Die Ägyptische Armee – IM SUDAN

Einheiten in Suakin 1883 – 1896

In der Zeit des Mahdi-Aufstandes von 1881 – 1898 durchliefen die Ägyptische Armee und ihre Unterstützungseinheiten zahlreiche Höhen und Tiefen. Die Truppen hatten je nach Herkunft und Einsatzort ein sehr unterschiedliches Ausbildungsniveau und auch die Moral, sowie die Motivation der Männer zeigten große Unterschiede. Mit der Niederschlagung des Urabi-Aufstandes durch die Briten im Jahre 1882 und der darauf folgenden Auflösung der Ägyptischen Armee am 20. Dezember, fiel das Land unter Britische Kontrolle. Schon kurze Zeit danach wurde jedoch eine neue ägyptische Armee ins Leben gerufen.

Ein komplettes Bataillon Ägyptischer Infanterie, zur Parade angetreten.

Organisation

Die neue Ägyptische Armee wurde 1883 unter der Führung des Britischen Oberbefehlshabers, dem Sirdar Evelyn Henry Wood, neu aufgestellt und reorganisiert. 6.000 Soldaten formierte man in acht Bataillonen, die zu je 4 Kompanien (buluks) aufgeteilt und für 4 Jahre verpflichtet wurden. Nach der Zeit in der Armee waren 4 Jahre im Polizeidienst und Manöver und weitere 4 Jahre in der Reserve vorgesehen. Bis zum Ende des Jahres 1883 stellte man außerdem zwei Schwadronen Kavallerie, ein Camel Corps und vier Feld-Artillerie Batterien auf. Die neue Armee bestand zunächst nur aus zwei Brigaden. In der ersten Brigade wurden die Bataillone von je 3 britischen Feldoffizieren befehligt, in der 2. Brigade wurden ausschließlich Türkische und Ägyptische Offiziere eingesetzt. Die Ägyptischen Offiziere rekrutierte man hauptsächlich aus der Militärakademie in Kairo, im Gegensatz zu den späteren sudanesischen Offizieren, die fast immer aus den unteren Rängen aufstiegen.

Ägyptische Infanterie im Mantel

Erst nach und nach wurde die Ägyptische Armee vergrößert. Ab 1888 verlängerte sich die Dienstzeit der Ägyptischen Infanterie auf 6 Jahre. Im Jahr 1890 wurden die Sudanesischen Bataillone von 4 Kompanien zu je 170 Mann auf 6 Kompanien mit je 150 Mann aufgestockt. Ab 1891 bestand die Anglo-Ägyptische Arme aus 8 Ägyptischen Infanterie Bataillonen (je 680 Mann), 6 Sudanesischen Infanterie Bataillonen (je 900 Mann), 5 Schwadronen Kavallerie (je 100 Mann), 5 Batterien Fuß-Artillerie (je 113 Mann), 1 Batterie Reitende Artillerie (137 Mann) und 6 Kompanien des Camel Corps (je 152 Mann). Die Gesamtstärke betrug 12.633 Mann. Die Ägyptische Kavallerie wurde zu dieser Zeit ausschließlich aus ägyptischen Bauern (fellahin), vornehmlich aus der Fayoum Oase rekrutiert. Das bisher ausschließlich ägyptische Camel Corps beinhaltete jetzt auch zwei sudanesische Kompanien. Ab 1989 hatten nun auch die Ägyptischen Bataillone 6 Kompanien. Im Jahr 1896 wurde die Armee um 4 Schwadronen Kavallerie und das 15. und 16. Ägyptische Infanterie Bataillon erweitert. 1897 baute man das Camel Corps auf 8 Kompanien (4 Ägyptische und 4 Sudanesische) aus. Die Kavallerie bestand jetzt aus 10 Schwadronen und zwei weitere Reserve-Bataillone (das 17. und 18. Ägyptische) wurden aufgestellt. Im Jahr 1898, als die Italienischen Askaris der Kassala-Garnison in die Ägyptische Armee eingegliedert wurden, kam ein weiteres Infanterie-Bataillon hinzu. Die Gesamtstärke der Armee lag zu diesem Zeitpunkt bei rund 18.000 Mann.

Es war üblich, dass die Ägyptischen Infanterie Bataillone mit (europäisch-) Arabischen Ziffern und die Sudanesischen mit Römischen Ziffern bezeichnet wurden.

Infanterie-Einheiten der Ägyptischen und Anglo-Ägyptischen Armee bis ca. 1900
Name Aufgestellt Abzeichen Typ

1. Bataillon

1882 Grüner Rhombus Ägyptisches Bataillon

2. Bataillon

1882 Schwarzes Dreieck Ägyptisches Bataillon

3. Bataillon

1882 Weißer Rhombus Ägyptisches Bataillon

4. Bataillon

1882 Rot-grünes Rechteck Ägyptisches Bataillon

5. Bataillon

1882 Hellblauer Rhombus Ägyptisches Bataillon

6. Bataillon

1882 Violettes Rechteck Ägyptisches Bataillon

7. Bataillon

1882 Rot-grünes Dreieck Ägyptisches Bataillon

8. Bataillon

1882 Gelbes Dreieck Ägyptisches Bataillon

IXth Bataillon

1884 Grün Sudanesisches Bataillon

Xth  Bataillon

1886 Schwarz Sudanesisches Bataillon

XIth  Bataillon

1888 Rot Sudanesisches Bataillon

XIIth  Bataillon

1888 Gelb Sudanesisches Bataillon

XIIIth  Bataillon

1886 Blau Sudanesisches Bataillon

XIVth  Bataillon

1890 Weiß Sudanesisches Bataillon

15. Bataillon

1896 Ägyptisches Bataillon

16. Bataillon

1896 Ägyptisches Bataillon

17. Bataillon

1897 Ägyptisches Bataillon

18. Bataillon

1897 Ägyptisches Bataillon

„Kassala Irregulars“

1898

Die Militärischen Ränge, sowie auch die Befehlsprache der damaligen Ägyptischen Armee hatten ihren Ursprung im Türkischen, da zu dieser Zeit Ägypten immer noch eine Provinz des Osmanischen Reiches war. Die Ränge der Ägyptischen Armee und ihr Equivalent in der Britischen Armee waren wie folgt gegliedert:

