geladen werden. Die Montage von Kanonen auf dem Oberdeck statt zwischen zwei Decks machte es notwendig, die Bedienungs-Mannschaften zu schützen. Das geschah dadurch, dass man Geschütze in Türmen montierte oder hinter einem Schild oder einer Geschützbank platzierte. Darüber hinaus waren drehbare Geschütztürme insofern revolutionär, als dass sie das Schussfeld stark vergrößerten Nun war es ermöglich, im Kreis zu feuern, ohne zuerst das gesamte Schiff zu drehen.

Während des 19. Jahrhunderts erfuhr die niederländische Flotte einen enormen Wandel. Hölzerne Segelschiffe wie Linienschiffe, Fregatten und Kanonenboote machten Platz für alle Arten von neuen Schiffs-Typen. Spektakuläre Entwicklungen im Schiffbau hatte vor allem der Dampfantrieb gebracht. Dem traditionellen Rückgrat der Flotte war buchstäblich der Wind aus den Segeln genommen. Gepanzerte Schiffe waren zudem besser gegen schwerere Artillerie geschützt. Mit der Verabschiedung des „Fortifications Acts“ 1874 beschloss das niederländische Parlament, seine Seemacht nicht weiter auszubauen. Von da an spielte die Marine nur noch eine marginale Rolle beim Schutz der niederländischen Küste. Bis auf wenige Ausnahmen, wie Schul- und Wachschiffe oder schwimmende Batterien, waren „echte“ Segel-Schiffe bis in die 1850er Jahre verschwunden.

1826 kaufte die Marine die „Curacao“, ein Dampfschiff mit Schaufelradantrieb. Nach einigen Probefahrten stellte man fest, dass dieser Schiffstyp für den Einsatz als Kriegsschiff viel zu anfällig war, weshalb der Antrieb durch eine Schiffsschraube ersetzt wurde.

Der erste Schraubendampfer wurde 1847 in Dienst gestellt. Dieser Schiffstyp verwendete Segel für eine günstige Überfahrt und setzte Hilfsdampfkraft nur während der Aktivitäten innerhalb des riesigen Archipels selbst ein.

Das Rammschiff “Prins Hendrik der Nederlanden“ (1866-1899)

10,2 cm Vorderlader-Geschütz von ca. 1850

Vice-Admiral Julius Constantijn Rijk

Marine-Soldaten 1871 in Nord-Sumatra

Tropenhelm des Marine Korps

Das Kanonenboot (Korvette, Schraubendampfschiff 4. Klasse) Zr. Ms. Bonaire (1877) wird nahe beim Museum restauriert.

Rammschiff Schorpioen

Etwas näher möchte ich auf einen ganz speziellen Schiffstyp des 19. Jahrhunderts eingehen, das sogenannte Rammschiff.

Rammschiffe oder Widderschiffe wurden zuerst im Sezessionskrieg eingesetzt. Erstes Widderschiff war 1861 die Manassas. Danach setzten auch die Nordstaaten mit der United States Ram Fleet Widderschiffe auf dem Mississippi River ein. Nach 1866 wurden in der preußischen Marine, in der deutschen Kaiserlichen Marine und in der österreichisch-ungarischen Marine Widderschiffe eingeführt. In der Seeschlacht bei Lissa am 20. Juli 1866 entschied die österreichisch-ungarische Flotte durch Rammstöße gegen italienische Schiffe die Schlacht für sich. Im Ergebnis dieser Schlacht kehrten die Kriegsmarinen zeitweise zur antiken Rammstoß-Taktik zurück.

In der deutschen und österreichisch-ungarischen Marine bezeichnete man Kriegsschiffe, bei denen Rammbug oder Rammsteven die Hauptbewaffnung bildeten, als „Widderschiff“. Die Bezeichnung leitet sich aus dem Tierreich ab, wo Widder ihren Gegner im Zweikampf mit Rammstößen angreifen. Voraussetzung für einen erfolgreichen Ramm-Angriff zu See sollten hohe Geschwindigkeit, große Manövrierfähigkeit, große Eigenmasse und hohe Rumpffestigkeit des angreifenden Schiffs sein. Es gelang jedoch nicht, diese Voraussetzungen zu verwirklichen. Da die Entwicklung der Schiffsartillerie gleichzeitig große Fortschritte machte, kam die Entwicklung der Widderschiffe nicht aus dem Prototyp-Stadium heraus.

Das niederländische Rammschiff Schorpioen wurde 1868 in Dienst gestellt. Zusammen mit drei Schwesterschiffen sollte die Schorpioen die alten Holzschiffe ersetzen.

Mit einer Kombination aus Dampf- und Segelkraft und leichtgängigen Vorladekanonen sollten sie die niederländischen Interessen auf See verteidigen. Die ungewöhnlichste Waffe des Schiffes war der spitze Rammbug. In der Praxis erwies sich die Rammwaffe jedoch als stark überschätzt. Es war schon schwierig genug, einen fahrenden Gegner auf hoher See mit Kanonenfeuer zu treffen, geschweige denn, ihn zu rammen.

