Omaha Beach – TACTICA-Präsentation

Liebe Leser, der nun folgende Bericht stammt aus der Feder von Björn Reichel. Viel Spaß beim Lesen.

Einleitung und Danksagung

Ich habe schon einige Präsentationen auf verschiedenen Wargaming Conventions auf meinem Buckel. Allein auf der Tactica jedes Jahr, bis auf zwei. Ich habe allein präsentiert und im Team. Einzelprojekte aufgezogen, mit allem Drum und Dran. In den vergangenen Jahren allerdings gerne mit mehreren Gleichgesinnten zusammen. Man wird älter. Meine letzten drei Präsentationen waren alle zusammen mit Frank Becker. Beau Geste, Fort William Henry und jetzt Omaha. Jede Präsentation ist in ihrer Vorbereitung eine Art Happening für mich. Dass ich mich dabei so wohl fühle, liegt auch an meinen Partnern. Jeder von Ihnen ist eine Bereicherung für das Hobby. Trotzdem gilt insbesondere Frank mein Dank. Er stellt grundsätzlich nicht nur die Räumlichkeiten zur Verfügung, sondern versorgt das Team auch immer mit hervorragender Küche. Definitiv ein Fundament für jede gute Präsentation.

Für die Tactica 2022 wollten Sven und ich ursprünglich eine Battlegroup Präsentation in der Normandie 1944 abliefern. Teils aus Bequemlichkeit. Modelle und Figuren waren vorhanden. Ein Tisch wäre relativ einfach abzuliefern. Wir dachten da praktisch. Schließlich bewegen wir uns in unsicheren Zeiten. Corona! Was das spezielle Thema anging waren wir uns da nicht ganz einig. Gleichzeitig sprach ich mit Frank und teilte meine Idee mit ihm und gemeinsam kamen wir auf die Omaha Beach Landung. Schwieriges Thema, weil schon oft gesehen und als Szenario eine Herausforderung. Oftmals doch sehr langweilig umgesetzt.

Zusammen mit Sven, Gunnar, Vasa, Frank und mir wurde an einem gemütlichen Wochenende ein Grundkonzept entworfen.

  1. Die Spielplatte sollte neue Maßstäbe setzen.
  2. Es mussten drei bis vier ansprechende Szenarien sein, die nacheinander gespielt eine kleine Kampagne ergaben.

Ich will mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber bin mir sicher. Es ist uns gelungen. Frank hat ein Meisterwerk von Platte gebaut und das gesamte Team hat eine überaus gelungene Beilage dazu abgeliefert. Die Landungsboote, die Fahrzeuge, die Figuren, die kleinen Dioramen auf der Platte. Man kann viel in unserem Omaha Dog Green Sektor entdecken. Ich bin auch sehr stolz auf unsere drei Szenarien. Wir haben es in einigen Testspielen geschafft, drei knackige Missionen auszutüfteln. Jedes Szenario ist einzeln spielbar und gleichzeitig der Teil einer erzählerischen Kampagne. Sven und ich, die Hauptpräsentatoren, ließen etwas Spielraum, um die Spieler im Einzelfall zu geleiten oder zu piesacken.

Zum Gelingen einer Präsentation tragen aber auch die Spieler bei. Wir hatten durchweg Glück. Alle Spieler brachten genug Spielfreude mit, um uns das ganze Wochenende bei der Stange zu halten. Selten war ich neugierig auf das nächste Spiel. Bei dieser Präsentation fieberte ich den nachfolgenden Missionen nahezu entgegen. Als kleine Sahnekirsche „on Top“ haben die Perries und Nick Northstar bei uns gespielt. Es war eine Freude. Die Tatsache, dass wir so tolle Spieler hatten und der nachfolgende Aspekt einer atemberaubenden Genauigkeit dieser Präsentation, hat mich dazu bewogen diesmal einen etwas anderen Bericht zu schreiben.

Wir alle spielen nur ein Spiel, wenn wir unser Hobby betreiben. Und es ist grundsätzlich von der Realität so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Das ist mit dieser Präsentation nicht anders. Niemand ist gestorben. Wir ertragen keine Entbehrungen und niemand erleidet ein Trauma. Es ist ein Spiel. Das härteste was ich an diesem Wochenende ertragen musste, war das Risiko einer Corona Infektion und vielleicht Kopfschmerzen von Svens Calvados. Dennoch beschäftigte mich das Ergebnis, der einzelnen Spiele. Einheiten wurden mit einem Würfelwurf dezimiert oder verschwanden gänzlich. Die Spieler fragten mich in jeder einzelnen Partie mit Erstaunen, ob das System immer so brutal tödlich ist. Ist es nicht. Dank Franks Recherche spielten wir nahezu alle Szenarien in Originalstärke in diesem Sektor. Im Ergebnis waren die Verluste auf dem Spieltisch fast genauso erschreckend hoch, wie in der historischen Vorlage. Alles nur mit einer 8.8, drei Maschinengewehren und zwei Mörsern.