Ägypten Britannien Ägyptischer Ehrentitel
SIRDAR British Commander-in-Chief  1881-1925 Pasha
FARIK LIEUTENANT GENERAL
LEWA MAJOR GENERAL
MIRALAI BRIGADIER oder COLONEL Bey
KAIMAKAM LIEUTENANT COLONEL
BIMBASHI MAJOR Effendi
SAGHKOLOGASI ADJUTANT MAJOR
YUZBASHI CAPTAIN
MULAZIM AWAL LIEUTENANT
MULAZIM TANI SECOND LIEUTENANT
SOLKOLOGASI QUARTERMASTER
BASH SHAWISH SERGEANT MAJOR
BULK AMIN QUARTERMASTER SERGT
SHAWISH SERGEANT
OMBASHI CORPORAL
NAFAR PRIVATE

Von 1883 bis 1885 war Evelyn Henry Wood der erste britische Sirdar der ägyptischen Armee. Die Armee dieser Anfangsphase war natürlich zunächst noch auf einem sehr niedrigen Ausbildungsstand und wurde daher in den ersten Kampagnen des Mahdi – Aufstandes nicht eingesetzt. Erst als sich die Britische Armee Ende 1885 aus dem Sudan zurückzog, besetzte man die Grenzen mit ägyptischen Truppen. In den Jahren 1885 – 1892 übernahm Francis Grenfell den Posten des Sirdar. Unter seinem Befehl wurde die Ägyptische Armee stetig aufgestockt und geformt, bis 1892 Herbert Kitchner das Oberkommando übernahm. Er führte dann in den Jahren 1896 – 1898 die entscheiden Feldzüge zur Rückeroberung des Sudan, bei denen die Ägyptische Armee einen großen Anteil leistete.

Bewaffnung

Ausgerüstet war die Infanterie mit dem Amerikanischem 11 mm Remington „rolling block“ Rifle, während die Kavallerie eine kürzere Karabinerversion erhielt und die Artillerie mit einer Musketoon-Variante ausgestattet wurde. Im Jahr 1876 fertigten die USA von dieser Waffe 60.000 Exemplare und lieferte sie an Ägypten. Für den Nahkampf war die Infanterie mit einem Schwertbajonett, die Kavallerie mit Säbeln ausgestattet. Ab 1890 folgte dann nach und nach die Einführung der Lanze, die an alle Einheiten der Kavallerie ausgegeben wurde. 1885 wurde die Infanterie und das Camel Corps dann mit dem britischem Martini-Henry Rifle versehen, die Kavallerie erhielt, wie üblich, die Karabinervariante dieser Waffe.

Abgesessene Ägyptische Kavallerie im Gefecht. Gut zu sehen sind die Karabiner, mit denen die Reiter ausgerüstet sind.

Die Artillerie zu Fuß verwendete, je nach Gelände, entweder Maultiere oder Kamele zum Transport ihrer Geschütze. Pro Geschütz wurden jeweils vier Tiere benötigt. Zusätzlich konnte eine Vorrichtung angebracht werden, mit dessen Hilfe die Kanonen gezogen werden konnten.Von der Feldartillerie wurden 7-Pfünder „Mountain Guns“  und 6,5 cm Krupp Geschütze eingesetzt. Ab 1897 ersetzte man die alten Geschütze durch das Maxim-Nordenfelt 75 mm. Auch diese Waffe konnte auf 4 Tragetiere verladen werden. Die reitenden Batterien waren mit veralteten 7,75 Krupp Geschütze (oft als 7-Pfünder bezeichnet), ohne Bremsen und mit sehr geringer Feuerrate ausgerüstet. Jedes Geschütz wurde von einem Team aus 8 syrischen Pferden gezogen und im Feld von einem Munitionswagen begleitet. Für gewöhnlich bestanden alle Geschützkomponenten, mit Ausnahme der Räder,  aus Metall. Die Lafette hatte einen hellgrauen, die Rohre und Bremsen einen schwarzen Schutzanstrich.

Eine Batterie „Mountain Guns“ im Gefecht

Bis 1896 waren auch mehrläufige Gardner und Nordenfelt Repetiergeschütze in Gebrauch, danach ersetzte das neue Maxim Maschinengewehr diese veralteten Waffen. Bis 1898 wurden dann nur noch die Maxim Gun eingesetzt. Berühmt wurden die so genannten „galloping maxim“ der Kavallerie, die von 6 Pferden gezogen wurden. Die Artillerie Batterien bestanden aus je 6 Geschütze und die Maschinengewehr Batterien je 2.

 

Uniform und Ausrüstung

Die erste Infanterieuniform der neuen Ägyptischen Armee hatte sich im Vergleich zur alten Uniform zunächst kaum verändert. Sie bestand bei aus einer im Sommer einreihigen weißen Jacke mit 5 Messingknöpfen und einer ebenfalls weißen Hose, weißen Tuchgamaschen und schwarzen Schuhen. Für den Winter wurde eine dunkelblaue Uniform ausgegeben, die jedoch im Sudan nur äußerst selten Verwendung fand und so gut wie nie im Feld getragen wurde. Die Infanterie, die größtenteils aus fellaheen, der Bauerbevölkerung der Nilufer, bestand, trug auch manchmal die galoubieh.

 So bezeichnete man die Kombination aus einem langen weißen Baumwollhemd und einer weiten Baumwollhose. Im Feld waren auch eine ¾ Hose und Sandalen üblich. Das Leibkoppel, mit einem Koppelschloss aus Messing und einem Halbmond und Stern in der Mitte, war aus schwarzem Leder. Auch die einzelne Patronentasche, die an einer Schlaufe am Leibkoppel hing und somit vor oder hinter dem Körper getragen werden konnte, war aus schwarzem Leder gefertigt. Da die kleine Patronentasche nur geringe Mengen an Munition aufnehmen konnte, war es üblich, im Feld einen zusätzlichen improvisierten Patronengurt um die Schulter oder Hüfte zu schnallen.

