Das Repetiergeschütz im Sudan

Beutewaffen der Ansari, ausgestellt im Khalifa’s House Museum in Omdurman

Die Gardener, Gatling und Nordenfelt Gun waren Repetiergeschütze, also die Vorläufer der schweren Maschinengewehre, die am Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Siegeszug auf den Schlachtfeldern der Welt antraten. Im Gegensatz zum Maschinengewehr, war die Ära des Repetiergeschützes recht kurz und auch nicht sehr erfolgreich. Verwendet wurde diese Waffe von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Repetiergeschütz war eine Schusswaffe, bei der über einen von Hand zu betätigenden Mechanismus Munition aus einem Magazin in das Patronenlager nachgeladen (repetiert) wurde. Obwohl das Kaliber dem der damaligen Gewehren entsprach oder zumindest nur geringfügig größer war, waren die Waffen so schwer, dass sie auf eine Lafette montiert werden mussten. Aus diesem Grund wurden sie auch im Heer in aller Regel der Artillerie zugeordnet, die Marine verwendete sie ebenfalls, hier wurden sie meist auf kleinen Schiffen eingesetzt.

Gatling Gun

Das erste praktikable Repetiergeschütz wurde 1861 vom Amerikaner Richard Jordan Gatling entwickelt und zuerst im amerikanischen Bürgerkrieg eingesetzt. Die Gatling-Gun wurde 1870 in mehreren Versionen von den Briten getestet und ab 1874 mit dem Kaliber .65 und einer zehn-läufigen Version eingeführt. Den ersten Einsatz in britischen Diensten sah die Gatling in der Schlacht von Gingindlovu, die während der Zulukriege am 2. April 1879 ausgefochten wurde. Im Sudan wurde das Modell von 1871 verwendet und kam dort während den Kämpfen an der Ostküste und am Nil zum Einsatz. So führten die ägyptischen Truppen von Valentine Baker zwei Gatlings in der ersten Schlacht von El Teb mit sich. Diese wurde von den siegreichen Beja erbeutet und dann, nur wenige Wochen später, in der zweiten Schlacht von El Teb, von den britischen Truppen wider zurückerobert. General Graham, der die britischen Truppen kommandierte, hatte in seinen Reihen ebenfalls 3 Gatlings, die von detachierten Marinesoldaten bedient wurden. Diese Waffen kamen sowohl bei El Teb, als auch in der Schlacht bei Tamai zum Einsatz.

Zur Bedienung der Gatling wurden meistens ein Unteroffizier und fünf Mann abgestellt. Bedient wurde die Waffe mit einer Kurbel, wobei eine theoretische Feuergeschwindigkeit von 800 Schuss pro Minute erreicht werden konnte. Bei dem Modell M1871 wurde die bewährte Funktionsweise des Revolvers verwendet. Wie bei dieser Handfeuerwaffe, wurden die Patronen über ein Zylindermagazin, der so genannten Broadwell Trommel, der Waffe zugeführt. In der Trommel waren die Patronen zu je 20 Stück in 20 Stabmagazinen untergebracht, die kreisförmig um eine zentrale Achse angeordnet waren. Der Ladeschütze wechselte das Magazin, während der Schütze die Waffe bediente und ausrichtete. Da die Waffe von oben mit Munition versorgt wurde, war die Visiereinrichtung an der Seite angebracht. Das Zielen an sich war recht schwierig, da beim Schießen die Kurbel beständig gedreht werden musste. In der Praxis übernahm deshalb oft ein dritter Mann das anvisieren der Ziele. Weitere Schwierigkeiten ergaben sich durch die starke Rauchentwicklung, das rauchlose Pulver war noch nicht in Gebrauch, und häufige Ladehemmungen, die durch ein zu schnelles drehen der Kurbel verursacht wurden.

 

Hier wird die genaue Funktionsweise erläutert:

Nordenfelt-Mitrailleuse

Die Nordenfelt-Mitrailleuse war eine von der Nordenfelt-Compagnie konstruierte und gebaute Mitrailleuse, die automatisch und nichtautomatisch arbeitete. Die nicht automatische Nordenfelt-Mitrailleuse wurde vom schwedischen Waffenkonstrukteur Thorsten Nordenfelt (1842-1920), die automatische von seinem Landsmann Hauptmann Bergman entwickelt. Die nichtautomatische wurde mit einem bis zwölf Läufen versehen und hatte entweder Gewehrkaliber oder 25,4 mm-Kaliber.

Vierläufige Mitrailleusen wurden z. B. in der britischen Marine und auch in Seestreitkräften anderer Länder eingeführt. Jeder der vier Läufe, die auf einem Rahmen nebeneinander lagen, hatte ein Schloss. Alle vier Schlösser wurden gleichzeitig mit Hilfe eines Hebels bedient, der seitwärts heraustrat und vor- wie zurück bewegt werden konnte. Wurden die Läufe abgefeuert, so befand sich der Hebel in der vorwärtigen Lage; er wurde dann langsam zurückbewegt, wodurch sich gleichzeitig die Läufe öffneten und die leeren Patronenhülsen auswarfen. Durch Wiedervorführen des Hebels wurden die Läufe erneut schussfertig gemacht und der letzte Teil der Bewegung bewirkte das Abfeuern eines Laufs nach dem anderen in Pausen, die so verkürzt werden konnten, dass es einer Salve ähnlich war. Ein auf dem Apparat aufgesetzter Ladetrichter versorgte die Läufe mit Patronen.