In Vorbereitung auf diesen Bericht bin ich auf das Foto von Robert F Sargent gestoßen. Es heißt: Into The Jaws Of Death.Es ist ein beeindruckendes Bild. Um dieses Foto herum habe ich den Bericht aufgebaut. Es ist eine Geschichte geworden. Ich möchte damit die historischen Personen würdigen, auf beiden Seiten. Insbesondere aber die amerikanischen Soldaten, die dort kämpften, körperlich und seelisch verstümmelt wurden und starben. Dass ich so leben darf, wie ich es heute tue, habe ich ein Stück weit auch Ihnen zu verdanken. Falls der Leser das jetzt pathetisch findet, dann tut es mir leid. Ich empfinde aber so.

Gleichzeitig, hier sind wir wieder beim Spiel, möchte ich unsere Spieler verewigen. Wenn es sein muss, auch nur auf diesem Blog. Das wären Frank Picolin als Frank, Tim als Tim Garner, Florian als Florida, Der Däne (Dirk?) als Der Däne, Nick als Captain Star, Michael Perry als Mike Parker und Alan Perry als Alan Stoner. Gero ist Sergeant Gerofakis und Dennis ist Dennis, Nial und Rob haben Ihre Namen praktisch vorgegeben. Alex ist Lieutenant Alexander und Sven ist Sergeant Bozer. Jeder hat seinen Teil in der Geschichte. Mal größer, mal kleiner. Unabhängig davon hätten wir ohne diese Spieler kein so schönes Wochenende gehabt. Danke! Mein Co-Spielleiter Sven spielte alle Deutschen. Hans, Franz, Gerd und wie sie alle hießen. Ich war der Verbindungsmann und Übersetzer und manchmal Svens rechte Hand auf dem Strand.

Björn Reichel, im Oktober 2022

Omaha Beach Dog Green Sektor – D Day, morgens.

Kapitel Eins

Frank schaute über die Steuerbordwand seines Landungsbootes und sah das französische Festland.

Hinter einem grauen Schleier aus niedrigen Wolken und Regenschauern lag eingehüllt die Steilküste. Darüber war, diese erdrückend, ein grauer, fast schwarzer Himmel, der sich auftat, wie um alles unter ihm zu verschlingen. Dieser Ort war ihr Ziel. Der Anblick war eine nüchterne Mahnung an die Vernunft. Bleibt fort. Gleichzeitig auch ein Appell an den Mut sich zu überwinden. Kommt! Frank erblickte wie vor seinem Boot weiße Fontänen majestätisch aus den Wellen schlugen. Das aufgewirbelte Wasser wurde in der Höhe vom Wind erfasst.  Salzwasser wehte über sein Landungsboot, während der Rest der Fontäne in sich zusammenfiel. Er schloss die Augen und erinnerte sich an die Gischt, die ihm ins Gesicht schlug, wenn er auf der heimischen Mole stand.

Eine Hand packte hart seine Schulter. Sergeant Gero schüttelte ihn durch und zog Frank in die Wirklichkeit und auf seine Position im Boot zurück. „Denkt an das, was man Euch beigebracht hat. Raus aus dem Boot. Haltet Abstand. Geht vorwärts.“ Gebetsmühlenartig ratterte Gero, der griechische Wurzeln hatte und eigentlich Gerofakis hieß, seine Anweisungen herunter. „Wir räumen diese verdammten Hindernisse aus dem Weg“ Es klang wie ein Schwur.