In einem Lederschuh, welcher am Leibkoppel hing, steckte die schwarze Bajonettscheide mit Messingspitze. Die Kopfbedeckung war der rote tarboush, fälschlicherweise oft Fez genannt, mit schwarzer Quaste. Es sei erwähnt, dass der tarboush (auch tarboosh) als das Symbol des Osmanischen Reiches galt. Wer ihn trug, machte deutlich, dass er im Dienste des Sultans stand. Der tarboush wurde im Jahr 1826, im Zuge der Reformen des Sultans Mahumd II, als universelle männliche Kopfbedeckung des Osmanischen Reiches festgelegt. Für den Militärdienst im Sudan war diese Kopfbedeckung allerdings denkbar ungeeignet. Sie erlaubten dem Moslem zwar den Kopf beim Gebet bis zum Boden zu senken, bot aber gegen die allgegenwärtige Sonne des Sudans wenig Schutz. Es war deshalb üblich den tarboush mit zusätzlichen Sonnenschutzmaßnahmen auszustatten. Beispielsweise wurde ein Stofftuch über den tarboush gespannt und mit einem Hutband befestigt. Ein Teil reichte dabei bis über den oberen Rücken und diente somit als Nackenschutz. Bei einer anderen Variante wurde das Tuch unter den tarboush geschoben. Oft wickelte man ein langes Stoffband wie ein Turban um den tarboush, dass so als Augenschirm fungierte. Mit vollem Marschgepäck trugen die Soldaten einen schwarzen oder braunen Tornister mit einer gerollten Decke, die oben und seitlich um den Tornister geschnallt wurde. Bei einer anderen Trageweise wurde die gerollte Decke diagonal um den Oberkörper gelegt. Zu diesem Zeitpunkt gab es anscheinend noch keinen standardisierten Proviantbeutel und Wasserflasche. Abbildungen zeigen eine flache Metallflasche die mit dem Marschgepäck am Tornisterdeckel angebracht war und eine einfachen Proviantbeutel, der an der linken Körperseite hing. Die Offiziere trugen sehr häufig die dunkelblaue Uniform, die entweder aus einer einreihigen Uniformjacke mit acht Messingknöpfen oder einem zweireihigen Uniformrock bestand. Vermutlich sollte durch die zu den Unteroffizieren und Mannschaften unterschiedliche Farbe der Offiziersstatus herausgestellt werden. Der blaue Offiziersrock war mit goldenen Stickereien, so genannten Knoten, an den Ärmeln verziert. An der blauen Uniformjacke und an der weißen Uniform waren die Rangabzeichen auf den Schultern angebracht. Die Uniformhose wurde, zusammen mit dem Uniformrock, ohne Gamaschen getragen. Mit der Uniformjacke steckte die Hose oft in Reitstiefeln und bei unteren Offiziersrängen wurden Schuhe und Gamaschen verwendet. Bewaffnet waren die Offiziere mit einem gekrümmten Säbel, der in einer Stahlscheide steckte und mit dem Koppel durch zwei Riemen verbunden war. Oft wurde auch ein Revolver in einem braunen oder schwarzen Hohlster am Koppel getragen. Die Artillerie verwendet die gleiche Uniform, die dunkelblaue Version hatte jedoch rote Abzeichen. Die reitende Artillerie trug schwarze Stiefel, während die Fußartilleristen schwarze Schuhe und Halbgamaschen verwendeten.

 Der britische Künstler Caton Woodville bekam den Auftrag eine neue Uniform für die Ägyptische Armee zu entwerfen. Er verwendete drei verschiedene Blauschattierungen, die es ermöglichen sollten, die Truppengattungen optisch unterscheiden zu können. Die Infanterie erhielt eine mittelblaue, die Kavallerie eine himmelblaue und die Artillerie eine dunkelblaue Uniform. Die Uniformjacke der Infanterie hatte cremefarbene Abzeichen und wurde mit einem braunen Leibkoppel getragen. In Paradeuniform verwendete man weiße Halbgamaschen, zusammen mit der Dienstuniform blaue Wickelgamaschen. Die Trommler hatten eine weißen Paspelierung und die Musiker rote Abzeichen statt der cremefarbenen. Die Offiziere erhielten für ihre „große Uniform“ einen zweireihigen mittelblauen Uniformrock mit cremefarbenen Kragen, Paspelierung, Achselklappen und Hosenstreifen, goldene Ärmelknoten und goldene Rangabzeichen an den Achselklappen. Der Dienstanzug bestand aus einer einreihigen schwarzen Uniformjacke ohne Stickereien. Die Kavallerie erhielt die typische Uniform der Lanzenreiter, mit weißen Bruststück, Kragen, Schulterstücken, spitz zulaufenden Ärmelaufschlägen, Paspelierung und doppelten Biesen an den Reithosen. Ihr Kreuzbandelier war weiß mit schwarzer Patronetasche. In „großer Uniform“ wurden schwarze Stiefel getragen, im Dienst blauschwarze Wickelgamaschen. Die Kavallerieoffiziere trugen eine ähnliche Ausführung der „großen Uniform“. Im Dienst wurde eine dunkelblaue einreihige Uniformjacke mit weißem Kragen und unbestickten Ärmeln verwendet. Die Artillerie verwendete eine dunkelblaue einreihige Uniformjacke mit rotem Kragen, Achselklappen und Paspelierung und dunkelblauen Hosen mit roten Biesen. Am Kragenspiegel war eine kleine Messinggranate befestigt und auf den Schulterstücke ein arabisches „T“, sowie die Nummer der Batterie. Die Wickelgamaschen waren dunkelblau, das Leibkoppel zunächst weiß, dann braun. Die reitende Artillerie trug schwarze Patronentaschen, die von zwei gekreuzten Kanonen in Messing geziert wurden. Die Offiziere trugen einen zweireihigen dunkelblauen Uniformrock mit roten Kragen und goldenen Ärmelstickereien, sowie einer schwarzen Hose mit doppeltem Goldstreifen. Ihre Felduniform bestand aus einem einreihigen schwarzen Uniformrock mit roten Kragen, goldenen Granaten, schlichten Ärmeln und doppeltem roten Hosenstreifen. Generäle trugen einen schwarzen Dolman mit schwarzen Paspeln, goldnen Kleeblatt – Epauletten und gestickten Ärmelknoten. sowie einer schwarzen Hose mit goldenem Hosenstreifen. In  Alltagsuniform wurde die schwarze Standarduniformjacke getragen. Die Sommeruniform für unberittene Truppen war auch weiterhin weiß, mit weißen Gamaschen und roten tarboush. Berittene Truppen trugen weiße Uniformjacken nach Art der Lanzenreiter und ihre normale Winterhose. Infanterie Offiziere trugen eine einreihige weiße Uniformjacke, Kavallerie und Artillerie Offiziere eine zweireihige. Alle verwendeten Rangabzeichen auf den Achselklappen.