 Die automatischen Nordenfelt-Mitrailleusen waren einläufig und gehörten zu den Maschinengewehren, bei denen der Lauf feststeht und das Schloss durch den Rückstoß arbeitete.

Bild aus dem Film KHARTOUM in dem eine Northenfeld Gun zum Einsatz kommt.

Die nichtautomatische Nordenfelt wurde auch von Ägyptischen Truppen, unter anderem während der Belagerung  von Khartoum, eingesetzt. Die Armee unter Hicks Pasha führte ebenfalls 6 Nordenfeld mit auf ihrer Expedition nach El Obeid. Einige dieser dann durch die Ansar eroberten Waffen werden noch heute im Khalia’s House Museum in Omdurman ausgestellt.

Hier wird die genaue Funktionsweise erläutert:

Gardner gun

Das Gardner Maschinengewehr wurde 1874 von William Gardner, einem ehemaligem Captain der Amerikanischen Unionsarmee erfunden. Nach der Herstellung eines Prototyps, wandte er sich an die Firma Pratt and Whitney, die nach einem Jahr Entwicklungszeit eine militärtaugliche Version produzierte. Im Jahr 1880 interessierte sich auch die Royal Navy, die schon die Gatling Gun erfolgreich eingeführt hatte, für diese neue Waffe. Sie lud Gardner nach England ein, wo er nach erfolgreichen Tests, mit der Produktion begann. Auch die Britische Armee zeigte Interesse und führte bald darauf eine Version mit 5 Läufen und Kaliber .45 ein. Diese Version wurde auch im Sudan, so bei der Schlacht von Abu Klea eingesetzt, wo sie sich allerdings sehr anfällig gegen Sand und Staub zeigte.

Die Gardner Gun hatte zunächst ein oder zwei Läufe und wurde durch ein vertikales Magazin oder Trichter mit Munition versorgt. Bedient wurde das Geschütz durch eine Kurbel. Sobald diese gedreht wurde, positionierte ein Zuführungsarm eine Patrone im Lauf, das Schloss wurde geschlossen und die Waffe feuerte. Wurde die Kurbel weiter bewegt, öffnete sich der Verschluss und die Patronenhülse wurde ausgeworfen. Die Waffe war relativ leicht, zuverlässig und hatte eine Feuerrate von 800 Schuss pro Minute.

Eine schone Skizze von Prior die Gardner und Gatling im Einsatz bei El Teb zeigen. An der Protze ist das Zuggeschirr zu sehen. Die Geschütze wurden von je 8 Seeleuten gezogen!

Die Version mit 5 Läufen, die im Sudan eingesetzt wurde, erinnerte im Aussehen stark der Northenfeld Gun. Ein einfacher Weg die eine von der anderen zu unterscheiden, war der unterschiedliche Auslösemechanismus, also die Kurbel bei der Gardner und der Hebel bei der Northenfeld Gun. Auch in der zweiten Schlacht von El Teb und bei Tamai wurde die Gardner Gun neben der Gatling eingesetzt.

Hier wird die genaue Funktionsweise erläutert:

Maxim

Die kurze Ära des Repetiergeschützes wurde durch die Entwicklung des Maxim Maschinengewehrs beendet, einem von Hiram Maxim 1884 patentierte Prinzip einer automatischen nachladenden Waffe mit nur einem Lauf. Das auf 2250 m visierte, wassergekühlte Maxim-Maschinengewehr wurde über einen Munitionsgurt (250 Patronen) versorgt und feuerte bis zu 600 Schuss pro Minute. Die ab 1891 eingeführten Modelle waren zunächst aufgeprotzt, ab 1897 kamen mit dem Dreifuß abgestützte Waffen zum Einsatz. Mit der Einführung rauchlosen Pulvers wurde das Standardkaliber von .45 auf .303 verringert. Zum Kampfeinsatz kamen die Waffen zunächst in Kolonialkriegen, zum ersten Mal 1893 im Matabele Krieg, wo ein detachierte Gruppe von 50 Infanteristen mit 4 Maxim Maschinengewehren sich gegen 5.000 Krieger verteidigen konnte. In der Sudan Kampagne von 1898 war die Maxim Gun extrem erfolgreich. In der Schlacht von Omdurman kamen mehr als 60 Maxim Maschinengewehre zum Einsatz. Davon wurden 34 in 4 Feldbatterien in Position gebracht und 32 beschossen den Feind von den im Nil liegenden Kanonenbooten aus.

Die Seeleute können bei Tamai die bereits überrannten Geschütze zurückerobern.

2 Kommentare zu „Das Repetiergeschütz im Sudan“

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