Ein dumpfer Knall überwältigte ohrenbetäubend Franks Kopf. Er hörte urplötzlich Schreie und sah, wie schwarzer Qualm über sein Boot hinweg zog. Er spürte eine Wolke aus Hitze. Sie brachte den Geruch von Grillfleisch mit sich. „Festhalten“ brüllte der Steuermann. Frank sah für einen kurzen Moment dessen aufgerissenen Mund und die geweiteten Augen. Dann schloss sich der Mund und Frank meinte Zähne hören zu können, die wie Mühlsteine aufeinander mahlten. Der Steuermann riss das Ruder herum, aber die Kollision war nicht zu vermeiden. Das von einer Granate getroffene LCVP an Steuerbord rammte Franks Boot. Männer wirbelten durcheinander. Es gab eine weitere Explosion. Diesmal schüttete Sand über das innere des Landungsbootes wie ein Regen aus Kies. „Raus, raus, raus“ Brüllte Gero „Über die Reling, raus.“

Dann wurde das Boot von einer letzten Welle angetrieben und schabte über den Sand. Rumpelnd kam das LCVP zum Halten. Mechanisch griff Frank sein Gewehr fester und versuchte an die Backbord Reling zu gelangen. Steuerbord loderte eine Feuerwand. Dahinter waren Schreie zu hören. Die Hitze trieb ihn an. Er spürte sie brennend auf seiner Haut. „Das war ein Flammenwerfer. Der ist hochgegangen“ stellte er mit Erschrecken fest. „Nur nicht verbrennen“ schoss ihm durch den Kopf. Entsetzliche Angst erfasste Frank. Er ließ sein Gewehr fallen. Dann kämpfte er sich an die Bordkante, zog sich hoch, wurde von einer Welle erfasst und mitgerissen.

Tim kam vor Nässe zitternd und triefend aus dem Wasser. Die Unterströmung brachte ihn ins Taumeln. Er stapfte durch die Gischt an den Strand. Vor sich sah er einen GI unter einem hölzernen Vorstrandhindernis kauern. Die Beine angezogen und mit den Armen fest umschlossen. Teile der Uniform waren verbrannt. Tim rannte geduckt voran. Der Lärm war unwirklich laut. Jenseits jeder Vorstellungskraft. Nicht vergleichbar mit allen Geräuschen die Tim kannte. Es zischten Kugeln an ihm vorbei. Es klang wie obszönes Pfeifen. Der Boden unter seinen Füßen vibrierte. Die Luft wummerte von Explosionen. Das Sichtfeld vor ihm war eingeengt. Langgezogen wie ein Tunnel. Etwas Licht in der Ferne. Reduziert auf einen Punkt. Wie ein Blick durch eine Kamera. Alles wackelte.

Neben ihm zogen Männer vorbei. Sie schleppten ein Schlauchboot an ein Strandhindernis heran. Das Gummiboot war gefüllt mit wasserdichten Rucksäcken, Beuteln und kleinen, geschnürten Päckchen. Diese wiederum gefüllt mit Sprengstoff und Zündern. Er versuchte sich zu orientieren. Hoffnungslos. Er schloss sich dem GAP-Team direkt vor sich an. Im Abwehrfeuer stehend hantierten die Männer an dem Strandhindernis. Ihre Gesichter waren angespannt. Im Sand neben ihnen schlugen die Geschosse mit einem juchzenden Laut ein und stieben kleine Sandwölckchen auf. Eine Faust umschloss Tims Herz und bei jedem näherkommenden Pfeifen drückte diese Faust sein Herz ein Stück fester zusammen. Tim atmete flach, keuchend und würgte dabei. Stumpf und unbeirrt arbeiteten sie in der Gruppe weiter. Ein Geschoss traf den Floßsack und dieser entlud sich zischend wie ein Furz. Tim grinste unbewusst. Jemand schlug auf seine Schulter.

„Kling, ding, dang“ machten die Kugeln am Strandhindernis. Ein Second Lieutenant vor ihm zeigte auf die nächste Hindernisreihe. Tim nickte und verstand. Als er sich erheben wollte spürte Tim einen schweren Schlag gegen seinen Helm. Er stürzte. Sein Kopf rollte zur Seite. Die Geräusche wurden leiser. Der Blick trübte sich vor Erschöpfung und Müdigkeit. Tim sah Stiefel und Gamaschen. Eine ganze Kompanie an Beinen zog an ihm vorbei. Stolpernd und hüpfend. Dazwischen fielen Körper zusammen, wie fallen gelassene Lappen. Sein Kopf rollte zurück und Tim blickte in den Himmel. Dieser war immer noch tiefgrau, fast schwarz und immer noch hungrig. Der Himmel sah auf ihn hinab. Tim wollte nur noch schlafen.