Ab 1885 wurde statt der weißen Sommeruniform eine neue Khaki Uniform eingeführt, die aber erst nach und nach ihren Weg zu den Truppen im Feld fand. So wurde das XI. sudanesische Bataillon erst 1887 mit vollem Khaki Drill eingekleidet. In dieser Übergangsphase bestand die Ausstattung zunächst aus einem dunkelblauen Pullover (jersey) für die Sudanesischen und einem braunen Pullover für die Ägyptischen Einheiten. Der Pullover hatte lederverstärkte Schulterstücke, um ihn vor Abnutzung durch das Lederzeug zu schützen. Dazu wurden Winkelgamaschen in Dunkelblau, tarboush und eine weiße, ab 1887 khakifarbene Hose getragen. Die neue Khakiuniform war etwas dunkler und nicht ganz so gelb, wie die Variante der britischen Armee dieser Zeit. Die Jacke war schlicht, mit 5 Messingknöpfen, einem Stehkragen und wurde zusammen mit einer khakifarbenen Hose, dunkelblauen Wickelgamaschen, braunen Lederzeug, roten tarboush und einem weißen Proviantbeutel getragen. Es gab noch kein standardisiertes Koppel und keine Patronentasche, jeder Soldat erhielt ein Stück Leder, aus dem er sich ein Patronengurt fertigte. Als die neue Khaki Uniform endlich ausgegeben wurde, behielten die sudanesischen Bataillone den blauen Pullover und auch ihre eigenen Patronengurte, da die neue Patronentasche sehr steifes Leder hatte und dadurch nicht richtig geschlossen werden konnte. Die Dienstgradwinkel waren rot und wurden nur am rechten Arm des Pullovers oder der Uniformjacke getragen. Die Offiziere trugen niemals den Pullover, sondern immer eine Uniformjacke mit Brusttaschen, oft in khaki bei britischen und in dunkelblau bei ägyptischen Offizieren. Statt der Wickelgamaschen trugen die Offiziere Tuchgamaschen. Das Lederzeug bestand aus dem so genannten „Sam Browne“ Koppel, einem britischen Fabrikat Die britischen Offiziere trugen den tarboush nur zu offiziellen Anlässen, im Feld wurde für gewöhnlich der ägyptische Tropenhelm mit einem Abzeichen, welches den osmanischen Stern und Halbmond zeigte, getragen. Dieses ägyptische Modell hatte einen etwas größeren Rand als das indische Modell, welches sonst die üblicherweise Wahl in der britischen Armee darstellte. Die Artillerie trug ebenfalls die Uniform der Infanterie, hatte aber rote Granaten am Kragen. Die weiße Uniform wurde von den sudanesischen Einheiten noch bis 1920 verwendet. Auch die  Kavallerie und vor allem das Camel Corps trugen noch längere Zeit die weiße Uniform. Das Camel Corps vermutlich noch bis 1905. Ihre Uniform sah wie folgt aus: Turban, jibbah und Reithose in weiß (Parade) oder khaki (im Felddienst), getragen mit einem grünen Kummerbund, blauschwarzen Wickelgamaschen, einem schwarzen Federstutz und Patronengurt. Es gibt auch einen Hinweis auf eine bestickte Weste, die vermutlich Teil der Ausgehuniform war.

Die Musiker trugen die gleichen Uniformen, wie die der einfachen Soldaten. Es gibt allerdings einige Abbildungen, bei der sowohl Trompeter, als auch Trommler zusammen mit der alten weißen und der neuen blauen Uniform, Schwalbennester auf den Schultern tragen. Zusammen mit dem blauen Pullover wurde von den Sudanesen auch eine rote Schärpe getragen. Jedes Bataillon hatte eine Trommler- und eine Trompeter-Abteilung, die Brigade verfügte außerdem über eine komplette Marschkapelle. Ab 1886 wurde die erste Formation mit Dudelsäcken für das IX. Sudanesische aufgestellt. Zum Ende des Jahrhunderts hatte dann fast jedes Infanterie Bataillon eine solche Dudelsack-Formation. Der Luftsack und der Trommlerkörper waren dunkelgrün. Die Trommel hatte rote Trommlerreifen und weiße Spannschnüre. Auf dem Trommlerkörper waren außerdem die Regimentsnummer und Schlachtfeldauszeichnungen aufgemalt.

 Das XI. sudanesisches Bataillon, welches seine Ursprung nicht in der Armee, sondern in der Gendarmerie hatte, behielt ihre typische Zouavenuniform. Diese Uniform bestand aus dunkelblauem Tuch mit gelben Paspeln und Stickereien. Um die Hüfte wurde eine rote Schärpe und ein braunes Koppel getragen. Dazu kamen eine weiße weite Hosen und Halbgamaschen, ein roter tarboush mit weißem Turban und schwarzen Schuhen. Im Jahr 1890 wurde die Zouavenuniform dann sogar als Winterausstattung an alle sudanesischen Bataillone ausgegeben. Die Uniform der übrigen Bataillone hatte allerdings hellblaue Paspeln und Stickereien. Die britischen Offiziere der sudanesischen Einheiten trugen eine pagri in Bataillonsfarbe und die Bataillonsnummer in gold zusammen mit ihren Tropenhelm.

Mit der neuen Uniform wurde der tarboush, um ihn zu schützen, oft zusammen mit einer imma getragen. In der ersten Phase war die imma nur ein Stoffband, das wie ein Turban um den tarboush gewickelt wurde. Später wurde ein Strohgeflecht, manchmal auch mit Nackenschutz, verwendet. Schließlich bestand die imma aus einem khakifarbenen Schutzüberzug mit Augenschirm und Nackenschutz. Der Augenschirm wurde oft nach innen und der Nackenschutz seitlich eingeklappt. Die Regimentsnummer (in Hindu-Arabischen Ziffern) und das farbige Bataillonssymbol wurden nur zusammen mit der khakifarbenem imma getragen, während der Bataillonsstreifen und schwarze Federstutz der Sudanesen auch mit der Stroh – imma Verwendung fand. Das Bataillonssymbol wurde bei den Ägyptischen Bataillonen an der Vorderseite des tarboush getragen, der Bataillonsstreifen bei den Sudanesischen Bataillonen vertikal an der rechten Außenseite.