Die einzige Reise des Rammschiffs, die es über eine Grenze führte, unternahm es 1871 bei einer Geschwader-Fahrt nach Belgien. Das Schiff hatte den Auftrag, die sterblichen Überreste niederländischer Soldaten, die während der belgischen Revolution (1830–1833) gefallen waren, abzuholen.

Technische Daten

  • Indienststellung: 1868
  • Besatzung: 135 bis 162 Mann
  • Länge: 62,53 Meter. Länge: 11,58 Meter
  • Tiefgang: 5,02 Meter
  • Geschwindigkeit: 12,82 Knoten
  • Bewaffnung: 2 gezogene Vorladekanonen, 23 cm. 1876 hinzugefügt: 2 Spierentorpedovorrichtungen 2 Kanonen, 7,5 cm. 5 Kanonen, 3,7 cm. 2 Revolverkanonen, 3,7 cm. 2 Mörser aus Bronze. Rammbug.
Kabinen eines Offiziers
Die Tages-Kabine des Kommandanten. Im Gegensatz zum Rest der Schiffsbesatzung hatte der Kommandant eine private Tageskabine. Er konnte sich in diese Kabine zurückziehen, um den Schiffskurs zu planen, Besprechungen abzuhalten oder das Schiffslogbuch zu führen
Die Tages-Kabine des Kommandanten. Im Gegensatz zum Rest der Schiffsbesatzung hatte der Kommandant eine private Tageskabine. Er konnte sich in diese Kabine zurückziehen, um den Schiffskurs zu planen, Besprechungen abzuhalten oder das Schiffslogbuch zu führen
Nur der Kommandant verfügte an Bord des Schiffes über ein eigenes Badezimmer.
Wohnquartiere des Kommandanten. Und natürlich besaß der Kommandant auch eine eigne Schlaf-Kabine.
Quartiere und Messe der Mannschaft
Maschinenraum
In der Bildmitte ist der gelbe Geschütztürm erkennbar.
Segelkammer
Ruderstand über Kettensteuerung.
Die zwei Hinterlader in ihrem eisernen Dreh-Turm.
Geschützturm als Modell
Geschützpforten

1906 wurde die Schorpioen zu einem Unterkunftsschiff (schwimmende Kaserne) umgebaut, womit ihre Zeit als aktives Kriegsschiff endete. Von 1951 bis 1971 beherbergte das Schiff die Marineabteilung für Frauen (Marine Vrouwen Afdeling, Marva) in Den Helder. Um neugierige Männer in Schach zu halten, war die Schorpioen mit meterlangem Stacheldraht gesichert.

20. Jahrhundert

Deutschland marschierte am 10. Mai 1940 in die Niederlande ein. Die Rolle der niederländischen Marine war begrenzt, aber dank der Evakuierung zahlreicher Schiffe und Flugzeuge ging der Kampf nach der Kapitulation über die Grenzen hinaus weiter.

Nachdem am 8. Dezember 1941 der Krieg mit den Japanern ausgebrochen war, beteiligte sich auch die Marine in Niederländisch-Ostindien an den Kämpfen. Dabei waren niederländische U-Boote erfolgreich, obwohl in der Schlacht in der Javasee am 27. Februar 1942 ein alliierte Kampf-Verband einen schweren Rückschlag erlitt. Einen Monat später verließen die verbleibenden niederländischen Besatzungen, Schiffe und Flugzeuge Australien und Ceylon.

Die „Sieben Provinzen“ wurde 1908 in Amsterdam vom Stapel gelassen.

Das Panzerschiff Evertsen1898 vor Hook van Holland.

Das Torpedoboot De Ruyter mit Baujahr 1925

Hr.Ms. Z5 und Hr.Ms. TM51 im Kampf um die Maasbrücken

Minenräumboot Abraham Crijnssen (Baujahr 1936).  

Die Abraham Crijnssen war in Niederländisch-Indien stationiert, als die Kolonie 1941 von Japan angegriffen wurde. Nach der Vernichtung der alliierten Flotte in der Schlacht in der Javasee bekam sie den Befehl, sich nach Australien abzusetzen. Die Besatzung tarnte hierzu das Deck derart dicht mit Gehölz, dass das Kriegsschiff kaum mehr von einer der unzähligen kleinen, vom Dschungel überwucherten Inseln der Region zu unterscheiden war. So getarnt gelang es den Niederländern, unentdeckt die japanischen Linien zu durchbrechen.

Unterseeboot Tonijn (Potvis-Klasse) (Baujahr 1966). Das Unterseeboot Tonijn fuhr von 1966 bis 1991 mit 67 Mann Besatzung.
Brücke der Fregatte De Ruyter (Baujahr 1974)

Ende?

…und dies war natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus der Sammlung und Ausstellung des Museums. Wer mehr erfahren will sollte das Museums selbst besuchen. Informationen dazu gibt es hier: https://www.marinemuseum.nl/de/

2 Kommentare zu „Marinemuseum Den Helder“

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