Jemand schlug in sein Gesicht. Er riss die Augen auf. Sergeant Gero blickte ihn zornig an. „Aufstehen Garner, bewegen sie Ihren Arsch. Sie sind nicht tot. Ausruhen können sie am Kiesrand. Hier geht bald alles hoch. Also verschwinden sie hier.“ Gero zog ihn hoch und stieß Tim voran. Vor sich laufende, taumelnde, stolpernde und tote Männer, überall Detonationen und von Geschossen aufgewirbelte Sandspritzer. Tim dachte kurz an seine Chancen, dann rannte er. So schnell er konnte. Hinter ihm krachte es und die Druckwelle warf ihn vorwärts.

Dennis kauerte neben dem brennenden LCVP. Er dirigierte das Feuer seines Mörserteams. Das Abwehrfeuer der Krauts war mörderisch und tötete Dennis Kameraden im Sekundentakt.  Angestrengt versuchte er die MG-Nester des Feindes auszumachen. Kleine blitzende Punkte auf der Steilküste, wie blinkende Signalzeichen. Die Nachricht, die sie brachten, war der Tod. Die Mörsergranaten schlugen in und auf dem Steilhang ein. Sandfarbene Wolken markierten den Einschlagspunkt. Wenn Dennis das Feuer gut gelenkt hatte, erstarb der tödliche Signalcode für einen Moment und die Männer vor ihm kamen weiter den Strand hinauf. Dennis korrigierte das Feuer und sein Mörser Team befolgte die Befehle. Nicht alles hing an ihm, aber er gab seinen Anteil.

Kapitel Zwei

Florida sah den Dänen auf sich zukommen und neben sich schwer an den Kiesrand werfen. Der Däne zog in einer fließenden Bewegung ein Magazin aus der Munitionstasche. Warum der Däne ständig grinste, war ihm unklar. Freude konnte es definitiv nicht sein. Vielleicht Unsicherheit? Das war es aber auch nicht, denn der Däne agierte in diesem apokalyptischen Chaos scheinbar so, als wäre es sein Zuhause. War es aber nicht. Der Däne kam aus Nebraska und sein Zuhause war irgendein Kaff in der Nähe von Lincoln. Der Däne war ein Riesenkerl und deshalb bediente er das BAR. Er wechselte das Magazin. Dann feuerte er auf die Bunkerscharte rechts vor ihnen. Dabei knurrte er irgendwas. Florida beobachtete ihn und bewunderte den Dänen für seine Tapferkeit.

Aus dem dunklen Schlitz des riesigen Bunkers ragte die Mündung einer 8.8èr Kanone. Florida presste sich an den Kies als die Kanone grollte. Er sah wie ein, durch die freigeräumten Hindernisse, anrollender Sherman Panzer getroffen wurde. In dem grauen Morgenlicht glühte das Einschussloch kurz grell und gleißend auf. Der Sherman rollte noch ein Stück. Dann blitzte es, bevor er krachend auseinander barst. Florida griff neben sich. Er hatte den Flammenwerfertank abgelegt. Er hatte Respekt vor dem Ding. Mit dem Tank auf dem Rücken getroffen zu werden ist kein Spaß. Er spürte, wie jemand mit ihm sprach. Wortfetzen drangen an sein Ohr. Er drehte sich um und sah Nial vor ihm knien. Der irisch amerikanische Corporal hatte rosige Wangen, die hektisch glühten wie im Fieber. Seine Lippen bewegten sich fortwährend.  Dabei deutete er mit weit ausholenden Gesten auf den Tank und auf den Bunker. Florida schüttelte den Kopf. Er konnte nicht. Er klebte am Kieshang und nichts würde ihn dazu bringen diese Deckung zu verlassen.

Nials Blick ruhte auf Florida Gesicht. Sein nahezu ausdrucksloser Gesichtsausdruck in dem sich Kummer und Wut spiegelten drang durch Floridas Augen in dessen Kopf. Nial bewegte seinen Arm nach links und zeigte mit dem Daumen hinter sich. Der ganze Kiesrand und der Strand hinter ihnen war voller toter GI`s. Grotesk verrenkt und dahingeworfen lagen sie herum, wie vergessenes Spielzeug eines zornigen Kindes. Dann deutete er mit einem Nicken nach rechts auf den Bunker und mit seiner linken Hand tätschelte er den Flammenwerfer. Florida schluckte, dann nickte er.