Die Rangabzeichen an den Paradeuniformen bestanden bei den Offizieren aus den schon beschriebenen Ärmelknoten. Im Dienst- und Felduniform wurden Abzeichen auf den Achselklappen verwendet. Diese folgten dem britischen System, wobei die Krone nach Ägyptischen Muster und der 4-strahlige Stern durch einen 5-strahligen ersetzt wurde. Die Rangabzeichen der Unteroffiziere bestanden aus Dienstwinkeln, die am Ärmel getragen wurden. Obwohl dieses System dem britischen folgte, gab es auch einige kleine Unterschiede:

  • Sol (warrant officier) – vier nach untern gerichtete Winkel mit einem Stern darüber
  • Bash shawash (sergeant major) – vier nach untern gerichtete Winkel mit einer Krone darüber
  • Boulouq ameen (staff sergeant) – drei nach untern gerichtete Winkel mit einer Krone darüber
  • Shawash (sergeant) – drei nach untern gerichtete Winkel
  • Ombashi (corporal) – zwei nach untern gerichtete Winkel
  • Wakeel ombashi (lance corporal) – ein nach unten gerichteter Winkel

Die Winkel der beiden Mannschaftsdienstgrade wurden nur am rechten Arm getragen. Die Winkel waren aus farbigem Stoff, rot im Feld und weiß bei der Paradeuniform

Fahnen

Jedes Infanterie Bataillon wurde mit einer schlichten grünen Seidefahne ausgestattet. Die Fahnen hatten eine Größe von 100 x 80 cm und zeigten im Zentrum die Bataillons Nummer in Hindu-Arabischen Ziffern. Die Fahnen wurden auch im Feld getragen, allerdings auf dem Marsch im Schutzüberzug mit Messingspitze.

Ein Bataillon hatte eine besondere Fahne, das XI. Sudanesische. Diese Fahne wurde dem Bataillon am 27. Mai 1886 von den Cameron Highlandern verliehen und 1930, nach Auflösung des XI. Sudanesischen Bataillons, wider an die Cameron’s zurückgegeben.

Die rote Seidenfahne trug bei ihrer Verleihung die Ehrenzeichen Kosheh und Ginnis. Bei Auflösung des Bataillons trug die Fahne folgende Inschriften: Nile, 1884-85; Kosha; Ginnis; Sarras; Gemmeiza; Toski; Argin; Firket; Hafir; Sudan, 1897; Abu Hamed; The Atbara; Kartoum; Gedid; Sudan, 1899 und Nyam-Nyam. Auf einer Seite der Fahne waren alle Inschriften in Arabisch (mit Hindu-Arabischen Ziffern), auf der anderen Fahnenseite in englischer Sprache und römischen Ziffern gehalten. Der Fahnenrand hatte eine Franseneinfassung in rot und gold, die schwarzen Schriftbänder waren braungelb unterlegt und zusätzlich in Gold gefasst. Das zentrale Emblem der Fahne war ebenfalls in Gold gehalten und mit einem Kranz von grünen Blättern eingerahmt. Die Fahnestange besaß an der Spitze eine Messingverzierung in Form einer Krone und eines Halbmonds.

Neben den Bataillonsfahnen gab es für jede Kompanie einen kleinen rechteckigen Wimpel mit der Kompanie-Nummer in weiß. Eine Ausnahme bildete natürlich das weiße Tuch, das eine Nummer in Schwarz trug. Die Farbe der Fahne richtete sich nach der jeweiligen Kompanie-Nummer:

1. Kompanie – blau

2. Kompanie – Schwarz

3. Kompanie – weiß

4. Kompanie – gelb

5. Kompanie – grün

6. Kompanie – zinnoberrot

Diese Kompaniefahnen waren an Speerschäften befestigt und wurden beim Marsch an der Spitze der Kompanie getragen.

Die Ägyptische Nationalfahne entsprach der türkischen. Sie war rot mit einem großen weißen Stern und Halbmond im Zentrum. Die Fahne des Khediven war ebenfalls rot und zeigte drei kleine weiße Sterne und Halbmonde.

 Einheiten

Bedingt durch den langsamen Aufbau der neuen Ägyptischen Armee und ihren Anfangs sehr niedrigen Ausbildungsstand, fiel die Hauptlast der ersten Kriegsjahre des Mahdi-Aufstandes auf die Garnisonstruppen der einzelnen Provinzen. Im Jahr 1881 waren im Sudan ca. 40.000 reguläre Truppen auf 8 große Garnisonen und zahlreiche kleine Außenposten verteilt. Die im Sudan stationierten Truppen waren oft nur Soldaten zweiter Wahl, bei Offizieren galt eine Versetzung in den Sudan sogar als Bestrafungsmaßnahme. Um diese Truppen zu unterstützen wurden zahlreiche irreguläre Verbände, wie die Bashi Bazouk und Bazinger, sowie verbündete Stämme vor Ort angeworben.

Um den wichtigen Hafen und die Handelsrouten nach Berber am Nil und Kassala am Atbara freizuhalten, wurden Ende 1883 in Suakin nach und nach große Truppenverbände zusammengezogen und eine Reihe von Kriegsschiffen im Hafen postiert. Neben der Sicherung der Hafenstadt, sollten vor allem die belagerten Garnisonen Tokar und Sinkat befreit werden. Die Truppen, die unter dem Oberbefehl von Baker Pasha standen, waren eine wilde Mischung aus regulären und irregulären Verbänden, die aus allen Ecken des Sudans und Ägypten, sowie aus Osmanischen Länder, Somalia und Abessinien stammten.

Garnisonstruppen

Im Jahr 1883, als der Mahdia-Aufstand die Küste des roten Meeres erreichte, war ein Großteil der Garnisonstruppen des Ostsudan noch an der Grenze zu Abessinien massiert. In Somalia standen rund 4.600, in Massawa 2.500 und direkt an der Grenze 4.300 Mann. Die Anzahl der in Suakin stationierten Truppen wird mit 1.800 Soldaten angegeben. Vermutlich sind in dieser Zahl auch die Außenposten wie Sinkat und Tokar enthalten. Im Herbst 1883 traf Verstärkung, rund 500 Mann, in Form eines Bataillons Sudanesen aus Massawa ein. Zu diesem Zeitpunkt war Farik Sulaiman Pasha Nyazi Gouverneur des Ostsudan und der Kommandeur der Streitkräfte ein gewisser Mahmud Tahir Pasha. Beide galten als ägyptische Offiziere der so genannten „alten Schule“, zu ihren Eigenschaften zählten somit auch eine gute Portion Ignoranz und Selbstgefälligkeit. Sie pflegten keinerlei Beziehungen zu den Sheiks der Region und wohnten in Komfort und Sicherheit eines im Hafen vor Anker liegenden Schiffes, anstatt die offiziellen Residenz des Gouverneurs zu nutzen. Als Satorius Pasha mit einer Vorausabteilung der Gendarmen im Dezember 1883 in Suakin eintraf, hielten sich in der Stadt selbst nur noch 300 Soldaten der alten Garnison auf. Der übrigen Männer wurde vermutlich in den zurückliegenden Kämpfen aufgerieben oder desertierten. Die Uniform der Garnisonssoldaten wird als äußerst armselig beschrieben. Keine der Ausstattungen soll der des Nächsten geglichen haben. Selbst die Offiziere machten einen ungepflegten Eindruck. Um die Truppen in der Stadt zu verstärken, wurden erneut Sudanesische Garnisonssoldaten aus anderen Orten der Ostküste nach Suakin verlegt. Aus Massawa und Senhit schaffte man je 450 Mann herbei und formierte diese in zwei Bataillonen. Da die Sudanesen im Gegensaft zu den Ägyptern lebenslangen Militärdienst leisteten, waren diese Truppen wesentlich erfahrender und besser ausgebildet als die restlichen Einheiten, die sich in Suakin sammelten. Die Sudanesischen Soldaten erhielten vermutlich ebenfalls den Status von Gendarmen und wurden im Laufe der ersten Wochen nach ihrer Ankunft mit ähnlichen Uniformen und Ausrüstung versehen. Nach den Verlusten unter Baker Pasha bei El Teb verblieben im März 1884 noch rund 700 Ägyptische Soldaten in Suakin. Die Moral dieser Männer war jedoch äußerst schlecht. Die Briten ließen sogar 38 Männer auspeitschen, da sie den Befehl verweigert hatten.

Ägyptische Gendarmen

Die Gendarmen wurden mit Bildung der neuen Armee 1883 ins Leben gerufen. Sie sollten für Polizeiaufgaben in den Städten, an den Grenzen und in der Wüste eingesetzt werden. Uniform, Ausrüstung und Dienstränge entsprachen im Wesentlichen denen der Ägyptischen Armee. Die Gendarmen waren allerdings mit einem älteren Patronentaschenmodell ausgestattet. Diese schwarze Patronentasche hing an einem Bandelier über der linken Schulter und war mit einem Stern und Halbmond aus Messing geschmückt. Die blaue Winteruniform bestand bei den Gendarmen vermutlich aus einer Zouavenuniform. Noch in späteren Jahren wurde diese Zouavenuniform vom XI. Sudanesischem Bataillon getragen, da diese Einheit ursprünglich einen Teil der Gendarmen bildete. Es gibt auch einen Hinweis bei Mrs. Satorius, die in ihrem Buch erwähnt, dass die berittenen Gendarmen eine blaue Uniform mit gelben Abzeichen trugen. Des Weiteren zeigen einige Abbildungen verschiedener Zeitungen, diese Zouavenuniform. Die 6.000 Mann starke Truppe wurde aus Veteranen der alten Armee gebildet. Trotzdem waren die Männer nicht sehr verlässlich. Als ihr Oberbefehlshaber Valentine Baker mit den Bataillonen Alexandria und Kairo nach Suakin beordert wurde, desertierten 280 Gendarmen auf dem Weg dorthin. Die Veteranen hatten nach ihrer Versetzung in den Polizeidienst auf ein ruhiges Leben in der Heimat gehofft. Ein Kampfeinsatz im feindlichen Sudan war verständlicherweise das Letzte, was sie sich diese Männer wünschten. So erreichte Baker Suakin Anfang 1884 mit nur 1.120 Gendarmen, die dann durch weitere kleinere Einheiten auf insgesamt 1.500 Mann aufgestockt wurden.

Gendarmen in Winter- oder Paradeuniform

Zusätzliche Verstärkung erhielt die Truppe durch vier Schwadronen Kavallerie (400 Reiter). Auch im Kampf erwiesen sich die Männer als äußerst unzuverlässig, bei El Teb kommt es im Gefecht zu einer Massenpanik. Als die Gendarmen wieder nach Kairo eingeschifft werden, spielen sich im Hafen unglaubliche Szenen ab. Wylde berichtet:

„Es herrschte nicht die geringste Disziplin, die Transportschiffe waren so voll gestopft, dass es unmöglich wurde sich auf oder unter Deck zu bewegen. Die kleinen Boote, welche die Soldaten zu den Transportern brachten, kenterten fast, so überladen waren sie. Ein Ägyptischer Soldat, der am Strand nach seinem Schiff fragte, warf, sobald er seine Antwort erhielt, Gewehr und Ausrüstung beiseite, sprang ins Meer und schwamm zu seinem Dampfer, an dessen Ankerkette er schließlich empor kletterte“.