Rob, der Ire aus New Jersey, hockte neben Nial und rief laut Befehle. „Wir sprengen jetzt diesen verdammten Stacheldraht und dann das Minenfeld. Dann mit allem was wir haben auf die Bunkerscharte. Florida erledigt dann den Rest mit seinem Zippo. Verstanden?“ Bleiche, hohlwangige Männer, in Minuten um Jahre gealtert, nickten unisono. „Bangalores“ rief er so laut er konnte und dann wurden die Rohrbomben durch die Reihen geschoben.

Auf dem Kieskamm tanzten die MG-Garben. Abpraller rasselten als Querschläger in alle Richtungen. Hans Aufgabe war es den großen Bunker von WN 72 zu schützen und das tat er. Mit kalter Präzision gab er kurze Stöße in Richtung der Amerikaner ab. Er hielt den Kolben des MG-34 mit der linken Hand an die rechte Schulter gepresst und drehte im Feuern seinen Oberkörper. Sein Blick folgte der Leuchtspur und er lenkte das Abwehrfeuer mitten hinein in die anstürmenden Amerikaner. „Füttere mich Klaus, ich brauche mehr Munition. Halt den Gurt richtig. Gut so, gut so… Gott wie viele sind das denn noch?“ Über Hans krachte ein Geschoss in den Bunker. Zementsplitter stieben auf und hüllten die MG-34 Bedienung in eine Staubwolke.

Der Staub brannte in Hans Augen. Er schüttelte sich und blinzelte. Seine Augen tränten. Das MG feuerte nicht mehr. Er blickte nach links. Klaus lag regungslos neben ihm. Hans sah das Loch im Helm und wusste Klaus war kaputt. Seit Russland waren sie zusammen. Hans hantierte am Verschluss und tastete nach einem neuen Gurt. Vor Hans Stellung entluden sich die Bangalores und sprengten den Stacheldraht und das Minenfeld. Die Druckwelle trieb Hans die Luft aus seinen Lungen. Zwischen dem Rauch und Qualm sah er Männer laufen. „Sie unterlaufen meine Stellung, verdammt“ Mit geübter Hand machte er das MG wieder schussbereit.

„Los, los, los,“ Schrie Captain Star.  Er trieb sie vorwärts und sie sprangen und sprinteten über den Strand in Richtung Kieshang. Sein Funker Alan Stoner blieb dicht in Stars Windschatten.

„Meine Güte“ dachte Alan, „der Alte kann doch schneller, warum trödelt der so?“ Star kniete sich neben Private Parker. „Sohn, wenn wir hier bleiben, sterben wir alle. Kommen sie hoch und helfen sie mit, diese Schweine zu erledigen. Ich zähl auf sie.“ Michael Parker kam zitternd auf die Beine und nickte. „Sehen sie Junge, so ist es richtig. Los geht`s!“ 

Star stand mitten auf dem Strand. Stoner kniete mit angemessenem Abstand neben ihm. Mit kurzen Armbewegungen dirigierte Star seine Männer dorthin, wo er sie haben wollte. Parker kam stolpernd neben Star zum Halten. „Sir, wenn wir über die Straße hinter dem Kiesrand kommen, gibt es dort einen Weg hinauf, sehen Sie, Sir !“ Star nickte. „Gut gemacht, Sohn! Sie suchen mir jetzt Lieutenant Alexander und wir treffen uns dort,“ Er zeigte auf eine schwer einzusehende Stelle am Kieshang. „Beeilung!“ „Sir, was ist wenn…“ Michael sprach den Satz nicht zu Ende. „Dann bringen sie mir diesen Bozer. Irgendeiner von den beiden wird’s wohl geschafft haben.“

Rob half Florida den M2-Flammenwerfer anzulegen und redete dabei, so ruhig es ihm möglich war, auf Florida ein. „Hör zu Florida, von dir hängt das jetzt ab.“ Florida schloss den Schultergurt vor der Brust und spürte das Gewicht des Tanks. In den beiden großen Behältern war der Treibstoff im kleineren Tank befand sich der Stickstoff. „Du kriegst alles an Feuerunterstützung, was wir haben. Der Bunker wird so eingedeckt, dass die Krauts sich selber einscheißen. Und wenn die denken es ist vorbei, dann gibst du ihnen den Rest.“ Rob nickte und um Florida zu bekräftigen, schob er hinterher „ich bin nur einen Schritt hinter dir. Ich lasse dich da nicht allein raus. Ich will auch was vom Kuchen.“. Florida schüttelte ungläubig grinsend den Kopf. Er bemerkte in Robs Mundwinkeln feinen Strandsand, wie Zuckerreste von einem Donut.

Kapitel Drei

Parker, kam mit Lieutenant Alexander und Staff Sergeant Bozer im Schlepptau bei Star an.

Alexander war ein junger Offizier mit Ambitionen und Star wusste instinktiv, den richtigen Mann, für den Auftrag, gefunden zu haben. Bei Bozer war er sich sowieso sicher. Das alte Schlachtross war unverwüstlich. „Bozer, hören Sie, Sie nehmen ein paar Männer und räumen die Minen weg und dann schaffen Sie diese Mauer aus dem Weg.“ Star deutete auf eine massive Betonmauer, welche den Hang und den Bunker am Strand verband und ein unüberwindbares Hindernis für Fahrzeuge war. Dieses Ungetüm musste weg, sonst konnten sie nicht nach Vierville-sur-mer! „Alles klar Bozer ?“ Bozer zuckte als Zustimmung nur leicht mit den Schultern, als würde er andeuten wollen,  die Mauer ist eigentlich schon weg. „Verstanden Sir“ Bozer rollte rechts ab und suchte sich eine Gruppe Männer.

Star blickte Alexander an. „Sie gehen da hinauf“ Star deutete auf das Plateau hinter dem Steilhang. „Sehen sie diesen Trampelpfad. Der ist begehbar. Da sind sie vor dem feindlichen Feuer sicher. Sie gehen durch die Hausruinen dort links am Hang und dann dort hinauf. Achten Sie auf Minen. Wenn Sie oben sind, bringen Sie jeden dieser Schweinehunde um. Schalten sie die MG Stellung aus und die Mörserstellung. Mit etwas Glück sind auf unserer linken Flanke schon Einheiten durchgebrochen. Also schießen sie nicht auf unsere Freunde. Parker hier wird Sie begleiten. Guter Mann!“

Rechts von ihnen brach höhnischer Jubelschrei aus. Star sah zum Bunker. Eine ölige Qualmwolke schoss aus der Scharte zurück. Dann schlug eine Wolke aus gelben Flammen aus dem Schlitz und umzüngelte das Kanonenrohr. Irgendein GI hatte seinen Flammenwerfer in den Bunker entleert. Star nickte grimmig. Es war ein grausames Handwerk, das an diesem Dienstag erledigt wurde. Star winkte Stoner zu sich heran. „Alan sie geben folgenden Funkspruch durch…“

Bozer und seine Gruppe liefen im Zick Zack über die Küstenstraße an den Steilhang heran.  Beinahe wäre einer der Privates in den Panzergraben, der sich mitten auf der Straße befand, gestürzt. „Diese gottverdammten, hinterlistigen Krauts“ dachte Bozer bei sich. Aus den Augenwinkeln sah er Lieutenant Alexander und seine Männer sich der Hausruinen links nähern. Die Häuser waren gesprengt worden, um Angreifern möglichst wenig Deckung zu bieten. Gleichzeitig wurde dem Küstenstreifen aus der Ferne auf diese Weise jede Identität genommen, die für einen Orientierungspunkt wichtig wäre.

Lt. Alexander sickerte mit seiner Gruppe in die Hausruinen ein. Smitty war unvorsichtig und löste mit einer falschen Bewegung eine Sprengfalle aus. Die Gruppe verlor drei Mann. Alexander schickte einen Melder los. Er benötige drei frische Männer.

Unterdessen war Bozer mit ähnlichen Problemen an der Sperrmauer konfrontiert. Der Bunker war ausgeschaltet, aber das MG Nest über ihnen stellte weiterhin eine Gefahr da. Dann gab es da noch diesen verrückten Deutschen, der einfach nicht seine Stellung räumen wollte. Sein Schussbereich war schwer einzuschätzen und niemand in Bozers Gruppe und auch Bozer selbst nicht, waren scharf darauf, es mit dem MG 34 aufzunehmen.

Die Deutschen übernahmen plötzlich die Initiative. Zu dem rasselnden MG Feuer gesellte sich ein anderes Geräusch. Kaum wahrzunehmen in dieser Kakophonie. Bozer versuchte zu lauschen. Es hörte sich an wie ein Kettenfahrzeug. Im nächsten Moment bog eine Miniatur eines Panzers um die Ecke der Sperrmauer. Bozer erstarrte für eine ewig dauernde Sekunde. „Zurück, weg, weg, weg,“ Wie ein Gockel seine Hennen trieb Bozer seine Männer zurück. Nur fort von dieser rollenden Bombe. Sie pressten sich an den Steilhang und krallten sich im Boden fest. Plötzlich zog ein hoher pfeifender Ton heran. Granaten schlugen direkt an und vor der Mauer auf. Der Goliath wurde in die Höhe gehoben und hinfort gewirbelt. Bozer guckte zwischen zwei Grasnarben in Richtung Mauer. Sie stand noch, aber er würde sie jetzt abräumen. Mit einem Strike!