Bashi Bazouk (bashi-buzuq)

Die Bashi Bazouk erhalten reguläre Uniformen…

Als Bashi-Bazouk oder auch Bashi Buzuq wurden Söldner aus dem Balkan, der Türkei und anderen Gegenden des Osmanischen Reiches bezeichnet. Aus dem Türkischen übersetzt bedeutet ihr Name „sein Kopf ist irregulär“. Mit Kopf ist hier der Anführer oder Offizier gemeint und verdeutlicht damit den irregulären Status dieser Truppe. Die Bashi Bazouk wurden schon am Anfang des 19. Jahrhunderts zur Niederschlagung der Mameluken nach Ägypten geholt und bildeten seit dieser Zeit einen Teil der Streitkräfte. In den folgenden Jahren wurden sie oft als Steuereintreiber und Sklavenjäger eingesetzt, aus diesem Grund waren sie beritten und man setzte sie seit dieser Zeit meist auch als Kavallerieeinheit ein. Die Bashi Bazouk, die in den Jahren 1883 – 1884 an der Ostküste für die Ägyptische Regierung kämpften, stammten zum größten Teil aus Albanien, aber auch aus Abessinien und der Umgebung von Suakin. Der Kommandant (Deli-Bashi) der Bashi Bazouk in Suakin war Yusuf Bey. Er ließ die irreguläre Kavallerie in Schwadronen zusammenfassen, die in Kompanien (buluks) von unterschiedlicher Größe aufgeteilt waren. Anführer eines buluk war der Buluk-Bashi oder Sanjak, was in der regulären Armee einem Yuzbashi entsprach. Die Bashi Bazouk trugen für gewöhnlich keine Uniform, sondern waren in den Landestrachten ihrer Herkunftsregion gekleidet. Die Albaner in Suakin erhielten jedoch eine Uniform und waren nur Anfangs in ihrer typischen Kleidung anzutreffen, die von Mrs. Satorius wie folgt beschrieben wurde: „…der Albanische Bashi Bazouk war in sein normales Gewand gekleidet, einen schmutzigen Schafsfellmantel, ein ebenso schmutziges Hemd, eine Weste mit Ziernähten, eine Art kurzen griechischen Rock, enge Hosen und Schuhe, sowie den obligatorischen tarboush…Er war einer von den türkischen Rekruten, die bisher noch nicht in eine Uniform gesteckt wurde.“ Die Offiziere trugen meist sehr aufgefallene Uniformen und unterschieden sich so deutlich von den Mannschaften. Mrs. Satorius beschreibt in ihren Buch ebenfalls einen solchen Offizier: …der Colonel der Bashi Bazouk war ein gutaussehender Mann und sehr kleidsam gewandet. Er trug eine reich verzierte Weste nach Zouavenart, eine sehr weite dunkle Hose, sowie darunter enge Hosen mit Besatzstreifen und türkische Schuhe. Er hatte eine große rote Seidenschärpe, die gedreht in zahlreiche Falten um die Hüfte geschlungen war. An der rechten Seite steckte ein gekrümmter Säbel in der Schärpe und vor dem Körper zwei silberbeschlagene altmodische Pistolen. Über der Schärpe verlief eine Schnur, die kleine silberne Kästchen hielt, welche zur Aufbewahrung von Pulver, Kugeln und anderen Notwendigkeiten der Pistolen dienten.

Im Februar 1884 standen in Suakin knapp 200 Bashi Bazouk bereit.

Diese „Zouaven“-Uniform war vermutlich die „Winteruniform“ der Ägyptischen Gendarmen

Neben diesen Männern gab es auch ein Bataillon „Türkischer“ Infanterie, welches in Kairo rekrutiert worden war. Diese zunächst irreguläre Infanterie wird in vielen Quellen ebenfalls als Bashi-Bazouk oder türkische Bashi-Bazouk bezeichnet. Der genaue Status, sowie die getragene Uniform sind leider nicht eindeutig geklärt. Es gibt aber Anzeichen dafür, dass diese Einheit, wie auch alle anderen irregulären Truppen unter Baker Pasha, mit einer den regulären Gendarmen ähnlichen Uniform ausgestattet wurden.

 Bazinger

In Kairo wurde beschlossen, dass zur weiteren Unterstützung eine Einheit von 1.600 schwarzen Gewehrschützen, im Süden des Sudans als Bazinger bekannt, aufgestellt werden sollten. Der ehemalige Sklavenhändler Zubair Rahma Pasha, der nach seiner Absetzung als Gouverneur Dafurs nun als „Gast“ des Khediven in Kairo lebte, soll für die Beschaffung der Bazinger sorgen und diese dann als Befehlshaber nach Suakin führen. Die geforderte Anzahl wurde nicht ganz erreicht und so wurden schließlich nur knapp 1.200 Bazinger in zwei Bataillonen nach Suakin verschifft. Die Männer konnten allerdings nicht mit den ehemals gefürchteten Sklavensoldaten des Zubairs Pasha verglichen werden. Bei den Bazingern die Suakin erreichten, handelte es sich um völlig unausgebildete und unerfahrene Männer. Auch das Fehlen von Zubair Pasha als Befehlshaber, der auf Grund von Bedenken seitens der Regierung in Kairo verbleiben musste, wirkte sich äußerst ungünstig auf die Qualität der Truppe aus. Über die genaue Bekleidung der Bazinger gibt es keine Hinweise, es ist aber anzunehmen, dass auch diese Männer die übliche weiße Uniform und den tarboush erhielten.

Abessinische Scouts

Baker Pasha beauftragt Augustus Wylde, einen in Suakin ansässigen Händler, ein kleines Kontingent Abessinische Schützen in Massowa zu rekrutieren. Diese Abessinier werden von Wylde zusätzlich ausgebildet und so zu ausgezeichnete Gewehrschützen. Sie fungieren als Aufklärungseinheit und werden unter der Führung von Wylde, der ja eigentlich Zivilist war, auch zusammen mit der Britischen Armee bei Tamai eingesetzt. Sie operieren für gewöhnlich in kleinen Gruppen, von denen jeweils die Hälfte mit geladener Waffe bereit stand, um die zu decken, die gerade ihr Gewehr nachluden. Sobald die Waffen fertig geladen waren, schossen die Männer in Reserve ihre Gewehre ab und fielen hinter die Männer mit den geladen Waffen zurück oder, je nach Situation, rücken durch diese auf den Gegner vor. Über ihre Ausrüstung und Uniform gibt es nur wenige gesicherte Quellen. Mrs. Satorius schreibt in ihrem Buch:

…er berichtete, dass die Abessinischen Scouts sich nicht neu einkleiden lassen wollen und schon beim Anblick von Hosen meutern wollen. Diese Abessinier, 24 an der Zahl, sind aus Massowah als Freiwillige gekommen…schließlich wurde eingewilligt, sich ihrem Willen zu beugen. Sie behaupten, sie sind schließlich zum kämpfen gekommen und nicht um Hosen und Schuhe zu tragen.“

Es ist also anzunehmen, dass die Abessinier zunächst keine Uniform trugen. In einer Abbildung, welche die Männer bei Tamai zeigt, tragen diese jedoch weiße Uniformjacken und bis zum Knie gekrempelte Hosen. Sie sind mit einem Patronengurt um die Hüfte und einem zweiten Patronengurt über der Schulter ausgerüstet und tragen ein geknotetes, vermutlich farbiges Tuch auf dem Kopf. Es wird außerdem berichtet, dass sie zusätzlich zum Gewehr mit ihrem traditionellen Schwert bewaffnet waren.