Lt Alexander blieb einen Moment stehen. Seine Männer zogen an ihm leicht geduckt vorbei. „Mein Gott, was für eine schöne Aussicht, was für ein schöner Strand.“ dachte er. Ein Mann namens Najewski, raunte im Vorbeigehen irgendetwas, so als könne er Gedanken lesen. „Wie war das Private?“ „Eine halbe Meile  die Küste  hoch, soll der Strand noch schöner sein, Sir. Gut schwimmen kann man da. Steht in einem Reiseführer“ Najewski spuckte aus. „Sei nicht immer so ein Klugscheißer Najewski.“ sprach ein anderer. Dann waren die Männer vorbei.

Der Strand hatte heute nichts Schönes. Der Lärm war noch da, ebenso der Qualm. Und überall war der Strand gesprenkelt mit kleinen Punkten.  Jeder dieser Punkte war ein gefallener GI. Sie hinterließen ihre Spur der Opferbereitschaft bis hinauf an den Kiesrand. Auch dort lagen sie. Die Jameson, die Ryans, die Morellos, die Russos, die O`Briens, alle weg.  Eine Schande.

Die Flut kam heran. Sie brachte immer neue Landungswellen. Er wusste dass von diesen Reserven noch viele Männer sterben würden. Die Flut spülte die Toten heran. Alexander wurde bewusst, dass diese Männer nicht durch Kugeln oder Granaten gestorben waren, Sie waren ertrunken. „Eine halbe Meile den Strand hinauf soll man gut schwimmen können“ flüsterte er. Parker berührte Lt Alexanders Arm. „Sir, wir müssen weiter“. Alexander nickte. Sie stiegen hinauf. Das rasselnde Geräusch des MG wurde immer lauter.

Bozer machte sich an der Mauer zu schaffen und platzierte dort alles an Sprengstoff was er hatte. Rechts von ihm war immer noch das MG am Rattern. Wenn er hier fertig war, würde er dem Kraut den Hals eigenhändig umdrehen. So viele Kameraden hatte der Bastard auf dem Gewissen. Er reichte hinter sich. „Zündkapsel ! Schneller! Wir wollen hier keine Wurzeln schlagen. Was meinen Sie Zarelli, war hier heute die Sugar Sugar? So hartnäckig, wie die hier den Strand verteidigen, könnte das schon sein. Vielleicht wurden die hierhin verlegt, um ihnen das Leben besonders schwer zu machen. Was Zarelli?“ Bozer drehte seinen Kopf nach hinten und grinste frech. So fertig. Wir machen uns jetzt dünne.

Lt Alexander glitt langsam in den Graben. Hinter der nächsten Biegung musste die MG-Stellung sein. Er gab seinen Männern das Zeichen für den Angriff. Handgranaten, Pistolen, Gewehre, Thompsons, alles wurde vorbereitet. Alexander lehnte sich an den Grabenrand und spähte hinüber. Er sah drei Stahlhelme hin und her wippen. Dann gab er das Zeichen. Sie warfen die Granaten. Die MG Besatzung hatte keine Chance. Die Deutschen wurden überrascht und die drei schnell aufeinander folgenden Explosionen, die sich erst dumpf und dann grell laut anhörten, schalteten das MG und die Besatzung umgehend aus. Parker und Najewski stürmten um die Ecke und entluden wild feuernd ihre Waffen in die drei toten Deutschen.

„Weiter, jetzt“ befahl Alexander und er deutete den Männern an den Graben zur linken zu nehmen. Der führte nach hinten und da irgendwo mussten die Mörser sein.