Europäische Gendarmen

Die Berittenen Gendarmen wurden durch eine kleine Truppe europäischer Gendarmen verstärk. Sie bestand ausschließlich aus Italienern und wurde von Major Maletta befehligt. Über ihre Uniform ist leider nichts bekannt. Die Männer erhielten aber vermutlich die Uniform der Ägyptischen Gendarmen. Möglich wäre, dass sie statt des tarboush mit einem Tropenhelm ausgestattet waren.

Verbündete Stämme

Der Anführer der regierungstreuen Stämme rund um Suakin war der Sheikh Mahmoud Ali. Er konnte eine Truppe von rund 1.000 waffenfähigen Männern stellen. Er war das Oberhaupt der Fadlab, eines Stammes der Amarar. Von General Baker wurde er mit einer roten Uniformjacke beschenkt, die er oft voller Stolz trug. Weitere Verbündete waren Mahomed Hassab, das Oberhaupt der Nourab und Sheikh Morghani.

Der Korrespondent Bennet Burleigh bedient sich während seines Aufenthaltes in Suakin einiger verbündeter Fadlab als Melder. Er lässt sie ein weißes Stück Stoff in der Hand tragen, damit man sie nicht für feindliche Beja hält. Auch bei anderen Gelegenheiten werden die Verbündeten Beja gekennzeichnet, sie tragen zum Beispiel rote Tücher, die sie um den Kopf oder Hals wickeln. Diese Maßnahme ist auch unbedingt notwendig, denn immer wieder kommt es zu Verwechslungen, in denen Verbündete unbeabsichtigt beschossen werden oder feindliche Beja als Spione unerkannt bleiben.

Sudanesische Bataillone

Das erste sudanesische Bataillon, das IX., wurde aus den ehemaligen Soldaten gebildet, die sich noch in Ägypten aufhielten. Sie stammten vor allem aus den alten Garnisonen von Dongala und Berber. Dieses Bataillon wurde als neue Garnison für Suakin und die Grenzregion eingesetzt. Die nächsten beiden, das X. und XIII. Sudanesische, wurden aus Überlebenden der katastrophalen Niederlagen von 1884 bei El Teb zusammengestellt. Eines der 1884 unter Baker Pasha gebildeten sudanesischen Bataillone erhielt den Status einer regulären Einheit und stellte 1886 und 1887 ein Teil der Garnison in Suakin. Am 1. Mai 1888 wurde es offiziell in die Ägyptische Armee eingegliedert und erhielt die Bezeichnung XI. (sudanesische) Bataillon. Später wurden die bestehenden sudanesischen Bataillone auch durch gefangene Jihadiyya (Gewehrschützen des Kalifen) aufgefüllt. Der Anteil an erfahrenden Kämpfern war in diesem Teil der Ägyptischen Armee also immer recht hoch, hinzu kam noch die lebenslange Dienstzeit der sudanesischen Soldaten, die dazu beitrug, die Qualität der dieser Bataillone von Jahr zu Jahr zu erhöhen.

Reguläre Armee

1884 – Die erste Einheit der neuen regulären Ägyptischen Armee, die 1884 in Suakin eintrifft, ist eine 40 Mann starke Truppe des neu gebildeten Camel Corps. Sie kämpft an der Seite der britischen Truppen in der zweiten Schlacht bei El Teb und bei Tamai.

1885 – Ab Mai 1885 verlassen nach und nach die britischen Truppen Suakin und der Oberbefehl wird an General Hudson übergeben. Ende 1885 wurden in Suakin zwei Bataillone Infanterie, zwei Schwadronen Kavallerie, eine Batterie Artillerie und 50 Mann des Camel Corps der Ägyptischen Armee stationiert.

1886 – In diesem Jahr wechselte das Amt des General Gouverneurs ganze fünf Mal! General Dixon ersetzte zunächst Chermside, dieser wurde von Sir Charles Warren ersetzt, dann erhielt General Hodding den Posten, im Mai übernimmt Major Watson und dann es folgt schließlich im September Colonel Kitchner. Am 11. Mai 1886 verlassen die letzten britischen und indischen Soldaten Suakin. Die Garnison besteht jetzt aus 2.500 Mann.

1887 – Im Herbst des Jahres 1887 werden 2 Bataillonen aufgrund der relativ ruhigen Lage abgezogen.

1888 – Im September 1888 treten die feindlichen Beja erneut in Erscheinung und eine Bataillon Ägyptischer Infanterie wird wieder nach Suakin verlegt. Im November trifft General Grenfell mit zwei Bataillonen und 6 Mörsern ein. Im Dezember werden auf dem Landweg weitere 2 Bataillone nach Suakin verlegt, wodurch die Truppenanzahl auf rund 2.000 Ägyptische und 2.000 Sudanesische Soldaten ansteigt.

1889 – Die Truppenstärke in Suakin wird wieder auf 2.000 Mann reduziert. Ab Oktober ist Colonel Holled-Smith Oberbefehlshaber in Suakin.

1893 – Hunter wird General Gouverneur des Ostsudan

1895 – Colonel Lloyd tritt die Nachfolge Hunters an.

1896 – Ab April 1896, dem Beginn der Rückeroberung des Sudan, wurden die Ägyptischen Garnisonstruppen in Suakin, die nun für den Feldzug in Dongola benötigt wurden, nach und nach abgezogen und durch ein indisches Kontingent ersetzt.

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