Dennis sah durch sein Fernglas und bemerkte, dass die MG Stellung auf der linken Seite im Sektor nicht mehr feuerte. Sein Blick wanderte mit dem Glas die Anhöhe rechts entlang. Das rechte MG schoss noch. Und dann gab es noch den Deutschen MG Schützen am Bunker. Dahin werden wir das Mörserfeuer konzentrieren. Er musste seit der Landung mehrmals die Stellung wechseln. Die aufsteigende Flut trieb ihn an. Der Mörser stand jetzt zwischen einigen Strandhindernissen und war gerade noch in der Mindestschussreichweite aber halbwegs in Deckung „Noch näher ran und ich schieß das Ding aus der Hüfte ab“ murmelte er. Stevensen lud den Mörser und die Granate ploppte aus dem Rohr. Stevensen lud fleißig und die Salve lag gut am Bunker. Bam, Bam…und dann zerriss eine gigantische Explosion die Mauer auf der Promenade.

Die Druckwelle fegte über den Bunker, in den Steilhang und in einer heißen Welle über den Kiesrand und weiter über den Strand. Eine gewaltige Wolke aus Feuer und Rauch stieg auf. „Volltreffer“ stammelte Stevenson. „Waren wir das?“ fragte Gustafson Die Wolke aus Zement, Beton, Gestein und Sand brach in sich zusammen und rollte sich dann in alle Richtungen ausbreitend, wie eine Welle aus. Die Mauer versperrte nicht mehr die Straße nach Vierville.

Die Mörserbesatzung im Landesinneren war eine andere Hausnummer. Lt. Alexander lehnte am Grabenrand zwischen dem Chaos. Er blutete aus einer Wunde an der Schulter. Aus seinem Mundwinkel hing eine Chesterfield. Diesmal wurden sie selbst überrascht. Irgendein Melder rannte ihnen direkt vor die Füße. Alexander erschoss den Mann aus nächster Nähe mit seinem Colt.

Und schon waren sie mittendrin im Nahkampf. Sie waren in der Überzahl aber in der Enge des Laufgrabens war das kein Vorteil. Sie rangen miteinander stumm und hart. Alexander ging zu Boden und wusste nicht wie die Angelegenheit ausgehen würde. Er schloss die Augen. Parker rüttelte ihn. „Sir, Sir…. es ist vorbei, kommen Sie. Ich verbinde sie.“ Irgendein GI, dessen Namen er nicht kannte, steckte ihm die brennende Zigarette zwischen die Lippen.

Bozer stand neben den Resten des MG-34 am Bunker. Um die Waffe herum verteilt lagen Patronenhülsen, Munitionsgurte und vier Männer. Sie waren tot. GI`s sicherten die Gegend. Vereinzelnd fielen Schüsse. Männer nahmen sich Souvenirs von den gefallenen Deutschen. Bozer schob sich den Helm in den Nacken und fingerte mit zittriger Hand nach seinen Zigaretten. Die Packung war nass und die Hälfte der Kippen war unbrauchbar. Wer davon war der Schütze? Sein Carbine hing in der Armbeuge. Er entzündete die Zigarette umständlich. „Keine Übermenschen,“. Er blies den Qualm aus. Der Wind trug den Rauch durch die Luft davon, in welcher der Lärm langsam abebbte.  „Auch nur ganz normale Kerle.“ flüsterte er. Dann ging er weiter.

Björn, Frank, Nick (stehend, von links nach rechts). Sven Alan und Michael (sitzend, von links nach rechts)

6 Kommentare zu „Omaha Beach – TACTICA-Präsentation“

  1. Ganz grosses Kompliement, also da ist was ganz Grosses aus dem Projekt geworden, echt toll umgesetzt!

    Und wegen pathetisch, dass kann man nur allzu gut verstehen, wenn man selber am Omaha Beach war und mit ein wenig Phantasie, die Ereignisse dieses Tages vor seinem Auge so nach einer Art Film ablaufen hat lassen und man darauf gekommen ist, dass sich hier echt Schreckliches abgespielt hat, also wenn es um das geht bin auch wohl recht pathetisch!

    Im Übrigen, sollte der Verfasser des doch recht anschaulichen Berichts mal überlegen sich als Autor zu probieren, denke die Chancen stehen da nicht mal so schlecht! 😉

    Gruss

    Heinz

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  2. Ein klasse Bericht – ich hatte gleich die Anfangsszene des Films „James Ryan“ vor Augen.

    Tolle Arbeit!

    Diese Spielplatte gehört in ein Museum am Omaha Beach!

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  3. Schön einen so ausführlichen Bericht von Dir zu lesen Björn. 👍
    Da hatte wohl jeder der Spieler seine Aufgabe gefunden. Tolle Präsentation und Ihr als Spielleiter sicherlich überragend.

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